80 Frankensteine in 103 Jahren, Teil 1

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80 Frankensteine in 103 Jahren, Teil 1: 1910-1966


Vorwort

Es war das Jahr 1816: in einer Villa am Genfersee saßen bei Kerzenschein drei Literaten – der dekadente Lord Byron, Dr. John Polidori (der sich um Byrons eiternde Syphilisgeschwüre kümmern muss), Poet Percy Shelley und seine zukünftige Ehegattin Mary Wollstonecraft. An jenem verregneten Abend war die Internetverbindung mehr als schlecht und da Genf ein teures Pflaster ist, entschied man sich zu Hause zu bleiben und sich gegenseitig mit Gruselgeschichten zu unterhalten.

Danach kam es, Literaturhistorikern zufolge, zu einem flotten Dreier mit Beifahrer.


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Mary Wollstonecraft Shelley – auch bekannt als die Frau
mit dem Unterleib in den Augen.


Wie dem auch sei, der Abend inspirierte Polidori zur Kurzgeschichte „Der Vampyr“, Byron zu einem schweinischen Gedicht über seine Schwester und Mary zum Roman „Frankenstein oder Der Moderne Prometheus“. Das Buch handelt vom adeligen Wissenschaftler Viktor Frankenstein, der an der Universität Ingolstadt einen künstlichen Menschen erschafft. Dieses Wesen, welches er Boris tauft, wird mit dem Gehirn eines Mörders, das Frankensteins buckliger Diener aus einem Labor klaut, ausgestattet. Es sollte in den nächsten Jahrzehnten etliche Male sterben und wiedererwecken, sich mit Werwölfen, mexikanischen Wrestlern und Godzilla anlegen, auf den Mars fliegen, von Jesse James erschossen und von Chuck Norris verprügelt werden. Seltsam, aber so steht es geschrieben.

Eine tragische Geschichte, denn Mary sah von den Tantiemen keinen Cent.

Filmhistorisch begann alles 1899 mit The Frankenstein Trestle. Der Film öffnet majestätisch; eine Dampflok schiebt sich über eine Eisenbrücke, die eine Schlucht überspannt. Und das ist es dann auch schon. Wer den Kurzfilm produzierte, ist nicht bekannt, nur dass er in Frankenstein, New Hampshire gedreht wurde – wir ahnen es bereits: er hat mit Mary Shelleys Geschichte nichts zu tun.

Stattdessen beschäftigen wir uns mit den echten (und halbechten) Frankenstein-Monstern, die über die Jahre auf den Leinwänden und Bildschirmen der zivilisierten Welt herumtobten. Achtzig von ihnen sollen hier und in den folgenden Teilen der Reihe „80 Frankensteine in 103 Jahren“ gewürdigt werden.


1. Charles Stanton Ogle

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Das erste, aber noch nicht das bekannteste
Frankenstein Monster: Charles Stanton Ogle.
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Der erste auf Mary Shelleys Geschichte basierende Film erblickte im Jahr 1910 das Licht der Welt: der knapp 16-minütige Kurzfilm Frankenstein (Regie: J. Searle Dawley) wurde von der Edison Firma produziert; Charles Stanton Ogle spielte die Rolle des Monsters, Frankenstein wurde von Augustus Phillips verkörpert. Der Film ist kein großes Kunstwerk, vielleicht historisch relevant, nicht aber artistisch, und basiert nur lose auf der Vorlage: das Monster wird hier mittels Alchemie erschaffen und die Geschichte erinnert eher an „Dr. Jeckyll und Mr. Hyde“ als an „Der Moderne Prometheus“.

Lange galt der Film als verschollen, es existierte nur eine Kopie, auf der aber ein halb- wahnsinniger Sammlers saß, der – aus Angst dass Bootlegs den Wert verringern könnte – den Film praktisch vor sich hingammeln ließ.

2012 zollte Fuckenstein dem historischen Kurzfilm Tribut (man muss ja nicht erwähnen, dass es ein Pornofilm ist).


Wer ihn sich ansehen will (den Stumm-, nicht die Pornoversion), der kann dies HIER tun.



2. Percy Standing

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Trash zu (Ur)-Opas Zeiten: Eines der wenigen Bilder die von
Life without Soul noch existieren.


1915, fünf Jahre nach dem ersten Frankenstein-Film, wurde Life Without Soul (Regie: Joseph W. Smiley) produziert und Percy Standing spielte die Rolle des synthetischen (aber recht athletischen und maskenloses) Monsters. Der Film war mit 70 Minuten als abendfüllender Spielfilm gedacht und um die Zensur zu umgehen, drehte man die Handlung als Traumsequenz. Der Film gilt als verschollen und die einsame, wenngleich ziemlich lange und detaillierte Besprechung auf IMDB ist daher mit Vorsicht zu genießen – sie könnte durchaus von einem Wahnsinnigen verfasst worden sein, aber der BadMovies Crew ist es bisher nicht gelungen, den Schreiberling ausfindig zu machen und die Wahrheit aus ihm herauszuprügeln.


3. Umberto Guarracino

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Auch vom dritten Frankenstein Monster
sind nur wenige unscharfe Bilder erhalten.


Wie schon der Vorgänger, gilt auch der dritte Frankenstein Film – Il monstro di Frankenstein (Regie: Eugenio Testa) – und erste europäische Adaption von 1921 leider als verschollen; es existieren nur wenige, sehr unscharfe Aufnahmen. Mit der Monsterrolle feierte Umberto Guarracino, ein ehemaliger Zirkusartist und Stahlverbieger, sein Debüt, der später als Muskelmann in den ersten Sandalenfilmen für Furore sorgte.


4. Boris Karloff

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Das legendärste aller Frankenstein Monstren gönnt
sich ein Zigarettchen während einer Drehpause.


1931 planten Universal Studios den Frankenstein-Stoff auf die große Leinwand zu bringen, aber Schauspieler wie Bela Lugosi und John Carradine waren sich zu fein, um sich mit der niedrigen Rolle eines stark maskierten und noch dazu stummen Monsters abzugeben. Die Rolle ging an den relativ unbekannten Briten Boris Karloff – Karloff war bereits 44 Jahre alt, wartete aber bis dato noch vergeblich auf seinen Durchbruch. Sein Landsmann James Whale führte bei Frankenstein Regie.

Der Film wurde ein überragender Erfolg, was teils an Karloffs Vorstellung, teils an dem ikonischem Make-Up von Jack Pierce lag. Karloff hatte einen Geistesblitz und erklärte sich bereit seine Zahnprothesen abzulegen (die echten Beißerchen hatte er während seiner Zeit im Militär verloren), da er ja sowieso keinen Dialog hatte, und gab somit dem Monster seine hohlwangigen Gesichtszüge. Die Universal-Produzenten rochen woran der Erfolg lag und ließen das Erscheinungsbild und sogar ganze Bewegungsabläufe des Monsters patentieren. Von nun an sollte der Name Frankenstein (obwohl das Drehbuch mit der Vorlage nur sehr, sehr wenig gemein hatte) nicht nur mit dem adligen Schöpfer des Monstrums, sondern direkt auf das Monster übergehen, was sich bis heute so gehalten hat: spricht man von „Frankenstein“, meint man meist das Monster, nicht seinen Erschaffer.

Weniger erfreut über den Erfolg des Films waren die (vorwiegend christlichen) Zensoren und ließen nicht nur Dr. Henry Frankensteins (Colin Clive) Zitat „Jetzt weiß ich wie es ist, GOTT zu sein!“ wegschneiden, sondern auch jene Szene in der das Monster ein kleines Mädchen, im Irrglauben sie würde wie Blumenblätter treiben, in einem Teich versenkt. So wurde aus der naiven Kreatur ein kaltblütiger Kindermörder (die Szenen wurden für die DVD-Veröffentlichung restauriert).

Unbeirrt drehte Universal 1935 den Nachfolger Frankensteins Braut (Originaltitel: Bride of Frankenstein); wieder führte Whales Regie und was die Qualität angeht, war der Film eine der wenigen Fortsetzungen die das Original sogar noch überboten. Karloff hatte einen kurzen aber prägnanten Dialog, der Film war eine Mischung aus Horrorfilm und rabenschwarzer Komödie und die Erweckung des weiblichen Monsters (Elsa Lanchaster) gilt bis heute als eine der eindrucksvollsten Szenen in der Filmgeschichte.

Nicht mehr ganz so imposant, aber immer noch beeindruckend wurde der dritte Teil, Frankenstein Sohn (1939, Originaltitel: Son of Frankenstein, Regie: Rowland V. Lee), der wieder ein direkter (und für damalige Verhältnisse recht deftiger) Horrorfilm wurde. Bela Lugosi gab das Faktotum Ygor und stahl mit seinem gebrochenen Genick sogar dem wieder verstummten Karloff die Schau.

Dennoch hatte Karloff danach genug von seiner Paraderolle, wollte nicht auf das Monster reduziert werden und lehnte weitere Fortsetzungen ab – er sollte noch in vielen Horrorfilmklassikern spielen, darunter nicht wenige Frankenstein-Verfilmungen (aber nie wieder hinter der ikonischen Maske, sondern stets als Baron und gleichermaßen größenwahnsinniger Wissenschaftler); aus dem übergrossen Schatten des Frankenstein’schen Monsters konnte er jedoch nie wieder heraustreten.


5. Lon Chaney Jr.

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Der König der Universal-Monstren:
Lon Chaney Jr.


Lon Chaney war einer der ersten wirklich großen Stars des Horrorfilms. Der „Mann mit den tausend Gesichtern“ brachte es vor allem als Phantom der Oper zu Ruhm und Ehren. Sein Sohn Lon Chaney Jr. sollte die Fußstapfen seines Papas nie ganz ausfüllen, galt aber als kompetenter Monsterdarsteller (und war, abgesehen vom Spanier Paul Naschy, der einzige, der je alle vier großen Universal-Monster verkörpern sollte, obwohl man ihn heute am ehesten mit dem Wolfsmenschen Larry Talbot in Verbindung bringt).

Da Karloff sich weigerte, sich zum vierten Mal als Frankensteins Monster schminken zu lassen, heuerte man 1942 für Frankenstein kehrt wieder (Originaltitel: The Ghost of Frankenstein, Regie: Earle C. Kenton) kurzerhand Chaney an. Lugosi spielte erneut den bösartigen Krüppel Ygor und auch Lionel Atwill war mit von der Party; allerdings nicht als einarmiger Inspektor Krogh, sondern als Ludwig Frankensteins (Cedric Hardwicke) vermeintlicher Kollege Dr. Bohmer.

Das Hauptproblem der Produktion war Chaney selbst: damit Maskenbildner Pierce sein volles Talent entfalten konnte, verlangte er während der Schminksitzungen von den Schauspieler komplette Disziplin. Karloff hatte diese; Chaney, eine arge Saufgurgel und noch dazu ein notorischer Choleriker, jedoch nicht. Die Legende berichtet, dass er sich bei einem Wutausbruch – es wäre heiß und kratzig unter der Maske gewesen – das Kopfteil mitsamt eines anständigen Fetzen Skalp von der Birne gerissen habe.

Während Chaney im direkten Vergleich mit Karloff eine recht zweitklassig Darbietung gibt, hat er aber zu Ende des Films, nachdem der verrückte Dr. Bohmer Ygors Gehirn in den Körper des Monsters transplantiert hat, ein paar wenige Zeilen Dialog und schafft es meisterlich, die bösartigen Züge von Lugosi zu übernehmen; der Highlight eines Films der – wieder im Vergleich – zuletzt recht durchwachsen war.


6. Bela Lugosi

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Am Ende musste er doch noch in den sauren Apfel beißen:
Bela Lugosi (links).


Vor zehn Jahren hatte sich Bela Lugosi, der sich als Charakterschauspieler sah, noch geweigert das Frankenstein’sche Monster zu geben, zumal die Figur keinen Dialog hatte und die schwere Maske Lugosis Mienenspiel eingeschränkt hätte. Aber 1943 sah das alles ein wenig anders aus: der alternde Dracula-Star hatte seinen Zenith überschritten, galt als abgehalftert und seine tägliche Dosis Morphin wollte bezahlt werden. Also nahm der Schauspieler die Rolle des Monsters in Frankenstein meets the Wolfman (Regie: Roy William Neill) dankend an.

Die Produzenten wussten, dass weder das ikonische Make-Up noch der herbstliche Lugosi die Quelle am sprudeln halten würden, so entschied man sich für eines der ersten „Crossover“ der (Horror)-Filmgeschichte und stellte Frankensteins Monster den Wolfsmenschen Larry Talbot (Lon Chaney Jr) an die Seite.

Nicht allein Lugosis Alter oder seine eigentümliche Spielweise waren daran schuld, dass der Film ein kommerzieller Flop und von den Kritikern zerrissen wurde: Lugosi hatte ursprünglich diverse Dialogzeilen, darunter eine Szene in der er seinen Wunsch nach Weltherrschaft äußern sollte – aber inzwischen war man in den USA zu der Realisation gekommen, dass Adolf Hitler kein besonderst netter Mensch war, und wollte derlei Rhetorik im Film nicht haben (aus dem selben Grund wurde aus Frankensteins Heimatland Deutschland das fiktive „Vasaria“ gemacht). Ohne sein Mitwissens wurden Lugosis Dialogszenen geschnitten, was seine Rolle nicht nur auf knappe sechs Minuten reduzierte, sondern die Zuschauer, die den letzen Teil vielleicht nicht gesehen hatten, darüber im Unklaren ließen, dass die Transplantation das Monster blind und taub gemacht hatte – was Lugosis häufig recht unbeholfenes Herumstolpern erklärt hätte.

Das Highlight dieses durch-und-durch durchschnittlichen Film ist die Szene, in der das Monster aus seinem Eisgefängnis befreit wird – und dort wurde Lugosi von Stuntman Gil Perkins gedoubelt.


7. Glenn Strange

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“Ja, es ist so wie ich es dir sage, Glenn:
$50,000 für mich, ein Zubrot für dich.“


Man ahnte im Hause Universal, dass der Käs Frankenstein wohl endgültig gegessen war, und so setzte man auf das „Monster-Mash“-Konzept, wo Masse, nicht aber Klasse zählte.

Frankensteins Haus (Originaltitel: House of Frankenstein Regie: Erle C. Kenton) machte 1944 den Anfang und ließ das Frankenstein-Monster (Glenn Strange) auf Dracula (John Carradine) und den Wolfsmenschen (Lon Chaney Jr) los. Als „Bonbon“ hatte man noch den irrsinnigen Wissenschaftler Dr. Niemann (Boris Karloff, der wohl das Monster nicht mehr spielen wollte, die Kohle für den Altenstock aber trotzdem brauchte) und sein mordlustiges, buckliges Faktotum (J. Carrol Naish). Ursprünglich sollte die Mummy Kharis sich zu der „Devil’s Brood“ (so der geplante Titel) gesellen, aber da knauserte man dann doch mit dem US-Dollar. Den größten Teil des Budget sollte von Karloff gefressen werden, der sich seine Darbietung mit $20,000 entlohnen ließ – das neue Monster, der Cowboy-Darsteller und ehemalige Stuntman Glenn Strange musste sich mit mageren $500 zufrieden geben.

Ein Jahr später war Draculas Haus (Originaltitel: House of Dracula, Regie: wieder Kenton) der finale Versuch, den Rubel mit dem Monster-Crossover am rollen zu halten. Und wieder war es der Zweimetermann Strange, der die Arschkarte gezogen hatte: täglich musste er die dreistündige Maskenprozedur über sich ergehen lassen. Für die finale Szene, in der das Monster im Treibsand versinkt, ließ man den armen Kerl während der Drehpausen einfach im nasskalten Dreck stehen – er konnte sich dank der klobigen Schuhe sowieso kaum bewegen. Bis die Crew vom Mittagsschmaus zurückkehrte, waren Stranges Beine bereits wieder schmerzfrei, weil gefühllos gefroren.

Zu Hilfe eilte ihm nur der Saufbold Chaney und füllte Strange mit wärmenden Schnaps ab, so dass er es nach Drehschluss oft nicht mehr schaffte, aus seinem Kostüm zu klettern, und in seinem Frankenstein Kostüm nach Hause torkelte. Diesmal gab es für Strange nur $400; wahrscheinlich hatte sich Chaney für seinen Fussel bezahlen lassen.

Es sollte nicht das letzte Stelldichein der Universal-Monster bleiben: 1948 war der Monster-Mash zum kompletten Zirkus degeneriert und man stellte Chaney und Strange, sowie den abgewrackten Bela Lugosi in seiner Dracula-Paraderolle an die Seite der Klamaukbrüder Lou Costello und Bud Abbott.

Abott und Costello treffen Frankenstein' (1948, Originaltitel: Abott and Costello meet Frankenstein, Regie: Charles Barton) wurde mit minimalem Budget gedreht – vermutlich entlohnte man Strange diesmal mit Butterbrötchen, Chaney mit Alkoholika und Lugosi mit einem ordentlichen Schuss. Aus Kostengründen verzichtete man auf Jack Pierces teueres Make-Up und entschied sich für ein weit billigeres Plastikkopfteil – mit dem Resultat, dass es Strange nun endlich nicht mehr fröstelte, sondern dass er schon nach wenigen Minuten unter der Maske den Schweiß lustig gluckern und glucksen hören konnte.

Der Schmarrn wurde überraschenderweise ein amtlicher Hit an den Kinokassen. Trotzdem sollte es mehr als 50 Jahre dauern, bis die Universal-Monstren wieder eine Zusammenkunft feiern durften (und da waren alle hier Beteiligten längst tot).

Ironie des Schicksals: obwohl Strange als uncharismatischster aller Universal-Frankenstein gilt, der weder die schauspielerische Gabe noch die Ausbildung eines Karloff, Lugosi (oder sogar Chaney) hatte, so ist es doch seine Visage, die am häufigsten als Vorlage für Halloweenmasken und sonstigen Merchandise-Tand zwischen Hollywood und Tampa, Flordia, herhalten muss.


8. Christopher Lee

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Auch Königsvampire fangen klein an:
Sir Christopher Lee.


Mitte der 50er Jahre war der Universal-Stern endgültig verblasst und eine junge, ambitionierte Produktionsfirma namens Hammer Film Productions aus Großbritannien wollte das Vakuum füllen. Man wollte das altbewährte Monsterrezept 1957 mit Frankensteins Fluch (Originaltitel: The Curse of Frankenstein) auffrischen und entschloss sich den talentierten Routinier Terence Fisher auf den Regiestuhl zu setzen; das Drehbuch lieferte Jimmy Sangster; neben Peter Cushing als Baron und der entzückenden Hazel Court als seine Angebetete Elisabeth sollte ein frischer, hungriger Schauspieler namens Christopher Lee das Frankenstein’sche Monster geben.

Das Problem bei der Sache: Universal hatte sich, wie gesagt, das Make-Up von Jack Pierce und sogar die eckigen Bewegungen von Boris Karloff patentieren lassen, und war nur allzu gewillt, die Anwälte auf jedermann zu hetzen, der sein Glück beim Kopieren versuchen sollte. Also lautete der Beschluss, das Frankenstein Monster anno 1957 komplett neu zu erfinden.

Maskenbildner Philip Leakey wurde engagiert, und da der Mann von Latex und Schablonen nichts hielt, wurde Lees Make-Up tagtäglich per Hand mit Baumwolle und allerlei Haushaltsartikeln, die Leakey gerade bei der Hand hatte, neu aufgetragen. Die Rechnung ging auf: Frankensteins Fluch blieb über lange Zeit der erfolgreichste Film, der je auf den Inseln produziert wurde. Lee und Cushing sollten später als Graf Dracula und Van Helsing aufeinander treffen und der Rest, wie man so schön sagt, ist Geschichte.

Frankensteins Fluch war um einiges härter als die bisherigen Frankenstein-Filme und Leakeys Maske mit dem verwesendem Fleisch, faulen Zähnen und milchigen Augen sollte so manchem Zuschauer einen kalten Schauer über den Rücken jagen (inklusive eines sehr jungen THOR, der sich dem Zubettgehenbefehl seinen Elternteilen widersetzte und, hinter halbgeöffneter Tür lauernd, seine Liebe zu Horror- und Monsterfilme endgültig besiegelte). Aber vergammeltes Zahngut hin, krudes Narbengeflecht her, das Monster wäre nichts ohne das beachtliche schauspielerische Talent von Lee selbst, der es schafft, dass man sein Monster zur gleichen Zeit fürchtet und Mitleid für die missratene Kreatur empfindet.

Lee selbst spielte das Monster nur ein einziges Mal; Cushing sollte jedoch – wie auch bei der Van-Helsing-Rolle – hängen bleiben und den experimentierfreudigen Adligen noch etliche Male spielen. Auch wurde Cushing schon früh als eigentlicher Bösewicht der Filmreihe festgelegt; spielt er im Erstling noch einen fehlgeleiteten (wenngleich skrupellosen) Wissenssuchenden, mutierte er in den Fortsetzungen zum kompletten Schweinehund.


9. Gary Conway

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Billig, ja; aber in den US-amerikanischen
Autokinos ein voller Erfolg: Gary Conway.


Zur selben Zeit als Frankensteins Fluch die Rekorde in Europa brach, war man auf dem neuen Kontinent nicht minder ambitioniert – nur ging man hier eine andere Richtung: man wollte mit möglichst geringen Budget den größtmöglichsten Profit machen und Monster-Filme kamen besonderst in den Autokinos wieder in Mode.

Frankensteins Tod (Originaltitel: I Was A Teenage Frankenstein, 1958, Regie: Herbert L. Strock) wurde in Blitzeseile abgedreht und, zusammen mit Blood of Dracula (Regie: auch Strock) als Packet an diverse Autokinos verschifft. Natürlich kamen die wenigsten Förderer an jene Orte, um hochwertige Filme zu gucken – ein Junge, ein Mädel, ein Auto und ein gruseliger Horrorschinken, muss ich mehr sagen?

Hier ist der Baron (Whit Bissell) Professor an einer amerikanischen Uni, hält sich einen Alligator unter seinem Fußboden und klaubt, nach einem Flugzeugabsturz, die Körperteile diverser toter Athleten zusammen, um aus diesen das äußerst muskulöse Monster (Gary Conway) zu fabrizieren.

Conway sollte die Rolle des Monsters erneut in Der Satan mit den tausend Masken (Originaltitel: How to make a Monster (Regie: erneut Strock) spielen; bei diesem Monster, wie auch dem Werwolf aus I Was A Teenage Werewolf, sollte es sich nur um Tricktechnik handeln. Dem geneigten Trashfilmfan dürfte der Name Conway noch aus American Ninja II – Der Auftrag in Erinnerung sein, wo er Leo „The Lion“ Burke spielt und wenige Jahre danach dem Schauspielerdasein Ade sagte.


10. Michael Gwynn

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Das recht farblose Zweitlingsmonster aus
der Hammerschmiede: Michael Gwynn.


Ein Jahr nach dem Erfolg von Frankensteins Fluch saß man in England nicht auf den faulen Hinterbacken: ein Nachzieher musste her! Erneut führte Terence Fisher Regie und Peter Cushing gab in Frankensteins Rache (Originaltitel: The Revenge of Frankenstein) den besessenen Doktore.

Baron Frankenstein ist natürlich mitnichten tot und konnte durch Bestechung den Henker dazu bewegen, sich den Kopf des widerspenstigen Pfaffen aus dem ersten Teil statt seines Hauptes zu holen. Der gute Doktor, der sich nun Dr. Stein nennt, zieht durch die deutschen Lande, freundet sich mit dem Wissenschaftler Dr. Kleve (Francis Matthews) an und baut für seinen verkrüppelten Diener Karl Immelmann (lassen wir das dichten hier sein; gespielt von Michael Gwynn) einen neuen Körper. Die Operation gelingt, aber der „neue“ Karl hat keine Lust, das Schauobjekt für kuriose Professoren zu werden, und flieht aus dem Labor.
In Freiheit bekommt er es mit einem versoffenen Hausmeister zu tun, der Karl ein paar kräftige Hiebe auf die Rübe gibt: es kommt zum Hirndefekt und Karl mutiert zur verunstalteten Mordmaschine. Sterbend identifiziert er Dr. Stein als Frankenstein, der von seinen ehemaligen Patienten halbtot geprügelt wird. In letzter Minute schafft es Kleve, Frankensteins Gehirn in einen extra dafür wartenden Körper zu transplantieren und bald darauf eröffnet ein gewisser Dr. Franck eine Praxis in London. The End.

Wie gesagt, der Baron hat die Metamorphose zum kompletten Bösewicht noch nicht vollendet, ist hier noch einen Philanthropen, der für seine Liebesmüh vom dreckigen Pöbel beinahe gelyncht wird. Schwachpunkt ist vor allem das „Monster“: zum einen ist Michael Gwynn kein Christopher Lee, zum anderen fehlen, bis auf die Operationsnarben, die typischen Monstermerkmale und zum Dritten wirkt Gwynn mehr wie das Opfer eines Schlaganfalls (was ja technisch nicht ganz falsch ist).

Die britischen Kritiker waren von Frankensteins Rache nicht unbedingt „amused“; die Postille Daily Telegraph verlangte gar, dass der Film mit der Klassifizierung „nur für Sadisten geeignet“ versehen werde. Sporn des Anstoßes war die Szene, in der Karls Gehirn von einem Behälter in eine mit Flüssigkeit gefüllte Pfanne transportiert wird. Nun, vielleicht hat man es auf den britischen Inseln nicht so mit Gehirnen; das Land der Dichter und der Denker sind immer noch wir. („Richtig Kalle! Un nu machmama ne Flasch Bier auf, läuft gleich Dschungelgamp!“)


11. Mike Lane

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Ohne den Untertitel hätte niemand bemerkt,
dass Mike Lane NICHT Boris Karloff ist –
zumindest die Wenigsten.


Boris Karloff kehrte, eine Dekade nach seinem Auftritt in House of Frankenstein, zu seinen Leisten zurück und spielte im B-Movie Die Hexenküche des Dr. Rambow (Regie: Howard W. Koch) Baron Viktor von Frankenstein und nicht das Monster (diese fragwürdige Ehre wurde Mike Lane zuteil).

Hier ist Frankenstein dass Opfer von Nazis, die im zweiten Weltkrieg sein Gesicht mangels Kooperationsbereitschaft verunstalteten. Frankenstein will einen perfekten Klon schaffen, aber es fehlt die nötige Marie, und daher erlaubt der Baron einem Fernsehteam eine TV-Doku über seine monstererschaffende Mischpocke zu drehen. Mit der erwirtschafteten Penunze kann sich Frankenstein einen privaten Atomreaktor leisten und sein Monster – mit dem Gehirn seines Butlers, für den Rest der Körperteile muss das Filmteam herhalten – zusammenbasteln.

Wir merken es schon: man wollte die altehrwürdige Frankenstein Geschichte in die Zukunft versetzen, daher der futuristische Originaltitel Frankenstein 1970. Im utopischen 1970 ist reanimierendes Blitzlicht natürlich passe, da jedermann und sein dämlicher Bruder einen privaten Atomreaktor besitzen.

Das Monster ist wahrlich kein Augenschmaus: der kübelförmige Schädel unter Mumienbandagen versteckt und mit Werwolf-artigen Klauen versehen, bekommen wir das Unding nur kurz zu Gesicht (der wahre Bösewicht ist, wie auch in den Hammer-Produktionen, der Baron selbst).

Ex-Wrestler Lane sollte die Rolle des Monsters ein zweites Mal in der kurzlebigen TV-Serie Monster Squad, die es auf ganze fünf Folgen brachte, spielen (siehe Bild).

Vom Erfolg der Filme Frankensteins Fluch und Frankensteins Tod inspiriert, wurde der Streifen mit einem Mini-Budget in nur acht Tagen abgedreht. Die Zensur hatte aber die Geräusche der Maschine, mit der Frankenstein die Körperteile zermahlt, zu bemängeln. Also wurden die Laute schnell durch den Soundtrack einer Toilettenspülung ersetzt. Das animierte das Publikum zwar zu wahren Lachkrämpfen, aber immerhin: es war das erste Mal in der Geschichte Hollywoods, dass eine Klospülung zu hören war.

Aber auch selbst legte sich die Produktion Steine in den Weg: um die Werbetrommel zu rühren, schickte man die Schauspieler Charlotte Austin und Don ‚Red’ Barry zu diversen Talk-Shows – wo diese auch auftauchten, alle sternhagelvoll und den Film als das identifizierten, was er in Wirklichkeit war: ein rechter Humbug.


12. Don Megowan

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Don Megowan: Das Monster entspannt bei einer Tasse Tee,
aber die Harmonie soll nicht lange wären.


Tales of Frankenstein, eine Koproduktion zwischen Hammer Films und Columbia Pictures, war als TV-Serie konzipiert, im Endeffekt aber eine Totgeburt. Curt Siodmak, Drehbuchautor vieler klassischen Universal-Horrorfilme, sollte Regie führen; als Baron Frankenstein verdingte man den deutschstämmigen Anton Diffring und Don Megowan das Monster.

Hammer und Columbia konnten sich einfach nicht einigen: zum einen lag die Frage, wie man den Profit verteilen sollte, in der Luft, zum anderen kam man auf kein einstimmiges Konzept. Während Hammer eine Art „Abenteuer des Baron Frankenstein“ im Stil der „Dr. Who“-Serie(n) produzieren wollte, schwebte den Columbia Produzenten eine Anthologiereihe vor, die sich auf die Misserfolge der Wissenschaft konzentrierte.

Was im Endeffekt blieb, war ein halbstündiger Pilotfilm, der erst Jahre später das Licht der Welt erblickte und heute nur mehr als interessante Fußnote in der Monsterfilmgeschichte gilt.


13. Harry Wilson

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“Mensch, das soll ein weibliches Monster werden,
also klatsch gefälligst Lippenstift und Lidschatten drauf!“


Das Jahr 1958 war ein gutes Jahr für den Frankenstein’schen Clan, zumindest was die Menge angeht: gleich fünf Werke wurden produziert, wenngleich keines an die Qualität der früheren Filme herankam. Der Letzte der Saison, Frankensteins Tochter – Die Unheimliche (Originaltitel: Frankenstein’s Daughter) sollte ein pures, für die Autokinos fabriziertes Trashmachwerk werden.

Hier versteckt sich, Oliver (Donald Murphy), der Enkel des ersten Frankenstein, im Labor des gutmütigen Wissenschaftlers Dr. Morton (Felix Locher) und versucht, wie einst der Opa, künstliches Leben herzustellen. Bei seinen ersten Experimenten schafft Frankenstein es lediglich Mortons Nichte Trudy (Sandra Knight) zu verunstalten – dann glückt es ihm doch noch, ein Monstrum (Harry Wilson) aus Leichenteilen zusammen zustöpseln, das sich sogleich befreit und in Los Angeles Amok läuft.

Wie man sich denken kann, ist Frankensteins Tochter – Die Unheimliche eine recht lachhafte Affäre und gilt noch heute als einer der miserabelsten Horrorfilme die je produziert wurden. Man ließ Maskenbildner Harry Thomas darüber im Dunkel, dass das erste Monster weiblich werden sollte, und für eine zweite Maske reichte das Budget nicht. Aber Thomas hatte eine Eingebung und verschmierte sein Machwerk rasch mit Lippenstift und einer großzügigen Portion Lidschatten. Als Regisseur Richard E. Cunha das Endresultat zu Gesicht bekam, brach er mit einem Heulkrampf zusammen – wer sagt dass Trashregisseure kein Herz haben?

Zumindest konnte man bei Monsterdarsteller Harry Wilson sparen, da dieser – wie schon Rondo Hatton, Richard Kiel und Abraham Lincoln – an Akromegalie litt, was ihm einen Riesewuchs und „natürlich“-monströse Züge verlieh.


14. Joaquin Cordero

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Und viel mehr war über den ersten mexikanischen Frankenstein
nicht in Erfahrung zu bringen.


In Mexiko kam man erst recht spät auf die Idee, einen eigenen Frankenstein-Film zu produzieren. 1960 wurde The Hell of Frankenstein (Originaltitel: Orlak, el infierno de Frankenstein, Regie: Rafael Baledon) gedreht, in dem Andres Soler den kriminellen Dr. Frankenstein und Joaquin Cordero die Kreatur Orlak spielt. Ursprünglich als vierteilige Miniserie konzipiert, schnitt man das Material kurzerhand zu einem eineinhalbstündigen Film zusammen. Ein äußerst obskurer Streifen, der bis auf ein paar ausgeleierter Videokassetten, die vielleicht noch im Lateinamerikanischen Raum kursieren, heute wahrscheinlich aus den Annalen der Monsterfilmgeschichte verschwunden ist.


15. Kiwi Kingston

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Kiwi Kingston, der viereckigste Quadratschädel
der Frankenstein-Frankchise.


1964 schlüpfte Peter Cushing zum dritten Mal in die Rolle des Baron Frankenstein und Freddie Francis führte bei Frankensteins Ungeheuer (Originaltitel: The Evil of Frankenstein) Regie.

Nach 10-jähriger Abwesenheit kehren der Baron und sein Diener Hans (Sandor Eles) nach Karlstadt zurück. Frankenstein hofft, dass nun endgültig Gras über die alte Geschichte mit dem Monster gewachsen ist, findet sein Haus jedoch in Trümmern und seine ehemaligen Besitztümer vom Dorfpöbel geklaut vor. In einer eisigen Berghöhle finden er die Überreste seines todgeglaubten Monsters (Kiwi Kingston) und reanimiert dieses mit Hilfe des Hypnotiseurs Zoltan (Peter Woodthorpe). Aber der Jahrmarkskünstler führt Böses im Schilde, missbraucht das Monster, indem er es auf den diebischen Bürgermeister hetzt, und lässt das Ungeheuer auch sonst lange Finger machen. Das Monster gerät bald außer Kontrolle und tötet Zoltan. Die Dorfbewohner, ahnend woher der Wind weht, ziehen erneut mit Heugabeln und Fackeln bewaffnet in Richtung Burg Frankenstein. Doch das wütende Monster kommt dem Mob zuvor und schlägt das Labor kurz und klein, was dazu führt, dass die Burg in die Luft fliegt. Nur Hans und das taubstummes Bettelmädchen Rena können den Flammen entkommen.

Frankensteins Ungeheuer gilt als Pseudo-Fortsetzung von Frankensteins Fluch, indem er Elemente des ersten Teils umgeht (dort wurde die Kreatur ein Opfer der Flammen; hier fiel er in eine Eisspalte) und den zweiten Teil komplett ignoriert. Er weicht zudem so weit von der Serie ab, dass er den Baron praktisch als Opfer der Umstände und nicht als Täter hinstellt.

Der Neuseeländische Wrestler Kiwi Kingston sollte das einzige Hammer-Frankenstein-Monster mit dem Karloff’schen Flachschädel bleiben (das Patent war zu dieser Zeit abgelaufen), und seine Rolle in Frankensteins Ungeheuer, abgesehen von einer kleinen Komparsenrolle in dem Freddie Francis Thriller Hysteria (1965), sein einziger Ausflug in die Welt des Kinos.


16. Fred Gwynne

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Das liebenswürdigste Frankensteinmonster der Welt:
Herman Munster, alias Fred Gwynne.


In den frühen 60ern war die ABC TV-Serie The Addams Family ein voller Erfolg und der Konkurrenzsender CBS wollte von diesem ein Stück abhaben. Man überredete Universal die Serie zu produzieren, um sich an den früheren Erfolg der Monsterfilme anzuhängen, und drehte 1964 den Piloten zu The Munsters, einer Addams Family ähnlichen „schrecklich netten Familie“.

Neben dem Dracula-esquen Großvater (Al Lewis), der vampirischen Gattin Lily (Yvonne De Carlo) und dem Werwolfsohnemann Eddie (Butch Patrick) war Herman Munster (Fred Gwynne) der (Flach)-Kopf der Sippe, die – scheinbar ihrer Andersartigkeit nicht bewusst – im Spießbürger-Amerika der späten 50er Jahre ein „normales“ Dasein führen will.

Mit der skurrilen Mischung aus flachem, gutmütigem Witz, Sitcom-Elementen und Geisterbahnatmosphäre erhielt The Munsters bald Kultstatus sowie eine eingefleischte Fangemeinschaft (sowohl in den Staaten als auch in Europa) und brachte es auf immerhin 70 Episoden. Der Serie folgten zwei Abendfüllende Spielfilme; 1966 Gespensterparty (Originaltitel: Munster Go Home, Regie: Earl Bellamy) und 1981 Die Munsters – Die Rückkehr der Familie Frankenstein (Originaltitel: The Munsters’ Revenge, Regie: Don Weis).

Der Kultstatus von The Munsters führte zu etlichen Nachfolgerserien, wie die Zeichentrickserie The Mini-Munsters (1973), Familie Munster in den 80er-Jahren (mit John Schuck als Familienoberhaupt), Eine Unheimliche Familie zum Schreien (1995, mit Edward Herrmann) und zuletzt 2012 die „zeitgemäße“ (sprich: weitaus schwärzere) Version Mockingbird Lane, in der Jerry O’Connell den Herman Munster spielt. An den Scharm des Originals konnte keine der Serien heranreichen.


17. Koji Furuhata

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Only in Japan! Karate-Riesen-Frankenstein
mit Affengesicht: Koji Furuhata.


„Keine Party ohne die Japaner“, sprechen vor allem die Filmproduzenten aus dem Kaiserreich Nippon, und es verwunderte dann doch etwas, dass die Inselbewohner bis 1965 warteten, um sich am Frankensteinstoff gütlich zu tun: Frankenstein – Der Schrecken mit dem Affengesicht (Originaltitel: Furankenshutain tai chitei kaijû Baragon, Regie: Godzilla-Veteran Ishirô Honda) war der Titel des wohl obskursten aller Frankenstein-Filme.

Zu Ende des zweiten Weltkrieges bekommen die Nazis das „unsterbliches Herz“ von Frankenstein in die Klauen und geben dieses zu Experimentierzwecken an ihre japanischen Alliierten weiter. Doch bei der Bombardierung Hiroshimas wird das Organ (scheinbar) zerstört.
Jahre später finden die Wissenschaftler Dr. Bowen (Trash-Legende Nick Adams) und Dr. Kawaji (Tadao Takashima) in den Ruinen Hiroshimas einen verwilderten Jungen (Kôji Furuhata), der scheinbar Frankensteins Herz gefressen hat. Dies, gepaart mit einer fetten Dosis Radioaktivität, verleihen ihm nicht nur einen gigantischen Wachstumsschub, sondern auch noch die Unsterblichkeit. Bevor man den Jungen, genannt „Frankenstein“ (im Japanischen: „Furankenshutain“), für Forschungszwecke demontieren kann (aus humanitären Gründen will man sich dabei auf einen Arm und ein Bein beschränken), taucht der feuerspeiende Riesendrache Baragon auf und legt ein paar Grosstädte in Schutt und Asche. Frankenstein und Baragon kloppen sich nach alter Godzilla-Sitte bis sich die Erde auftut und beide verschlingt.

Dem Film folgte 1966 eine Quasi-Fortsetzung, in dem die übrig gebliebenen Zellen des Frankenstein-Jungens für die Geburt zweier gigantischer Ungeheuer verantwortlich waren und der in Deutschland unter dem Titel Frankenstein – Zweikampf der Giganten lief. Der Film wurde ein Kassenschlager, was die Verleiher dazu animierte, in Zukunft Godzilla-Streifen in Deutschland oft mit dem Beiwort „Frankenstein“ zu betiteln – so geschehen bei Frankenstein und die Monster aus dem All oder Frankensteins Monster jagen Godzillas Sohn (und deren viele mehr, aber da sollen sich die Godzilla-Freaks drum kümmern und einen anständigen Frankensteinianer in Ruhe mit lassen).

Vom Schauspieler (wenn es denn einer war) Kôji Furuhata fehlt seit Datum jede Spur. Wir nehmen stark an, dass man ihn auf Grund seiner extremen affenartigen Hässlichkeit (im Film wird er darum als „Kaukasier“ bezeichnet) mal schnell… na ja, ihr wisst: die Japaner sind da ein bisschen seltsam.

Wie bei vielen Dingen aus Japan sollte man auch bei Frankenstein – Der Schrecken mit dem Affengesicht nicht nach dem „Wieso“ and „Warum“ fragen (oder gar nach dem „Wer“ und dem „Was“). Man sollte sich nur darauf verlassen, dass der Film zu den amtlich verbuchten 50 schlechtesten Filme aller Zeiten zählt, und daher ein wahres Sammelsurium an Freude für Jung und Alt ist – zumindest was Freunde von abgedrehten Trashfilmen angeht.


18. Robert Reilly

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Only in Amerika! Astronauten-Roboter-Frankenstein
jagt notgeile Ausserirdische: Robert Reilly.


Als hätte man es den Japanern in Sachen strangeness nachmachen wollen, produzierte man im Land der unbegrenzten Möglichkeiten fast zeitgleich den Schwarzweißfilm Frankenstein meets the Space Monster (seltsamerweise sollte dies Regisseur Robert Gaffneys einziges kinematisches Werk bleiben).

Aber halten wir die Geschichte kurz und einleuchtend: ein Atomkrieg hat auf dem Mars sämtliches weibliches Leben zerstört. Die spitzohrigen Marsbewohner haben nun die Wahl: schwul werden oder auf die Erde fliegen und dort weibliche Terranerinnen kidnappen. Sie entscheiden sich für Letzteres und machen sich auf den Weg zum blauen Planeten, unter der Führung der Prinzessin Marcuzan (Marilyn Hanold – eine Handvoll Sand für den, der hier ein Plothole entdeckt) und ihrer rechten Hand, dem diabolischen Dr. Nadir (Lou Cutell).
Man landet auf Puerto Rico und schießt davor schnell noch eine NASA-Kapsel ab. Die Kapsel ist mit dem Androiden Frankenstein (Robert Reilly) bemannt, der ebenso auf der Karibikinsel notlandet. Da sein Denkzentrum bei der Attacke Schaden genommen hat, terrorisiert er fortan die braven Inselbewohner. (Und hier ein Gruß an meine angeheiratete Sippschaft auf Puerto Rico: nehmt euch vor dem Cupacabra, Marsianern und den selbstgebrannten Pitorro in Acht, Muchachos).

Zwei der offiziell schlechtesten Filme aller Zeiten, beide im selben Jahr produziert und beide unter dem Deckmäntelchen Frankenstein, dass sollte ausreichen selbst den eingefleischtesten Atheisten so etwas wie einen „Glauben“ zurückzugeben.

Reilly selbst hat die Schauspielerei an den Nagel gehängt und ist heute Kandidat in der New York State Assembly (dem Unterhaus der Legislatur) – für die Demokraten, selbstredend. Apropos Demokraten, wo wir gerade vom absoluten Bösen reden (und weil wir bei BadMovies Menschen sind), wollen wir euch das Antlitz des Bösen nicht vorenthalten und präsentieren: Dr. Nadir!


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Erblicket Dr. Nadir und erschauert, ihr Menschlinge!!!1!



19. Carl Bolder

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Das erste Frankenstein-Monster mit
… nun, Schmetterlingstätowierung: Cal Bolder.


Der Leser mag es bemerkt haben: wir gehen langsam aber sicher in das Gefilde Thrashfilm über. Der Horror-Western-Hybridfilm war eine kurzlebige Angelegenheit und so wurde 1966 – zusammen mit Billy the Kid vs Dracula als „Double-Feature“ vermarktet – Jesse James meets Frankenstein’s Daughter (Regie: William Beaudine) produziert und zu den US-amerikanischen Autokinos geschafft.

Hier die Kurzfassung: Frankensteins Enkelkinder Maria (Narda Onyx) und Rudolph (Steven Geray) verschanzen sich irgendwo in der Prärie und experimentieren fröhlich vor sich hin; Outlaws Jesse James (John Lupton) und Hank Tracy (Cal Bolder) rauben Postkutsche aus, aber Hank wird schwer verletzt; Maria verabreicht Hank ein neues Gehirn und Hank heißt von nun an Igor; Rudolph will Igor vergiften, wird aber von Igor erwürgt; Jesse wird von Maria gefangen genommen, aber von Estelita (einer Mexikanerin) befreit; Maria befiehlt Igor Estelita zu töten, aber Igor erwürgt Maria; Jesse erschießt Igor und reitet in den Sonnenaufgang. The End.

Erwähnenswert ist, dass Jesse James meets Frankenstein’s Daughter Regisseur Beaudines letzter offizieller Film sein sollte (er starb 1970 an Urämievergiftung; der Volksmund spricht auch von Pisse). In der Industrie war Beaudine als „One-Shot-Bill“ bekannt und brachte es auf über 360 Produktionen, Filme und TV-Episoden.

Eigentlich war der Monster-Darsteller Cal Bolder kein echter Schauspieler, sondern ein kalifornischer Highwaypolizist namens E.C Craver. Das Schicksal wollte es, dass Craver einen vorbeibrausenden Filmagenten um dessen Papiere bat – der Agent maß schnell Cravers Umfang (180 Kilo Muskeln bei 195 Körpergröße; 52 Inch Brust, 32 Inch Hüfte), verpasste dem verblüfften Polizisten den weitaus männlicheren Namen Cal Bolder und schleppte ihn hinfort, Richtung Hollywood.

Über Bolder/Craver hat die IMDB jenes zu berichten:

  • Publizierte seine Novelle „Last Reunion“ unter seinem echten Namen
  • E.C Craver. Schrieb vor kurzem eine andere Novelle die noch nicht Publiziert wurde.
  • Geboren: Earl C. Craver, 14. Juni 1931 in Elkhart, Kansas, USA.
  • Gestorben: 19. Januar 2005 in Royal City, Washington, USA.

Vielleicht hat ja Maria ihre Finger mit ihm Spiel gehabt.


20. Bryant Haliday

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Die Fliege” meets “Two-Face”, aber ein Frankenstein-Film
lässt sich immer am besten verkaufen: Bryant Haliday.


Dr. Steiner (Bryant Haliday) ist eigentlich ein braver Wissenschaftler, der sich mit dem interessanten Thema Teleportation befasst. Als er versucht, sich mittels Laserstrahlen selbst zu „beamen“, schlägt das Experiment fehl; Steiners rechte Körperhälfte wird nicht nur verunstaltet, sondern wirkt auch tödlich auf jeden der ihn berührt.

Der Film wäre wahrscheinlich längst in Vergessenheit geraten, hätten ihn die Filmhistoriker von MST3K nicht in ihr Programm genommen. Teils zu Unrecht, da Frankenstein 70 – Das Ungeheuer mit der Feuerklaue (Originaltitel: The Projected Man, Regie: Ian Curteis) zwar ganz klar ein Billigprodukt, aber dennoch ein atmosphärisches recht solides Stück Trashkino ist.

Der Verleih hat ein wenig geschummelt: obwohl der Film im Prinzip eher an Die Fliege erinnert, verpasste man dem „projektierten Mann“ den Deutschen Titel Frankenstein 70 – Das Ungeheuer mit der Feuerklaue. Gut, kein Frankenstein, keine Feuer (Steiner tötet seine Opfer mittels Elektrizität), aber zumindest das mit der Klaue stimmt – und irgendwie müssen wir die 80 ja voll kriegen.


© 2013 Thorsten Atzmueller


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Weitere Teile

80 Frankensteine in 103 Jahren, Teil 2: 1967-1977

80 Frankensteine in 103 Jahren, Teil 3: 1981-1998

80 Frankensteine in 103 Jahren, Teil 4: 1998-2013