Anacondas - The Hunt for the Blood Orchids
Aus Badmovies.de
USA 2004, 97 min, FSK 12
Regie: Dwight H. Little
Darsteller: Johnny Messner (Bill Johnson), KaDee Strickland (Sam
Rogers), Matthew Marsden (Dr. Jack Byron), Nicholas Gonzales (Dr.
Ben Douglas), Eugene Byrd (Cole Burris), Salli Richardson (Gail
Stern), Morris Chestnut (Gordon Mitchell), Andy Anderson (John
Livingston), Karl Yune (Tran)
Tief im tropischen Regenwald von Borneo gedeiht die geheimnisvolle
Blutorchidee, die nur alle sieben Jahre lang für ein paar kurze
Wochen blüht. Clevere Pharmakologen um Dr. Jack Byron haben
herausgefunden, dass die Blüte dieser Orchidee einen Wirkstoff
enthält, der den Alterungsprozess der Zellen aufhält - ein
"Jungbrunnen". Weil die Investoren auf baldige Ergebnisse drängeln
und die Blütezeit bald vorbei ist, wird hastig eine Expedition
zusammengetrommelt, die nach Anbruch der Regenzeit auf Bill
Johnsons marodem Kutter in den Dschungel schippert, um Proben für
die weitere Forschung zu sammeln. Schnell wird klar, dass Byron den
Erfolg der Expedition aus schlichten monetären Erwägungen der
Sicherheit ihrer Teilnehmer vorzieht. Kaum ist das Boot einen
Wasserfall hinuntergestürzt und hin, beschliessen seine
nervenschwachen Kollegen, die Expedition abzubrechen. Aber Byron
hat andere Pläne und die Tatsache, dass einer seiner Gefährten von
einer hungrigen Riesenschlange aufgefuttert wird, tangiert ihn
diesbezüglich eher peripher. Ist auch echt zu dumm, dass die
Blütezeit der Orchidee mit der Paarungszeit von Riesen-Anacondas
zusammenfällt...
Der Film: Man darf sich natürlich schon mal fragen - war es nötig,
sieben Jahre nach dem von allen Beteiligten (und auch den meisten
Zuschauern) erfolgreich verdrängtem Luis-Llosa-"Spektakel" mit
J.Lo. Anaconda ein ungefragtes Sequel nachzulegen?
Prinzipiell eher weniger, denn das finanziell zwar einigermaßen
einträgliche erste Dschungelspiel (damals in Südamerika
angesiedelt, während der neue Film nunmehr in Südostasien spielt,
was aber die Flora und Fauna nicht daran hindert, mehr oder weniger
identisch zu sein) wurde kritikerseits berechtigt mit Spott und
Häme überzogen. Allerdings ist der Doc der maßgeblichen Ansicht,
dass es gar nicht genug Filme mit irgendwelchen Riesenmonstern
geben kann und wenn schon UFOs letztes Erzeugnis Boa vs.
Python die sprichwörtlichen monkey balls saugt, macht's ein
Majorstudio wie Columbia, auch mit einem für dortigen Verhältnisse
eher moderaten Budget von 25 Mio. Dollar vielleicht besser.
Wie üblich bei derartigen Unterfangen ist ersichtlich der kleinste
Anteil des Budgets aufs Drehbuch verschwendet worden - und das,
obwohl laut Vorspann die drei Original-Anaconda-Writer
Story-Credit abstauben und nicht weniger als vier weitere
hauptamtliche Drehbuchautoren genannt werden. Es wundert nicht,
dass viele Köche den Brei verderben und einmal mehr bei einer
inflationären Anzahl von Drehbuchautoren und damit einhergehend
wohl etlichen Rewrites das Buch letztendlich wirkt wie bei
"Scripts-R-Us" aus dem Baukasten zusammengestellt. Ein Klischee
jagt das nächste, praktisch jede "Entwicklung" des Plots ist
meilenweit vorhersehbar, die einzigen "Überraschungen" erlaubt sich
die Geschichte im body count (der ist erstens nämlich recht
spärlich und zweitens in der Auswahl teils verwunderlich). Das
klassische Evil-Capitalist-Schema wird wieder mal bis zum Erbrechen
durchexerziert, gelegentlich entbehren die Handlungen der
Beteiligten Sinn und Verstand - kurzum, es ist ein wirkliches
B-Monster-Movie ganz klassischen Zuschnitts. Dazu passt auch, dass
das titelgebende Monster verhältnismäßig wenig Screentime hat.
Würde nicht eine kurze Prologsequenz und eine weitere kurze, von
den menschlichen Protagonisten unbeobachtete Szene folgen, man
könnte den Film bis ungefähr Halbzeit für einen relativ "normalen"
Abenteuerfilm halten. Insoweit vielleicht ganz gut so, denn die
CGI-Schlangen (jau, es gibt ein ganzes Rudel davon) sind zwar
besser als bei UFO, aber auch nicht immer absolut auf der Höhe der
Zeit (ich weiß, bei dem lächerlichen Portokassen-Budget von 25
Mille muss man irgendwo Abstriche machen).
Ein großes Manko des Films ist allerdings, dass er nicht wirklich
sympathische Charaktere hat - außer Flußkapitän Bill Johnson (und
seinem einheimischen Gehülfen-Jackel, aber der zählt net), der aber
auch nicht der zentrale Held der Plotte ist (die Rolle wird Jacks
Gspusi Sam Rogers zugeschanzt), ist keiner der
Expeditionsteilnehmer wirklich einer, den man gern im Freundeskreis
auf'n Bier einladen würde (ganz besonders, was
comic-relief-Charakter Cole und Ersatz-J.-Lo. Gail angeht). Der
eindeutig netteste Geselle im Cast ist zweifellos Bills zuckersüßes
Haustier-Äffchen Kong, den Rest kannste in der Pfeife rauchen.
Nicht, dass ein Film wie dieser zwingend ausgearbeitete Charaktere
bräuchte, aber wenigstens sollten einem nicht fast alle Beteiligten
grundsätzlich unsympathisch sein...
Obwohl das ganze Treiben nicht wirklich spannend wird, macht es der
geneigten Zielgruppe, also denjenigen, die goofy monster movies
mögen, einen ordentlichen Batzen Fun - der Streifen langweilt keine
Sekunde, hat gelegentlich ganz nette one-liner zu bieten und
besticht durch immer wieder gern gesehene monumentale
Landschaftsaufnahmen. Regisseur Dwight Little, der dereinst
Halloween 4, das vielleicht beste Franchise-Sequel
inszenierte und mit Free Willy 2 schon mal filmische
Erfahrungen mit großen Tieren sammelte, inszeniert den Streifen
schnörkellos (mehr als ein bissl Monster-POV gibt's an
handwerklichen Mätzchen nicht), geradlinig, aber mit ordentlich
Drive. Charakterszenen, in denen Little ein bissl das Tempo
ausgehen würde, gibt's kaum - wenn mal langwieriger Dialog
bewältigt wird, bemüht man sich um eine selbstironische Note.
Horror ist die Sache des Films natürlich nicht - das ist ein
familienkompatibler Film (PG-13, FSK 12), und in einem solchen legt
der Regisseur weniger Wert auf Suspense und Scares. Die
Schlangen-Attacken werden durchaus antelegrafiert und sind getreu
dem Rating nicht explizit; der Streifen bleibt recht unblutig (und
für die blutigsten Szenen sind mit Sicherheit keine Tiere
verantwortlich, weder monströs noch normal).
Natürlich ist ein Film wie Anacondas auch kein großes
Schauspielerkino - während der erste Teil ja durchaus mit Leuten
wie J.Lo., Jon Voight, Eric Stoltz und Ice Cube namhaft besetzt
war, ist's im Sequel schon nicht mal mehr die zweite Garde, die
sich durch den Dschungel kämpft. Johnny Messner gab sich dereinst
in Nu Images Operation Delta Force-Reihe (Teil 4) die Ehre
und war, was Großproduktionen angeht, in Tränen der Sonne
und The Whole Ten Yards am Start. Seinen Flußkapitän spielt
er cool, mit sparsamer Mimik, aber ziemlich effektiv. Für KaDee
Strickland prägte mein Co-Kinogänger razor das Prädikat
"Aushilfs-Cameron-Diaz". Das beleidigt aber doch schon die gute
Cameron, denn anstelle eines strahlenden Lächelns hat KaDee
hauptsächlich weit aufgerissene Augen zu bieten. Strickland (zu
sehen auch in The Grudge und The Stepford Wives)
absolviert sozusagen die klassische Final-Girl-Rolle ohne größere
schauspielerische Ambition (klar, mit Monsterfilmen verdient man
sich keine Oscars). Matthew Marsen (Black Hawk Down) gibt
einen hübsch psychopathischen Bösewicht ab, den man mit Freuden
persönlich an die nächstbeste Killerschlange verfüttern möchte,
Eugene Byrd ist ein weiteres Paradebeispiel für extrem unlustigen
comic relief (auch wenn er zumindest die Vorlage für einen guten
Gag liefert und für ein lausiges Tie-in zum Vorgänger gebraucht
wird), kann allerdings auch daran liegen, dass man jive-talkende
Schwarze halt in OV-Vorstellungen wirklich schlecht versteht... Zu
sehen war Byrd u.a. in 8 Mile. Salli Richardson könnte man
in ihrer Rolle als zickige Hysterikerin (oder hysterische Zicke, je
nach Gusto) schon fast als beabsichtigt-fiese J.Lo-Karikatur sehen
(in dem Fall spielt sie die Rolle aber wirklich gut...). Richardson
war in Antwone Fisher zu sehen. Morris Chestnut schließlich
agiert recht souverän in einer nicht wirklich gehaltvollen Rolle.
Ihn kennt der Allesseher aus Half Past Dead oder G.I.
Jane.
Fazit: Anacondas ist, wie nicht anders erwartet, kein Film
fürs Hirn (wer selbiges bei der Fortsetzung eines
Schlangenhorrorfilms erwartet, ist aber entweder heilloser Optimist
oder sowieso ohne Brägen auf die Welt gekommen), macht aber
durchaus Spaß. Der Film ist konsequent doof (nichts anderes erhofft
sich aber der geneigte Konsument), über weite Strecken vorhersehbar
(dito), aber nonstop unterhaltsam und flott inszeniert. Puristen
könnten sich vielleicht etwas mehr Schlangen-Action, mehr FX und
(splädda!!!) mehr Blut erhoffen, ändert aber nichts daran, dass der
Streifen erstaunlicherweise erheblich mehr rockt als der sieben
Jahre alte Vorgänger. Macht Laune, sollte von Genrefans möglichst
noch im Kino abgegriffen, zumindest aber für DVD vorgemerkt werden.
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