100 Slasher in 50 Jahren, Teil 3

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100 Slasher in 50 Jahren, Teil 3


51. Der Medizinmann in BODY COUNT – DIE MATHEMATIK DES GRAUENS

Eine Gruppe Studenten verbringt ihre Ferien in den Wäldern von Colorado. Dort tun sie sich mit Ben Ritchie (Nicola Farron) zusammen, der seine Eltern, die Verwalter eines heruntergekommenen Feriencamps, besuchen will. Aber im Hause Ritchie hängt der Haussegen schief: Der Vater (David Hess) scheint einen an der Waffel zu haben, erzählt Geschichten von einem dämonischen Medizinmann, für den er im Wald Fallen aufbaut und die Mutter (Mimsy Farmer) hat ein Techtelmechtel mit dem Sheriff Charlie (Charles Napier). Außerdem schleicht ein Irrer mit Gummimaske und Hackebeil durch die Büsche.

Es war ja wirklich nur eine Frage der Zeit bis Ruggero Deodato seine von Pastasauce und Schildkrötenblut verschmierte Finger an das Slasher Genre legen sollte, und so sollte ein 1986 mit Body Count – Die Mathematik des Grauens (Originaltitel: Camping del terrore, Alternativtitel: The Eleventh Commandment) geschehen.


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Deodato ist mal wieder im Wald unterwegs und
hat’s noch immer mit Indianern.


Fangen wir gleich mit dem Soll und Haben an: Zum einem bekommen wir, wie es der Titel verspricht, eine relativ hohe Bodycount. Dann haben wir neben David Hess noch die üblichen Verdächtigen, John Steiner und Ivan Rassimov, und ein jedes Klischee und Routine des Genres wird erfüllt. Wenn da nicht der große Name Deodato wäre. Von einem Meister hätte man wahrhaft mehr erwartet. Unterm Strich bleibt ein feiner, kleiner Slasher, schnörkellos und bieder, den man sich gern anschauen kann, aber nichts verpasst hat, wenn man es nicht getan hat. Aber so ist er eben, der Ruggero: Heute produziert er mit Cannibal Holocaust einen unsterblichen Klassiker, morgen dreht er Unter der Sonne Afrikas für das ZDF. Irgendwo dazwischen liegt Bodycount.


BODY COUNT:

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52. Bobby Henkel in DEATH HOUSE

Als Kind muss Beth (Angela O’Neill) mit ansehen wie ihr Bruder Bobby (John C. Russell) die komplette Familie ausrottet. Bevor Beth an die Reihe kommt, wird Bobby von der Polizei überwältigt und in ein Irrenhaus geschleppt. Jahre später hat Beth das Geschehene verdrängt, geht nun in die Uni und bunkert sich in einem Verbindungsheim ein. Die Hütte kommt ihr seltsam vertraut vor (wir ahnen es schon: es handelt sich um ihr Elternhaus), und immer wieder hat sie Träume und Visionen von ihrem Bruder. Der scheint zeitgleich zu riechen, dass Beth nach „Hause“ gekommen ist, bricht aus seiner Gummizelle aus und will nun sein Werk zu vollenden.


Dem einen oder anderen Slasher-Fan wird die Geschichte von Death House (Originaltitel: Sorority House Massacre) vage bekannt vorkommen. Erinnerungsfetzen werden durch das vom Gore vergifteten Hirn ziehen, irgendwas von einem Regisseur namens Zimmermann, von Michel Maier von nebenan und irgendwas von einem Feiertag, an dem man mit Rasierklingen bestückten Äpfel an bettelnde Kinder verteilt. Ähnlich wie Halloween, legt auch Death House mehr Wert auf Atmosphäre und Psychologie, und lässt die Splatter-Effekte außen vor. Wie es so oft der Fall ist, ist Regisseurin Carol Frank kein John Carpenter und Angela O’Neill keine Jamie Lee Curtis. Vom Killer Bobby wollen wir gar nicht erst anfangen. Eine Will Shatner Maske hätten seiner pockennarbigen Fresse gut getan; schauspielerische Erfahrung scheint er jedenfalls nicht gehabt zu haben. Um ehrlich zu sein: der „Akteur“ schafft es nicht einmal, überzeugend durch ein Zimmer zu gehen.


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Michael Myers für Bitterarme: nicht mal für eine Maske hat’s gereicht.


Wie dem auch sei, für eine Fortsetzung hat es gereicht. 1990 erschien Sorority House Massacre II. Der zwar nicht ganz so beschissen wie der erste Teil war (wahrscheinlich weil Jim Wynorski Regie führte und Roger Corman produzierte), ist aber bei weitem kein Klassiker. Auch diesem folgte eine Quasi-Fortsetzung, noch im selben Jahr Hard to Die, mit denselben Schauspielern und einer ähnlichen Story, der aber mehr Richtung Komödie geht.


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(Teil 1: 10)
(Teil 2: 11)


53. Marty Rantzen in DIE TODESPARTY

Marty (Simon Scuddamore) ist ein arg geplagter Student, das ständige Ziel des Spotts und derben Späße seiner Mitschüler. Zunächst wird er (scheinbar) von Carol (Caroline Munro) verführt, bekommt statt Sex aber Elektroschocks, ein Sportpilum wird ihm in seine Eier gestoßen, seine Birne muss er in einen Lokus tunken lassen, der Joint den man ihm anbietet ist vergiftet und als eine der Streiche zu weit geht, wird sein Gesicht auch noch von Säure verunstaltet. Jahre später werden die Verantwortlichen zu einem Klassentreffen eingeladen, müssen aber feststellen, dass ihre Schule geschlossen und abbruchreif ist. Egal. Man bricht in die Ruine ein und lanciert eine Privatparty. Doch dann erscheint eine als Harlekin verkleidete Gestalt und beginnt die Feiernden mit Säure, Wurfspeeren und Rasenmäher zu dezimieren. Könnte Marty hinter der ganzen Sache stecken (obwohl man von dem weiß, dass er seit dato in einer Nervenheilanstalt hockt und die ganze Geschichte vermutlich längst vergessen hat)?


Die Todesparty (Originaltitel: Slaughter High) ist in sofern eine Anomalie, dass es einer der wenigen nicht-amerikanischen Slasher Filme in dieser Liste ist. Der Film wurde in England gedreht, aber um einen US-amerikanischen Hintergrund vorzugaukeln, mussten die Akteure ihre Dialoge im Ami-Englisch vortragen (was im Originalton natürlich den Spaßfaktor nur noch erhöht). Natürlich ist der Film nichts Besonderes, weicht keinen Iota von der Slasher-Formel ab, aber wie Terror Train oder Sleepaway Camp, hat Slaughter High einen ureigenen Charme und somit einer der empfehlenswerteren Filme, die das Genre hervorgebracht haben.


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Auch so ein Joker bei dem es nicht viel zu lachen gibt.


Caroline Munro wird der Slasher-Fan wohl noch aus Maniac kennen, aber auch in den Hammerstreifen Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes (als Phibes tote Ehefrau) und Dracula jagt Mini-Mädchen hatte sie eine kleine Rolle. In Der Spion, der mich liebte spielte sie sogar ein Bond-Girl. Immer noch hübsch anzusehen, aber die knackige Studentin kauft man der 30+ Dame nicht (mehr) ab. Eine tragische Figur war Marty-Darsteller Scuddamore, der unter schweren Depressionen litt und kurz nach Beendigung der Dreharbeiten Selbstmord beging.


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54. Killer mit überdimensionaler Sicherheitsnadel in AEROBICIDE

In einem bizarren Umfall wird Valerie (Marcia Karr) auf einer Sonnenbank geröstet. Ein paar Jahre später eröffnet ihre Zwillingsschwester Rhonda (auch Karr) ein Aerobicstudio, wo die wohlgeformten Tänzerinnen von einem unheimlichen Mörder mittels Mord ermordet werden. Die Damen sterben wie die Fliegen, die Polizisten sind wie immer ausgemachte Idioten, was bleibt da den Überlebenden (und potentiellen Opfern)? Nicht viel, außer den herumschleichenden Schlitzer ignorieren und tanzen, tanzen, tanzen.


Kritiker beschreiben Aerobicide (Alternativtitel: Killer Workout) als eine Mischung aus Slasher und Cher (alternativ: Jane Fond) Fitness-Video, und dem gibt es nur wenig hinzuzufügen. Vielleicht noch dass die bevorzugte Mordwaffe der Killers eine überdimensionale Sicherheitsnadel ist.


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Nur in den 80ern: Aerobichupfdohlen und mörderische Lederschwuchteln.


Zumindest weiß Regisseur David A. Prior, der scheinbar an der „Albert Pyun Filmakademie“ studiert hat, was er dem 80er Jahre Videobilligproduktionsfans schuldig ist: Der Mann ist immerhin Veteran, und sollte später kleine Trashperlen wie dem „Platoon-Lost-Boys“-Bastard Lost Platoon – Das Kommando der Verlorenen, Sci-Fi-Schlocker Future Force oder – nicht lange ist es her – Zombie Wars produzieren.

Kommen wir zum „Sounddreck“: eine Mischung aus Workout-Disco- und 80er Pop-Mucke, so penetrant und süßlich, dass ich mich fortwährend nach einem fetten Stück Cheddar-Käse gesehnt habe – und dabei esse ich überhaupt keinen Käse. Dazu wird Aerobics praktiziert; viel, viel Aerobics. Ein Filmchen, das so miserabel ist, dass man ihn gesehen haben MUSS (oder vielleicht vertrete ich nur die Philosophie „geteiltes Leid ist halbes Leid“, wer weiß?).


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55. Der Berserker in BERSERKER

In Rainbow Valley, einem von norwegischen Immigranten gegründeten Kaff, geht die Legende vom Berserker, einem blutdürstigen, kannibalischen Krieger aus der nordischen Mythologie, um. Sechs „junge Erwachsene“ wollen just zu diesem Zeitpunkt in Rainbow Valley zelten, um müssen sich bald mit einem Bären UND einem Berserker rumschlagen.

Berserker, das hat im germanischen Männerohr einen majestätischen Klang. Es suggeriert die geballte Wikingerkraft der Vorfahren, furchtlose Krieger in Wolfs- und Bärenfellen, die zum Klang von „Manowar“ den Feind mit bloßer Faust erschlagen, die Weiber dutzendweise schänden und danach den Mett aus Totenschädeln schlürfen. Das lässt vergessen, dass moderne Historiker – Papa Odin möge sie mit nassen Handtüchern erschlagen – die Berserker für einen Mythos halten und behaupten, es habe sich nur um Epileptiker und Schwachsinnige gehandelt, die man als mittelalterliches Kanonenfutter den Feind entgegen getrieben hat. Aber, es war das Jahr 1987 und die Auswahl an zu vernudelten Feiertagen schon sehr ausgedünnt. Clowns, Weihnachtsmänner und Teddybärmaskottchen waren alle schon vergeben, da musste man sich etwas einfallen lassen. Ipso: Warum keinen nordischen Berserker?


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Die stolzen Berserker sind auch nicht mehr dass,
was sie auch schon früher niemals waren.


Aber ganz so imposant wie der Titel klingt, geht es in Berserker nicht wirklich zu. Typ im mottenzerfressenen Bärenfell, der mit einer schäbigen Bärentatze Leute massakriert, und das ganze noch unblutig und billig (vier windige Kills), dass man die Armut fast durch den Bildschirm riecht. Das „Highlight“ ist noch der Kampf zwischen einem Bären und dem Berserker, bei dem man zu jedem Moment erwartet, dass ein Kasperle auftaucht und mit seinem Klöppelprügel dazwischen fährt.

Nein, die Vorfahren waren nicht amüsiert, als sie den Film in der Freitagabendmatinee in Walhalla sahen und Odin fluchte dem Regisseur Jefferson Richards (zumindest blieb es sein einziges Werk) – dann beging der Göttervater aber den Fehler, einen Film mit dem gleichen Titel in das DVD-Laufwerk zu schieben, und hat seitdem auch mit einem gewissen Dr. Risser ein Hühnchen zu rupfen.


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56. Harry in OPEN HOUSE – TRAUTES HEIM KANN TÖDLICH SEIN

Ein Seriemörder namens Harry (Darwyn Swalve), der sich auf wohlgeformte Maklerinnen spezialisiert, macht das Nobelviertel Beverly Hills unsicher. Zum Zeitvertreib, wenn er gerade nix zum abmurksen bei der Hand hat, ruft Harry beim Radiopsychologen Dr. Kelley (Joseph Bottoms) an, und kichert dem etwas vor. Kelley ist bald etwas beunruhigt: Nicht nur dass der Kerl während des Gesprächs scheinbar Hundfutter frisst, sondern Dr. Kelleys Perle Lisa (Adrienne Barbeau) ist zufällig selbst Maklerin, und passt in das Beuteschema des Kicherers.


Nun könnte man beim Auftritt von Bottoms and Barbeau in Open House – Trautes Heim kann tödlich sein ja lapidar sagen: „Gut, war lange bevor die reich und berühmt wurden, waren jung, brauchten das Geld“, etc. Nur leider spielten die in Open House – Trautes Heim kann tödlich sein lange nachdem sie sich einen Namen in Disney- und John Carpenter-Filmen machen konnten. Was dem All-American-Profil Buttoms (Das Schwarze Loch; der Film, nicht Buttoms) dazu animierte, im Film mitzuspielen ist nicht weiter bekannt. Barbeau jedoch war (relativ) frisch von John Carpenter geschieden und der Schundnickel wollte keinen Unterhalt zahlen. Um ihren Sohn durch die Schule zu bringen, kam ihr die Rolle in Open House – Trautes Heim kann tödlich sein gerade recht (und da fühlt man sich dann doch ein bisschen „schuldig“, wenn man darauf wartet dass Mama Barbeau die Hüllen fallen lässt). Noch ein Wort zu Swalve: Der Hüne mit dem Traum vom Broadway, dem dürften Filmfanatiker wohl noch als Wrestler in Barton Fink kennen.


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“Glaub mir, Schwester, so ein Damenbart ist echt nicht schön.
Ich weiß wovon ich rede!“


Regisseur Jagmohan Mundhra hatte früh einen Narren an Thriller und Horrorfilme gefressen, produzierte eine handvoll B-Movies wie Halloween Night, The Jigsaw Murders und Die Blinde und der Killer, ging dann zurück nach Bombay um bis zum Ende seiner Tage Bollywood-Filme zu drehen. Auf die Idee, im heimischen Indien Slasherfilme zu drehen, ist er nie gekommen. Dafür hätte man ihn zu dieser Zeit wahrscheinlich den Aghoris im Ganges zum Fraß vorgeworfen. Aber das letzte Wort in Sachen „Slasher & Bollywood“ sollte noch nicht gesprochen sein.


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57. Lance Hayward in TERROR NIGHT

In den 1920er war Lance Hayward (John Ireland) ein gefeierter Kinostar, aber 60 Jahre später, in den gülden 80er Jahren, kennt ihn kein Schwein mehr. Hayward gilt als verschollen oder tot und seine ehemalige Prachtvilla soll dem Abriss zum Opfer fallen. Bevor das passiert, haben eine Gruppe Jugendlicher und ein Rockerpärchen dieselbe Idee: Im Haus eine kleine, verträumte Party feiern. Aber da wäre noch Hayward, der den Verstand verloren hat und in den Kostümen seiner Glanzzeit – als Gangster, Ritter oder Pirat – dem ungewollten Besuchern ans Leder will.


Sicher, Nick Marinos Terror Night (Alternativtitel: Bloody Movie) hat die Inspiration nicht mit Löffeln gefressen, ist eine recht billige Angelegenheit, aber ist einer der wenigen Billig-Slasher, der mit Herz gemacht wurde.


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Wir haben es immer schon geahnt: Erroll Flynn war ein Serienkiller.


Der Gore-Faktor ist relativ hoch, die Cast erlesen (was B-Movie-Standards angeht – ich sage nur Cameron Mitchell, Aldo Ray und Dan Haggerty) und das verlassene Haus ist schön Geisterbahn-gruselig. Außerdem tun die weiblichen Akteure dem Auge recht gut und es wurde kein Budget an übermäßige Kleidung verplempert (Stichwort: Jamie Summers und Michelle Bauer). Und dann haben wir noch den Soundtrack, eine wummernde “Judas Priest”-kompatible Affäre, Courtesy of “Surgical Steel”. Einer der interessanteren Slasher des Jahre 1987.


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58. Ein Dorftrottel in BLOOD LAKE (1987)

Sechs Freunde veranstalten eine Party, aber ein blutrünstiger Irrer macht die Gegend unsicher, und … okay, wir haben bis Datum ja viel Dreck, billig und abgeschmackt, gesehen, aber bei Blood Lake schlägt’s aus. Wer immer „Regisseur“ Tim Boggs einen Camcorder geschenkt hat (und wir nehmen schwer an, dass es die Eltern waren) gehört in einer Jauchegrube versenkt. Und das allerschlimmste: irgendwie hat es dieser Schmarn auf Video in den Verleih geschafft (auch hier möchte man Arme, Beine, Köpfe und andere Glieder abhacken). Ich persönlich bin nur einmal über den Streifen gestolpert, als eine Kopie durch eine Videothek im Bostoner Chinatown in Richtung des Videothekars flog und es dann zu einem Handgemenge zwischen Mitarbeiter und Kunden kam, der seine drei Dollar wiederhaben wollte. Was soll ich noch groß erzählen? Ich konnte einfach nicht widerstehen!


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“’Nuff said!“


2006 wurde ein weiterer Slasher namens Blood Lake gedreht: Sechs Freunde machen an irgendeinem See Urlaub und finden ein altes Buch, das von Preacher Jacob (Dan Holmes) berichtet, der in 1896 seine Kongregation zum Massenselbstmord überredet hat, damit diese als Rasse Supermenschen wieder auferstehen würden. Während der Rest der Gruppe Sex hat, ließt Max (Dick Chibbles) eine Zauberformel aus dem Buch, der den Geist des mörderischen Priesters wiederbelebt. Nun muss einer nach dem Anderen der Urlauber ins Gras beißen.

India Summer, Bobby Banger, Johnny Depth, wir ahnen es bereits, bei Blood Lake (Regie: C.L Gregory) handelt es sich um einen Pornofilm, der sich als Slasher ausgibt. Musste ja irgendwann kommen. Aber zumindest hatte hier der Killer einen Namen, eine Hintergrundgeschichte, zumindest war es ein „richtiger“ Film und selbst die Nutten spielten überzeugender als im 1987er Namensvettern.


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Blood Lake (1987): 5
Blood Lake (2006): 6


59. Inspektor Santini in TERROR IN DER OPER

Eigentlich ist Betty (Christina Marsillach) nur die zweite Besetzung für die Lady MacBeth in Verdis Oper, hat aber scheinbar Glück als die Diva von einem Auto angefahren wird. Ihr Auftritt wird ein voller Erfolg, aber Betty hat einen psychopathischen Fan, der das Geträller etwas zu Ernst nimmt und die Leute in Bettys Umfeld bestialisch abschlachtet. Der maskierte Mordbube zwingt Betty, seine Schandtaten mit anzusehen indem er ihr Nadeln unter die Augenlider klebt. Alles scheint mit Bettys Kindheit, ihrer perversen Mutter zu tun zu haben und Inspektor Santini (Urbano Barberini) versucht Betty zu helfen. Aber der unbeholfene Polizist scheint selbst ein düsteres Geheimnis zu haben.


Es gab eine Zeit, da war Dario Argento noch ein ernstzunehmender Regisseur. Terror in der Oper (Originaltitel: Opera, Alternativtitel: Im Zeichen des Raben) hat sich, wie es bei Argento oft der Fall war, geschickt zwischen Slasher und Giallo angesiedelt. Was die Slasher-Elemente angeht, so geht es in Opera recht deftig zu. Viel zu deftig für die FSK, die sich diesmal selbst übertraf und fette 25 Minuten schnitt. Natürlich war von dieser Fassung nichts mehr viel übrig, das es wert gewesen wäre anzusehen und die Zuschauer rieben sich verwundert die Augen. Der FSK war das aber Wurscht.


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Währe Terror in der Oper Argentos letzter Film gewesen,
die Filmwelt hätte nichts von Wert verloren.


Abgesehen von den exzellenten Schockeffekten und die Argento übliche abenteuerlichen Kamerafahrten, spielt der Soundtrack eine wesentliche Rolle: Argento (beziehungsweise Claudio Simonetti) mischen Opernmusik, Elektrosounds und Heavy Metal meisterlich, was dem ganzen eine traumgleicher Atmosphäre verleiht. Man kann vom Schwangesang des Italieners reden, denn nach 1987 und Opera ging es mit Argentos Karriere steil bergab. Der Regisseur produzierte eigentlich nur noch Mist, wofür Filme wie Sleepless, Phantom der Oper und Dracula als Beweis reichen dürften. Was genau dem „Werner Herzog des Horrorfilms“ sein Talent gekostet hat, ist nicht bekannt. Es könnten Folgeschäden der Syphilis gewesen sein, aber das ist nur eine persönliche Theorie.


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60. Irving Wallace in AQUARIUS – THEATER DES TODES

Eine Truppe Amateurschauspieler proben für ein Musical, das vom Serienmörder „Die Eule“ handelt. Bei einem Unfall verletzt sich Hauptdarstellerin Alicia (Barbara Cupisti) den Knöchel und macht sich mit der Garderobiere Betty (Ulrike Schwerk) auf den Weg ins nächste Krankenhaus. Leider ist das nächste Krankenhaus eine psychiatrische Anstalt. Dort lebt der Massenmörder Irving Wallace (Clain Parker), ein ehemaliger Schauspieler, der duzende von Menschen umgebracht hat. Es gelingt Wallace zu fliehen und sich in Bettys Auto zu verstecken. Betty und Alicia fahren zurück zum Theater, wo Wallace unter die Maske der „Eule“ schlüpft und alsbald seinem blutigen Handwerk nachgeht.


Im selben Jahr wie Terror in der Oper drehte Argentos Meisterschüler Michele Soavi sein Erstlingswerk Aquarius – Theater des Todes (Originaltitel: Deliria, Alternativtitel: Stage Fright). Joe D’Amato produzierte und langjähriger D’Amato-Mitstreiter George Eastman schrieb das Drehbuch. Unter den Schauspielern finden wir die üblichen Verdächtigen, wie zum Beispiel David Brandon (Caligula II) und Giovanni Lombardo Raddice (Cannibal Ferox – Die Rache der Kannibalen). Was Horrorfilme angeht, sind wir also in den besten Händen. Clain Parker sollte in seiner zweiten und letzten Rolle wieder einen Irving Wallace spielen, diesmal aber nur in einen Nebenrolle in Joe D’Amatos Softcore-Erotikfilm Elf Tage und elf Nächte.


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Italo-Slasher die Zweite, diesmal nicht in der Oper
sondern einem Laientheater.


Wie der erstgenannte Film, wurde die Videofassung von der FSK arg verstümmelt (wenn man vom herausschneiden sämtlicher Gewaltszenen noch von „arg“ sprechen kann). Die DVD-Fassung war dann endlich ungeschnitten, ist in Deutschland allerdings indiziert. An die Qualität von Terror in der Oper kommt Aquarius – Theater des Todes nicht ganz heran, man merkt Soavi an, dass er bei seinem Erstlingswerk noch etwas unsicher an die Regie herangeht. Trotzdem ist der Film atmosphärisch dicht, die Schockeffekte wohl platziert und Aquarius – Theater des Todes bleibt einer der besseren Italo-Slasher der 80er Jahren.


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61. Terry Simmons in BLOOD RAGE

Terry und Todd Simmons (Mark Soper in einer Doppelrolle) sind eineiige Zwillinge. Beide sind blonde Wonneproppen und allgemein beliebt. Es gibt nur einen Unterschied: Terry ist ein mordlustiger Psychopath. Als er in einem Autokino einen Jungen abschlachtet, wird irrtümlicherweise Todd für das Verbrechen verurteilt und in ein Irrenhaus gesteckt. Jahre später gelingt es Todd am Thanksgiving-Day aus der Anstalt zu fliehen, was Terry aber gar nicht passt. Er macht sich auf zu einer grausamen Mordserie, in der Hoffnung, dass man Todd wieder dafür verantwortlichen macht.

Obwohl man den Special Effects anmerkt, dass hier kein Tom Savini am Werk war, sind diese nett anzusehen, nicht allzu übertrieben, haben aber doch eine gesunde Portion abgeschlagener Köpfe und Innereien. Dazu kommen ein paar blanke Frauenbrüste; auch hier ist alles im grünen Bereich.


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Slasher-Film mit Doppelgänger Variation.


John Grissmer drehte Blood Rage bereits 1983, fand aber keinen Verleih und so dauerte es satte vier Jahre dass der Film den Weg in die VHS-Maschinen der Gorebauern fand. Zu diesem Datum war der Horrorfilmmarkt bereits mit Slashern verseucht und wäre der Film ein wenig früher erschienen, er wäre in der Schwemme Gleichgearteter Produkte nicht sang- und klanglos untergegangen. Auch war der Titel unglücklich gewählt: 1979 gab es bereits einen gleichnamigen Film – Bloodrage AKA Never Pick Up a Stranger – auch dieser ein Slasher, bei dem Joseph Zito (The Prowler – Forke des Todes) Regie führte und der als vergriffen gilt. Für die Originalkassetten muss man also sehr tief in die Taschen greifen. Kleiner Gastauftritt am Rande: Der Nerd mit dem Nasenfahrrad, der im Autokino Kondome an die Jugendliche verkauft, ist niemals geringeres als Ted Raimi, Sams jüngerer Bruder.


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62. Der Lake Front Butcher in 555

Der „Lake Front“-Schlächter macht die Strände von Massachusetts unsicher. Sein Modus-Operandi ist immer der gleiche: Der als Hippie verkleidete Killer sucht sich turtelnde Pärchen, enthauptet den männlichen Part mit einer Machete, tötet das Weibchen mit einem Messer und vergeht sich dann an ihren Leiche. Die Polizisten Connor (Greg Kerouac) und Haller (B.K Smith) haben zunächst einen gestörten Vietnam-Veteranen im Visier, doch dann scheint es, als ob der Übeltäter viel näher liegt, als den Beamten lieb sein kann.

Man muss es dem Regisseur mit dem melodischen Namen Wally Koz Zugute halten, dass er seinen Film 1988 drehte und daher vom Internet noch nichts wusste. Ansonsten hätte er sich für einen anderen Titel als 555, der den Film praktisch unfindbar macht.


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Alleine die Farbkombination Urin-Gelb und Schwuchtel-Rosa
hätten einen Oskar verdient.


Die Geister der Kritiker blieben zu 555 geschieden: Die einen lobten den Enthusiasmus des Independentprojektes (dass Koz praktisch aus eigener Tasche, beziehungsweise aus den Taschen seiner Eltern und Freunde finanzierte; das Drehbuch schrieb sein Bruder Roy). Andere hatten die Laiendarsteller und ein lahmes Ende zu bemäkeln. Zumindest nahm Koz die Armut mit einer gesunden Portion Selbstironie: Im Abspann dankt man Mama Koz für das Catering.

Sicher, Koz war kein Peter Jackson (was erklärt, dass 555 sein erster und letzter Film bleiben sollte), aber ganz kann man dem Film seinen naiven Charme und gutgläubige Herangehensweise nicht absprechen. Es wurde schon Schlechteres mit einem weit größeren Budget gedreht (wobei wir wieder beim Thema der Badmovies-Lieblinge Lieblinge Andreas Bethmann und Oliver Krekel angekommen wären).


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63. Ed, der Zimmermann in THE CARPENTER

Nachdem sie von einem Nervenzusammenbruch genesen ist, zieht Alice (Lynne Adams) und ihr Ehemann Martin (Pierre Lenoir), einem Professor an einer Uni, aufs Land und heuern einen Trupp Bauarbeiter an, um ihr neues Heim zu renovieren. Wie es halt bei Bauarbeitern Sitte ist, ist es eine Band von rüden, chauvinistischen Proleten. Mit einer Ausnahme: Der Zimmermann Ed (Wings Hauser), der einen Kollegen davon abhält, Alice zu vergewaltigen indem er ihm einen Arm mit seiner Kreissäge abschneidet. Alice findet heraus, dass Ed der Geist des Erbauers ihres Hauses ist, der ein paar Geldeintreiber abgemurkst hat und auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet wurde. Trotz seiner mörderischen Hintergrundgeschichte, fühlt sich Alice zu Ed hingezogen. Als Alice herausfindet, dass Martin eine Affäre mit einer Studentin hat (die noch dazu von ihm schwanger ist), hilft ihr Ed bei der Beseitigung des untreuen Ehemanns und seiner Konkubine. Nur, als Ed sich auch noch gegen Alices Schwester Rachel (Barbara Jones) wendet, ist für Alice Schluss mit Lustig.


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Ed, einer der sympathischsten Serienmörder in dieser Liste.


The Carpenter ist wieder ein kanadischer Slasher, 1988 von David Wellington produziert und, inklusive der Liebesgeschichte, einer der ungewöhnlicheren Vertreter des Genres. Für einen „echten“ Slasher ist der Film recht harmlos und wird durch das intensive Spiel Hausers getragen, der Ed zwar als sympathischen aber doch offensichtlich psychotischen Charakter spielt. Das Ende hingegen schwächt doch sehr ab, ist vorhersehbar und mindert die Qualität des Ganzen recht erheblich. The Carpenter hätte das Zeug zu einer überdurchschnittliche Slasher / Horrorkomödie gehabt, aber als geradliniger Slasher mit einer Brise Geistergeschichte ist der Film doch etwas „durchwachsen“.


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64. Ein Cheerleader in BLOODY POM POMS

Cheerleader Alison (Betsy Russell) und ihre Freundinnen sind auf den Weg ins „Camp Hurrah“, um am nationalen Cheerleader Wettbewerb teilzunehmen. Dort wird mit harten Bandagen gekämpft. Jeder möchte den Wettbewerb gewinnen, koste es was es wolle und der Cheerleader ist dem Cheerleader Wolf. Aber nicht nur dass die Mädchen sich gegenseitig am liebsten die Augen auskratzen würden, zu allem Unglück kommt noch hinzu, dass ein Serienmörder sein Unwesen treibt und die Pom Pom schwingenden Dirndl dezimiert. Nur wer ist der unheimliche Schlitzer? Da Alison von blutigen Träumen und brutalen Gewaltphantasien geplagt wird, kommt ihr bald ein dunkler Verdacht.


Bloody Pom Poms (Originaltitel: Cheerleader Camp, Alternativtitel: Blutiges Feriencamp) ist wieder einer der Slasher der jedes einzelne Genre-Klischee bestätigt, routiniert abhackt und der mit dem End-Twist in etwa so clever ist, wie ein Hund der glaubt, das Herrchen habe nicht gemerkt dass er wieder aus der Toilette gesoffen hat. Dazu kommen ein paar ganz nette Nackedeiszenen, die auch ganz gut in einen Russ Meyer Film gepasst hätten. Man merkt zu jedem Moment, dass Regisseur John Quinn aus der Softporn-Erotikfilmbranche stammt. Der Screwballs-kompatibler College-Humor rundet das ganze ab, kurzum: es ist ein Film der praktisch nach dem Jahr stinkt, in dem er produziert wurde (namentlich 1988).


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Unter den traurigen Furries befindet sich (mal wieder) ein Serienmörder.


Hauptdarstellerin Russell kennt vielleicht noch der eine oder andere aus dem Nutten-Thriller Angel kehrt zurück; wir werden sie ein paar Jahre später als Jigsaws Weib in der Saw–Serie wieder sehen. Und auch Alisons Nebenbuhlerin Pamela, gespielt von Teri Weigel hatte diverse „Durchbrüche“ in der Filmwelt: Masturbation Nation 5, American Bukkake 7 oder MILF Legends sind hier nur drei zu nennende Filme in denen sie ihr Talent zur Schau stellen durfte.


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65. Chucky in DIE MÖRDERPUPPE

Der Serienmörder Charles Lee Ray (Brad Dourif) ist auf der Flucht vor seiner Nemesis, dem Polizisten Mike Norris (Chris Sarandon). In die Enge gedrängt und tödlich verletzt, transferiert der schwarzmagischkundige Ray seine Seele in das nächst beste Objekt: Eine elektronische Puppe namens Chucky. Diese wird von der allein erziehenden Mutter Karen (Catherine Hicks) erstanden und an ihren Sohnemann Andy (Alex Vincent) verschenkt. Chucky merkt schnell, dass das Puppendasein seine Vorteile hat (zum Beispiel bei der Beseitigung seiner Gegner). Aber auf Ewig will Rays Geist nicht in dem Kinderspielzeug verweilen und gibt sich als Andys bester Kumpel aus – mit Hintergedanken, natürlich.


Die Mörderpuppe (Originaltitel: Child’s Play, Regie: Tom Holland) war beileibe nicht die erste Mörderpuppe der Filmgeschichte – es gibt von denen genügend, um ein eigenes Subgenre zu rechtfertigen. Aber, Die Mörderpuppe war was bei weitem die Erfolgreichste, was zu einem an der exzellenten Tricktechnik, zum zweiten an der gelungenen Mischung aus rabenschwarzen Humor und Splatter und zum dritten an Brad Dourifs, der in der Originalfassung Chucky seine Stimme gibt. Die Natur hat Dourif nicht nur mit einem eiskalten Laserblick ausgestattet, sondern auch mit einem bösartigen Sprachorgan, das einem den kalten Schauer über den Rücken schickt. Er mag in der Realität ein furchtbar netter Kerl sein; solltet ihr ihm dennoch über den Weg laufen, empfehle ich, ihn mit einem Knüppel zu erschlagen und dann auf „Selbstverteidigung“ zu plädieren.


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Der Fidel Castro unter den Mörderpuppen: Chucky.


Kontrovers wurde es, als Elterngruppen 1993 versuchten, die Schuld für die Morde an dem dreijährigen James Bulger und Suzanne Capper (ein Jahr davor) auf die Filmreihe abwälzen wollte. Regisseur Holland hatte dazu (korrekterweise) zu sagen, dass Horrorfilme nur solche Geister beeinflussen können, die von vorhinein schon gestört sind. (Und, in dem Sinne, gibt es populäre Novellen, die eine viel größere Fülle von Gewalt, Gore und Aufrufe zu menschenverachtenden Schweinereien haben; zu nennen seien hier nur die Bibeln und Korane).

1988 war Die Mörderpuppe an den Kinokassen nur Durchschnitt, wurde aber im Verleih ein Hit und die MGM/UA Bosse sollten sich später noch in den Bürzel beißen, dass sie den Titel 1990 an die Universal Studios verkauften. Die fackelten nicht lange und produzierten die Fortsetzung Chucky 2 – Die Mörderpuppe ist zurück (Originaltitel: Child’s Play 2, Regie: John Lafia), der international knappe $30 Millionen einspielte. Da ließ Chuckie 3 (Originaltitel: Child’s Play 3, Regie: Jack Bender) nicht lange auf sich warten. Diesmal treibt Chucky in einer Militärakademie sein Unwesen und obwohl der Film düsterer als die ersten beiden Teile war, zählt er für die Chucky-Fans als schwächster Film der Serie. Zudem kam es zu oben genannten Kontroverse und erst 1998 sollte der nächste Teil, Chucky und seine Braut (Originaltitel: Bride of Chucky) auf die Leinwand kommen, war aber weniger Horrorfilm und mehr Parodie. Wie schon bei Freddy Vs Jason, war Regisseur Ronny Yu Schuld. Dasselbe kann man von Chuckys Baby (Originaltitel: Seed of Chucky, Regie: Don Manchini) aus dem Jahr 2004 sagen. Der sechste Teil Curse of Chucky war ursprünglich als Reboot geplant, wurde aber dann doch als direkte Fortsetzung gedreht. Manchini und Produzent David Kirschner drehten die Serie mit dem Film wieder zurück zu den dunklen Wurzeln und, die Fans werden es ihm danken, kommt darin keine Tiffany vor.

Es ist nun einmal wissenschaftlich bewiesen, dass Puppen – genau wie Clowns, Ponys und rothaarige Kinder – ein Ding des Teufels sind. Wenn ihr also zu den lustigen Menschenschlag gehört, der die Barbies eurer kleinen Schwester geköpft und in Brand gesteckt hat, grämt euch nicht und sagt euch immer: es war nur der Beschützerinstinkt. Was wissen schon die Psychologen, elende Schwätzer? Und nun entschuldigt mich: im Keller jammert schon wieder… hmm, die Katze. Genau, nur die Katze …!


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(Teil 1: 5)
(Teil 2: 7)
(Teil 3: 7)
(Teil 4: 10)
(Teil 5: 11)
(Teil 6: 10)


66. Irgendein Typ im Skianzug in ICED – DER TOD AUF SKIERN

Und dann war da noch ein Slasher, in dem ein Killer auf Skiern daher kommt. Die Geschichte, fragt ihr? Ach ja, die Geschichte also:

Ein paar Freunde – Ärsche, Einer schlimmer als der Nächste – treffen sich zu einem Skiurlaub und leisten sich ein Rennen, bei dem sich entscheiden soll, wer das Mädchen bekommt. Bei dem Rennen, wie es oft so ist wenn man im stockdunklen Ski fährt, geht einer (scheinbar) drauf. Jahre später wird die Clique vom großen Unbekannten zu einem Skiurlaub eingeladen, wo ein Meuchelmörder im blauen Skianzug und kaputten Sonnebrillen auf sie wartet und einen nach dem anderen massakriert. Leider dauert das bis zur zweiten Hälfte des Films und bis dahin müssen wir das Geschwätz der Ärsche und den blondierten Idioten ertragen.


Jeff Kwitny drehte Iced – Der Tod auf Skiern (Alternativtitel: Blizzard of Blood) und an einer Lungenentzündung möge er verrecken. Das Schwein hatte den Nerv, ein Jahr nach Iced einen praktisch unsehbaren Horrorbilligstreifen namens Amok Train – Fahrt ins Nichts zu drehen, und als eine Fortsetzung zu Mario Bavas 1977er Schock (Originaltitel: Beyond the Door II) auszugeben. Alleine hierfür hätte er es verdient, dass man ihn in Unterhosen und ohne Wollsocken ins ewige Eis jagt.


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Fügt dem Farbspektrum des Slasherfilms eine neue Facette hinzu:
Arschloch-Blau.


Lassen wir die „Schauspielerin“ Lisa Loring sprechen, die in Iced die Jeanette spielt, den Grossteil des Films in der Badewanne verbringt und ihre Brüste wäscht, und wäscht und wäscht: „Ich würde nie einen Schlock-Film drehen, aber ich würde liebend gerne in einem Film von Quentin Tarantino spielen“. Tja, Lisa, wir nehmen an, dass Viele das tun würden. Mein schwachsinniger Zwillingsbruder, der würde auch gerne in einem Quentin Tarantino Film spielen. Hand aufs Herz: Doc, G, Gregor, und ihr, liebe Leser, auch Lust auf ein bisschen in einem Quentin Tarantino Film spielen?


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67. Maniac Cop in MANIAC COP

Ein verunstalteter Polizist schleicht durch New York City aber anders als die „guten“ Polizisten, die die Bevölkerung vor Kiffern, Hippies und Zigeunern schützen, bringt dieser „Maniac Cop“ (Robert Z’Dar) nur kreuzbrave Bürger um. Der junge Polizist Jack Forrest (Bruce Champbell) findet sich plötzlich als Hauptverdächtiger und muss nun mit Hilfe seiner Freundin Theresa (Laurene Landon) und dem Polizeiveteranen McCrae (Tom Atkins) den meuchelnden Maniac Cop ausfindig machen, um seine Unschuld zu beweisen.


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“To serve and to slash“: Der Maniac-Cop.


Maniac Cop ist weitaus zahmer als William Lustigs 1980er Meisterwerk Maniac, kommt mit weit weniger Gore aus und geht mehr in Richtung Troma-Trash / Action / „Who Dunnit“-Thriller. Außerdem: Atkins / Champbell, und noch dazu Richard Shaft Roundtree und William Smith (Arnies Papa in Conan der Barbar), da kann man nicht viel falsch machen. Der Film war bei weitem kein Überflieger, hat aber eine treue Anhängerschar und dadurch auf zwei Fortsetzungen gebracht – Maniac Cop 2 in 1990 und 1992 Maniac Cop 3: Badge of Silence. Von denen kam aber keiner an den Charme des Erstlings heran, was daran gelegen sein mag, dass Lustig immer frustrierter von der Richtung wurde, die die Serie einschlug und sogar dass Set von Maniac Cop 3: Badge of Silence im Protest verließ. Fazit: Kann man sich ansehen, wenn man ein Trash- und/oder Slasher-Fan ist und Polizisten nicht leiden kann (und wer kann schon Polizisten leiden?).



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(Teil 1: 18)
(Teil 2: 33)
(Teil 3: 21)


68. John Radley in OFFERINGS

John Radley (Richard A. Buswell) hatte keine besonders schöne Kindheit: Der Vater starb früh, die Mutter ist ein echtes Miststück, von den Nachbarskindern gibt’s auch mehr Prügel als Zuneigung und seine Haustiere verrecken ihm buchstäblich unter den Händen. Nur Gretchen aus der Nachbarschaft (Loretta Leigh Bowman) hat ein Herz für den Einzelgänger. Durch einen bösartigen Streich, landet John zuerst am Boden eines Brunnen und danach, halb-komatös, in einer Nervenheilanstalt. Nach Jahren des Dahinvegetierens erwacht John, furchtbar entstellt aber durch den erlittenen Hirnschadens auch komplett schmerzunempfindlich. Er bricht aus dem Irrenhaus aus und nimmt blutige Rache an seinen Peinigern, deren Überbleibsel er Gretchen zum Geschenk macht.


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Serienmörder mit kaputten Hirn und
verunstalteter Fresse (aber mit Herz).


Es dürfte klar sein, dass Offerings (Regie: Christopher Reynolds) sich sehr eng an John Carpenters originalen Halloween hält. Von der Machart bis zur Musik könnte man fast schon von einem Rip-Off reden. Andererseits hat Michael Myers gewöhnlich nicht die Angewohnheit, Pizza mit Menschenblutwurst an die Nachbarskinder zu verteilen. Hier also schon mal ein Pluspunkt. Gibt weit schlechtere Slasher (lasst mich zum Lied anstimmen), kann man sich durchaus ansehen, wenn man mal kein Bock auf das X-te mal Halloween–gucken hat.


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69. Billy in PHANTOM BROTHER

In irgendeinem Haus in der Pampa haust eine schrecklich nette Familie: Der Bruder ist ein maskierter Killer, die Schwester kichert wie ein Kretin und die fette Mutter scheint an epileptischen Anfällen zu leiden. Alle sind bei einem Autounfall gestorben und mausetot, bis auf ein einziges lebendiges Familienmitglied, der die Leichenteile der Opfer des geisterhaften Clans beseitigen muss. Dazu kommt noch die asoziale Adoptivfamilien des Überlebenden und eine Filmcrew, die in dem Haus den Blockbuster „Vampires on Valium on Valentinesday“ drehen will.


Phantom Brother (Regie: William Szarka) ist kein ernstzunehmender Slasher, geht mehr in Richtung Slasher-Satire. Man merkt es ihm zu jeden Moment, dass der Film mit einem Rotgeldbudget gedreht wurde. Kann man als Billigprodukt abtun, aber dass sich der Streifen keineswegs selbst Ernst nimmt, sollte man ihm anrechnen. Nach einem halben Kasten Bier oder einer handvoll Tollkirschen durchaus zu ertragen.


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“Halt still, sonst verschwenden wir das teure Kunstblut!“


Lassen wir auch hier einen Beteiligten zu Wort kommen, der auf IMDB seine Sentenz mit, “es war nicht meine Schuld” beginnt. Besagter Mensch, der sich als Kameraassistent identifiziert, erzählt die übliche Geschichten: Vom Traum vom schnellen Geld, eine Kumpel mit einer Betakamera, Flittchen die kein Problem mit strippen hatte und vom Haus seiner Grosseltern, wo der Film gedreht wurde. Außerdem von einem weiteren Kumpel, der des Buchstabierens mächtig war und das Skript schrieb. Außerdem, dass er zu jener Zeit mit $75 Profit vom Set gegangen sei und heute mit Werbefilmen sein Brot verdient.

Ein anderer Rezensent wiederum jammert um seine zwei Dollar Verleihgeld und fürchtet das böse Karma, dass das Zeitverschwenden angeblich mit sich bringt. Kurz: Geschichten die das Leben schrieb.


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70. Ein Arschloch in HEAVY METAL MASSACRE

Ein Irrer macht die Strassen von L.A unsicher, sucht sich seine Opfer unter den hirntoten Blondinen, die einen Heavy Metal Club bevölkern und bearbeitet die mit Kettensäge und Vorschlaghammer.

Glaubt einem lebenslangen Heavy Metal Headbanger, Metalhead und professionellen Kopfschüttler: Heavy Metal Massacre ist Scheiße. Regie führte David DeFalco, der den Film produzierte, den Soundtrack komponierte und die Hauptrolle (unter dem Synonym Bobbi Young) spielte – und, wenn mich mein Instinkt nicht trügt, hat er sich einen Seil an den großen Zeh gebunden und die Kamera damit bedient. Dies würde erklären, warum DeFalcos unendlich weibische Fresse für 90 Prozent im Zentrum des Films ist.


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Hätte sich „Bobbi Young“ nur auf das Teil gesetzt, angeschmissen
und wäre darauf zum Teufel geritten.


2005 drehte DeFalco Chaos, den er gerne als Das letzte Haus links–Remake sehen würde, bei deren Premiere DeFalco durch das Kino rannte wie ein Schwachkopf (also das, was er zweifellos ist) und schrie, er sei ein „Dämon“ und „der König der Gewalt“. Als sich Roger Ebert herabließ, dem Film keine Punkte zu geben, schrieb DeFalco einen einseitigen Brief an Ebert und lies diesen in der „Chicago Sun-Times“ drucken. Was genau die Aktion bezwecken sollte ist unbekannt – außer vielleicht dass DeFalco für eine komplette Seite der „Chicago Sun-Times“ zahlen wollte.

Auch eine Seltenheit, dass ein dermaßen schlechter Film wie Heavy Metal Massacre eine einzige, einsame Review auf IMDB hat und die Wiedererwartung NICHT von DeFalco stammt, sondern von einem der zugab, knappe fünf Minuten des „Films“ verdaut zu haben. Heavy Metal Massacre ist kein Film sondern eine Krankheit!


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71. Dr. Kessler in HARDCOVER

Eigentlich wäre Virginia (Jenny Wright) ja gerne Schauspielerin, aber da die Latte ziemlich hoch liegt und die Angebote nicht anrollen wollen, vertreibt sie sich die Zeit in einem Buchladen schmökert Horrorschinken. Besonders die Werke des Autors Malcolm Brand haben es ihr angetan. Als sie aber in das Werk „I, Madman“ vertieft ist, manifestiert sich der fiktive Seriemörder Dr. Kessler (Randall William Cook) in der Realität und beginnt Virginia zu terrorisieren. Immer mehr Menschen in Virginias Umfeld müssen sterben, da der Doktor deren Haut benötigt, um sein eigenes verunstaltetes Gesicht wieder zusammenzunähen.

Sicherlich, Hardcover (Originaltitel: I, Madman, Regie: Tibor Takács) ist kein großes Kunstwerk, aber nach dem x-ten Routine-Slasher doch erfrischend. Zum einen sind die Effekt schön anzusehen (besonders in den heutigen, vom CGI-vergifteten Zeiten), zum anderen erinnert die übernatürliche Storyline ein wenig an die A Nightmare on Elm Street- oder The Gate-Filme. Der Vergleich kommt nicht von Irgendwo, denn Regisseur Tibor Takacs drehte beide The Gate–Teile; Schade um den Mann, der heutzutage nur noch ziemlich belanglose Tier-Horrorfilme dreht.


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Ein Slasher wie er buchstäblich im Buche steht.


Die bildhübsche Jenny Wright wird der eine oder andere noch aus Filmen wie Near Dark oder Der Rasenmähermann kennen. Auch hier Schade dass sich Wright Ende der 90er Jahre vom Filmgeschäft zurückgezogen hat, aber gut: wir werden alle nicht jünger. Dr. Kessler Darsteller Cook hingegen ist bis heute noch fest im Geschäft; nicht als Schauspieler sondern als Visual Effects Experte und hat, unter anderem, an Filmen wie Das Ding aus einer anderen Welt, Ghostbusters und der Herr der Ringe–Trilogie mitgearbeitet.


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72. Dippo, Bippo und Cheezo in CLOWNHOUSE

Casey (Nathan Forrest Winters) ist ein stinknormaler Junge wie du und ich – mit einem Unterschied: Er hat höllische Angst vor Clowns, was man in der Psychologie auch „Coulrophobie“ nennt und was im zum Spott seiner Brüder Randy (Sam Rockwell) und Geoffrey (Brian McHugh) macht. Eines Nachts, die Eltern sind außer Haus, entschließen sich die Drei, auszubüxen und den Zirkus, der gerade in der Stadt ist, zu besuchen. Im Zirkus teilt eine Wahrsagerin (Gloria Belsky) Casey mit, dass er sehr jung sterben werde, aber das ist nicht der letzte Schrecken des Abends: Drei Wahnsinnige sind aus der nachbarschaftlichen Irrenanstalt ausgebrochen, töten im Zirkus drei Clowns um an deren Kostüme zu kommen und machen sich auf den Weg zu Caseys Haus, um die drei Buben zu terrorisieren.


In der Tat war Clownhouse so etwas wie das letzte Aufbäumen des sterbenden Slasher Genres, der eigentlich (filmisch) alles Richtig machte. Hart, aber nicht zu hart, gesalzen mit einer Brise Goonies und The Lost Boys, zwischen Geisterbahnfahrt und der Furcht der amerikanischen Psyche vor Killer-Clowns, die wohl noch aus der Zeit des berüchtigten Serienmörders John Wayne Gacy stammt. Anders als bei anderen Slashern gab es so gut wie keine nackte Mädchenhaut, dafür aber viele, viele Einstellung von halbnackten, minderjährigen Knaben, was im Nachhinein und in Betracht der folgenden Kontroversen dann doch etwas schwer im Magen liegt.


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Der Albtraum aller pubertierenden Jungs:
Killer-Clowns und „kinderliebe“ Regisseure.


Clownhouse wurde 1989 im Independent-Film “Sundance Festival” in der Kategorie Drama nominiert, ist also einer der wenigen Slasher der für irgendwas nominiert wurde. Das freudige Ereignis wurde davon überschattet, dass Schauspieler Winters den Regisseur Viktor Salva vor Gericht zog und ihn des sexuellen Missbrauchs anklagte. Der Regisseur hatte wenig zu seiner Verteidigung beizutragen, schließlich hatte der die Schweinerei mit dem Minderjährigen selbst gefilmt. Salva wurde er zu drei Jahren verknackt, von denen der „Musterhäftling“ 15 Monate absaß. Nach seiner Entlassung griff ihm sein Busenfreund Francis Ford Coppola unter die Arme und verschaffte ihn einen Job als Regisseur beim 1996er Disney Streifen Powder – sehr zum Missfallen von Winters und diversen Elternorganisationen, die eine gewisse Diskrepanz zwischen einem Disney-Produkt und einem Kinderfiedler sahen. 2001 hatte Salva mit dem Horrorfilm Jeepers Creepers sogar einen kleinen Hit und produzierte bis Datum drei Fortsetzungen. Für Winters hingegen war die Karriere nach Clownhouse zu Ende. Anders lief es für Sam Rockwell: Clownhouse war nur der Anfang seiner Karriere, die ihn später zu Rollen in Filmen wie Drei Engel für Charlie, The Green Mile und Iron Man 2 führen sollte.


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73. Horace Pinker in SHOCKER

Der humpelnde Seriemörder Horace Pinker (Mitch Pileggi) macht, getarnt als Fernsehmechaniker, die Vororte von Los Angeles unsicher. Bevor der Polizist Don Parker (Michael Murphy) den Wahnsinnigen dingfest machen kann, schafft es Pinker noch, Parkers Familie auszulöschen. Nur Parkers Ziehsohn Jonathan (Peter Berg) überlebt und hat eine seltsame psychische Verbindung mit dem Mörder, die zu Pinkers Festnahme und Hinrichtung auf dem Elektrischen Stuhl führt. Die staatlich verordnete Stromkur führt aber mitnichten zu Pinkers Tod, sondern dazu, dass der Killer zu purer Elektrizität wird. Als elektrische Entladung springt Pinker nun von Gastkörper zu Gastkörper und will Rache an Parker und Jonathan nehmen.


1989 wollte es Regisseur Wes Craven noch einmal wissen und da er die Kontrolle über die (inzwischen Kinderkompatiblen) Freddy-Franchise verloren hatte, musste ein neuer, übernatürlicher Serienmörder her. Dieser sollte Horace Pinker sein und der Film Shocker heißen. Craven rührte heftig die Werbetrommel, prophezeite dass Horace Pinker Freddy alt aussehen lassen würde, aber Pileggis Alopezie konnte mit Freddys verbrannter Visage einfach nicht mithalten. Der Film, obwohl ein anständiger Craven-Slasher, wurde ein relativer Flop und gilt heute nur mehr als Fußnote eines verendeten Genres.


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“Ha! Stümper! Mulder und Scully hätten den Fall in unter 40 Minuten gelöst!“


Zum zukünftigen „Skinner“, Chef der Akte X–Mannschaft Mitch Pileggis Verteidigung muss gesagt werden: Er kann den bösen Buben recht überzeugend spielen und hat sichtlich Spaß an der Geschichte (außerdem sollten wir nicht vergessen dass die Sau den Knight Rider–Devon auf dem Gewissen hat).

Zum Soundtrack: Für Heavy Rock & Metal Fans ein echtes Schmankerl. Ursprünglich sollte Alice Cooper die Musik komponieren (der Alternativtitel No More Mr. Nice Guy ist der Titel eines Cooper Songs), wurde aber doch von „Megadeth“ Chefjammerlappen Dave Mustaine eingeträllert. Des weiteren Songs von Iggy Pop, „Dangerous Toys“ und sogar die Ingolstädter „Bonfire“ (hier ein Gruß an Claus Lessmann: Wenn du je wieder meine Pressemappe verschmierst, brech ich dir die Finger!). Unter dem Deckmäntelchen „Dudes of Wrath“ verstecken sich übrigens niemand geringerer als KISS-Sänger Paul Stanley, Desmond Child und diverse Mitglieder von „Whitesnake“, „Def Leppard“ und „Mötley Crüe“. Und, um erneut die Alice Cooper Connection herzustellen: Beim muskelbepackten Straßenarbeiter, dessen Körper Horace übernimmt, handelt es sich um den damaligen Cooper-Gitarristen Kane Roberts.


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74. Brooke Storm in HELL HIGH

Brooke Storm (Maureen Mooney) hat ein schreckliches Geheimnis: Als Kind war sie für den Tod zweier Teenager verantwortlich. Nun hat Brooke dies aber verdrängt und arbeitet, 18 Jahre später, als Biologielehrerin. Ihre Klasse hat sie aber nur bedingt im Griff. Besonders der Schulrowdy Dickens (Christopher Stryker) ist ihr Sorgenkind, und als sie ihm aus Frustration eine Ohrfeige verpasst, sinnt Dickens auf Rache. Mit seiner Clique und dem Ex-Footballer Jon-Jon (Christopher Cousins) macht sich Dickie auf den Weg zum einsam gelegenen Haus der Lehrerin und will Ms. Storm einen Streich spielen. Der Streich geht aber zu weit und Ms. Storm springt aus dem Fenster. Die Kopfschrauben endgültig gelockert, dreht sie den Spieß um und macht Jagd auf ihre ehemaligen Schützlinge.


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Slasher der etwas anderen Sorte; leider ziemlich untergegangen.


Regisseur Douglas Grossman versucht mit Hell High (Originaltitel: Raging Fury) die Konventionen des Slasher-Films insofern zu brechen, indem er Elemente der 70er Jahre Revenge- und Exploitation-Thrillers in den Film einfließen lässt. Das tut der Geschichte doch erfrischend gut und hebt ihn von der Gülle der typischen Teenie-Slasher hervor. Trotz aller Qualitäten, der bösartigen Atmosphäre und dem (relativ) cleveren Skript war Hell High bei seiner Veröffentlichung 1989 (die Dreharbeiten endeten bereits 1986) nur wenig Erfolg beschert und der Film ging sang- und klanglos unter.


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75. Max Jenke in HORROR HOUSE – HOUSE III

Als Detektive Lucas McCarthy (Lance Henriksen) den brutalen Serienmörder Max Jenke (Brion James), von seinen Fans „Meat Cleaver Max“ genannt, zu fassen kriegt, glaubt er das große Los gezogen zu haben. McCarthy will sich auch Jenkes Hinrichtung auf dem Elektrischen Stuhl nicht entgehen lassen, doch das freudige Ereignis wird zur Horrorshow: Die Elektrizität kann Jenke zwar verbrutzeln, nicht aber über den Jordan schicken. Der Killer befreit sich und verflucht McCarthy mit seinen letzen Atemzügen. Zunächst misst der Polizist dem wenig Bedeutung zu, aber als Jenkes Geist sein Haus terrorisiert und McCarthy für eine Reihe von Morden verantwortlich macht, muss Lucas sich zunächst um seinen Geisteszustand sorgen, dann um sein und das Leben seiner Familie und Nachbarn.


Im europäischen Raum versuchte man The Horror Show auf dem Erfolg von House – Das Horrorhaus mitreiten zu lassen, und der Film gelang unter dem Titel Horror House – House III in den Verleih. Natürlich reiner Beschiss, denn der Film hat rein gar nix mit der Kult-Horrorkomödie zu tun.


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“Eine ausgemachte Schweinerei!
Mich hat man ein halbes Jahr vor Horace hingerichtet
und trotzdem hat die FSK MICH geschnitten!“


Horror House – House III erschien wenige Monate vor Wes Cravens Shocker; obwohl die Geschichte praktisch identisch ist, ging James Isaacs Film unter, während Shocker „zumindest“ einen gewissen Kultstatus ereichte. Das könnte auch damit zu tun haben, dass der Film relativ durchwachsen ist, zwar ein paar nette Gore-Effekte vorzuweisen hat, aber auch bedenkliche Längen hat. Da half es natürlich wenig, dass die FSK die Videofassung gnadenlos schnitt und der traurige Rest praktisch wertlos war. Ungeschnitten jedoch gebe ich House III den Vorzug über Shocker, allein schon wegen Henriksens legendären Knittergesichts und James unvergleichliches Augenverdrehen. Zumindest der viel zu früh verstorbene Brion James hatte bei den Dreharbeiten seinen Spaß und nannte die Rolle als „Meat Cleaver Max“ seine persönliche Lieblingsrolle – bei 166 Rollen, darunter dem legendären Blade Runner, keine schlechte Empfehlung.


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© 2014 Thorsten Atzmueller



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Weitere Teile

100 Slasher in 50 Jahren, Teil 1 1960-1981
100 Slasher in 50 Jahren, Teil 2 1981-1986
100 Slasher in 50 Jahren, Teil 4 1989-2010