1000 Gesichter des Sir Christopher Lee, Teil 5, Die

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Die 1000 Gesichter des Sir Christopher Lee, Teil V



134. The Wicker Man (1973)

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Selbst als Lord Summerisle und im Transen-Look
macht Lee eine gute Figur.


Viele Worte wollen wir über Sir Christophers persönlichen Lieblingsfilm nicht verlieren. Wer mehr über den Kultfilm erfahren will, der kann dass bei unserer Review von The Wicker Man tun. Oder von dem Schandwerk von einem Remake Wicker Man – Ritual des Bösen. Auf jenen Stinkstiefel angesprochen und was er davon halte, hatte Lee immer dieselbe Ansprache parat: „Nichts“.


==Lee-Fazit==
Wurde Lee auf seine Lieblingsrolle angesprochen, so lautete seine Antwort steht’s wie aus der Pistole geschossen, „The Wicker Man“, die ihm Thomas Hardy praktisch auf den Leib geschrieben hat. Dem ist im Prinzip nichts hinzuzufügen.



135. Die Drei Musketiere (1973) & Die Vier Halunken der Königin (1974)

Alexandre Dumas „Die Vier Musketiere“ darf zu den meistverfilmten Novellen aller Zeiten zählen. Es geht scheinbar keine Dekade vorbei, in der kein neuer Musketiere-Film über den großen Bildschirm im Kino flimmert. Nun kann man darüber streiten, welcher die beste Adaption ist (solange es nicht die 2011er Fassung ist; die mit den fliegenden Kanonenschiffen). Ich würde meine Moneten aber auf Richard Lesters Zweiteiler (der eigentlich ein einzelner Film sein sollte, aber wegen der beträchtlichen Überlänge zu zwei Teilen geschnitten werden musste).

Es ist eine Cast, die fast durchgehend aus gestandenen Profis und den Stars ihrer Zeit besteht: Oliver Reed, Richard Chamberlain und Frank Finlay als die drei Haudegen der Königin; Michael York als Jung-Musketier D’Artagnan, kann es den noch perfekter gehen? Charlton Heston als ränkeschmiedenden Kardinal Richelieu, Faye Dunaway als tödliche Milady und natürlich Christopher Lee als Richelieus Handlanger Rochefort. Wir könnten hier noch lange fortfahren und Namen aufzählen, aber besser kann es trotzdem kaum werden.


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Wenn man schon einen Berufsbösewicht sucht,
dann den Besten der Besten.


Und nein, wir werden jetzt nicht groß in die Geschichte von Die Drei Musketiere oder Die Vier Halunken der Königin eingehen. Wer sie nicht kennt, hat entweder auf der Schulbank gepennt (verzeihlich) oder nie einen Film gesehen (unverzeihlich!). Es soll hier bloß das Fazit stehen: Bester „Drei Musketiere“-Film aller Zeiten (alle beide)!


==Lee-Fazit==
Wieder eine Rolle, die ganz oben auf der Liste der großen Lee-Rollen steht. Sein Rochefort ist ein Bösewicht wie er im Bilderbuch steht (oder eben in Dumas „Die Drei Musketiere“). Charmant, hinterhältig, giftiger als eine Natter, jeder Zoll ein Schurke. Ein Highlight in einem Film der nicht gerade mit Highlights geizt. Interessanterweise war es Lees Idee, den schurkischen Rochefort eine Augenklappe zu geben, obwohl davon in der Vorlage nie die Rede war. Fast alle Rocheforts in zukünftigen Verfilmungen (egal ob live oder als Cartoon) taten es ihm gleich.



136. Der Tunnel der lebenden Leichen (1973)

Der Tunnel der lebenden Leichen (Originaltitel: Death Line, US-Verleih: Raw Meat) ist ein Kuriosum des britischen Horrorfilms: teils (Proto)-Slasher, teils Hammer- / Amicus-artiger Gothic-Horror, teils Polizeithriller, ist man sich nie ganz sicher ob man einen Arthouse-Film sieht, oder einfach einen Horror-Streifen, bei dem der Regisseur (Gary Sherman in seinem Debüt, später Poltergeist III und das Rutger Hauer Vehikel Wanted: Dead or Alive) den Faden verloren hat.


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Das glückliche Gesicht eines Mannes, der fünf Minuten vor der Kamera steht,
nichts tun muss und danach seinen Scheck kassieren darf.


Zwei Touristen finden eine Leiche in der Londoner Metro. Aber, als diese die Polizei verständigen, ist das Corpus Delicti verschwunden. Der zynische Inspektor Calhoun (Donald Pleasence), ein echter Proletarier (oder wie man in Großbritannien sagt: „Woikin’ Klaas, u foul kunt!“) und sein Kollege Rogers (Norman Rossington) ermitteln und finden nicht nur heraus, dass es sich bei dem Toten nicht nur um ein hohes Tier von der Regierung handelte, sondern dass seltsames unter der Metro vorgeht: In den 1890er Jahren wurden dort ein Haufen Bauarbeiter bei der Arbeit verschüttet und keinen hat es gekümmert. Die Verschütteten lebten seit dato als Kannibalen, die sich von Menschenfleisch von der Oberfläche ernährten (aber scheinbar keine Lust darauf hatten, zur Zivilisation zurückzukehren). Von dieser kleinen Kannibalen-Kolonie lebt nun nur noch ein Mitglied (Hugh Armstrong), der sich nun Frischfleisch und eine Braut in der U-Bahn sucht. Calhoun muss sich nun nicht nur mit dem Troglodyten auseinandersetzen, sondern auch mit dem MI5-Agenten Stratton-Villiers (Lee), der den Ermittlungen Steine in den Weg legt.

Der Tunnel der lebenden Leichen ist also ein „moderner“ (für 70er Jahre Verhältnisse) Horrorfilm, der die Legende von Sawney Bean aufgreift, eine Art The Hills have Eyes in der U-Bahn. Obwohl die relativ simple Geschichte diffus und verzettelt ist, macht die herrliche Kinematographie (vor allem die Kannibalenhöhle ist ein schauriges Fest für die Augen) und die Darstellung von Pleasence, der als Veteran natürlich weiß, wie er das Publikum um den Finger wickeln kann. Ein exzentrisches, aber schlussendlich ein verworrenes Werk,

Einen detaillierten Einblick in den Film bietet die REVIEW des Dr. Acula.


==Lee-Fazit==
Was genau die Figur des Stratton-Villiers zur Handlung beitragen soll, ist nicht weiter bekannt. In einer einzigen Szene kracht der aristokratische Agent mit dem proletarischen Inspektor zusammen, und hat dabei nicht einmal Zeit, seine Melone abzunehmen. Wieder einmal gab es für Sir Christopher wenig zu tun, außer kurz vor der Kamera zu erscheinen, seine Präsenz mitzuteilen, und wieder zu verschwinden. Lee kassierte seine Gage, die Produzenten durften seinen Namen auf das Poster pappen und alle waren zufrieden.



137. James Bond 007 – Der Mann mit dem goldenen Colt (1974)

Francisco Scaramanga (Lee) hat eigentlich alles was sich ein Mensch wünschen kann: eine Privatinsel im chinesischen Meer, Reichtum (als bester Auftragskiller seines Faches verlangt er eine Million Dollar pro Auftrag), den mörderischen Zwergen-Butler Nick-Nack (Hervé Villechaize), an jeder Hand zehn Konkubinen und einen goldenen Colt. Außerdem eine dritte Brustwarze. Als Scaramanga angeheuert wird, einen Wissenschaftler, der eine neuartige Solarzelle erfunden hat, auszulöschen, hat er James Bond AKA 007 AKA Roger Moore an den Fersen. Was Bond nicht weiß: der Meisterschütze Scaramanga hegt schon seit langem den Wunsch, seine Kunst mit der des Superagenten zu messen.


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Allgemein ist James Bond die coolste Socke in allen 007-Filmen.
Aber was Coolness anbelangt, so steckt ein Sir Christopher
einen Roger Moore doch lässig in die Tasche.

Und wir könnten hier wieder die alte Streitfrage aller Bond-Fans vom Zaun brechen: „Wer war der coolste Bond-Gegenspieler aller Zeiten?“ Immerhin, die Hürden liegen hoch: Dr. No, Christopher Walken, Curd Jürgens, einer von den Blofelds oder vor nicht allzu langer Zeit Mr. Silva (eine Figur, die nicht wenig von Scaramangas Eigenschaften übernommen hat). Der unverbesserliche CL-Fan wird jedoch mit Der Mann mit dem goldenen Colt gehen. Schon alleine aus dem Grund, dass James Bond einen billigen Trick benutzen musste, um gegen Scaramanga überhaupt eine Chance zu haben. Und wegen der dritten Brustwarze.


==Lee-Fazit==
Christopher Lee in Bestform und, neben Dracula, in einer seiner besten Rolle am Zenith seiner Karriere. Wie hätte es auch anders sein können? Immerhin war Lee der Stief-Cousin von Bond-Erfinder Ian Flemming. Wenn man der Legende glauben darf, so hat Flemming seinem James Bond ursprünglich sogar auf Lee basiert, der sich im Zweiten Weltkrieg selbst als eine Art Geheimagent (manche munkeln sogar Auftragskiller) beschäftigte. Lee gab an, über die Zeit und Tätigkeit nicht sprechen zu dürfen, aber falls an der Geschichte etwas dran ist, so trifft in „Der Mann mit dem goldenen Colt“ 007 tatsächlich auf seine Vorlage.



138. Mondbasis Alpha (1975)

Über den Gastauftritt von Sir Christopher in Mondbasis Alpha 1 (Originaltitel: Space: 1999 – Earthbound), dem „’Raumschiff Enterprise’ für Hungerleider“, wie einst ein missgünstiger Schreiberling urteilte, hat Dr. Acula bereits vor einigen Jährchen ein Traktat geschrieben, was für mich einmal mehr weniger Arbeit heißt.


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Dennoch sollte dieser Anblick in unserer Aufzählung nicht fehlen.


==Lee-Fazit==
Wie Dr. Acula richtig angemerkt hat: Wenig für Christopher Lee zu tun in der 50-Minuten-Episode, und kaum mehr als ein Mundvoll Dialog. Dafür darf sich der Lord in einem Make-Up und Montur gefallen, die zwischen 70er Jahre Glam Rock und 90er Jahre Tuntenparade angesiedelt ist, und die vermutlich „Twisted Sister“ inspirierte (so wie man Dee Snyder kennt, möchte ich es nicht ausschließen).



139. Diagnose: Mord (1975)

Der Psychiater Dr. Hayward (Lee) hat eine Affäre mit seiner Sekretärin Helen (Judy Geeson), und plant insgeheim, seine scheidungsunwillige Ehefrau (Dyls Hamlett) um die Ecke zu bringen. Doch irgendwas oder irgendwer kommt ihm zuvor, und die Frau verschwindet von alleine. Nun schaltet sich Inspektor Lomax (John Finch) ein, der selbst Dreck am Stecken hat (weil ebenfalls ein Ehebrecher). Der nimmt natürlich als erstes Hayward ins Visier, aber wie man so schön sagt: „Die Ersten werden die Letzten sein“.


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Diesmal kein Vampir, Auftragskiller oder Dämon,
aber immerhin ein Arschloch vor dem Herrn.


Eigentlich war Diagnose: Mord als Pilotfolge für eine Krimiserie gedacht, vermutlich mit John Fincher in der Hauptrolle. Daraus wurde aus verschiedenen Gründen nichts, wahrscheinlich hauptsächlich weil der Film ziemlich verschachtelt und voller nutzloser Subplots, Twists und Roter Heringe war. Zu einer Diagnose: Mord-Serie kam es dann doch noch. Aber die hatte den Spaßvogel Dick van Dyke als investigationsfreudigen Mediziner in der Hauptrolle und hatte mit diesem britischen TV-Film nichts zu tun.


==Lee-Fazit==
Lee darf mal wieder den Verdacht auf sich ziehen, was meistens darauf hinweist, das er es schlussendlich doch nicht war (oder vielleicht doch?). Ein eiskalter Snob, dem die Welt und seiner verscholle Frau so am Arsch vorbeigeht, wie eine Neujahrsrede des Bundespräsidenten. War aber auch schon das Highlight in dem ansonsten recht mageren Filmchen.



140. Die Söldner (1976)

Telly Savalas spielt Webb: hart, cool wie ein Rohdiamant und der Sicherheitschef einer südafrikanischen Diamantenmine. Webb macht sich auf die Jagd nach seinem Ex-Kollegen und vermeintlichen Diamantendieb Bradley (Peter Fonda), unwissend, dass Bradley vom Mineninhaber zu dem Diebstahl angestiftet wurde, um sich so bei einer Gruppe Söldner einzuschleusen. Der Söldnertrupp besteht aus ehemaligen Elitesoldaten und eiskalten Killern, darunter Hugh O’Brien, O.J Simpson und Christopher Lee, die von dem mysteriösen „Weihnachtsmann“, dem Kopf der Operation, angeführt werden und planen, die Mine zu überfallen.


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Nutten killen, Sicherheitsleute mit Garotten erdrosseln
und Diamanten klauen. Alles Teil des Tagwerks.


Die Söldner ist ein recht überdurchschnittlicher Action-Kracher aus den 70ern, der vermutlich nur aus einem Grund zum Flop wurde: der Film wurde im damals noch boykottierten Südafrika gedreht und das Publikum mied die Kinos wie einen Hund mit Mundgeruch. Ein Film für Machos und harte Jungs (Savalas darf Maud Adams die Kleider vom Leib reißen, da diese sein Werben nicht erwidert) und die Killer Force (so der Originaltitel) ist eine pure Freude für alle Fans des Söldnergenres. Kommt noch ein grooviger Soundtrack dazu und ein kleiner Endtwist, der schon etwas von Die Üblichen Verdächtigen hat. Ein vergessener, kleiner Rohdiamant.


==Lee-Fazit==
Lee spielt mal wieder nur die zweite oder dritte Geige, kann aber als Major Chilton wieder absolut überzeugen. Chilton ist ein eiskalter Killer mit einem militärischen Hintergrund der, mit dem Lächeln einen Weißen Hais, auch gerne mal einer Nutte das Lebenslicht ausdrückt, nachdem er die erwünschten Informationen aus ihr herausgepresst hat Hätte Scaramanga einen psychopathischen Zwillingsbruder gehabt, wäre dieser vermutlich nach Südafrika umgesiedelt.



141. Die Braut des Satans (1976)

Henry Beddows (Denholm Elliot) bittet den Schriftsteller und Okkultismusexperten John Verney (Richard Widmark), seine Tochter Catherine (Nastassia Kinski) vom Flughafen abzuholen und sie eine Weile bei ihm wohnen zu lassen. Catherine ist eine Nonne in der ketzerischen Sekte des Pater Rayner (Lee), einem exkommunizierten Priesters. Der Heilige Mann bekommt auch bald einen Auftritt und versucht, Catherine zurück zum Hauptquartier des Ordens in Bayern zu bringen. Beddows und Verney ermitteln und finden heraus, dass es sich bei dem Orden um eine Sekte von Satanisten handelt, die Catherine darauf vorbereiten wollen, an ihrem 18ten Geburtstag zum Wirtskörper des Höllendämons Astaroth zu werden.


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Man sollte sich von dem gutmütigen Grinsen
und den Pfaffenkragen nicht foppen lassen.


Die Braut des Satans (Originaltitel: To the Devil a Daughter) war Hammers zweite Adaption einen Dennis Wheatley Romans. Zwar hätte sich Lee gewünscht, erneut ein Abenteuer von Duc de Richleau zu verfilmen, aber man wollte chronologisch vorgehen und verfilmte Wheatleys zweiten okkulten Roman. Der Schriftsteller selbst war alles andere als zufrieden mit dem Film. Es war ihm nicht recht, dass die Handlung doch sehr von der Vorlage abwich und außerdem fand er den Film obszön. Das mag einerseits damit zu tun haben, dass die damals 14-jährige Kinski splitternackt auftreten (was zu dieser Zeit noch nicht illegal war) und sich von einem dämonischen Fötus besteigen lassen musste, zum anderen dass Lees satanischer Priester die Hosen herunter lässt (noch tiefer als damals bei Jess Franco). Fürderhin verbot Wheatley den Hammer-Leuten, eine weitere seiner Geschichten zu verfilmen und somit war auch die geplante Duc de Richleau-Serie gestorben. Abergläubische Gemüter behaupteten, der Film stünde unter einem schlechten Stern, nachdem der Schauspieler Michael Goodliffe kurz nach Drehschluss Selbstmord beging (was aber eher mit jahrelanger Depression als mit dem Satanas zu tun hatte). Auch an Kinokassen war Die Braut des Satans ein ziemlicher Flop, trotz seines kontroversen Inhalts. Die Kritiken waren generell negativ: Langatmig, endlose Dialoge, simpel gestrickte Handlung und ein abruptes, komplett spannungsfreies Ende (Widmark schmeißt Lee einen Stein an die Birne – und das war es dann auch schon).


==Lee-Fazit==
Lees Pater Rayner ist einmal wieder die Bösartigkeit in Person, ganz so als hätte man Dracula in eine Paffenkutte gesteckt. Die Vorstellung war dennoch ein, wenn nicht gar das einzige Highlight des Films. Auf seine Hosen-runter-Szene angesprochen, behauptete Lee später, dass die Szene mit seinem Stuntman gedreht wurde und weil wir ja auch alles Gentlemen sind, wollen wir das auch glauben. Bis 2011 in „The Resident“ war „Die Braut des Satans“ Lees finaler Auftritt in einem Hammer Film.



142. Der flüsternde Tod (1976)

Ein Albino und Voodoodoktor, den man nur als „Der flüsternde Tod“ (Horst Frank) kennt, will unter allen Umständen verhindern, dass die weißen und die schwarzen Afrikaner friedlich miteinander leben. Für diese Ziel formiert einer eine Terroristengruppe, die raubend und mordend durch die Lande ziehen. Bei einem seiner Terroraktionen vergewaltigt und ermordet der Albino Sally (Sybil Danning), die Frau des ehemaligen Polizisten Terrick (James Faulkner). Dieser sinnt nach blutiger Rache und macht auf eigene Faust Jagd auf die Terroristen. Das wiederum geht seinen ehemaligen Kollegen Bill (Lee) gegen den Strich, der befürchtet, dass Selbstjustiz den Hass zwischen den ethnischen Gruppen nur noch schüren würde.


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Die Uniform weckte bei Lee nostalgische Erinnerungen.


Ein rechtes Kuriosum: Der flüsternde Tod (Originaltitel: The Whispering Death, Alternativtitel: Albino) ist ein deutscher Film, der am Originalschauplatz in Rhodesien gedreht wurde, zu einer Zeit als dort der Buschkrieg im vollen Gange war. Auch konnte sich Regisseur Jürgen Goslar (meist eher für seine Arbeit an Der Alte und Derrick bekannt) anscheinend nicht entscheiden, ob er nun ein Sozialdrama über die Unruhen in Rhodesien drehen wollte, ein afrikanisches Remake von John Waynes Der Schwarze Falke oder einen puren Rape & Revenge / Exploitation-Streifen in der Vene von Beim Sterben ist jeder der Erste. Goslar entschied sich für die goldene Mitte und genau hier liegt das Problem. Als Sozialkommentar wirkt der Film lachhaft und bevormundend. Als Revenge-Thriller funktioniert Der flüsternde Tod aber recht gut und hat einige sehr harte, schonungslose Gewaltszenen, die daran erinnern, dass der Buschkrieg in der Tat eine sehr blutige Angelegenheit war (und dass die „Gewinner“ Rhodesien danach so heruntergewirtschaftet haben, dass Bonbons heute als offizielle Währung gelten und die Landwirtschaft im ehemaligen „Brotkorb von Afrika“ praktisch illegal ist. Aber das ist eine andere Geschichte). Sollte auch noch erwähnt werden, dass der junge Sascha Hehn einen kleinen Part als Polizist hat (bekanntlich kamen danach noch ein paar Softcore-Pornos, bis Hehn zur lebenden Schmalzstulle in Die Schwarzwaldklinik degenerierte; aber was soll’s? Ein echter Schauspieler wäre aus ihm sowieso nie geworden).


==Lee-Fazit==
Trotz Top-Billing hat Lee nur eine relative kleine Rolle als Polizist, der hin und her gerissen ist zwischen seinem Pflichtbewusstsein und Verständnis für den Zorn seines Ex-Kollegen. Die Rolle hatte aber durchaus autobiographische Züge: nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Lee für eine zeitlang tatsächlich als Polizist in Rhodesien um, wie er einst sagte, einmal etwas anderes zu machen.



143. Die Herren Dracula (1976)

Rumänien, im Jahre 1770: die junge, bildhübsche Hermine (Catherine Breillat) fällt einem vampirischen Grafen (Lee) in die Krallen und muss diesem gezwungenermaßen einen Sohn schenken. Doch der Spross Ferdinand (Bernard Menez) ist, vampirisch gesehen, sehr aus der Art geschlagen, hat nur wenig Interesse an Menschenblut und zeigt sich generell als Tunichtgut. Als ein paar Jahrhunderte später die Kommis an die Macht kommen und den Vampir mittels Hammer und Sichel verscheuchen, wollen sich Vater und Sohn in zwei geklauten Särgen nach Europa überführen lassen. Doch die Sache geht schief (die Särge waren für eine Seebestattung gedacht) und die beiden Vampire werden getrennt. Während sich Ferdinand in Frankreich mit Gelegenheitsjobs (als Nachtwächter in einer Klinik) „über Wasser“ hält, wird der Graf in England von einem Filmteam entdeckt und bald zum gefeierten Star von – wir ahnen es – Dracula-Filmen gemacht. Schließlich werden Vater und Sohn wieder vereint, aber die familiäre Harmonie währt nur kurz, nachdem beide ein Auge auf die attraktive Werbefachfrau Nicole (Marie-Hélène Breillat) werfen. Die ähnelt der verstorbenen Hermine nämlich bis aufs Haar, was den Grafen an seine Ex und Ferdinand (Franzosen sind Schweine, hab’s immer schon gesagt) an seine Mutter erinnern.


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Auch wenn er inzwischen schon einen rechten Hass auf die Dracula Figur hatte,
beim Dreh von Die Herren Dracula hatte Lee offensichtlich Spaß.
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Tanz der Vampire ist Die Herren Dracula (Originaltitel: Dracula Pere et Fils) natürlich nicht, aber einen gewissen Charm und den typisch französischen Humor kann man dem Streifen nicht absprechen, was ihn zu einem der besseren Vampirkomödien macht. Regisseur Edouard Molinaro ist offensichtlich ein Mann vom Fach, der schon mit fast jedem der großen französischen Komödianten gearbeitet hat, sei es Louise de Funes, Pierre Richard oder Lino Ventura. Auch ist Bernard Menez in Fronkreich ein gefeierter Spaßvogel (in Deutschland wohl am ehesten für seinen Auftritt in dem Didi Hallervorden-Vehikel Didi auf vollen Touren bekannt), der gerne den tölpelhaften aber dennoch liebenswürdigen Schussel spielt. Wir sind, was leichte Unterhaltung angeht, also in besten Händen. Tiefere Einblicke bietet die hauseigene REVIEW.



==Lee-Fazit==
Lees Hass auf seine Dracula-Paraderolle war zu dieser Zeit bereits sprichwörtlich und wieder einmal darf man es den Finanzen zurechnen, dass er immer wieder zum Vampircape greifen musste. In „Die Herren Dracula“ hatte der Sir offensichtlich Spaß am Veräppeln des Grafen (der namentlich auch nie als Dracula erwähnt wird). Selten spielte er den Vampir charmanter und menschlicher und ja, die Szene in der sich der Graf unwissentlich am Hals einer Plastikpuppe (im Volksmund auch „Stumme Ursel“ genannt) verköstigen will, ist ein echter Schenkelklopfer.



144. The Keeper (1976)

Das Underwood Asylum ist eine psychiatrische Anstalt, in welche die Elite von British Columbia ihre geisteskranken Verwandten abschieben, die ihnen lästig oder peinlich sind. Dort kann der Wächter (Lee, das Drehbuch sah es nicht von Nöten ihm einen eigenen Namen zu geben) schalten und walten wie er will, mit den Patienten experimentieren und diese um die Ecke bringen, um an ihr Vermögen zu kommen. Der Detektiv Dick (!) Driver (Tell Schreiber) und seine Kollegin Mae (Sally Gray) werden angeheuert, sich unter falschen Namen in die Anstalt einweisen zu lassen und zu ermitteln. Dort werden sie nicht nur Zeuge der bizarren Experimente, sondern laufen Gefahr, selbst in den hypnotischen Bann des teuflischen Wächters zu kommen.

The Keeper war Vancouvers erster Beitrag zur Canuxploitation-Welle, die ein paar Jahre darauf ein paar kleine Trash- und Horrorfilmklassiker hervorbringen würde. Aber bekanntlich ist aller Anfang schwer. Wenn wir nicht genau wüssten, dass der Film aus Kanada stammt und ein T.Y. Drake Regie führte, wir könnten fast annehmen, Al Adamson hätten den Streifen nach einem Drehbuch von Ed Wood gedreht. Murks, wohin das Auge auch blickt. Die Regie ist schlampig, die Schauspieler sind schlampig, die Effekte und Kulissen ein schlechter Scherz und die Geschichte, wahrscheinlich als Mischung aus Einer flog über das Kuckucksnest und Chinatown gedacht, liest sich als hätte es sich ein Filmstudent im ersten Semester aus dem Allerwertesten gezogen. Kurzum: Es stinkt alles nach Dilettantismus (und wenn jemand noch eine Kopie rum liegen hat: in den Mülleimer damit oder unserem Dr. Acula als Geburtstagsgeschenk zukommen lassen).


==Lee-Fazit==
Man kann mal wieder annehmen, dass Lee die Gage bitter benötigte. Oder vielleicht sollte es auch nur der Auftakt zu seiner „amerikanischen Invasion“ sein (ein Jahr darauf siedelte Lee in die Staaten über), aber da hätte er sich wahrlich ein etwas seetüchtigeres Vehikel aussuchen können. Als Profi tut Lee natürlich so, als ob er den ganzen Humbug und Stümperei um sich herum nicht bemerkt und versucht seine Rolle souverän zu spielen. Aber wir können ziemlich sicher sein, das „The Keeper“ auf der Top-10-Liste derer Filme steht, über die Sir Christopher lieber das Mäntelchen des Vergessens ausgebreitet hätte.



145. Meatcleaver Massacre (1977)

Unser Mann Christopher Lee sitzt in einer Art Trödelladen und erzählt uns was von schamanischen Ritualen, Dämonologie und Beschwörungen, ja, eigentlich von allem außer dem sprichwörtlichen Pferd. Dann fängt der eigentliche Meatcleaver Massacre (in dem es weder einen „Meatcleaver“, also „Fleischerbeil“, noch ein echtes Massaker gibt) an: Der Geschichtsprofessor Cantrell (James Habiff) wird von einer Gruppe halbstarken Schüler malträtiert, oder besser gesagt, die Band bricht in sein Haus ein, rottet seine Familie aus und prügeln den Lehrer in ein Koma. Während Cantrell im Krankenhaus liegt (und “wie eine Karotte aussieht“, wie eine mitfühlende Krankenschwester anmerkt), beschwört er in seiner Traumwelt den Dämonen „Borak“, damit dieser Rache an dem Lumpenpack nehmen kann.


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Lee wollte in dem Film gar nicht mitspielen.
„Glücklicherweise“ wusste er auch lange Zeit nichts
von seiner Beteiligung.


Und Rache nimmt der Dämon. Teils in der Form eines Kaktus, teils in seiner ursprünglichen Form, die an einen Schlamm (oder schlimmeres) beschmierten Obdachlosen erinnert. Aber zumindest taucht Lee in der weiteren Handlung nicht mehr auf. Die „optischen“ Effekte kann man am besten mit der LSD-Sequenz von Easy Rider vergleichen (und wir wollen nicht beschwören, dass die Macher nicht selbiges während der Dreharbeit konsumiert haben) und der dreckige Rest sieht aus, als ob Regisseur Evan Lee (nicht verwandt oder verschwägert) an der „Ed Wood Akademie der feinen Künste“ studiert hat. Den Rest der Handlung hat Lee schamlos von populären Streifen wie Ein Mann sieht rot und Das letzte Haus links geklaut, und was den Titel angeht – nun, Texas Chainsaw Massacre war zu der Zeit sehr beliebt beim Publikum. Ein „Glücksgriff“ für den Regisseur war, dass er ein paar Minuten Filmmaterial mit Christopher Lee in die Finger bekam. Die baute Lee rotzfrech und ohne dem Wissens seines vermeintlichen „Hauptdarstellers“ ein. Voila, schon hat man einen Film mit Christopher Lee in der Hauptrolle.

Als Sir Christopher Wind davon bekam, in was für einen Streifen er mitspielen „durfte“, war er selbstredend fuchsteufelswild und wollte gegen seinen Namensvettern vor Gericht ziehen. Doch dann besann sich der adelige Schauspieler doch eines besseren, vermutete dass bei dem Gesindel sowieso nichts zu holen war und sprach vermutlich zu sich selbst: „Zumindest war es kein Pornostreifen“. Außerdem fehlte von Evan Lee seit dato jede Spur. Eine Enttäuschung für alle Trashfilmologen, ein Segen für den Rest der Menschheit (inklusive Sir Christopher).


==Lee-Fazit==
Ja, gut, was soll man groß sagen? Das Christopher-Lee-Material stammte (vermutlich) aus einer nie gedrehten Anthologie. Lee hockt zu Anfang in dem besagten Verschlag, aufgemotzt wie ein Zuhälter, 70er Jahre Reeperbahn, und plappert seinen Text herunter. Exit Sir Christopher, und bald legte sich die Decke des filmhistorischen Vergessens über den Streifen.



146. Airport ’77 – Verschollen im Bermuda-Dreieck (1977)

Der Millionär Philip Stevens (James Stewart) ist ein todkranker Mann. Aber bevor er abstirbt, will er (dem besseren Teil) der Menschheit noch ein Geschenk vermachten: Eine Luxus-747-Boeing, die alles hat, was das menschliche Herz begehrt: Eine Luxus-Bar, Mini-Bibliothek und sogar einen authentisch-blinden Pianisten für die allgemeine Unterhaltung. Ganz klar, dass nicht der dregigge Pöbel die Sitze des Flugzeugs beschmutzen, sondern der Jungfernflug ausschließlich von den Reichen und Schönen bevölkert ist: Lee Grant, Kathleen Quinlan, Joseph Cotton, die alternde Diva Olivia de Havilland, Christopher Lee; alle sitzen sie 1st Class und schlürfen Schampus. Und keine geringeren als Jack Lemmon und George Kennedy (dessen Figur Joe Patroni in allen vier Airport-Katastrophenfilmen erscheint – ein böses Omen?) fliegen den Vogel. Da sind aber dann noch bösen Buben, von Berufsbösewicht Robert Foxworth angeführt, die den Flieger kidnappen wollen, um die erlesenen Kunstwerke, die sich an Bord der 747 befinden, zu mopsen. Der Plan scheitert und das Flugzeug plumpst ins Bermuda-Dreieck. Unter Wasser werden die Insassen bald vor die Wahl gestellt: elendig ersticken oder ersaufen, wenn die Hülle bricht.


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“Tja, Chris-Baby, du darfst einmal einen Guten spielen.
Und wirst trotzdem ersaufen wie eine Ratte“.


Die 70er waren das Zeitalter des Katastrophenfilms, insbesondere das der abstürzenden Flugzeuge. Airport (1970), Airport '75 - Giganten am Himmel (1974) and später Airport '79 - Die Concorde (1979) standen damals hoch im Kurs, und so beschloss man sich, diesmal das berüchtigte Bermuda-Dreieck ins Spiel zu bringen. Natürlich war es ein Job aus dem FF: wir wissen, dass schlussendlich ein Großteil der Passagiere gerettet wird und warten dazwischen ab, wer wie ins Grass beißen muss (Spoilers Ahead: Olivia de Havillands schwarze Dienstmagd, die zum ersten Mal in einem Flugzeug sitzt und der blinde Pianist, scheinbar die einzigen Nicht-Millionäre an Bord, die müssen beide daran glauben). Kein großes Kunstwerk, sondern eher von der Stange, aber wir haben es alle schon ein paar Mal zuvor gesehen – und damals saßen Charlton Heston und Alain Delon hinter’m Steuer!


==Lee-Fazit==
Ein Exot! Sir Christopher darf einmal und ausnahmsweise keinen Schurken spielen, sondern einen tragischen Helden. Eigentlich erwartet man zu jedem Zeitpunkt, dass Lee die Fassade des Philanthropen Martin Wallace fallen lässt, sich eine Dame schnappt um auf ihrem Kadaver gen rettender Oberfläche und den sonnigen Süden entgegen rudert. Aber nein: In einer der dramatischsten Szenen des Films stirbt Lee den Heldentod, der so schnell, unerwartet und schockierend kommt, dass die Szene zum Highlight von „Airport ’77 zählt. Fast schon ironisch, dass Lee die Rolle nur annahm, weil er einmal mit seinem Kumpel Jack Lemmon in einem Film spielen wollte – aber immer noch besser als „Meatcleaver Massacre“, AMIRITE? Abgesehen davon: 1977 war das Jahr in dem Christopher Lee in die Staaten übersiedelte. Nicht nur um der blutsaugenden britischen Steuer zu entgehen, sondern um sich endgültig vom Stigma des ewigen Horrorfilmstars zu lösen. Außerdem muss man dem Schauspieler und Mannesmann zugestehen, dass er seine eigenen Stunts gedreht hat und dafür von der Stuntman-Gewerkschaft ausgezeichnet wurde. Auch nicht schlecht.



147. Das Ende der Welt (1977)

Der Wissenschaftler Professor Boran (Kirk Scott) hat seltsame Radiosignale aus dem All entdeckt, die scheinbar immer dann auftauchen, wenn irgendwo auf der Welt eine Naturkatastrophe passiert. Zusammen mit seiner Frau Sylvia (Sue Lyon) ermittelt Boran weiter. Die Spuren führen ihn zu einem seltsamen Mönchsorden, wo sich das Oberhaupt, Pater Pergado (Lee) bald als außerirdischer Invasor Zindar entpuppt. Dieser teilt Boran die aufregende Neuigkeit mit, dass die Außerirdischen die Menschheit als eine Art Krankheit sehen, die man mit den Naturkatastrophen auslöschen will.


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Christopher Lee in Priesterkluft verheißt selten Gutes.


Mit den Charles Band Produkten ist es wie mit Al Adamson und vielen weiteren Trash-Produktionen auch: man muss ein Herz für den Müll haben, oder kann es gleich vergessen. Sonst geht es einem wie dem Zuschauer der behauptete, die Werbeunterbrechungen seinen amüsanter gewesen als Das Ende der Welt (Originaltitel: The End of the World). Der Mann hatte ja in gewissen Sinne recht: Zu 90 Prozent passiert praktisch nichts, außer dass Boran und seine Frau (auch wenn sie hübsch anzusehen ist) durch die Pampa fahren oder stapfen und nach den Aliens suchen. Deren Motivation ist immer recht vage: Zuerst wollen sie bloß ihr Raumschiff reparieren, dann beschließen sie, die Freunde und Bekannten des Professors umzulegen, bis sie zur Realisation kommen, dass es auf der Erde zu viele Krankheiten gibt und man sie deshalb vernichten muss. Also, immer zwischen gepflegter Langeweile und komplett konfusen Zeugs.


==Lee-Fazit==
Spätestens jetzt muss Sir Christopher klar geworden sein, dass seine Präsenz in Amerika nicht gleich bedeutet, dass er sich nun die Rollen aussuchen könnte. Im Gegenteil, für geraume Zeit musste Lee nach dem greifen, was gerade vorbeiflog. Inklusive Rollen in Billig-Science-Fiction-Filmen aus der Schmiede eines Charles Band. Man muss es Lee anrechnen, dass er selbst hier gute Miene zum billigen Spiel macht, aber stolz war der Schauspieler auf den Film nicht. Im Interview erklärte Lee, man hätte ihn nur mittels Tricks und dem Versprechen von bekannten Co-Stars zum Dreh überredet. „Der Titel ‚Das Ende der Welt’ war sehr passend“, so Lee.



148. Die Invasion der Raumschiffe (1977)

Der Planet Alpha steht kurz davor, von einer Supernova verschluckt zu werden. Also macht sich Captain Ramses (Lee) und seine telepathisch-begabten Helfershelfer auf die Suche nach neuen Lebensraum und haben diese auch bald in Form der Erde gefunden. Die Bewohner will man mittels Telepathiestrahl, der die Menschen zum Selbstmord zwingt, auslöschen. Einzig eine intergalaktische Liga und die wasserköpfigen Außerirdischen von Zeta Reticuli stehen auf der Seite der Erdlinge, und versuchen, den heimtückischen Ramses zu stoppen.


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”Nix is es mit dem Starruhm!
Statt dessen, Suppentopf auf die Birne und ab dafür!“.


Wer jetzt bei Die Invasion der Raumschiffe (Originaltitel: Starship Invasions) einen Science-Fiction-Streifen der billigen Sorte erwartet, der soll Recht behalten. Oder einen Rip-Off von diversen populären Sci-Fi Geschichten wie Star Wars und Steven Spielbergs Begegnung, etc. Eine Million Dollar stand für den Dreh bereit und natürlich hat das kaum ausgereicht, um aus Die Invasion der Raumschiffe viel mehr werden zu lassen, als einen Schrotthaufen, der oft an die Billigdinger aus Japan erinnert. Dennoch, einen naiven Charm im Schmarrn kann man dem Film nicht absprechen, was ihn schlussendlich zum Kult-Film machte (zumindest bei Leuten, die ein Herz für Billigschrott haben).


==Lee-Fazit==
Christopher Lee dürfte das allerdings egal gewesen sein. Der dachte beim Dreh vermutlich meist an die guten, alten Tage im Hammer-Studio, dass auch dieser Drehtag einmal zu Ende gehen würde, an einen Scheck, der die Rechnungen bezahlte und dass auf den Regen einmal wieder Sonnenschein folgt. Und versuchte dabei krampfhaft, den Deckel, den man ihm auf den Kopf gepflanzt hatte und den Plastiklaser, den man ihm in die Hand drückte, zu vergessen.



149. Durch die Hölle nach Westen (1978)


==Lee-Fazit==
Wieder ein kleiner Abstecher in den Wilden Westen, diesmal im TV-Format: Christopher Lee hatte einen kleinen Auftritt in der Pilotfolge der Serie “Durch die Hölle nach Westen” (Originaltitel: How the West was won”). Die Odyssey des braven Bauern-Clans Macahan, der im Westen eine neue Heimat sucht, war kein großer Erfolg in den USA, hatte aber in Europa (inklusive Deutschland) einen rechten Kultstatus, ähnlich wie „Bonanza“ und „Die Waltons“. In der ersten Folge (ein Reboot der 1977er Serie) spielt Lee einen russischen Aristokraten, der mit seinem Diener (Horst Bucholz) durch den Westen reist und dort natürlich mit Indianer (unter der Führung von Ricardo Montalban) zusammenkracht. Gefehlt hat eigentlich nur einer: Lucky Luke.



150. Der Sieg der Sternenkinder (1978)

Die drei Außerirdischen Tony, Tia und Uncle Bené (Ike Eisenmann, Kim Richards und Denver Pyle) haben sich gut bei ihrer neuen, irdischen Familie eingewohnt. Tony und Tia wollen einen kleinen Ausflug nach Los Angeles machen, wo Tony mit seinen Superkräften einen Gauner vor dem sicheren Tod rettet, was der Wissenschaftler Dr. Gannon (Lee) und seine Assistentin Letha Wedge (Bette Davis) mit ansehen. Diese Kräfte will sich der Schurke Gannon zu Nutze machen. Er kidnappt Tony, macht ihn mittels Hypnose gefügig und schickt den außerirdischen Jungen auf Raubzug. Mit Hilfe einer Jugendgang und dem schusseligen Polizisten Yokomoto (Jack Soo), versucht Tia ihren Bruder aus den Klauen des bösen Mannes zu befreien. Gannon hat inzwischen neue, teuflische Pläne: mit Tonys Hilfe will von der Stadt fünf Millionen Dollar erpressen oder Los Angeles mit einer Atombombe platt machen.


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Vom Herrn der Vampire zum Kinderschreck.


Der Sieg der Sternenkinder (Originaltitel: Return from Witch Mountain) ist die Fortsetzung des populären 1975er Disney-Films Die Flucht zum Hexenberg. Wie zu erwarten ist es ein typisch harmloser Abenteuerfilm im Science-Fiction-Gewand, der vor allem Kinder und Jugendliche ansprechen sollte. Kritiker waren generell nicht berauscht, bemängelten die mageren Effekte, Routine-Regie und die Kinderstars, die scheinbar in der Retorte gezüchtet wurden (und ahnten nicht, wie viel Böses uns aus diesem Eck im 21ten Jahrhundert noch bevorstehen sollte). Trotz allem, Kids interessieren sich bekanntlich nicht für Kritiken, bissen an, kauften die Kinokarten und so kam es über die Jahre immer wieder zu Nachzieher und Reboots. Eigentlich wollte man den Comic-Relief Mr. Yokomoto auch in den Fortsetzungen haben, aber der Schauspieler wurde während der Dreharbeiten mit Krebs diagnostiziert und verstarb wenige Monate nach Drehschluss.


==Lee-Fazit==
Natürlich muss sich Lee in einem Kinderfilm etwas zurückhalten, aber um die 8-12-jährigen zu gruseln, hat es immer noch gereicht. Zumindest hatte Lee Spaß daran, mit der ehemaligen Diva und Horror-Legende Bette Davis in einem Film zu spielen (wobei es mit der Ex-Diva so nicht ganz stimmt; die alternde Dame hatte immer noch drei persönliche Betreuer während den Dreharbeiten, vermutlich einen um die Zigarette anzuzünden, einen zweiten um sie zu halten und den dritten um sie im Aschenbecher auszudrücken).



151. Das Geheimnis des blinden Meisters (1978)

Der junge Cord (Jeff Cooper) ist ein guter Kämpfer, aber ein recht arroganter Kerl. Er nimmt an einem Kampfsportwettbewerb teil. Der Gewinner des Turniers darf sich auf die Suche nach dem geheimnisvollen Zetan (Lee) machen, der auf einer Insel wohnt und das Buch des ultimativen Wissens besitzt. Zwar kämpft Cord gut, wird aber wegen unfairen Methoden disqualifiziert und macht sich auf eigene Faust auf die Suche nach Zetan. Auf seinem Weg muss er viele Kämpfe bestehen, trifft auf obskure Gestalten (etwa Eli Wallach der, um Erleuchtung zu finden, seinen Penis in heißem Öl auflöst) und einem blinden Flötenspieler (David Carradine), der allen seinen Gegnern überlegen ist.


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Christopher Lee als Zetan
(einem entfernten Vettern von Papa Schlumpf).


Das Geheimnis des blinden Meisters (Originaltitel: Circle of Iron, Alternativ The Blind Flute) wurde von Bruce Lee, als dieser noch als Kampfkunstlehrer arbeitete, konzipiert, teils von ihm geschrieben und mit sich selbst in der Rolle des blinden Meisters gedacht. Aber wie wir alle wissen, kam es nach 1973 nicht mehr zu dem Dreh. Ob Lee nun mit der überarbeiteten Fassung zufrieden gewesen wäre ist fraglich. Lee wollte einen philosophischen Film drehen, der zugleich ein recht harter Martial Arts Streifen war. Die Neufassung hingegen ist ein Mischmasch aus Action, Fantasy, Kung Fu und teils kindergerechten Humor. Was dem Bruce-der-Bruce allerdings sauer aufgestoßen wäre war, dass David Carradine ihm einmal wieder die Rolle weggeschnappt hat. Es war bereits das zweite Mal, nachdem Carradine die Hauptrolle in der von Bruce Lee konzipierten TV-Serie Kung Fu (die Lee aber nicht bekam weil er, so die Produzenten, „zu asiatisch“ aussah). Fest steht nur, dass Carradine immer noch kein Kampfsportler ist: „David ist ein so guter Kämpfer wie ich ein Schauspieler bin“, urteilte einst Chuck Norris. Ein ehrliches Wort, aber kein Kompliment, weder für Carradine noch Norris. Trotz allem: eine kleine Trash-Perle, voll von unfreiwilligem Humor, die zu Recht Kult-Status unter Unseresgleichen genießt.


==Lee-Fazit==
Wieder nur ein kleiner Auftritt für Lee, in dem er nicht viel tun muss außer vor dem Protagonisten zu sitzen und den weisen Mann zu spielen. Ein wenig enttäuschend dafür, dass Zetan ja eigentlich eine der Hauptfiguren sein sollte, zu dem alle wollen. Sieht man sich aber sein manierliches Mützchen an, war es im Endeffekt vielleicht sogar besser.



152. Der Herr der Karawane (1978)

Der Wüstenstaat Zadestan im Jahre 1948: Der Botschaftsmitarbeiter Mark Miller (Michael Sarrazin) bekommt den Auftrag, die junge Amerikanerin Ellen Jasper (Jennifer O’Neill) zu suchen und zu finden. Ellen hat vor kurzem den korrupten Colonel Nazrullah (Behrouz Vossoughi) geheiratet, ist danach ausgebüchst und befindet sich jetzt bei einem rebellischen Beduinenstamm (eigentlich sind es Baluchis, aber wir wollen hier keine anthropologischen Vorträge halten), der sich unter der Führung von Zulfiqar (Anthony Quinn) durch die Wüstenei treibt. Was die Sache erschwert: Zulfiqars Leute sind Waffenschmuggler und Banditen, die gerade einen Deal mit den Sowjetrussen aushecken.


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Wieder eine Rolle als Pseudo-Araber,
nur ohne Fez und Bettlacken.


Anders als dem Bestseller von James A. Michener, war der Adaption Der Herr der Karawane (Originaltitel: Caravans) kein großer Erfolg beschert. Besonders Michener war alles andere als angetan vom Endresultat, das viele Elemente seines Buches ignorierte, den Handlungsort von Afghanistan ins fiktive Zadestan verlegte und so zog der Autor gegen die Produzenten vor Gericht. Zu einem gewissen Punkt waren die Schnitte verständlich, da Michener selten und ungern eine Novelle unter 1,000 Seiten schrieb. Größter Schwachpunkt: Jennifer O’Neill. Sicher, die Dame war zu dieser Zeit eine Augenweide, hat das Schauspielen aber vermutlich im Fernkurs erlernt. Zudem muss sie ein verwöhntes Botschaften-Gör spielen, bei dem man sich ständig fragt, „warum überhaupt suchen und nicht einfach in der Wüste versauern lassen?“. Wem der finanzielle Misserfolg wohl egal war, war der Geldgeber selbst, namentlich der Shah von Persien. 14 Millionen hatte der Staatsmann in die Produktion gebuttert (in etwa die Summe, die er monatlich in den Casinos von Monaco verspielte; zumindest bis ihn Khomeinis Windelhäupter ein paar Monate später aus dem Land jagten).


==Lee-Fazit==
Kleine Rolle als Sardar Khan, einen modernisierten Eingeborenen, der die Protagonisten über Gebräuche und Sitten der Beduinen aufklärt: „Unsere Frauen haben weniger Rechte als ein Kamel“, so Sardar, was zwar stimmen mag (manche Dinge ändern sich nie), aber was es umso fraglicher macht, warum Jennifer O’Neill ausgerechnet bei einem Beduinenmob unterschlüpft. Laut Lee sind die meisten seiner Szenen eh geschnitten und landeten im Papierkorb.



153. Der Pirat (1978)

Der Pirat (Originaltitel: The Pirate), basierend auf den gleichnamigen Roman von Tom Robbins, erzählt als TV-Zweiteiler die Geschichte von dem jungen Israeli Baydr Al Fay (Franco Nero), der von einem reichen Scheich adoptiert wird. Nach dem Tod seines Ziehvaters wird Baydr zum Hauptteilteilhaber an den Ölreserven des Landes, was ihn aber auch zum Ziel von fanatischen Terroristen macht. Wurde vom US-Sender ABC produziert, lief dort auch ein paar Mal und verschwand dann in der Versenkung, trotz einer All-Star-Cast von Nebendarstellern, wie Armand Assante, Eli Wallach, Ian McShane oder Anne Archer (um nur ein paar zu nennen).


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Wieder eine Rolle als Pseudo-Araber,
nur diesmal mit Fez und Bettlacken.


==Lee-Fazit==
Kleine Nebenrolle als Beduinenscheich, der eigentlich nichts zur Handlung beiträgt. Macht aber nix, da den Film eh kaum jemand zu Gesicht bekommen hat.



154. Der Pass des Todes (1979)

Die 1940er Jahre: Deutschland hat Frankreich zum Lieblingsurlaubsort erklärt und gleich die halbe Armee mitgebracht. Das stört viele der Gastgeber und La Resistance will einen Wissenschaftler (James Mason) und seine Familie über die Pyrenäen ins neutrale Spanien schleusen. Der rechte Bergführer scheint ein baskischer Ziegenhirt (Anthony Quinn, spielt mal wieder einen griesgrämigen Kauz), der so baskisch ist, dass er nicht einmal einen Namen hat. Aber die Krauts haben ihre eigene Geheimwaffe: SS-Kapitän Von Berkow (Malcolm McDowell), der nicht nur ein echter Bluthund ist, sondern auch ein wahrer Psychopath vor dem Herren.


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Ein feuchter Gruß von SS-Kapitän McDowell
(nein, nein – nicht was ihr denkt. Es ist Benzin).


Nach dem Welterfolg von Die Kanonen von Navarone war Der Pass des Todes (Originaltitel: The Passage) für Regisseur J. Lee Thompson eine herbe Enttäuschung und ein echter Flop an den Kinokassen. Aber was konnte man schon von einem Film erwarten, der zu 90 Prozent darin bestand, dass die Protagonisten durch eine verschneite Schneelandschaft stapfen und von Quinn angeraunzt werden? Der Film wirk teilweise wie der erste Teil der Herr der Ringe-Trilogie, aus dem dem Anfang, Ende und Special-Effects entfernt wurden. Lichtblick am schneeweißen Horizont war allein Malcolm McDowell. Es ist ganz so, als hätte Alex aus Uhrwerk Orange sich Großvaters schwarze Uniform geborgt und McDowell spielt den sadistischen Psycho, dass es eine wahre Freude ist. Ein begnadeter Koch, schnippelt McDowells Von Berkow bei Befragungen (in einer Küche) die Finger seiner Opfer mit ebensolcher Inbrunst, wie kurz zuvor Zwiebel und Sellerie. Zum Dank für seine Arbeit darf McDowell auch das Töchterchen des Wissenschaftlers vergewaltigen und, wir haben es immer vermutet, trägt als Super-Nazi schwarze Unterhosen mit Hakenkreuz im Schritt. Und während man McDowell gebannt zuschaut wie er foltert, vergewaltigt und Zigeuner in Brand steckt, denkt man leise zu sich selbst: „Tarantino, du phantasieloser Hühnerdieb, da hast du’s also mal wieder geklaut.“.


==Lee-Fazit==
Wieder nur ein besserer Cameo-Auftritt für Lee als hilfsbereiten Zigeuner, der die Flüchtenden vor McDowell versteckt. Zum Dank übergießt McDowell ihn mit Benzin und verwandelt ihn zum Ehrenmitglied der Fantastischen Vier. Kein großer Auftritt, aber eines der wenigen Highlights des Films (sieht man mal von Finger-schnippeln und Hakenkreuz-Unterhosen ab).



155. Im Bann des Kalifen (1979)

Der Kalif Alquazar (Lee) bietet dem jungen Prinz Hasan (Oliver Tobias) die Hand seiner schönen Tochter Zuleira (Emma Samms), wenn Hasan ihm eine magische Rose bringen kann. Also macht sich Hasan auf den Weg, standesgemäß auf einem fliegenden Teppich, und muss bei seinen Abenteuer gegen Wüstendämone, feuerspuckende Monster und anderes Zeugs, das sich so in der Wüste herumtreibt kämpfen. Natürlich findet unser Held das magische Artefakt, ahnt dabei aber nicht, dass der böse Kalif ganz andere Pläne hat.


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”Böser Kalif gesucht? Ich bin euer Mann!“.


Im Bann des Kalifen (Originaltitel: Arabian Adventure) ist ein typischer Fantasyfilm für jung und alt, der die guten, alten Zeiten von Ray Harryhausens „Sindbad“-Streifen und Der Dieb von Bagdad heraufbeschwört. Bei heutigen Standards sind die Effekte natürlich nicht sonderlich gut gealtert, aber für die Junggebliebenen durchaus zu empfehlen. Am Rande sei noch notiert, dass der Ist ja Irre-Star Kenneth Williams in seinem Tagebuch (einem der deprimierendsten Manifeste, das je posthum publiziert wurde) vermerkte, dass die Rolle als „Comic-Relief“ Khasim (Milo O’Sheen, Lees Speichellecker) eigentlich an ihn gehen sollte, Williams aber ablehnte, da er Turbane als unangenehm empfand.


==Lee-Fazit==
Einmal wieder ein bitterböser Araber, diesmal mit magischen Kräften, mit denen er seine Opfer in Kröten verwandeln kann. Sieht man Milo O’Sheen als eine Art Smee, spielt Lee die Rolle fast wie einen Kapitän Hook im schwarzen Turban. Also ein Routinejob für Lee, der sich vermutlich gefreut hat, wieder in England zu sein und mit seinem alten Kumpel Peter Cushing spielen zu können, auch wenn die beiden keine gemeinsamen Szenen haben.



156. Nutcracker Fantasy (1979)


==Lee-Fazit==
Zwar wurde der japanische Puppenfilm (oder sollten wir lieber „Animationsfilm“ sagen?) „Nutcracker Fantasy“ mit diversen Ehrungen überhäuft, ging aber über die Jahre ziemlich verloren. Die Geschichte ist eine freie Mischung aus Tschaikowskis „Nussknacker“ und der ETA Hoffmann-Geschichte „Nussknacker und Mäusekönig“, aber natürlich auf typisch abgedrehter japanische Art. Vielen westlichen Zuschauern war es zu abgedreht (und für viele Eltern war er als Kinderfilm zu duster und morbide, allen voran der bösartige Lumpenmann, der Kinder in Mäuse verwandelt). In der englischen Fassung spricht Lee den gütige Onkel Drosselmeyer, sowie einen Straßensänger und einen Puppenspieler. Ein kleiner Klassiker, der vermutlich eine Inspirationsquelle für Tim Burtons „Nightmare Before Christmas“ war.



157. Jaguar Lebt! (1979)

Nachdem sein Partner bei einem gefährlichen Einsatz ums Leben gekommen ist, zieht sich der Superagent Jonathan Cross, Codename „Jaguar“ (Joe Lewis) aus dem Agentengeschäft zurück, um bei seinem Meister in Ruhe zu meditieren. Doch noch einmal muss „Jaguar“ in die Bresche springen und dem gefährlichen Superschurken Adam Caine (Lee) das Handwerk legen, bevor dieser die Welt mit seinen Drogen überschwemmt. Wie es sich für einen anständigen Superagenten gehört, geht die Jagd kreuz und quer über den Globus.


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Super-Verbrecher Christopher Lee auf Autopiloten-Modus.


Man muss es Joe Lewis zugestehen: Er war einer der Besten. Als Karatechampion beendete er seine Fights meistens mit Knock-Outs, hat das „American Kickboxing“ praktisch erfunden und war einer der fünf Menschen auf Erden (wenn man es noch menschlich nennen kann), vor dem Chuck Norris die Matte küssen musste. Sah blendend aus mit seiner semmelblonden Mütze und war steht’s fit wie eine Fiedel. Dies gesagt und gewürdigt: Ein guter Schauspieler war Lewis nicht. Ja, selbst der Kampfsportgott Chuck war im Vergleich praktisch ein Laurence Olivier. Da konnte auch das Vehikel Jaguar Lebt! (Originaltitel: Jaguar Lives!) mit seiner All-Star-Cast nichts daran ändern. Man war darauf bedacht, die Nebenrollen mit Schauspielern zu besetzen, die selbst schon Auftritte in diversen James Bond Streifen hatten, beispielsweise Donald Pleasence, Barbara Bach, Joseph Wiseman und natürlich Lee selbst (zum Spaß tauchen auch noch John Houston und Woody Strode in einem Gastauftritt auf). Hätte aber Lewis anno dazumal den Bond gespielt, es wäre vermutlich bei einem einmaligen James Bond jagt Doktor No geblieben. Joe Lewis hat’s wohl begriffen und sich danach, bis auf ein paar Nebenrollen, von der Filmerei zurückgezogen. Aber wir wollen auch nicht ungerecht sein: Obwohl Jaguar Lebt! kein großartiger Agententhriller ist (oder ein Hit wurde), es ist eine kleine Trash-Perle, wie er im Hause Badmovies immer gerne wieder in den Videorekorder geschoben wird.


==Lee-Fazit==
Eine Rolle, die Lee auch beim Schlafwandeln hätte spielen können.



158. Captain America II: Death Too Soon (1979)

Zunächst hilft Steve Rogers alias Captain America (Reb Brown) einer Rentnerin, eine Bande von Dieben zur Strecke zu bringen, die sich auf den Diebstahl von Rentenschecks spezialisiert haben. In der Zwischenzeit plant der freiberufliche Terrorist Miguel (Lee) einen Krieg mit einem unbestimmten Land anzuzetteln. Da aber Krieg Geld kostet, kidnappt Miguel einen Wissenschaftler, den Gerontologen Professor Illson (Christopher Cary) and zwingt diesen, ein Serum zu fabrizieren, das Menschen rapide altern lässt. Damit will er die Stadt Portland um mehrere Millionen Dollar erpressen. Captain America kommt auch diesem Schurken auf die Schliche und lässt ihm von seinem eigenen Gift kosten.


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Der Film sah am Ende sogar noch ein bisschen älter aus.


Der zweite Teil des TV-Films, Captain America II: Death Too Soon, sollte eigentlich zugleich der Pilot für eine Serie werden, die sich schlussendlich nie materialisierte (was vielleicht nicht schlecht war, denn langlebig wäre sie auf keinen Fall geworden). Zwar freuten sich die Freunde von TV-Action-Superhelden-Serien wie Bionic Man oder Der Mann aus dem Meer, aber die Marvel- und Captain American-Fans, die sich mit den Comics auskannten, die fühlten sich verarscht. Schon die Vorgeschichte hatte (aus Kostengründen) mit der ursprünglichen Geschichte wenig bis nichts zu tun. Oder das Captain America-Rennrad. Oder der Helm, alles dies erboste den eingefleischten Fan. Alles in allem so vorhersehbar, familienfreundlich und spannend wie eine Ein Colt für alle Fälle-Folge (oder jede andere X-beliebige Serie aus der Zeit und Genre.


==Lee-Fazit==
Würde man den Captain America-Fan fragen, als welchen von Caps Erzfeinden er Christopher Lee gerne sehen wollte, die Antworten wäre mannigfaltig. Red Skull? Oh, Lee hätte es drauf, als bombastischer Nazi-Verbrecher mit verunstalteter Visage. Der Mandarin? Ein bisschen Lee, ein bisschen Fu Manchu, auch keine schlechte Idee. Aber nein, es musste Miguel sein! „Miguel? Was für’n Miguel? Kennt kein Aas!“, wäre die ehrliche Antwort eines Fans. Nun, Miguel, der Terrorist und Meister der Verkleidung (obwohl sich Miguel im Film nie verkleidet, außer dass Lee definitiv kein Lateinamerikaner ist). Gut, Lee ist ein Bösewicht, wie immer mit einem teuflischen Schema, aber sonst ist halt alles Routine.



159. Bäreninsel in der Hölle der Arktis (1979)

Der Deutsche Otto Gerran (Lee) führt eine Gruppe UN-Wissenschaftler aus aller Herren Länder zur Bäreninsel, die irgendwo zwischen Nordpol und Spitzbergen liegt. Offiziell will man den Klimawandel studieren, aber scheinbar haben einige der Männer (und Frauen) mehr Interesse an einem deutschen U-Boot, das dort im Zweiten Weltkrieg untergegangen ist. Es kommt zu mysteriösen Un- und Todesfällen in der Station und der Wissenschaftler Lansig (Donald Sutherland), der Sohn eines im U-Boot umgekommenen Kommandanten, kommt zu der Realisation, dass einer oder mehrere hinter einem Goldschatz her sind, der sich angeblich auf dem Tauchboot befindet (und die gehen über Leichen).


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Der Alte Lee und das Eismeer.


Basierend auf den Bestseller von Alistair MacLean, zählte Bäreninsel in der Hölle der Arktis (Originaltitel: Bear Island) mit einem 9 Millionen Dollar Budget bis dato als teuerste Kanadische Produktion aller Zeiten. Dieser Fakt ist dem Buch „Hollywood Hall of Shame“ zu entnehmen, das nicht das Rekordbudget feierte, sondern den kolossalen Flop, der der Film schlussendlich wurde. Das war nicht die Schuld von Routinier Don Sharp oder der All-Star-Cast (neben Sutherland und Lee, gaben sich noch Vanessa Redgrave, Richard Widmark und Lloyd Bridges die Ehre). Zum einen war die Geschichte recht spannungsarm und vorhersehbar, und gab den besagten Namen nicht wirklich viel zu tun. Und dann gibt es noch den Hollywood-Aberglauben, dass Filme, die in Schnee und Eis spielen eine 90-prozentige Floprate haben (siehe Passage des Todes). Schnee und Eis gab es in beeindruckenden Mengen. Allerdings wurden die Außenszenen in Alaska gedreht, da die echte Bäreninsel am Zipfel Norwegens nur ein unansehnlicher Steinhaufen ist. Dank des finanziellen Fails wurde also nichts aus einer geplanten Serie von MacLean-Adaptionen. Aber zumindest war der Film in den südafrikanischen Kinos ein Erfolg. Dort freute man sich, einmal Schnee und Eis zu sehen (und zugleich war kein Schwarzer weit und breit zu sehen).


==Lee-Fazit==
Es wäre beinahe Lees zweiter Alaister MacLean Film geworden, wenn Richard Harris nicht dafür gesorgt hätte, dass Lee vom Set von “Rendezvous mit dem Tod“ gefeuert wurde (worum es bei dem Streit ging ist nicht bekannt, wir nehmen aber an, dass Lee ganz der Gentleman war und Harris wie üblich besoffen und streitsüchtig). In der Rolle des alternden Deutschen (und als Christopher Lee per se), hat Lee natürlich primär die Rolle des Den-Verdacht-auf-sich-Ziehenden und hat als Expeditionsführer im Prinzip nur eine Nebenrolle (wenn man bei einer Cast von einer handvoll Leuten von einer Nebenrolle sprechen kann).



160. 1941 - Wo bitte geht's nach Hollywood (1979)

1941: An der Westfront bricht langsam Panik und Hysterie aus. Wohlgemerkt, an der amerikanischen Westfront, in Kalifornien und besonders Hollywood, wo man nach dem Angriff von Pearl Harbour Angst vor einem japanischen Angriff hatte. Die Japaner würden Hollywood auch gerne angreifen, nur findet Admiral Mitamura (Toshiro Mifune) a) mit seinem U-Boot nicht den richtigen Weg und b) hat genug mit dem deutschen Verbindungsoffizier Kapitän von Kleinschmidt (Lee) zu tun, der kritisiert, nervt und das Boot am liebsten übernehmen würde. Dabei hätten die „Japs“ gute Chancen gehabt: Die US-Armee entpuppt sich als eine Chaostruppe, die lieber beim gucken von Disney-Filmen flennen, ihre Flak-Geschosse ins Blaue schießen oder den weiblichen Offizieren nachstellen.


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”Back to the Roots”, heißt es für den alten Veteranen.


Steven Spielberg auf dem Regiestuhl und eine Cast, die aus den lustigsten Menschen bestand, die die „Saturday Night Life“ seiner Zeit hervorgebracht hat: John Belushi, Dan Aykroyd, John Candy, Slim Pickens, John Landis und um noch ein paar Bonus-Namen draufzusetzen, die immer bezaubernde Nancy Allen, Mickey Rourke (in einer seiner ersten Rollen), Ned Beatty oder Treat Williams (um nur ein paar zu nennen). Was hätte mit 1941 - Wo bitte geht's nach Hollywood schon schief laufen können? Nun, zum Beispiel das die Leute nicht ins Kino gingen und der Film für Spielberg-Verhältnisse ein relativer Flop war und von den Kritikern generell verrissen wurde (spielte trotzdem das Dreifache seines Budgets ein, was für Spielberg-Verhältnisse aber ein Mückenschiss war). Das wurde dadurch aber kompensiert, dass 1941 später durch TV und Video zum Kult-Film gekrönt wurde. Das Hauptproblem war, dass viele der Ereignisse, die der Film auf die Schippe nahm, auf wahren Begebenheiten basierten. Die „Schlacht von Los Angeles“, die eigentlich keine Schlacht war, war real, ebenso wie die „Zoot Suit Riots“-Unruhen, bei denen sich die amerikanische Armee im Suff mit mexikanischen Jugendbanden balgten, während halb Los Angeles vor den Japanern bibberten. Es war also kein Film für Veteranen und Patrioten. Zudem kamen die Gags so schnell, dick und überdreht, dass man fast schon von Die Nackte Kanone-Dimensionen reden kann, was vielen der Kritiker dann doch zuviel des Guten war und deren Reviews potentielle Laufkundschaft abschreckte. Es ist also kein Film für Feingeister oder Freunde des sublimen Humors (was immer das auch sein mag), aber wem die oben genannten Namen etwas sagen, der darf sich mit bestem Gewissen verlustigen.


==Lee-Fazit==
”Wo bitte geht’s nach Hollywood?“, wird sich nach all seinen Gastauftritten und Rollen in Trash-Movies, auch Christopher Lee langsam gefragt habe. Die Antwort damals hätte ihm vermutlich nicht gefallen: Zuerst durch die Durstrecke der 80er und 90er Jahre, wo man nehmen musste, was man kriegen konnte. Aber hier darf er noch einmal Humor zeigen, seinen deutschen Akzent strapazieren und jedes Klischee des „korrekten Deutschen“ bemühen. Und auf Deutsch fluchen darf Sir Christopher auch! Zumindest hat es etwas erhabenes, jenes altdeutsche Wort "Arschloch" aus dem Munde von Christopher Lee zu hören.



161. Crazy Family - Eine total verrückte Familie (1980)

Das Ende der 1970er Jahre ist keine gute Zeit für den Angestellten Harvey Holroyd (Martin Mull): seine Frau Kate (Tuesday Weld) wird ihm mit ihrem esoterischem New-Age-Bullshit immer fremder, seine Tochter Joanie (Jennifer McAllister) rebelliert und sucht sich ihre Freunde in abgedrehten Hippie-Sekten und sein Boss Skull Luckman (Lee) weigert sich, Harvey eine Gehaltserhöhung zu geben. Kate und Harvey trennen sich und suchen sich neue Sex-Partner (darunter perverse Sekretärinnen, minderjährige Veganer und bisexuelle Hundefriseure), bis Joanie endgültig im Sektensumpf versinkt und ihre Eltern sie mit Hilfe einer schwulen Motorradgang aus den Krallen der Sektierer befreien müssen.


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Mini-Rolle als tyrannischer Boss und schwuler Biker.
Auch ein Novum für Sir Christopher.


Crazy Family - Eine total verrückte Familie (Originaltitel: Serial) ist wie eine Midlife-Crisis in Comedy-Form. Man kann die Angst des 70er-Jahre-Mittelstandes förmlich riechen, der sich immer noch an den Baby-Boomer orientiert und für den die 80er Reagan-Jahre, die da noch kommen sollte, nicht ganz zu unrecht als unbekanntes Land galt. Zugleich ist Crazy Family eine ziemlich zynische Satire auf den oberflächlichen Mittelstand von Kalifornien. Kritiker bemängelten, dass der Film sowohl anti-feministisch, als auch schwulenfeindlich sei, aber wenn man bedenkt, dass in ein paar Jahren das Wort „Schwul“ zum Synonym für AIDS und "Feminismus" mit „juckende Krätze am Arsch“ gleichgesetzt werden sollte, kann man Crazy Family fast schon als visionär betrachten. Wenn man da an die TV-Serie Die Wilden Siebziger denkt, die war nur eine ziemlich blödes Sitcom - Crazy Family war ein Portrait von Zeit und Ort, wenngleich nicht unbedingt ein schmeichelhaftes.


==Lee-Fazit==
Zunächst scheint Lee ein wenig wie das fünfte Rad am Wagen, darf aber im finalen Drittel wieder unter Beweis stellen, dass er sehr wohl einen Platz in Comedies hat, und bekommt als schwuler Lederrocker zu guter Letzt noch einen humoristischen Twist. Die Szenen mit Lee allein sind es schon wert, dass man sich den Film ansieht.



© 2015 Thorsten Atzmueller


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