Alligator II: The Mutation

Aus Badmovies.de
Wechseln zu: Navigation, Suche
ALLIGATOR II: THE MUTATION
Deutscher Titel: Alligator II - Die Mutation
Alligator II - Die Mutation

USA 1991 - 92 min - FSK: 16


Credits

Besetzung:

David Hodges  (Joseph Bologna)
Christine Hodges  (Dee Wallace-Stone)
Hawk Hawkins  (Richard Lynch)
Rich Harmon  (Woody Brown)
Sheri Anderson  (Holly Gagnier)
Mayor Anderson  (Bill Daily)
Vincent "Vinnie" Brown  (Steve Railsback)
Chief Speed  (Brock Peters)
J.J. Hodges  (Tim Eyster)
Carmen  (Voyo Goric)

Stab:

Regie: Jon Hess
Drehbuch: Curt Allen
Kamera: Joseph Mangine
Schnitt: Chris Ellis, Marshall Harvey
Musik: Jack K. Tillar
Production Design: George Costello
Spezialeffekte: N.A.
Produzent: Brandon Chase, Cary Glieberman
ausführender Produzent:. N.A.
Produktion: Golden Hawk Entertainment


Vorwort

Kürzlich mußte ich mich so richtig aufregen. Da verspürte ich doch glatt mal wieder Lust, mir einen Film aus dem berüchtigten RTL2-Nachtprogramm aufzunehmen, um ihn zwecks Besprechung an den nächsten Tagen genüßlich auseinanderzunehmen: "Sabretooth“. Leider unterlief mir bei der Aufnahme der verhängnisvolle Fehler, am Vorabend den falschen Sender eingestellt zu haben. Folglich hatte ich den Mittelteil von "U-Turn“ auf Kassette. Dumm gelaufen! Was nun? Tja, ich griff nach der Fernsehzeitung und studierte ausgiebig das Programm der nächsten zwei Wochen - und was erspähten meine Augen? Richtig, "Alligator 2 - Die Mutation“! Das klang (und klingt immer noch) nach richtig schlechtem Horrormurks. Von daher stand für mich fest: Den mußt du sehen! Diesmal machte ich bei glücklicherweise alles richtig und konnte mich somit endlich, nachdem ich schon einiges davon gehört hatte, auch selbst von der Qualität des Streifens überzeugen. Lohnenswerter Trash oder stinkender Müll?

"Alligator 2“ ist offiziell - wir sind ja alle nicht ganz dumm - die Fortsetzung des bereits 1980 abgedrehten "Alligator" (irgendwie logisch, oder?) von Routinier Lewis Teague, hierzulande unter dem Titel "Der Horror-Alligator“ bekannt (lief in der Vergangenheit, soweit ich weiß, sogar öfters schon nachmittags über den Fernsehbildschirm). Dieser avancierte zu einem kleinen, aber feinen, weil höchst unterhaltsamen Kultwerk unter B-Film-Freunden. Warum es sich nun ein paar Leute in den Kopf setzten, über zehn Jahre später ein Sequel zu realisieren, das ein noch minderwertigeres Budget zur Verfügung hatte, steht in den Sternen, zumal die Zeit der Tierschocker eigentlich überwunden zu sein schien und höchstens noch so manchen Videofreak oder Komplettisten hinterm Sofa hervorlockten konnte. Nun gut, die Welt ist nicht immer logisch, also akzeptieren wir das eben und widmen wir uns ohne weitere Umschweife dem hoffentlich spaßigen Filmgeschehen...


Inhalt

Der wenig innovative Vorspann (weiße Schrift auf schwarzem Hintergrund) läßt mit seiner bedrohlichen Musikuntermalung bereits Schreckliches erahnen. Und in der Tat: Das erste Bild zeigt einen POV-Shot unseres titelgebenen Ungetüms - so nehme ich doch stark an -, das sich durch einen Sumpf zu bewegen scheint und zum Auftakt erst einmal eine Maus verspachtelt.

Davon kriegen die zwei IQ-mäßig nicht gerade gut bestückten Typen, die vor einem Gully hocken und in die Tiefe gaffen, nicht viel mit. Dafür plagen den einen schreckliche Gewissensbisse - und wenn Begriffe wie "Chemikalien“ und "Gift“ fallen, dann wissen wir doch gleich darüber Bescheid, was Sache ist. Der andere, mitm roten Tuch aufm Kopp, sieht das Ganze schon anders und meint mürrisch, das wäre ihre Arbeit, man bekäme Geld dafür, und wenn er Fragen hätte, soll er sie doch Vinnie stellen. Ominöse Kamerafahrt auf ein blasses Milchgesicht, das ziemlich apathisch ein paar Meter von den beiden entfernt steht. Doch der Schuldbewußte muß jenem Vinnie nur in die Augen blicken, und schon sind eventuelle Fragen kein Thema mehr. "Das denk‘ ich doch auch“, erwidert dieser und dreht ab. Mir deucht, das ist der nominelle Bösewicht. Schön, daß der Zuschauer schon nach einer Minute vor klare Verhältnisse gestellt wird. Überblende zu einem Schilfplatz. Dort watscheln zwei Taucher mit Harpune und Taschenlampe durch das Sumpfgebiet. Was sie wollen? Klar, Fische fangen! Einer schnappt sich mit der Harpune einen solchen und freut sich wie ein Schneekönig über den Fang, hat von dem Jubilieren aber herzlich wenig, wird er doch sogleich von Herrn Kroko überrascht und unspektakulär aufgemampft. (Rumgehampel, viel Dunkelheit, ein kurzer Blick aufs steife Maul, ein bißchen Blut - also nichts, wonach sich Gewaltliebhaber sehnen...) Dann macht sich unser kleiner Racker am nächsten zu schaffen (lustigerweise suggeriert uns der POV-Shot, daß der Alligator ungefähr doppelt so groß ist wie sein Opfer, was natürlich nur schwerlich zu glauben ist, wenn man vor wenigen Sekunden das doch ziemlich mickrige Schnäuzchen gesehen hat). Das gleiche Prozedere, an dessen Ende ein abgerissenes Bein malerisch an die Wasseroberfläche schwimmt. Na, wenn das kein vielversprechender Beginn ist...

Der nächste Tag in einem idyllischen Haus. Irgendein Sack mittleren Alters schleppt sich nach Weckerklingeln aus dem Bett, wird aber, nachdem er seinen Bademantel übergestreift hat, durch ein Geräusch aufgeschreckt. Er greift in Nullkommanix seine Knarre, die - oh, wie praktisch! - gleich auf seinem Nachttisch liegt, bewegt sich leise aus dem Schlafzimmer. Plötzlich Fensterklirren. Ruhig geht er die Treppe runter und wird schließlich von einer Frauenstimme mit den Worten "Liebling“ in die Küche gelockt - und was Schreckliches muß er dort entdecken? Luftballons, einen Kuchen mit Glasuraufschrift "Scho Lobo“ (Aufklärung später) sowie einen Kassettenrekorder mit Zeitschaltuhr, von dem gar herzliche Geburtstagsgrüße plärren. Gerührt findet er auch einen Zettel mit dem Hinweis, sich doch bitte die auf dem Tisch liegende Videokassette anzusehen. Gesagt, getan - darauf finden sich liebe Grüße von Frau und Sohn, inklusive putzigem "For He´s A Jolly Good Fellow“-Singsang (fast so inbrünstig vorgetragen wie von der Volksfront von Judäa in "Life of Brian“) und ernsten Worten, u.a. arbeitet unser offensichtlicher Gutmensch einfach zu lange, so daß Eheweib und Blag ihn kaum noch zu Gesicht bekommen. Ganz lustig (und das meine ich nicht ironisch) ist der erste Humorversuch: Gutmensch will sich gerade eine Zigarette anzünden, als GG (so heißt sein Sohn) ihm per Videoband ein "Schön, daß du dir das Rauchen abgewöhnen willst“ entgegenschmettert. Zu guter Letzt verabschieden sie sich von ihm brav mit "See you later, alligator!“ (hm... subtiler Humor! Hätten die den lahmen Spruch nicht gebracht, hätte ich irgendwann noch versucht, ihn bei passender Gelegenheit unterzubringen...)

Unterdessen schwimmt das abgebissene Bein im See, das von einem Polizisten rausgefischt wird. Milchgesicht Vinnie schließt mit einigen Leuten auf dem Balkon eines großen Anwesens Geschäfte ab. Er beabsichtigt, einen gigantischen Gebäudekomplex im Wert von 80 Mio. Dollar zu verkaufen, was ohne die vom Bürgermeister vorgenommene Parzellisierung nicht möglich gewesen wäre. Der Monolog beeindruckt die Käufer so sehr, daß sie die Summe nur allzu gern auszugeben bereit sind. Darauf muß mit Sekt angestoßen werden - Cheers!

Alligator2 2.jpg

Nachdem der liebevolle Familienvater auf dem Weg zur Arbeit in einer namenlos bleibenden Stadt vor den Augen von zwei Polizisten im absoluten Parkverbot gehalten hat, wird er von diesen gleich angeblafft, er könne hier nicht stehenbleiben, wofür er nur ein witziges "Wirklich aufmerksam, das ist’n guter Bulle“ übrig hat. Das reicht offenbar aus, um das Duo einzuschüchtern, jedenfalls verzichtet es auf eine Strafe. Hodges (sein Name ist inzwischen gefallen) betritt das Gebäude, wo er schon erwartet wird, nämlich im Polizeirevier. Dort machen zwei Ausländerinnen (Mutter und Tochter, schätze ich) mächtig Stunk, weil sie von einem unfreundlichen Bullen einfach nicht angehört werden. Hodges kümmert sich um die Sache und kann dem Gespräch mit der Tochter entnehmen, daß Vater und Onkel zum ersten Mal seit dreißig Jahren von einem TAUCHGANG nicht nach Hause gekommen sind und sie und ihre Mutter sich darum furchtbare Sorgen machen. Hodges versucht, sie zu beruhigen und verspricht, nach den geliebten Männern zu suchen. Hodges (scheint ja ein verflucht hohes Tier zu sein - würde auch erklären, warum er fürs Falschparken keinen Strafzettel kassierte) verlangt den Bericht über die unauffindbaren Oschala-oder-so-Brüder und erfährt nebenbei von einem Grünschnabel-Beamten (dem wir später noch weiterhin begegnen werden/müssen), daß ein Stiefel am Südufer angespült wurde. Hodges: "Den kann jemand weggeworfen haben.“ - "Ja, aber der kann nicht ganz beieinander gewesen sein, das Bein war noch drin.“ (Ich liebe makabre Dialoge - oder war das am Ende als "Gag“ gemeint? Oder beides?) - Das reicht Hodges, und er zieht mit dem Bericht ab.

Nur kurze Zeit später besucht Hodges - ja, er mutiert tatsächlich zur Hauptfigur, habt ihr was anderes gedacht? - den Leichen- bzw. in diesem Fall Beinbeschauer, der sich völlig sicher ist, daß das menschliche Überbleibsel von einem riesigen Tier abgebissen wurde. Warum glaubt er dieses? Nun, unterm Mikroskop kann man nähere Einzelheiten betrachten, nämlich "eine chemische Verbindung und eine Aminosäure“. Leider kann der Doc die Formel nicht entschlüsseln, weshalb er eine Probe zu Hodges‘ Frau ins Universitätslabor geschickt hat. "Was sagt Christine?“ - "Keine Ahnung“, erwidert Doc. Das erfordert sofortige Kontaktaufnahme, sprich: Hodges ruft seine Gattin an, die gerade an diversen Reagenzgläsern mit roten Flüssigkeiten rumdoktort (warum bemühen sich eigentlich so wenige Regisseure darum, die Chemie-Apparaturen mal nicht so aussehen zu lassen wie aus dem Baukasten?). Zunächst bedankt er sich artig für die süßen Geburtstagsgrüße, um dann gleich auf die Probe zu sprechen zu kommen. Iiih - Chemie! Ich verstehe nur Bahnhof: Christine weiß nicht genau, ob’s überhaupt eine Aminosäure ist, vielmehr soll’s eine krasse Eiweißbase sein, die aber nichts Näheres verrät - zumindest solange nicht, bis Doc eine Wasserprobe entnommen hat. Der mithörende Doc, der wohl keine Lust auf diese Art von Arbeit hat: "Verdammt!“ - Hodges (zu Christine): "Er sagt ‚verdammt‘!“ (Ja, der Humor bewegt sich mitunter auf einem bedenklich niedrigen Niveau.) Juckt Christine nicht, ihr Interesse liegt eher darin, daß ihr Göttergatte heute pünktlich um halb sieben zur Geburtstagsfeier nach Hause kommt, was er aufrichtig verspricht. Nach Beendigung dieses wenig ergiebigen Gesprächs teilt der Doc Hodges eine weitere Erkenntnis mit: Innerhalb der letzten 17 Tagen seien drei Penner spurlos verschwunden. (Fragt sich nur, warum sich der alte Zausel nicht um seine Leichen, sondern um Polizeiarbeit kümmert.) Hodges wirft ein, man hätte die Oschala-oder-so-Brüder zuletzt am Regent-Park gesehen, und Doc erklärt ihm und uns, daß das Wasser, das Elektrizitätssystem und das Abwasser in Tunneln unter der Stadt verlaufen. (Autsch! Heißt das das, was ich denke? Die Kanalisation ist direkt mit dem BADEsee verbunden? Uärgh! Clever, sehr clever!) Hodges entscheidet, sich am See umzusehen.

Eine Frau tut gerade einer ekelhaften Schmalzlocke gegenüber ihren Unmut kund, daß ein gewisser Brown (Vorname: Vincent, Spitzname: Vinnie) sie genauso wie die Oschala-oder-so-Brüder aus dem Wohngebiet vertreiben will, weil die Gegend nicht sicher sein soll. Schmalzlocke, Mitglied dieser - muß ich es wirklich sagen? Ja? Gut... dubiosen - Brown-Firma, droht ob der Anschuldigungen mit Polizei. Weil zufällig Hodges vorbeikommt, bittet sie "El Lobo“ (erst "Scho Lobo“, jetzt "El Lobo“? Ich wüßte schon gern, woher er zu diesem Spitznamen gekommen ist... - Wird uns der Grund noch verraten? Tja, dazu müßt ihr schon noch weiterlesen, hehe) um Hilfe, aber der muß zugeben, daß man momentan nichts machen könne, weil keine Gesetze gebrochen würden. Tja, da hat sie wohl Pech gehabt! Ihr kleiner Sohn hingegen hat gerade ganz andere Probleme, denn ihm ist der Plastikball, mit dem er zuvor gespielt hat, aus Versehen ins Wasser gefallen - und wäre das nicht schon schlimm genug, so taucht aus der Tiefe plötzlich Kroko auf, zerrt den Ball unter Wasser und verabschiedet sich. (An dieser Stelle schlechter Schnitt: In den paar Sekundenbruchteilen kann der Ball noch gar nicht so weit in Richtung Seemitte geschwommen sein.) Der Junge ist verständlicherweise völlig verängstigt, ruft nach Mama, die mit Hodges gemeinsam angelaufen kommt. Zur Beruhigung gibt der Bulle Felipe erstmal Kaugummi. (Immer diese Weichei-Kinder!) El Lobo fragt die Dame, ob die Oschalas-oder-so auch mal hier Schwimmen gegangen seien, was sie bejaht. Ja, da drüben im Schilf, sagt sie und zeigt in die Richtung, nur um danach mit ihrem Sohn abzuziehen. Da findet Hodges den zerplatzten Ball, den er mit einem praktisch neben ihm rumliegenden Stock aus dem Wasser fischt.

Christine ist stocksauer, weil ihr Göttergatte unpünktlich nach Hause gekommen ist und gibt ihm reichlich miesepetrig Abendessen aus der Konserve. Allerdings kann Hodges sie einigermaßen beschwichtigen und ihr seine neuen Erkenntnisse weitergeben. Christine glaubt, daß der Doc recht hat, ein Tier muß das Bein vom Körper gerissen haben. "Schlange?“, dummfragt Hodges, aber seine Frau glaubt eher an Krokodile, Alligatoren. (ist auch... äh... naheliegender) "In der Kanalisation?!“ - Tja, möglich wär’s, wenn sie Futter erhielten, die ihren biologischen Bedürfnissen nicht angemessen wären. Und wenn sie’s bekommen, würden sie groß werden. (Schluck!) Diese Aussage reicht Hodges, er verabschiedet sich unhöflich und bittet Christine, Clarence anzurufen, er würde an der Ausfahrt auf ihn warten. (Kann er das nicht selber? Soviel Zeit muß sein, finde ich.) Er müsse die Sache näher prüfen. Mit "Du bist sehr sexy“ besänftigt er seine empörte Frau wieder mal. (Charmeur!)

Am Treffpunkt wartet nicht nur Hodges, sondern auch irgendeine Tussi, die einen schrecklich idiotischen Tanz vorführt, dem sich unser designierter Held zur Überbrückung der Wartezeit lachend anschließt. Tussi: "Warum sind bloß alle netten Männer verheiratet?“ Tja, eine Frage, keine Antwort! Dann taucht glücklicherweise Clarence auf: Clarence ist der schwarze Polizeichef. Diesem teilt Hodges zuerst seine Alligator-Geschichte mit, um uns endlich reinen Wein einzuschenken, was dieser blöde Vinnie eigentlich vorhat: Er will in 24 Stunden die ganze Gegend am See in einen Jahrmarkt verwandeln, was dringend zu verhindern wäre. Clarence jedoch vertritt den Standpunkt, der Jahrmarkt sei das Wichtigste, was seit Jahren dieser Stadt widerführe (widerfähre?). Hodges will aber lieber den Fall aufklären und geht der Sache allein auf den Grund. Zwar fehlt ihm Clarences Befugnis, doch das ist ihm egal. Er braust zu Vinnie Browns Country-Club.

Dort angekommen, parkt er erneut - das scheint ein Running Gag zu werden - in der Verbotszone und wird erneut von zwei Polizisten ermahnt, woraufhin er erneut einen coolen Spruch raushaut, nachdem er einem der beiden seinen Autoschlüssel in die Hand drückt: "Laß ihn waschen!“ Reicht wieder, sie tun wieder nix. Im Klub geht es schon heiß her: Wrestling ist angesagt, "Titty Twister“-Stimmung, d.h. eine ähnlich dreckige und ungemütliche Spelunke. Hodges begehrt, den Bürgermeister zu sprechen und klärt diesen in einem ruhigen Nebenzimmer über den menschenfressenden Alligator auf, der da draußen haust. Der findet das enorm komisch. Hodges: "Wir werden Browns Party am Wochenende absagen müssen.“ "Es wird überhaupt nichts abgesagt. Das können Sie vergessen. Verschwinden Sie“, so die deftigen Worte von Brown, der gemeinsam mit seinem 2,50 m großen und demzufolge strunzdummen Panzerschrank-Henchman der illustren Runde beitritt. Der Bürgermeister spricht ein Machtwort - und das lautet: Hausarrest für Hodges, einhergehend mit Verhaftung. Der Grünschnabel, der uns vorhin schon im Polizeirevier über den Weg lief, mit dem Namen Harmon, darf ihm Handschellen anlegen und abführen. Sobald dies erledigt ist, folgt ein weiteres Beispiel der tarantinesken Dialogkunst: Brown fordert HM (=Henchman) auf, einige Alligatorjäger herzuschicken - und zwar schon für heute Abend. HM: "Heute Abend?!“ - Brown: "Du bist so dusselig.“ - "Ich bin nicht dusselig.“ (Auch toll, wenn man als großer Obermacker auf solche Typen angewiesen ist.)

Als Harmon Hodges aus dem Klub schleifen will, bittet letzterer ihn darum, doch bitte vorher auf Toilette gehen zu dürfen. Obwohl Harmon ihm kein Stück weit glaubt, läßt er sich überreden: "Was hast du vor?“ "Wenn man muß, dann muß man, oder machst du dir immer in die Hose?“ - Hodges‘ Plan geht auf: Er verunsichert Harmon, als er mit ihm in einer Toilettenkabine steht: "Bist du sicher, daß du diese Intimität mit mir teilen willst?“ Das ist zuviel des Guten, und Harmon rückt die Handschellenschlüssel schließlich kleinlaut raus. Natürlich ein Fehler, denn Hodges fesselt den Jungspund schließlich an die Klospülung und spaziert davon.

Nach einem ach so witzigen Dialog mit den zwei Polizisten vor der Klubtür, rast er mit seinem Wagen gen Heimat. Ihm entgegen kommt ein roter Sportflitzer, der ebenfalls in der Parkverbotsfläche hält, da die Fahrerin jedoch ein echt heißer Feger ist, genauer: die Tochter des Bürgermeisters, wagt das betörte Bullenduo nix zu sagen. Mit den Ordnungshütern im Schlepptau (sollen wohl ihre Leibwächter sein) bewegt sie sich schnurstracks in den Klub.

Sheri, so heißt die Gute, will ihren Vater zur Rede stellen, der aber ist böse, daß sie in solchen Lokalen verkehrt. Das ist der aber sowas von egal, schließlich macht sie sich Sorgen um Papa, weil sie das Gefühl hat, daß er von Brown unter Druck gesetzt werde und deshalb kaum noch schläft. Paps will das weder bejahen noch verneinen, dafür möchte er, daß sie abdampft, aber sie denkt nicht daran. Provokant setzt sie sich in die Wrestlingbude direkt neben Brown. Was hat sie bloß vor?

Wenn die nächste Szene uns einen alten Griesgram, Beruf: Penner, ohne Zähne zeigt, von dem wir bisher kein Stück gesehen haben, der aus einer Dose ißt und sich am Feuer wärmt, weiß der Zuschauer natürlich sofort Bescheid, was ansteht. Tun wir dennoch so, als wüßten wir von nix, gell? Der alte Knabe ruft nach einem seiner Kumpane, fragt, was er denn so lange macht, doch alles, was da zurückkommt, sind kraftvolle und die Frage nicht wirklich beantwortende Argh-Laute. Das veranlaßt den Penner, mit einer Fackel in der Hand nach dem Linken zu sehen. Und was er dann sieht, verschlägt ihm glatt den Atem: Nicht weil ein Alligator an Land gekommen ist und seinen Freund im Maul ein bißchen hin- und herschüttelt, sondern einfach aus dem Grund, weil das böse Tier erschreckend statisch und zudem im Gegensatz zum bisherigen Geschehen verhältnismäßig riesig, aber dadurch nicht unbedingt echter wirkt. Nur logisch, daß der Kerl bei dem alligatormiserablen Aussehen des Monsters zur Salzsäure erstarrt und keine Anstalten macht, wegzulaufen, wie’s jeder vernunftbegabte Mensch tun würde. Stattdessen wartet er darauf, bis er von dem ...äh... Plastikschwanz der Titelfigur an die Wand gehämmert wird. (Wow... eine neue Mordmethode.) Sheri erhebt indes üble Anschuldigungen gegen Brown (nach ungefähr drei Minuten Füllmaterial in Form eines Wrestlingkampfes zwischen Ramon, dem Würger, und Mungo, dem Biest) und geigt ihm aber so richtig ihre Meinung. Sie will schon gehen, doch Brown, offenbar angetan aufgrund von soviel Temperament, hält sie am Arm fest und sagt: "Hey, kommen Sie, seien Sie nicht blöd! Sie sind ein Kind. Bleiben Sie, und ich mache eine Frau aus Ihnen.“ Ich habe schon bessere Anmachsprüche gehört, so daß es mich wenig bis gar nicht wundert, daß sie ihm ordentlich ihre Faust in die Fresse pfeffert, ehe sie abhaut.

Sie will mit ihren zwei Bodyguard-Bullen abhauen, wird dann aber von Harmons Hilferufen aus dem WC gestört. Die Cops wollen mal nachsehen. 1. Cop: "Du wartest hier mit ihr.“ - 2. Cop: "DU wartest hier mit ihr.“ - "Dann wartet sie hier eben allein.“ (Braucht ihr auch ein Taschentuch?) Die Herren finden Harmon angekettet in der Toilette, bemühen sich aber herzlich wenig, ihn aus seinem Dilemma zu befreien, also stürmt Sheri hinzu und erlöst ihn - Hodges war so nett und hat die Schlüssel auf die Tür gelegt - von seinen Qualen, als unerwartet die Presse (sprich: eine Frau, zwei Kameramänner) im Raum steht und ein Foto von Sheri und Harmon in höchst verfänglicher Situation knipst. Auweia, Harmon ist das peinlich, könnte er doch jetzt seinen Job verlieren, aber Sheri beruhigt ihn: Ihr Patenonkel wird ihn da schon raushauen - denn der heißt Clarence. (Welch‘ Zufall!)

Der flüchtige Hodges inspiziert einmal mehr den See, indem er mit einer Taschenlampe übers Wasser leuchtet. Dabei ahnt er nichts Böses, während sich ihm eine circa siebenköpfige, finster dreinblickende Gang nähert. Die Musik will uns liebend gern weismachen, daß hier gleich eine Tracht Prügel mit atemberaubenden Kampfstunts ansteht, doch nix da: Der Anführer Reuben will mit Hodges, besser: El Lobo, allein sprechen. (Also, langsam aber sicher möchte ich schon mal wissen, was der Knabe früher so Heldenhaftes geleistet hat. Warum "El Lobo“?) Reuben stellt klar, daß sich die Fische im See in letzter Zeit stark vergrößert hätten, aber nicht mehr schmecken würden, woran das miese Schwein Brown schuld wäre. Hodges kann wieder nur die "Solange-legal-nix-können-machen“-Masche auspacken. Offensichtlich haben sich die beiden verabredet (fragt sich nur, wozu Reuben dann seine Clique mitgebracht hat), denn Hodges meint, sein Gegenüber hätte ihm was versprochen und zeigt dabei auf Reubens linke Hand, die verdächtig in der Jackentasche rumwühlt. Sollte der etwa etwas Böses im Schilde führen? Wir werden’s gleich erfahren, Reuben jedenfalls kramt etwas aus seiner Jackentasche. Oh Mann, diese Spannung ist ja kaum auszuhalten. Was könnte das bloß sein? Na? Na? Na? Es ist... Trommelwirbel... ein RADIO!!! "Mittelwelle oder UKW?“, fragt Reuben. (Meine Güte, False Scare und Super-duper-Granaten-Gag zugleich! Hab‘ selten solch einen versemmelten Möchtegern-Witz gesehen!)

Im Polizeirevier herrscht Trubel: Clarence wird mitgeteilt, daß Hodges bis auf weiteres suspendiert sei, bis zu einer psychiatrischen Untersuchung, und sofort verhaftet werden solle, während Harmon entlassen ist und eine neue Leistungsprüfung abgeben muß. (Der Vorfall in der Toilette scheint sich ja schnell rumgesprochen zu haben, obgleich wir uns noch immer in derselben Nacht befinden.)

Reuben startet einen weiteren oralen Feldzug gegen Brown, der mittlerweile über Leichen gehen würde. Als Gegenleistung bringt Hodges seine Alligator-Geschichte: Das Viech hätte schon zwei Penner umgebracht (hast du dafür Beweise? Nein, nicht? - bisher wurde erst ein Bein gefunden, soweit ich weiß), das mag ihm sein jugendlicher Freund aber nicht abkaufen, und er zieht mit seiner Gang von dannen.

Im Auto hört El Lobo über Funk von einem Unglücksfall. Natürlich handelt es sich um die Bluttaten im Pennermilieu. Hodges, der sich sofort an den Tatort begibt, kann dort den gegen die Wand geschleuderten Penner, der nur leichte, mittelschwere oder lebensgefährliche Verletzungen erlitt, aushorchen. Der erzählt was vom Alligator, der seinen besten Freund Otis als Zahnstocher benutzt hätte. (Beweis genug?) Der Bürgermeister holt sich von Clarence das Einverständnis ab, Hodges übers Wochenende unter Hausarrest zu stellen (was? Wenn er verhaftet ist, kann er wohl schlecht am Wochenende zur Party, oder?); immerhin seien diese Tage sehr wichtig. Außerdem kann Brown mit Krokodiljägern aufwarten (hat der Henchman also tatsächlich verstanden, wie man ein Telefon betätigt! Alle Achtung!), denen unser Polizeichef 24 Stunden Zeit gibt, die Bestie zu fangen - wenn nicht, würde er den Park sperren. Sheri stürmt ins Revier und möchte Clarence sprechen. Da er aber ahnt, daß sie ihn wieder mal um den Finger wickeln möchte (ihr wißt noch? Harmons Entlassung rückgängig machen, weil Clarence Patenonkel), lehnt er entschieden ab. Prompt ruft Hodges den gestreßten Chief an: Der Alligator hätte wieder zugeschlagen, diesmal gibt’s auch einen Zeugen, weshalb er - überhaupt nicht größenwahnsinnig - auf schnellstem Wege Schrotflinten, Granaten, Dynamit sowie alles andere, was noch zu kriegen ist, fordert. Außerdem möchte er einen erfahrenen Partner an seine Seite gestellt bekommen. Clarence gibt sein O.k.-O.k.-kriegst-du-alles - mit einer Ausnahme: Harmon wird sein neuer Partner.

Alligator2 3.jpg

Harmon, der gerade bedröppelt das Polizeirevier verläßt, wird von Sheri aufgehalten, denn sie will ihn unbedingt begleiten, auch noch, als er angibt, sich besaufen zu wollen. Und gerade als Sheri schon aufgeben und beleidigt abziehen will, kommt dem Grünschnabel ein Kompliment über die Lippen, das jede Frau schwach werden läßt: "Wie kommen Sie eigentlich in die Hosen rein? Ich finde, die Hose ist einfach super ausgefüllt.“ Tja, da fühlt sich Fräulein in der Tat gebumfidelt und verschwindet mit ihm in einem Restaurant, wo er ihr seine Lebensgeschichte erzählt (sein Vater habe ihn gehaßt usw. - jaja, Hintergrund mit der Brechstange). Das Ganze endet - wie nicht anders zu erwarten - in einem innigen Kuß.

Wie Hodges in Harmons Appartement eindringen konnte, ist die nächste Frage, die der Zuschauer sich stellen darf, als der Jungbulle mit seiner frischen Herzensdame - womöglich zwecks Intimitäten - seine Wohnung betritt. Natürlich ist er empört ob des unerwünschten Besuchs, doch anstatt Antworten zu geben, nimmt El Lobo ihn in den Schwitzkasten, um auszutesten, ob Harmon betrunken ist oder nicht. (Eine etwas unkonventionelle Vorgehensweise, wenn ihr mich fragt.) Danach übermittelt Hodges dem Unbesoffenen, daß dieser nicht mehr suspendiert sei und darum mit ihm auf Alligatorjagd gehen wolle - und zwar jetzt sofort! (Ich frage mich nur, warum Hodges glaubt, ER müsse das Biest dingfest machen. Und ich an Clarences Stelle würde versuchen, meinen besten Mann nicht bei so einer Aktion in Lebensgefahr zu bringen, immerhin sind doch schon erfahrene Krokojäger unterwegs.) Harmon entscheidet sich dazu, mitzukommen, und auch Sheri, die fassungslos zugehört hat, will sich nicht abwimmeln lassen und unbedingt auch die gefährliche Reise antreten. Tja, wer kann da schon Nein sagen?

Mit dem Wagen machen sich die Drei auf den Weg zur Universität, wo bereits Christine wartet. (Schon günstig für Hodges und den Plot, daß der Bulle mit einer Biologin verheiratet ist und somit sehr schnell an Analysen kommt.) Sie hat Neuigkeiten: Aller Voraussicht nach wurde Müll in die Kanalisation gekippt, woraus dann eine Mutation entstand. (Nein, das hätte ich ja nie gedacht!) Man hat keine Zeit zu verlieren, Christine versucht vergeblich, ihren Mann von seinem Vorhaben abzubringen und beschließt deshalb, ebenfalls mitzufahren. Auch da kann Hodges nicht wirklich ablehnen. Da waren’s schon vier...

Anderswo. Wir haben im übrigen immer noch stockfinstere Nacht. Aus zwei Trucks steigen fünf minderbemittelte Rednecks, die von Clarence, dem Bürgermeister (Anderson), Brown und dessen Henchman in Empfang genommen werden - klaro, das sind die wagemutigen Alligatorjäger und unzweifelhaft ein schöner Schwung Kanonenfutter. Schnell kristallisiert sich der Anführer und offizielle Denker der Truppe heraus - Hawkins, von allen aber nur Hawk genannt. Browns HM lacht sich wegen des schmuddeligen Outfits der Jäger halb tot und erdreistet sich, seine Heiterkeit auch in Worten auszudrücken, woraufhin Hawk zu einem Konter ausholt: "Das würde ich mir von einem menschlichen Wesen sagen lassen.“ HM, nicht dumm (d.h. schon dumm, aber wenigstens klug genug, um die versteckte Beleidigung zu kapieren), beabsichtigt gleich, seine Wumme rauszuholen, aber Hawk ist schneller und wirft sein Klappmesser - verfehlt aber den Körper haarscharf. Jetzt kommen auch die anderen Beteiligten auf die Idee, sich mal einzumischen. Vorher standen sie teilnahmslos daneben. Man einigt sich darauf, die Jäger gleich auf die Bestie loszulassen, bevor die Situation eskaliert.

Hodges und Harmon waten mittlerweile schon durch die Kanalisation und machen per Funkgerät einen Treffpunkt aus, wo die beiden Weiber mit dem Wagen auf die Herren warten sollen. Nebenbei gesteht Harmon seinem Partner, unter Klaustrophobie zu leiden (ein Plotpunkt, den wir schnell vergessen können). Es dauert nicht lange, und der Alligator schwimmt schon hinter ihnen, was Hodges schnell bemerkt. Nun heißt das Spiel "Renn um dein Leben!“ Sie schaffen es, eine Luke zu erreichen, durch die sie sich durchzwängen. So gelangen sie in ein Nebenrohr (nachdem Hodges zweimal mit seiner Knarre in Richtung des Ungetüms geschossen und festgestellt hat, daß das Ding aus Beton ist). Wenn die Schrotflinte nicht reicht, muß es eben eine Granate richten. Hodges wirft eine solche durch die Luke, doch die anschließende Explosion zeigt keinerlei Wirkung, vielmehr ist uns Kroko mächtig angepißt und hämmert mit seinem Schwanz gegen das Rohr. Weiter geht’s, das Duo läuft davon, hat aber noch ein weiteres As im Ärmel - Dynamit! Hodges befestigt zwei Stangen in einem Loch oben am Rohr, als auch schon der Alligator das Rohr zerdeppert und sich in das andere Rohr, in dem sich H&H befinden, schlängelt. (Das Maul hat auch schon mal größer ausgesehen.) Nach einem sogar ganz lustigen Dialog (den ich nicht verrate, da man ihn eher selbst sehen und hören sollte) geht das Dynamit hoch - und der Alligator marschiert immer noch unberührt und unversehrt durch das Rohr. Bevor sich das Monstrum an Hodges und Harmon zu schaffen machen kann, werden sie von Christine und Sheri durch den Gully nach oben gezogen. (Meine Augen registrieren einen rasend schnellen Wechsel von Nacht zu Tag.) Christine will wissen, was passiert ist, man hätte die Explosion fünf Blocks weiter gehört. (Dann seid ihr wohl hierher geflogen, schließlich ist die Explosion gerade zehn Sekunden her.) El Lobo ist sich jetzt auch sicher: Das ist kein Tier! Darum hat er auch arge Zweifel, ob die Alligatorjäger, die sich laut Christine auch schon in der Kanalisation befinden, Chancen aufs Überleben hätten.

Da kommt Clarence angetuckert. (Wir sind nah dran an der Realität - der Polizeichef kommt immer höchstpersönlich.) Hodges fordert die Army oder die Air Force, aber leider ist die Army hier nicht stationiert und die Nationalgarde hält irgendwo (genauer geht’s nicht, wa‘?) ein Manöver ab, wie Clarence anfügt. Harmon kommt der entscheidende Geistesblitz: Was ist mit dem Waffendepot der Army? Die werden doch wohl was haben, was man benutzen könnte. Clarence will sehen, was er kriegen kann und braust davon, Hodges will unbedingt Hawk und seine Crew da unten raushaben.

Die ulken grad in der Kanalisation herum und finden das große Schilfpflanzen-Nest der Echse. Da sind selbst sie baff, darum teilen sie sich in zwei Gruppen auf. Hawk findet eine Leiche, und in ihm beginnt sich langsam ein unheimliches Gefühl zu entwickeln. Als er auch noch Batteriesäure riecht und ein Faß voller Chemikalien findet, wird’s ihm zu bunt, und er bläst mit seinen Kumpanen zum Rückzug, zumal auch Hodges - wie auch Anderson, Brown und HM, die ja nix anderes zu tun haben, dafür fehlen Christine und Sheri - inzwischen vor Ort ist und sie bittet, wieder hochzukommen. Aber zu spät - der Alligator rollt schon die Augen und bläst zur Attacke. Man versucht verzweifelt, die Leitern raufzuklettern, aber das Ding ist schlau und reißt diese mit Hechtsprung von der Wand. Einer nach dem anderen wird aufgefuttert, ohne daß die Opfer während ihres Auftritts ein einziges Wort sagen müssen. Also: Aufregend ist was anderes. Nur einer kann von den an der Erdoberfläche befindlichen Cops Harmon und Hodges hochgehievt werden und angeben, daß Hawk noch unten ist. (Kopfpatsch-Frage Hodges: "Wer ist noch unten?“) Das kann Hodges, der Menschenfreund, natürlich nicht auf sich sitzen lassen, darum läßt er sich per Seil in die Kanalisation hinab, um zu retten, was zu retten ist. Dies gelingt ihm sogar: Hawk kann sich ans Seil hängen und gen Freiheit hochgezogen werden. Jetzt langt’s, sagt Hodges, und erklärt Kroko zur Chefsache (warum er immer glaubt, alles allein machen zu müssen, kann ich nicht nachvollziehen - will er allein die Army-Waffen betätigen, oder was?), doch Hawk will mithelfen, schließlich seien sein Bruder und zwei Freunde tot. (Huch! Ich könnte schwören, daß es beim ersten Auftritt noch sechs Leute waren, und nicht nur fünf.) El Lobo erinnert sich daran, wer hier eigentlich der Alligatorjäger ist, und gestattet Hawk eine Teilnahme am Rachefeldzug. Außerdem macht er Brown, der immer noch sinnlos neben seinem HM steht, für das Massaker verantwortlich, aber der bleibt gelassen und fordert Beweise für diese hinterlistigen Behauptungen. (Reicht das Faß da unten nicht als Beweis aus? Man braucht es nur rauszuziehen.) Clarence kommt hinzu (nochmal: Kommen Polizeichefs in den Vereinigten Staaten immer selbst? Hat der Kerl keine Untergebenen, die er schicken könnte? Es scheint so, als hätte er in der ganzen verfluchten Stadt keine anderen Verbrechen aufzuklären... Und warum, dammich nochmal, ist der Vogel schon wieder so schnell zurück?) und bekundet, den Park in Eigeninitiative abzusperren. Verdächtiger Zoom auf Vinnie, der mit HM und Anderson zu seinem Wagen zurückkehrt. Hat er was Schändliches vor? (Antwort folgt im nächsten Absatz.) Als sie davontuckern, hält Hawk fest: Man hat das Nest des Alligators gestört, deshalb wird der sich ein anderes Territorium suchen, aller Voraussicht nach den See, d.h. man muß ihn erledigen, bevor er die Kanalisation verlassen hat.

Uns Clarence begibt sich auf den Weg zum Colonel, um die Schließung des Parks zu veranlassen, aber da tauchen Brown, Anderson und HM auf und versuchen, den Chief von der Straße zu rammen. (Ähm... gäbe es nicht bessere Möglichkeiten, den lästigen Knaben ins Jenseits zu befördern?) Der findet die Bremse nicht, so daß sein Polizeiauto Übersschlag spielt und Clarence noch an Ort und Stelle verscheidet. (Für diesen beeindruckenden Stunt ist bestimmt ein Großteil des Budgets draufgegangen.) Der Bürgermeister ist angemessen entsetzt über diese zugegeben drastische Maßnahme.

Hodges, Hawk und Harmon (keine Ahnung, warum letzterer mit dabei ist - klang vor drei Minuten noch anders) tüfteln in der Kanalisation einen Plan aus, wie man das Biest in den Orkus pusten könnte. Man müsse ihm den Weg abschneiden, weil es sonst versuchen würde, in den See zu gelangen. Dazu benötigen sie sechs Stangen Dynamit. Also machen sie sich an die Arbeit, eine Bombe zu basteln.

Alligator2 4.jpg

Brown muß inzwischen entsetzt feststellen, daß auf seinem Jahrmarkt eine Fehlmenge an Menschen vorherrscht. (Entschuldige, Doc, den mußte ich an dieser Stelle einfach bringen! ;-) [Ich erwarte den Eingang einer geringfügigen Lizenzgebühr, der Doc :-)]) Darum greift er zu rabiaten Mitteln: Der Stimmungsanheizer (ode wie nennt man die Leute, die auf dem Dom immer für Stimmung sorgen?) soll durchgeben, daß jeder Besucher alles, aber wirklich alles umsonst bekommt, und alle, die hier ein Haus haben, sollen für den Verkauf ihres Hauses 5000 Dollar mehr bekommen. Und noch was: Jeder bekommt 100 gigantische Dollar, der jemanden hierherschickt, der sich an die Verkaufsstände stellt. (Toll organisiert, Brown! Noch nicht mal Verkäufer hat dieser Jahrmarkt... - Wäre vielleicht günstiger gewesen, mal vorher welche anzuheuern.)

Der Abend ist angebrochen (das fällt auch auf: entweder ist es stockfinster oder hellichter Tag - ein Zwischending gibt’s nicht), die drei HHH haben ihre Bombe endlich zuende gebaut. Hodges und Harmon warten darauf, daß Hawk endlich die Bombe am Seil befestigt und den Countdown (20 Sekunden) eingestellt hat. Da nähert sich Kroko auch schon. Hawk kann rechtzeitig nach oben klettern und geht mit seinen Helfern in Deckung. Alle warten auf die Explosion, doch unser Alligator ist ausgesprochen plietsch und beißt die Bombe einfach ab. (Ein ungemein beeindruckender Spezialeffekt, wirklich! Könnte glatt mit einem Spielzeug-Plastikalligator in extremer Nahaufnahme bewerkstelligt worden sein...) Dann zieht es ab (übrigens ein echtes Krokodil), ohne daß irgendwas passiert. Hawk wagt sich an den Gully heran, schaut rein, zieht das Seil hoch, doch die Bombe fehlt erwartungsgemäß. Warum also ist sie nicht explodiert? Ganz einfach, der Schlingel hat den Zünder abgeknabbert.

Nach gegenseitigen Schuldzuweisungen fährt Christine mit dem Wagen vor und überreicht Hodges eine Harpune mit Gift. (Scheint ja geahnt zu haben, daß das Ding mit der Bombe nicht klappen würde, oder warum kommt sie jetzt wenige Sekunden nach mißlungenem Plan mit Plan B an?) Man muß den Alligator nur unterm Kiefer treffen, was voraussetzt, daß man leider Gottes dicht an ihn ranschwimmen muß. Kein Problem, sagt Hodges, mach‘ ich. Harmon stellt Hodges die Frage, ob Kroko, da es ja nun die Bombe gefressen hat, jederzeit explodieren könne. Darauf weiß er jedoch keine Antwort. Ist auch egal, das Trio klettert wieder in die Kanalisation.

Browns Trick hat augescheinlich gut funktioniert, jedenfalls ist der Jahrmarkt rappelvoll. Sängerin, häßliche Schlangentänzerin, Feuerschlucker - alles da, alles gut. Der Bürgermeister führt bei einer Runde Riesenrad (ich muß mich leider wieder einmischen, aber vielleicht wäre es schlau gewesen, außer dem Riesenrad das ein oder andere Karussell mehr als Touristenattraktion aufzustellen) mit dem Veranstalter Vinnie eine Unterredung: Er hat nämlich ein schlechtes Gewissen, wollte er doch immer nur das Beste für die Stadt. Das beeindruckt den keineswegs, vielmehr läßt er den Bad Guy raushängen. Alles gehöre ihm, er habe ein Imperium aufgebaut und wäre der König schlechthin usw. Ihr kennt das ja aus anderen Filmen. Dies wiederum gefällt dem Mayor nicht, weshalb er schwere Vorwürfe erhebt (würde ich in seiner derzeitigen Lage in schwindelerregender Höhe vielleicht nicht unbedingt machen) und mit Verhaftung droht; dafür würde er schon sorgen. Natürlich zückt Brown seine Knarre und ballert seinen Sitznachbarn tot. (Auch das halte ich nicht für sonderlich klug: In aller Öffentlichkeit! Was ist, wenn ein anderer ins Riesenrad einsteigen will und Brown beim Ausstieg beobachtet? Ich weiß, passiert natürlich nicht, weil der Schurke noch einen besonders grausigen Tod sterben muß, aber man wird wohl noch fragen dürfen.) Unsere tapferen Musketiere müssen indes feststellen, daß sich das Monstrum in einem Tunnel befindet, der direkt zum See führt. AUWEIA!

Sheri und Christine kommen zum Jahrmarkt und wollen den Park räumen lassen (tja, ohne Chief ist man schon aufgeschmissen). Von einem einfühlsamen Bullen, der gleich mit der Tür ins Haus fällt ("Ihr Vater ist erschossen worden.“), erfährt Sheri von dem grausigen Unglück, eilt zum Tatort und wirft sich ihrem toten Papa ein letztes Mal weinend um den Hals.

In der Tat bahnt sich Kroko den Weg durch den See, das nur eine Einstellung später zu einem Gummimodell mutiert ist. Unbemerkt von den Besuchern des Jahrmarkts schleicht es sich an Land und schlägt zu. Rampage ist angesagt! Aber falls ihr dachtet, das Viech hätte Hunger, habt ihr euch stark geirrt, nein, das Ding ist eher daran interessiert, allerlei Leute mit seinem riesigen Gummischwanz durch die Gegend zu schleudern. Zwar bewegt sich der Alligator gaaanz langsam durch die fliehenden Menschenmassen, nichtsdestotrotz haben viele arge Probleme, ihm zu entkommen. Besonders putzig muten die Einstellungen an, in denen sich nur der vordere Teil des Reptils im Bild befindet, denn hier kann man mehr als deutlich erkennen, daß die Kreatur wohl einfach nur von ein, zwei Personen des Filmteams vorangeschoben wird. Außerdem wirkt das Maul nach wie vor statisch bis zum Gehtnichtmehr. Naja, ist aber furchteinflößend genug, daß der ein oder andere getötet wird. Brown, von der Massenpanik aufgeschreckt, reißt sich schnell seine abgeschlossenen Verträge unter den Nagel und fordert - korrupt, aber ängstlich, wie viele Bösewichte nun mal sind - von seinem HM, das Teil abzuknallen. (Die Suppe hast du dir selbst eingebrockt, Brown! Warum bloß sind (fast) alle Bad Guys ignorant und dumm?) Der kommt leider nicht dazu, wird stattdessen angefallen. Sein Kopf gerät ins Maul, Kroko macht’s zu - und Schluß, Aus, Ende für HM. (Die Szene sieht fast so aus, als würde der Darsteller selbst das Maul mit der Hand runterdrücken.)

Hodges & Co. bemerken die vielen Flüchtigen, als sie die Kanalisation verlassen und stürmen zu Brown, dem sich Reuben und seine Gang in den Weg stellen, weil sie ja noch mindestens drei, wenn nicht vier oder fünf Hühnchen mit ihm zu rupfen haben. Bevor Brown eine Kugel mit seiner gezückten Pistole in Reubens Birne blasen kann, eilt Hodges hinzu und kann mit Hilfe der Clique den Bösmann ins Wasser stoßen. Darauf hat der Alligator scheinbar nur gewartet, jedenfalls schwimmt er zurück in den See und beißt herzhaft zu. (Erzähle ich jemandem was Neues, wenn ich sage, daß das Ganze wieder unvorstellbar unspektakulär-unblutig abläuft? - Ich bin ernsthaft enttäuscht.) Dann schwimmt das Ding davon.

Nun liegt es an den drei HHH, sich in ein Motorboot zu setzen und der Bestie zu folgen. Kaum haben sie die Mitte des Sees erreicht, haben sie diese aber auch schon wieder verloren. So können die Helden jedoch überrascht werden, als das Boot plötzlich dank fremder Hilfe Rumms macht und kentert. (Toller Plan, Jungs, ein wahnsinnig toller Plan!) Just in dem Moment kommt ein Hubschrauber angeflogen, der die in Lebensgefahr Befindlichen aus dem Wasser zu fischen beabsichtigt (und von irgendwem benachrichtigt wurde). Für Hawk kommt allerdings jede Hilfe zu spät. Zwar sticht er mit seinem Messer wie ein Berserker auf Kroko ein und dreht in dessen Maul gemeinsam mit dem Viech fröhlich Pirouetten (sieht so lustig aus wie sich’s liest), muß aber letztlich dran glauben. Während Harmon an Bord des Helikopters gelangt, holt Hodges die Harpune aus dem gekenterten Boot und rammt sie dem ihm sich nähernden Alligator volle Kante in den Unterkiefer. Kroko gefällt das nicht und stößt einen Godzilla-ähnlichen Schrei aus und ist in seinen Tötungsabsichten derart eingeschränkt, daß Hodges rechtzeitig gerettet werden kann. Der Tag scheint gerettet, wenn denn der Alligator gekillt ware. Der schwimmt aber immer noch friedlich im Wasser umher. Also - her mit Plan C! Hodges und Harmon ergattern jeweils eine Panzerfaust, trauern zugleich aber um den armen Hawk.

Nach der Landung des Helis fragen sich die verbliebenen Recken, wo denn nun Kroko hingeschwommen sein könnte. Harmon erinnert sich an Hawks Worte: Alligatoren schwimmen immer zu ihrem Nest zurück. Nichts wie hin, ab zurück in die Kanalisation mit den Panzerfäusten. Schon nach wenigen Sekunden erreichen sie das Nest (ja, richtig, Herr Regisseur: Gar nicht erst versuchen, sowas wie atmosphärische Spannung aufzubauen!) und richten es auf das Ungetüm, das sich tatsächlich dahin zurückgezogen hat. Zwar schwimmt es lahm wie eine Schnecke, aber Harmon gelingt es trotzdem nicht, aus ungefähr fünf Metern Entfernung mit seiner Panzerfaust das Ding zu treffen, um daraufhin nüchtern festzustellen: "Wenn du daneben schießt, sind wir erledigt.“ (Ich glaube nicht, daß man bei diesem Schleichtempo, das das Ding da vorlegt, keine Zeit mehr hätte zu entkommen.) Hodges drückt mit dem ultracoolen Spruch "Komm zu Daddy“ auf den Lippen (in einer Coolneß-Skala von 1 bis 10 pendelt sich der Spruch etwa bei 2,3 ein) ungerührt ab und sorgt für eine Explosion allererster Güte sowie für diverse Teile des Alligators, die durch die Luft fliegen. Juhu, geschafft! Was hatte ich Angst! (Ach, und ja, das Ende ist wirklich so kurz, wie es sich liest.)

Hodges und Harmon schleichen aus der Kanalisation, und ersterer wird von einer großen Menschenmenge mit enthusiastischen "Solo Lobo“-Rufen in Empfang genommen, als hätten sie Röntgenaugen und eben dabei zusehen können, daß Hodges und nicht Harmon das Monster besiegt hat. (Weiterhin bin ich mir über den Begriff "Solo Lobo“ nicht im Klaren. Heißt das nicht auf Deutsch "Einsamer Wolf“? Wenn ja, warum heißt er so, wenn er doch nicht allein, sondern mit Harmon in die Kanalisation hinabgestiegen ist? Ein einsamer Wolf tut doch alles im Alleingang, oder nicht? Kann es sein, daß der Drehbuchautor an dieser Stelle gar nicht wußte, was "Solo Lobo“ übersetzt überhaupt heißt? Ach, was soll’s? Ich denke zuviel.) Hodges und Harmon werden auf jeden Fall von ihren jeweiligen Partnerinnen umarmt und geknuddelt. Alle klatschen, als sie die Menge verlassen. Zur Belohnung gewährt Christine ihrem Gatten sogar eine Zigarette, aber der meint, er hätte "genug von giftigen Chemikalien“ und schmeißt sie in einen - natürlich direkt vor seinen Augen befindlichen - Mülleimer.

Das Schlußbild zeigt uns Reuben, der die Leute dazu aufruft, alle Plakate des Jahrmarkts niederzureißen, die mit Vinnie Brown in Zusammenhang stehen. ENDE.


Analyse

Hach, insgeheim hatte ich ja stark gehofft, daß ich "Alligator 2“ in die Kategorie der "Hirnverbrannt-schlecht-aber-hochgradig-lustig“-Filme hätte einordnen und somit auf dieser Seite eine Empfehlung aussprechen können. Schließlich sind 90 unterhaltsame Minuten tausendmal besser als 90 langweilige. Und wenn sich schon die Öffentlich-Rechtlichen die Mühe machen, ein solch bescheidenes Werk alle möglichen Dritten Programme von NDR bis BR rauf- und runterzujagen, dann ist es sicherlich nicht vermessen zu glauben, daß es sich durchaus um ein großes Vergnügen handeln könnte. Alles andere wäre eine herbe Enttäuschung, denn wozu bezahlt man seine Fernsehgebühren? Also setzte ich mich erwartungsfroh vor die Glotze - mit Buch und Stift ausgerüstet, versteht sich - und harrte der Dinge, die da kommen würden. Anderthalb Stunden später war ich schlauer - und was soll ich sagen? Der Film ist mies, und zwar richtig mies. Beileibe keine allzu schlechte Ausgangslage, sagt (oder denkt) da möglicherweise der ein oder andere Mitlesende, und vielleicht habe ich in der Inhaltsangabe sogar den Eindruck vermittelt, daß mir "Alligator 2“ eine Mordsgaudi bereitete. Wäre schön, wenn ich das tatsächlich geschafft hätte, doch leider, leider sieht die Wahrheit ganz anders aus. Meine anfängliche Vorfreude wich schon bald der Ernüchterung.

Gründe für das enttäuschende Abschneiden sind schnell gefunden: Streng genommen war schon das 80er Original "Horror-Alligator“ (nicht zu verwechseln mit dem italienischen Sondermüll "Der Mörder-Alligator“ von 1989, mit Van Johnson und Anthony Crenna) inhaltlich nicht das Gelbe vom Ei, sondern erzählte vielmehr eine nur unwesentlich abgewandelte Geschichte des Kultklassikers "Jaws“ (die - objektiv betrachtet - wiederum ja auch nicht gerade oscarverdächtig ist) noch einmal neu. Drehbuchschreiber John Sayles und Regisseur Lewis Teague, zwei fähige Leute, hatten jedoch eine Ahnung, wie man diese Plotschwächen kaschieren könnte und setzten ihnen darum eine Menge schwarzen Witz sowie eine gehörige Portion Selbstironie entgegen. Eine Vorgehensweise, die durchaus Sinn macht, wenn man weiß, daß ein Budget von Hollywood-Ausmaßen einfach nicht zur Verfügung steht. Ähnliches hätte ich mir auch hier von Regie-Nobody Jon Hess ("Not of this World“) und seinem Autor Curt Allen gewünscht, aber die beiden machen den verhängnisvollen Fehler, einen ironischen Unterton gänzlich beiseite zu lassen, gegen platten Humor auszutauschen und - was noch viel schwerer wiegt - die selbe Story des Vorgängers mit einem Maximum an Ernsthaftigkeit noch einmal zu erzählen. Daß die Kopie einer Kopie zusammengerechnet nur erheblichen Qualitätsverlust ergeben kann, dazu braucht man kein großartiger Mathematiker zu sein. Hess versucht gar nicht erst, eine eigene Handschrift in den Film einzubringen, abgesehen von dem bereits eben erwähnten Möchtegern-Schenkelklopfer-Humor, der sich nur auf ein paar dumme, wahrscheinlich als ungemein schlagfertig gemeinte Sprüche beschränkt - und die sind nicht so schön absurd platt wie die Zucker-Abrahams-Zucker-Klamotten à la "Die nackte Kanone“, sondern nur noch blöd, wie z.B. in "Police Academy 5“ zu bewundern war (mein persönlicher Favorit in der Rubrik "Katastrophen-Humor“ - tausend Gags, tausend Rohrkrepierer; gerade deswegen muß ich ihn mir bei jeder Ausstrahlung zwangsweise angucken). Ich muß zugeben, etwas geschmunzelt habe ich bei Harmons "Unfall“ auf der Toilette - war zwar plumpe Situationskomik, aber immerhin ganz nett, weil ein Bild für die Götter -, aber das war’s auch schon. Die dämlichsten Dialoge habe ich ja wohl ausreichend in der Inhaltsangabe zitiert, da fehlen einem glatt die Worte (ach, einen Spruch wollte ich noch hier zur allgemeinen Belustigung unterbringen, Hodges zu Harmon: "Willst du deine Eier lieber als Rühr- oder Spiegelei?“) - oder man weint, vor Lachen, weil die Bemühungen um die humoristische Note fortwährend völlig mißlingen, oder aus Mitleid, weil die Verantwortlichen es einfach nicht besser können. Solltet ihr beabsichtigen, diesen Unfug zu sehen, oder habt ihr ihn schon mal gesehen oder gar auf Video, dann achtet doch bitte mal besonders auf das Gespräch zwischen Hodges und dem Anführer der Jugendgang, als letzterer ein Radio aus der Jacke zieht - Ein Musterbeispiel für einen völlig versemmelten Gag!) Halten wir also fest: Gagfrequenz - schrecklich!

Als ähnlich schrecklich muß man die fehlende Linie des Drehbuchs bezeichnen: Da werden drei, wenn nicht sogar vier Geschichten gleichzeitig erzählt, so daß man zwischenzeitlich glatt vergessen könnte, welchem Genre "Alligator 2“ zugeordnet werden soll. Eingangs läuft alles auf Horror hinaus, nämlich als sich der Alligator gleich mal zwei Taucher keschert - unspektakulär zwar, aber immerhin, damit hätte ich mich auf Dauer anfreunden können. Das ändert sich aber sofort nach der Einführung unserer Hauptfigur Hodges. Von da an scheint das Skript das Monstrum aus den Augen zu verlieren, taucht nur zwischendurch mal auf, um sich einen Ball zu schnappen, oder - noch viel später - einen Penner zu verspeisen. Dafür wird die Zeit mit unsinnigen Wrestlingeinlagen totgeschlagen, die ungelogen bestimmt fünf Minuten ausmachen. Die ach so rührende Liebesromanze zwischen Sheri und Harmon wird in der Mitte des Geschehens zwischengeschaltet, nur um plötzlich im Sande zu verlaufen und bis zum Schluß gar nicht mehr aufgeschnappt zu werden. Wir haben Horror, wir haben Liebe, wir haben Komödie - und letztlich bekommen wir auch noch ein paar dramatische Aspekte in den Plot gemixt, nämlich die Abhängigkeit des Bürgermeisters von dem Firmeninhaber Vinnie Brown, die mit Andersons Tod tragisch endet und eventuell zu Herzen gehen könnte, hätte Hess nicht eine solch unentschiedene Inszenierung an den Tag gelegt.

Durch die zahlreichen unterschiedlichen Themen, die er überflüssigerweise in nur 90 Minuten unterbringen mußte, fällt nämlich eine mögliche Charakterzeichnung unter den Tisch, so daß sämtliche Figuren unterentwickelt bleiben. Kein Hintergrund, keine markanten Merkmale - das sind alles nur halbdimensionale Pappkameraden, die sich simpel in die Gut- und Bösefraktion einteilen lassen. Hodges ist "El Lobo“ - wie er zu seinem knackigen Spitznamen und seinem umjubelten Ruf gekommen ist, verrät das Drehbuch nicht. Über seine Gattin Christine weiß es auch nichts zu berichten, außer daß sie Biologin ist und einen Sohn namens GG hat. Sheri ist die Tochter des Bürgermeisters und verliebt sich in Harmon - mehr gibt’s nicht von ihr zu berichten, wenn man sie charakterisieren sollte. Harmon selbst wird nach seiner Suspendierung der Partner von Hodges - Hintergrund? Kann man knicken! Brown ist der verrückte Bösmann, der sich selbst als König eines Imperiums bezeichnet - warum er trotz der Gewißheit, daß im See ein mindestens genauso böser Alligator lauert, seinen blöden Rummelplatz eröffnet, bleibt ein absolutes Geheimnis. Und warum Bürgermeister Anderson erst, als es bereits zu spät ist, Gewissensbisse bekommt und Brown durchschaut? Was weiß denn ich? Man erfährt schlicht und ergreifend nix über die handelnden Akteure unseres Stücks. Von daher wäre Hess gut beraten gewesen, sich ausschließlich auf die Jagd nach dem Monster zu konzentrieren (meinetwegen auch noch ein paar mehr Opfer einzubauen); dann wäre die Zielgruppe wenigstens auf ihre Kosten gekommen und müßte sich nicht erst ständig darüber ärgern, daß man die Titelfigur erst im letzten Drittel richtig zu ihrem Recht kommen läßt.

Auf der Zielgeraden jedoch biegt der Film endlich in die gewünschte Richtung ab und dürfte nahezu jeden Trashliebhaber in wahre Jubelarien ausbrechen lassen. Ja mei, wat ist das schön! Jetzt kann "Alligator 2“ endlich punkten, jetzt folgen die ganz großen Momente. Einen beträchtlichen Anteil daran hat das unglaublich debil anzuschauende Alligatorchen, das sich von Einstellung zu Einstellung von einem stinknormal anszuschauenden echten Reptil (das nur für die ein oder andere Totale verwendet wird oder wenn gerade kein Mensch in der Nähe ist) in ein statisches mit riesigem Maul verwandelt. Zwei- oder dreimal mußte - und da bin ich mir ziemlich sicher - gar ein Spielzeugvieh im Extrem-Close-Up und dementsprechend kleinerer Schnauze herhalten (besonders offensichtlich in der Szene, in der Mr. Kroko das Abflußrohr zerdeppert, zu erkennen). Irgendwann war dann auch bei Hess und seiner Crew der Groschen gefallen, daß man bei dem Angriff auf den Vergnügungspark unbedingt ein Exemplar verwenden müsse, das sich auch bewegen kann. Da bei einem Orginal die Sicherheit der Schauspiel-Statisten nicht gewährleistet gewesen wäre und das Budget Computeranimationen nicht vorsah, kam man auf eine gigantische Idee - man nehme einfach ein Krokodil (wahrscheinlich mit Rädern) aus dem Gruselshop, das von einem oder mehreren Freiwilligen aus der Crew einfach munter vorwärts hinter einer davonlaufenden Menschenmenge her geschoben wird (oder eine andere Möglichkeit, die mir gerade noch in den Sinn kommt: Wir haben es mit einem ferngesteuerten Krokodil zu tun). Sagen wir’s vorsichtig - diese Actionsequenz bringt’s nicht wirklich, doch sie ist ungemein drollig. Die Tatsache, daß das Ding weniger sein Maul als vielmehr seinen künstlichen Mega-Schwanz (ich bitte darum, das nicht falsch zu verstehen, hihihi) als Mordinstrument einsetzt, ist natürlich auch nicht zu verachten und dürfte im Genre bis dahin einzigartig gewesen sein.

Fast noch witziger wird’s wenig später, als Kroko sein Opfer Hawk, das mit unvorstellbarer Zähigkeit immer noch mit dem Messer ahab-mäßig auf das Vieh eindrischt, zu fressen beabsichtigt und aus mir schleierhaften Gründen mit ihm bildschöne Unterwasser-Pirouetten dreht.

Unumgängliche Punktabzüge verbucht "Alligator 2“ dann wieder durch das lasche Finale. Konnte man aufgrund der turbulenten Schlußphase noch von einem versöhnlichen Ausklang ausgehen, so wird dieser durch das abrupte Ende wahrlich verpfuscht. Einmal kurz die beiden Bullen in die Kanalisation laufen und das Nest des Alligators sogleich finden zu lassen, um das Monstrum dann innerhalb höchstens einer Minute (wahrscheinlich noch weniger) abzuknallen und in die Luft zu jagen - nein, das reicht unter keinen Umständen aus. Wobei es natürlich schon wieder lustig ist, daß in diesem Fall bei Abfeuerung einer Panzerfaust aus wenigen Metern Entfernung Hodges und sein Partner nicht selbstlos mit in den Tod gehen, sondern das Feuerinferno problemlos überleben.

Wer die Qualität eines Horrorfilms nur auf den Blutgehalt abklopft, wird ebenso enttäuscht die Fernsehcouch verlassen, denn diesbezüglich liegt er in etwa auf einer Stufe mit "Cruel Jaws“, und wer besagtes Werk gesehen oder meine Besprechung dazu gelesen hat, weiß, was das heißt: Es gibt so gut wie gar nichts Drastisches zu sehen. Keine abgeknabberten Leichen, dafür mal ein abgerupftes Bein sowie zwei oder drei Blutlachen im Wasser - mehr nicht. Besonders schwerwiegend, weil auch kaum Interaktion zwischen Mensch und Tier stattfindet, es sei denn, man zählt den toten Penner und Hawk im Maul des Monsters dazu, doch auch da bekommt man ja nicht zu sehen, wie die Kerle in ihre bedauernswerte Lage geraten sind. Nun gut, wenn schon Struktur, Inszenierungskunst des Regisseurs, Effekte und Logik (die gravierendsten Löcher habe ich oben hoffentlich ausreichend aufgeführt) im Eimer sind, dann kann’s doch gar nicht mehr viel schlimmer werden, oder? (Bleibt ja auch nicht mehr viel, nech?) Stimmt, in der Tat ist der Film in allen anderen Rubriken besser. In den Szenen unterhalb der Erdoberfläche erscheint mir die Atmosphäre sogar recht stimmig und realistisch, auch wenn die Kulissen, die Abflußrohre, zu spärlich eingesetzt werden. Hätte der Regisseur ernsthaft versucht, sich mehr auf das Geschehen in der Kanalisation zu konzentrieren, wäre möglicherweise ein passabler B-Reißer dringewesen.

Darstellerisch ergibt sich ein durchwachsenes Gesamtbild. Während Joseph Bologna (Hodges), ein bis heute filmisch tätiger B-Film-Veteran, ein Vollblutschauspieler ist und dermaßen engagiert, voller Ernsthaftigkeit zu Werke geht, daß er einem Außenstehenden auf den ersten Blick fast weismachen könnte, als befände man sich gerade aus Versehen in einem Meisterwerk à la "Citizen Kane“, stimmt es mich bei Dee Wallace Stone (Christine) schon sehr nachdenklich, wenn eine Frau, die immer wieder sehr gute US-Produktionen abstaubte (und gute Leistungen zu bringen imstande ist) - ihre berühmtesten sicherlich "E.T.“ und "Das Tier“ -, in einem Film wie diesem mit ihrem Latein am Ende zu sein scheint. Farblos marschiert sie durch die Handlung und zeigt nur ansatzweise, zu was sie fähig sein kann. Eine unglückliche Rollenwahl für sie, schätze ich.

Ganz anders da schon Richard Lynch: Der ebenfalls sehr arbeitswütige Mensch, was unterklassige Filme betrifft (einer der "Höhepunkte“ seiner Laufbahn war der Gladiatoren-Klopper "Die Barbaren“, den ich leider immer noch nicht gesehen habe), präsentiert sich in 1-A-Spiellaune, agiert mit herrlicher Selbstironie, als wüßte er, welchen Stellenwert "Alligator 2“ in der Filmgeschichte haben wird. Bringt Spaß, ihm zuzusehen, zumal ihm die Rolle des Alligatorjägers Hawk auf den Leib geschrieben ist.

Woody Brown alias Rich Harmon bleibt blaß und ohne Wiedererkennungswert, Holly Gagnier (Sheri) tut nichts anderes als gut auszusehen, schauspielern ist ihr Ding nicht. Dafür hat sie aber durchaus interessante Auftritte in ihrer Vita stehen: In "Baywatch“ mimte sie eine Zeit lang eine gewisse Gina Pomeroy und ist/war in "Emergency Room“ als Ärztin Tracy Young tätig. Nicht schlecht, würde ich sagen.

Steve Railsback (Vinnie Brown) spielt eher unüberzeugend den Bösewicht (es sei denn, es war seine Absicht, ausdruckslos durch die 90 Minuten zu marschieren), ist aber ein renommierter Schauspieler, der immer wieder mal Nebenfiguren in größeren Produktionen darstellen durfte, u.a. in "In the Line of Fire“ und "Barb Wire“. Hauptdarsteller war er in Tobe Hoopers Schwachsinns-Sci-fi-Geschichte "Lifeforce“ (die ich leider auch immer noch nicht komplett gesehen habe).

Der Vollständigkeit halber seien noch Brock Peters erwähnt, der immerhin mit Filmen wie "Wer die Nachtigall stört“, "Der Pfandleiher“, "Vier für ein Ave Maria“ oder "Jahr 2022 - die überleben wollen“ aufwarten kann und hier einen knuffigen Polizeichef gibt, sowie Bill "Bürgermeister Anderson“ Daily, der in den 60ern kein Geringerer als Major Roger Healy aus der populären Fantasyserie "Bezaubernde Jeannie“ war (und seitdem - ähnlich wie bei Peters - nix Großartiges mehr zustande gebracht hat). "Alligator 2“ ist sein bis heute letzter Film.

Die beste Wertung verdient sich Jack Tillar, denn der kann sich mit seiner Musik durchaus sehen lassen: Nicht daß diese übermäßig gut wäre und den Oscar verdient hätte, aber sie unterstreicht die "spannenden“ Passagen ziemlich überzeugend und ist - im Gegensatz zu den Kompositionen der Herren Hübler und Schwab aus der Franco-Brigade, an die ich mich mit Grausen zurückerinnere - auch richtig schön passend-bedrohlich und wohltuend sparsam eingesetzt.

Bei der Kamera sei das übliche vermerkt: POV-Shots sind das einzige, was der Verantwortliche beherrscht, ansonsten bleibt das Bild statisch, überhaupt nicht experimentierfreudig usw. So, jetzt reicht’s mir (und euch wahrscheinlich auch), das Fazit: Insgesamt vier bis fünf Bier, eins für die ersten fünf Minuten, die restlichen drei bis vier für die recht actionreichen und schön trashigen Schlußminuten, sowie sieben Bomben. Wie bereits gesagt, "Alligator 2“ baut über weite Strecken überflüssige (störende) Subplots und nervtötende Witze ein, die die flache, frei von Ironie seiende Handlung nicht vorantreiben und leider das Tempo des Films stark aufhalten. Debil ausschauende Monsterexemplare, die ständig ihre Größe ändern, sorgen schließlich doch noch für ausreichend unfreiwillige Komik und somit für den ein oder anderen Grinser oder Lacher, die noch einigermaßen entschädigen. Trashfans ist der Film in meinen Augen daher nur bedingt zu empfehlen, aber sicherlich wird keiner sterben, wenn er mal einen Blick riskiert. Was ich nicht ausschließen will, ist, daß durch einen alkoholisierten Zustand des Betrachters das Sehvergnügen gesteigert werden würde. Ich war jedoch komplett nüchtern und hatte insofern lange Zeit wenig Spaß. Erst die letzten Minuten entschädigen einigermaßen.


(c) 2008 Stefan Meckel


Bewertung

BOMB-SKALA
Bomb.jpgBomb.jpgBomb.jpgBomb.jpgBomb.jpgBomb.jpgBomb.jpg

BIER-SKALA
Bier.jpgBier.jpgBier.jpgBier.jpg


Review diskutieren

Andere Meinung? Diskutiere diesen Film im badmovies.de-Forum!



(c) 2000-2006 (and beyond) Markus Risser, alle Rechte vorbehalten, usw. usf. Review-Klauer werden mit mindestens einem Ein Schloß am Wörthersee-Marathon bestraft. Wer Tippfehler findet, darf sie behalten. Preis zuzüglich 16 % Mehrwertsteuer. Angebot nicht gültig am dritten Donnerstag im Monat und in Österreich. Fahrer während der Fahrt nicht ansprechen. You must be THIS tall to take the ride. Peter Jackson is God. Spendenkonto auf Anfrage.