B-Film Basterds – Nachlese

Aus Badmovies.de
Wechseln zu: Navigation, Suche
B-film basterds 2013 nachlese.jpg

Wenn Forumsmutanten und andersartige Schrottfans in Nürnberg zusammenkommen, dann herrschen die B-Film Basterds 2013. Das heißt: ein dunkler feuchtwarmer Saal und zerebralzersetzende Machwerke auf der Leinwand. Eine kleine Nachlese auf das Programm des Grauens.




Argoman – Der phantastische Superman

«Come rubare la corona d'Inghilterra»
Italien 1967
Regie: Sergio Grieco


01argomanA.jpg


Sir Reginald Hoover (Roger Browne) ist ein Playboy mit Donnerkinn, aufgeklebten Augenbrauen und einem ausgeprägten Sexualtrieb. Nebendienstlich ist er Argoman, ein Superheld mit gewaltiger Körperkraft und Telekinese, der sich Strahlenkanonen aus dem Hintern zieht und im albernsten Kostüm herumtänzelt, das die Welt jemals gesehen hat.

Ihm zur Seite steht sein treuer Diener Chandra (Eduardo Fajardo), der so indisch ist, wie ein spanischer Schauspieler mit Schuhwichse im Gesicht und Turban auf dem Kopf halt indisch sein kann (es handelt sich dabei übrigens um den verdienten Italowestern-Veteranen Eduardo Fajardo, den jeder Mensch mit Verstand und Kultur als Major Jackson in «Django» kennt).

Dass Argoman dauernd ficken will ist insofern ungünstig, als dass er seine Superkräfte danach für sechs Stunden verliert. Das nützt die böse Regina Sullivan (Dominique Boschero) aus, die sich selbst als „Jenabell, die Königin der Welt“ vorstellt und einen gigantischen Diamanten stiehlt, nachdem sie den Superhelden mit vollem Körpereinsatz außer Gefecht gesetzt hat.
Den erwähnten Klunker benötigt sie für eine Maschine, mit deren Hilfe sie wichtige Politiker durch ihr hörige Kopien ersetzt. Ansonsten läuft sie in immer neuen gewagten Outfits herum, die die Plastikkuppeln auf ihrer Brust zur Schau stellen und es doch nie schaffen, Argomans gelbem Strampelanzug mit der Riesenbirne den Rang abzulaufen.
Oh, und sie hat einen Roboter, der mal Argomans blonde Assistentin zu vergewaltigen droht.

Ein knallbuntes Spektakel und ein würdiger Einstieg ins Festival.



Django Nudo und die lüsternen Mädchen von Porno Hill

«Brand of Shame»
USA/BRD 1968
Regie: Byron Mabe


02djangonudoA.jpg


Ein früher Höhepunkt (hö hö) des Festivals: «Django Nudo» ist im Original eine übelst schundige Western-Pornoparodie, geschnitten mit der Heckenschere und abgefilmt von einem, der nie zuvor eine Kamera in den Händen hielt. Als Erwin C. Dietrich den Streifen kaufte, ließ er Szenen nachdrehen und gab eine Blödelsynchro in Auftrag, ob deren hochkonzentrierter Genialität mir gerechterweise die Worte fehlen. Wenn Shakespeare, Tarantino und Rainer Brandt im Drogenrausch ein Kind gezeugt hätten, das Balg hätte trotzdem nicht hingekriegt, was die Berliner Synchron da auf die Welt loslässt. Mit einem gerüttelten Maß an Selbstreflexivität („Diese Fassung kriegen wir sowieso nicht durch die FSK“) und grandiosem Nonsens („Achtung, hinter dir! Ein Kaktus!“) erschüttert und zerstört die deutsche Fassung jedes Zwerchfell.

Wider Erwarten hat der Steifen Streifen so etwas Ähnliches wie eine Handlung: Die erznaive Lehrerin Lillymilly Quark (röchel) fährt mit einer motorenbetriebenen Postkutsche nach Porno Hill, um die Goldmine ihres Vaters zu übernehmen. Der örtliche Obergauner und eine lesbische Puffmutter versuchen sie zu übervorteilen, doch zum Glück steht ihr der heldenhafte Django zur Seite. In einer gewichtigen Nebenhandlung versuchen zwei verliebte Turteltauben namens Bumsi und Bumso (keuch), in der Prärie eine Befriedigung zu finden.

Wenig überraschend ist das hilflos-nervöse Rumgefummel an käsigen Leibern und haarigen Pobacken ist nicht sonderlich anregend – zum Glück ist «Django Nudo» bloß Softporn, vor den ganz schlimmen Sachen bewahren uns Zensur-Piepser und Schwarzbild (allerdings blitzen mal ganz kurz Bumsos Klöten zwischen seinen pelzigen Oberschenkeln hervor *würg*).

Lange Jahre war dieser Meilenstein der Filmgeschichte kaum zu kriegen, jetzt ist das Meistwerk endlich auf DVD draußen. Und hier gibt's den kongenialen Trailer. Die prüden Schweine von YouTube haben den Trailer leider runtergenommen. Was für ein Haufen von Bahnhofstrichern und Rummelhuren.



Mädchen zum Mitnehmen

«Girl with an Itch»
USA 1958
Regie: Ronald V. Ashcroft


03mädchenzummitnehmenA.jpg


«Mädchen zum Mitnehmen» handelt leider nicht von einem Drive-in-Bordell. Ed Woods Kumpane Ronnie Ashcroft («The Astounding She-Monster») liefert hier stattdessen eine natürlich hochwertige Literaturverfilmung ab, die sich um den Teufel in Menschengestalt dreht: Mari Lou (Kathy Marlowe) zieht übers Land und verdreht einem Farmer (Robert Armstrong aus «King Kong») den Kopf. Der haut glatt die Löhne seiner Arbeiter auf den Kopf, um ihr Kleider und Schmuck zu kaufen. Das bringt seinen Sohn auf die Palme, der nichts von Frauen wissen will, um die Aufmerksamkeit seines Erzeugers trauert und Trost beim Onkel Sheriff sucht, der ihm eine Übernachtung anbietet. Ähem.

Nebenher spannt das blonde Gift einer Feldarbeiterin den Freund aus und treibt’s bei einem Dorffest mit zwei Typen. (Den flotten Dreier deutet Ashcroft allenfalls verhalten an, aber wer will mich schon von dieser Interpretation abhalten?)

Am Schluss ist jedenfalls klar: Männer müssen zusammenhalten und Weiber sind eine Gefahr.

Dieses leicht fußlahme Drama mit Anleihen an den Film Noir (Femme fatale und so) läuft ziemlich antiklimatisch aus, aber das unfassbar authentische Erdbeben zur Filmmitte kann sich sehen lassen.



Robotjox – Die Schlacht der Stahlgiganten

«Robot Jox»
USA 1989
Regie: Stuart Gordon


04robotjoxB.jpg


Riesige Roboter geben sich eins auf die Birne: Das ist der Plot von «Robot Jox», dem legendären Science-Fiction-Spektakel des «Re-Animator»-Regisseurs Stuart Gordon. Jedenfalls sollte das der Plot sein, stattdessen kriegen wir empörend wenig Roboter-Action und dafür viel menschliches Drama.

Fünfzig Jahre nach dem Dritten Weltkrieg (mit anschließendem nuklearem Winter): Kriege als solches sind inzwischen verboten (hätte man mal vorher daran gedacht). Wenn sich der Western Market und die Russian Confederation zum Beispiel um Alaska streiten, fliegen nicht Raketen, sondern stellen die beiden Parteien jeweils einen gigantischen bemannten Kampfroboter. Die beiden Blechhaufen prügeln sich, bis einer kaputt geht und der andere Alaska kriegt.

Achilles ist ein erfolgreicher Roboter-Jockey, gibt den Job jedoch auf, nachdem sein Vertrag abläuft (und weil er während seines letzten Kampfes aus Versrehen dreihundert Zuschauer zerquetscht hat). Er kehrt erst zurück, als seine genetisch hochgezüchtete Nachfolgerin Athena gegen seinen Erzfeind, den wahnsinnigen Russen Alexander, antreten soll (unser Held hat ein Auge auf die Holde geworfen). Und daneben geht es noch um irgendeinen Verräter.

Das ist alles arg holzschnittartig und ziemlich egal, jedenfalls bis dem Regisseur endlich einfällt, wofür wir eigentlich hier sind, und er die Modelle und Stop-Motion-Effekte auspackt. Die Firma dankt. Für etwas Erheiterung in der Seifenoper sorgt gerade mal Michael Alldredge als Tex, der Texaner (nur echt mit Zigarre, Cowboy-Hut und grauenhaftem Akzent).



Alien – Die Saat des Grauens kehrt zurück

«Alien 2 – Sulla Terra»
Italien 1980
Regie: Ciro Ippolito


05alienB.jpg


Ein paar austauschbare Deppen erforschen eine unterirdische Höhle und kriegen es mit außerirdischen Viechern zu tun. Ciro Ippolito inszeniert seinen Film konsequent in Echtzeit, um das Nichts an Handlung auf achtzig Minuten aufzublasen, und schafft dabei das Unmögliche: «Alien 2» ist derart dröge, dass er schon wieder lustig ist.
Als zum Beispiel die Heldin Thelma ihren Ex-Freund/Psychiater/Wasauchimmer besucht, lässt der sich mit dem Beiboot von seiner Jacht zum Strand rudern. Die Überfahrt spielt sich in voller Vollständigkeit ab und läuft und läuft und läuft, bis ich vor Lachen fast verreckt wäre.

Die schiere Chuzpe, die Filmzeit derart zu zerdehnen, ringt mir ungläubigen Respekt ab (als sei das ganze Archivmaterial am Anfang nicht schon genug Zeitschinderei). Ob Leute am Strand herumspazieren, ein Auto durch die Landschaft fährt oder sich die Höhlenforscher an einer Steilwand abseilen: Ippolito nimmt sich alle Zeit der Welt und vertraut darauf, dass das Publikum tief genug in Trance fällt, um sich von den weit verstreuten, aber um so erbärmlicheren Schockeffekten erschrecken zu lassen.

Der Glanzpunkt: Eine der Expeditionsteilnehmerinnen fällt einem pulsierenden blauen Alien-Stein zum Opfer (den Thelma aus unerfindlichen Gründen mit in die Höhle nimmt). Sie wird erst einmal auf einer Bahre die erwähnte Steilwand hochgewuchtet. Während sich die anderen darauf vorbereiten, ebenfalls hochzuklettern, schleicht die Kamera über den Boden, filmt den Körper der Infizierten und landet schließlich bei ihrem Gesicht, aus dem eine fleischerne Handpuppe explodiert. Diese Kamerafahrt dauert mehrere Minuten und vermittelt einem eine Ahnung davon, wie sich die Ewigkeit anfühlt. Ein Film wie eine Zen-Meditation.

Abgesehen von der Handpuppe, ein paar Fleischbrocken und einigen Tentakeln bekommen wir von den Monstern nichts zu sehen. Der Gipfel des Beschisses ist der Schluss: Thelma begegnet als letzte Überlebende (upps, Spoiler) mehreren ausgewachsenen Ungeheuern – die kriegen wir aber nicht zu sehen, sondern bloß die subjektive Sicht der Viecher. Was so aussieht, als hätten die Filmemacher aus dem Inneren eines zuckenden Enddarmes gedreht.

Thelma ist übrigens telepatisch veranlagt, was eingeführt wird, als wäre es das Normalste von der Welt, und für die Handlung keinerlei Rolle spielt. Dafür entschädigen ein paar wahnwitzige Einzelmomente. (Typ guckt in den Kühlschrank: "Keiner da.")

Erwähnen muss ich unbedingt noch die Filmmusik. Hinter dem Komponisten-Pseudonym Oliver Onions stecken die Brüder Guido und Maurizio De Angelis. Und das sind GANZ große Namen im italienischen Kino, haben die beiden doch haufenweise Terence-Hill- und Bud-Spencer-Streifen vertont, dazu Meisterwerke wie «Mannaja – Das Beil des Todes», Die weiße Göttin der Kannibalen, Einer gegen das Imperium und natürlich den besten Film aller Zeiten: «Keoma».
Die beiden stehen so kurz vor ihrer verdienten Heiligsprechung.
Dies gesagt, muss ich berichten, dass der Soundtrack von «Alien 2» klingt, als würde ein autistisches Kleinkind auf einem Keyboard herumhämmern, während die Mutter mit der Spielzeugkiste die Treppe runterstürzt und auf der Hauskatze landet.

Mit Ridley Scotts «Alien» hat der Film übrigens nichts zu tun.



Liebesgrüße aus Fernost

«Wonder Women»
Philippinen/USA 1973
Regie: Robert Vincent O'Neill


06liebesgrüsseB.jpg


Einer der vielen, vielen Billigstreifen, die kostenbewusste Regisseure in den 70ern auf den Philippinen drehten. «Liebesgrüße aus Fernost» folgt den Abenteuern des Spezialagenten Mike Harper (Ross Hagen), der in einem Fall von entführten Sportlern ermittelt, mit einer abgesägten Schrotflinte Taxis in die Luft sprengt und auf eine örtliche Verbrecherorganisation stößt. Geführt wird der Verein von der bösen Dr. Tsu, die Organhandel betreibt und sich eine Privatarmee aus Karate-Weibern hält.

Viele töfte Sachen passieren hier: Mike sprengt mit einer abgesägten Schrotflinte Taxis in die Luft, die Opfer von Dr. Tsu betätigen sich nach ihrer Freilassung als menschenfressende Pseudo-Zombies und ein gewisser Dr. Gregorius läuft in einem blauen Anzug mit Rüschenhemd herum. (Weniger schön ist der Tiersnuff aus den Hahnenkämpfen.) Hier findet man sie noch vereint, preiswerte Action, Exploitation und 70er-Jahre-Schmand.

Die Rainer-Brandt-Synchro schließlich setzt dem Film mit ständigen James-Bond-Vergleichen und subtilem Rassismus („Das nennt man wohl gelben Humor“, „Schlitzi“) das Sahnehäubchen auf.



Megaforce

USA/Hongkong 1982
Regie: Hal Needham


07megaforceA.jpg


Dieses Jahr war der geheimnisvolle Filmclub Buio Omega mit drei Filmen zu Gast, gab einiges an Hintergrundinfos zum Besten und präsentierte als erstes den Big-Budget-Schotter Megaforce. Die Geschichte ist etwas wirr, läuft aber auf Folgendes hinaus: Auf der einen Seite stehen der böse Guerara (Henry Silva) und seine Panzer, auf der anderen Seite steht die hochgerüstete Megaforce mit ihren Strandbuggys und Motorrädern. Im Auftrag irgendeines Präsidenten soll die Megaforce Guerara ein bisschen zusammenstauchen, wird von den Auftraggebern jedoch aus politischen Gründen fallengelassen und sieht sich plötzlich ganz allein den Streitkräften des bösen Kommunisten gegenüber.

«Megaforce» war einer der teuersten Hobel seiner Zeit, ist damals aber brutal gefloppt. Und das zu Recht: Die Story ist so militärgeil wie infantil, der pseudoironische Humor eine einzige Peinlichkeit und die Rückprojektions-Effekte sind derart beschissen, dass sich selbst ein Bert I. Gordon dafür geschämt hätte.
Das wahre Grauen ist aber der hautenge Goldanzug des dauergrinsenden Megaforce-Kommandants Ace Hunter (Barry Bostwick). Das Outfit überlässt nichts, aber auch gar nichts der Fantasie. Besonders auf der großen Leinwand.

Aber hey, es gibt ein fliegendes Motorrad.



Die Vergnügungsspalte

BRD 1971
Regie: Heinz Gerhard Schier


Buio Omega, die Zweite. Da haben sich die Leutchen vom Filmclub ein ganz besonderes Schmankerl rausgesucht: «Die Vergnügungsspalte» war ursprünglich eine italienische Fanny-Hill-Variante. Findige deutsche Produzenten haben den Streifen aufgekauft, die Hälfte weggeschnitten und mit deutschen Schauspielern um neue Szenen ergänzt. Das fällt üüüberhaupt nicht auf und führt im Ergebnis zu einem Experiment in erzählerischem Dadaismus.

Das Machwerk beginnt mit einem Bauerntölpel, der ein paar grenzwertige Kontaktanzeigen aus der Vergnügungsspalte der örtlichen Zeitung vorliest (was habt ihr denn gedacht, worauf sich der Titel bezieht?). Anschließend vögelt er eine Magd durch ein strategisch platziertes Loch in seiner Unterwäsche.

Eigentlich geht’s aber um Minoush, die als eines von siebzehn Kindern auf dem Bauernhof aufwächst und in die weite Welt zieht, um die Liebe kennen zu lernen. Was folgt, ist eine Reihung von Episoden, die sich nur widerwillig zu einer übergeordneten Handlung gruppieren: Minoush landet zunächst als Hausmädchen bei einem Baron und seiner Frau, die auf Reitspiele und Folter stehen, und treibt es mit der lesbischen Mitarbeiterin (und später mit der Baroness). Dann ist sie plötzlich mit einem gewissen Peter zusammen, der von ihrer Nymphomanie abgestoßen ist. Also trennen sie sich.

„Und so begab es sich, dass Minoush ihr Glück in Marokko suchte.“ Dort bändelt sie mit einem impotenten Plantagenbesitzer an, der es ihr erlaubt, ihre sexuellen Gelüste an andere Männer heranzutragen.
Weil das aber auf Dauer nicht klappt (der Typ wird wegen Zuhälterei angeklagt), geht Minoush nach Italien (wo im Hintergrund Pyramiden herumstehen) und heiratet Camillo. Nachdem die beiden vor lauter Rumgeficke bereits neun Kinder gezeugt haben, versucht Camillo seine Angetraute verzweifelt von den Vorzügen der Pille überzeugen. Dazu heuert er einen Mafiapaten an, der sich als Bischof ausgibt und Minoush vorspielen soll, dass die katholische Kirche Verhütungsmittel doch irgendwie voll gut finden würde.
Das grandiose Ende soll hier geheim bleiben, ich will aber zumindest verraten, dass es mit einer Mausefalle zu tun hat.

«Die Vergnügungsspalte» überrascht nicht nur mit unvorhersehbaren Handlungssprüngen und Figuren, die ihr Äußeres von einer Einstellung zur anderen grundlegend ändern, sondern auch mit zwei irrwitzigen Traumsequenzen: Da träumt sich Minoush in den Wilden Westen, wo ihr ein Cowboy mit türkisen Stiefeln den Hof macht, indem er auf der Gitarre eine ohrenbetäubende Schnulze von sich gibt und sie später mit einem Gürtel verprügelt. (Bei dem Cowboy handelt es sich übrigens um Dean Reed, der wenige Jahre später in der DDR zum berühmten Schlagerstar mutierte.)

Zudem träumt Minoush davon, ein Burgfräulein im Mittelalter zu sein, und befiehlt einer ihrer Mägde, es vor ihren Augen mit einem Ritter zu treiben (unter dessen Ritterhelm am Ende höchst witzigerweise ein Greis steckt). Der Dialog dieser Episode ist vollständig gereimt und enthält zwei der besten Zeilen in der Geschichte der Dichtkunst: „Willst du an der Manneskraft dich ergötzen, liegt die Jungfernhaut in Fetzen.“



Das Geständnis eines Mädchens

BRD 1967
Regie: Jürgen Büchmann


09geständnismädchens.jpg


Der dritte und letzte Buio-Omega-Film. Das titelgebende Mädchen heißt Angela (Margitta Sonke), arbeitet in einer Textilfabrik und oszilliert zwischen drei Männern: Dem älteren Herren Herbert, dem Arbeitskollegen Fred und dem schlimmen Finger Cesar. Natürlich entscheidet sie sich für den bösen Buben (Ulli Kinalzik), der sie prompt in einen nächtlichen Einbruch beim Juwelier verwickelt. Der Clou: Die beiden Kollegen, die in den Laden einsteigen, kleiden sich „gentlemanlike“ in Zylinder, Mantel und weiße Handschuhe. Nie zuvor gingen Verbrecher unauffälliger vor.

Leider vergaßen die werten Herren vom Filmclub die letzte Filmrolle in Gelsenkirchen, waren aber so nett, den Rest der Geschichte erzählend nachzuholen: Angeblich fliegen die Möchtegern-Verbrecher auf (ach!). Angela landet in der Jugendstrafanstalt, aus der sie ihr Chef Conny (Günter Pfitzmann) herausholt, damit sie seinen Kunden, ähem, dienlich ist.

Der verkrampfte Sensationalismus dieses selbsternannten Sittenporträts aus Opas Tagen ist ziemlich erheiternd und die musikalische Untermalung durch The Ones und The Shamrocks gefällt. Das waren noch Zeiten.
Schnieke ist zudem das Staraufgebot: Neben Pfitzmann und Kinalzik schaut Horst „Klimbim“ Jüssen in der Rolle des Fred vorbei – der spielt schon hier den Aushilfskomiker.



Raumschiff Terra zum Planet der Affen

«2+5: Missione Hydra»
Italien 1965
Regie: Pietro Francisci


10raumschiffterraA.jpg


Da sitze ich in meinem Sessel und plötzlich geht mir auf, dass ich «Raumschiff Terra zum Planet der Affen» schon kenne – und zwar in der amerikanischen Fassung, die unter dem Titel «Star Pilot» firmiert.

Wie auch immer sich der Streifen nennt (hierzulande ist er auch unter dem Titel «Raumkreuzer Hydra – Duell im All» geläufig), es handelt sich dabei um italienischen Science-Fiction-Schlunz: Ein Raumschiff bruchlandet auf der Erde. Professor Solmi untersucht die radioaktiv verstrahlte Landestelle mit Assistenten und Tochter, bis plötzlich chinesische Geheimagenten hereinplatzen. Ist aber egal, denn die Aliens entführen die Erdlinge, um sie mit auf ihren Heimatplaneten Gamma zu nehmen. Unterwegs meutern die Entführten, macht das Raumschiff einen unfreiwilligen Zwischenhalt auf einem Planetoiden mit Affenmonstern, reist das Raumschiff Terra durch die Zeit und trifft auf die Menschen der Zukunft, bevor man endlich auf Gamma ankommt, wo eine böse Überraschung wartet.

Grundlage dieser Version ist die amerikanische Fassung, die das italienische Original um einige Szenen aus anderen Filmen erweitert (die später auch in Hydra - Verschollen in Galaxis 4 auftauchen). Dieser Versuch der Laufzeitstreckung hilft dem Verständnis des Geschehens nicht unbedingt, aber ich gestehe, den albernen Streifen trotzdessen sehr gemocht zu haben.

Highlights:

  • Luisa, die Tochter des Professors, wirft sich ständig in irgendwelche alberne Fummel (dagegen kleiden sich sogar die Außerirdischen zurückhaltend) und posiert nach Kräften herum, während die Männer sie auslachen, weil sie halt ein dummes Weib ist.
  • Unsere Helden begeben sich zweimal in den Weltraum hinaus, um Reparaturen am Raumschiff vorzunehmen, bzw. um ein fremdes Raumschiff zu betreten. Wie stellen italienische Billigfilmer Schwerelosigkeit dar? Mit Zeitlupe und einem Trampolin.
  • Der legendäre Gordon Mitchell hat einen Auftritt, der gut und gern zehn Sekunden dauert und daraus besteht, dass er heftig geschminkt irgendwelchen Blödsinn verzapft.
  • So etwas wie die Affenmonster kommt raus, wenn ein Nasenbär einen verfilzten Badezimmerteppich begattet.



Jungfrau unter Kannibalen

«Sexo caníbal»
Spanien/Frankreich/Deutschland 1980
Regie: Jess Franco


11jungfraukannibalenA.jpg


Im Gedenken an den diesjährig verstorbenen Trashfilm-Oberonkel Jess Franco lief dieser etwas arg widerwärtige Kannibalenheuler mit bekannten (oder berüchtigten) Nasen des europäischen Schrottfilmes wie Al Cliver («Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies», Antonio Mayans («Oase der Zombies») oder Ursula Buchfeller («Die nackten Superhexen von Rio Amore»).

Böse Menschen entführen die blondbehaarte Jungschauspielerin Laura Crawford, um vom Studio Lösegeld zu erpressen. Als Versteck suchen sie sich ausgerechnet ein abgelegenes Eiland aus, auf dem sich der unglaubwürdigste Kannibalenstamm der Filmgeschichte herumtreibt und Bolscho (oder so ähnlich) anbetet. Bei dem Monster-Gott handelt es sich um einen riesigen muskelbepackten Schwarzen mit blutunterlaufenen Glotzaugen und grauenhaften Tischmanieren, der die ganze Zeit hallendes Gebrüll von sich gibt und sich mit der Geschwindigkeit einer altersschwachen Dampfwalze durch den Dschungel bewegt (könnte daran liegen, dass der Darsteller wegen des Make-ups blind wie eine Fledermaus ist).

Der Studioboss hat nicht etwa vor, das Lösegeld tatsächlich rüberzuschieben, sondern engagiert den Vietnam-Veteranen Peter Weston, Laura zu befreien. Zusammen mit seinem traumageplagten Kumpel Jack reist Peterle zur Insel, wo die Bösewichte plötzlich das Feuer eröffnen und sich die Kannibalen nebst Monster in die Affäre einmischen. Das kann ja heiter werden.

Bei diesem Bahnhofskino-Ramsch musste ich öfters an Porno Holocaust denken, den Joe D’Amato ja ungefähr zur gleichen Zeit drehte und der vergleichbaren Horror-Sex-Schrott vor exotischer Kulisse darstellt. Francos Film kommt ohne Hardcore aus (zumindest in dieser Fassung), aber es fehlt nicht viel: Das entführte Starlet läuft die meiste Zeit nackt herum, ebenso die weiblichen Mitglieder des Kannibalenstammes, und die Filmemacher lichten die Körper derart notgeil ab, dass man die Erektion des Kameramanns fast schon im Rücken spüren kann.
Wenn dann der Anführer der Übeltäter Laura vergewaltigt, merkt man mal wieder so richtig: Dieses Zelluloid-Geschmiere war für dieselbe Zielgruppe gedacht, die sich heute Andreas-Bethmann-Filme anschaut.

Wenigstens macht «Jungfrau unter Kannibalen» nicht vor den Frauen halt: Das Monster lässt den Pimmel baumeln wie am FKK-Strand und wenn der Häuptling breitbeinig vor der abspastenden Schamanin steht, klebt die Kamera so zwischen seinen Stelzen, dass seine rechte Klöte ins Bild hängt.

Wie dem auch sei: Am Schluss klettert Peter auf einen Hügel, um Laura aus den Fängen des Monster-Negers zu befreien, der schließlich in seinen Tod stürzt. Und ich denke bei mir, dass ich wiedermal «King Kong» gucken sollte.



© 2013 Gregor (manhunter)



Review diskutieren

Andere Meinung? Diskutiere diese Nachlese im Badmovies.de-Forum!