1000 Gesichter des Sir Christopher Lee, Teil 1, Die

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Die 1000 Gesichter des Sir Christopher Lee, Teil I

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Es musste ja einmal soweit kommen. Einer der beliebtesten Schauspieler aller Zeiten ist nicht mehr. Ist eine Oase des schlechten (Film)-Geschmacks wie Badmovies nun der rechte Ort, um Sir Christopher Carandini Lee zu huldigen und zu gedenken? Teufel, ja! Trotz all der Klassiker und Box-Office-Hits hatte auch ein Sir Christopher, oft aus Finanznot, sein Quantum Trash produziert – und nicht zuwenig!

(Und wer sich nun fragt, wie wir es geschafft haben dieses Special zusammenzustellen obwohl Sir Christopher noch nicht einmal unter der Erde liegt: genau wie die Tageszeitungen. Die Nachrufe und Epitaphen werden dort auch teilweise Jahre bevor die zu Betrauernden überhaupt kalt ist, geschrieben).

Also stimmen wir eine Fanfare an, ein Salut und machen uns auf einen längeren Ritt bereit (Christopher Lee hatte immerhin 270+ Rolle auf seiner Vita).


Sir Christopher Lee: Der Mann und sein Leben

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Sir Christopher Frank Carandini Lee
27 Mai 1922 – 07 Juni 2015

Man könnte jetzt viel über die 100 Lebensjahre des Christopher Lee schreiben. Da wir aber Badmovies und nicht Wikipedia sind, halten wir uns bei Lees Vita ein wenig zurück und beschränken uns auf das Notwendigste (und das wird noch lang genug):

Ein ziemlich junger Sir Christopher Frank Carandini Lee erblickte am 27. Mai 1922 im Londoner Nobel-Viertel Belgravia das Licht der Welt. Zwar war der Herr Papa nur ein Bürgerlicher, der sowohl im Burenkrieg als auch im Ersten Weltkrieg diente, aber die Mama war eine waschechte Carandini, ein italienisches Adelsgeschlecht, das seinen Familienstammbaum bis zu Karl dem Großen zurückverfolgen kann. (Gezwungenermaßen) musste Lee selbst in den „Großen Krieg“ ziehen, diente bei der Royal Air Force und der nachrichtendienstlichen Spezialeinheit SOE („Special Operation Executives“), wo er es bis zum Rang des Hauptmanns brachte (Lee sprach selten über seine Arbeit bei der SOE – oder, wie er angab, dürfe „darüber nicht reden“. Aber es wurde oft gemunkelt, dass sein Stiefcousin, Ian Flemming, seine Romanfigur 007 James Bond zum Teil auf Christopher Lee basierte; davon später mehr.

Nach Kriegende arbeitete Lee kurzzeitig im südlichen Afrika für die rhodesische Polizei, um, wie er in seiner Biographie meinte, „einmal etwas anderes zu tun“. Ende der 1940er Jahre zog es Lee zurück nach Großbritannien, wo er sich mit 25 an der Schauspielerei versuchte (zuvor hatte Lee keinerlei Erfahrung und hatte nur einen Auftritt in einem Schülerstück als Rumpelstilzchen). Aber aller Anfang ist schwer und Lee wurde fürderhin Steine in den Weg gelegt, da ihn Regisseur und Produzenten mit seinen knapp 2 Metern (1 Meter 96, um genau zu sein) als zu groß einstufte. Es folgte ein Jahrzehnt, in dem sich Lee mit kleinen Nebenrollen über Wasser hielt – bis ihm sein imposanter Körperbau als Monsterdarsteller in den frühen Hammer-Horrorfilmen zum Vorteil wurde und er praktisch über Nacht als neuer Dracula zum Superstar wurde. Zusammen mit seinem Kumpel Peter Cushing wurde Lee zu einem der populärsten Schauspieler aus dem Hammer-Stall, aber bald fühlte Lee sich als lebendes Stereotyp, und wurde der ewigen Dracula- und Horrorfilme überdrüssig.

Mitte der 1970er Jahre wollte sich Lee endgültig von seinem Image lösen und immigrierte in die Vereinigten Staaten. Leider musste er dort feststellen, dass man vom Kult-Status allein nicht leben kann, dass Hollywood mit Schauspielern praktisch überfüllt war und dass selbst die großen Namen nehmen mussten, was ihnen „kredenzt“ wurde. Es wurde ihm so manches kredenzt. Großteils Nebenrollen in B-Movies und mannigfaltige Trash-Produkte. Aber die Miete wollte bezahlt werden und meist machte Lee gute Miene zum bösen Spiel. Auch ein junger John Carpenter kam an und bot ihm eine Rolle in seinem Slasher-Filmchen Halloween an, wo er den Dr. Loomis spielen sollte. Es war eine der wenigen Rollen die Lee ablehnte – und, laut eigenen Angaben, einer der größten Fehler seines Lebens (nur Donald Pleasence, der hatte natürlich gut lachen). Auch ein Sir Christopher darf sich ein gelegentliches Bedauern leisten. Ein weiteres war, dass er Leslie Nielsens Rolle in Airplane ausschlug und dass die Rolle des Magneto in X-Men an Ian McKellen statt an Lee ging.

Wenn er nicht gerade mit der Schauspielerei beschäftigt war, widmete Lee sich zwei seiner Passionen. Eine davon war das erlernen von Sprachen, die Lee sich zum großteils autodidaktisch beibrachte. Deutsch (praktisch perfekt) erlernte der Schauspieler während seiner Jugendjahren in der Schweiz, mit Hilfe der Opern seines Lieblingsmusikers, Richard Wagner. Lee erlernte die Muttersprache seiner mütterlichen Vorfahren, Italienisch, sowie Russisch, Spanisch, Griechisch und Dänisch (die Muttersprache seiner Ehefrau Birgit Kroencke, mit der er seit 1961 verheiratet war), aber auch Portugiesisch, Swahili und drei Urdu-Dialekte. Auch nicht schlecht, kann man da nur sagen.

Das Thema Wagner bringt uns zu Lees dritter Passion: Die Musik. Vor seiner Zeit als Schauspieler genoss Lee eine Ausbildung als Opernsänger, die er gelegentlich auch in seinen Filmen (The Wicker Man, The Return of Captain Invincible) zur Schau stellen durfte. Abgesehen von der Oper, veröffentlichte Lee 1996 sein Album „Christopher Lee sings Devils, Rogues & other Villains“, in dem er Lieder von Mozart, Wagner und anderen Komponisten zum Besten gab. In den 80er Jahren fand Lee seine Liebe zur Heavy Metal Musik. Mit der italienischen Symphonic-Power-Metal-Band “Rhapsody of Fire” nahm er die EP The Dark Secret (2004) und das Album Symphony of Enchanted Lands II – The Dark Secret (auch 2004) auf. Obwohl das Haupthaar zu dieser Zeit schon etwas dünn war, hatte Lee Geschmack am Sound der harten Mannesmänner gefunden und nahm 2010 sein erstes Solo-Metal-Album "Charlemagne: By the Sword and the Cross" auf, dem – passend zu Lees 90ten Geburtstag – das Album "Charlemagne: The Omens of Death" folgte. "A Heavy Metal Christmas", mit Heavy-Metal-Covern der klassischen Weihnachtslieder und die EP "A Heavy Metal Christmas Too" schafften es sogar auf die Downloadcharts der Billboard Hot 100, was Lee mit 92 Lenzen zum ältesten lebenden Künstler wurde, der sich je in den Charts platzierte.


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Christopher Lee wünscht „A Heavy Metal Christmas“.


Zurück zum Thema Film. Wie gesagt, Lee war sich in den 80er und 90er Jahren nicht zu fein, auch in Billigproduktionen aufzutreten, seien es in Das Tier II (AKA Stirba – Werewolf Bitch) oder den letzten Aufguss der Police Academy-Reihe. Viele dieser Produkte kamen überhaupt nur durch den Namen Christopher Lee an den Kunden. In der Neige des 20ten Jahrhundert meinten es die Schauspielgötter noch einmal gut mit dem Veteranen. Es kam ein neuseeländischer Regisseur namens Peter Jackson daher und bot Lee die Rolle des bitterbösen Zauberers Saruman in seinen Herr der Ringe-Filme an. Ein Glückgriff für beide Parteien: Jackson hatte einen weiteren Kult-Namen in seinem Star-Ensemble und für Lee, ein lebenslanger Tolkien-Fan und Koryphäe auf dem Gebiet Mittelerde, wurde ein Traum wahr. Wieder über Nacht, wurde Lee ein Held für eine Generation, die zum Grossteil gar nicht wussten, dass Lee vor 30 Jahren als Graf Dracula gefeiert wurde. Dem folgte ein gefeierter Auftritt in George Lucas Star Wars-Prequels. Die waren zwar generell Bockmist, aber Lees Count Doku wurde zum Aushängeschild der letzten beiden Teile (und zu einem der wenigen Lichtblicke in der ganzen garstigen Geschichte).

Trotzdem: auch ein Christopher Lee blieb nicht ewig jung und wurde im Alter von diversen Zipperlein geplagt. Gegen Ende des ersten Jahrzehnts des 21sten Jahrhunderts entschied sich Lee, von nun an nur noch kleine Rollen in Filmen seiner Wahl anzunehmen. In seiner Freizeit engagierte sich Lee für wohltätige Zwecke, etwa für die UNICEF. Über die Jahre hatten die Fans immer wieder gejammert, dass man Lee bei den Oscarverleihungen übergangen hätte. Aber 2009 gab es etwas Besseres als ein vergoldetes Männlein, das man an Hinz, Kunz und Quentin Tarantino verteilte: Die Queen adelte Christopher Lee mit dem „Knight Bachelor“ und von dato an durfte sich Lee Sir Christopher nennen.

Wer noch mehr über den Herren, sein Leben und Lebenswerk erfahren will, dem seinen die Bücher „Christopher Lee: Tall, Dark and Gruesome. An Autobiography“, oder „Lord of Misrule. The Autobiography of Christopher Lee” ans Herz gelegt. Hier aber machen wir weiter und besprechen Christopher Lees Filme in Wort und Bild, von Nummer Eins bis 252 (was ein wenig gemogelt ist: Laut dem Guinness Buch der Rekorde werden runde 300 Rollen angegeben, aber da wir auch einmal zu einem Ende kommen wollen, haben wir uns beispielsweise bei den TV-Rollen auf die Serien, nicht die einzelnen Folgen beschränkt und auch diverse Sprechrollen in Computerspielen wie „Kingdom Hearts“ oder den diversen „Herr der Ringe“-Ablegern weggelassen). So wünschen wir noch einen informativen Abend, im Gedenken an einen der kultigsten Schauspieler überhaupt.

Und hier noch ein spezielles "Thank You" und "Well Done" an den Kollegen, Technik-Genius dieser Seite und Sir-Christopher-Anhänger Spaulding, der es sich nicht hat nehmen lassen, für diesen Rückblick eine Poster- und Trailer-Show zu Lees Lebenswerk zusammenzustellen. Eine Heidenarbeit, also darf man auch hier zu Three-Cheers anstimmen. (Post Skriptum: momentan werkelt und feilt Mr. Spaulding noch an seinem Werk, also bitten wir noch um etwas Geduld.)



01. Kaleidoscope (1946-1947)


==Lee-Fazit==
Laut dem Wikipedia-Artikel war die TV-Serie „Kaleidoscope“ eine der populärsten Live-TV-Sendungen im Großbritannien der Nachkriegszeit. Eine Mischung aus Seifenopern, Kurzgeschichten, Sketchen und TV-Spielen. Etwas von allem für jeden (außer natürlich Porno, mit dem wurde gegeizt). Es mag damit zusammenhängen, dass alle, die die Sendung gesehen haben bereits tot sind, aber heute ist eigentlich nur noch eines über „Kaleidoscope“ bekannt: Christopher Lee, gerade 24 Lenze alt, wirkte in zwei Episoden mit und gab in einem 10-minütigen Sketch als Kommissar sein filmtechnisches Debüt. Vielleicht haben ja Film-Archäologen einmal mehr Glück, aber vermutlich wäre Lee selbst daran gelegen, dass das Material ein Opfer des Schimmels wurde. Lees Co-Star Richard Molinas, ebenfalls ein blutiger Anfänger, war bei der Live-Aufnahme derartig nervös, dass ihm seine Darmgase förmlich explodierten. In einer seiner Autobiographien, schätzte Lee ungefähr 50 "Salven" in nur 10 Minuten.


02. Im Banne der Vergangenheit (1948)

Paul Mangin (Eric Portman) ist ein wohlhabender Künstler und hoffnungsloser Exzentriker, der sein Leben praktisch in der Vergangenheit lebt und sich für Cesare Borgia hält. Der Künstler beginnt ein Techtelmechtel mit seiner Angebeteten Mifanwy (Edana Romney), die er für die Wiedergeburt seiner ehemaligen Geliebten hält. Mifanwy selbst hält sich für die wiedergeborene Marie Antoinette und passt schon deshalb zu Paul. Es beginnt eine bizarre, fast schon psychedelische Liebesaffäre zwischen den Beiden, die Zeit und Wirklichkeit überspannt und in Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett endet.


==Lee-Fazit==
Wenn Fans versuchten, sich mit einem “Ich habe alle ihre Filme gesehen“ anzubiedern, antwortete Christopher Lee meistens recht trocken: “Nein, hast du nicht. Nicht einmal ich habe sie alle gesehen.“ So nehme ich mir die Ehrlichkeit heraus und sage, „nein, ich habe „Im Banne der Vergangenheit“ auch nicht gesehen". Das haben wohl die wenigsten. Fest steht nur, dass „Im Banne der Vergangenheit“ nicht nur Lees Kinodebüt war, sondern auch das des späteren James-Bond-Regisseurs Terence Young, und dass die zukünftige Miss Moneypenny Lois Maxwell eine kleine Rolle in dem Streifen hatte.



03. One Night with You (1948)

Eine harmlose, musikalische Komödie, in der eine englische Touristin (Patricia Roc) mit einem italienischen Opernsänger (Nino Martini) eine Nacht in einem verlassenen Bahnhof verbringen muss.

Terence Youngs Zweitwerk One Night with You (und zugleich Lees zweiter Kinoauftritt) ist ein Remake des damals populären, aber heute ziemlich in Vergessenheit geratenen It Happened One Night und nichts, was die Zeiten überdauert hätte. Eine schwülstige Romanze, vorhersehbar und so altmodisch wie Opas Hausschuhe.


==Lee-Fazit==
1948 war ein geschäftiges Jahr für den jungen Christopher Lee: gleich acht Filmrollen an der Zahl finden sich auf seiner Vita. Freilich, Hauptrollen waren keine dabei. Lee hat eine kleine Nebenrolle als Assistent des Musical-Produzenten Pirelli, und das einzige was es noch wert zu erwähnen ist, ist dass ein weiterer zukünftiger Kino-Vampir ebenfalls einen Auftritt hat: Ferdy Mayne spielt einen Polizisten.



04. Hamlet (1948)

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”Da steh ich nun und kann nicht anders
(und halte einen Speer).”


==Lee-Fazit==
Natürlich eine Verfilmung des historischen Drehbuchautors aus Stratford-upon-Avon (das Stück mit dem „Schwein oder nicht Schwein“-Zitat), die erste vertonte Version des Stückes, mit dem unsterblichen Sir Laurence Olivier in der Hauptrolle. Laurence heimste dafür einen Oskar ein. Lee hatte weniger Glück: in einer Komparsenrolle als Speerträger, wird er im Abspann nicht einmal erwähnt. Außerdem war es vermutlich das erste Zusammentreffen mit Peter Cushing, der hier den Osric spielt.



05. A Song for Tomorrow (1948)

Schwülstiges Liebesdrama um einen Kriegsveteran (Ralph Michael), der nach einer Operation sein Gedächtnis verliert, als Pianospieler in einem Nachtclub arbeitet, dort seine Verlobte (Evelyn Maccabe) an ihrer Stimme erkennt und wieder findet. Sollte noch erwähnt werden, dass Regisseur Terence Fisher, der später mit Lee in seinen Hammer-Erfolgen arbeiten und auch sonst einige der Klassiker der Traditionsfabrik drehen sollte, hier sein Debüt gibt.


==Lee-Fazit==
Wieder nur eine kleine Nebenrolle als Lebemann Auguste, aber vielleicht hat ja Terence Fisher etwas in dem jungen Schauspieler gesehen und später ein Veto dazu eingelegt, dass Lee in seinen Verfilmungen von „Frankenstein“ und „Dracula“ eine Hauptrolle bekommen sollte.



06. Penny and the Pownell Case (1948)

Krimi-Klamauk aus der Nachkriegszeit: Penny (Peggy Evans) ist scheinbar „nur“ ein hohlköpfiges Modell, das einen Großteil der Spielzeit damit verbringt, ihre Kleider zu wechseln. In ihrer Freizeit hilft Penny der Polizei dabei, eine Gruppe von Nazis dingfest zu machen. Ironisch: das zukünftige Mit Schirm, Scharm und Melone-Sex-Symbol Diana Dors spielt hier eine unscheinbare Sekretärin.


==Lee-Fazit==
Nebenrolle als Journalist Jonathan Blair, den der Drehbuchautor auf Norman Rett, den Zeichner der damals populären „Jane“-Cartoonreihe basierte.



07. Der Mann ohne Gewissen (1948)


==Lee-Fazit==
Traditioneller Krimi-Thriller über zwei Knastvögel die, mit Handschellen aneinandergekettet, das Weite suchen. Kleine Rolle als Polizist für Lee, die leider der Schnittschere zum Opfer gefallen ist.


08. Königsliebe (1948)


==Lee-Fazit==
“Königsliebe“ (Originaltitel: „Saraband for Dead Lovers“) war ein schmalziges Historiendrama über Sophie (Joan Greenwood), die den degenerierten Thronanwärter Prinz George (Peter Bull) heiraten muss, ihr Herz aber an einen schwedischen Grafen verliert. Dabei handelt es sich nicht um Christopher Lee sondern um Stewart Granger. Trotz des Namens Duke Anthony von Wolfenbuttel (das irgendwo zwischen männlich und Furz-in-der-Badewanne klingt), wurden auch hier die Szene(n) mit Lee geschnitten und entsorgt.



09. Scotts letzte Fahrt (1948)

Die Geschichte von Robert Falcon Scotts und Roald Amundsens Rennen zur Entdeckung der Antarktis kennt vermutlich jedes Kind, also wollen wir die Intelligenz des Lesers nicht beleidigen und die Geschichte noch einmal vorkauen (nur ein Spoiler ahead: Scott musste dabei ins Eis beißen). Scotts letzte Fahrt (Originaltitel: Scott of the Antarctis) wurde ein Riesenerfolg an den britischen Kinokassen, der durch seine Detailtreue überzeugte. 1948 hatte man noch Zugang zu ein paar Überlebenden der Expedition, beruf sich auf Scotts Logbücher und lieh sich sogar originale Artefakte vom britischen Nationalmuseum, um den Film so authentisch wie möglich zu machen.


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Jung und schneidig wie nie danach
(obwohl man über das „schneidig“ streiten kann).


==Lee-Fazit==
Aller Anfang ist schwer, also wieder nur eine kleine Rolle für Lee: die des Motorenspezialisten Bernard Day, der Scotts Motorenschlitten während der todesgeweihten Terra-Nova-Expedition (1910-1913) in Gang halten sollte. Aber so als wollte Lee Langlebigkeit demonstrieren: Ab 2009 war der Schauspieler der letzte Überlebende der Crew von „Scotts Letzte Fahrt“.



10. Die Tingeltangelgräfin (1949)

Die Tingeltangelgräfin (Originaltitel: Trottie True, Regie: Brian Desmond Hurst) ist die Geschichte von Trottie True (Jean Kent), der 1880 der große Schritt von einer armen Theaterdarstellerin zum gefeierten Superstar gelang. Dabei bleibt ihr Geliebter, der Ballonfahrer Sid (Andrew Crawford), auf der Strecke. Aber trotzdem sich Trottie nun in der Gesellschaft der High-Society und adeligen Männer befindet, kommen ihr doch leichte Zweifel, ob sie nicht mit Sid richtig gelegen (beziehungsweise geflogen) ist. So schwülstig und zuckersüß, wie die englischen Romanzen der Zeit nun einmal kommen. Zwar wurde die Farbenpracht und historischen Details gelobt, aber die Geschichte war vermutlich schon Anno 1949 reif für die Mottenkiste.


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Wer immer ihm den Namen „Bongo Icklesham“ verpasst hat,
er hatte vermutlich einen Groll auf Lee.


==Lee-Fazit==
Ob die kurze Rolle des Türstehers nun unbedingt ein Karrieresprung für Lee war, darüber darf man streiten. Was hervorsticht ist der Name seines Charakters: Bongo Icklesham! So warte ich immer noch auf die Geburt meines Erstgeborenen, um ihn auf den Namen „Bongo-Icklesham Atzmueller“ zu taufen! Auch hier ist das einzig bemerkenswerte, dass Lee erneut ein frühes Stelldichein mit einem späteren Mitglied des MI6 hat: Der Pförtner Johnny wird von niemand geringerem als einen blutjungen Roger Moore, in seiner fünften (Neben)-Rolle, gespielt.



11. They Were Not Divided (1950)

Ein ziemlich autobiographischer Film von Terence Young, selbst ein Veteran, der die finalen Schlachten des Zweiten Weltkriegs bis hin zur Ardennen-Offensive nachspielt, an denen er beteiligt war. Um das ganze so authentisch wie möglich zu machen, wurden sämtliche Rollen von unbekannten Schauspielern und ehemaligen Soldaten besetzt, die im Krieg an den Kämpfen beteiligt waren.


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Kurzer, aber authentischer Auftritt, in dem Lee spielen darf,
was er vor kurzem noch war: ein Soldat.


==Lee-Fazit==
Terence Young besetzte den jungen Sir Christopher nun zum dritten Mal in einem seiner Filme, auch wenn der Auftritt als Panzerfahrer wieder ein kurzer ist. Aber zumindest stellte Young schon eine Verbindung zu späteren James Bond Filmen her: Der originale „Q“, Desmond Llewelyn, hat ebenfalls eine kleine Rolle als Panzerkanonier.



12. Das Wunder von San Marino (1950)

In Italien (dachte immer, San Marino sei damals schon unabhängig gewesen) wird Guido (Jeremy Spenser), ein Junge mit einem phänomenalen musikalischen Gedächtnis „entdeckt“. Mit Hilfe der Signora Boudini (Kathleen Byron) wird das unbekannte Genie zu einem Weltstar.


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Hatte immer noch nicht viel zu tun,
durfte aber mal wieder Profil zeigen.


Ein ziemlich undramatisches und unspektakuläres Drama, dass wahrscheinlich die wenigsten Badmovies-Leser interessieren dürfte (außer vielleicht diejenigen, die ein Interesse an klassischer Musik haben).


==Lee-Fazit==
Christopher Lee spielt einen Reporter – mehr war nicht drinnen.



13. Des Königs Admiral (1951)

1807: Wie der Rest der Welt ist England im Krieg mit Napoleon. Der heroische Kapitän Hornblower (Gregorgy Peck) bekommt den Auftrag, mit seiner HMS Lydia Kap Horn zu umschiffen, dort den Spaniern eine Galeone abzunehmen und damit den südamerikanischen Diktator Don Alvaro (Alec Mango), einem Verbündeten der Engländer, zu beliefern. Außerdem muss sich Hornblower um einen besonderen Passagier kümmern: Lady Barbara Wellesley (Virginia Mayo), die bildhübsche Schwester des Duke von Wellington.


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Noch kein perfekter Bösewicht,
aber zum feindlichen Spanier hat es schon gereicht.


Des Königs Admiral (Originaltitel: Captain Horatio Hornblower) ist ein opulenter, farbenfroher Historienschinken, wie man es von den Warner Brothers erwarten kann. Die literarischen Abenteuer des Kapitän Hornblower, eine Art Robin Hood der Meere, waren noch extrem populär und Autor Cecil Scott Forester legte selbst Hand ans Drehbuch an, um sicher zu gehen, dass alles mit rechten Dingen vor sich ging. Heute natürlich alles ein wenig altbacken, aber für Nostalgiker und Freunde der Errol-Flynn-Monumentalstreifen (der ursprünglich für die Hauptrolle vorgesehen war) immer noch zu empfehlen.



==Lee-Fazit==
Es war Lees Glück, dass Warner ihre Produktion nach England verlegten, um ihre in Großbritannien eingefrorenen Vermögenswerte nutzen zu können. So konnte man auch auf eine zum Großteil britische Cast zurückgreifen, darunter Lee, der einen spanischen Kapitän spielt (und im Degenkampf mit Gregory Peck natürlich den kürzeren ziehen muss.



14. Quo Vadis (1951)


==Lee-Fazit==
Hier streiten sich die Geister: Wikipedia behauptet, Christopher Lee hätte einen unerwähnten Auftritt als Streitwagenpilot im Monumentalschinken „Quo Vadis“ gehabt; IMDB verneint das. Wir sind zu faul um den Streifen noch einmal Frame für Frame durchzugucken und Weihnachten ist noch fern. Da Bud Spencer im Film aber einen kleinen, unerwähnten Auftritt als Palastwache hat (damals noch rank, schlank und bartlos, und daher kaum zu erkennen), und wir uns vorstellen wollen, Christopher Lee und Bud Spencer hätten einen Film zusammen gedreht, wollen wir es einfach glauben und hier erwähnen.



15. Wölfe in der Nacht (1951)

Terence Young / Christopher Lee, die Vierte: Der schwedische Wissenschaftler Dr. Ahlen (John McCallum) hat eine phänomenale Entdeckung gemacht. Mit seiner Erfindung kann er Schall in pure Energie verwandeln und diese potentiell als Waffe einsetzen. Aber sein treuloses Eheweib will die Erfindung den Sowjets in die Hände spielen. Nun beginnt für Ahlen, den Polizisten Peterson (Jack Warner) und einem einheimischen Mädchen (Nadia Gray) ein Rennen um die Zeit, um die Geheimwaffe wiederzubekommen.


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Die Nebenrollen scheinen ihm auch langsam auf den Geist zu gehen.


Wölfe in der Nacht (Originaltitel: Valley of Eagles) war ein ziemlich konservativer Agenten-Thriller, der nicht zu unrecht in Vergessenheit geraten ist. Zwar kann man schon Youngs Wurzeln für spätere James-Bond-Stoffe erkennen, aber die Wurzeln sind noch nicht sonderlich tief: Im zweiten Drittel des Films wird aus dem Agententhriller eine Art Survival-Abenteuer, in dem die Protagonisten in der Wildnis Lapplands überleben müssen. Wo nun Spannung vonnöten gewesen wäre, verbreitete sich schnell Langeweile und es verwundert nicht weiter, dass der Film erstens floppte, und danach ziemlich in der Versenkung verschwand.


==Lee-Fazit==
Wieder eine Rolle, in der Lee nicht viel mehr zu tun hat, als skeptisch dreinzublicken und den Polizeiassistenten zu spielen.



16. Der Rote Korsar (1952)

Der Rote Kosar (Originaltitel: The Crimson Pirate) war ein Versuch, Burt Lancaster als eine Art kontemporären Errol Flynn zu etablieren. Da der Film ein rechter Kassenschlager wurde (und durch seinen für damalige Zeiten eigenwilligen Mix aus Piratenabenteuer und Komödie fast so etwas wie ein Vorgänger für spätere Streifen wie Polanskis Piraten und/oder Pirates of the Caribbean war). Lancaster spielt den edlen Piratenkapitän Vallo, genannt „Der Rote Korsar“, der sich mit den schurkischen Spaniern balgen muss.


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Wieder eine Mini-Rolle, aber diesmal zumindest mit Bart.


Wie gesagt, ein Kassenknüller, großteils dank Lancaster, dessen Grinsen nie breiter und die Beißerchen nie weißer waren (Lancaster hatte sogar zeitweise Angst, dass man ihn wegen dem Erfolg von Der Rote Korsar auf einen Historienschinkenkasperl a la Flynn reduzieren, und nicht als „ernsthaften“ Schauspieler wahrnehmen würde). Auch hatte der Film einen der liebenswürdigsten Goofs seit Charlton Hestons Rolex in Ben Hur: während der Rote Korsar versucht, ein Schiff mittels Heißluftballon zu entern, sieht man im Hintergrund einen modernen Luxusliner, der vermutlich per Zeitschleife ins 17te Jahrhundert geraten ist.


==Lee-Fazit==
Für Lee war es der zweite Ausflug in die Welt des Piratenfilms (und nicht der letzte), aber wieder war es nur eine minimale Rolle, diesmal als militärischer Ratgeber Joseph.



17. Streng geheim (1952)

Streng Geheim (Originaltitel: Top Secret) ist eine harmlose, kleine Agentenkomödie (passender wäre eigentlich das Wort Farce), in der ein gutgläubiger Klempner (George Cole) in den Besitz von supergeheimen Plänen für eine Atomwaffe kommt, und sich daraufhin wundert, was der sowjetische Geheimdienst eigentlich von ihm will.


==Lee-Fazit==
Und Christopher Lee spielt einen russischen Geheimagenten.



18. Paul Temple Returns (1952)

Ein Serienkiller namens „Der Marquis“ macht London unsicher. Das erweckt das Interesse des Krimiautoren und Hobby-Detektivs Paul Temple (John Bentley) und seiner Frau, die auf den eigentümlichen Namen Steve (Patricia Dainton) hört.


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Trockener Archäologe, zum dritten Mal mit Vollbart.


Die Paul-Temple-Serie genoß kurzzeitige Beliebtheit beim Krimi-hungrigen britischen Publikum (obwohl Paul Temple Returns der vierte und letzte Film der Serie war, die später kurz als TV-Serie wiederbelebt wurde). Man kann sich also eine typische Mischung aus Agatha Christi und Immer wenn sie Krimis schrieb vorstellen.


==Lee-Fazit==
Lee spielt den Archäologen Sir Felix Raybourne, der einen ägyptischen Papyrus entdeckt hat, mit dessen Hilfe ein Heilmittel gegen die Drogensucht entdeckt werden könnte (was natürlich den Mafiosi und Drogendealer dieser Welt stinkt). Diesmal schon eine etwas größere Rolle, aber immer noch eine Nebenrolle.



19. Babes in Bagdad (1952)

Hassan (John Boles), der Kadi von Bagdad, nennt einen zwölfköpfigen Harem sein eigen und ist eigentlich recht zufrieden mit seinem Dasein und seiner Frauenschar, allen voran der verteufelt hübschen Zohara (Gypsy Rose Lee). Doch dann bringt sein Patenkind Ezar (Richard Ney) mit der gewagten These, Frauen seien dem Manne ebenbürtig, Streit und Zank in die idyllische Vielweiberei.

Ein typischer britischer Klamauk, der vermutlich von der Thematik und Stil auch gut in die Ist ja Irre-Serie (im Original Carry On) gepasst hätte. Natürlich in der heutigen Zeit hoffnungslos veraltet und daher praktisch vergessen und verloren.


==Lee-Fazit==
Kleinere Nebenrolle als arabischer Menschenhändler, aber zum ersten Mal darf Christopher Lee beweisen, dass er auch das Zeug zum Komödianten hat. War trotzdem kaum mehr als ein Tagelöhner-Job.



20. Moulin Rouge (1952)

Moulin Rouge (nicht zu verwechseln mit dem Richard-Gere-Musical) ist die teils fiktive Lebensgeschichte des französischen Malers Henri de Toulouse-Lautrec (Jose Ferrer), der für seine Kunstwerke zwar gefeiert wurde (er war der erste Künstler, dessen Bilder im Louvre ausgestellt wurden, bevor der Künstler schon kalt war), aber zeitlebens unter seinem Zwergenwuchs und verkrüppelten Beinen zu leiden hatte. Zur Ablenkung malt Lautrec die Tänzerinnen des „Moulin Rouge“-Kabaretts, was natürlich für den Adeligen wenig standesgemäß ist. Dort verliebt er sich in die heißblütige Jane (Zsa Zsa Gabor). Lautrec muss mit seinen inneren Dämonen kämpfen und säuft sich zu guter Letzt (ebenso standesgemäß) schwungvoll ins Delirium und danach in den Tod.


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Wieder Nebenrolle, wieder mit Bart.


Für sieben Oskars nominiert (davon zwei gewonnen) und etliche andere Preise, war Moulin Rouge ein ziemlicher Erfolg. Gepriesen wurde vor allem Farbenpracht, Kostüme, Authentizität und die Darbietung von Jose Ferrer, der mit seinen knapp ein Meter neunzig, die Rolle praktisch auf den Knien spielen musste, was ihm im Nachhinein arge Schmerzen und medizinische Komplikationen bescherte. Heute natürlich recht altmodisch und nur schwer zu finden, aber immer noch besser als das Nicole-Kidman-Vehikel, in das so mancher Ehemann von seiner Frau verschleppt wurde und zwei Stunden bittere Qualen ausstehen musste.


==Lee-Fazit==
Von dem Oskar-Segen hatte Lee wenig, hatte einmal wieder nur eine Komparsenrolle, in der er einen Franzosen spielte, durfte aber zumindest zum zweiten Mal mit seinem späteren Alter-Ego Peter Cushing, ebenfalls eine Nebenrolle als Franzose, spielen.



21. Les Vacances de M. Hulot (1953)


==Lee-Fazit==
Laut Wikipedia hatte Lee in der Jaques Tatis harmlosen Urlaubskomödie „Les Vacances de M. Hulot“ einen kleinen Gastauftritt, insofern fraglich, da sonst nirgendwo ein Hinweis darauf zu finden ist. Andererseits ist es schon möglich, dass Lee – nach „Moulin Rouge“ noch ein wenig Zeit in Frankreich verbracht und sich sein Urlaubsbudget mit einer kleinen Nebenrolle aufgebessert hat.



22. Tales of Hans Christian Andersen (1952)


==Lee-Fazit==
Laut IMDB und Wikipedia hatte Christopher Lee diverse Auftritte in der Kinderserie „Tales of Hans Christian Andersen“ – darunter spielte er den Kaiser von China – die aber scheinbar allesamt verschollen sind.



23. Innocents in Paris (1953)

Eine typisch flache, urenglische Komödie über einen Haufen britischer Touristen, die Paris unsicher machen (meist auf der Suche nach einem Pub und einem lauwarmen Guinness-Bier), Marke “Ist ja Irre – Guck Liebling, die Franzosen sind alle blöd”. Kleine Kostprobe gefällig? Als Margaret Rutherford (uns besser als Miss Marple bekannt) bei ihrem ersten Flug gebeten wird, ihren Sicherheitsgurt anzulegen, erwidert sie verdutzt: „Aber ich habe doch gar keinen mitgebracht!“ Für uns nicht gerade ein Schenkelklopfer (nicht mal bei Badmovies), aber in den britischen Kinos war kein Halten mehr: Die Gentlemen bissen in ihre Melonenhüte, schwangen vor Vergnügen von den Kronleuchtern und koteten sich vor Lachen gegenseitig ein. Zumindest stellt man sich das in etwa so vor, wenn man den britischen Humor der 50er Jahre kennt.


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Spielte kurz einen Lieutanant und
ward kurz darauf wieder verschwunden.


Aber gut, man muss bedenken: Es war 1953 und den Untertanen ihrer Majestät wurde nur gestattet, bei Auslandsaufenthalten fünf britische Pfund im Geldbeutel zu haben (was damals ungefähr denselben Wert hatte wie heute 500 Pfund). Und ja, Italien wurde ja von Deutschland auch erst in den 60er Jahren entdeckt. Sei dem wie es sei: Das einzige was von Innocents in Paris heute noch bleibt, sind Gastauftritte von Kenneth Williams (sollte mit der Ist ja Irre-Reihe bald zum (tragischen) britischen Comedy-Star werden), Louis de Funes als Taxifahrer und Laurence Harvey, der zwar ein begnadeter Shakespeare-Darsteller war, aber keinen Funken Humor im Leibe trug.


==Lee-Fazit==
Und ein kurzer Auftritt von Christopher Lee als Lieutenant Whitlock (und das war es auch schon).



24. Douglas Fairbanks, Jr., presents (1953-1956)

In den 1950er Jahren war es Sitte, dass alte, abgehalfterte Stars ihre eigene TV-Sendung bekamen. Da war auch der ehemalige Superstar Douglas Fairbanks Junior (und später auch Errol Flynn, worauf wir noch kommen werden) keine Ausnahme. Meistens handelt es sich hierbei um Anthologie-Ansammlungen und Fairbanks Show macht da keine Ausnahme. Frei nach dem Prinzip „Ein bisschen was für jeden“, durfte man bei jeder Sendung raten, ob Fairbanks (der auch oft in den Kurzfilmen auftrat) diesmal eine Mystery-Episode, Drama, Science-Fiction oder eine Comedy-Folge präsentieren würde. Leider wurden die Episoden selten aufgezeichnet und viele davon fanden nur einen Platz im filmhistorischen Limbo der Vergessenheit.


==Lee-Fazit==
Lee hatte insgesamt sechs Auftritte, in denen er die verschiedensten Rollen spielte. 1954 wurden drei dieser Episoden zu einem Spielfilm, „Destination Milan“ zusammengeschnitten, der aber den Test der Zeit nicht bestanden hat und heute als verschollen gilt.



25. The Mirror and Markheim (1954)


==Lee-Fazit==
Kurzauftritt in einem Kurzfilm, den heute keiner mehr kennt und von dem niemand weiß, worum es eigentlich geht (vielleicht war es ja wirklich eine Edgar Allen Poe Verfilmung).



26. Colonel March of Scotland Yard (1954)

Colonel March of Scotland Yard war fast so etwas wie der Vorgänger von Columbo, nur dass hier Boris Karloff einen einäugigen Polizisten spielt (statt Glasauge hat dieser eine Piratenklappe), der teils übernatürliche Fälle lösen muss. Nur dass es bei der BBC-Serie um einiges billiger zu Werke ging. So waren die „Büros“ und Locations offensichtlich aus Pappe, so dass man den Schauspielern direkt ansah, wie vorsichtig sie sich durch die Sets bewegten, nur um nichts kaputt zu machen oder die Bühneneinrichtung zu zerstören (besonders schwer für Karloff mit einer Augenklappe).

In der Folge „At Night All Cats Are Gray“ muss der Colonel den Mord an einem französischen Modell klären und der halbseidene Monsieur Jean-Pierre (Lee) ist sein Hauptverdächtiger (es stellt sich heraus, dass der Mörder farbenblind ist, was ihn überführt).



==Lee-Fazit==
Offensichtlich war Lee darauf bedacht, jede Szene zu stehlen in der er spielt. Mit seinen fast zwei Metern Körpergröße thront Lee über allen Anwesenden und zieht schon allein dadurch (und dem aberwitzigen französischen Akh-Zohnt) alle Aufmerksamkeit auf sich. Trotzdem war es zum Starruhm noch ein steiler Weg.



27. Crossroads (1955)


==Lee-Fazit==
Über den Kurzfilm „Crossroads“ ist praktisch keinerlei Information mehr zu finden, außer dass Christopher Lee zum zweiten Mal neben Ferdy Mayne (später „Tanz der Vampire“) entweder einen Geist oder einen Mr. Cooper spielte und, darf man dem IMDB glauben, während einer Szene eine Blase an der Lippe hatte, die in der nächsten Szene mysteriöserweise verschwunden ist. Ein Fall für Filmhistoriker und –Detektive, also machen wir derweil weiter im Takt.



28. Die Dame des Königs (1955)

Wieder einmal besetzte Terence Young Lee in eine kleinen Nebenrolle in dem für ihn recht untypischen Historienschinken Die Dame des Königs (Originaltitel: That Lady). Olivia de Havilland spielt die streitbare Prinzessin Ana de Mendoza, die bei einem Degenduell ein Auge verloren hat und die engste Vertraute von König Philip von Spanien (Paul Scofield) ist. Doch dann verliebt sich Ana in den Leibeigenen Antonio (Gilbert Roland), was die Eifersucht ihres despotischen Königs entfacht und die beiden in Teufels Küche bringt.


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Kleine Nebenrolle, aber Terence Young
hatte offensichtlich ein Auge für Talent.


Zwar wurden die opulenten Kostüme, Kameraführung und vor allem das Schauspiel von Havilland und Scofield (in seiner ersten Rolle) gelobt, aber Young war offensichtlich nicht in seinem Element. Die Handlung schleppt sich dahin, und wo man „Drei Musketiere“ Mantel & Degen-Action erwarten würde, herrschen endlose Dialoge. So kann man Die Dame des Königs zurecht als filmischen Kaugummi bezeichnen.


==Lee-Fazit==
Kurzauftritt als Kapitän der Garde und wie der Rest der Cast, hat auch Lee nur sehr wenig zu tun.



29. Der Schwarze Prinz (1955)

Eigentlich wollte Errol Flynn den Job in Der Schwarze Prinz (Originaltitel: The Dark Avenger) gar nicht haben. Mit 46 fühlte sich Flynn zu alt für die Rolle, aber der Akteur musste mal wieder Bankrott anmelden und seine tägliche Dosis Fusel zahlte sich auch nicht von alleine. Also schlüpfte Flynn wieder in seine Robin-Hood-Persona, die ihn einst zum Superstar machte. Flynn spielt diesmal den englischen Prinzen Edward, der seine Leute vor den schurkischen Franzosen beschützen muss.


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Die Gage war bescheiden, aber zumindest bekam Sir Christopher
ein permanentes „Autogramm“ von Errol Flynn.


Es sollte Flynns letzter Mantel & Degen Streifen sein, da Der Schwarze Prinz an den Kinokassen floppte und sich Flynn wenige Jahre später schwungvoll in den Tod soff. Trotzdem der ehemalige Recke wirklich nicht mehr so frisch wirkt, ist der Film ein netter Standard seiner Zunft, der durch eine exzellente Cast glänzt: Michael Hordern spielt Flynns königlichen Vater (obwohl Hordern zwei Jahre jünger als Flynn war, aber bekanntlich sah Hordern nie jung aus), Peter Finch als Erzschurke, Rupert Davies und ein blutjunger Patrick McGoohan der, genau wie Lee, nicht mal im Abspann erwähnt wurde.


==Lee-Fazit==
Als Kapitän einer französischen Wacheinheit hat Lee nicht viel zu tun außer sich mit Flynn in einer Taverne zu duellieren (und natürlich den Kürzeren zu ziehen). Im Prinzip war es auch gar nicht Flynn, sondern größtenteils dessen Stuntman. Flynn war körperlich schon längst nicht mehr in der Verfassung, den Degen grazil zu schwingen (oder nennen wir es beim Namen: meist zu betrunken). Lee bekam sogar ein bleibendes Souvenir von dem Dreh, da Flynn bei den Proben mit seinem Schwert danebenzielte und Lee beinahe den kleinen Finger amputierte. „Scheiß Alkohol“, sagt man ja oft.



30. Police Dog (1955)

Police Dog kann man als Vorfahre von Filmen und Serien wie K9 – Mein Partner mit der kalten Schnauze und Kommissar Rex bezeichnen: Der Polizist Turner (Frank Mason) hat daran zu kauen, dass sein Partner im Einsatz getötet wurde. Zur Kompensation stellt man ihm einen Polizeihund ("Rex III"; Nein, wirklich!) zur Seite, mit dem er einen Safeknacker stellen muss. Sollte eigentlich eine Episode der Douglas Fairbanks, Jr., presents-Serie werden, wurde dann aber doch als eigenständiger B-Movie produziert.


==Lee-Fazit==
Nebenrolle als Constable Johnny. Aber zumindest durfte Lee mit seinem Cousin, dem James-Bond-Vater Ian Flemming vor der Kamera stehen (Flemming hat ein Cameo als „Mann in der Heide“).



31. The Vise (1955)

The Vise war wieder eine der in Großbritannien sehr beliebten Anthologie-Serien. Jede Folgen waren eigenständig, die nur von der Figur des Privatdetektiv Mark Saber (Donald Gray) verbunden wurden. Grundthema der Geschichten waren jeweils Leute, die durch Verbrechen und Gaunereien in den „Schraubstock“ (Englisch: „Vise“) des Schicksals geraten. Abgesehen davon, dass Schauspieler wie Patrick McGoohan, Honor Blackman oder Petula Clark ihre Lehrjahre in Sendungen wie The Vise absolvierten, ist auch diese Serie in Vergessenheit geraten und heute nur noch den Sammlern von harten Anthologiensammlern bekannt.


==Lee-Fazit==
Lee hatte Auftritte in den Folgen „Strangle Hold”, “The Price of Vanity” und “The Final Column”.



32. Himmelfahrtskommando (1955)

Eine kleine Gruppe Freiwilliger, unter Leitung von Major Stringer (Jose Ferrer, der auch Regie führte) und Captain Thompson (Trevor Howard), wollen mit Hilfe von Kanus und Tauchern, Minen an deutschen Blockadenbrechern anbringen. Der Einsatz wird zu einem sprichwörtlichen „Himmelfahrtskommando“, das nur zwei der Beteiligten überleben und auf der historischen „Operation Frankton“ basiert.


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Jeder Zoll ein Seewolf
(auch wenn es kein Jürgen Prochnow war)


Himmelfahrtskommando (Originaltitel: The Cockleshell Heroes) war einer der erfolgreichsten Kinofilme dieses Jahres. Zumindest in Großbritannien, wo zehn Jahre danach, die Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg immer noch sehr präsent waren. Präsent war der Krieg auch in Deutschland, aber bekanntlich aus anderen Gründen. So wurde die finale Szene, in denen die heldenhaften Briten von den bösen Deutschen an die Wand gestellt werden, aus der deutschen Fassung komplett geschnitten und die deutsche Synchronisation um einiges aufgelockert, was den Dialogen eine fast schon humoreske Note gab und Himmelfahrtskommando eher wie ein Abenteuer- als ein Kriegsfilm wirkt. Laut der Legende war Himmelfahrtskommando der erste ausländische Kriegsfilm, der in Deutschland in den Kinos gezeigt wurde.


==Lee-Fazit==
Kleine Rolle als heldenhafter U-Boot-Kommandant Greaves.



33. Alias John Preston (1955)

John Preston (Lee) ist ein Kriegsveteran, Amerikaner und wohlhabender Geschäftsmann, der sich in der kleinen Gemeinde Deanbridge niederlässt. Allgemein beliebt, beginnt Preston eine Affäre mit der hübschen Sally (Betta St. John). Aber Preston wird immer wieder von Albträumen geplagt, in denen er von einer Sylvia (Sandra Dorne) erpresst wird, und diese im Anschluss erdrosselt. Preston sucht Rat beim Psychologen Dr. Walton (Alexander Knox), der zu dem Schluss kommt, dass Preston unter unterdrückten Erinnerungen leidet und vermutlich mehr „Leichen im Keller“ hat, als er sich selbst eingestehen will. Zu allem Übel ähnelt die Sylvia aus seinem Traum der Dorfschönheit Maria (auch Dorne) bis aufs Haar.


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Endlich hat es jemand erkannt:
Christopher Lee wurde geboren,
um den Erzschurken zu spielen.


Alias John Preston ist ein konservativer, kleiner Bastard zwischen Psycho-Thriller und Horrorfilm, ebenso vorhersehbar wie billig produziert. Das Drehbuch gibt sich keine große Mühe, einen Twist, Wendungen oder falsche Fährten auszulegen. So hat Alias John Preston alle Merkmale einer Billigproduktion und es ist durchaus verständlich, dass der erste Film, in dem Christopher Lee die erste Geige spielen darf, an den Kinokassen nur ein paar Pfund einspielte und danach der Vergessenheit anheim gefallen ist.


==Lee-Fazit==
Nicht nur die erste Hauptrolle, sondern auch der erste Film in dem Lee einen echten Schurken spielen darf (wenn auch unterbewusst). Dass es mit der Karriere als Star aber noch eine Weile dauern sollte, lag nicht an Lee alleine (der seine Dialoge in einem lächerlichen amerikanischen Akzent vortragen muss), sondern eher an dem Produzenten, den Brüdern Danzinger, die berühmt und berüchtigt dafür waren, Billigprodukte zu fabrizieren, die an den Kinokassen eine schnelle Mark machten und dann sang- und klanglos wieder verschwanden. „Alias John Preston“ machte da keine Ausnahme.



34. Sturm über dem Nil (1955)

1955 war Terence Youngs Sturm über dem Nil (Originaltitel: Storm over the Nile) bereits die vierte Verfilmung von „Die Weißen Federn“, einem romantischen Abenteuerroman von A.E.W Mason (es sollten noch etliche Verfilmungen folgen, die letzte 2002 mit Heath Ledger, Kate Hudson und Wes Bentley in den Hauptrollen). Es ist die Geschichte des jungen Rekruten Harry Faversham (Anthony Steel), der sich in der Offensive gegen die Derwische des fanatischen Mahdi von Khartum (der Jahre zuvor den gefeierten General Gordon enthaupten ließ) als Feigling entpuppt. Als Zeichen seiner Schande überreichen ihm seinen Freunde, Kameraden und, vermutlich am schlimmsten, seine Verlobten Mary (Mary Ure, in ihrer ersten Rolle) vier weiße Federn. Faversham hat nur eine Chance seine Ehre, Respekt (und seine Verlobte) wiederzugewinnen: er muss, als stummer Araber verkleidet, die feindlichen Linien infiltrieren, um seine Kompanie zu retten (wobei ihm sein ehemaliger bester Freund und Rivale Captain Durrance (Laurence Harvey) alles andere als behilflich ist).


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Der Sonne seines Lieblingsferienortes Italien hatte es Lee zu verdanken,
dass er immer wieder gerne als Araber gecastet wurde.


Bei dem opulenten Remake des 1939er Films von Zoltan Korda hat Young (gelinde gesagt) beschissen: nicht nur wurde der Soundtrack und das Skript Wort für Wort von Korda übernommen, Young baute auch Szenen aus dessen Films in sein Werk mit ein, inklusive viele der Schlachtszenen. Da war es nur recht und richtig, dass Korda als Co-Regisseur genannt wurde. Ob dieses Remake nun notwendig war, ist fraglich. Ähnlich wie Zulu ist Sturm über dem Nil ein nostalgisches Salut auf die heroischen, geschniegelten und polierten britischen Truppen, die sich gegen windelköpfiges Gezücht in der Wüste behaupten müssen. Schon in den 50er Jahren galt der Film als hoffnungslos veraltert und es sollte noch ein paar Jahre dauern, bis Filme wie Lawrence von Arabien und Khartoum den Trend modernisierten.


==Lee-Fazit==
Lee hat eine kleine Roller als Araber, kaum mehr als ein Gastauftritt, der aber zusammen mit diversen anderen von Cameo-Auftritten (Michael Hordern, Ferdy Mayne, John Wynn und noch einige andere) schon zum Highlight dieses abgearbeiteten, ausgelutschten Garns zählt.



35. Moby Dick-Rehearsed (1955)

Manche Leute bezweifeln, dass Orson Welles Zweiakter Moby Dick-Rehearsed überhaupt je existierte. Ein ambitioniertes Theaterstück-in-einem-Theaterstück in dem Schauspieler wie Kenneth Williams, Patrick McGoohan und Christopher Lee Schauspieler spielen, die eine minimalistische Aufführung von Melvilles „Moby Dick“ proben (die Akteure trugen Straßenkleider, Besenstiele mussten als Ruder herhalten, etc). Orson Welles war ziemlich unzufrieden mit den Aufnahmen und brach die Dreharbeiten frustriert ab. Der Regisseur hatte rund 75 Minuten Filmmaterial, die aber bei einem Brand vernichtet wurden. Die einzige Kopie befand sich in Welles Wohnung in Madrid, die er unglücklicherweise an den Schauspieler Robert Shaw vermietet hatte. Shaw war im Suff mit einer Fluppe im Maul eingeschlafen und bald blieb nicht nur von der Wohnung, sondern auch von der Filmrolle nichts als Asche übrig.


==Lee-Fazit==
Schwer zu sagen, da nur die wenigen Beteiligten das Material je zu Gesicht bekommen haben. Laut der Biographie „The Films of Christopher Lee“ spielte Lee den Bühnenproduzenten, der auch die Rolle des Flask gibt.



36. Chevron Hall of Stars (1955)


==Lee-Fazit==
“Chevron Hall of Stars“ war eine in den 50er Jahren sehr beliebte Anthologie-TV-Serie, bei der auch Star-Trek-Vater Gene Roddenberry sein erstes Skript an den Mann brachte. Christopher Lee hatte einen kleinen Auftritt als Gouverneur in der Piratenfolge „Captain Kidd“. Die Episode gilt mittlerweile als verschollen.



37. Der Beste Mann beim Militär (1956)

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Hätte vielleicht seine eigene Wehrmachtsuniform mitgebracht,
aber die Blutflecken, die ließen sich so schwer rauswaschen.


Der Beste Mann beim Militär (Originaltitel: Private’s Progress) war 1956 der zweiterfolgreichste Film an den britischen Kinokassen und wurde zum Vorgänger einer ganzen Armee von Klamaukstreifen, die den Zweiten Weltkrieg durch den Kakao zogen. Hier geben sich Namen wie Sir Richard Attenborough, Dennis Price, Terry-Thomas und Ian Bannen die Hand, ganz so als wollte man beweisen, dass der Krieg doch eine recht lustige Zeit für alle war. In Deutschland war man mit ähnlichen Komödien nicht ganz so schnell, und so warten wir immer noch auf Filme wie „Lustig war’s in Stalingrad“ oder „Ist ja Irre – Opas Lausbubenstreiche an der Ostfront“. Hat vermutlich historische Gründe.


==Lee-Fazit==
Kleiner Auftritt von Lee als Major Schultz, dem Assistenten des Wehrmachtgenerals von Linbeck (in anderen Worten: Lee musste einen von denen spielen, denen er vor zehn Jahren noch die Gurgeln im Nahkampf durchschneiden musste).



38. Alexander der Große (1956)

Alexander der Große hatte zwar seine Erfolge im echten Leben (die halbe Welt erobern und solche Mätzchen), was aber die Verfilmungen seines Lebens angeht, so war dem Mazedonier weniger Glück beschieden. Was Regisseur Robert Rossen dazu verleitete, Richard Burton (einen ansonsten genialen Schauspieler) in der Rolle des Alexander zu besetzen, dass kann nur Zeus allein wissen. Vielleicht war es nur der Frust, dass Charlton Heston sich das Drehbuch besah, den Kopf schüttelte, dem Projekt prophezeite, es würde Kinogift werden und die Rolle dankend ablehnte. Heston sollte - wie so oft - Recht behalten. Also musste Burton herhalten. Aber ein übergewichtige 30+-jähriger als jugendlichen Eroberer? Das war dem Publikum dann doch zuviel Gottvertrauen.

Aber für den alten Alexander sollte es noch schlimmer kommen, als Oliver Stone ihn 2003 mit einem irischen Grimassenschneider besetzte, der es nicht einmal schaffte, überzeugend einen Besoffenen zu spielen.


==Lee-Fazit==
Im Film selbst erscheint Christopher Lee nicht, leiht aber dem Nectenabus (Helmut Dantine) in der Originalfassung seine Stimme. Etwas mehr Glück und Screen-Time hatte Lees zukünftiger Hammer-Partner Peter Cushing, der den General Memnon spielt.


39. The Scarlet Pimpernel (1956)

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Christopher Lee als Henkerknecht ist immer gut
( war der Produktion im Nachspann aber keine Erwähnung wert).



==Lee-Fazit==
“Der Purpurne Pimpernel“ (was auf Deutsch doch etwas anrüchig klingt) war in etwa die französische Antwort auf Robin Hood. Auf 17 Episoden brachte es die britische TV-Serie. In Folge 7, „The Elusive Chauvelin“, darf Christopher Lee den Henker Leon spielen. Kurzer Auftritt und viel zu tun bekommt er auch nicht, weil der „Scarlet Pimpernel“ natürlich wieder einmal den Tag rettet und den Henker mit leeren Händen stehen läßt.


40. Port Afrika (1956)

Der Kampfpilot Rip Reardon (Philip Carey) kommt gerade aus dem Krieg, in dem er ein Bein verloren hat. Zuhause muss er feststellen, dass ihn seine Frau Georgette (Marie Hanson) nicht nur mit seinem Partner Robert (Dennis Price) betrogen hat, sondern auch noch Selbstmord begangen hat. Aber Rip vermutet, dass es sich bei dem vermeintlichen Selbstmord um ein Verbrechen handelt und ermittelt auf eigene Faust. Seine Nachforschungen führen ihn bald in das algerische Vergnügungsviertel Kasbah, wo er zunächst die Nachtclubsängerin Ynez (Pier Angeli) verdächtigt, sich aber bald in die junge Frau verliebt. Nun kommt Rip selbst ins Visier der Killer und muss herausfinden, wer seine Frau ermordet hat und nun ihm selbst ans Leben will.


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Auch kein Highlight als schmieriger Clubbesitzer,
aber für die Miete hat es gereicht.


Kleiner, durchschnittlicher Mystery-Thriller, der primär dazu dienen sollte, für Pier Angeli und ihre Stimme Werbung zu machen. Die ehemalige Freundin von James Dean (manche munkeln auch, das einzige weibliche Wesen, in das Dean je verliebt war) sollte es aber nie zum Diva-Ruhm bringen. Es folgten noch ein paar Nebenrollen in diversen Filmen mit Paul Newman (ebenfalls ein persönlicher „Freund“) und ein paar italienischen Monumentalschinken. Mit 39 verpasste sich die Schauspielerin mit der goldenen Stimme und den Rehaugen dann den Goldenen Schuss. Trash-Film-historisch ist da nur mehr interessant, dass Angeli ihre letzte Rolle im Heuler Oktaman – Die Bestie aus der Tiefe hatte.


==Lee-Fazit==
Kleine Rolle als Nachtclubbesitzer Franz Vermes, in dem Pier Angeli ihre Nummern vortragen darf.



41. Panzerschiff Graf Spee (1956)

1939: Das deutsche Panzerschiff Graf Spee dominiert die Meere und hat schon mehr als ein halbes Dutzend englischer Schiffe auf den Grund des Ozeans geschickt. Die Alliierten sind scheinbar machtlos gegen den Brecher, also versuchen sie mit einer List, den feindlichen Hunnen im neutralen Hafen von Montevideo, Uruguay, der Graf Spee und ihrem Kapitän Hans Langsdorff (Peter Finch) eine Falle zu stellen.


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Nach Arabern, Franzosen und deutschen Wehrmachtsoffizieren,
darf Lee zum ersten mal einen Lateinamerikaner spielen
(man sieht es hier am Schnurbart).


Panzerschiff Graf Spee (Originaltitel: The Battle of the River Plate) zeigte, dass Großbritannien nach wie vor Herz für Kriegsfilme hatte (besonderst in solchen, wo die Engländer den Deutschen kräftig Dampf machen). Der Film wurde einer der erfolgreichsten Kassenschlager des Jahres und auch die Queen ließ es sich nicht nehmen, der Premiere beizuwohnen. Selbst die Royal Navy spielte mit und erlaubte, dass man mit und auf diversen Kriegesschiffen drehte. So wurde Panzerschiff Graf Spee ein voller Erfolg für die Regisseure Emeric Pressburger und Michael Powell, einen der brillantesten Filmemacher seiner Zeit, der aber ein paar Jahre darauf mit seinem Proto-Slasher Augen der Angst zum buchstäblichen Paria der britischen Filmindustrie werden sollte.


==Lee-Fazit==
Lee spielt Manolo, einen halbseidenen Barbesitzer im Hafen von Montevideo und gibt ein exzellentes Paradebeispiel des schmierigen Latinos. Mehr ist aber auch hier nicht zu berichten.



42. Jenseits Mombasa (1956)

Matt Campbell (Cornel Wilde) ist eine harter Type, der trinken kann wie ein Pferd und auf dem die Frauen wie die Fliegen kleben bleiben. Nun ist er auf den Weg nach Mombasa, Kenia, wo sein Bruder George auf der Suche nach einer Uranium-Mine vor kurzem verstarb. Mit Hilfe des fanatischen Missionars Hoyt (Leo Genn), dessen zauberhafter Nichte Ann (Donna Reed) und dem undurchsichtigen Großwildjägers Gil Rossi (Lee) macht sich Matt auf eigene Faust auf die Suche nach der Mine und den Mördern seines Bruders. Die Suche führt sie durch die Wildnis Kenias, wo man sich nicht nur mit Nilpferden und Alligatoren balgen muss, sondern auch aggressiven Stammeskriegern, die sich als Leoparden verkleiden.


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Langsam werden die Rollen länger.


Jenseits Mombasa (Originaltitel: Beyond Mombasa) ist ein recht durchschnittliches Dschungel-Abenteuer, wie sie seit den 50er Jahren und dem Erfolg von König Salomons Diamanten dutzendweise produziert wurden. Ein Trend, der erst Ende der 80er Jahre endete, als man die Kuh ein letztes Mal mit Richard Chamberlain als Quatermain melkte. Es ist alles da, was das Genre braucht: Wildes Land, wilde Tiere, wilde Eingeborene und natürlich der noble Weiße Mann im Safarianzug, der die hilfsbedürftige Schöne vor allen Gefahren beschützt. Was das Genre angeht, ist Jenseits Mombasa nicht viel mehr als Dutzendware. Aber zumindest hat man nicht im Studio, sondern On-Location in Kenia gefilmt, was doch ein paar schöne Bilder hergibt.


==Lee-Fazit==
Endlich eine größere Rolle für Lee als charmanter Großwildjägers, der mit Wilde um die Gunst von Donna Reed buhlt. Lee nahm die Gelegenheit beim Schopf und präsentiert sich schauspielerisch von seiner Zuckerseite. Auch ließ es sich Lee nicht nehmen, seine eigenen Stunts zu drehen, was dafür führte, dass Lee sich bei einem Sturz den Arm an einer Quarzwand aufschlitze.



43. The Adventures of Aggie (1956)


==Lee-Fazit==
”The Adventures of Aggie” war eine kurzlebige Serie, in der eine Modedesignerin (Joan Shawlee) diverse Kriminalfälle auflösen muss. Hat den Nerv der Zeit nicht sonderlich gut getroffen, brachte es gerade mal auf 26 Episoden, inklusive einer, in der Christopher Lee den Inspektor Hollis spielt. Ansonsten von der Zeit vergessen.



44. Zu Gast bei Errol Flynn (1956-1957)


==Lee-Fazit==
Wie schon Douglas Fairbanks Jr., versuchte auch Saufbold Errol Flynn sein Altengeld mit einer Kurzgeschichten-Serie aufzubessern (die es aber nur auf 26 Episoden brachte). Wie zu erwarten, lag der Schwerpunkt (aber nicht exklusiv) auf Flynn-typischen Historiengeschichten, fünf von denen einen Gastauftritt von Christopher Lee hatten.



45. Assignment Foreign Legion (1956-1957)


==Lee-Fazit==
Eine weitere kurzlebige TV-Sendung, die heute in Vergessenheit geraten ist (hier ging es um die Abenteuer der Fremdenlegion, vor allem im damals umkämpften Algerien. In einer Episode spielt Lee ‚Rodin, der Gärtner’, in einer weiteren einen Araber. Mehr war weder über die Serie, noch die einzelnen Folgen herauszufinden.



46. Ill Met by Moonlight (1957)

Die 1940er Jahre: die griechische Insel Kreta ist in den Händen der Deutschen. Um den Feind zu demoralisieren, schickt der britische Secret Service SIS zwei seiner besten Männer, Major Fermor (Dirk Bogarde) und Captain Moss (David Oxley), um mit Hilfe von Partisanen den General Kreipe (Marius Goring) zu kidnappen und ihn zum englischen Stützpunkt in Kairo zu schaffen.


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Wieder kleiner Auftritt in einem Kriegsfilm,
wieder musste Lee den „Kraut“ geben.


Den Erfolg von Panzerschiff Graf Spee konnte das Duo Michael Powell / Emeric Pressburger mit Ill Met by Moonlight nicht ganz erreichen. Dafür war die Geschichte zu unspektakulär und der Film selbst zu langatmig. Spannung herrscht selten, stattdessen verbringen die Helden einen Grossteil der Zeit damit, mit ihrer Geisel durch die kretische Landschaft zu latschen. Ill Met by Moonlight war weder ein schlechter Film, noch wurde er ein Voll-Flop (im Gegenteil: der Film wurde der siebenterfolgreichste britische Film des Jahres), ging aber an den Kritikern und zukünftigen Generationen ziemlich klanglos vorüber. Vielleicht hätte Curd Jürgens, Powells erste Wahl als General Kreipe, da noch ein wenig dran drehen können, auch wenn vermutlich nicht einmal der große Curd die Karre aus dem Dreck hätte ziehen können. Einzig der Soundtrack von Mikis Theodorakis sticht hervor und ironischerweise nahm der Grieche Mikis besonderen Anstoß an dem Film. Die Regisseure (genau wie den historischen Kriegshelden Fermor), bezeichnete Theodorakis als „politische Eindringlinge“ und zeigte sich erbost, dass Nicht-Kreter die Geschichte erzählen sollten. Die korrekte Antwort darauf wäre vermutlich gewesen: „Weniger Ouzo saufen, weniger Sirtaki tanzen, mehr malochen, dann klappt das auch mit dem Geschichtenerzählen“, (aber Powell ist bekanntlich ein Gentleman).


==Lee-Fazit==
Nimmt man in Betracht, dass Lee während der Kriegszeit selbst für das Secret Service arbeitete, war „Ill Met by Moonlight“ fast schon so etwas wie autobiografisch. Nur, dass Lee hier einen deutschen Soldaten spielt, der sich von einem Zahnarzt behandeln lassen muss. In anderen Worten: War kein großer Auftritt.



47. The Traitor (1957)

Nach dem Zweiten Weltkrieg versammeln sich alljährlich die Überlebenden einer Gruppe deutscher Widerstandskämpfer im Hause des britischen Colonel Price (Donald Wolfit). Doch Price hat herausgefunden, dass sich anno dazumal ein Verräter in der Gruppe befunden hat und vermutet diesen in Theodore Dehmel (Colin Croft). Aber nachdem Dehmel einem unbekannten Mörder zum Opfer fällt, stellt sich nun die Frage: wer war der wirkliche Verräter und wer ist der Mörder? Der brillante Pianist Joseph Brezina (Anton Diffring)? Oder war es der Schweizer Geschäftsmann Alfred Baum (Frederick Schiller)? Es könnte auch der deutsche Doktor Neumann (Lee) gewesen sein.

Das ganze erinnert an einen klaustrophobischen Film-Noir (die gesamte Handlung spielt im Haus des Colonels), wäre vermutlich aber ein besseres Theaterstück als ein Film geworden. Zudem ist es nie ganz klar, wie genau Price den Verräter entlarvt, obwohl dessen Identität bis zum Ende des Films ein Geheimnis bleibt. Da kann man sich gut vorstellen, dass das Publikum einigermaßen enttäuscht war und The Traitor nicht nur ein Flop wurde, sondern auch in der Filmhistorie unterging.


==Lee-Fazit==
Lee spielt die Rolle mit perfekten deutschen Akzent, eine Sprache, die er fast so gut spricht wie seine Muttersprache und stiehlt praktisch allen Beteiligten die Szenen (inklusive Anton Diffring, der ausnahmsweise mal keinen Bösewicht, Nazi oder Wahnsinnigen spielen muss). Aber auch Lee konnte den Film nicht vor der Bedeutungslosigkeit retten.



48. Am Seidenen Faden (1957)

Der Versichungsinspektor Branwell (Jack Hawkins) wird zum Anwesen von Tracey Moreton (Dennis Price) gerufen, wo ein wertvolles Gemälde scheinbar bei einem Hausbrand vernichtet wurde. Zunächst scheint alles seine Richtigkeit zu haben, doch dann findet er das Bild zufällig in London und als Tracey ebenfalls bei einem Brand ums Leben kommt, nimmt Branwell dessen Frau und Haupterbin Sarah (Arlene Dahl) ins Visier. Bei seinen Ermittlungen ist es nicht sonderlich hilfreich, dass Branwell und Sarah vor Sarahs Heirat romantisch involviert waren.


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Spielt diesmal zwar nicht den Schurken,
darf aber schleimen was das Zeug hält.


Am Seidenen Faden (Originaltitel: Fortune Is a Woman) ist ein netter Vertreter der britischen Variante des Film-Noir. Bis zum letzten Moment darf sich der Zuschauer fragen, wer und was hinter den Verbrechen steckt. Dahl ist ziemlich farblos und Hawkins vermutlich ein paar Tage zu alt um den jugendlichen Helden zu spielen, schlägt sich aber ganz passabel. Die Twists und Dreher mögen in den 50er Jahren funktioniert haben, wirken aber bei heutigen Standards ziemlich gezwungen, wenn nicht gar offensichtlich. Die Mankos an altmodischer Handlung und Schauspielern werden aber mit einer bedrohlichen Atmosphäre und einer sehr surrealen Traumsequenz, die fast ein wenig an Bunuel erinnert, wieder wettgemacht.


==Lee-Fazit==
Christopher Lee hat nur einen kleinen Auftritt als aufgeblasener Schauspieler, der kurzzeitig den Verdacht (oder sagen wir lieber, „den Hauch eines Verdachts“) auf sich zieht, den Zuschauer aber nicht foppen kann. Man kann mal wieder von einer Mini-Vorstellung reden, aber es war die letzte Rolle bevor Lee dort hinkommen würde, wo er hingehört:


© 2015 Thorsten Atzmueller


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