12:01
Aus Badmovies.de
Regie: Jack Sholder
Darsteller: Jonathan Silverman (Barry Thomas), Helen Slater (Lisa
Fredericks), Martin Landau (Dr. Thadeus Moxley), Nicolas Surovy
(Robert Denk), Jeremy Piven (Howard), Robin Bartlett
(Jackson)
Barry Thomas ist ein leicht vertrottelter Sympathikus, der seine
Brötchen als Aktenschubser in der Personalabteilung eines
Forschungslabors verdient und heimlich in die für ihn unerreichbare
Wissenschaftlerin Lisa Fredericks verknallt ist. Obwohl der Zufall
Barry und Lisa in der Essenschlange in der Kantine zusammenführt,
läuft der Rest des Tages nicht unbedingt so, dass Barry von einer
Veränderung des Zustands träumen könnte. Und dann wird Lisa auch
noch am Abend direkt vor der Firma erschossen. Da kann man schon
mal einen über den Durst trinken... bis Barry am nächsten Morgen
feststellt, dass der gestrige Tag sich wiederholt! Bis Barry
kapiert hat, dass ein illegales Experiment mit einem
Teilchenbeschleuniger gehörig schiefgegangen ist und die Erde in
eine Zeitschleife gestürzt hat, in der nur er seine Erinnerungen
behält, dauert's ein bisschen, aber dann setzt er sich in den Kopf,
Lisas Leben zu retten und die Endlosschleife aufzudröseln. Da ihm
begreiflicherweise niemand so rechten Glauben schenken mag,
gestaltet sich dieses Vorhaben reichlich kompliziert und benötigt
mehrere Versuche, in deren Verlauf Barry auch aufdecken muss, wer
für das katastrophale Experiment verantwortlich ist...
Der Film: Bringen wir den obligatorischen Vergleich im ersten
Absatz hinter uns - ja, "12:01" kann man böswilligerweise als eine
Variante von "Und täglich grüßt das Murmeltier" sehen. Nein, es ist
trotzdem kein Rip-off, da dieser unser heutiger zu besprechender
Film auf einer SF-Kurzgeschichte basiert, die schon einige Lenze
älter ist als die (ausgesprochen gelungene) Bill-Murray-Komödie und
zudem bereits 1990 als völlig ernsthafter Kurzfilm erstverfilmt
wurde. Beiden Stoffen gemein ist nur die Tatsache, dass der
Protagonist aufgrund sonderbarer Umstände immer wieder den selben
Tag durchlebt.
Während das "Murmeltier" allerdings darauf abstellte, ähnlich wie
in "Die Geister die ich rief" aus dem Ekelbatz Murray einen guten
Menschen (TM) zu machen und sich darum auf die moralische
Komponente konzentrierte, sind derartige Implikationen diesem
TV-Film von Jack Sholder (einem der talentiertesten B-Filmer,
zuständig für Bemerkenswertes wie "The Hidden" oder "Condition
Red", aber auch für das ungeliebte Stiefkind der Nightmare-Reihe,
Teil 2) völlig fremd. "12:01" gibt dem Geschehen um die
Zeitschleife einen pseudowissenschaftlichen (und ziemlich
hanebüchenen) Hintergrund, während der eigentliche Anlaß im
"Murmeltier" völlig wurscht und mehr oder weniger "an act of God"
war. Hier ist er wichtig, weil es dem Film durchaus, trotz aller
vorhandenen komödiantischen Elementen, nicht zuletzt auch auf den
SF-Background, Thrill und Spannung ankommt. Was ironischerweise
auch seine Schwäche ausmacht, denn im Comedy-Bereich ist "12:01"
doch deutlich überzeugender denn als Spannungsfilm.
Das Script rollt sehr flüssig in allerdings durchaus vorhersehbaren
Bahnen - was beim Thema nicht wundert. Held Barry lernt jeden "Tag"
dazu und kommt so dem Erfolg immer näher, wobei sich durchaus ein
sehr gravierendes Plothole einschleicht - minor spoiler ahead: auf
den naheliegendsten Gedanken, nämlich die gute alte "trial &
error"-Methode, kommt Barry nie - anstatt seinen jeweiligen
Tagesplan jeweils nur im Bezug auf den am "vergangenen Tag"
gemachten Fehler zu ändern, arbeitet er stets einen neuen Plan aus,
was ziemlich dusslig ist (zumal er z.B. einen der verkorksten
Anläufe damit verplempert, mit Lisa ins Bett zu steigen) und vor
allem stösst ein wenig übel auf, dass (wer sich nix spoilern lassen
will, möge den nächsten Satz geflissentlich überlesen) die
endgültige "Problemlösung" darauf hinausläuft, dass einer der
zentralen Charaktere unwiderruflich tot bleibt (während er in der
Zeitschleife wieder "zurück ins Leben" geholt worden wäre). Wie
gesagt, das ist das zentrale Manko, der dicke Lapsus des Scripts,
der dem Filmvergnügen aber nur unwesentlichen Schaden zufügt.
Der Film bedient sich mithin einer ziemlichen Zweiteilung - die
erste Hälfte des Films, in der Barry langsam, aber sicher,
realisiert, in welcher Lage er sich befindet, ist die
humororientierte: die Besetzung der Hauptrolle mit einem versierten
Komödianten (dazu an gewohnter Stelle mehr) trägt enorm dazu bei,
dass die verschiedentlichen Katastrophen, die dem armen Barry
zustoßen, sich für den Zuschauer höchst vergnüglich gestalten. In
Hälfte Numero 2 muss der Film dann die Kurve Richtung
Thrillerhandlung kratzen - zwar gibt's auch da noch einige Gags,
aber die Frequenz wird zugunsten der "harten" Story deutlich
heruntergefahren. Statt dessen gibt's in diesem Filmpart
Verfolgungsjagden, ein wenig Geballere und den ein oder anderen
kleinen Plottwist. Dank Sholders versierter Regie kommt in der Tat
richtig Spannung auf (und insofern ist der oben bemängelte
Drehbuchfauxpas vielleicht sogar nicht schlecht, denn die "egal,
was passiert, Barry hat immer 'ne zweite Chance"-Attitüde könnte
sich natürlich als spannungshinderlich erweisen)
Ein wenig merkt man dem Film die budgetmäßigen Restriktionen einer
TV-Produktion an - großartige Sets oder aufwendige Stuntsequenzen,
die über gewohntes TV-Level hinausgehen, wird man vergebens suchen,
aber der Streifen hat genügend "interne" Energie und Dynamik, wirkt
weder zu langatmig noch zu gedrängt. Es wird zwar auch in Punkto
Kameraführung und Schnitt allenfalls Hausmannskost geboten, aber
das auf gutem handwerklichen Niveau. Aber allemal zeigen Sholder
und sein Team, dass man aus einer netten Idee auch mit beschränkten
Mitteln, dafür aber mit gutem Willen, grundsolides Entertainment
abliefern kann.
Spezialeffekte gibt's übrigens, soviel für die FX-Freunde, keine,
der Streifen bedient sich für den (auch nur einmal durchgespielten)
Zeitschleifen-"Effekt" einer simplen Rückwärtsmontage.
Pluspunkte gibt's allemal für den sympathischen Cast. In seiner
Paraderolle als Loser mit dem Herz am rechten Fleck freuen wir uns
über Jonathan Silverman, der mehr oder minder lediglich seine Rolle
aus "Immer Ärger mit Bernie" mit ein wenig mehr Ernsthaftigkeit
wieder aufgreifen muss. Cutie-"Supergirl" Helen Slater gibt sich
mir etwas zu züchtig-hochgeschlossen als anfänglich distanzierte
Akademikerin, taut aber im Filmverlauf merklich auf. Robin Bartlett
liefert als Barrys nervige Chevin eine fies-komische Vorstellung ab
- man kennt Bartlett aus Filmen wie "Mondsüchtig" oder "In Sachen
Henry", fünf Jahre lang war sie auch in Helen Hunts Sitcom "Mad
About You" dabei. Und apropos Sitcom, derlei Erfahrungen hat auch
Jeremy Piven, der Barrys besten Kumpel Harold mimt, er war vier
Jahre lang Ensemblemitglied von "Ellen". Last, but not least, sein
natürlich auch inzwischen zum Oscar-Preisträger (für "Ed Wood")
aufgestiegene Martin Landau als slightly mad scientist erwähnt.
Guter Cast, der auch mit Engagement bei der Sache ist. In einer
Mini-Nebenrolle ist übrigens unser aller Lieblingsmexikaner Danny
Trejo zu sehen.
Bildqualität: Tja, kleinere, unbekanntere Filme wie "12:01" landen
gerne mal bei Publishern, die sie nicht verdient haben, in diesem
Falle bei MCP. Das hat für den geneigten Fan nur den Vorteil, dass
die Scheibe auf den einschlägigen Grabbeltischen für das
sprichwörtliche Butterbrot verhökert wird. Da darf man dann auch
nichts erwarten. Der Vollbildtransfer ist, rein formattechnisch, da
auch schon betagtere TV-Produktion, nicht zu beanstanden, die
eigentliche Bildqualität ist aber ziemlich wechselhaft (in der Tat
kommt's mir manchmal so vor, als hätte man das Master aus
unterschiedlichen Quellen zusammengestöpselt. Ob vormalige
Videofassungen eventuell leicht beschnitten waren, hab ich jetzt
nicht nachgeprüft. Sooo brennend interessiert mich das jetzt auch
nicht mehr). An einigen Stellen trüben doch überdurchschnittlich
viele Artefakte und Bilddefekte das Sehvergnügen, insgesamt könnte
das Bild etwas mehr Schärfe vertragen. Der Kontrast ist allerdings
in Ordnung, dito die Farben - ich bilde mir zwar einen leichten
Rotstich (besonders in Augenpartien) ein, aber das kann eben auch
meine aktive Vorstellungskraft sein. Gelegentlich ist ein leichtes
Flimmern zu verzeichnen.
Tonqualität: MCP ist bekanntlich ein Label, dem man noch nicht so
richtig erklärt hat, was man mit einer DVD alles anstellen kann.
Andererseits ist man ja auch wieder dankbar, wenn nicht jeder
Publisher unschuldige Stereotonspuren mit unlauteren Mitteln in
5.1-Upmixe verwandelt. Hier haben wir also ordinäres Stereo in
ausschließlich deutscher Sprache zur Verfügung. Die Synchro klingt
kristallklar, wenn auch etwas steril, aus den Boxen, ist für meinen
Geschmack aber etwas zu sehr im Vordergrund. Etwas auf die Nerven
gehen einige Lautstärkeschwankungen im letzten Filmdrittel.
Extras: Abgesehen von einigen Trailern aus dem MCP-Programm
erwartungsgemäß kein Bonusmaterial.
Fazit: "12:01" ist einer dieser schnuckeligen kleinen B-Filme, die
zu Unrecht von der breiten Masse mit Nichtachtung gestraft wurden.
Klar, dieser Film hatte das besondere Pech, in Deutschland kurz
nach dem mit ähnlicher Thematik kassenknüllenden "Murmeltier" auf
den Markt zu kommen, so dass ihm schnell das "rip-off"-Stigma
angehängt wurde. Ich kann, und das als bekennender
"Murmeltier"-Fan, nur an alle Leser appellieren - gebt "12:01" eine
faire Chance. Der Film macht gehörigen Spaß - wenn er sich auch
nicht endgültig entscheiden kann, ob er nun lieber eine Komödie mit
SF-Elementen oder ein SF-Thriller mit humoristischen Einlagen sein
will, er funktioniert trotzdem, hat eine Vielzahl gelungener Gags,
eine spannende Handlung und gut aufgelegte Darsteller zu bieten.
Was will man eigentlich mehr? Da die DVD mittlerweile
schweinebillig verramscht wird, will ich mich auch über die
technischen Schwächen der Scheibe nicht großartig aufregen.
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