Alligator
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Horror-Alligator
Originaltitel: AlligatorUSA 1980, 87 min, FSK 16
Regie: Lewis Teague Drehbuch: John Sayles, Frank Ray Perilli (Story) Darsteller: Robert Forster (David Madison), Robin Riker (Marisa Kendall), Henry Silva (Brock), Michael V. Gazzo (Chief Clark), Dean Jagger (Mr. Slade), Sydney Lassick (Luke Gutschel), Jack Cater (Bürgermeister), Perry Lang (Jim Kelly), Bart Braverman (Thomas Kemp) u.a.
Obwohl sie grade in einer Alligator-Show mit angesehen hat, wie eines der Reptilien einen Tierpfleger angriff, überredet die kleine Marisa ihre Eltern dazu, ihr einen Babyalligator zu kaufen. Als ihr Vater die Schnauze voll davon hat, die Scheisse von dem Vieh wegzuwischen, spült er es die Toilette runter.
Zwölf Jahre später werden in der Kläranlage Leichenteile angeschwemmt. Inspektor David Madison steigt darauf hin mit einem Kollegen in die Kanalisation runter, um mal nachzugucken, woher die stammen. Als besagter Kollege von einem riesigen Alligator gefressen wird, will dies Madison zunächst niemand glauben, doch dann wird der Fotoapparat eines Reporters gefunden: Die letzten Bilder, die damit gemacht wurden, zeigen den Schlund des riesigen Schuppenträgers.
Ein Versuch, das Ungeheuer aus dem Abwassersystem hinaus zu treiben, misslingt: Statt dass es, wie geplant, an einem der Ausflüsse abgeschossen werden kann, bricht es mitten in der Stadt durch den Asphalt und versteckt sich nun irgendwo in den Pools und Gewässern der Gegend.
Als die Leitung der Mission einem Grosswildjäger übergeben wird, fühlt Madison stattdessen einer örtlichen Pharmazie-Firma auf den Zahn: Dort wurden anscheinend Experimente mit Wachstumshormonen durchgeführt und die Versuchstiere teils illegal in der Kanalisation entsorgt. Ein Zusammenhang mit dem Riesenalligator liegt nahe. Doch ein Anruf des Firmenbesitzers Slade beim Bürgermeister führt dazu, dass Madison suspendiert wird. Also macht sich dieser zusammen mit der inzwischen erwachsenen und zu einer Reptilienexpertin gewordenen Marisa auf eigene Faust auf die Jagd nach dem Horror-Alligator…
Klar, die Originalität in Tüten ist dieser Film nicht gerade, variiert er doch nur die alten Handlungsmuster, die seit „Jaws“ und Co. jedem Kind bekannt sind: Ein einsamer Rufer in der Wüste kommt der Existenz einer menschenfressenden Bestie auf die Spur, was ihm zunächst aber niemand glauben will und auf das Betreiben böser Kapitalisten heruntergespielt wird, die überhaupt erst schuld an der ganzen Misere sind. Bis es beinahe zu spät ist.
Regisseur Lewis Teague („Cujo“, „Cat’s Eye“, „Wedlock“) macht also nicht viel mehr, als die Genrekonventionen durchzuexerzieren und erreicht dabei natürlich nicht auch nur im Traum das Können eines Spielbergs, schafft es aber, einen äusserst unterhaltsamen und sogar recht spannenden Streifen hinzulegen. Nun gut, teils wirkt es, als sei die Story doch etwas zu dünn für die knapp neunzig Minuten Laufzeit, und dass deshalb Zeit geschindet werden muss mit eher überflüssigen Szenen, als da wären der Vorfall mit dem verrückten Bomber, Madisons Traumsequenz oder der schlussendlich unerhebliche Subplot um den Grosswildjäger.
Und trotzdem: Teagues Inszenierung ist temporeich und der Alligator holt sich mit schöner Regelmässigkeit seine Opfer, so dass Langeweile zu keinem Zeitpunkt aufkommt. Zu Anfang lebt der Film von der düsteren Location, welche die Kanalisation bietet, und der Spannung, die sich daraus ergibt, dass das Killerreptil hinterrücks aus dem Verborgenen zuschlägt. Ist das Tier dann mal ins Freie gelangt, erfreuen neben einigen Pyroeffekten explizite und blutige Fressszenen das Herz des Horrorfreunds, die manchmal etwas krude inszeniert, aber immer sehr spassig anzusehen sind. Zu den schönsten Momenten gehört sicherlich, wie der Alligator in einem Pool ein Kind frisst (!), einem Polizisten die Beine abbeisst oder auf die Hochzeit von Slades Tochter platzt und unter den Gästen wütet. Lecker sind auch die wurmzerfressenen Hundekadaver, die immer wieder mal ins Bild geraten.
Das Monster wird zum einen durch eine grosse Nachbildung aus Gummi dargestellt, der manchmal etwas gar offensichtlich anzusehen ist, woraus sie besteht und dass sie auf Rädern durch die Gegend geschoben wird (dennoch sieht das Ding recht überzeugend aus und ist den CGI-Viechern aus modernen Kroko-Horror-Filmen vorzuziehen), zum anderen hat man teilweise einen echten Alligator einfach in Modellsets gesteckt. Die Illusion ist nicht immer perfekt, aber genau das kommt dem herzerwärmenden Charme des Filmes durchaus entgegen. Ebenso der einfache, aber stimmungsvolle Synthie-Score von Craig Hundley („Olivia“, „Boogeyman 2“).
Des Reptils Widersacher Madison spielt Robert Forster („The Black Hole“, „Jackie Brown“, „Mulholland Drive“), der hier wie immer das Charisma in auf zwei Beinen ist, vom Drehbuchautoren das obligatorische Trauma auf den Leib geschrieben bekommt (in einem schief gelaufenen Einsatz wurde sein Partner erschossen) und am Schluss Marisa abkriegt. Diese wird von Robin Riker (Auftritte in TV-Shows wie „M*A*S*H“, „The A-Team“ oder „Six Feet Under“) gegeben. In Nebenrollen sieht man den Oscargewinner Dean Jagger („Twelve O’Clock High“, „White Christmas“, „X: The Unknown“, ) als Mr. Slade und Henry Silva („Ocean’s Eleven“, „Chained Heat“, „Ghost Dog“) als Grosswildjäger Brock (der sich nicht zu schade ist, einer Reporterin Alligator-Liebesrufe vorzumachen).
1991 wurde übrigens eine wohl eher überflüssige Fortsetzung nachgeschoben, nämlich „Alligator II: The Mutation“.
Fazit: Wohl eher keines der grossen Meisterwerke des Horrorfilms, aber ungeheuer unterhaltsamer Tierhorror, wie es ihn öfters geben sollte. Ein flottes Tempo, ein sympathischer Held, ein tolles Monster und viele Kills. Was will man mehr?
(c) 2007 Gregor Schenker (manhunter)
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