Amazon Force, The

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THE AMAZON FORCE

The Amazon Force

Alternativer Titel: Amazon Force (on-screen-Titel)

Deutschland 2007, 48 min, FSK n.A.


Credits

Cast:

Natasha: - Ellen Koch
Vivian: - Nathalie J. Sameli
Douglas: - Frank Hilsamer
Dr. Dick: - Raoul Schaupp
Chef-Muskelmann: - Rene Schumann
General Higgins: - Michael Weinzierl
Kinky: - Eileen Schüble
Hüterin: - Nadine Meder
Folterknaben: - Heiko Schulz, Michael Valentin

Credits:

Regie: - Andreas Eisele
Drehbuch: - Andreas Eisele
Kamera: - Andreas Eisele
Schnitt: - Andreas Eisele
Musik: - Michael Donner
Spezialeffekte: - Raoul Schaupp, Ellen Koch, Michael Valentin, Heiko Schulz, Heiko Thies, Marc Kreimer, Andreas Eisele, Felix Roth
Produktion: get-a-life productions, fist productions

Vorwort

Machen mir mal wieder einen Abstecher in die Gefilde des einheimischen Amateur-/Independentfilms. Wie wir im Verlauf unser bisherigen Exkursionen in dieses Territorium wissenschaftlich ermittelt haben, gibt's in dem Bereich viel Kappes (Faustregel: Je mehr Schmodder, desto Schrott), aber auch Lichtblicke.

Bei unserem heutigen Exemplar sehe ich der nachfolgenden viewing experience hoffnungsvoll entgegen, denn die drei Filme, die ich von Macher Andreas Eisele bisher gesehen habe, konnte ich durch die Bank in die Kategorie „Lichtblick“ einsortieren (und Die Letzten ihrer Art ist für mich immer noch ein Paradebeispiel dafür, dass man mit wenig Aufwand, aber einer guten Idee auch „anspruchsvolleres“ auf's Videoband bannen kann als nur Herumgesuppe mit Tomatenketchup und Schweinegedärm). Wobei der Titel bereits andeutet – so richtig ernst gemeint dürfte „The Amazon Force“ nicht sein, erinnert man sich doch mit Freuden (oder Grausen, je nach Standpunkt) an die Action-Klopper mit silikonverbesserten Mädels in den Hauptrollen und daran, so könnte man meinen, dürfte Eisele sich mit seinem neuen Streifen lose orientieren. Soweit, so keine schlechte Idee, aber durchaus risikobehaftet – mit dem Schmalspur-Sparstrumpf-Budget einer Amateurproduktion richtig ÄKTSCH'N zu machen, ist nicht ganz einfach (bei Deadly Nam hat's recht gut geklappt, aber auch das ist ja einer der besseren Indie-Filme aus diesem Lande, nicht zuletzt auch, weil er sich nicht ernst nimmt).

Heute mal kurzer Vorrede kurzer Sinn – ich bleibe optimistisch, denn dass Andreas die Kiste SO verhauen wird, dass ich ihm nachher ernstlich böse für unwiederbringlichen Verlust kostbarer Lebenszeit sein werde, will ich nicht glauben (und außerdem sind's auch nur 48 Minuten. Eins meiner Credos lautet bekanntlich: „Ich soll als Amateurfilmer nicht krampfhaft Abendfüllendes drehen“. Schön, dass man ab und zu auf mich hört). Also Film ab...

Inhalt

Jippie – Stock Footage galore! Oder, anders ausgedrückt, „USA 1973“. Da war, wir erinnern uns aus'm Geschichtsunterricht, sofern wir soweit gekommen sind (also wahrscheinlich eher nicht), noch der Vietnamkrieg am Laufen und, soweit es die USA angeht, sah der Spielstand eher nach Debakel aus. Aufgrund der anhaltenden Proteste im eigenen Land sind neue Ideen gefragt und Präses Dickie Nixon hat da auch eine revolutionäre Entscheidung auf der Pfanne. Forget the Navy, forget the Airforce, and don't worry 'bout the bomb, denn zum ersten Mal soll das militärische Potential „einer lange unterschätzten Gruppe voll genutzt werden“ - tödlicher, hinterlistiger und gemeiner als der gemeine Mann – Frauen (endlich werden die Schnepfen mal richtig charakterisiert, hähä). Unter dem Projektcode 906/090 (get it? Hihi...) beginnt im Sommer 1974 die Ausbildung der neuen Elitetruppe (die Uniformen, vergisst man uns nicht zu erklären, hat Nixon persönlich entworfen. Eat this, Lagerfeld). Die neuen Superkämpferinnen operieren bevorzugt im Duo und werden eingesetzt, wenn Männer versagen...

Womit wir die Formalitäten geklärt hätten und zur aktuellen Handlung übergehen können, und die beginnt, wie bei einem Film um gemeingefährliche Kampfamazonen im US-Auftrag kaum anders vorstellbar, in einem Appartment in Frankfurt am Main. Vivian, eine unserer Kriegerinnen, schrubbt sich die Zähne und summt dabei die amerikanische Nationalhymne, dieweil Natascha, Amazone Nummer 2, auf'm Hometrainer strampelt und dabei gesundheitsbewusst eine Kippe nach der anderen durchzieht. Vivian beeindruckt durch einen coolen über-die-Schulter-in-den-Becher-Wurf der Zahnbürste. Was man nicht so alles in der Elitefighterausbildung lernt...

Und so endeten zwei hoffnungsfrohe Independent-Filmer-Karrieren...wenn's denn Schnaas und Walz gewesen wären, seufz.

Gestern abend, so klären uns die Bräute auf, hat das dynamische Duo zwei Kerle „ganz schön rangenommen“. Weswegen die Jungs auch als gut verschnürte Knäuel unter'm Teppich parken. Ein Geräusch lässt die Mädels die Wummen zücken, doch der Eindringling, der sich mirakulöserweise direkt auf'n Pott gebeamt hat, ist nur Douglas, ihr Chef und Meister. Und als solcher möchte er nun gern die Gefangenen verhören – letztere entpuppen sich als die uns nicht unbekannten Goreholio-Filmemacher Heiko Scholz und Michael Valentin, albeit nicht unbedingt in dieser Identität... Douglas' zentrale Frage ist eigentlich simpel - „Was plant Dr. Dick?“ (Uffza. Heftiger 90er-Flashback zu E-Rotic und ihrem Eurodance-Heuler „Help me, Dr. Dick“). Die Antwort besteht aus ausgiebigem Schweigen, weswegen unsere Amazonen mit ein paar Bud-Spencer-mäßigen Dampfhammer-Watschn (courtesy by Vivian) nachhelfen müssen (Natascha ist zu sehr damit beschäftigt, einen Glimmstengel auszusaugen). Trotz der freundlichen Nachhilfe bleibt die Gesprächsbereitschaft der beiden Herren arg verbesserungswürdig, so dass Natascha nun doch gar selbst eingreifen muss. Und weil sie grad 'nen brennenden Sargnagel in der Hand hat, kann frau den ja auch gleich gewinnbringend an den empfindlichen Stellen männlicher Anatomie ansetzen (keine Panik, der Schniedel bleibt off-limits. Ist ja ein anständiger Film das). Autsch. Dennoch mögen die Gefangenen das Maul nicht aufmachen – Vivian heizt den Lötkolben an. Bevor aber derart drastische Mittel aufgefahren werden müssen, kommt Natascha mit der Psycho-Tour und flüstert den armen Jungs ins Ohr, was bis jetzt noch jeden zum Reden gebracht hat. Whatever it is, es verfehlt seine Wirkung nicht - „Mein Gott, wir REDEN“, beeilen sich die Weicheier zu versichern. Dr. Dick ist, so die Auskunft, mit seiner Truppe Klon-Krieger (öhm) auf der Insel Ling-Lang (ääh) zugange, aber was genau dort vor sich geht, ist den niederen Henchmen leider nicht bekannt. Nur das Stichwort „einwickeln“ hat man aufgeschnappt, aber auch nich' so wirklich 'ne Vorstellung, was es damit nun auf sich haben soll. Natascha glaubt unbesehen, dass die Knaben nicht mehr wissen und auch Douglas gibt sich zufrieden. Trotzdem sollen die beiden sofort und auf der Stelle aus dieser Welt in die nächste transportiert werden, weil's nunmal „Feinde aller freiheitsliebenden Völker“ sind. Die Mädels gehen da zwar nicht unbedingt mit ihrem Boss konform, aber Dienst ist Dienst, Schnaps Schnaps und Befehl nun mal Befehl. Vor der Exekution mag Douglas aber schon noch wissen, was eigentlich Natascha als ultimative Drohung ausgepackt hat. Es ist offensichtlich SO grausam, dass es auch dem almighty Bossman nur in den zarten Lauschlappen gewispert werden kann. „Du Luder“, grinst der Boss verschlagen, „das mag ich an dir.“ (Und ich würd's jetzt gern auch wissen, zefix). Vivian stört das traute Gespräch nur ungern unter Verweis auf die befohlene Hinrichtung. BLAM-BLAM und schon gibt's zwei deutsche Indie-Filmer weniger (wenn ich's mir aussuchen dürfte, hätte ich da ganz andere Kandidaten...). Vivian besudelt sich bei der Synchron-Exekution leider ihren teuren Morgenkaftan Marke Gucci und reagiert ungehalten: „Ich wusste, dass das passiert.“ Blut geht doch so schwer wieder raus aus'm teuren Zwirn – ihrer bescheidenen Ansicht nach soll Douglas den Fummel monetär ersetzen (nicht mal vorher mit Vanish Oxi Clean oder so probieren?).

BLAM! BLAM! BLAM!

Nun, da geklärt ist, wo Dr. Dick ist, wäre vielleicht ganz interessant, WER Dr. Dick ist. Douglas übernimmt diesen Dienst an der Menschheit dankenswerterweise. Dr. Dick wurde von seiner Mama nicht auf diesen Namen getauft (wobei das auch lustig wäre – wer mit so einem Namen gestraft ist, MUSS ja Superschurke werden), sondern hört bürgerlich auf den ungleich terroristischeren Namen Rafid id Schufdha. Als solcher hat er Kohle ohne Ende, diverse UN-Inspektoren auf der Gehaltsliste, seine schlimmen Finger in so ziemlich jedem Terrorakt der letzten Jahre und, was wohl am schwersten wiegt, „die Demokraten per Briefwahl gewählt“. Zweifellos EVIL INC., auch, weil er sich eine Privatarmee geklonter Muskelmänner (gezüchtet aus Gen-Material von Schafen Black Sheep?, Grizzlybären und Menschen) zugelegt hat. Dieweil Douglas Exposition spillt, manikürt sich Natascha die Nägel und Vivian raspelt die Blutflecken aus ihrer Toga. „Hört ihr überhaupt zu?“, echauffiert sich Douglas, aber Natascha weist gelangweilt auf die stets behaupteten Multitasking-Fähigkeiten des weiblichen Geschlechts hin. Na, wenn's so ist, kann Douglas ja auch den Auftrag erteilen – da Dr. Dick auf Ling-Lang rumgurkt, sollen unsere Heroinnen eben dahin, die schuftigen Pläne, welche auch immer das sein mögen, vereiteln und Dick ausknipsen. Sein Vermögen würde dann als erfreulicher Nebeneffekt, abzüglich der „Abschussprämie“ („und eines Gucci-Morgenmantels“, nölt Vivian, aber Douglas meckert zurück und meldet Zweifel an der Authenzität des Kleidungsstücks an), an die Staatskasse fallen. Die Bewaffnung ist freigestellt (eine gewisse Kinky wird die Bestellungen entgegennehmen), Gewaltanwendung ausdrücklich erwünscht, viel Glück usw. „Tja, ich geh dann mal“, fällt dem Chef dann nur noch als Abschiedswort ein. Not very dramatic.

Douglas trabt ab, muss aber vor der Tür ein Handy-Gespräch entgegenehmen (Klingelton: „Star-spangled banner“, soviel Zeit muss sein). General Higgins (per split-screen eingeblendet) ruft an (hat aber nicht mal 'ne Uniform an. Der ist doch kein echter General nicht) und macht schnell klar, dass er mit Douglas' „Pussy-Brigade“ nix anfangen kann und den Job lieber gleich als später echten Kerlen (TM) anvertrauen würde. Ein Ultimatum ist rasch unterbreitet – wenn die Amazonen versagen, war's das mit der Frauenspezialeinheit. Douglas macht sich diesbezüglich nicht wirklich Sorgen.

Dr. Dick - 100 % Evil!

In den Wäldern zu Ling-Lang hockt Dr. Dick auf einem Thron und lässt sich bepalmwedeln, dieweil seine Klone schuften (Hot Pants kleiden Männer nicht wirklich gut, sei an der Stelle angemerkt). Was auch immer gesucht wurde – man hat's gefunden, eine Gefangene hat dem teuflischen Dottore wohl auf die Sprünge geholfen. Und nun müsste man noch rausfinden, was die Schepfe noch über diesen spektakulären Fund (der in einer verdächtig sargmäßigen Kiste davongetragen wird) so weiß.

Back in Tschörmonie kommt Kinky per Motorrad (Hot Pants kleiden hübsche Frauen schon viel besser, sei an der Stelle angemerkt) und mit einem Koffer. Tascha und Vivian empfangen die Kollegin stilecht mit Kaffee & Kuchen (attraktive Kampfmaschinen UND gute Hausfrauen? Wowsa. Ich nehm zwei). Kinky überbringt die traurige Kunde, dass es letzte Woche eine Kameradin im Iran ersicht hat. Schnüff. Nachdem dieses Thema erschöpfend abgehandelt wäre, geht man nahtlos zum Bürotratsch über und dort trommelt der Buschfunk wohl ausgiebig über eine Affäre von Natascha und Douglas, was Natascha ziemlich aufregt: „Ich weiß gar nicht, wie ihr da drauf kommt.“ Kinky hat auch schon vom Ultimatum Higgins' gehört. „Wir haben doch gute Arbeit geleistet“, meint Vivian, aber das hat noch keinem geschadet, wenn Männer es nunmal nicht mögen, wenn Frauen ihren Job tun. „Wir werden unser Bestes geben“, sagt Natascha jedenfalls zu. „Apropos geben – kann ich das Rezept für den Kuchen haben?“ Schön, dass die Mädels ihre Prioritäten setzen... Kinky verteilt noch die Einsatzdossiers (mit schönem handgeschriebenen Top-Secret-Aufkleber) und nimmt die Waffen-Wunschliste entgegen. Und außerdem müssen noch die Kadaver entsorgt werden – beide ledig, keine näheren Verwandten bekannt, „der Dünnere war begeisterter Rennfahrer“. „Etwas vage, aber damit lässt sich arbeiten“, stellt Kinky fest. „Der andere hatte außerdem fürchterlichen Mundgerucht“, meint Vivian noch anmerken zu müssen. Das hilft Kinky entsorgungstechnisch jetzt vermutlich nicht entscheidend weiter, weswegen sie auch darauf hinweist, dass der Flieger nach Ling-Lang in zwei Stunden planmäßig startet...


1 Stunde und 55 Minuten später haben sich unsere Heldinnen in tarnfarbene Bikinitops, die ihnen nicht zur Schande gereichen, geworfen und rezitieren das Dossier über Ling-Lang, eine dem Vernehmen nach langweilige Inel mit „erstaunlich europäischer Fauna“ (schön, dass man sich die Zeit für eine Erklärung nimmt, warum die exotische Location aussieht wie der nächste Laubwald). Warum dem so ist, hat aufgrund akuter Langeweileanfälle noch niemand ernstlich ermitteln wollen. Da man auf Ling-Lang schwerlich direkt landen kann, von wegen Unauffälligkeit, wird man das letzte Stück auf dem Wasserweg hinter sich bringen. Außerdem gibt's noch ein paar Infos über den Schuft Schufdha. Eigentlich ist der fiese Knilch Nordamerikaner (okay, also KONNTE er die Demokraten wählen) und hat der Legende nach die eigenen Eltern abgemurkst, um sich vom reichen Schufdha-Clan adoptiern lassen zu können. Dort hat er dann die legitimen Schufdhas eliminiert, um an das Vermögen ranzukommen. Ein schlimmer Finger. Und den Beinamen „Dr. Dick“ hat er sich aufgrund des „gewaltigen Umfangs seines“... Der Rest bleibt unausgesprochen, aber die Mädels sind sich einig: „Männer...“ (so sind wir eben. Und so wollt ihr uns doch auch. Bäh).

Großartige Karte. Sollte Standard werden!

Nachdem wir jetzt aber jede Menge Expositions-Informationen erhalten haben, wäre es, so nett gepflegter Schnack auch ist, nett, wenn wir zum „Action“-Part unseres heutigen Films kämen... nun, zunächst hebt eine Cessna (oder Beechcraft, so'n Mini-Propellerdingens halt, mit dem man meines Erachtens kaum von Frankfurt nach Asien flattern kann) an und eine wirklich hübsche Indiana-Jones-mäßige Karteneinblendung (man passiert Gegenden, die als „Pure Evil“, „Bollywood“ und „Kung-fu shit going on“ markiert sind) verdeutlicht die Reise unserer Kampfgefährtinnen nach Ling-Lang, einer, hüstel, penisförmigen Insel (was zu Dr. Dicks corporate-identity-Logo perfekt passt) vor der chinesischen Küste.

Schon krauchen die Mädels an den Strand und stellen zutreffend fest: „Da wären wir.“ Vivian hat sich die Nummer des Piloten geben lassen, und Natascha stellt den Plan auf: „Essen wir erst mal was.“ (Gab's im Flieger nix zu futtern?).

Bei Bösens unterm Sofa bzw. hinter einem weißen Vorhang wird offensichtlich fröhlich gehosteled, eh, gefoltert. Dr. Dick ist mit sich und der Welt im Reinen - „wir haben, was wir wollen“, und, was die bislang ungesehene Gefangene angeht: „Sollte sie nicht reden wollen, tötet sie. Sollte sie reden, tötet sie.“ Man kann sagen, was man will, aber der Herr weiß, worauf er Wert legt. Er selbst mag sich allerdings, weil ihn die Insel tierisch ankotzt, dringendst verpissen.

Und tut dies auch mittels eines passablen CGI-Helikopters, der wenig später über den Köpfen unserer Heldinnen hubschrappt. „Hoffentlich saß da nicht der drin, von dem ich denke, dass er drin saß“, meint Natascha besorgt, indes Dickies Klone die Gefangene, gehüllt in eine Art Zigeuner-Naturvolkpriesterinnen-Toga-Sari-Dingenskirchens, durch den Wald hasseln und an einen Baum fesseln. Während Vivian geistig schon mal die Klone auf ihre sexuelle Tauglichkeit durchprüft und zu einem befriedigenden (harhar) Ergebnis zu kommen scheint, bemerkt Natascha durchaus, dass es sich bei dem Set-up um eine kleine improvisierte Erschießung unter Feinden handeln soll. Wenn das so ist... dann zückt Natascha dochgern ihr Samuraischwert und auch Vivian lädt ihre Knarren durch. Mit ein paar launigen one-linern stürzen die Girls sich in die Schlacht. Shoot-out-time! Natascha hat schnell ein paar Blutflecken auf ihrem Top und ist daher angepisst. Nichts, was eine kleine Meditation mit ihrem Schwert nicht beheben könnte – in der Deckung einer von Vivian geworfenen Rauchbombe wirft Natascha sich in den Nahkampf. Die Klone, wie alle Klonkrieger von der nicht wirklich treffsicheren Sorte, ballern in den blauen Dunst. Einer der Klone wird per Schwerthieb niedergestreckt (SPLOT-Blutspritz), der nächste (und letzte) mag die Beteuerungen der Girls, dass sie doch nur mit ihm reden und ihm gewiss nicht ans Leder wollen, nicht recht glauben und schießt, was das Zeug hält. Die (durch einen Querschläger mittlerweile freigeschossene) Geisel schnappt sich mit ihren Zähnen (die Flossen sind noch gefesselt) eine Laterne (warum auch immer... aber vielleicht will sie ja damit jemandem heimleuchten) und geht prophylaktisch in Deckung. Natascha bringt einen Kung-fu-Kick in des Klons midsection an, aber, um im mittlerweile ja gewohnten Wrestling-Slang zu bleiben, der Klon no-sells und setzt einen Würgegriff an. Zumindest so lange, bis Vivian ihm aus Nahdistanz eine blaue Bohne in die Dunstkiepe jagt. „Das war's dann wohl mit dem Verhör“, stellt sie realistisch fest, während Natascha noch um Atem ringt und zudem gut mit rotem Lebenssaft besuppt ist. „Der hätte sowieso nichts gesagt“, meint die Geisel. Dr. Dick, so klärt sich, war nämlich hinter einer Mumie her und sie selbst wäre die Hüterin selbigen personifizierten Wadenwickels gewesen (womit auch das „einwickeln“ erklärt wäre). „Terroristen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren“, meint Viv, aber ganz so einfach ist die Chose dann doch nicht, denn... die Mumie ist die eines Gottes, gesandt von den „Sternenmenschen“ und wer sie wiedererweckt, kann mit ihr Armageddon itself auslösen. Das Däniken-taugliche Garn hört sich natürlich für die taffen Gemeinagentinnenohren nach ziemlichem Tinnef an, aber ein kriminelles Superhirn wie Dr. Dick wird ja wohl nicht hinter irgendwelchen Hirngespinsten nachlaufen, oder? Die Hüterin jedenfalls erklärt, dass die Geschichte der Insel Ling-Lang (letztere Bezeichnung hübsch gesingsäuselt) ein wohlgehütetes Geheimnis sei. Vor allem langweilig, meint Vivian, die zu Archäoastronomie und Sternenmenschengeblubber wohl keinen rechten intellektuellen Zugang hat. Immerhin – die Hüterin hat mitbekommen, dass Dick die Mumie zur „Konklave“ bringen will (will er sie zum nächsten Papst wählen? Meine Stimme hätte er sicher).

Hinter der Heck' ein gutes Versteck...

Natascha lädt die Hüterin ein, sich der gerechten Sache im Kampfverbund anzuschließen, doch das klingt der Inseltante wohl ein wenig zu sehr nach Spaß und Aufregung – sie wartet lieber hier, bis die Mädels die Mumie zurückbringen. „Ihr bringt sie doch zurück?“ Hm, bei einem US-Geheimdienst wäre ich mir da nicht so sicher, so 'ne kleine Weltuntergangsmumie passt doch hervorragend ins Pentagon-Repertoire. Die Intentionen der Amazonen scheinen der Hüterin irgendwie nicht ganz koscher zu sein (was ich ihr nicht verdenken kann), weswegen sie Natascha persönlich in die Pflicht nimmt: „Die Mumie kann nur von ganz besonderen Menschen mit einer speziellen Bindung zu ihr kontrolliert werden“. Und wer das kann, kann die Sternenmenschen rufen – sie (ergo die Mumie) zurückzubringen, sei Taschas heilge Pflicht. „Ooookaaaaay,“ murmelt Natascha begreiflicherweise skeptisch und stiert die Hüterin bedeutungsschwanger an. Die stiert zurück und setzt sich nieder...

Die Konklave sieht weniger nach Kardinalsversammlung denn nach einem Schul-/Unigebäude eingezäunter Manier aus und wird von diversen Klonen bewacht (dem Klon-Thema an sich tut's gar nicht so schlecht, dass es nur drei-vier Statisten gibt, die entsprechend oft eingesetzt werden). Dr. Dick schreitet durch das – für einen Superschurken-HQ-hideout verdächtig baufällig-vergammelt wirkendes – Gemäuer und muss zu seinem persönlichen Missfallen feststellen, dass seine Klone sich die Zeit damit vertreiben, der Mumie einen Eimer Wasser nach dem anderen über die eingewickelte Rübe zu gießen. Da kann man schon mal seinen Rechte-Hand-Klon fragen, was die „Idioten“ (hey, die hast du selber geklont) da machen. „Aufwecken, Doc!“ Da hat der Superschurke von Rang nur zwei Optionen – sich entweder ob der Blödheit der Untergebenen die Schrankwand-Eiche-furniert über die eigene Rübe zu ziehen oder den Rechte-Hand-Klon an Ort und Stelle zu entleiben. Dr. Dick entscheidet sich für die zweite Möglichkeit und befördert umgehend einen (identischen) Klon zum neuen Rechte-Hand-Klon. Und die Wasserverschwendung hat sofort ein Ende, schließlich hat der Doktor ja ein Labor. „Muss man denn alles selber machen“, stöhnt der geplagte Schuft (wer sich Rindviecher als Armee klont, muss das wohl).

Onkel Douglas will DICH!

Douglas teilt indes den mittlerweile einen schicken Audi (mit noch schickerem Amazon-Force-Kennzeichen) kutschierenden Heldinnen mit, dass die elektronischen Archive zu „Konklave“ nichts ausspucken. Zum Glück hat Douglas aber einen funktionierenden eigenen Denkapparat und sich daran erinnert, von „Konklave“ schon im Zusammenhang mit einem Schufdha-Hideout in Schottland gehört zu haben. Weswegen die Girls auch durch die Highlands cruisen (oder zumindest ein, ähm, Double thereof). Die entsprechende Datei sei aber wohl manipuliert worden - „oder es sind Spuren des letzten Updates“. Kill the sysop. Gleiches gelte für die Ling-Lang-Datei. „Das muss nichts bedeuten“, beruhigt Douglas, aber Vivian blickt durch: „Könnte aber auch ein Maulwurf sein“. Douglas entlässt seine Untergebenen mit einem generellen Rat zur Vorsicht.

Dr. Dick wird telefonisch über eine unerfreuliche Wendung informiert und sagt das auch: „Was für eine unerfreuliche Wendung.“ Aber jetzt, wo er vorgewarnt ist, kann er damit leben. Seine Scheiß-Laune muss aber abreagiert werden: „Was für 'ne Scheiß-Aussicht!“ Meint er nun den anstehenden Amazonenangriff oder nur die Tatsache, dass ihm ein paar Bäume den Blick ins Gelände versperren? Letzteres. Die Klone sollen sich mal gefälligst als Amateur-Holzfäller betätigen. Indes sind die Heldinnen angekommen – Natascha plagt ein unbestimmtes schlechtes Bauchgefühl, „wie damals in Afghanistan.“ Und das ist, wie wir alle nicht wissen, ja tüchtig ins Amazonenhöschen gegangen, schließlich sollten „wir sein Leben um jeden Preis schützen“. „Das Leben war noch nie unsere Stärke“, filosofiert Vivian. Aber trotzdem ist ja damals alles gut gegangen (wie jetzt?), hat ja niemand die Leiche gesehen, hehe. „Egal, was passiert, ich stehe an deiner Seite,“ verspricht Vivian, „Rücken an Rücken, bis ans blutige Ende“, ergänzt Natascha. Damit wäre es nach Vivians bescheidener Ansicht Zeit, ein paar Männerärsche zu treten.

Die Wachklone am Tor hören ein paar verdächtige Geräusche, machen sich aber nix draus. Unaufmerksamkeit wird durch umgehenden Kopfschuss bestraft, aber Vivian beschwert sich: „Ist irgendwie unbefriedigend, wenn ein Ablenkmanöver völlig ignoriert wird“. Das Endresultat ist doch das gleiche, wendet Natascha ein, aber „wo bleibt der Spaß?“. Zumal trotzdem Alarm ausgelöst wird und des Doktors Klonarmee sich ballernd ins Gefecht wirft. Da seine Klone sterben wie die Fligen, ist der Dottore leicht verstört (da ist man nun vorgewarnt, aber irgendwelche, naja, präventiven Maßnahmen muss man ja nicht ergreifen, wa, Keule?). Ein halbgeglückter HK-Style-Kamera-verfolgt-den-Messerwurf tiltet einen Klone und Vivian mäkelt, dass das Gebäude für einen Zwei-Frau-Angriffstrupp vielleicht doch ein wenig groß sein könnte. Im Heizungskeller stehen Viessmann-Kessel (die Exportwirtschaft funktioniert) und Natascha killt zum zwanzigsten Mal den selben Klon: „Ich kann den Kerl langsam nicht mehr sehen!“ Aber immerhin haben die beiden Damen sich ins Kellergewölbe vorgemeuchelt, wo die Mumie in des Doktors wenig impressiven Labor an eine Wand gelehnt und mit ein paar Elektrokabeln dekoriert rumsteht. „Nicht gut,“ meint Natascha angesichts der sich ihr darbietenden Situation und hat Recht damit, denn hinter ihr steht mal wieder ein Klon, und zwar DER Klon. „Nicht schon wieder der“, zickt Natascha, aber der, verklickert ihr Dr. Dick, ist nunmal sein bestes Stück, will sagen, sein „Ascari“ (?). „Um die Atmosphäre zu unterstreichen, habe ich ihn Igor genannt“, erläutert Dick leutselig und beweist damit Klischeefestigkeit. Igor sammelt die Wummen ein und ist zufrieden mit sich und der Welt. Die Literatur, gibt er zu Protokoll, habe ihn zu seinem Unterfangen angeregt, aber Rationalistin Natascha bestreitet entschieden, dass des Doktors finsterer Plan funktionieren könnte. „Dann habt ihr ja nichts zu befürchten, außer den Tod durch Igor“, grinst Dick, für den das ganze offensichtlich ein win-win-Szenario darstellt. „Gute Arbeit, General Higgins“, lobt er seinen Informanten, aber nun braucht den uniformlosen Lamettaträger so richtig keiner mehr, weswegen Igor ihn prompt kaputt macht.

Dr. Dick kontempliert das Gelingen seiner Pläne. Ein Mann im Einklang mit dem Universum.

Wo das geklärt wäre, kann man jetzt ja auch ernsthaft mit der Mumienerweckung anfangen, meint Dick, aber Natascha wendet ein, dass die Sache doch nur ein alter Mythos sei, der gar nicht funktionieren könne. Nachdem Dick Natascha freundschaftlich auf Basis des in etwa gleichen Alters das Du anbietet (ein echt jovialer Schurke), erklärbärt er dass nach seinen Infos der Mythos durchaus seine wahren Seiten habe und die Wiederkehr der Mumie Krieg und Zerstörung bringen werde – warum immer er darauf auch Wert legt. Hinterfrage nie die Motivation eines Superschurken: „Verbeugt euch vor dem Sohn Gottes, Jesus' Mumie!“ Uffza. Hoffentlich lesen hier keine Hardcore-Christen mit... Obwohl die Mumienaufweckungsmaschine, die den göttlichen Wickel ein wenig elektrobrutzelt, nach Nataschas bescheidener Ansicht wie aus „einem billigen Horrorfilm“ aussieht, funktioniert sie perfekt. Dick stöhnt sich in einen wahren Orgasmus der Begeisterung und Vivian fällt ihm jubelnd um den Hals. „HEY!“, plärrt Natascha und ist der Ansicht, sich wenigstens eine Erklärung verdient zu haben. „Nein“, meint Vivian und richtet eine Knarre auf sie.

FORTSETZUNG FOLGT.

Äh. Wie jetzt? Kein Ende? Ein Cliffhanger von Will-Riker-erteilt-den-Feuerbefehl-in-“Best of Both Worlds“-Ausmaßen? AARGH. Zum Glück hab ich noch den Umschlag mit der Adresse von Herrn Eisele.. * Baseballkeule-einpack-und-Zugticket-buch *

Halt. Moment mal. Da quasselt jemand über'n Abspann und lässt ihn anhalten. „Für den zweiten Teil ist kein Geld mehr da, die Kostüme waren zu teuer.“ Da hilft nur eins – Band zurückfahren und schnell noch'n Ende antackern... (* Zugticket-stornier *).

Komm gib mir deine Hand, denn heute feiern wir...

Natascha erinnert Vivian an die guten alten Zeiten im Matsch von Afghanistan und im Irak und rührt damit Vivians dunkles Herz, auch wenn die Verrätermaid sich sicher ist, das schwer zu bereuen. Vor sieben Jahren erkannte sie das Potential von Dick und half ihm bei der Übernahme des Schufdha-Klans. „Wir bewegen doch nichts. ER kann die Welt verändern.“ Es war Vivian, die die Hinweise auf die Mumie entdeckte und subsequent die Dateien manipulierte. „Schnuffelchen“ hat sie den Rest besorgt: „Er heiratet mich dann.“ „Sie will als Jungfrau in die Ehe,“ ergänzt Plaudertäschchen Dick, was Natascha nun doch schwer schockiert – passt doch, meint Vivian, „er ist schwanzgesteuert, ich eine jungfräuliche Schlampe.“ (Sachen gibt's). Der freundliche Bezeihungsklatsch wird durch die sich losreißende Mumie gestört. Das entbrennende Tohuwabuhu erlaubt Nati die Flucht, dieweil Jesus sich als kugelfest erweist, Strahlen aus seinen umwickelten Händen schießt und damit Klone röstet. Tja, so richtig den Denkkasten zerbrochen über die Frage, ob und wie man die Mumie kontrollieren kann, hat Dr. Dick sich nicht, mit der Folge, dass Jesus alles zappt, was ihm vor die Mumienfinger läuft. In allgemeiner Panik hastet man durch die Gewölbe, Nati voran, Vivian und Dick hinterher und die Nachhut bildet der zappende Gottessohn. Jesus bemüht sich, Natascha zu grillen, was Vivian amüsiert. Und auch Dick kann sich ein „Ciao, du Schlampe“, nicht verkneifen. Oha. Falsche Wortwahl. Aber nicht Natascha beschwert sich – die hat grad anderes zu tun -, sondern Vivian. Wenn hier jemand 'ne Schlampe ist, dann exklusiv und ausschließlich sie. Jesus hält in der Natascha-Grillerei inne und reicht ihr die Hand. „Kacke“, stellt Vivian ebenso eloquent wie zutreffend fest. Blasphemiker Dick steht der Sinn nach einem glorreichen Duell: „Verfickter Sohn Gottes, niemand kann es mit mir aufnehmen!“ Sehr optimistisch gedacht – Jesus killt ihn per lässiger Handbewegung. Vivian reagiert ungehalten und möchte nun Natascha, die in Jesus' Windschatten parkt, tilten: „Dafür wirst du sterben!“ (Sie war's doch gar nicht...). „Ich sollte heute schon ein paar Mal sterben“, sieht Natascha das so locker, wie man's in der Deckung einer kugelsicheren Sohn-Gottes-Mumie nun mal sehen kann. Jesus zappt Vivian, aber so richtig umbringen möchte Natascha die verräterische Kollegindann doch gern selbst, und zwar in einem fehren Kampf ohne Waffen. Auf Natis Zureden zieht sich Jesus in der Tat zurück. „Wieso hört der auf dich?“, fragt Viv, und Nati kann nur „weiß ich nicht“ murmeln (hat sie doch glatt ihr Gespräch mit der Hüterin vergessen). Abgesehen davon ist ihr das jetzt ziemlich wurscht, denn Vivian hat ihr Heimatland verraten! „Amerika ist auf Lügen aufgebaut“, knurrt Vivian, was man schon daran erkennen könne, dass das Geheimnis der Mumie verschwiegen wurde (sonst wär's ja auch kein Geheimnis mehr. Pah.). „Du hattest keine idealistischen Ziele“, kritisiert Natascha (wenn sie welche gehabt hätte, wär's okay?), „du wolltest Macht!“ (Was könnte idealistischer sein?). Nach dem Abhandeln der Verbalinjurien gehen die Kämpinnen zum Kloppen über und besorgen's sich ordentlich (kampfmäßig, ähem). „Ich hab dir blind vertraut“, trauert Natascha, als sie Vivian endlich am Boden hat. „Immerhin bekommst du die dreifache Abschussprämie“, grinst Vivian, besiegt, aber nicht gebrochen, und lässt sich per headshot hinrichten.

Womit Natascha sich der Mumie zuwendet. „Bist du's wirklich?“, erkundigt sie sich beim Vertreter der Wickelbrigade, der aber bleibt schweigsam (vielleicht sollte sie ihn mal auswickeln). Ein simples „Schlaf!“-Kommando knipst die Lebenslichter der Mumie wieder aus.

Nati übermittelt Douglas telefonisch den Einsatzbericht und weist auf die Existenz der beiden Verräter hin. Und was ist mit der Mumie, mag der Chef wissen? Die ist zerstört worden, vollständig, kunftet Nati aus und reicht einen spontanen Urlaubsantrag ein, während die Hüterin auf der Insel wartet...

Nun kann der Abspann kommen, aber die Kommentatoren desselben melden sich noch mal zurück: „Ich hätt's besser gefunden, wenn Ninjas vorgekommen wären“ (ach, es macht sich doch der Einfluss dieses Eures Docs bemerkbar, rede ich mir zumindest ein), meint der eine und der andere macht uns diesbezüglich Hoffnung, falls die Kohle für einen zweiten Teil doch noch aufgetrieben werden kann...

Analyse

Natürlich ist „The Amazon Force“ mal wieder so ein Fall, dem ich mit meinen üblichen Mitteln eigentlich nicht beikommen kann – es ist schon mal von Haus aus kein professioneller Film und dann noch ein solcher, der sich nicht ernst nimmt und bewusst die Trash-Karte spielt. Ähnlich wie Markus Hagens Deadly Nam greift sich Andreas Eisele ein althergebrachtes, 80er-lastiges Genre und treibt das ganze parodistisch over-the-top.

Chicks-with-guns-Streifen sind, da sind wir uns einig, ein Produkt der 80er, auch wenn die Wurzeln dieses Subgenres in die wilden Exploitationzeiten der frühen 70er zurückreichen, und wurden von Konsorten wie dem schon zitieren Andy Sidaris für eine wenig diskriminierende Klientel gedreht – man nehme ein paar Playmates, die gerade nix besseres zu tun haben und dem Irrglauben anhängen, durch eine Low-Budget-DTV-Schotterproduktion eine große Filmkarriere zu starten, stecke sie in knappe Outfits und drücke ihnen Schießprügel in die Hand, deren Kaliber in umgekehrt proportionalem Verhältnis zum getragenen Textil stehen. Ein paar pyrotechnische Knalligkeiten, ein paar nackte Tatsachen, fertig ist der Schnellschuss, der bei Blockbuster Video ein paar Dollar einspielt. Scheint immerhin soweit zu funktionieren, dass Genosse Sidaris damit seit fast 20 Jahren durchkommt und ein geregeltes Auskommen hat, obwohl sich die allermeisten Filmbetrachter einig sein dürften, dass kaum einer seiner Streifen was taugt. Ein Alternativentwurf zu diesem Thema waren die HK-Femme-Fatale-Streifen Marke Moon Lee, die aber zumeist bodenständiger daherkamen als die Sidaris-Klopper, an denen Eisele sich hier sichtlich orientiert.

Orientierung an Sidaris heißt natürlich konsequent, dass alles, was objektiv als blöde Idee zu klassifizieren wäre, im Kontext eine gute Idee ist – vom herrlichen Stock-Footage-Auftakt, der die Geschichte der Amazon Force rekapituliert über den sich einfach so materialisierenden Chef, Kaffeeklatsch bei Kuchen unter Amazonen, das alles fügt sich wunderbar zum beabsichtigten comic-book-Approach zusammen – okay, die zum Leben erweckte Mumie (und ihrer Alien-Archäologie-Backstory), die sich zumindest nach Dicks bescheidener Ansicht als die von Jesus persönlich entpuppt (warum auch immer die auf einer asiatischen Insel liegen sollte), war für mich vielleicht sogar etwas zu viel des Guten, aber andererseits bin ich für over-the-top-Nonsens immer zu haben, und, um den Höhnern einen Songtitel zu klauen, wenn nicht jetzt, wann dann? Dazu kommen nette Nebenbei-Gags wie die wirklich schöne Indiana-Jones-Landkarte, die beiläufige Erklärung, warum's auf Ling-Lang so verdächtig europäisch aussieht oder der erwähnte Kaffeeklatsch. Strukturell leidet das Drehbuch ein wenig darunter, dass speziell in der ersten Filmhälfte sehr viel expository dialogue geklöppelt wird – ich bin erklärtermaßen kein Freund dieses Stilmittels, aber wenn man nur 45 Minuten Zeit hat, kann man entschuldigendermaßen halt nicht immer jede notwendige Information flüssig ins Script einbauen, aber spätestens nach dem dritten Expo-Block von seiten der „Hüterin“ war's mir genug Talk (es war dann, dem fliegenden Spaghettimonster sei dank, auch der letzte). Seine große Stärke als Autor, gute Dialoge, kann Eisele in diesem Film nicht ganz ausspielen, weil sich eben auch die Texte an gängigen Genreklischees orientieren müssen – einige nette one-liner sind aber trotzdem zu verzeichnen.

Und, naja, mit dem angetäuschten Cliffhanger, dem „Rückspulen“ und dem nachgereichten Ende hat Eisele sowieso gewonnen. Frechheit, wie ich sie liebe (hm, und sind die über-den-Abspann-Quassler am Ende „Operation Las Vegas“ geschuldet?).

Vom betriebenen Aufwand her geht „The Amazon Force“ in Ordnung – sicherlich wären ein paar Komparsen mehr in Dickies Armee nicht schlecht gewesen, aber in der jetzigen Form kommt der Klon-Aspekt viel besser zur Geltung (und kann auch entsprechend ins Drehbuch geschrieben werden, wenn Natascha langsam echt genervt ist, andauernd den selben Typen killen zu müssen). Die Location für den Showdown ist passabel (das Labor des Doktors hätte vielleicht etwas „laboriger“ aussehen können, aber wir können uns ja denken, wie überschaubar das Budget für Requisiten gewesen sein dürfte... und außerdem hat uns ja der Abspann informiert, dass die Kostüme so teuer waren). Speaking of costumes – die Kampfanzüge der Klone sind ein Brüller (wenn auch nicht unbedingt aus ästhetischen Gesichtspunkten), Tarnfarben-Bikini-Tops sind dagegen ein dringend weiterer Verbreitung zuzuführendes Textil.

Von der handwerklichen Seite gibt's wenig Grund zu meckern – die Kameraführung ist für Indie-Verhältnisse gelungen und probiert da und dort auch mal was überraschendes; die Action-Szenen, die aufgrund der beschränkten Mittel der Amateur-/Indie-Filmer eine harte Nuss sind, werden gut gelöst – flotter Schnitt bringt die Dynamik, die in einer größeren Produktion über schnelle, bewegliche Kamera gelöst wurde; dazu kommt zappelige Handkamera modernen Zuschnitts (schlecht für Screenshots, gut für Bewegung im Bild). Jedenfalls sind die entsprechenden Sequenzen recht rasant und, wie noch zu erwähnen sein wird, alles andere als blutarm. Die schon geschilderten Expositions-Blöcke sind dem Tempo, wie's nicht anders sein kann, nicht wirklich zuträglich, aber echter Leerlauf kommt nicht auf.

Positiv zu vermelden ist zweifellos, dass der Film, wie der Anglophile so schön sagt, „doesn't overstay its welcome“. Die 45 Minuten sind die ideale Laufzeit für eine Indie-Action-Parodie (gut, „Deadly Nam“ dauerte noch ein Weilchen länger, hatte aber mehr Charaktere, um die Sache auszufleshen) – ich schreibe es bekanntlich immer wieder gern den Amateurfilmemachern ins Gebetbuch: man MUSS nicht krampfhaft abendfüllend drehen, schon gar nicht, wenn man eh nicht wirklich einen kommerziellen Vertrieb hat. Macht den Film so lange, wie Eure Idee reicht, ob's 20, 40 oder 60 Minuten sind, aber bläht Eure Werke nicht künstlich auf. Auch die Grundidee von „Amazon Force“ wäre m.E. mit den verfügbaren Mitteln für einen Abendfüller nicht tragfähig, aber für die Dreiviertelstunde reicht's locker.

Den Score besorgt Deutschlands führender Indie-Film-Komponist Michael Donner und ich muss sagen – der Bursche wird immer besser. Seine symphonischen Themes mögen nicht vor Originalität triefen, aber wenn Hans Zimmer sich seit Jahren selbst kopiert, kann man es Donner schwerlich übelnehmen. Auch hier legt er wieder einen Soundtrack hin, der einer 100-Mio-Dollar-Mega-Major-Produktion nicht schlecht zu Gesicht stehen würde (es gibt sogar eine Soundtrack-CD, die ich Freunden Zimmer'scher Pathos-Scores durchaus empfehlen würde); es wirkt manchmal etwas überdimensioniert für den tatsächlich abspielenden Film, aber man kann dem Komponisten jedenfalls nicht vorwerfen, nicht alle Register seines Könnens gezogen zu haben (wenn Donner jetzt irgendwann mal * entdeckt * würde und nicht dazu gezwungen wäre, auch noch den letzten Marcel-Walz-Schwachsinn zu vertonen... Ha, endlich geschafft, gratitious Walz-Bashing. I'm so proud of me).

In Sachen Special FX gibt's jede Menge Kunstblut – wenn ich mäkeln möchte, dann, dass es mir fast ein wenig zu viel Blutgespritze ist; es tut dem parodistischen Ansatz m.E. nicht gar so gut. Die typischen 80er-Jahre-Action-Fetzer legten meist auf unblutigen Body Count wert, ein Konzept, dass das comic-artige, den Cartoon-Faktor unterstrich. In einem Film dieser Art erwarte ich den einzigen „Schuss“ Realismus nicht in den Blutsudeleien. Aber das ist ein persönliches Dingens von mir und wird möglicherweise von anderen Rezepienten anders gesehen; zumindest tut Meister Eisele mir den persönlichen Gefallen und verzichtet auf plakatives Goreschmoddern. Gibt zwar sicher Minuspunkte bei der Gorebauernfraktion, aber für die dreht Eisele ja eh nicht. Die Visual FX für die Jesus-Strahlen-Effekte sind absolut akzeptabel, CGI-Helikopter hab ich in größeren Filmen schon schlechter gesehen. Technisch ist also in dem Bereich nichts auszusetzen.

Selbstverfreilich geht auch in „The Amazon Force“ nichts ohne des Maestros spezielle Muse Ellen Koch – und dagegen hab ich nicht das geringste einzuwenden, denn fraglos ist sie im Feld der Amateur-/Indie-Akteure eine der besten, in der Lage, sehr unterschiedliche Rollen zu spielen und ihnen dennoch einen gewissen persönlichen Stempel aufzudrücken (dass sie auch in einem knappen Kostüm keine schlechte Figur abgibt, entzieht sich zwar der schauspielerischen Bewertung, sei aber wohlwollend angemerkt). Wenn ich mäkeln wollte, dann darüber, dass ich zwar prinzipiell von ihrer sachlich-lakonischen Spielweise angetan bin, in einem bewusst überzeichneten Action-Comic wie diesen etwas mehr over-the-top-acting gar nicht verkehrt gefunden hätte.

Mit „Vivian“ Nathalie J. Sameli verbindet sie gute Chemistry. Sameli macht ihre Sache auch gut (auch hier hätte mir speziell im Schlussakt und im „zweiten Ende“ etwas mehr Overacting im Sinne des Films vielleicht noch besser gefallen), aber summa summarum auch für sie – Klassenziel erreicht.

Als Bösbursche Dr. Dick feiern wir ein Wiedersehen mit Raoul Schaupp, der uns zuletzt mit zwei Beiträgen zur Krankheit Mensch-Compilation aufgefallen war. Die Tatsache, dass Schaupp für die Mega-Madman-Rolle einen Tacken zu jung erscheint, wird vom Screenplay mit dem lässigen „du kannst mich ruhig duzen“-Gag locker aufgefangen. Auch ihm wäre es gut zu Gesicht gestanden, etwas stärker aufzudrehen, aber gute Ansätze sind auf jeden Fall auch bei ihm zu bemerken und einige trockene Reaktionen hat er auch so zu bieten. Eine ehrenvolle Erwähnung verdient sich auf alle Fälle Rene Schumann als Vorzeige-Klon, und Heiko Scholz und Michael Valentin wollen wir keineswegs unterschlagen (ist schon 'ne Inzucht-Bande, die Szene, wa? ;-)), ebensowenig wie Frank Hilsamer (sehr matter-of-factly als Douglas).

Mir liegt zur Rezi eine Promo-DVD vor. Die kann bildtechnisch durchaus überzeugen (anamorpher Widescreen-Transfer) und, da man sich ersichtlich die Mühe einer Nachsychronisation gemacht hat, bleibt die alte Amateurfilmkrankheit „unverständlicher Dialog“ hier mal völlig außen vor – man versteht jedes Wort (schlimm genug, dass so viele das nicht auf die Reihe bringen). Die zu vertickende DVD wird sicher auch ein paar schnittige Extras wie making-of etc. zu bieten haben, I'm sure.

Eines ist summa summarum festzuhalten – von den hiesigen Amateurfilmemachern braucht sich Eisele sicher am wenigsten vorwerfen zu lassen, immer nur den selben Krams zu drehen. Die vier Filme, die ich bislang von ihm gesehen habe, beackerten unterschiedlichstes Terrain, von der Lagerfeuer-Gruselgeschichte („Rather Be Dead“) über das leise postapokalyptische Drama („Die Letzten ihrer Art“), das Zwei-Personen-“Kammerspiel“ („Anarchie“ vom Krankheit Mensch-Sampler) bis jetzt zur Actionfilmparodie. Ich muss gestehen, dass ich „The Amazon Force“ nicht für Eiseles beste Arbeit halte (das bleibt bis auf Widerruf „Die Letzten ihrer Art“), so heißt das nicht, dass der Streifen schlecht wäre – er funktioniert als das, was er sein will, eine bewusst campy gehaltene Actionparodie, recht gut und macht auf jeden Fall klar, dass wir's mit einem vielseitigen, talentierten Burschen zu tun haben, der, Gebetsmühle anwerf, mehr Aufmerksamkeit verdient hat, als ihm bislang zuteil wurde – Spaß macht der Film genug und der beste deutsche chicks-with-guns-Amateurfilm ist „The Amazon Force“ aber mit tödlicher Präzision :)

Bewertung

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(c) 2007 Dr. Acula

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