80 Frankensteine in 103 Jahren, Teil 3

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80 Frankensteine in 103 Jahren, Teil 3: 1981-1998

41. Steve Brody

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Ein schlechtes Omen für das, was in den nächsten paar Jahren noch kommen sollte:
Steve Brody.


Vier Jahre sind seit dem letzten Frankenstein-Film ins Land gegangen, die güldenen 80er sind angebrochen und nun beglückte uns Regisseur Jerry Warren mit seinem Werk Frankenstein Island (1981):

Vier Typen – Dino (Patrick O’Neil), Mark (Robert Christopher), Curtis (Tain Bodkin) und Dr. Hadley (Robert Clarke) – stranden auf einer von Amazonen bevölkerten Insel. Diese bildhübschen Frauen in Leopardenbikinis sind halb Mensch, halb Alien und hocken die meiste Zeit in ihrem Amazonencamp rum – eigentlich ist es weniger ein Camp als ein Steinhaufen rund um ein Lagerfeuer.
Dino sieht wie eine der Frauen sich in einem Spiegel begutachtet und eine andere mit einer Schlange herumhantiert. „Das ist der seltsamste Anblick den ich je gesehen habe“, resümiert Dino (der Reviewer wünschte, er könnte dasselbe behaupten).

Dann treffen wir noch auf die Ur-Ur-Urenkelin von Dr. Frankenstein (John Carradine, dessen Bildnis hie und da auftaucht und irgendein Gewäsch von sich gibt): Sheila van Helsing (Katherine Victor), ihr Ehemann (George Mitchell) und Clay Jason (Gordon Mitchell), der aus unbekannten Gründen in einer Gefängniszelle hockt und Edgar Allen Poe rezitiert. Außerdem einen Haufen Zombies mit Sonnenbrillen, falschen Schnurbärten und Plastikvampirzähnen. Und dann noch Frankensteins Monster (Steve Brody). Und dann passieren noch ein paar Sachen, die habe ich aber nicht mehr mitbekommen – ich sage nur: „Alkohol“, „Stroh-Rum“, „80 Umdrehungen“ und „halbe Buddel“.

Frankenstein Island ist einer dieser Filme wo der Reviewer sich frage: „Wo anfangen?“ (Aber auch „Warum?“ und „Ja, hab ich denn einen an der Schüssel?“, aber da wollen wir mal nicht drauf eingehen). Fangen wir doch gleich mit Regisseur Warren an. Warren kann man gerne als geistigen Bruder von Ed Wood sehen. Er wuchs in Hollywood auf und hatte nur eineneinzigen Wunsch: er wollte Filme zu produzieren. Von dem Fakt dass er komplett inkompetent war ließ sich Warren nie beirren. Mit Ach-und-Krach, einem Sack frommer Wünsche und einer Handvoll Dollars produzierte er Perlen wie Face of the Screaming Werewolf, Creature of the Walking Dead und The Wild World of Batwoman. Nach 15-jährigen Hiatus kurbelte Warren Frankenstein Island runter und ging danach an jenen Ort wo er Al Adamson und Ed Wood persönlich die Hände schütteln konnte.

Und wenn euch jemand vor die Wahl „Testbild, Tod oder Frankenstein Island gucken„ stellen sollte, empfehle ich die beiden erstgenannten Optionen.


42. Brian Libby

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So unbesiegbar, dass Chuck Norris ran musste:
Brian Libby.


John Kirby (Brian Libby) hat einen Amtlichen an der Waffel. Eines Tages vergisst er seine Pillen zu nehmen, schnappt er sich seine Feueraxt und metzelt seine Vermieterin ab. Das sieht Südstaatenlandei-Sheriff Stevens (Chuck Norris) gar nicht gern und pumpt den Irrsinnigen mit blauen Bohnen voll. Man schafft den Kadaver zu einem medizinischen Institut, wo er von Dr. Vaughn (William Finley) und seinem Assistenten Dr. Halman (Ron Silver) wieder zum Leben erweckt wird.
Aber die Doktoren haben sich mit dem Wiedererweckungsserum verschätzt und nun ist Kirby nicht nur wiederbelebt, sondern auch unsterblich und unverwundbar. Aber immer noch Plemplem, frönt Kirby weiterhin seiner Mordlust. Wieder muss Sheriff Stevens und sein Hilfssheriff Charlie (der menschliche Teddybär Stephen Furst) ran. Mit altbewährten Karatekicks befördert Stevens Kirby in ein begierig wartendes Brunnenloch, wo Kirby vermutlich noch heute vor sich hin dümpelt.

Nun, wenn wir Haarspalter wären, würden wir sagen dass Das Stumme Ungeheuer (Originaltitel: Silent Rage, Regie: Michael Miller) von 1982 kein echter Frankenstein-Film ist und der Name Frankenstein nie genannt wird. Aber es sind alle Element da, die schon in Mary Shelleys Werk genannt wurden: ein von einem durchgeknallten Wissenschaftler wiederbelebter Serienmörder und ein Karateka-Sheriff, also ab dafür. Außerdem haben wir 80 Frankenstein-Filme versprochen, nicht 79.

Sollte nur noch erwähnt werden, dass – neben Der Gigant und Der Boss von San FranciscoDas Stumme Ungeheuer einer von Carlos Ray Norris feinsten Filmen war, Nie war sein Schnurbart blonder und sein Tatsumaki Senpuu Kyaku geschmeidiger.


43. Marc Lavoine

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O la la, une francaise-caillou!


Natürlich wollten die Franzosen nicht hinter den Italienern, Japanern, Schweden und Mexikanern hinterher stehen und so produzierte Regisseur Alain Jessua 1984 den Streifen Frankenstein 90.

Was wir hier haben ist eine leichte Komödie, irgendwo zwischen den typischen Pierre Richard- / Louis-De-Funes-Kamellen: Im modernen Frankreich der 80er Jahre arbeitet ein Verwandter des ollen Frankenstein (Jean Rochefort) immer noch an der Erschaffung künstlichen Lebens. Wieder einmal gelingt das Unmögliche und Frankenstein erschafft gleich zwei Kreaturen (Marc Lavoine und Eddy Mitchell, aber wir ziehen hier Lavoine vor weil Mitchell ein hundsmiserabler Pop-Sänger und ein noch schlechterer Schauspieler ist). Wie Frankenstein Junior veräppelt Frankenstein 90 die beiden James-Whale-Frankensteine, der Humor ist aber zu keiner Zeit so abgedreht wie der von Brooks – dafür gibt es mehr blanke Haut und einen Hauch von Erotik. Die Franzosen wissen schließlich um ihren Ruf und was sie ihm schuldig sind.

Noch eine interessante Anekdote: das Drehbuch schrieb Paul Gegauff, ein langjährige Mitstreiter von Claude Chabrol. Es sollte Gegauffs letzte Arbeit werden. Der Schreiber wurde am Weihnachtsabend '83 von seiner Frau ermordet (ob das was mit dem Frankenstein 90 Drehbuch zu tun hatte ist nicht bekannt).


44. David Warner

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Wieder ein authentischer TV-Frankenstein:
David Warner.


Wahrscheinlich gab der deutsche Verleih Frankenstein (Regie: James Ormerod) 1984 den Titel Seelenlos – Ein Mann spielt Gott, weil es inzwischen auf dem Markt von Frankensteinen nur so wimmelte. Die britische TV-Adaption ist wieder eine, die sich sehr streng an Shelleys Vorlage hält: Den Baron Frankenstein spielt Robert Powell (Roger Daltreys Erzeuger in Ken Russells Tommy) und die Elizabeth niemand geringeres als Star Wars-Prinzessin Carrie Fisher (zu frisch-und-knackigen Zeiten; Gerüchten zufolge soll sie ja in den Sequels wieder dabei sein – diesmal als Jabba The Huts Schwester). Außerdem spielt Sir John Gielgud einen der überzeugendsten DeLaceys (sprich: der Blinde) diesseits von Gene Hackman.

Die Kreatur verkörpert David Warner. Es ist einer von Warners wenigen Rollen in der er den Sympathienträger spielen darf (die Jüngeren werden ihn ja vor allem als Titanic-Fiesling, die Älteren wahrscheinlich als Sauhund aus Tron kennen). Warners Kreatur ist wahrhaftig Mitleid erregend. Im Prinzip ein Opfer der Umstände, das nur auf der Suche nach Liebe und Zuneigung ist (und hier siehe der geneigte Leser das Badmovies-Forum).

Ein Jahr zuvor spielte Warner den Dr. Alfred Necessiter im Frankenstein-inspirierten Steve-Martin-Vehikel Der Mann mit den Zwei Gehirnen (für Steve Martin Verhältnisse ein echter Gähner) und sollte 1998 seine Stimme in der kurzlebigen Zeichentrickserie Toonsylvania dem Dr. Vic Frankenstein verleihen.

Definitiv einer der besten TV-Adaptionen von Shelleys Werk.


45. Miguel Angel Fuentes

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Kam mit relativ wenig Make-Up aus:
Miguel Angel Fuentes.


Freunde von Qualitätsfilmen werden den mexikanischen Hünen Miguel Angel Fuentes aus Filmen wie SOS Bermuda-Dreieck, Feuerwalze oder Der Puma-Man kennen; was nicht heißen soll dass Fuentes nicht auch gelegentlich in Trash-Produktionen mitspielt, beispielsweise 1982 in Fitzcarraldo, dem Film von dem Dingsbums-wie-heisst-er-noch-gleich-Klaus-Kinski-Menschen.

1984 spielte er in der mexikanischen Billigprodukt Frankenstein’s Great Aunt Tillie (Regie: Myron J. Gold) die Rolle, für die er geboren war: das Frankenstein-Monster.

Armutstouristen sei gesagt dass niemand anderes als Donald Pleasence den Dr. Frankenstein spielt und vielleicht war es ja für ihn immer noch besser als an der Ecke die Hand aufzuhalten. Das Elend ist Pleasence ins Gesicht geschrieben und wenn wir seine Körpersprache richtig eingeordnet habe, so war der Charakterdarsteller während der Dreharbeiten sternhagelvoll. Dasselbe kann man auch von Frankensteins Ex-Frau Sza Sza Gabor berichten (aber ein Baron Frankenstein war immer noch besser als der Zuhälterprinz, mit dem sie heute das (Kranken)-Bett teilen muss).
Wer einem wirklich Leid tun kann ist Yvonne Furneaux – von Fellinis La Dolce Vita, Polanskis Ekel und Hammers Der Fluch der Pharaonen war es sicherlich ein gewaltiger Sprung zu Tante Tillie in Frankenstein’s Great Aunt Tillie. Furneaux hat nach diesem Werk die Schauspielerei an den Nagel gehängt und lebt heute vermutlich wieder im heimischen Calais.

Kommen wir nun zum Humor. Ich sage nur: Fipps Asmussens Seal-of-approval. Kleine Kostprobe gefällig? Gut, ihr habt es nicht anders gewollt:

Das Monster nähert sich der kleinen Maria am Teich aber bevor es das Mädchen ins Wasser schmeißen kann, spricht jene: “Willst du mit mir spielen? Du bist zu alt für mich, warum spielst du nicht mit meiner Schwester da drüben? Sleepy, Sneezy, Grumpy, Dopey, Happy, Horny and Doc.“
Dann taucht die Schwester auf und führt eine Ballettnummer vor - nein, ich habe nicht (viel) getrunken!

Oder jene Oskar-verdächtige Szene, in welcher zwei Typen die Frankenstein Mischpocke mit einem Feldstecher beobachten und der einer darüber klagt, dass er nichts sehen kann. Sein Kumpel entfernt wortlos die Objektivklappen.

Aber vielleicht konnte man ja drüben in Mexiko darüber lachen. Wenn man in Guadalahara nach einem langen Tag von der Feldarbeit kommt und sich neben dem Burro vor dem Fernseher platziert, steht einem halt eher der Sinn nach leichter Muse und nicht nach Sergei Eisenstein.

Wie schrob ein IMDB Rezensent so passend: „Das Plastik nicht wert auf das es gebrannt ist.“


46. Clancy Brown

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“Ramirez Schwert hat euch nicht tief genug getroffen –
sonst wäre Euch Die Braut erspart geblieben.“


Bevor er Afrika vor dem Hungertod rettete (und nachdem er Reggaesongs von weit talentierteren Jamaikanern geklaut hat), lautete Stings Beschluss, dass er Schauspieler werden sollte. Dass er zur Schauspielerei keinerlei Talent hatte, fiel nicht weiter ins Gewicht. Die Rolle des Baron Frankenstein in Die Braut (Originaltitel: The Bride, Regie: Frank Roddam) schien ihm das rechte Vehikel zu sein.

Nun war es daran, die passende Aktrisse für die Rolle der künstlichen Frau Eva zu finden und man entschied sich für die Hupfdohle aus Flashdance – wahrscheinlich weil diese Sting, was schauspielerisches Talent angeht, in nichts nachstand.

Außerdem besetzte man einen Zwerg – namenlos, wie es bei den Zwergen Sitte ist – den man in einem Sack gepackt und vom Set von Monaco Franze – Der Ewige Stenz fort getragen hatte.

Auf Mutter IMDBs Informationsseite steht geschrieben: „Perry Fenwick passed on this project“; wir wissen nicht wer Perry Fenwick ist, können aber nur vermuten dass der Autor vergessen hat, der Zeile das Wörtchen „water“ beizufügen.

Und nun kommen wir zur unrühmlichsten Besetzung aller Zeiten. IHN, den männlichsten aller Männer; er, der „Den Preis“ verdient, wenn ihn ein schielender Franzose nicht durch einen Trick enthauptet hätte: den mächtigen Kurgan, - kurz, der ultimative Highlander-Antagonist, Clancy Brown wurde als Frankensteinsches Monster, das auf den Namen Viktor hört, besetzt.

Und schon war er fertig gedreht, der Film: käsig, schmierig, schmalzig, kitschig, ja – so abgeschmackt, dass einem allein beim Betrachten des Trailers die Schuhe zu schwitzen beginnen. Dass man Sting nicht mit einer Bassseite erdrosselt und somit an der Partizipation am Remake von Frankensteins Braut gehindert hat, kann nur als weiterer Beweis gelten, dass es keinen Gott gibt.

Was? Wie mir der Film gefallen hat, wollt ihr wissen? Nicht besonders.


47. Chris Sarandon

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Chris „Kinder und Teenies erschrecken ist mein zweiter Vorname“ Sarandon.


„Eine TV-Verfilmung von Mary Shelleys „Frankenstein“ – ob es wohl so etwas schon gegeben hat?“, müssen sich 1987 die Produzenten von Frankenstein (Regie: Burt Brinckerhoff) gefragt und diese Frage mit einem Negativ beantwortet haben .

Zwei Jahre nachdem er den Dracula'esquen Jerry Dandrige in Fright Night spielte, war nun Chris Sarandon an der Reihe die Frankenstein'sche Kreatur zu spielen. Sarandon muss zu dem Schluss gekommen sein, dass die Götter Hollywoods ihm sein gutes Aussehen neiden; warum sonst hätten sie seine Visage immer wieder hinter schrecklichen Masken verborgen (und ihn in Fright Night mit einem kessen Vater tanzen lassen)? Kurzum: nach Jerry Dandrige und Jesus Christus war Frankenstein das dritte Filmmonster das Sarandon spielen durfte.

Gut, wir wollen nicht ungerecht sein und dem Leser vorenthalten, dass es sich bei dieser Verfilmung um ein 60-minütiges Fernsehspiel für das US-amerikanische Kinderfernsehen gehandelt hat. Darum hat den Film auch kein Aas je gesehen, und die Kids die ihn doch gesehen haben, hocken heute alle in der Klapse.


48. Tom Noonan

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Der Voyeur unter den Frankensteinen (aber vielleicht hat er das ja vom Fenstergucker
Boris Karloff geerbt: Tom Noonan.


Tom Noonan ist ein exzellenter Schauspieler, sicherlich ein schrecklich netter Kerl und guter Ehemann, der Frau und Kinder selten schlägt, aber man muss bei der Wahrheit bleiben: der übergroße, wasserschädelartige Kopf hat ihn praktisch dazu prädestiniert, Serienkiller und Filmmonstren zu spielen, sei es im zweitbesten Schweigen der Lämmer–Film, im gehaltvollen RoboCop 2 oder eben 1987 als Monster in Monster Busters (Originaltitel: Monster Squad).

Monster Busters versuchte, im Wind des Erfolgs von Die Goonies mitzusegeln, nur dass sich hier eine Horde typischer Ami-Kids sich nicht mit toten Piraten und inzestgeschädigten Mafiosi, sondern mit Dracula, dem Werwolf, der Lebenden Mumie, dem Ungeheuer aus der schwarzen Lagune und Frankensteins Monster (Tom Noonan) anlegten. Das, und vielleicht noch dass Monster Busters von Fred Dekker und nicht Steven Spielberg gedreht wurde.

Regisseur Dekker hatte in den frühen 80ern den unterbewerteten (bei uns in Germanien damals arg verstümmelten) Night of the Creeps und später den an-und-für-sich-unaussprechlichen RoboCop 3 gedreht. Hätte Noonan clairvoyantische Fähigkeiten gehabt, er hätte Dekker wahrscheinlich versichert: „Besser in RoboCop 2 gespielt als RoboCop 3 gedreht.“

Die Rolle des Draculas sollte übrigens ursprünglich an Liam Neeson gehen. Schlussendlich spielte Duncan Regehr den Vampirkönig. Neeson wurde aber trotzdem für den Part bezahlt – wer sagt, es ginge in Hollywood nicht zivil zu?


49. Irwin Keyes

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Wo wir gerade von verformten Schädeln und knauserigen Produzenten reden:
Irwin Keyes.


„Was Mel Brooks kann, kann ich schon lange“, sagte sich die Regisseuresse Deborah Romare und drehte 1988 Monster Hospital (Originaltitel: Frankenstein General Hospital).

Hier arbeitet der Ur-Ur-Urgrossenkel Frankensteins Bob Frankenheimer (Mark Blankenfield) in einem General Hospital (in den USA sind das die Spitäler wo die Armen und Elenden zum Sterben hingehen) von Los Angeles, und hat sich im Keller ein geheimes Labor eingerichtet. Das Labor ist natürlich standesgemäß in schwarzweiß. Mit Hilfe seines schwachsinnigen Dieners Iggy will Bob den perfekten Menschen zusammenschustern und es gelingt ihm sogar bis zu einem Punkt. Hätte der schusslige Iggy nur das brillante Gehirn nicht mit dem Denkballon eines verfressenen und sexgeilen Studenten verwechselt.

Irwin Keyes ist für den geneigten Trash-Fan kein unbeschriebenes Blatt: Death Wish 4, Exterminator und Das Haus der 1000 Leichen sind nur drei Filme, die hier zu erwähnen sind. Es gibt mehrere Gründe warum sein Bild auf dieser Seite nicht aus dem Film stammt. Zum einem besitze ich den Film nicht (mehr), zum zweiten war keines in den Interwebs zu finden und zum zweieinhalbten müsst ihr euch nur ein wenig grünliches Gesichts Make-Up und eine mit Filzstift aufgemalte Narbe vorstellen (mehr wollte das Weib (Romare) nicht in die Special-Effekts investieren).

Als Schmankerl gibt es auch ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten: ausgerechnet Lou Cutell (ausgesprochen: Cute-tel), niemand geringerer als Dr. Nadir aus Frankenstein meets the Space Monster, steckt hier seine unsäglich nicht-heterosexuelle Fresse in die Kamera.

Blankenfield ist ein ziemlich unterbewerteter SNL-Komödiant, hierzulande wahrscheinlich am ehesten als Transvestit in der Angel-Trilogie oder Reporter im Pseudo-Dokumentarfilm KISS Exposed bekannt. Das professionelle Nervenbündel kann es ja eigentlich – siehe seine Darbietung in Jeckyll & Hyde … Together Again (den ich übrigens nur empfehlen kann) – aber selbst eine Armee von John Candys, Steve Martins und Chevy Chases hätten dieses Stück Mist namens Monster Hospital nicht retten können.


50. Nick Brimble

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Abgedrehtes Monster in abgedrehten Frankenstein-Film:
Nick Brimble.


Roger Corman’s Frankenstein (Originaltitel: Frankenstein Unbound) war Roger Cormans erste Regiearbeit nach fast zwanzig Jahren und 1990 wohl einer der abgedrehtesten Frankenstein-Filme überhaupt.

Im Jahre 2031 arbeitet der Wissenschaftler Buchanan (John Hurt) an der perfekten Waffe. Doch das Experiment geht nach hinten los und Buchanan landet mit seinem sprechenden Auto im Jahre 1817. Dort trifft er auf die Schriftstellerin Mary Shelley (Bridget Fonda) und Dr. Frankenstein (Raul Julia), der um seinen ermordeten Bruder trauert. Der Mörder ist das von Frankenstein erschaffene Monster (Nick Brimble), doch für die Tat muss Frankensteins Nanny an den Galgen. Das Monster mordet munter weiter. Als nächstes muss Frankensteins Verlobte Elizabeth (Catherine Rabett) daran glauben und das Monster zwingt Frankenstein, die Tote mit Buchanans Laserwaffe wiederzuerwecken.
Die Wiederbelebung funktioniert, aber dann öffnet sich erneut ein Zeitportal, durch das Monstren und Wissenschaftler zurück in die Zukunft gelangen. Dort kommen Frankenstein und die weibliche Kreatur um. Buchanan und das Monster kämpfen und obwohl Buchanan scheinbar die Oberhand behält, muss er feststellen, dass seine Waffe die Menschheit bereits ausgelöscht hat und dass Frankenstein das Monstrum für die Ewigkeit gebaut hat.

Wem wundert’s dass sich Roger Corman’s Frankenstein bei dieser Vorlage (und trotz mittelmäßigen Kritiken) schnell zum Kultfilm avancierte?

Über Hurt und Julia viele Worte zu verlieren wäre Eulen nach Athen zu tragen. Brimble als Monster stiehlt die Schau in seinen Szenen, man möchte fast wetten, dass es diese Darbietung war, die dem Hünen die Rolle des Little John in der 1991er Fassung von Robin Hood – König der Diebe verschafft hat. Nur, was Brimble dazu bewegt hat, in Bullys unseligen Hui Buh – Das Schlossgespenst mitzuwirken, soll uns ein Rätsel bleiben (oder vielleicht ist die Antwort sehr einfach: er brauchte die Kohle).

Auch ironisch, dass der als Rockstar getarnte australische Schnulzensänger Michael Hutchence hier nicht den dekadenten Lord Byron sondern Percy Shelley spielt – sieben Jahre bevor er sich mittels Wichsstrick in die ewigen Jagdgründe schickte, um dort auf seinen Kumpel David Carradine zu warten.


51. Patty Mullen

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Das älteste Gewerbe trifft auf die zweitälteste Geschichte der Welt:
Patty Mullen als Frankenhooker.


Das Jahr 1990 hat es gut mit Trash-Freunden gemeint und uns gleich zwei Kultfilme beschert; zum ersten Roger Corman’s Frankenstein, zum zweiten Frankenhooker von Frank Henenlotter.

Jeff Franken (James Lorinz) hat die Medizinschule geschmissen und kann sich nun ganz seiner schnuckeligen Verlobten Elizabeth Shelley (Patty Mullen) widmen. Doch das Schicksal zeigt sich von der erbarmungslosen Seite: Elizabeth stirbt bei einem bizarren Unfall mit einem Rasenmäher. Aber der ehemalige Medizinstudent weiß sich zu helfen: Da er Elizabeths Kopf retten konnte, muss er nun nur noch die Strassen von New Jersey abklappern und sich von den Königinnen der Straßenlaternen die besten Ersatzstücke aussuchen. Doch am Ende kommt alles ganz anders als man denkt.

„Wenn sie dieses Jahr nur einen Film sehen, dann sollte das Frankenhooker sein“, sprach einst Bill Murray als dieser noch ein erstzunehmender Komödiant war (lange bevor er sich für eine zweite Karriere als professioneller Menopause entschied). Recht hat er gehabt, der Bill.

Frankenhooker sollte Patty Mullens letzter schauspielerischer Auftritt sein. Das ehemalige Penthouse-Pet (August/1986) zog sich in das Hausfrauentum zurück und lebt heute als brave Bürgerin in Amerikas Sarg: Florida.

Zusammen mit Streifen wie Re-Animator, Street Trash oder Henenlotters anderem Meisterwerk Brain Damage: Elmer ist Frankenhooker ganz oben dabei bei den unteren Zehntausend – sprich: Pflichtschau. Nur Schade, dass sich Henenlotter so früh aufs Altenteil zurückgezogen hat.


52. Vincent Hammond

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Mir fällt hier nichts Sonderbares auf –
oder habt ihr noch nie einen Hippie gesehen?


Der allseits beliebte Professor Lippzigger (Robin V. Barron) segnet das Zeitliche und vererbt seinen Kumpels Mark (William Ragsdale) und Jay (Christopher Daniel Barnes) den Schlüssel zu seinem geheimen Laboratorium. Dort finden die beiden den eingefrorenen Körper des Frankenstein-Monsters (Vincent Hammond) und reanimieren es.
Der künstliche Mensch ist zwar dumm wie Salz, aber ein exzellenter Footballspieler, was ihn bald zum Liebling der Schüler und Lehrerschaft macht – alle außer dem neidischen Professor Loman (Larry Miller). Der wittert das irgendwas mit dem vermeintlichen "Studenten aus Estland" namens Frank N. Stein nicht stimmen kann.

Im Prinzip ist Party Time mit Frankenstein (Originaltitel: Frankenstein: The College Years, Regie: Tom Shadyac) nichts anderes als eine andere Fassung von Steinzeit Junior (der 1992, ein Jahr nach Party Time erschien). Nur dass hier kein Troglodyt, sondern das wiedererweckte Frankenstein-Monster den populären Schultrottel gibt.
Weil als TV-Film produziert, ist die ganze Schosse recht harmlose. Sehr wenig Nacktfleisch, kein Gore und selbst die Sprache bleibt sauber – also so was wie Screwballs ohne Brüste und Highschool USA ohne Michael J. Fox. Ragsdale zehrt noch immer von seinem Erwachsener-High-Schooler-Image aus Fright Night und der ehemalige The Brady Bunch – Amerikas schwulster Haushalt Barnes gibt den nervigen Sidekick, so wie es sich für einen nervigen Sidekick gebührt.

Wie so viele Hollywood Hünen sollte sich auch Hammond (hier in seiner zweiten Rolle nach Der Ritter aus dem All) mit diversen Auftritten als Alien, Wikinger oder Monster in Lohn und Brot halten, darunter in Filmen wie Full Eclipse, Species II und Beowulf (nein, nein – nicht den Guten sondern den mit dem schielenden Franzosen). Außerdem hatte er eine kleine aber effektive Rolle in „De-Programmers“, eine der besten Outer Limits-Episoden.


53. Donald O’Brien

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So wie man Joe D’Amato kennt, wandelt Donald O’Brien
wahrscheinlich gerade durch Zigarrenrauch.


Ein Genre bei dem sich Schlockmeister Joe D’Amato nicht bedient hat? Nicht auf dieser Welt, nicht in dieser Dimension und nicht auf dieser Seite! Gut, im klassischen Sinne ist Frankenstein 2000 (Originaltitel: Ritorno dalla morte) ja auch nur ein dem Namen nach ein Frankenstein-Film.

Eine lange Geschichte kurz erzählt: zwei linke Vögel prügeln Georgia (Cinzia Monreale) ins Koma, aber bevor die beiden zur Vergewaltigung übergehen können, kommt ihr ein Freund, der Tippelbruder Ric (Donald O’Brien), zu Hilfe. Trotzdem wird Ric von der Bullizei als Sündenbock abgestempelt und gibt sich selbst den Strick. Die komatöse Georgia hat jedoch ungeahnte Psi-Kräfte und erweckt den Toten Ric, der nun auf blutige Rache sinnt.

D’Amato drehte den Film in Österreich, also macht es Sinn, dass neunzig Prozent der Belegschaft daherkommen wie die letzen Seppl oder gleich Schwachsinnige spielen (wenn sie’s überhaupt „spielen“; wir hatte da teils unsere Zweifel). Da ist es dann auch nur natürlich, dass die Dorfdisko „Heil“ heißt und, wie es das Österreichische Gesetz vorschreibt, mit Hackenkreuzen zugepflastert ist – aber gut, gegen das Vergessen, wie man so schön sagt: wir sollten nie vergessen dass uns die Österreicher in den Krieg mit rein gezogen haben, obwohl wir doch alle die Hände im Protest gehoben habe.

Aber lassen wir die Politik Politik sein und reden von etwas Relevanten: Joe D’Amato hatte seinen Zenith 1991 schon lange überschritten. Wenn man bei einer Karriere, über die fähige Regisseure mit einem Bein hüpfen, von einem Zenith sprechen kann. Frankenstein 2000 sollte D’Amatos letzter Horrorfilm werden. Der Regisseur war vom Porno, den er früher nur spärlich und wohlplatziert eingesetzt hatte, schon vergiftet und produzierte bis zu seinen Lebensende nur noch Schweinkram (ich sage nur: Für eine Hand voll Sperma und Anal Perversions of Lolita, die Fortsetzung die Nabakov nie geschrieben hat).

Guter, alter Onkel Joe – was würde er wohl über diese schöne, neue Internet-Welt sagen, in der die Guten mit nur einer Hand tippen, die Besten aber mit den Zehen? Wie dem auch sei: eine scheyne, lange REVIEW hätten wir von Kollegen Diamond Bentley anzubieten; die perfekte Lektüre für einen langen Winterabend.


54. Randy Quaid

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Oft kopiert die Realität die Fiktion –
Dennis Quaids älterer Bruder sieht heute nicht viel besser aus.


Und zur Abwechslung zu D’Amato mal wieder eine vorlagengetreue TV-Verfilmung: Dr. Frankenstein (Originaltitel: Frankenstein, Regie: David Wickes) von 1992 hält sich relativ strikt an Shelleys Werk, nimmt sich aber doch einer gehörige Portion künstlerische Freiheit:

Hier ist Frankensteins Kreatur (Randy Quaid) ein misslungener Klon seines Schöpfers (Patrick Bergin) und beide sind physisch and psychisch miteinander verbunden, was das Ganze weg von der Vater/Sohn Interpretation der typischen Frankenstein-Produktionen und hin zum Jeckyll/Hyde Territorium führt.

Man kann sagen, dass David Wickes einen soliden Job abliefert, wenn man sich auhc sagt, dass der Film ja „nur“ TV ist. Die Schauspieler sind allererste Sahne, allen voran Bergin und Quaid (obwohl die Rolle ursprünglich für Michael Caine gedacht war), aber auch die Supporting-Cast, darunter Fiona Gillies (Elizabeth), Quaids Tochter Amanda (Amy) und vor allem Michael Gothard (Boatswain) wissen zu überzeugen. Für letztgenannten sollte Dr. Frankenstein der letzte Film sein: der Schauspieler mit dem markanten Gesicht und der noch markanteren Stimme, den man aus Filmen wie Ken Russells Die Teufel, James Bond 007 – In tödlicher Mission und Jack the Ripper – Das Ungeheuer von London kannte, beging kurz nach Drehschluss Selbstmord.

In der Tat stand die gesamte Produktion unter einem schlechten Stern. Bergin brach sich während der Dreharbeiten einen Flügel, John Mills, der ironischerweise den blinden De Lacey spielt, fand heraus, dass er sein Augenlicht verlieren würde und auch für Ronald Leigh-Hunt sollte dies der letzte Filmauftritt sein, obwohl der Schauspieler erst 2005 starb.


55. Robert De Niro

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Wollte der ultimative Frankenstein der 90er Jahre sein: Robert De Niro.


Was Francis Ford Coppola mit Bram Stokers Dracula erreichte, wollte Kenneth Branagh 1994 mit Mary Shelleys Frankenstein zuwege bringen: Es sollte der ultimative Frankenstein-Film sein. aber wo sich Coppola reichlich künstlerische Freiheiten nahm, hielt sich Branagh strikt an die Vorlage. Zu strikt, denn was Zuschauer und Kritiker dem Film vorhielten war eine übersteigertes Melodrama und eine Stilisierung, die Werner Herzog wahrscheinlich gleichzeitig Kopfschütteln und Face-Palmen ließ.

Was die Schauspieler angeht, so konnte Branagh (der selbst den Baron Frankenstein spielt) nichts falsch machen: Tom „Amadeus“ Hulce (dessen Rolle ursprünglich Christopher Lambert zugedacht war), Helen Bonham Carter, Ian Holm, ja, sogar John Cleese durfte zeigen, dass es zu mehr als nur zum Monty-Phyton-Blödler reichte. Den Vogel schoss Branagh aber mit Robert De Niro, einem der beliebtesten Schauspieler seiner Generation, als Kreatur ab.

Sicher, De Niros Schauspiel ist markant, um nicht zu sagen dominant, aber gleichzeitig muss er Zeilen rezitieren, die dem Zuschauer teilweise den Schweiß ins Gesicht treiben. Dazu kommt, dass Branagh auf eine spezifische Aussprache der Kreatur wert gelegt hat und dafür Opfer von Schlaganfällen studiert hat. Das Resultat ist oft ein unverständliches Gemurmel, das bei einer Laufzeit von über zwei Stunden schon gehörig nervt.

So wurde aus dem Film der Filmgeschichte hätte schreiben sollen, eine So-La-La-Geschichte, bei dem sich Stärken und Schwächen gegenseitig die Hand geben. Und ein zweiter Bram Stokers Dracula ist er schon zweimal nicht.


56. Mike Brunelle

Wenden wir uns also von der großen Literatur ab und kehren zu den filmischen Jauchegruben in der wir Trash-Fans uns fraglos am Wohlsten fühlen. Aus eben jener Jauchegrube stieg Frankenstein’s Planet of Monsters! (Regie: Brad Anderson) im Jahre 1995.

Drei Weibsbilder von Astronauten landen auf einen verödeten Planeten, der vom Frankensteinsche Monster (Mike Brunelle) beherrscht wird. Die Damen werden prompt gefangen genommen und nach ihrer Flucht von einer Horde monströser Kreaturen angegriffen.

Ja, das klingt natürlich alles gut und gefällig. Es riecht nach Independent Film, nach kurzen 50 Minuten und einem Budget das man sich mit dem Verkauf von Cannabisprodukten zusammengehurt hat (gedreht in Somerville, Massachusetts, dem „Kabul Neuenglands“, wo es sonst keinen anderen Broterwerb gibt). Das klingt nach 3,4 armseligen Punkten auf IMDB und niemanden dem der Film wert gewesen wäre, darüber auch nur zwei Zeilen zu verschwenden.

Ja, Dreck – süßer, süßer, dampfender Dreck. (Und nun entschuldigt mich: gerade ein Stückchen Hamburger hinter dem Bildschirm entdeckt; noch keine zwei Wochen alt und sieht noch ganz gut aus. Nomnomnom).

Und wenn ihr euch nun fragt warum unter der Nummer 56 kein Bild steht, dann ist die Antwort, weil es keines gibt. Im Internet ist keines zu finden und die Kopie welche mir diese Ärsche von „Filmemachern“ seinerzeit zugeschickt haben, hat nach einmaligem Abspielen den Geist aufgegeben.


57. Deron McBee

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Frankenstein: Das Musical.


Frankenstein: Das Musical! Musste ja irgendwann so weit kommen und 1995 war es soweit: Monster Mash (Alternativtitel: Frankenstein Sings, Regie: Joel Cohen, Alec Sokolow) basiert auf dem 1967er Musical: „I’m Sorry the Bridge is out“ (macht nichts, wenn ihr den nicht kennt).

Zwei als Romeo & Julia verkleidete Teenies (Ian Bohen und Candace Bure; auch hier verbitten wir uns Wortwitz oder Reime; wir sind eine anständige Seite!) verirren sich auf dem Weg zu einer Halloweenparty in ein einsames Schloss – ganz klar, es ist das Schloss des Grafen Dracula (Anthony Crivello) – und bekommen dort von Dr. Frankenstein eine Hausbesichtigungstour. Frankenstein hat Interesse am Romeos Gehirn, um damit sein Monster (Deron McBee) zu erschaffen. Dracula hingegen interessiert sich mehr für das Mädchen. Außerdem ist Elvis, as lebende Mumie, von den Toten auferstanden.

Wir ahnen es bereits: es handelt sich um eine harmlose, familienkompatible „The Rocky Horror Picture“-Geschichte, aber ohne den Kultfaktor.

Bobby Pickett, der hier den Dr. Frankenstein spielt, war die Definition des One-Hit-Wonders. 1962 hatte er mit seiner Band „Bobby Boris Pickett & The Crypt Kickers“ den Hit „Monster Mash“, der natürlich von den klassischen Universal Monstren Lugosi und Karloff inspiriert war. Zu Picketts Backup-Band sollten über die Jahre recht bekannte Namen wie „The Beach Boys“ und die Jungs von „Van Halen“ gehören. Hundertfach wurde der Song verwurstet. Wer ihn nicht irgendwo gehört hat, der ist entweder taub oder hat die letzten 50+ Jahre in Stasis verbracht.
(Übrigens, der allseits beliebte Tod in the Shadows machte ein durchaus informatives und unterhaltsames Video zu Pickett und dem Song - Gregor.)

Das singende Monster Deron McBee hat auf seinem Lebenslauf auch so manchen Trash-Klassiker stehen: Time Barbarians, Batman Forever oder Mortal Combat II sind nur drei zu Nennende. Unter den blondmähnigen Muskelmännern Kaliforniens, die scheinbar allesamt aus einem „Thor der Donnergott“-Comic geklettert sind, war Deron der blondeste, muskelbepackteste; ein lebendes Aushängeschild für Steroide und Kokain. Nur, singen konnte er offensichtlich nicht.


58. Michelle Bauer

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Und wieder ein weiblicher Frankenstein, diesmal aus dem Haus Franco.


Und wieder hatte er zugeschlagen, der inzwischen leider verstorbene Maestro des Euro-Trash Kinos (und dabei erneut bewiesen, dass er sich schon in den Achtzigern in den Ruhestand begeben hätte sollen). Jess Franco sollte 1998 sein Glück mit Lust for Frankenstein versuchen – mit vorhersehbaren Resultaten.

Wie es im Hause Franco Sitte ist, ist die Geschichte simpel und schnörkellos: Frankensteins Tochter Moira (Lina Romay) erweckt die Kreatur Goddess (Michelle Bauer), die ihr Vater (Carlos Subterfuge) einst erschaffen hat und schickt diese auf eine Vendetta, um ihren Feinden ein blutiges Ende zu bereiten. Dazwischen kommt es dann zu ein paar lesbischen Sexszenen zwischen Moira und Goddess (der/die/das in dieser Geschichte ein Hermaphrodit ist).

Schlecht ist sie gealtert und aufgedunsen sieht sie aus, die ehemalige Sexbombe Bauer (bekannt aus Streifen wie Hollywood Chainsaw Hookers – Mit Motorsägen spaßt man nicht und Evil Toons – Flotte Teens im Geisterhaus), und der seltsame Plastikpenis, den Franco ihr aufgeklebt hat, hilft bei der Produktion von Erotik auch nicht unbedingt.
Noch schlimmer steht es um Romay, die aussieht wie das, was sie in Wirklichkeit damals schon war: eine alte Puffoma im finalen Lebensabschnitt. Aber vielleicht macht ja gerade diese aufgehäufte Abgewracktheit den morbiden Scharm von Lust for Frankenstein aus.


59. Brian Carrillo

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Mehr Trash-Frankenstein, diesmal familienkompatibel
und aus dem Hause Olen Ray.


Einem Frankenstein-Kinderfilm von Fred Olen Ray, auch damit können wir dienen. Im selben Jahr wie Francos Lust for Frankenstein drehte Olen Ray Billy Frankenstein und steckte Brian Carrillo in das Frankenstein Kostüm (eigentlich hatte der lebenslange Hammer-Horror-Fan Ray an David Prowse gedacht, Prowse war aber gesundheitlich unpässlich). Man kann Carrillo durchaus als Frankenstein-Veteran sehen: für mehr als vier Jahren spielte Carrillo das Monster in den Universal Studios in Hollywood in der Revue „Beetlejuice Graveyard Review“.

Die Familie des kleinen Billy Frank (Gordon Lamoureux) hat ein altes Schloss geerbt und statten dem Anwesen einen Besuch ab. Billy erfährt, dass er ein entfernte Verwandte des originalen Dr. Frankensteins ist, und dass ihm Keller das schrecklich anzusehende, aber gutmütige Monster (Carrillo) bereits auf sie wartet.

Zur Besetzung: abgesehen von der Eintagsfliege Lamoureux und dem schon besprochenen Carrillo, wartet die Crew mit den Voiceover-Sprechern Daran Norris (über 200 Rollen unter der Kappe) und Mary Elizabeth McGlynn als Mama und Papa Frank(enstein) auf. Tommy Kirk, der einen blinden Mönch spielt, kennen vielleicht die Älteren noch als jüngstes Schweizer-Familie Robinson Mitglied Ernst in Dschungel der 1000 Gefahren und zu Vernon „WEZ“ Wells (Mad Max 2, Phantom Kommando) muss ich wohl nicht viele Worte verlieren.

Muss nicht groß erwähnen, dass sich Fred Olen Ray nicht nur Freunde mit seiner Filmerei gemacht hat, aber was Müllfilme angeht, sitzt Ray komfortabel zwischen den Grossen Namen Adamson / Henenlotter / D’Amato und dem Bodensatzgewürm wie die Vorlanders und Krekels dieser Welt. Und er ist ein Fanboi der allerersten Kategorie, der die Chuzpe hat, sogar einen Kinderfilm zu drehen, da beißt die Maus keinen Faden ab.


60. Ethan Wilde

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Frankenstein aus der Billigschmiede Full Moon:
Ethan Wilde.


Lange ist es her dass Full Moon Pictures billige aber gehaltvolle Horrorfilmchen wie Puppetmaster 4 & 5 und Castle Freak im Verleihprogramm hatte. 1998 sah alles schon etwas anders aus und es blieb eigentlich nur noch das „billig“ übrig. Testament hierzu sei der 1998er Mini-Budget-Streifen Frankenstein Reborn! (Regie: David DeCoteau).

Die amerikanische Teenagerin Anna (Haven Burton) besucht ihren Onkel, Viktor Frankenstein (Jaason Simmons), der sich in seinem Schloss in Rumänien verschanzt hat und dort in seinem Labor (das Drehbuch spricht von Keller, die Bilder von Dachboden) mit seinem Assistenten / Partner (das Drehbuch sagt Assistent, der Partner-Look spricht von etwas anderem) am Konzept „Künstlicher Mensch“ (Ethan Wilde) werkelt.
Anna merkt schnell, dass sie nicht unbedingt erwünscht ist und macht die Gegend mit einem Haufen lokaler Kids unsicher. Dann ist der künstliche Mensch auch schon fertig, ähnelt einem aufgewärmter Fäkalhaufen und bricht, wie es sich gehört, aus dem Labor aus. Anna findet das Monster im Wald und merkt gleich, dass hinter der Monsterfratze ein Wesen mit einer Seele steckt. Nun muss sie das Wesen irgendwie vor ihrem wahnssinnigen Onkel und dem aufgebrachten Dorfmob schützen.

Wie man sich bei den (großteils) Teenie-Protagonisten, dem fehlenden Gore-Gehalt und infantiler Stimmung vorstellen kann, wurde Frankenstein Reborn! für ein jugendliches Publikum zugeschnitten, so eine Art Monster Squad–Geschichte, nur, wie gesagt, unendlich billiger. Mir persönlich immer noch lieber als der Zwielicht-Schlonz der momentan modern ist. Ein paar Jahre später sollten ein paar andere Billig-Filmer auf die Idee kommen, einen Film namens Frankenstein Reborn (ohne marktschreierisches Ausrufezeichen) zu drehen, davon aber später mehr.

Bei Frankenstein & The Werwolf Reborn! von 2007 (Regie: Jeff Burr & David DeCoteau) haben Full Moon natürlich geschummelt: suggeriert die Box, dass der Werwolf und das Frankenstein Monster ein Stelldichein a la Lugosi/Charney absolvieren, so sind doch nur beide Filme lieblos zusammen geklatscht.

Wieder zu empfehlen ist natürlich die Review in der unser Full-Moon-Fetischist Dr. Acula seine Beißerchen an dem Doppelpacket wetzt und welches HIER zu finden ist:



© 2013 Thorsten Atzmueller



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Weitere Teile

80 Frankensteine in 103 Jahren, Teil 1: 1910-1966
80 Frankensteine in 103 Jahren, Teil 2: 1967-1977
80 Frankensteine in 103 Jahren, Teil 4: 1998-2013