80 Frankensteine in 103 Jahren, Teil 2

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80 Frankensteine in 103 Jahren, Teil 2: 1967-1977


21. Susan Denberg

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Das erste weibliche Hammer-Frankensteinmonster: Susan Denberg.


1967, im vierte Hammer-Frankenstein Film Frankenstein schuf ein Weib (Originaltitel: Frankenstein Created Woman, Regie: Terence Fisher) spielt die Klagenfurter Schauspielerin und das ehemaliges Playmate in einem, Susan Denberg (gebürtige Dietlinde Zechner), das weibliche Monstrum; obwohl das Wort „Monstrum“ hier nur bedingt passt.

Christina ist die verkrüppelte und verunstaltete Tochter eines Gastwirtes, die arg unter dem Spott der Wirtshausfliegen zu leiden hat. Glücklicherweise ist ihr Geliebter Hans (Robert Morris) der Assistent von Baron Frankenstein (zum vierten Mal: Peter Cushing).
Frankenstein, anscheinend gelangweilt mit dem ewigen Hin-und-her-Schieben von glitschiger Gehirnmasse, beschäftigt sich gerade damit, die Seele kürzlich Verstorbener in einen neuen Körper zu transferieren.
Hans wird fälschlicherweise des Mordes angeklagt und landet unter dem Fallbeil; das bricht Christina das Herz und sie springt von einer Brücke. Man bringt ihre Leiche zu Frankenstein, der es schafft, den Körper nicht nur mit der Seele von Hans zu beleben, sondern Christina nach zahlreichen Operationen in eine bildhübsche Frau verwandelt. Nun nimmt Christina blutige Rache an ihren ehemaligen Peinigern und an denen, die Hans an den Scharfrichter verpfiffen haben. Das Werk vollendet (trotz Frankensteins Gejammers, der einen Narren an seiner Kreatur gefressen hat), ertränkt sich Christina zum zweiten und finalen Male.

Martin Scorsese zählt Frankenstein schuf ein Weib zu einem seiner Lieblingshorrorfilme, aber die meisten Fans waren eher enttäuscht. Zwar tut Denberg dem Auge gut, aber ein richtiger Frankenstein-Film braucht eben ein richtiges Frankenstein-Monster. Außerdem eine deftige Gehirntransplantation, da kommt der metaphysische Seelen-Hokuspokus einfach nicht heran (auch wenn die üblichen Laborszenen vorhanden sind und Christinas „Eine Kreatur sieht Rot“-Vendetta ein paar recht blutige Momente hat).

Abgesehen von kleineren Rollen in den TV-Serien 12 O’Clock High und Star Trek, und einem Auftritt in Mord aus zweiter Hand, sollte Frankenstein schuf ein Weib Denbergs letzte Filmrolle bleiben. Die ehemalige Playmatekandidatin des Monats (August, 1966) hatte genug vom Sex, Drugs & LSD der 60er Jahre und zog zurück ins Ländliche (heißt: Österreich).


22. Robert Rodan

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Seifenopernfrankenstein Robert Rodan.


Eine Seifenoper die es auf respektable 1225 Folgen geschafft hat, muss sich etwas einfallen lassen, um die Stammkundschaft bei der Stange zu halten – auch wenn die Serie Dark Shadows heißt und die erste Vampirseifenoper der Filmgeschichte ist. Was lag also näher als dem Blutsauger Barnabas Collins (Jonathan Frid) den alterwürdigen Dracula-Sidekick, das frankensteinsche Monster an die Seite zu stellen?

Diese wurde 1968 für 77 Episoden von Robert Rodan verkörpert: die Kreatur wurde von Dr. Eric Lang (Addison Powell) zusammengebastelt, vom vampirischen Barnabas zum Leben erweckt, im Keller als potentielles Faktotum gefangen gehalten und auf den Namen Adam getauft.

Wie es bei Dark Shadows Sitte war, gab es viel Herzschmerz um den künstlichen Menschen und die „Adam & Eve“-Storyline gehört für die Fans zu einer der populärsten der Serie. Zu guter Letzt wurde Adam von Professor Stokes (Thayer David) operiert, seine Narben entfernt und die Kreatur verschwand aus der Serie.

Wie bei allen Dingen Dark Shadows lässt sich auch hier sagen: wer’s braucht.


23. Ian Holm

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Hätte er noch seinen alten Ring, sähe er wahrscheinlich gesünder aus:
Bilb… will sagen, Ian Holm.


Ian Holm hat in seiner Karriere ja schon praktisch alles gespielt was es zu spielen gibt, sei es einen ringsüchtiger Hobbit, Jack the Ripper, Napoleon Bonaparte, israelische Freiheitskämpfer und hochrangige Nazikader. Mit Frankenstein hat sich Sir Ian gleich zweimal auseinandergesetzt, einmal 1968 in der TV-Produktion Frankenstein aus der britischen Anthologieserie „Mystery and Imagination“ (Regie: Voytek) und zuletzt als Papa Frankenstein in Kenneth Branaghs 1994er Version Mary Shelleys Frankenstein.

Die „Mystery and Imagination“-Folge hält sich eng an Mary Shelleys Vorlage, was bis dato relativ selten war, denn beim Namen Frankenstein bezog man sich eher auf die Universal- und Hammer-Monstren.
Holm spielt den Baron und zugleich die Kreatur (die Frankenstein nach seinem eigenen Ebenbild erschafft), und wie von Holm zu erwarten ist, spielt er fabelhaft. Nur muss man zum einen Fernsehspiele mögen.

Die Folge galt jahrelang als verschollen und wurde erst vor wenigen Jahren auf DVD veröffentlicht.


24. Freddie Jones

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Guter Schauspieler aber als Frankensteins Monster
ein ziemlicher Schnarcher: Freddie Jones.


Hammer-Frankenstein die Fünfte. 1969 in Frankenstein muss Sterben (Originaltitel: Frankenstein must be destroyed) war Hammer-Stammspieler Freddie Jones an der Reihe, die Kreatur zu mimen.

Frankenstein (Peter Cushing) ist mit seinem Latein am Ende und der einzige, der Antworten auf seine wissenschaftlichen Fragen haben könnte, ist sein ehemaliger Kollege Dr. Brandt (George Pravda).
Brandt sitzt in einem Irrenhaus und stirbt langsam vor sich hin, da sein Gehirn nicht mehr mit Sauerstoff versorgt wird. Mit Hilfe des jungen Medizinstudenten Karl (Simon Ward), deren Verlobte Anna (Veronica Carlson) Frankenstein beim Stibitzen von Narkotika erwischt hat, befreit Frankenstein Dr. Brandt und verpflanzt dessen Gehirn in den Körper des katatonischen Professor Richter (Freddie Jones).
Brandt/Richter/Kreatur ist vom eigenen Aussehen entsetzt und entfleucht. Als selbst seine Ehefrau ihn nicht mehr erkennt, will Brandt Rache. Er schließt sich mit Frankenstein in seinem Haus ein, steckt dieses in Brand und lässt Frankenstein die Wahl zwischen verbrennen oder sich der Polizei ausliefern. Frankenstein wählt Option A.

Diesmal ist endgültig klar, dass Frankenstein der eigentliche Schweinehund der Serie ist, der auch davor nicht zurückschreckt, die Verlobte seines unfreiwilligen Helfershelfers Karl zu vergewaltigen. Brandt ist das bedauernswerte Opfer von Frankensteins Machenschaften und Sympathienträger des Films, aber wo man für die frankensteinsche Kreatur ja für gewöhnlich eine Mischung aus Furcht, Abscheu und Mitleid empfindet, scheint Jones als Monster eher lasch, ja, sogar farblos. Dafür kompensiert der Rest der Handlung, die deutlich dunkler und trister als die der Vorgänger ausgefallen ist.

Noch ein Wort zu der berüchtigten Vergewaltigungsszene: weder Cushing, Carlson noch Regisseur Terence Fisher wollten diese im Film haben, aber Produzent James Carreras war vehement dafür und erhoffte sich damit beim amerikanischen Publikum besser anzukommen.


25. Paul Naschy

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Der Komplettist des Horrorfilms: Paul Naschy.


Kommen wir endlich zum Schutzpatron des europäischen Trash-Horrorfilms: wie schon erwähnt war Paul Naschy eine der wenigen Schauspieler neben Lon Chaney Jr die sämtliche klassischen Filmmonstren gespielt hat. Seine Paraderolle war sicher die Darstellung des Wolfsmenschen Waldemar Daninsky, aber auch Dracula, die lebende Mumie, Bucklige, nekrophile Leichengräber, Zombies und psychopathische Edelleute gehörten zu Naschys Repertoir. 1970 sollte Naschy nun endlich einmal das Frankenstein Monster spielen:

In Dracula jagt Frankenstein (Originaltitel: Los Monstruos del terror, Alternativtitel: Assignment Terror, Regie: Tulio Demicheli) geben sich die vier klassischsten Monstren ein Stelldichein: die Bewohner des sterbenden Planeten Umo beschließen den toten Wissenschaftler Dr. Warnoff (Michael Rennie, in seiner finalen Rolle) und seine Assistentin Maleva Karnstein (Karin Dor) wiederzubeleben. Deren Auftrag ist es, mythische Monster wie Dracula, die lebende Mumie Pha-ho-tep, den Werwolf Waldemar Daninsky und das Frankenstein-Monster (hier als Faranksalans Ungeheuer betitelt) zu finden und mit deren Hilfe die Erde zu erobern. Doch die Monstren geraten außer Kontrolle und schon bald, nun, „jagt Dracula Frankenstein“.

Wie zu erwarten ist Dracula jagt Frankenstein so thrashig wie es nur geht, eine Mischung aus Euro-Horror-Schund, Edgar Wallace, 007-Agententhriller und ein paar Tropfen Science-Fiction. Naschy gibt mal wieder den widerwilligen Werwolf Waldemar, spielt aber bei Nahaufnahmen auch das Frankenstein Monster – wobei „spielen“ womöglich das falsche Wort ist: Michael Myers Gummimaske zeigt mehr Emotionen als Naschy in seiner Monsterinterpretation.

Alles in Allem ist Dracula jagt Frankenstein ein Schmankerl für Genrefans, allein schon die Elektrofolterszene mit Karin Dor ist eine Sichtung wert.


26. Ty Haller

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Komödie oder sozialkritischer Horrorstreifen?
Dr. Frankenstein on Campus ist sich selbst nicht ganz sicher.


Im 1970er Flick (Alternativtitel: Dr. Frankenstein on Campus, Regie: Gilbert W. Taylor) fliegt Viktor Frankenstein (Robin Ward) aus seiner Universität in Ingoldstadt und nistet sich in einer kanadischen Schule ein. Bei dem brillanten Professor Preston will Viktor mehr über Gehirnkontrolle lernen, aber als Campusradikale ein Bild von ihm beim Cannabisgenuss knipsen und in der Schulzeitung veröffentlichen, muss er erneut die Taschen packen.
Rachsüchtig wie die Frankensteins nun mal sind, injiziert Viktor dem debilen Taek-Wando-Experten Tony (Ty Haller) eine seiner neuentwickelten Gehirnkontrollkapseln und lässt diesen auf seine Peiniger los.
Außerdem hat Frankenstein ein düsteres Geheimnis, dass ihn selbst beim Sex mit seiner Freundin davon abhält, seine Klamotten auszuziehen.

Tja, was soll man nun von dem Filmchen halten? Ich weiß es nicht, ein Grossteil der Zuschauer wußte es nicht und scheinbar waren sich die Filmemacher selbst nicht sicher, ob sie nun eine leichte Sex-Klamotte, einen echten Horrorfilm oder gar eine sozialkritische Satire drehen wollten. Man entschloss sich für den goldenen Weg der Mitte, verfehlte aber die Landebahn komplett und produzierten ein Werk, das man bestenfalls als „obskur“ bezeichnen kann.

Sicherlich nicht jedermanns Sache, aber wenn ihr sowieso schon mal auf dieser Seite gelandet seit und dem Filmchen habhaft werden könnt, dann gibt es sicherlich schlechtere Methoden sich selbst die Zeit zu stehlen.


27. David Prowse

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Gab zweimal das Frankenstein-Monster
(Darth Vader nicht mitgezählt): David Prowse.


Ich kann mich irren oder es nur geträumt haben, glaube mich aber erinnern zu können dass George Lucas einmal erwähnt hätte, dass er gewisse Charakteristika von Darth Vader (David Prowse) auf Frankensteins Monster basieren würden.

Dieses spielte Prowse gleich zweimal: zum ersten Mal 1970 in Frankensteins Schrecken (Originaltitel: The Horror of Frankenstein, Regie: Jimmy Sangster), dem ersten und einzigen Hammer-Frankenstein, in dem nicht Peter Cushing sondern Ralph Bates den verrückten Gehirnvertauscher spielt. Bates portraitiert Frankenstein als arrogantes Ausscheidungsorgan (aber wie gesagt: es ist Ralph Bates und kann wahrscheinlich nicht anders) und Prowse erinnert an den unsterblichen Kurgan, nur dass Prowse eine Axt statt eines schottisches Claymords schwingt.

Hammer-Chef Jimmy Sangster besah sich das originale Drehbuch und kam zu der Realisation, dass der Film im Prinzip nur ein Remake von Frankensteins Fluch werden würde. Daher beschloss er, der Geschichte mehr Sex und eine gehörige Portion schwarzen Humor beizufügen. Außerdem sollte der jugendliche Bates an eine neue Generation von Fans appellieren, aber das Konzept ging nicht auf; die Fans wollten Cushing und nicht Bates sehen (habe ich schon erwähnt dass Bates ein arrogantes Arschloch ist?).

Cushing schlüpfte also 1973 erneut in den Ärztekittel, im finalen Hammer-Frankenstein Frankensteins Höllenmonster (Originaltitel: Frankenstein and the Monster from Hell, Regie: Terence Fisher). Diesmal stattet der Baron einen Urmenschen (oder nennen wir es gleich beim Namen und sagen Affenmenschen; wieder Prowse) mit dem Gehirn eines Kriminellen aus. Da seine Hände verkrüppelt sind, überredet Frankenstein den jungen, idealistischen, aber komplett wahnsinnigen Wissenschaftler Helder (Shane Briant) und die schöne Sarah (Madeline Smith), ihm zu helfen. Es kommt wie es kommen muss und das Monster läuft bald Amok.

Fünf Jahre später sollten Cushing und Prowse erneut zusammen vor der Kamera stehen (und Cushing sollte Prowse erneut zeigen, wer der Grand Moff ist). Jedoch die Zeit der Hammer-Frankenstein-Filme war endgültig vorbei.


28. Peter Whiteman

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Edel-Trash-Frankenstein Peter Whiteman.


Baron Frankenstein (Joseph Cotton) wird von seiner Kreatur (Peter Whiteman) umgelegt und Frankensteins Tochter Tania (Rosalba Neri) führt seine Experimente fort. Sie verliebt sich in den Assistenten Marshall (Paul Muller), der aber dem Sterben nah ist. Also transplantiert sie sein Gehirn in den gesunden Körper eines schwachsinnigen Dieners.
Alles scheint Friede-Freude-Eierkuchen, doch dann taucht das originale Monster wieder auf und will Rache an Tania und den Grabräubern nehmen, die einst seine Körperteile verhökerten.

Natürlich ist Lady Frankenstein (1971, Originaltitel: La Figlia di Frankenstein, Regie: Mel Welles) ganz großer Schmarn, Euro-Horror-Trash und Sexploitation, aber von der ganz edlen Sorte (wenn einem nach Derlei der Sinn steht). Und mit Trash, da kannte sich Regisseur Mel Welles aus; hatte er doch seine Lehrjahre bei Lichtgestalten wie Roger Corman absolviert, und in Filmen wie Little Shop of Horror (dem Original, nicht dem Remake) Dr. Heckyl und Mr. Hype oder Die Total Verrückte Highway-Polizei mitgewirkt, um nur drei zu nennen.

Das Drehbuch verfasste übrigens ein gewisser Dick Randall, selbst ein gestandener Veteran des schummrigen B-Films, der drei Jahre später seinen eigenen Frankenstein-Film drehen sollte; aber mehr davon etwas später.

Zudem spielte Herbert Fux einen der Grabräuber und seien wir ehrlich: ein Film in dem Herbert Fux keinen Grabräuber spielt, dem fehlt etwas.


29. John Bloom

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Ed Wood hatte Bela Lugosi und seinen Masseur –
Al Adamson hatte Lon Chaney Jr und John Bloom.


Eigentlich hatte John Bloom mit der Schauspielerei nichts am Hut: Der Mann war Buchhalter. Aber 1971 benötigte Regisseur Al Adamson für den Film Draculas Bluthochzeit mit Frankenstein (Originaltitel: Dracula Vs Frankenstein) einen extrem großen Darsteller und da kam Bloom mit seinen 2.24 Metern gerade recht. Adamson krallte sich noch einen Börsenmakler mit Afrofrisur (Zandor Vorkov, der eigentlich Roger Engels hieß), besetzte den als Dracula und bald war der Nonsens im Kasten. Laut Adamson ging ihm Bloom mit der ewigen Fragerei, ob sich der Film finanziell lohnen würde, gehörig auf die Nerven, aber bis heute ist Bloom der größte Darsteller der je ein Frankenstein-Monster spielte.

Zumindest hatte Bloom Geschmack am Gewerbe gefunden und spielte bis zu seinem Tod im Jahre 1999 (wie Richard Kiel und Harry Wilson litt Bloom an Akromegalie, sprich Riesenwuchs, der sein Herz extrem belastete) in über 20 Filmen, darunter in Brain of Blood, als Killer-Hillbilly-Reaper im Im Todestal der Wölfe. Zuletzt hatte er eine kleine Rolle in Star Trek VI – Das unentdeckte Land.

Ach so, wir erwähnten ja oben noch einen ehemaligen Frankenstein, Jon Chaney Jr.: der spielt in Draculas Bluthochzeit mit Frankenstein den Axtmörder Groton; kurz nach Drehschluss sagte Chaneys Leber „Arrivedercci“ – und Chaney tat es ihr gleich.


30. Fernando Bilbao

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In den Krallen von Jess Franco: Fernando Bilbao.


Zweimal machte Trash-Ikone Jesus Franco einen Ausflug ins Frankensteinland, einmal 1972 mit Das Blutgericht der gequälten Frauen (Originaltitel: La maldición de Frankenstein, Alternativtitel: Drácula, Prisioneiro de Frankenstein) und erneut im darauf folgenden Jahr in Die Nacht der offenen Särge (1973, Originaltitel: Dracula contra Frankenstein); in beiden Teilen spielte Fernando Bilbao die frankensteinsche Kreatur.

Für eine ausführliche Besprechung des erstgenannten Films sei DIESES Review unseres Hausherren zu empfehlen (der bekanntlich selbst eine Kreatur aus Frankensteins Gruselkabinett ist).

Bilbao sollte das Monster 1982 ein drittes Mal spielen, genauer genommen in Antonio Merceros Buenas Noches, Senor Monstruo (Alternativtitel: Good Night, Mister Monster), einer familienkompatibler Musical/Monsterkomödie, in der auch der Naschy-Paule einen namenlosen Werwolf gibt.


31. Xiro Papas

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Frankensteins Kreatur – Otto Frankensteins,
um genau zu sein: Xiro Papas.


Dr. Otto Frankenstein (Gordon Mitchell) baut sich ein Monster (Xiro Papas), nennt dieses ‚Mosaic“ (was eigentlich, technisch gesprochen, schon wieder ein Geistesblitz ist).
Mosaic bricht, Überraschung, aus dem Labor aus, irrt umher, tötet diverse Frauen (und vergewaltigt sie davor und danach – schließlich handelt es sich um eine italienische Produktion) und wird zu guter Letzt zur Strecke gebracht. Und das war auch schon die Geschichte von Frankenstein 80 (Regie: Mario Mancini) aus dem Jahre 1972.

Der Nächste bitte!


32. Joe De Sue

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Ein Genre das kein Blaxploitation-Plagiat hervorgebracht hat
ist praktisch kein Genre.


Man kann über Blacula (oder Black Belt Jones, und viele andere Blaxploitation-Streifen) sagen was man will: es war ein verdammt guter (Trash)-Film.

1973 war das Jahr in dem Frankenstein an die Reihe kommen sollte und musste – und wie, wenn nicht Blackenstein (Regie: William A. Levey), hätte der Film heißen können?

Der brave Vietnamveteran Eddie Turner (Joe De Sue) hat beim Kampf gegen südostasiatische Reisebauern Arme und Beine verloren und sucht Hilfe beim brillanten Dr. Stein (John Hart), der ihm neue Gliedmassen beschaffen soll.
Leider hat Steins Faktotum Malcolm (Roosevelt Jackson) ein Auge auf Dr. Steins bildhübsche Assistentin Dr. Winifred Walker (Ivory Stone) geworfen und nimmt deren Anteilnahme an Eddie persönlich. Der eifersüchtige Malcolm verabreicht Eddie das falsche DNA-Präparat und der Rumpfmensch verwandelt sich in ein gigantisches, mordlustiges Monstrum, das fortan die Gegend durchstreift und nach Opfern sucht. Er streift, und streift und streift – praktisch endlos, die Szenen in der er streift.
Dazwischen gibt es noch ein bisschen Stand-Up-Comedy in irgendeiner Trinkerhalle. Nun, es sind mehr als nur ein paar. Und verdammt lang sind sie auch noch. Dafür aber kein bisschen komisch.
Kurzum: der Film zieht sich dahin wie Kaugummi und irgendwann bekommt der Zuschauer Angst, sich vor lauter Gähnen eine Maulsperre zuzuziehen.

Wie gesagt: man kann über Blaxploitation denken wie man will – aber Blackenstein bleibt ein echter Stinker den kein Mensch braucht, egal of schwarz, weiß, gelb oder lilablassblau.


33. Srdjan Zelenovic

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Der Schönling unter den Frankensteinschen Monstern,
trotz unaussprechlichem Namen.


1973 war gerade noch ein Teil der „Swinging Sixities“ und so wurde es Zeit für einen echten Arthouse-Frankenstein: Andy Warhol’s Frankenstein (Originaltitel: Flesh for Frankenstein) hieß der Film, Paul Morrissey war der Regisseur und gedreht wurde in 3D (damals „Spacevision“).

Baron Frankenstein (Udo Kier) ist ein Mann mit einem Traum: er möchte ein neues, perfektes Menschengeschlecht erschaffen – wahrscheinlich lenkt ihm dass von dem Fakt ab, dass seine Frau (Monique van Vooren) eine Nymphomanin, sein Assistent Otto (Arno Jürging) ein Idiot und seine Kinder kleine Nekrophile sind, die mit Leichenteilen spielen.
Nun fehlt für die perfekte Kreatur noch ein Kopf, aber den soll der ewiggeile Stallbursche Nicholas (Joe Dallesandro) liefern. Leider geschieht ein Missgeschick und anstatt Nicholas muss der impotente Sascha (Srdjan Zelenovic) als Kopfspender herhalten. Der frisch Erschaffene zeigt wenig Interesse daran, sich mit der weiblichen Kreatur (Dalila Di Lazzaro) zu paaren.

Während des Abendvespers stellt der Baron seine Kreatur stolz vor, aber der Abend endet wenig feierlich (obwohl: Ansichtssache): Frankensteins Frau möchte sich von den sexuellen Qualitäten der Kreatur überzeugen, wird aber vom künstlichen Kraftprotz zerdrückt; Otto vergeht sich an der weiblichen Kreatur, die daraufhin den Geist aufgibt. Frankenstein erwürgt Otto, die Kreatur ersticht Frankenstein und entleibt sich aus purem Herzschmerz selbst. Bleibt noch Nicholas, der gefesselt in einer Ecke rum liegt, aber auf den kommen schon die mit Skalpellen bewaffneten Kinderlein zu.

In fast allen englischsprachigen Ländern (USA, Großbritannien, Australien) wurde der Film als Pornographie abgestempelt und schnurstracks verboten – da aber Zeiten und Wunder in den 70ern noch geschahen, ließ man ihn in (Echt)-Deutschland Andy Warhol’s Frankenstein ungeschnitten in den Kinos anlaufen. Wir nehmen an dass der Film in Sowjet-Deutschland unbekannt war – aber Archäologen zufolge gilt das auch für Filme, Kinos, Kinostühle und Tageslicht.

Und wo wir gerade beim Thema Frankenstein sind: Srdjan Zelenovic, das Frankenstein-Monster mit den weibischen Zügen und dem für menschliche Zungen unaussprechlichen Namen blieb nach Andy Warhol’s Frankenstein verschollen – und das ist auch gut so.

Was nun Andy Warhol mit der Sache zu tun hat? Nun, reichlich wenig – Morrisey war mit dem Perückenheini befreundet und durfte in den 60er Jahren beim Dreh von Warhols artsy-fartsy Heimfilmen das Stativ halten. Dieselbe Andy-Warhol-Masche sollte er im folgenden Jahr für Andy Warhol’s Dracula (wieder mit Kier in der Hauptrolle) erfolgreich wiederholen (und Jahre später versuchte Eli Roth denselben Trick beim Dreh von Hostel, als er mit der „Quentin Tarantino präsentiert“-Überschrift versuchte, sich als Regisseur auszugeben. Aber das ist eine andere Geschichte).

Gerüchten zufolge wurde der Film von Second-Unit-Regisseur Antonio Margheriti und nicht Morrisey (der, wie alle die je mit Warhol zu tun hatten, ein arger Stümper war) gedreht, was vom Stil her passen würde, aber von Udo Kier selbst dementiert wurde. Und können diese Augen lügen?


34. Bo Svenson

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Das Frankenstein-Monster mit den zertifiziert
blausten Augen: Bo Svenson.


Der TV-Zweiteiler Frankenstein (Alternativtitel: Frankenstein’s Monster, Regie: Glenn Jordan) aus der Serie „The Wide World of Mystery“ ist einer der wenigen Frankenstein-Streifen, der sich strikt an Shelleys Vorlage hält. Das kindlich-unschuldige Monstrum wurde 1973 von Bo Svenson gespielt, den Baron Frankenstein gab Seifenopernprinz Robert Foxworth und die wie immer verlässliche Susan Strasberg spielte die Elizabeth. Mit über vier Stunden in der Originalfassung ziemlich harter Tobak und für den typischen Trash-Fan nur wenig zu empfehlen: wenig Action, kaum Splatter, Nudity praktisch null.

Auch hierzu sei das Review unseres Dr. Acula zu empfehlen. Der gute Doktor konnte dem Film zwar wenig Gutes abgewinnen und stempelte ihn als Langeweiler ab, aber – psst, das bleibt unter uns – was versteht der Kerl schon von Literatur?

Bo Svenson sollte sich sein Brot über die Jahre in über hundert TV-Serien und B-Movies, meist als SS-Scherge, Söldner und harte Militärtypen verdienen – man kann es erahnen: die himmelblauen Augen waren es.
In den letzten paar Jahren durfte er auch in ein paar Tarantino-Streifen mitwirken – ob das nun gut oder schlecht ist, liegt im Auge des Betrachters.


35. Michael Sarazzin

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Noch ein Schönling unter den Frankensteinschen-Monstern:
Michael Sarazzin.


1973 war das Jahr der TV-Frankensteine – nach dem doch recht trockenen Frankenstein’s Monster kam Frankenstein: The True Story (Regie: Jack Smight). Der Dreistünder wurde von den Universal Studios produziert und die Belegschaft war allererste Sahne – Sir John Gielgud, Ralph Richardson, Tom Baker; von James Mason, Jane Seymour und David McCallum wollen wir erst gar nicht reden. Das Monster spielte der TV-Schönling Michael Sarazzin, der seine Mädchenschwarmfresse aber mit echtem schauspielerischem Talent entschuldigen konnte.

Auch hier will Baron Frankenstein (Leonard Whiting), nachdem sein Bruder bei einem Unfall ertrinkt, den perfekten Prometheus erschaffen, und scheinbar gelingt ihm das auch: seine Kreatur ist intelligent, von imposanten Aussehen und wird bald zum Darling der High-Society.
Aber der Schein trügt: mit verunreinigten Körperteilen bestückt, degeneriert die Kreatur zusehend und versucht sich selbst zu zerstören. Doch obwohl seine physische Schönheit zerfällt, ist sein Körper scheinbar für die Ewigkeit gemacht.
Frankensteins versucht erneut sein Glück und kreiert die weibliche Kreatur Prima (Jane Seymour); sein Fanatismus aber kostet ihm schließendlich seine Familie. Wie in Shelleys Vorlage, folgt Frankenstein der Kreatur ins ewige Eis und findet dort sein Ende.

Anders als der Titel verspricht, weicht Frankenstein: The True Story doch sehr von der Vorlage ab, viele der Elemente sind aus anderen, vorzugsweise den Hammer-Frankenstein-Filmen geborgt, was den TV-Zweiteiler aber nicht weniger ansehnlich macht. Fazit: wenn man schon eine (relativ) originalgetreue Verfilmung sehen will, dann sollte es Frankenstein: The True Story sein.


36. Carlos Suarez

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Mexikanische Maskencatcher gegen Lotter-Frankenstein:
Carlos Suarez.


Wie mit dem Blaxploitation-Genre ist es auch mit dem mexikanischen Lucha-Libre-Filmchen: es wird alles verwurstet was einem in die klobigen Wrestler-Finger kommt. Da war es nur eine Frage der Zeit bis sich Santo und der Blaue Dämon mit Frankenstein anlegten – und diese Zeit war 1974 gekommen:

In Santo y Blue Demon contra el Doctor Frankenstein (Regie: Miguel M. Delgado) will Dr. Irving Frankenstein (Jorge Russek) seine verstorbene Frau wiedererwecken und geht dafür über Leichen – vorzugsweise die Leichen von bildhübschen Frauen. Nur macht er der Fehler dass er sich als nächstes Opfer Alicia (Sasha Montenegro), die Freundin von Santo und Blue Demon, auserkoren hat. Die wollen sich das nicht bieten lassen und legen sich mit Frankenstein und seiner Horde Wrestler-Zombies an.

Ist wie mit allen ultra-thrashigen Lucha-Libre-Filmen: ist man ein Fan, wird man ihn kennen und lieben – mag man das Genre nicht, kann man sich auch Santo y Blue Demon contra el Doctor Frankenstein sparen und hat nichts verpasst.


37. Peter Boyle

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Der Schenkelklopfer unter den Frankensteins:
Peter Boyle.


In der anarchischen Slapstick-Schule à la Die Nackte Kanone und Airplane war Regisseur Mel Brooks immer schon der Professor-General – nichts war ihm je heilig; die ganz großen Filmmonstren hat er durch den Kakao gezogen, sei es Darth Vader, Hitler oder 1974 Frankenstein, und sollte sich damit ein Denkmal setzen.

Der junge Neurochirurge Frederick Frankenstein (Gene Wilder) will mit seinem berüchtigten Großvater Viktor eigentlich nichts zu tun haben und legt dementsprechend auch Wert darauf, dass man seinen Namen ganz amerikanisch als „Fränken-Stien“ ausspricht.
Doch als es ans Erben des großväterlichen Schlosses geht, reist er mit seiner Frau Elizabeth (Madeline Kahn) ins ferne Transsylvanien. Dort wird das Paar bereits erwartet von der seltsamen Haushälterin Frau Blucher (Cloris Leachman), der deftigen Magd Inga (Terri Garr) und dem Ex-Faktotum Igor (Marty Feldmann) mit seinem Buckel, den er mal links und mal rechts trägt. Frederick findet die Aufzeichnungen des alten Frankenstein und entdeckt, dass an der Arbeit seines Opas durchaus etwas dran sein könnte.

Wie gesagt, Frankenstein Junior (Originaltitel: Young Frankenstein) ist Slapstick in seiner pursten und feinsten Form. Die Witze kommen im Viertelsekundentakt, hart, flach und oft unter der Gürtellinie. Alleine Peter Boyle als Kreatur stiehlt die Schau und zeigt einer ganzen Generation von Möchtegern-Komödianten wo der LOL-Hammer hängt. Es bleibt Brooks bester Film und zählt zu den besten Komödien aller Zeiten.

Der Film wurde in schwarzweiß gedreht (obwohl eine Farbversion existiert), mit vielen Props und Requisiten aus Whales 1931er Frankenstein. Gerade das macht einen Teil des Charmes aus, denn Brooks hat die Atmosphäre des Originals praktisch eins-zu-eins repliziert.

Noch ein Warnwort: dank des praktisch unübersetzbaren Wortwitzes empfiehlt es sich, den Film UNBEDINGT in der Originalfassung anzusehen – sich sage nur: „Werewolf!“ – „Where-wolf?“ – „There! Wolf!“!


38. Loren Ewing

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Wieder einer von Franks lustigen Monstren,
diesmal leider unfreiwillig.


Regisseur Dick Randall hatte schon das Drehbuch für Lady Frankenstein verfasst und wollte sich 1974 selbst auf den Regiestuhl setzten, um Die Leichenfabrik des Dr. Frankenstein (Originaltitel: Il Castello della paura, Alternativtitel: Frankenstein’s Castle of Freaks) zu drehen.

Dr. Frankenstein (Rossano Brazzo), der anscheinend zum Grafen degradiert wurde, lebt glücklich und zufrieden mit seinem Zwerg Genz (Michael Dunn) und dem Faktotum Igor (Gordon Mitchell) in seinem Schloss und bastelt an seinem künstlichen Menschen Goliath (Loren Ewing). Nur Genz bereitet dem Adligen Sorgen: zum einen lässt sich der Kleine nicht davon abbringen die weiblichen Leichen zu befummeln, zum anderen voyeuriert er Frankensteins Tochter Maria (Simone Blondell) und deren steht’s halbnackten Freundin Krista (Christiane Royce) hinterher.
Es hilft alles nichts, Genz muss seine Koffer packen. Wutentbrannt tut er sich mit dem Neandertaler Ook (Boris Lugosi) zusammen und verspricht diesem ihm zu zeigen, „wie man das Leben genießt“ – heißt im Klartext: sie entführen, vergewaltigen und töten eine Schönheit aus dem Dorf vom nebenan.
Zu gleicher Zeit bricht Goliath aus seinem Gefängnis aus und macht einen Abstecher ins Kaff, um dort ein paar Dorftrottel umzubringen. Das ist dann den Dörflern doch zuviel und man macht sich laut krakeelend und fackelschwingend in Richtung Schloss Frankenstein auf.

Was sich hier wie eine drittklassige Horror-Komödie aus Bella Italia anhört, wird mit einer Ernsthaftigkeit zelebriert, dass Al Adamson vor Stolz und Freude ejakuliert hätte. Klar, Andy Warhols Frankenstein war auch trashig bis zum geht-nicht-mehr, aber er hatte dennoch eine gesunde Dosis Selbstironie – Selbstironie die diesem Streifen komplett abgeht. Wen wundert’s also, dass Die Leichenfabrik des Dr. Frankenstein als schlechtester Frankenstein-Film aller Zeiten gilt?


39. Aldo Maccione

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Ziemlich später Spaghetti-Carbonara-Frankenstein,
aber kommen musste er ja irgendwann.


Es musste ja so kommen: Blaxploitation, Luncha Libre, Sexploitation – warum die Pastafabrik Italien nicht schon früher ihre Fänge in das Frankenstein-Genre geschlagen hat, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben. Aber 1975 war es soweit: Casanova Frankenstein (1975, Originaltitel: Frankenstein all'italiana, Regie: Armando Crispino)

Dottore Frankenstein (Gianrico Tedeschi) will Hochzeit feiern und seine Janet (Janny Tamburi) ehelichen. Doch während der Zeremonie taucht sein „Sohnemann“, sprich, das Monster (Aldo Maccione) auf und zerfällt vor dem Traualtar in seine Einzelteile. Das kann der mitleidige Frankenstein nicht Gutheißen und so schickt er seinen Diener Igor (Ninetto Davoli), um frische Leichenteile zu besorgen, um damit seinen Filius wieder zu reparieren.
Nun ist da noch Alice (Lorenza Guerrieri), die sich in Frankenstein verknallt und das Hochzeitstreiben eifersüchtig beäugt hat. Alice nutzt die Gunst der Stunde, um dem Monster ein Serum ins Hinterteil zu spritzen, das ihn in ein sexsüchtiges Ungeheuer mit einem überdimensionalen „Ciabatta“ verwandelt.

Gut, Andy Warhole’s Frankenstein, Frankenstein 80 und Die Leichenfabrik des Dr. Frankenstein stammen alle aus dem Pastaland, aber Casanova Frankenstein war der erste mit jenem typisch infantilen Humor, der aus dem Italien der 70er Jahre zu erwarten war.
In anderen Worten: man nehme eine Brise Bud Spencer, verkleide das ganze mit einer Thomas Dannenberg Synchro, verpacke das wiederum in eine alte Mike-Hunter-Videokassette und füge dem Ganzen eine gehörige Portion Nackedeis hinzu, dann kann man sich dem Film bildlich vorstellen.

Seltsamerweise war solcherlei Blödeleien gar nicht Armando Crispinos Metier; der Regisseur war eigentlich mehr im Giallo/Italo-Trash Gefilde Zuhause und hat, unter anderem, den exzellenten Edgar-Wallace-artigen Das Geheimnis des Gelben Grabes gedreht.


40. Per Oscarsson

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Sollte sich 2010 wünschen, er wäre in der
kühlen Antarktis: Per Oscarsson.


1977 wollten sich die Skandinavier nicht nachsagen lassen, sie würden es nicht schaffen einen Frankenstein-Film auf die Reihe zu bringen, und produzierten Victor Frankenstein (Alternativtitel: Terror of Frankenstein, Regie: Calvin Floyd). Es war eine Schwedisch-Irländische Koproduktion, in der Per Oscarsson die Kreatur spielte. Der Film gilt als eine der originalgetreusten Adaptionen von Mary Shelleys „Frankenstein oder Der Moderne Prometheus“.

Oscarsson war einer der respektabelsten Schauspieler Schweden, wurde für seine Shakespeare Impression bekannt und gelobt – dafür, und dass er in einer Talkshow die Hosen heruntergelassen hat. Das Letzte das man von dem Schauspieler gehört hat ist, dass er 2010 zusammen mit seinem Bauernhof in Västra Götalands län, Westschweden, in Flammen aufgegangen ist. Es mag zynisch klingen, aber: ein passendes Ende für einen Frankensteinmonsterdarsteller.

Terror of Frankenstein sollte nicht nur der letzte Frankenstein-Film der 70er Jahre werden, sondern es sollte auch vier Jahre dauern, bis sich ein Filmemacher wieder an das Thema heranwagte.




© 2013 Thorsten Atzmueller



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