3000 miles to Graceland
Aus Badmovies.de
USA 2001, 120 min, FSK KJ
Regie: Demian Lichtenstein
Darsteller: Kurt Russell (Mike), Kevin Costner (Murphy), Courteney
Cox (Cybil), Christian Slater (Hanson), David Arquette (Gus), Kevin
Pollak (Damitry), Ice-T (Hamilton), Jon Lovitz (Peterson), Howie
Long (Jack)
Casinos in Vegas ausrauben ist ja neuerdings wieder schwer in, so
rein cineastisch. Im Gegensatz zu den Gentleman-Gaunern von "Oceans
Eleven" geht's bei dem Coup der Gang um Murphy, der sich für den
leibhaftigen Sohn des Kings hält, deutlich ruppiger zur Sache. In
perfekter Tarnung erleichtern sie während einer Elvis-Convention
das Riviera-Casino um über 3 Millionen Dollar. Murphy hat aber
natürlich nicht vor, die Beute mit seinen Komplizen zu teilen...
Der frisch aus dem Knast entlassene Mike entkommt allerdings durch
weise Voraussicht dem Zorn des Juniorkings und beabsichtigt, sich
mit der Beute aus dem Staub zu machen. Da hat er die Rechnung
allerdings ohne die Motel-Betreiberin Cybil und ihren naseweisen
und kriminell veranlagten Sohnemann Jesse gemacht. Widerwillig muss
er, von Jesse schon als Ersatzpapa und Role Model ausgemacht, beide
mitschleifen. Murphy findet's begreiflicherweise nicht gar so
prickelnd, dass sich Beute und totgeglaubter Komplize verdünnisiert
haben und nimmt die Verfolgung auf. Verkompliziert wird die Sache
noch dadurch, dass Cybil durchaus geneigt ist, sich die Kohle auf
eigene Rechnung anzueignen. Linken und gelinkt werden, dass ist das
Programm...
Der Film: Mit einem Budget von 62 Mio. Dollar kann man diese
Produktion nicht wirklich guten Gewissens als budgetäres
Leichtgewicht bezeichnen - dass der Streifen aber zu einem wahrhaft
epischen Kassenbauchklatscher (15 Mio. Dollar Einspiel in den USA
und knapp über 100.000 Kinobesucher in Tschörmanie) und seine
Produktionskosten nie und nimmer einspielen würde, hätten die
Produzenten sich eigentlich an ihren elf Fingern ausrechnen können.
Ein Newcomer-Director, der zuvor nur TV-Serien und einen
Low-Budget-Film inszeniert hatte, den personifizierten
Gigantoflopmagneten Kevin Costner in der Hauptrolle, dazu ein zwar
namhafter Cast, aber nicht gerade das, was hip und angesagt wäre
und ein eher skurriles Thema - rein finanziell konnte das gar nicht
gut gehen.
Dabei ist "Crime is King" (jetzt nehmen die deutschen Verleiher
schon die US-Taglines als deutsche Titel) gar kein übler Film.
Sicher erfindet die Story das Genre nicht neu, erfreut aber durch
einen vergleichsweise schlüssigen Aufbau und genau das richtige Maß
an character development - man labert uns nicht mit mehr oder
weniger notwendig-informativen Tidbits über die Charaktere zu,
dennoch lernt man die Figuren kennen und verstehen - wenn selbst
der völlig durchgeknallte Psychopath Murphy Facetten hat, die seine
Persönlichkeit verständlich machen und ihm sogar menschliche Züge
zugebilligt werden, ist das mehr, als die meisten anderen hirnlosen
Action-Gewalt-Orgien ihren Schurkengestalten zubilligen. Zum Finale
hin ergibt sich der Film notgedrungen einigen Klischees und ist in
gewisser Weise vorhersehbar (und der entscheidende Plotpoint des
finalen Shoot-outs wird so antelegrafiert, dass man sich schon
wundern muss, warum Person X so dusselig ist), aber es
beeinträchtigt das Filmvergnügen nicht wesentlich.
Inszenatorisch fährt Demian Lichtenstein auf, was die Trickkiste
hergibt - beginnend bei dem CGI-animierten Skorpionkampf in den
Opening Credits setzt Lichtenstein alles ein, was cool und gimmicky
ist: Hochgeschwindigkeitsfotografie, Bullet Time, obskure
Kamerawinkel, SlowMo, alles, was das Herz begehrt, findet sich in
"Crime is King" (ein weiterer Hollywood-Epigone des
John-Woo-style-of-action-filmmaking, zweifellos) - in den Händen so
manches Regisseurs hätte das durchaus in eine unangenehme
"look-what-I-can-do"-Attitüde führen können (was ich z.B. Kitamura
immer wieder gern unterstelle), aber in diesem Film passt das
einfach - vielleicht setzt da einfach schon das anfängliche
Vegas-Setting die notwendige "anything-goes"-Atmosphäre.
Wohlmeinende Nods gibt's auch in Richtung des Spaghettiwesterns.
Insgesamt ergibt das keine hohe Filmkunst, aber einen äußerst
launigen und weitestgehend kurzweiligen humorig-zynischen
Gangsterreißer, der irgendwo auch nicht ganz den Einfluß des
Tarantino-Wirkens in Hollywood verleugnen kann (schon allein durch
einige Dialoge). Die Action, hauptsächlich konzentriert auf zwei
große Szenen (auch wenn zwischendurch mal was in die Luft gejagt
wird), ist fein inszeniert und ordentlich hart (KJ wundert mich da
wirklich nicht). Auch in Sachen Action zieht Lichtenstein so
ziemlich jedes Register von destruktiver Autoverfolgungsjagd,
lakonischen Duellsituationen, bis zu blutigen Shoot-outs.
Im Mittelteil kann Lichtenstein die ein oder andere kleine Länge
nicht vermeiden, dennoch gestalten sich die zwei Stunden insgesamt
recht kurzweilig (and stay tuned for the credits, da gibt Russell
nämlich in einem kleinen Musikvideo den Elvis und einen Outtake
gibt's auch noch). Kameraführung und Schnitt sind, wie schon
angedeutet, auf hohem technischen Niveau, der teilweise kurios
zusammengestellte Soundtrack sorgt für zusätzlichen Frohsinn.
Wie schon erwähnt ist die Besetzung ziemlich cool - Kevin Costner
lebt mal seine böse Psychopathenseite nach Herzenslust aus und hat
richtig Spaß dabei, Kurt "Klapperschlange" Russell, der ja selbst
mal den King gespielt hat (in einem wenig bekannten
John-Carpenter-TV-Film) liefert als sein Widersacher ebenfalls eine
gute Vorstellung ab. Courteney "Scream" Cox zeigt (leider ohne
frontal nudity) ihre erotische Seite und das ihr real-life-Ehemann
David Arquette früh ins Gras beißt, dürfte Millionen Kino- und
Courteney-Fans weltweit entzücken. Die Nebendarsteller sind
allesamt nicht von Pappe: Christian Slater ("True Romance"), Kevin
Pollak ("End of Days"), Howie Long ("Firestorm"), Thomas Haden
Church, der stets amüsante (und wie meist mit zu kleiner Rolle
ausgestattete) Jon Lovitz ("Loaded Weapon"), mein persönlicher
Liebling Ice-T (in einem zwar kurzen, aber coolen Auftritt) oder
Anno-Dunnemals-Plattenstar Paul Anka in einem lustigen
Cameo-Auftritt. David Kaye verdient sich als Jesse das höchste Lob,
das ich einem Kinderdarsteller erteilen kann - er nervt nicht und
liefert einige seiner trockenen Lines richtiggehend gut ab.
Bildqualität: Major-Veröffentlichung, also wäre es schon peinlich,
wenn ich da wirklich was zu motzen hätte (was ich natürlich tun
würde, hätte die Scheibe es verdient). Der anamorphe
2.35:1-Transfer weiß aber durchaus zu überzeugen, gefällt sowohl
von der Lebendigkeit der Farben als auch von der Störungsfreiheit.
Die Kantenschärfe ist ausgezeichnet, Details gehen dank einer guten
Kompression erst in höheren Zoom-Faktoren leicht aus dem Leim (und
das auch nur bei größeren einfarbigen Flächen). Der Kontrast ist
ausgezeichnet.
Tonqualität: Deutscher und englischer Ton stehen zur Verfügung,
beides in Dolby 5.1. Der englische Ton, den ich mir exklusiv
angehört habe, weiß zu überzeugen. Ausgezeichnete Sprachqualität,
brachiale Effekte, die nie zu Soundbrei verkommen, angenehmer Mix
der Musik. Kommt auf der Dolby-Anlage gut! Deutsche (auch für
Hörgeschädigte) und englische Untertitel stehen zur Verfügung.
Extras: Hier findet der unbestechliche Querulant dann doch noch
Futter. Eine Verkaufs-DVD eines aktuellen Films anno heutzutage mit
der Mikrobenausstattung "Kinotrailer" und "Cast und Crew" (auf
einer Texttafel!!) herauszubringen, bringt normalerweise eigentlich
nur noch Splendid fertig. Sorry, Warner, aber das ist zu wenig.
VIEL zu wenig. Zu dem Film muss es doch Material wie Making-of,
Interviews, Outtakes, was auch immer, geben!
Fazit: "Crime is King" ist keine Revolution des
Gangster-Action-Kinos, aber eine amüsante Angelegenheit - die
Darsteller sind blendend aufgelegt, das Script ist für das Genre
sicher keine Offenbarung, aber zweckdienlich mit gelegentlichen
Anflügen der Inspiration, der Look des Films ist großartig und die
Action lässt kaum Wünsche offen. Kurzweilig, gewalttätig,
zynisch-humorig und doch mit leiseren Zwischentönen - insgesamt
gelungene Unterhaltung für Freunde des harten Gangsterreißers. Der
positive Gesamteindruck wird nur durch die extrem spartanische
Ausstattung der DVD getrübt. Long live the King!
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