100 Slasher in 50 Jahren, Teil 1

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Vorwort

Einmal wieder schreiben wir das hochheilige Halloween und ein Halloween ohne BM-Special, das ist wie Suppe ohne Salz oder alkoholfreies Bier. Zunächst auf ein Wort, bevor wir anfangen – nein, eigentlich zwei: Die Liste ist keinesfalls vollständig, sondern enthält lediglich einen Querschnitt aus (subjektiv) wichtigen Filmen, Kuriositäten, persönliche Lieblinge und weil sie dem Autor gerade in den Kopf gekommen sind.

Außerdem, wie es bei Badmovies Sitte ist: *MAJOR SPOILER AHEAD*!!!11! Kleine Kostprobe? Der Mörder in Psycho ist Norman Bates und nicht seine Mutter; und der Mörder in Freitag Der 13te ist Jasons Mutter und nicht Jason! So, da habt ihr’s!

Wer damit nicht zu Recht kommt, bitte: Ihr wisst was eine Axt ist und wozu man so was braucht:


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Verantwortlich und Schuld ist wie immer Dr. Markus Risser;
Die Adresse ist in jeden Telefonbuch oder im Impressum zu finden.

Nun denn:

100 Slasher in 50 Jahren, Teil 1


01. Mark Lewis in AUGEN DER ANGST

Mark Lewis (Karlheinz Böhm) ist ein Sonderling. Ein unverbesserlicher Voyeur träumt Mark davon Regisseur zu werden. Wie so oft im wahren Leben, reicht es aber nur zum Assistenten bei Produktionen von billigen Softpornos. Außerdem hat er einen Amtlichen an der Waffel, da sein Erzeuger ihn als Kind für seine psychologischen Experimente missbraucht und diese noch dazu mit seiner Handkamera festgehalten hat. Als Erwachsener frönt Mark nur zwei Passionen: Mädchen bespitzeln und sie zu filmen, (beziehungsweise den finalen Ausdruck des Schreckens in ihren Augen, bevor er sie kalt macht).


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Der Urvater des Slasherfilms ist – Trommelwirbel – ein Landsmann!


Heute gilt Augen der Angst (Originaltitel: Peeping Tom, ein Umgangswort für Spanner) als Klassiker, ein Meisterwerk des psychologischen Thrillers, der knapp drei Monate vor den offiziellen Vater des Slasher-Genres, Hitchcocks Psycho in die Kinos kam. 1960 sah das natürlich noch etwas anders aus: Der Film wurde in England prompt verboten (in Finnland ist er es heute noch) und Regisseur Michael Powell (der einen Cameo-Auftritt als Marks pathologischer Vater hat) wurde auf der Strasse als perverser Sauhund bespuckt. In Großbritannien wurde Powell von Datum an gemieden wie ein Hund mit Blähungen und seine Karriere war effektiv beendete. Powell musste sich mit TV-Produktionen, unter anderem in Australien und Deutschland, über Wasser halten und erst Jahre später, mit Hilfe von Regisseuren wie Martin Scorsese und Francis Ford Coppola, wurde sein guter Ruf wieder hergestellt.

Über Augen der Angst sagte Powell im Interview: „Als die Kritiker meiner Habhaft wurden, sägten sie mir die Gliedmassen ab und hüpften auf meinem Leichnam fröhlich auf und nieder!“

Manche Dinge ändern sich halt nie.


BODY COUNT:

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02. Norman Bates in PSYCHO

Die Geschichte von Psycho ist vielleicht eine der bekanntesten der Filmgeschichte: Die junge, hübsche Marion (Janet Leigh) beklaut ihren Brötchengeber und sucht im abgelegenem Bates Motel Unterschlupf. Das Motel wird von dem scheuen Sonderling Norman Bates (Anthony Perkins) und seiner Mutter betrieben. Die Mutter entpuppt sich nicht nur als äußerst dominante Person sondern auch als äußerst tot. Norman bunkert ihr Skelett im Keller und wann immer ihn die Mordlust überkommt, schlüpft er in das Kleid der alten Dame und greift zum Küchenmesser.

Drei Monate nach Augen der Angst kam Psycho in die Kinos, aber Regisseur Alfred Hitchcock hatte vom bedauerlichen Schicksals Michael Powell gelernt: Er ließ gar nicht erst zu, dass die Presse den Film vor Premiere zu Gesicht bekamen. Trotzdem, die Parallelen zwischen den Filmen sind verblüffend: Beide Filme haben einen sanftmütigen, auf ein Elternteil fixierten Psychopathen mit voyeuristischen Tendenzen als Protagonisten. Wer jetzt von wem geklaut hat, ist bis heute nicht klar, aber da Powell in jungen Jahren für Hitchcock gearbeitet hat, gehen wir mit Hitchcock und waschen das Regie-Pummelchen in Unschuld.


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Norman Bates, die Inspiration für eine Armee von Filmserienmördern.


Anders als der glücklose Augen der Angst, wurde Psycho ein Kassenschlager und bald als Meisterwerk bejubelt. Der Erfolg sollte natürlich zu etlichen Fortsetzungen führen, in denen Perkins steht’s den Norman Bates spielte (Hitchcocks hatte mit keinen davon etwas zu tun). Psycho II kam 1983 in die Kinos, drei Jahre später Psycho III (bei der Perkins auch Regie führte), im Jahr 1990 der mittelmäßige Psycho IV – The Beginning und war praktisch ein Prequel von Psycho. 1998 wurde der originale Psycho Einstellung für Einstellung neu verfilmt (mit Vince Vaughn in der Hauptrolle), in einem der unnötigsten Remakes der Filmgeschichte. Ein Vergleich zwischen Original und Remake ist HIER zu empfehlen. 1987 war die TV-Serie Bates Motel in Planung (in der Bud Cort den geisteskranken Nachfolger von Bates spielt), die es aber nur auf eine 100-minütigen Pilotfolge gebracht hat. 2013 wurde das Konzept Bates Motel wiederbelebt, diesmal mit Freddie Highmore in der Rolle des mörderischen Hotelmanagers.

Anthony Perkins sollte von der Rolle nie mehr ganz loskommen, spielte bis zu einem Tod ähnlich angelegte Figuren, zuletzt in Petra Haffters Der Mann Nebenan, wo er einen Serienmörder spielt, der in allem bis auf den Namen Norman Bates ist. Persönlich empfehlen wir auch Ken Russells China Blue – Bei Tag und bei Nacht, wo Perkins einen psychopathischen Priester gibt und – hold on to your heads! – einen Transvestiten. Auch hier sind die Parallelen zu Bates unabstreitbar.

Die Geschichte von Psycho Norman Bates basiert auf der Novelle von Robert Bloch und wurde übrigens von dem Serienmörder Ed Gein inspiriert, der später auch als Vorlage für den Kettensägenschwinger Leatherface und Buffalo Bill in Das Schweigen der Lämmer werden sollte.


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(Teil 1: 2)
(Teil 2: 7)
(Teil 3: 7)
(Teil 5: 5)
(Remake: 3)


03. Matthew in BLUTBAD DES SCHRECKENS

Matthew (J.M Jones, später als erwachsener Psycho von Fred Holbert gespielt) ist ein vom Oedipuskomplex geplagter Bube, der seinen Vater mit einem Mähdrescher zu Spreu verarbeitet. Unglücklicherweise verliert Matthew bei der Fahrt zuerst die Balance und dann die rechte Hand. Matthew wird in das nächste Irrenhaus geschafft, wo er seine Jugendjahre verbringt und ihm eine liebenswerte Nonne einen rasiermesserscharfen Hacken als Handersatz anfertigen lässt. Wieder Zuhause muss er feststellen, dass seine Mutter (Leigh Mitchell) einen neuen Ehemann (Robert Knox) hat, den Matthew zu allem Übel auch noch „Daddy“ nennen muss. Es soll nicht lange dauern, da erschlägt Matthew den ödipalen Nebenbuhler mit einer Axt. Allerdings bereitet der Anblick Matthews Mama einen gehörigen Schock: Die Madame stolpert und mit bricht sich den Schädel auf einen Stein. Von nun an wird Matthew von der Stimme seiner toten Mutter begleitet, die ihn animiert, jede(n) zu killen der seinen Weg kreuzt.

Blutbad des Schreckens (Originaltitel: Scream Bloody Murder, Regie: Marc B. Ray) war 1973, dreizehn Jahre nach Psycho, natürlich nicht der erste Film, der sich mit dem Thema Frauenmörder auseinandersetzt. Wir hätten auch Herschell Gordon Lewis Klassiker Blood Feast von 1963 nennen können, aber Blutbad des Schreckens war dennoch der erste Film, der (fast) alle klassischen Merkmale des modernen Slashers sein eigen nannte.


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Proto-Slasher Matthew nebst handlicher Stahlklaue
(die er im Film seltsamerweise nie einsetzt).


Slasher-historisch interessant, aber generell ein recht billiges, im Endeffekt langweiliges kleines Grindhouse-Filmchen, das zu Recht in Vergessenheit geraten ist.

Da aber der Titel Scream Bloody Murder so glatt von der Zunge geht, drehte Robert J. Emery einen 1974 weiteren (Proto)-Slasher unter demselben Namen (Alternativtitel: My Brother Has Bad Dreams): Nachdem der kleine Karl dabei zusehen musste, wie sein betrunkener Vater die an einen Rollstuhl gefesselte Mutter erschlägt, wächst er zu einem Schwachkopf mit Hornbrille auf. Seine einzigen Freuden im Leben sind seine aufreizende Schwester, die sich um ihn kümmert und seine Mannequinsammlung. Als die Schwester aber mit einem Vietnamveteranen anbändelt, schmoren bei Karl die letzten Sicherungen durch und er greift zur Axt. Auch dieser Film kann seine (gewollt) geistige Verwandtschaft zu Psycho nicht verbergen. Der Film muss schon alleine wegen des biblischen Namen des Hauptdarstellers genannt werden: Nick Kleinholz III.

Scream Bloody Murder sollte noch zweimal als Titel für einen billigen Horrorfilm herhalten müssen: in 2003 für eine ultra-billige Slasher-Satire für Debile (Regie: Jon Hoffman), die es kaum wert ist dass man sie sich ansieht, geschweige denn eine Review verfasst, und als Alternativtitel eines Slashers, auf den wird später noch zu sprechen kommen (müssen).


BODY COUNT (1973):

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BODY COUNT (1974):

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04. Wilfred Butler in BLUTNACHT – DAS HAUS DES TODES

Wilfred Butler (Philip Bruns) ist erschüttert als er am Weihnachtsabend nach Hause kommt und herausfinden muss, dass man sein Domizil zu einer Anstalt für kriminelle Geisteskranke konvertiert worden ist. Aus Gram befreit er die Irren und steckt sich selbst in Brand. „Butler Mansion“ wird an seinen Enkel Jeffrey (James Patterson) vererbt, aber als Jeffrey Jahre später seine Erbschaft begutachten will, versuchen ihn die verängstigten Dorfbewohner vom Haus fernzuhalten. Jeffrey beschließt die Hütte zu verkaufen, muss aber laut Testament in dem Anwesen wohnen, bis der Verkauf vollzogen ist. Zu allem Unglück ist aus einer anderen Anstalt ein wahnsinniger Massenmörder ausgebrochen, der sich im Haus einnistet, jeden der sich dem Gemäuer nähert um die Ecke bringt und in den Händen seiner Opfer ein Kruzifix hinterlässt.


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Mit Abstrichen ein fast authentischen Slasher:
Blutnacht – Das Haus des Todes.


Blutnacht – Das Haus des Todes (Originaltitel: Silent Night, Bloody Night) war 1974 der erste Film, der fast alle Kriterien eines echten Slashers erfüllt. Ein absolut unterbewerteter, atmosphärischer Film mit einem netten Twist am Ende. Außerdem hat John Carradine eine kleine, dialogfreie aber szenenstehlende Rolle (immer ein Pluspunkt, was B-Movies angeht). Der Grossteil der Cast hatte Regisseur Theodore Gershunny sich aus Andy Warhols „Factory“-Kasperletheater zusammengesucht. Ondine, Candy Darling, Lewis oder Susan Rothenberg, um nur drei zu nennen, was alleine schon den Freak-Faktor erhöht.

2012 wurde ein Remake namens Silent Night, Bloody Night: The Homecoming gedreht, das aber ziemlich sang- und klanglos unterging.


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BODY COUNT: 37

(1974: 13) (Remake: 24)


05. Billy in JESSY – DIE TREPPE IN DEN TOD

Die Freundinnen Jessy (Olivia Hussey), Barbara (Margot Kidder), Phyllis (Andrea Martin) und Claire (Lynne Griffin) wollen Weihnachten in ihrem Studentenverbindungsheim feiern. Die feuchtfröhliche Feier wird immer wieder von obszönen Anrufen unterbrochen. Als die ersten Mädchen verschwinden denkt man sich noch nicht viel, doch bald wird klar dass etwas faul ist. Ein Mörder, der sich selbst „Billy“ nennt und seine Opfer immer mit „Agnes“ anredet, ist unterwegs und dezimiert die Verbindungsschwestern. Jessys neurotischer Freund Peter (Keir Dullea) kommt bald ins Visier des Polizisten Fuller (John Saxon), aber ist Peter wirklich der Mädchenmeuchler?

Was den deutschen Verleih dazu veranlasste den kanadischen B-Movie Black Christmas in Jessy – Die Treppe in den Tod umzubenennen, werden wir wohl nie erfahren. Ist auch komplett egal denn kein Aas würde ihn je bei seinem deutschen Titel nennen. Für moderne Slasher-Verhältnisse war Black Christmas ziemlich zahm: Die meisten Morde geschehen im Off und die härteste Szene war schon der Erstickungstod eines der Verbindungsschwestern. Trotzdem inspirierte der Film einen jungen Filmemacher namens John Carpenter dazu, ein paar Jahre den Film Halloween zu drehen. An den Kinokassen war Black Christmas jedenfalls ein voller Erfolg, der fast das Fünffache seiner recht mageren Budgets von knapp $ 600,000 einspielte.


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Die Inspiration für Halloween und Konsorte.
Aber wer „Billy“ war, haben wir nie erfahren.


Regisseur Bob Clark hatte die brillante Idee, den Killer selbst nie zu zeigen. Das einzige Mal was die Zuschauer von ihm zu sehen bekommt, ist sein weit aufgerissenes Auge in einem Türspalt. Clark selbst konnte sich nicht daran erinnern, wessen Auge man für die Szene verwendete und die Frage wurde bis heute nicht beantwortet (auch wenn manche Leute behaupten, das Auge gehörte Kameramann Albert J. Dunk). Clark selbst sollte sich vom Horror-Genre abwenden, und sich auf Komödien konzentrieren, darunter die Porky’s–Reihe, Der Harte und der Zarte (mit Gene Hackman und Dan Akroyd), und dem Sylvester Stallone Superstinker Rhinestone – Der Senkrechstarter.

Auch an Black Christmas ging der Kelch nicht vorüber und so wurde 2006 ein Remake gedreht. Wie es sich bei 99.9 Prozent der Remakes verhält, war dieses um einiges blutiger und auch die Hintergrundgeschichte von „Billy“ wurde durchleuchtet, aber an den Charme des Originals kam das Remake nicht heran.


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(1974: 7)
(Remake: 18)


06. Leatherface in BLUTGERICHT IN TEXAS

Fünf Hippie-Teenager fahren in ihrem LKW-Bus durch die Pampa von Texas. Unter ihnen befindet sich Sally (Marilyn Burns) und ihr an den Rollstuhl gefesselter Bruder Franklin (Paul A. Partain). Beide wollen dem kürzlich geschändeten Grab ihres Opas einen Besuch abstatten. Man ist guter Dinge, bis man einen Anhalter (Edwin Neal) mitnimmt, der erst durch sein bizarres Aussehen und Gequatsche befremdet, und dann auch noch Franklin beim Rumfuchteln einer Rasierklinge verletzt. Man macht bei einem (vermeintlich) verlassenen Haus Rast, muss aber schnell herausfinden, dass das Haus von einer degenerierten Kannibalen-Sippe bevölkert ist – darunter der Anhalter und der mongoloide Hünen „Leatherface“ (Gunnar Hansen), der seinen Namen einer Maske verdankt, die er aus der Haut seiner Opfer schneidert. Vorzugsweise metzelt er diese mit einer Kettensäge.

Blutgericht in Texas ist keinesfalls der blutigste Slasher-Film aller Zeiten; für die Spezial Effekte hätte schon das bescheidene Budget nicht gereicht. Was er allerdings hat, ist eine der bedrohlichsten, morbidesten Atmosphäre der (Horror)-Filmgeschichte, die heute Ihresgleichen sucht. Das meiste der (physischen) Gewalt spielt sich in den Köpfen der Zuschauer ab. Am furchteinflößensten ist der degenerierte Sawyer-Clan selbst, allen voran Leatherface, der Anhalter, der Koch (Jim Siedow) und natürlich „Großvater Sawyer“ (John Dugan).


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Leatherface: Einer der erfolgreichsten Serienkiller der Filmgeschichte.


Für Regisseur Tobe Hooper war der Erfolg seines Erstlings ein echter Glücksgriff, der ihm ermöglichen sollte, später Perlen wie Poltergeist (obwohl böse Zungen davon ausgehen, dass Steven Spielberg auf dem Regiestuhl saß), Brennen muss Salem und Lifeforce – Die Tödliche Bedrohung zu drehen. Gut, wir wollen nicht lügen oder Lobhudeln: Lifeforce war ein echter Flop an der Kinokasse, The Mangler so La-La und The Toolbox Murderers (von dem wir später noch berichten) zog ebenso Nieten.

Bei Texas Chainsaw Massacre gehen die Meinungen auseinander, ob es nun ein reiner „Slasher“ ist, obwohl er sich vieler der Element des Genres bedient. Fest steht, dass der 1974 mit nur $80,000 gedrehte Film einer der erfolgreichsten Horrorfilme aller Zeiten ist, und demzufolge auch eine beachtliche Anzahl Fortsetzungen und Remakes nach sich zog:

Den Anfang machte 1986 die Fortsetzung Texas Chainsaw Massacre 2, der einerseits (wegen größeren Budget) um einiges brutaler ausfiel, gleichzeitig einen sehr morbiden Humor hatte. Hooper führte erneut Regie, Siedow gab wieder den Koch; Leatherface wurde diesmal von Bill Johnson gespielt und Bill Mosley spielte den geistigen Nachkommen des Anhalters, den nicht minder bizarren „Chop-Top Sawyer“. Zudem stahl Dennis Hopper als halbwahnsinniger Sheriff die Schau. Leatherface: Texas Chainsaw Massacre 3 hingegen war 1990 praktisch eine Parodie des Originals. Regisseur Jeff Burr war beileibe kein Hooper und auch R.A Mihailoff ein ziemlich mittelmäßiger Leatherface, dem man den Spitznamen „Junior“ verpasste. Zu erwähnen sei, dass Viggo Mortensen Leatherface jüngeren Bruder spielt. Aber selbst der dritte Teil war im Vergleich zum 1994er Texas Chainsaw Massacre: Die Rückkehr (Regie: Kim Henkel) pures Gold. Aus dem Sawyer-Clan wurde hier die Slaughter-Familie und aus Leatherface ein degenerierter Transvestit. Ursprünglich wollte man den Film erst gar nicht veröffentlichen, aber da die Namen Renee Zellweger und Matthew McConaughey gerade populär wurden, entschied man sich für einen „Straight-to-Video-Release“ (obwohl, man es auch hätte bleiben lassen können).

Für die nächsten zehn Jahre sollte die Sippschaft Sawyer / Slaughter Ruhe haben, doch dann drehte der deutsche Regisseur Marcus Nispel das Remake von Texas Chainsaw Massacre. Berufshüne Andrew Bryniarski gab einen realistischeren, weit brutaleren Leatherface (der hier Thomas Hewitt heißt, und sogar kurz seine verunstaltete Fresse zeigen durfte) und Full Metal Jacket–Schreihals R. Lee Ermey spielte den Kopf des Hewitt-Clans. Obwohl die Puristen protestieren mögen, war es eines der wenigen Remakes die funktionierten. Der Erfolg stachelte die Produzenten 2006 zu einer Sequel an, Texas Chainsaw Massacre: The Beginning, welche die Entstehungsgeschichte des kannibalischen Hewitt-Clans beleuchtet (aber an das erste Remake nicht herankommt, auch wenn tricktechnisch ziemlich heftig auf die Exkremente gehauen wird).


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Das jüngste Produkt war 2013 ein zweiter Remake-Versuch, Texas Chainsaw 3D, in dem John Luessenhop Regie führt und Dan Yeager den Leatherface gibt; bisher fanden sich verständlicherweise wenige Kritiker, die Gutes zu berichten hatten and selbst den harten Fans ging der Streifen am Arsch vorbei. Fortsetzung gnädigerweise ausgeschlossen.


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(Teil 1: 5)
(Teil 2: 7)
(Teil 3: 7)
(Teil 4: 6)
(Remake: 8)
(Prequel: 11)
(2013-3D: 17)


07. Mrs. Tredoni in COMMUNION – MESSE DES GRAUENS

Alice (Paula E. Sheppard) ist eine 12-Jährige, die mit Mutter (Linda Miller) und kleinen Schwester Karen (Brooke Shields) zusammenlebt und außer der Pubertät nur ein Problem hat: Karen ist das Nesthäkchen der Familie, so dass Alice sich oft sich oft von ihrer Mutter vernachlässigt fühlt. Das ändert sich natürlich, als Karen kurz vor ihrer Kommunion von einem maskierten Mädchen in der Kirche ermordet wird. Als mehr und mehr Leute über eine scharfe Klinge springen müssen, kommt die stille, zurückgezogene Alice immer mehr in Verdacht.

Auch beim 1976er Communion – Messe des Grauens (Originaltitel: Alice, Sweet Alice) streiten sich die Fans, ob es sich „nur“ um einen Hitchcock-artigen Mystery-Thriller oder einen „echten“, beziehungsweise Proto-Slasher handelt. Aber lassen wir den Nerds ihren Spaß (sie haben ja sonst nix). Atmosphärisch sehr dicht (Stichwort „Hitchock“), sehr schön gefilmt, und erinnert oft (gewollt) an Wenn die Gondeln Trauer tragen (Stichwort „Regenmantel“). Der Streifen hat eigentlich nur ein Manko: Ein sehr starker katholischer Einschlag. Regisseur Alfred Soles selbst hat das so nicht gewollt und sich selbst gegen den Titel Communion geweigert. Die Produzenten hatten jedoch andere Pläne.


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Slasher trifft auf Wenn die Gondeln Trauer tragen
und die römisch-katholische Kirche.


Ein leider in Vergessenheit geratener Proto-Slasher, von dem die meisten Leute heute nur mehr eines wissen: Dass Brooke Shields ihr Filmdebüt hatte und dass die kleine Dame ohne Die Blaue Lagune vielleicht einmal eine passable Schauspielerin geworden wäre.


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08. Pluto in DIE HÜGEL DER BLUTIGEN AUGEN

Die Carter-Familie ist auf den Weg nach Kalifornien und entscheidet sich für eine Abkürzung durch die menschenleere Mojawe Wüste. Ein schwerer Fehler, denn das von Atomtests verseuchte Gebiet ist die Heimat eines mutierten, kannibalischen Clans Hinterwäldler, die es sich zum Sport und Broterwerb gemacht haben, Reisende zu überfallen und ab-, beziehungsweise auszuschlachten. Bald ist die Carter-Familie dezimiert und die einzigen Überlebenden, Bobby (Robert Houston) und seine Schwester Brenda (Suze Lanier-Bramlett) müssen sich ihrer Haut wehren.

Nach Texas Chainsaw Massacre war Hügel der Blutigen Augen (Originaltitel: The Hills have Eyes) der zweite Film, der sich mit dem Thema „degenerierter Kannibalen-Clan“ auseinandersetzte und obwohl Hügel nicht ganz an die Qualität von TCM herankommt, bleibt der 1977 gedrehte Film ein Kult-Klassiker und ebnete Regisseur Wes Craven den Weg Richtung Hollywood.

Wie es auch schon bei TCM der Fall war, sind auch hier die mordlustigen Mutanten die heimlichen Sympathienträger, allen voran Pluto (Michael Berryman). Berryman verdankt seinen Charakterkopf einem genetischen Defekt (für medizinisch Interessierte: Hypohidrotic Ectodermal Dysplasia), durch denn er nicht nur nagel- und haarlos, sondern auch ohne Schweißdrüsen auf die Welt kam. Wie sich vorstellen lässt, waren fünf Wochen Dreharbeit bei 40 Grad im Schatten für Berryman eine rechte Tortur. Für die deutschen Zensoren war die Idee von mutierten Hinterwäldlern doch starker Tobak, und der heimische Verleih machte aus den Hillbillies kurzerhand gestrandete Außerirdische.


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Degenerierte Kannibalenfamilie, die Zweite:
Hier haben die Hügel blutige Augen.


Craven hatte für den Film zwei Inspirationsquellen: Ein Riesenfan von Texas Chainsaw Massacre, sieht Craven seinen Film als eine Art Hommage an Hoopers Kultfilm. Zum anderen basiert die degenerierte Kannibalenfamilie auf der Legende von Sawney Beane, der im Mittelalter mit seinem Clan in der Galloway Höhle in Schottland gehaust haben soll. Die Familie pflanzte sich ausschließlich durch Inzucht fort und soll hunderte von Reisenden ermordet, beraubt und zu guter Letzt gefressen haben. Viele Historiker bezweifeln die Existenz des Kannibalenclans und haben die Legende dem englischen Chauvinismus zugeschrieben.

Natürlich schrie er Erfolg des Films nach einer Fortsetzung, und Craven drehte diese 1985 recht lustlos und widerwillig. In Im Todestal der Wölfe (Originaltitel: The Hills have Eyes II) fährt eine Gruppe Biker, inklusive der Überlebenden Brenda, durch das Territorium der Kannibalen und landet in den Händen von Pluto (wieder Berryman) und dem Ripper (John Bloom). Der zweite Teil war ein recht müder Nachzieher. Craven gab offen zu, den Film nur aus einem Grund gedrehte zu haben: er brauchte die Kohle.

2006 kam es zu einem Remake, bei der Alexandre Aja Regie führte, und der als einer der wenigen wirklich gelungenen Remakes gilt. Ajas Hügelbewohner sind noch um einiges monströser als die Kreaturen im Original, allen voran der neue Pluto (Michael Bailey Smith), und dem leider etwas verschenkten Papa Jupiter (Billy Drago). Der Erfolg des Remakes animierte die Produzenten zu The Hills have Eyes II im darauf folgenden Jahr. Hier legen sich Auszubildende der Nationalgarde mit einem neuen Mutantenclan an, und obwohl Smith wieder ein deformiertes Monstrum spielt (diesmal den Anführer Papa Hades), hatte der Film wenig vom Charme des ersten Remakes.


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(Teil 1: 8)
(Teil 2: 8)
(Remake (2006): 8)
(Remake (2007): 45)


09. Michael Myers in HALLOWEEN

Wozu Eulen nach Athen tragen? Über den ikonischsten aller Slasher-Filme, John Carpenters Halloween wollen und brauchen wir hier nicht viele Worte verlieren. Fest steht nur, dass der Erfolg des Films 1978 den Slasher-Boom erst richtig ins rollen brachte, die Richtlinien des Genres um einen maskierten, schier unsterblichen Serienmörder endgültig festlegte, Regisseur Sean Cunningham zum Dreh von Freitag der 13te inspirierte und eine ganze Armee von Nachziehern und Klonen nach sich zog.


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Der originale Boogeyman (Auch wenn er „nur“ eine weiß angepinselte
Captain Kirk Maske trägt).


Acht Fortsetzungen zwischen 1978 und 1998 und zwei Remakes sollte die Halloween–Franchise produzieren, und ist damit, abgesehen von Freitag der 13te die Serie mit den meisten Nachziehern. Mit wenigen Ausnahmen wurden die Fortsetzungen immer schäbiger und mit der Reihe ging bergab wie mit kaum einer anderen Slasher-Franchise. Wer sich für Details interessieren sollte, dem seinen die hauseigenen Reviewen zu Halloween IV – Michael Myers kehrt zurück, Halloween V – Die Rache des Michael Myers, Halloween VI – Der Fluch des Michael Myers oder gar der Kulmination der Schlechtigkeit, dem Rob Zombie Machwerk Halloween 2 (2009) empfohlen.


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BODY COUNT: 150

(Teil 1: 5) (Teil 2: 10) (Teil 3: 23) (Teil 4: 18) (Teil 5: 20) (Teil 6: 17) (Teil 7: 7) (Teil 8: 10) (Remake (2007): 20) (Remake (2009): 20)


10. Reno Miller in DRILLER KILLER

Reno Miller (Abel Ferrara) ist ein Künstler, der mit den Nerven fertig ist: Er lebt in einer von Pennern, Ratten und Punkern verseuchten Nachbarschaft, seine Gemälde lassen sich nicht verkaufen und ohne die Hilfe seiner Freundinnen, dem Lesbenpärchen Carol (Carolyn Marz) und Pamela (Baybi Day), würde er praktisch verhungern. Zumal plagt ihn die Vorstellung, dass es ihm so ergehen könnte wie seinem Vater, der als Obdachloser auf der Strasse endete. Als auch noch ein schwuler Kunsthändler sein Werk verlacht, schnappt Reno endgültig über. Er kratzt seine letzten Piepen zusammen, kauft sich eine Bohrmaschine und beginnt alle Faktoren, die er für sein Übel verantwortlich macht, umzunageln.


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Abel Ferrara und Driller Killer haben die Briten den jahrzehntelangen Verbot
der „Video Nasties“-Filme zu verdanken.


Driller Killer (Regie: Hauptdarsteller Abel Ferrara) kam 1979 nur wenig später als Halloween in die Kinos, wurde kein großer Erfolg aber bekam generell positive Kritiken. Außer in Großbritannien, wo die Presse Driller Killer als Gewaltpornographie verfluchte, in einer bis Datum nie da gewesenen Kampagne dafür sorgte, dass der Film und duzend anderer Thriller- und Horrorfilme auf die „Video-Nasties“-Liste gesetzt und verboten wurde. Laut Mike Bor, dem Vorsitzenden der „British Board of Film Classification“ (der britischen Antwort auf die FSK) war Driller Killer „praktisch eigenhändig für den „Video Recording Act 1984“ verantwortlich“. Ferraras Autobiographen Brad Stevens zufolge, basierte das Verbot allein auf der Sichtung des Videocovers.

Klar, Driller Killer hatte durchaus einige harte Stellen, war aber keinesfalls ein gehirnloser Splatter-Slasher wie die, die in den folgenden Jahren den Videomarkt überschwemmen sollten. Vom Aufbau erinnert Driller Killer mehr an Roman Polanskis psychologischen Thriller Ekel als an Halloween und Konsorte. Ein Remake war für 2007 geplant. Der Engländer Andrew Jones sollte Regie führen und die Hauptrolle wollte B-Movie Ikone David Hess spielen, aber das Projekt kam nie in die Gänge – in Anbetracht der meisten Remakes der letzten Dekade war das vielleicht gut so.


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11. Ben in BLUTTHEATER – THE MEATEATER

Mitford Webster (Peter Spitzer) hängt seinen Job als Schuhverkäufer an den Nagel und erfüllt sich einen Kindheitstraum: Er kauft ein verfallenes Schuhkartonkino, wo früher Schmuddel- und Sexfilmchen gezeigt wurden, eröffnet es neu und zeigt dort das, was sich das zahlende Publikum wünscht: Tierdokumentarfilme. Zwar wird er von einer stotternden Gestalt namens Noah (Arch Joboulian) vor einer Neueröffnung gewarnt, der Filmvorführer wird beim Eröffnungsabend von einem Stromschlag gegrillt und man findet die vergammelte Leiche des Vorbesitzers, aber: „Shit Happens“, wie der Ami secht. Es verschwinden weitere Teenager und bald stellt sich heraus dass Noahs Zwillingsbruder Ben (auch Joboulian), der vor Jahren bei einem Brand furchtbar entstellt wurde, im Kino haust und gewaltig einen an der Waffel hat. Ben hat eine Fixierung auf Hollywood-Schinkenmodel Gene Harlow, und just dieser ähnelt Mitfords Tochter Jeanny (Emily Spindler) fast bis aufs Haar.

Wir ahnen schon zweierlei: Zum ersten hat sich der 1979er Streifen Bluttheater – The Meateater vom Phantom der Oper inspirieren lassen, zum zweiten handelt es sich um Schund der alleruntersten Schublade.


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Das Phantom des Schuhkastenkinos: Der „Meateater“.


Nicht jeder hatte Schlechtes über Bluttheater – The Meateater zu berichten, zum Beispiel Richard Nathan in seiner IMDB Rezension:

To everyone who's been writing about how awful this movie was - did you think everyone was terrible? What about me? I played Raymond (the projectionist). I hadn't realized this film was released, until I found it on the IMDB. When they were shooting it, it was known as "Phantom of the Bijoux.”

Oder Regisseur Derek Savage, der auf derselben Seite schrob:

I directed this. Really! Derek Savage isn't my real name. Do you honestly think I would put my real name on this? It was a total giggle. Caldwell (who stupidly used his real name) and I knew exactly what we were doing. We set out to make an incredibly bad film, one I can't believe people have actually and recently seen and are even seriously writing about it. Some have even loved it!? Amazing! I don't even own a copy, but after reading some of the comments I now wish I did. Yes, the acting is bad. We tried to find the worst actors imaginable who would work for fifty bucks a day. The actor who played Mitford (I don't know where I came up with that name) was so nervous his knees literally shaked when he acted. We had to start plying him with Valium to calm him down. I find it hard to believe that some of these actors actually got another job.

I'm still writing and directing. Currently as I write this in Aug '08 I start directing a TV movie the day after Labor Day. I came up with the name Derek Savage because I thought it sounded French, but the crew called me Derek Sausage.

I gave myself a ten but I don't really deserve that. Derek Savage

P.S. I can promise the writer who hoped there wouldn't be a sequel that there definitely won't be one - unless I'm offered a truck load of money. Then I might do it under my real name. I am now worried that some sick mind I messed up is going to track me down. Hopefully they will show up with a pen for an autograph and not a knife to slit my throat and then gut me.


Wer nun beim Titel Meateater an Kannibalismus oder gar einen berüchtigten Film von Joe D’Amato denkt (über den wir später noch sprechen werden): keine Sorge, Menschenfresserei kommt im Film selbst nicht vor. Vielleicht ist Ben einfach ein Freund von Fleischproduk. ten, Steaks und Ähnlichem – geht ja vielen so.


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12. Donny Kohler in DAS HAUS DER LEBENDEN LEICHEN

Donny Kohler (Dan Grimaldi) ist ziemlich Plemplem, was er seiner Mutter (Ruth Dardick) zu verdanken hat: die alte Dame hatte die schlechte Angewohnheit, Donnys Arme bei jeder jugendlichen Verfehlung über einen Gasofen zu halten um somit „das Böse aus ihm heraus zu brennen“. Natürlich war das Gegenteil der Fall und Danny hat eine lebenslange Begeisterung für Feuer und Sadismus entwickelt. Als Erwachsener arbeitet Donny in einer Müllverbrennungsanlage. Dort kommt es zu einem Unfall, bei dem Donny faszinierte zuschaut, wie ein Kollege in Flammen aufgeht. Nach Feierabend muss Donny feststellen dass die Frau Mama das Zeitliche gesegnet hat. Aber es bleibt noch die Stimme der alten Schachtel, die in Donnys Kopf weiter plappert und den jungen Mann dazu antreibt, seiner Passion zu frönen. Danny baut sein Schlafzimmer zum Krematorium um, bastelt sich einen Flammenwerfer und macht sich auf die Suche nach Frauen, die ihn an seine Mutter erinnern. Selbstverständlich nimmt Donny diese mit nach Hause, um sie dort zu foltern und zu verbrennen.


Don’t Go in the House (Alternativtitel: The Burning) war einer der ersten Slasherfilme der 1980er Jahre, und der einzige Grund warum sich der Deutsche Verleih sich für den Titel Das Haus der Lebenden Leichen entschied war, dass der Zombie-Boom noch in voller Blüte stand. Wir können dem Leser versichern: Die Leichen in Donnys Haus sind alle so tot wie nur jemand sein kann.


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Donny, der Exterminator des Slasher-Films.


Von der Geschichte her, erinnert der psychologische Thriller mehr an Psycho, wurde aber auch vom realen Massenmörder H.H. Holmes inspiriert, der im Chicago der 1880er sein Unwesen trieb. Offiziell einer der ersten Serienmörder der USA, war Holmes in der Tat das, was man auf gut-amerikanisch „a very bad egg“ nennt: An die 200 Seelen hatte der Psychopath auf dem nichtexistenten Gewissen, und beförderte seine Opfer auch gerne in seiner selbstgebastelten Verbrennungsanlage ins Jenseits.

Joseph Ellison lieferte mit Don’t Go in the House sein Debüt ab. Er drehte 1986 noch das obskure Rock N’ Roll Drama Joey, dann zog er sich von der Filmerei zurück. Kleine Trivia am Rande: Aus sentimentalen Gründen nahm Dan Grimaldi Donnys Asbestanzug nach Drehschluss mit nach Hause und besitzt diesen auch heute noch (Asbest im Haus bringt bekanntlich Glück). Aber wir wollen den Teufel nicht an die Wand malen: Grimaldi ist wohlauf, bis heute als TV-Schauspieler gut im Geschäft und dürfte den Mafiosi-Fan am ehesten als Patsy Parisi in der Kult-Serie Die Sopranos bekannt sein.


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13. Jason Voorhees in FREITAG DER 13te

Sean S. Cunningham hatte Wes Cravens Exploitationfilmchen Das Letzte Haus links produziert und war von John Carpenters Erfolg mit Halloween mehr als beeindruckt. Der junge Regisseur beschloss, etwas Ähnliches auf die Beine zu stellen, nur mit etwas lockererem Humor, eine „filmische Achterbahnfahrt“, wie der Regisseur später sagte.

Fest steht: Kaum eine andere Slasher-Franchise hatte mehr Fortsetzungen und kaum eine Serie ließ den Protagonisten / Antagonisten dermaßen mutieren wie Freitag der 13te. Im ersten Teil wurde er nur in einer kurzen Traumsequenz zu sehen (als verwesende Kinderleiche). Die ikonische Hockeymaske legte er erst im dritten Teil an, wurde in Teil 4 nicht nur zum unsterblichen Zombiemonster sondern sogar zu einer Persiflage, durfte in Teil X als Terminator-Cyborg ins All fliegen und, nach einem kleine Urlaub in der Hölle, sich mit Kult-Slasher Freddy Krueger balgen.


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Welcher Slasherfan denkt bei „Hockeymaske“ an Eishockey?


Wer mehr über die Serie erfahren will, dem sei unser Freitag der 13te-Marathon ans Herz gelegt.

Auch eine TV-Serie hat die Franchise hervorgebracht, die hatte aber nur dem Titel Friday the 13th – The Series nach etwas mit Jason zu tun. Im deutschsprachigen Raum lief die 72-Episodenschwere Serie unter dem weit passenden Namen Erben des Fluchs. Wer genau hinsieht, kann im Vorspann Jasons Hockeymaske erkennen, die irgendwo in Onkel Louis Ramschladen rum liegt.

Die jüngste Reinkarnation war das 2009er Remake Freitag der 13te, welche die Geschichte der ersten drei Filme in einem zusammenfasst; hier wurde aus Jason eine Art hinterhältigen Cajun-Redneck, wie man sie zuhauf in den Südstaaten und den Sümpfen Louisianas findet. Etwaige Punkte die sich Regisseur Marcus Nispel mit seinem Texas Chainsaw Massacre-Remake erarbeitet hatte, wurden ihm hier prompt wieder abgezogen.


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(… Ach, verdamm mich: Es sind insgesamt 250+!)


(Teil 1: 10)
(Teil 2: 11)
(Teil 3: 12)
(Teil 4: 14)
(Teil 5: 22)
(Teil 6: 18)
(Teil 7: 16)
(Teil 8: 49)
(Teil 9: 20)
(Jason X: 26)
(Jason Vs Freddy: 38)
(Remake (2009): 14)


14. Alex in PROM NIGHT – DIE NACHT DES SCHLÄCHTERS

Als Kinder spielen Wendy (Anne-Marie Martin), Kelly (Mary-Beth Rubens), Jude (Joy Thompson) und Nick (Casey Stevens) in einem abbruchreifen Nonnenkloster, aber aus Spiel wird bitterer Ernst als ihre Schulfreundin Robin (Tammy Bourne) bei der Balgerei zu Tode fällt. Die vier Freunde leisten sich gegenseitig einen Eid, niemals über die Sache zu reden. Jahre später bereitet man sich auf den Schulabschlussparty vor, bei dem auch Robins Geschwister Alex (Michael Tough) und Kim (Jamie Lee Curtis), sowie der Schulrektor und Robins Vater (Leslie Nielsen) teilnehmen. Aber natürlich treibt sich auf dem Campus ein wahnsinniger Killer herum, von dem man vermutet, dass es sich um einen entsprungenen Triebtäter handelt, der einst für den (vermeintlichen) Mord an Robin verurteilt wurde. Zwar wird dieser von der Polizei gefasst, aber das Meucheln geht heiter weiter.


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Prom Night Killer im stylischen Jihadisten-Look.
Ist besonderst heute wieder modern ist wie nie.


Der Kanadische Slasher Prom Night – Die Nacht des Schlächters brachte es auf drei weitere Teile, angefangen mit Mary Lou im Jahre 1987. Die Geschichte hatte mit dem Originalfilm nicht mehr viel zu tun und ging in eine paranormale Richtung, mit dem Geist der Prom-Night-Königin Mary Lou (Lisa Schrage), die in den 50er Jahren während des Abschiedsballs bei einem Schülerstreich in Flammen aufgegangen war und sich ihren Titel dreißig Jahre später wiederholen will. Kurzweiliger kleiner Gruselstreifen, mit ein paar blutigen Momenten und außerdem mit Michael Ironside (bekanntlich immer ein Pluspunkt).

Mary Lou (diesmal Courtney Taylor) kehrt in Prom Night 3 – Das Letzte Kapitel (1990) zurück. Diesmal ist der Film mehr Satire als Horror. Der vierte Teil, Prom Night – Evil of Darkness (1992) dreht sich um den psychopathischen Priester Jonas (James Carver), der Jagd nach unkeuschen Prom Night Schülern macht. 2008 kam es zu dem unausweichlichen Remake Prom Night – Eine Gute Nacht zum Sterben, den man „politisch korrigiert“ und auf Teenie-Standards gebracht hat. Heißt: für den durchschnittlichen Slasher-Fan komplett uninteressant.


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(Teil 1: 8)
(Teil 2: 8)
(Teil 3: 8)
(Teil 4: 6)
(Remake (2008): 10)


15. Ray Carlton in PANISCHE ANGST

Ray Carltons (Tom Rolfing) Braut lässt ihren Bräutigam kurz vor der Hochzeit sitzen und brennt mit einem Polizisten durch. Das gibt Charlton einen geistigen Knacks. Er bringt seine Verlobte um, flüchtet, hat aber einen Geschmack am Töten gefunden. Der Killer spezialisiert sich auf werdende Hochzeitsbräute und scheut auch nicht davor zurück, jeden der sich ihn in den Weg stellt umzulegen. Als nächstes Opfer hat er die Studentin Amy (Caitlin O’Heaney) im Visier, die noch mit der Frage hadert, ob sie ihren Verlobten Phil (James Carroll) nun ehelichen soll oder nicht. Um einen klaren Kopf und zu einer Entscheidung zu kommen, will sie ein Wochenende mit ihren Freunden und ihrer Ex-Freund verbringen. Für unserem Ray natürlich die perfekte Gelegenheit für ein kleines Gemetzel.


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Immer auf der Suche nach der Braut die sich nicht traut.


Offensichtlich wollte Regisseur 1980 mit Panische Angst (Originaltitel: He Knows You’re Alone, Alternativtitel: Bloody Wedding) auf der Halloween–Welle mitreisen. Manche Szenen sind fast eins-zu-eins übernommen und selbst der Soundtrack geht nur knapp an der Plagiatsklage vorbei. Was den Goregehalt angeht, ist das Ganze ziemlich mager. Der Grossteil der Morde passieren im Off und einen abgeschlagenen Kopf, der in einem Aquarium schwimmt, sieht genau aus wie das, was er offensichtlich ist: Ein Styroporkopf.

Nachzulesen ist alles in der REVIEW, mit der Dr. Acula Halloween Anno 2006 zelebrierte (beziehungsweise mit einem „Train Wreck von einem Slasher-Film“, wie er sagte).

Wollen natürlich nicht vergessen dass Tom Hanks seinen Debütauftritt im Film hatte. Ursprünglich sollte sein Charakter Elliot dem Killer zum Opfer fallen, aber die Macher fanden den Schauspieler so sympathisch, dass man sich entschloss ihn am Leben zu lassen. Noble Herzen. Aber noch wichtiger als ein dahergelaufener Tom Hanks ist ein Gastauftritt von BM-Liebling Steve James (in der Rolle „junger Mann“). Und wo wir gerade von Debüt reden: Der Film war auch das Erstlingswerk von Regisseur Armand Mastrioianni, der bis Datum über 60 Filme und TV-Episoden drehen sollte, darunter kleine Trash-Perlen wie Rebellen des Grauens, Double Revenge und ein paar Folgen von Erben des Fluchs.


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16. Kenny Hampson in MONSTER IM NACHT-EXPRESS

Kenny Hampson (Derek McKinnon) ist ein zurückhaltender, schüchterner Student. Das macht ihn zum perfekten Ziel von Spott und Schabernack seine Mitstudenten. Seinen Kommilitonen übertreiben es eines Tages und arrangieren ein Techtelmechtel mit einer Leiche für Kenny. Danach geht es für den (nun Ex)-Studenten geradeaus in die Klapse. Ein paar Jahre später feiern die Übeltäter mit ihrer Studentenverbindung eine Party in einem Nachtzug, bei dem alles dabei ist, was ein Studentenherz zum studieren benötigt: Wein, Weib, Gesang, Drogen, ein angeheuerter Zauberkünstler (David Copperfield) aber eben auch Kenny, der aus der Anstalt ausgebrochen ist, und nun nach Rache sinnt. Einer nach dem/der Anderen der Studenten muss ins Grass beißen, bis nur noch die hübsche Alana (Jamie Lee Curtis) übrig geblieben ist.


Produzent und Drehbuchautor Daniel Grodnik kam die Idee zu Monster im Nacht-Express (Originaltitel: Terror Train) buchstäblich im Traum. Nachdem er an einem Wochenende Halloween und Trans-Amerika-Express gesehen hatte, wurde seine Nachtruhe von der Idee für „Halloween in einem Zug“ gestört. Seine Frau hielt das ganze für eine „terrible Idee“, also trug das auf ein Blatt Papier gekritzeltes Skript zunächst den Titel „Terrible Train“. Um Drei Uhr Nachmittags hatte Grodnik sein 22-seitiges Drehbuch fertig und an Sandy Howards Produktionsfirma verkauft. So schnell kann’s gehen (beziehungsweise: Geht es heute nicht mehr).


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Halloween im Nachtschnellzug.


Jamie Lee Curtis war noch auf die Rolle der Scream-Queen festgelegt und es sollten noch etliche Jahre vergehen bis Tony Curtis Tochter/Sohn/Produkt als ernsthafte Schauspieler(in) anerkannt wurde. Sie spielte in Monster im Nacht-Express zeitgleich mit Prom Night – Die Nacht des Schlächters, der ebenfalls in Kanada gedreht wurde. In beiden Filmen spielte sie praktisch Laurie Strode unter anderen Namen. Auf den Regiesessel setzte man einen jungen Roger Spottiswoode, der hier sein Debüt ablieferte und später versuchen sollte, sich als „grossa Kinstla“ zu stilisieren. Bis heute weigert sich der Kerl, Fragen zu Monster im Nacht-Express zu beantworten. Aber, weist du was, Roger? Machwerke wie Scott & Huutsch, Stop! Oder meine Mami schießt und den schäbigsten James Bond Filme von allen – Der Morgen stirbt nie – DAS sind Streifen, für die man sich schämen sollte!

Auch schlug der Remake-Teufel zu: 2008 erschien Train – Nächster Halt: Hölle, bei dem Gideon Raff Regie führte. War Monster im Nacht-Express noch ein Halloween im Schnellzug, dann war Train – Nächster Halt: Hölle ein Hostel im Schnellzug (und genauso vergessenswert wie das Tarantino-Produkt).


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17. Der Butzemann in THE BOOGEY MAN

Die Geschwister Willy (Nicholas Love) und Lacy (Lommel-Eheweib Suzanna Love) müssen als Kinder mit ansehen, wie ihre Mutter es mit ihrem Liebhaber treibt. Für die Spannerei werden beide bestraft und an ein Bett gefesselt, aber Willy kann sich befreien und den Macker seiner Mutter mit einer Glasscherbe erstechen. Jahre später ist Lacy verheiratet, hat einen Sohn und lebt mit Willy, dem es seit der Mordnacht die Sprache verschlagen hat. Lacy besucht ihre Mutter, sieht die Reflektion des toten Liebhabers in einem Spiegel und zerdeppert ihn. Das befreit anscheinend den bösen Geist des Kerls, der recht wahllos jeden mordet, der ihn in über den Weg läuft.


Natürlich ist The Boogey Man von Carpenters Halloween beeinflusst, spielt ebenfalls mit der Idee des gesichtslosen, „schwarzen Mannes“ (im deutschen Volksmund auch als „Butzemann“ bekannt), und sogar die Musik hat etwas definitiv „Carpenteresques“. Lommel klaut aber auch ungeniert von Filmen wie Der Exorzist und Das Omen. Trotzdem, der Film ist psychologisch interessant, atmosphärisch zählt zu Recht zu den Klassikern des Slasher-Films.


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Der Butzemann hat Regisseur Ulli Lommel zwar noch immer nicht geholt.
Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.


Tief ist er gefallen, der Ulli Lommel: Der ehemalige Werner-Rainer Fassbinder Mitstreiter drehte 1973 mit Die Zärtlichkeit der Wölfe einen Klassiker des psychologischen Thrillers, der sich mit dem Untrieben des Serienmörders Fritz Haarmann auseinandersetzte und gerne Mal als moderne Antwort auf Fritz Langes M – Eine Stadt sucht einen Mörder gehandelt wird. 1980 versuchte sich Lommel mit The Boogey Man am Slasher und drehte 1983 die Fortsetzung The Boogey Man II. Seitdem geht es mit ihm stetig Bergab. 2004 drehte er das unsägliche Daniel Küblböck-Vehikel Daniel – Der Zauberer, der so hundsmiserabel war, dass die deutsche Sprache keine Worte dafür kennt. Danach drehte Lommel nur noch Scheiße: Curse of the Zodiac, Green River Killer, Black Daliah – Zeugs, dass die Machwerke von Andreas Bethmann und Jochen Taubert (fast) wie echte Filme aussehen lassen. Im Ernst, Leute, das kann sich kein Mensch ansehen. Der dritte Teil, The Return of the Boogeyman (Regie: Deland Nurse), erschien 1994 direkt auf Video und besteht, wie schon der zweite Teil, zum größten Teil aus Rückblenden und Material, das man aus dem originalen Film ausgeschlachtet hat.

Kürzlich hat Lommel sein Interesse an einem vierten Teil geäußert und da 3D gerade gut genug für einen James Cameron oder Oliver Krekel ist, äußerste Lommel den Wunsch „Boogeyman 4D“ zu drehen. Wir wünschen ihm von ganzem Herzen, dass er in selbiger Dimension verschwinden möge.


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18. Frank Zito in MANIAC

Frank Zito (Joe Spinell) gehört zur Schule der schizophrenen Serienmörder mit einem argem Mutterkomplex. Er wohnt völlig vereinsamt in seiner mit Schaufensterpuppen voll gestopften Bude, und wenn ihn der Hafer sticht, greift er sich seine Utensilien (Schrotflinten, Messer, et al) und zieht durch New York, immer auf der Suche nach zu meuchelnden Opfern. Mal ist es ein Liebespärchen am Strand, aber auch Nutten und Passantinnen in der verlassenen U-Bahn gehören zu seiner Stammkundschaft. Nach getaner Tat, befestigt er meist ein Stück Skalp seiner Opfer an seinen Mannequins und unterhält sich mit seiner verstorbenen Mutter über die Schlechtigkeit der Welt. Tagsüber gibt Zito ganz den Gentleman, bändelt mit der Fotografin Anna (Caroline Munro) an und scheint sich sogar in diese zu verlieben. Schließendlich aber überkommt ihn seine Natur und er versucht Anna zu erwürgen. Die Episode gibt Zito geistig den Rest und – von den Geistern seiner Opfer verfolgt – begeht er (scheinbar) Selbstmord.


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Frank Zito, ein Slasher-Killer der den Titel Maniac verdient
wie kaum ein Zweiter.


Maniac war und ist harter Tobak. Ein Slasher der heftigeren Gangart, was teils an der exzellenten Trickarbeit von Tom Savini liegt (der Meister selbst bekommt in einer beeindruckenden Szenen die Birne mit einer Schrotflinte weggeblasen), teils an der extrem bösartigen, nihilistischen Atmosphäre, die viele von Regisseur William Lustigs Werken auszeichnet. Einen Glücksgriff hat Lustig mit Schauspieler Spinell getan, der es schafft, fast nahtlos zwischen sanften, sogar sympathischen Riesen, schizophrenen Einzelgänger und unkontrollierbarer Mordmaschine hin und her zu pendeln. Eine der beängstigenden Darstellung eines Serienkillers, die bis Datum gefilmt wurde und, zusammen mit Henry – Portrait of a Serial Killer, vielleicht eines der realistischsten Portraits eines kranken Geistes.

Obwohl Spinell auf ein beeindruckendes Repertoire zurückblicken konnte, blieb Maniac seine Paraderolle. 1986 drehte Combat Shock–Regisseur Buddy Giovinazzo eine siebenminütigen Promo-Film für Mr. Robbie: Maniac 2. Der Film sollte ein Remake des obskuren 1975 Proto-Slasher Psychopath werden, und Spinell spielte im Kurzfilm Mr. Robbie, einen Serienkiller der sich auf Kinderschänder und missbrauchenden Eltern spezialisiert. Das Projekt fand leider keine Abnehmer.


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Joe Spinell als Mr. Robbie: Maniac 2,
der Film aus dem leider nichts wurde.


Der rund zehnminütige Promo-Film ist noch auf [YouTube] zu bewundern.


Spinell und Lustig planten beide eine offizielle Maniac-Fortsetzung, aber Spinell verstarb 1989 vor Drehbeginn. Die Todesursache blieb bis heute sehr mysteriös. Manche sprechen von einer Herzattacke, hervorgeführt von Spinells Drogen- und Alkoholkonsum, der seit dem Tod seiner Mutter im Jahr zuvor unkontrollierbare Dimension angenommen hatten. Andere wieder sprechen von einem Asthmaanfall, von Selbstmord oder einen Unfall bei dem Spinell sich mit einem Messer verletzte (der Schauspieler war Bluter, beziehungsweise litt an Hämophilie).

Zu einem Remake kam es dennoch; ursprünglich wollte Lustig selbst Regie führen und seine Wunschbesetzung, der „Real-Life-Maniac“ Tom Sizemore, hätte zur Rolle auch gepasst wie der sprichwörtliche Arsch auf dem Eimer. Schlussendlich ging die Rolle aber 2012 an Elijah Wood, der ja in Sin City schon bewiesen hat, dass er das Zeug zum Psychopathen hat. Regie führte Franck Khalfound (Wrong Turn); die Produktion übernahm Alexandre Ajas, der ein paar Jahre davor seine Lorbeeren mit High Tension sammeln konnte (davon später mehr). Das Maniac–Remake gilt als einer der besseren Neuverfilmungen, und obwohl es nicht ganz an das Original herankam, hatten die Fans und Kritiker generell nur gutes über den Streifen zu sagen. Eine hausinterne Review ist HIER nachzulesen.


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19. Der alte Kapitän in SCREAM

Eine Gruppe Urlauber macht eine Floßfahrt auf dem idyllischen Rio Grande in Texas. Als Campingplatz hat man sich eine verlassene Goldsucherstadt ausgesucht, und alles scheint Friede, Freude und Eierkuchen (beziehungsweise: Sex mit dem Mädels an abgelegenen Fleckchen). Wer könnte ahnen, dass ein unbekannter Meuchelmörder durch die Geisterstadt zieht und einen nach den anderen Urlauber auf verschiedenste Weise umbringt?

Zwar gilt Scream (Alternativtitel: The Outing) als einer der schundigsten Slasher-Filme die in den frühen 80ern produziert wurde (aber keine Soreg, es sollte natürlich noch Schlimmer kommen), aber auch einer der ersten welcher die Freitag der 13te–Struktur ein-zu-eins übernahm, und spielte an der Kinokasse etwas mehr als eine Million Dollar ein. Nicht schlecht für ein Machwerk, das für einen Appel und ein Ei produziert wurde. Wie kommen wir nun auf den „alten Kapitän“ als Mörder? Nun, aus dem einfachen Grund, dass wir keine Ahnung haben wer der Mörder ist oder wer es gewesen sein könnte. Aber irgendwann in der Mitte des Films erscheint ein komischer Postkutschenfahrer, der irgendwas von einem alten Kapitän erzählt, der das Kaff einst gegründet hat. Also einiges wir uns, dass der Geist des alten Seebären der Mörder war, 'kay?


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Vielleicht war das ja der Mörder – wir wissen es wirklich nicht.


Was die Schauspieler angeht, so haben wir natürlich eine All-Star Cast: Hauptdarsteller Pepper Martin kennen wir alle aus Superman II (er war der Typ der Clark Kent im Truckerstopp vermöbelt). Hank Worden war ein Western-Veteran mit über 200 Rollen auf dem Buckel, darunter Filme mit John Wayne (er spielte meisten Kellner, Saloonwirte und „alter Mann“), und wo wir gerade vom John Wayne reden: Ethan Wayne ist ein Sohn des Superamerikaners. Vom schauspielerischen Talent seines alten Herrn hat er aber nur wenig geerbt. Was können wir sonst noch Interessantes über das Teil erzählen? Nun, kurioserweise überleben alle weiblichen Beteiligten den Film und alle Opfer die mit Machete, Axt oder Heusense umgelegt werden, männlich sind. Auch ein „First“ für einen Slasher, also nehmen wir an dass der Regisseur und hauptberuflicher Stuntmen Byron Quisenberry ein Feminist war.


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20. Harry Warden in BLUTIGER VALENTINSTAG

In den 60er Jahren werden fünf Bergwerksleute bei einer Gasexplosion verschüttet. Wäre nicht passiert, wenn die wachhabenden Kollegen nicht vorzeitig ihre Posten verlasen hätten, um in der Stadt Valentines Bluff beim Valentinstagsball das Tanzbein zu schwingen. Wochen später findet man nur noch einen Überlebenden: Harry Warden (Peter Cowper), der die anderen vier Kumpels gefressen hat und wahnsinnig geworden ist. Mit seiner Pickelaxt bewaffnet und hinter einer Gasmaske versteckt, macht Harry Jagd auf die unachtsamen Wachleute und endet schließlich da, wo er hingehört: in einem Irrenhaus. 20 Jahre später will man in Valentines Bluff zum ersten Mal wieder den Valentinstag feiern. Die Obrigkeit bekommt aber eine blutige Warnung: Ein herausgerissene Herz als Mahnung, das Feiern gefälligst zu lassen. Die Organisatoren der Party werden abgeschlachtet und man beschließt das Fest abzublasen. Es stellt sich nun die Frage: Ist Harry wieder unterwegs oder hat es etwas mit einem der Jugendlichen zu tun, die sich dem Valentinstags-Verbot widersetzen und in der Mine ihre eigene Fete feiern?


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“Lass schlucken, Kumpel!“


Blutiger Valentinstag (Originaltitel: My Bloody Valentine) war eine kanadische Billigproduktion, die 1982 alles richtig gemacht hat: Sie nahm das Rezept von Halloween, fügte den Goregehalt von Freitag der 13te hinzu und maximierte das Gemetzel auf die 11. Zuviel des Guten für die amerikanische MPAA (die US-Version der FSK) und gleich zweimal musste Regisseur George Mihalka seinen Film zurechtstutzen um an das begehrte R-Rating (in Deutschland etwa: FSK 16) zu kommen. Mihalka schrieb die Zensurwut dem Mord an John Lennon zu (wir erinnern uns: Lennons Mörder las „Der Fänger im Roggen“ während er auf Lennon wartete, und „Der Fänger im Roggen“ wurde bekanntlich auch verfilmt). Der Film bleibt einer der feinsten Slasher der ersten Stunde und nicht nur der persönliche Liebling des Autoren, sondern auch von Quentin Tarantino, der den Film bis heute über den grünen Klee lobt.

Blutiger Valentinstag wurde 2009 von Regisseur Patrick Lussier in 3D neu verfilmt und zählt zu den besseren Remakes, obwohl sich die Fans generell auf das Gene Simmons Wahrwort geeinigt haben: „Warum etwas reparieren, das nicht kaputt ist“.


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(1981: 16)
(Remake (2009): 36)


21. Curtis, Debbie und Steven in ANGST

1970 werden drei Kinder während einer kompletten Mondfinsternis geboren. Da Sonne und Mond den Planeten Saturn blockieren, wachsen Debbie (Elizabeth Hoy), Curtis (Billy Jayne) und Steven (Andy Freeman) zu herzlosen, mordlustigen Psychopathen heran und machen sich daran, aus Jux und Tollerei Erwachsene umzubringen. Die Nachbarskinder Timmy (Lori Lethin) und Joyce (K.C Martel) kommen bald hinter das mörderische Treiben. Da sich aber keiner vorstellen kann, dass drei so herzige Kinder brutale Killer sein könnten, schenkt man den beiden keinen Glauben. Einzig Debbies Schwester Beverly (Julie Brown), die über ein paar alte Zeitungsartikel gestoßen ist und das Trio (zu Recht) hinter dem Mord an ihrem Vater vermutet, schenkt Timmy und Joyce Glauben. Nun machen sich die putzigen kleinen, mit Pistolen, Küchenmesser und Flitzebogen bewaffnet daran, die störenden Mitwisser aus dem Weg zu schaffen.

Man kann sich die Szene bildlich vorstellen, als ein Haussklave der deutschen Verleihfirma zu seinem Vorgesetzten kroch:

Sklave: „Chef, ham hier nen neuen Slasherstreife aus die USA. Bloody Birthday heißt der, versteht aber keine Sau, wassas auf Deutsch heißen soll. Was solln’ ma den nenne?“ Chef (spuckt aus, streckt die müden Glieder, funkelt den Sklaven kalt an): “Hmm! Angst“! Sklave: Angst? Ist das nich n bissi einfallslos? Könnten ihn ja „Blutiger Geburtstag“ nenne…“ Chef (schmeißt einen Schuh nach dem Sklaven): „Angst wird der betitelt, und jetzt verpiss dich, du Ratte!“

Angst sollte noch etliche Alternativtitel, sowohl im Englischen als auch im Deutschen bekommen: Kinder des Teufels, zum Beispiel. Aber auch Creepers, Creeps und Totale Angst über der Stadt, also wollen wir nicht sagen, die Verleihbetiteler wären damals für nix bezahlt worden.


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Wer könnte hinter so putizgen Kindergesichtchen schon Böses erwarten?


Fest steht, dass Angst ein Mordsspaß von Slasher ist, gerade weil der Streifen jeglichen Humor vermissen lässt, und das ganze so Bierernst zelebriert, als hätte man die Antwort auf Psycho selbst drehen wollen. Das mag damit zusammenhängen, dass Regisseur Ed Hunt ein unbelehrbarer UFO-Narr ist/war, der vor allem durch seinen Pseudo-Dokumentarfilm UFO’s Are Real bekannt wurde. Aber auch mit der Jesus=Alien/Satan=schwarzer Drogendealer Parabel Alien Warrior und Das Gehirn konnte sich Hunt als zertifizierter Schluderer und Nichtskönner profilieren und verschwand 1988 von der Bildfläche. Es wird angenommen, dass Außerirdische im Auftrag der Freimaurer und dem Mossad ihn hinfort getragen haben.

Kommen wir also vom Hokuspokus zu wissenschaftlich bewiesenen Fakten. Es weiß ein jeder, der nicht vom Elterndasein vergiftet ist, dass Kinder von Natur aus abgrundtief böse sind. Besonders rothaarige und solche die während einer Mondfinsternis geboren wurden. Ihr lest es ja mit eigenen Augen: Es ist ein wissen.schaft.lich be.leg.ter FAKT!


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22. Der Prowler in FORKE DES TODES

Der Zweite Weltkrieg ist zu Ende; es ist Zeit zum Feiern angesagt. Für alle bis auf einen unbekannten Soldaten, der von seiner Verlobten Rosemary (Joy Glaccum) einen Brief erhalten hat, dass diese keinen Bock mehr auf die Warterei hat und sich einen neuen Stecher gesucht hat. Während dem Abschlussball tummelt sich das Mädchen Rosemary mit selbigen in einer Sommerhütte, doch da erscheint schon der geschasste Soldat in voller Kampfmontur und beseitigt das Pärchen mit einer Mistgabel. In der Hand der Toten hinterlässt der Mordbube eine Rose. 30 Jahre später plant der Ort Avalon Bay wieder einen Abschlussball. Aus Respekt für die Ermordeten ist der Veteran Major Chatham (Lawrence Tierney) dagegen, aber bekanntlich ist es illegal auf alte Leute zu hören, also steigt die Party. Auch einem anderen Herrn liegen die Vorbereitungen schwer im Magen. Der „Prowler“ greift sich seine Forke, schlüpft in seinen Kampfanzug und bereitet sich darauf vor, die anwesenden Studenten auf brutalste Art und Weise zu dezimieren.


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Ein Soldat mit einem Herz für die Natur.
Heißt: Rosen und Mistgabeln.


Die Geeks unter den Fans streiten nach wie vor, welcher Streifen besser ist, Blutiger Valentinstag oder Forke des Todes (Originaltitel: The Prowler). Was Gorebauern angeht, bedeutet die Diskussion: welcher von den Beiden ist blutiger? Will mir kein Urteil erlauben, beide sind damalige verhältnismäßig hart; beide folgen strikt der Halloween–Formel und im Fall Forke des Todes spricht Tom Savini von seiner feinsten Arbeit. Man muss dem Special-Effekt-Zauberer beipflichten: Mit Forke des Todes hat er sich selbst übertroffen und ein Massaker inszeniert, das über 30 Jahre später noch immer seine Gültigkeit hat. Und auch für Regisseur Joseph Zito ging die Rechnung auf und der gute Ruf von sollte ihm einen warmen Platz auf den Regiestühlen von Filmen wie Freitag der 13te, Teil 4, Missing in Action und Red Scorpion sichern.

Wir wollen auch hier nicht lobhudeln und behaupten, Forke des Todes habe den Slasher-Film neu erfunden. Nein, es ist bloß ein sehr guter Slasher der alles das im Genre Gut und Heilig ist bestätigt und die Erwartungen unserer kranken Hirne erfüllt.


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23. Kevin Badge in GRADUATION DAY – 7 TAGE ZUR EWIGKEIT

Beim Versuch einen 30-Sekunden Rekord zu brechen, bricht die Athletin Laura (Ruth Ann Llorens) nach einem Wettrennen an der Midvale High School vor Erschöpfung tot zusammen. Ein paar Tage später kommt die Marinesoldatin Anne (Patch Mackenzie) nach Midvale um bei ihrer Familie Urlaub zu machen. Zur selben Zeit treibt eine Gestalt im grauen Sweatshirt, schwarzen Handschuhen und Fechtmaske ihr Unwesen und bringt Sportler um die Ecke. Die Morde werden steht’s mit einer Stoppuhr abgemessen, die auf 30 Sekunden gestellt ist. Nur, wer steckt hinter der Maske und was sind seine/ihre Motive?


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Sport ist Mord – wusste Winston Churchill und die Schüler
an der Midvale High School, die wissen das jetzt auch.


Auch für Graduation Day – 7 Tage bis zur Ewigkeit (Regie: Herbert Freed) ging die Freitag der 13te–Routine auf; aus dem $250,000 Budget wurden an den Kinokassen schnell $23 Millionen und aus dem Streifen ein Kult-Film. Auch wenn er „nur“ Routine ist und für den Gore- und Gedärm-geprüften Fan heutzutage wahrscheinlich nur noch historisch interessant ist, so kommt zum Spaßfaktor noch das allseits beliebte „Star-Sighting“ dazu. Graduation Day – 7 Tage bis zur Ewigkeit war die Plattform für mehrere Stars und Sternchen, die in späteren Jahren in Film und Fernsehen untergekommen sind. Hier sind Namen wie Linnea Quigley (A Nightmare on Elm Street), Bill Huffsey (Cheers) oder E. Danny Murphy (The New World) zu nennen.


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24. Cropsy in BRENNENDE RACHE

Im Feriencamp „Camp Stonewater“ ist der Hausmeister Cropsy (Lou David), ein übler Saufbold und Wüterich, bei den Jugendlichen allgemein unbeliebt. Er verlangt förmlich nach einem Schülerstreich, doch der Streich geht etwas zu weit und Cropsy geht in Flammen auf. Übelst verunstaltet wird er aus dem Krankenhaus entlassen, ist er natürlich „not amused“ und tötet aus Frustration eine Prostituierte (K.C Townsend) mit einer Heckenschere. Dann macht er sich auf den Weg zurück zum „Camp Stonewater“ und macht Jagd auf die Jugendlichen, die dort ihre Ferien mit Feiern, Drogen und leichtem Sex feiern.

Auch Brennende Rache (Originaltitel: The Burning, Regie: Tony Maylam) hält sich streng an die Freitag der 13te-Vorlage. Der einzig fundamentale Unterschied ist die Vorgeschichte des Killers Cropsy, der Name des Feriencamps und die Mordmethoden des nachtragenden Hausmeisters. Diese sind sogar noch garstiger und lassen den ersten Freitag der 13te fast zahm wirken. Auch hier wurde Tom Savini verdingt, allerdings hatte der Meister nur drei Tage Zeit um Cropsys Maske fertig zu stellen und gibt sich heute mit dem Endresultat wenig zufrieden. Wenig zufrieden war auch die amerikanische MPAA, die auf mehrere Kürzungen bestand. In England landete der Film auf der „Video-Nasties“-Liste und auch in Deutschland landete der Film stampede auf dem Index, wurde zum Hohn erst geschnitten und dann beschlagnahmt.


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Cropsey, ein entfernter Cousin von Freddy Krueger.


Für andere hingegen war Brennende Rache der erste Schritt ins Glück: Zum Beispiel für die Weinstein-Brüder, deren Firma „Miramax“ den Film produzierte und, nicht zuletzt dank Brennende Rache, bald zu den ganz großen der Industrie zählten. Und auch Schauspieler wie Jason Alexander (Seinfeld, damals noch mit voller Haarmähne und daher kaum zu erkennen), Fisher Stevens (der vermeintliche Inder aus Nummer Fünf Lebt!) und Oskar-Preisträgerin Molly Hunter schnupperten in Brennende Rache zum ersten Mal Kinoluft. Und wollen wir Rick Wakeman, den Keyboarder von der Progressive Rock Band „Yes“ nicht vergessen, der für den Soundtrack zuständig war, der heute noch sehr gut ins Ohr geht.


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25. Ungenannter Killer in EXAMEN

Die Studenten am Lanier College bereiten sich auf das finale Examen vor. Will heißen: Man(n) spielt sich gegenseitig Streiche, versucht sein Glück bei den Mädchen und bereitet sich so wenig wie möglich auf die Abschlussprüfungen vor. Und dann ist da noch ein schattenhafter Psychokiller der den Campus durchstreift und die Studenten, die die ehernen Gesetze des Slasher-Films missachten, vom Leben zum Tode befördert.


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Ein recht minimalistischer Slasher ohne Namen, Maske oder Motive.


Anders als die meisten Slasher des Jahres 1981 war Examen (Originaltitel: Final Exam) recht unspektakulär. Regisseur Jimmy Huston entschied sich dafür, die meisten Morde nicht direkt zu zeigen, ließ diese im Off passieren und das Grundgerüst der Geschichte ging mehr in Richtung High School Komödie als grimmiger Slasher. Auch kommt der Mörder ohne Maske oder Gimmick aus, bleibt ungenannt und seine Motive werden nie erläutert. Es kann also durchaus sein, dass der Kerl einfach verrückt war. Huston fühlt sich offensichtlich mehr im Bereich Komödie Zuhause und produzierte ein paar Jahre später die lockere Teenie-Vampir-Komödie Liebe mit Biss, mit Dr. House–Sidekick Robert Sean Leonard in der Hauptrolle.

Bei der Szene, in welcher ein Student auf einem Krafttrainingsgerät zu Tode kommt, kam es beinahe zum Desaster: Für den Stunt wurde Ralph Brown ein Kabel falsch am Hals von Ralph Brown angebracht. Die Blutzufuhr zum Gehirn des Schauspielers wurde dabei abschnürte, so dass Brown augenblicklich in Ohnmacht fiel. Nur durch Timothy R. Raynors, der den Killer spielt, beherztes Eingreifen konnte schlimmeres verhindert werden. Dem Kampfkunstexperten Raynor zufolge hätte es nur ein paar weitere Sekunden gedauert und aus Browns Gehirn wäre Gemüse geworden.


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© 2014 Thorsten Atzmueller



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