Beware: Children At Play

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Originaltitel: BEWARE: CHILDREN AT PLAY

USA 1989, 94 min, FSK: „Soll das ein Witz sein!?“

Titel

Credits

Cast:

Michael Robertson (John DeWolfe)
Rich Hamilton (Sheriff Ross Carr)
Robin Lilly (Cleo Carr)
Lori Romero (Julia DeWolfe)
Jamie Krause (Kara DeWolfe)
Sunshine Barrett (Mary Rose Carr)
Mark Diekman (Luke Domain)
Mik Cribben (Isac Braun)
Susan Chandler (Mary Braun)
Herb Klinger (Franklin Ludwig)
Lauren Cloud (Dale Hawthorn)
Lorna Courtney (Amy Carr)
Stephanie Jaworski (Alice Allegari)
Lee Kayman (Josah Modicah)
Danny McClaughlin (Grendel)

Crew:

Regie: Mik Cribben
Musik: Herschel Dwellingham
Kamera: Mik Cribben
Schnitt: Michael Cribben, Mik Cribben
Produzenten: Michael Koslow, Larence Littler, Linda Sanford, Ellen Wedner
Produktion: Troma Entertaiment


Vorwort

Ach ja, die Saubande von TROMA. Ist wie so manche Punk-Band: Entweder man liebt das verluderte Pack oder man wünscht, dass in den Studios Ebola ausbricht und sie alle im Kollektiv verrecken. Dazwischen gibt es nichts. Und es ist ja auch nicht so, als hätten wir nicht auch (oder besser, gerade) hierzulande eine ansehnliche Meute von Nachttopfträgern, Nichtsblickern und Trötenbläsern, die auch alle gerne Filmchen produzieren wollen und das leider auch tun. Stichwort: Marcel Walz, Oliver Krekel, Markus Vorlander, Andreas Bethman und wie die Dilettanten alle heißen mögen. Die meisten leiden, abgesehen vom offensichtlichen Größenwahn, aber alle unter dem sogenannten „Deutschen Syndrom“. Kurz: Sie nehmen sich und ihre Scheiße so Bierernst, als wären es echte Filme, die sie da zusammenschludern. Ganz anders im Hause TROMA, wo die Frohnatur noch lebt und man Spaß am puren Scheiß hat. Hier wird nicht von Fantastilliarden-Budgets fabuliert, der eigene Rotz hochgejubelt und eigens FSK-Plaketten gedruckt (weil die FSK den Mist sowieso nie angucken würde). Nur mit BEWARE: CHILDREN AT PLAY, da hatten selbst ein paar eingefleischte Fans das Gefühl, dass es die TROMA-Nasen es diesmal ein bisserl übertrieben haben.


Inhalt

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In den scheinbar unendlichen Wäldern von Irgendwo in den USA, an der „Schnalle des Bibelgürtels von New Jersey“, verbringen Vater Randall (Bernhard Hocke) und Sohnemann Glenn (Eric Tonken), auch genannt „Grendel“, ein idyllisches Wochenende. Die Gegend ist auch als Pine Barrens bekannt, wo die Mafia traditionell ihre Opfer verscharren und man den Eingeborenen nachsagt, sie würden jeden mit einem Schulabschluss jenseits der dritten Klasse mit „Doktor“ anzureden). Es wird gefischt, gezeltet und vor dem Lagerfeuer stimmen die beiden zum „Ol‘ MacDonald had a farm“ an. Ein Familienwochenende, so wie es sein soll. Oder sollte. Bei einer Spielerei hüpft Vater Randall ausgerechnet in eine Bärenfalle und damit sind die beiden Stadtmenschen erst einmal am Arsch. Es vergehen die Tage, ohne dass Hilfe erscheint und die Notrationen vervielfältigen sich auch nicht von alleine. Dafür erscheint das Gewürm am Fußgelenk des Papas, der langsam ins Delirium fällt. “Würmer fressen meinen Körper und die Sünde frisst meine Seele“, sind Weisheiten, die der Sterbenden seinem Sohn noch mitzuteilen hat. Damit gibt er den Stadtmenschen-Geist auf. Nun weiß der kleine Grendel sofort was zu tun ist: er weidet den Kadaver des Papas aus und isst sich erst einmal richtig satt.


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Technisch gesehen, kann man von einem Familienrezept sprechen.


Es gehen zehn Jahre ins Land: John DeWolfe (Michael Robertson), ein ehemaliger Journalist und nun – wie seine Frau Julia (Lori Romero) nicht müde wird, im vorzuhalten – „nur“ noch ein Verschwörungstheoretiker und Fantasy-Schreiberling, machen mit Frau und Töchterchen Kara (Jamie Krause) Urlaub in just jener Gegend. Der Clan wurde von Johns Kumpel Ross (Rich Hamilton), Sheriff einer kleinen Gemeinde und wie John ein ehemaliger Marine, eingeladen. Auf dem Weg überfahrt John beinahe ein „wildes Kind“ und stößt dabei auf den fliegenden Händler Franklin Ludwig (Herb Klinger), dem der Kühler verreckt ist, und der sich erhofft, seine Bibeln an die lokalen Landeier zu verscherbeln. “Diese Leute hier würden ihren eigenen Arsch nicht finden, aber für eine Billig-Bibel haben sie immer etwas Klimpergeld übrig“, so Ludwigs Maxime. Den DeWolfes gibt er den guten Rat, sich hier nicht öffentlich als Atheisten zu outen. Dies hätten schon andere Städtler getan, was die Landbevölkerung dämonische Besessenheit betrachtet und den Gästen eine Kugel zwischen die Augen gejagt hätte (inklusive ihren Hunden, Katzen und Goldfischen). “Wie es in der Bibel schon sagt: „Lasset nicht einen übrig, der noch die Wand bepissen kann““, so Ludwig (steht übrigens wirklich im Buch Moses, also alttestamentarisch akkurat). Kurzum, die gesamte Gesellschaft sei nichts weiter als die letzten Dorfdeppen und Rednecks, keine Prise Pulver wert sind und bis zum letzten Mann degeneriert. Abgesehen von Sheriff Ross, der selbst ein Stadtmensch war. Die Reisenden verabschieden sich und kurz darauf fällt Ludwig einer Sense zum Opfer, die ihn buchstäblich halbiert.


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Erst über die Rednecks ablästern, dabei aber vergessen, dass Rednecks Bauern sind,
die alle Sensen und andere nützliche Werkzeuge haben.


Ross begrüßt seine Freunde auch auf das herzlichste, leidet aber immer noch unter dem Trauma, dass seine Tochter Amy (Lorna Courtney) vor einiger Zeit in den Wäldern verschwunden ist. Vor allem seine Frau Cleo (Robin Lily) hat sich von dem Schock nie ganz erholt. Auch war Amy beileibe nicht das einzige Kind, das als verschollen gilt. Duzende seien es bisher gewesen, im Schnitt alle zwei Monate eines, und hätte der Sheriff nicht seine eigene Tochter verloren, die Dörfler hätten ihn schon längst aufgeknüpft. Viele der Eingeborenen geben den so genannten „Woodies“ die Schuld, einer Art folkloristischer Waldgeister. Aber auch Erwachsene würden immer wieder verschwinden. In seinem letzten Roman hätte John von einem Medium geschrieben, das vermisste Person finden könnte und diese war der eigentliche Hintergrund für die Einladung.


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Wenig authentische Rednecks: die meisten sind zu sauber, zu wenig behaart
und viele haben noch alle Zähne.


Inzwischen ist schon das 13te Kind verschwunden und die Dorfgemeinschaft hat sich vor Sheriff Ross Büro eingefunden. Die Atmosphäre ist mehr als ein wenig gereizt (Cowboyhüte, karierte Hemden und Fettärsche, soweit das Auge reicht; wir kennen das ja in etwa aus Bayern), und es riecht nach Lynchjustiz. Der Mob wird noch von der Lokalreporterin Dale Hawthorn (Lauren Cloud) angestachelt, die sich eine Schlagzeile erhofft. Rädelsführer der Gemeinde ist ein gewisser Isac Braun (Mik Cribben), ein religiöser Fanatiker, der angeblich noch von einem ultraorthodoxen Fanatiker-Clan, den „Brownies“, abstammt, die früher einmal jeden Fremden, der auch nur optisch nach Häretiker aussah, sogleich massakrierte. Jener Bauer Braun habe ebenfalls einen Sohn verloren, Jamie, und diesen angeblich immer mal wieder in den Wäldern gesichtet. Man stattet Braun einen Besuch ab, aber der Bauernlümmel zeigt sich wenig gastfreundlich. Trotzdem bemerkt John die Karre von Ludwig, die im Hinterhof abgestellt ist.


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Bei der Polizei befragt man eine Kristallkugel und andernorts die Bibel
(und „Aktenzeichen XY“ ist in diesen Breitengraden nicht bekannt).


Zu allem Überfluss verschwindet auch noch Ross zweite Tochter Mary Rose (Sunshine Barrett) und wie Ross selbst eingesteht, “wir könnten diese Wälder in 1000 Jahren nicht einmal mit Hilfe der Nationalgarde durchforsten“ (vielleicht ein wenig übertrieben, aber so spart man sich Arbeit). John kontaktiert das Medium Alice (Stephanie Jaworski) und bittet sie, bei der Suche zu helfen. Aber in den Wäldern fällt das Medium sehr schnell einer Horde verwilderter Kinder zum Opfer, die ihr die Kehle durchschneiden und sie danach nach Art Tartar fressen. Zeuge des kannibalischen Picknicks werden zwei Jugendliche, die eigentlich nur auf der Suche nach einem stillen Ort für ein Schäferstündchen waren. Die Entdeckung bringt die Dorfgesichter wieder zum Brodeln, was die Reporterin Hawthorn natürlich für ihre Zwecke ausnutzt. Aber auch Hawthorn findet ihr schnelles Ende, nachdem sie ein Interview mit Bauer Braun arrangieren will, dabei die Leiche von Brauns ermordete und als Vogelscheuche ausstaffierte Ehefrau findet, und von den verwilderten Kids hinterrücks gekillt wird.


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“Anti-Autoritäre Erziehung“, haben die Alt-68 immer gepredigt.
Das logische Resultat ist hier zu bewundern.


John macht inzwischen, mit Hilfe seiner Frau, die Entdeckung, dass der Sprechchor der Kinder – “Reißt, beißt, schluckt und verschlingt!“ – aus dem anglosächsischen Heldenepos „Beowulf“ (nein, nein, nicht dem miesen Streifen mit Christopher Lambert) stammt. Auch der alte Bauer Braun hatte etwas von “Giganten und Goblins“ erwähnt, und so sieht sich John auf einer heißen Spur. Nur für den Sheriff macht das keinen Sinn, da der keine Ahnung hat, wer die “Engel-Sachsen“ sind oder waren. Bei ihren Nachforschungen finden die beiden heraus, dass es sich bei dem verschwundenen Randall vor zehn Jahren um einen Professor der Literatur gehandelt hat; Spezialgebiet Altenglische Literatur. Langsam fügen sich die Fäden zusammen (Was für Fäden? Keine Ahnung! Vielleicht Bandnudeln oder Fadenwürmer!). Momentan nutzt ihnen dieses Wissen aber wenig: die Kinder, unter Führung von Amy, töten Julia während die Männer aus dem Haus sind und entführen Cleo und Kara.


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Kinder sind sprachbegab, das ist allgemein bekannt.
Die älteste Sprache der Welt haben sie in zwei, drei Hieben erlernt.


Im Dorf wiegelt Braun die Land-Bagasch ordentlich auf. Erzählt, dass man allesamt der Sünde Jonas schuldig sei (wenn meine Bibelkenntnisse nicht trügen, war das der, den Moby Dick verschluckt hat). Jedenfalls sollen sich die braven Christenmenschen gegen diese Dämonen zur Wehr setzen, auch wenn diese nun in den Körpern ihrer Kinder hausen. Die Kinder haben inzwischen anderes im Sinn. Sie schleppen Cleo in ihr Quartier im Wald, einer Mischung aus Indianerlager, Kinderspielplatz und Sawney Beans Räucherkammer, wo der fast schon erwachsenen Grendel (Danny McClaughlin) die erste Fiedel spielt und Cleo gleich vergewaltigt.


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Sommercamps sind eine feine Sache, aber kaum dreht man den Kleinen
für ein paar Tage den Rücken zu, herrscht Mord und Totschlag.


John hat sich derweil in Brauns Stall verschanzt, immer in der Hoffnung auf frische Spuren zu stoßen und Ross versucht, den Volkszorn der Dörfler im Zaum zu halten. Die kleinen Troglodyten greifen John an, aber dieser kann sich auf dem Heuboden in Sicherheit bringen (und Amy, inzwischen Grendels Braut, als Geisel nehmen). Weniger Glück hat da der Sheriff, der von den Kids überwältigt und erschlagen wird. In Ludwigs Wagen gelingt John schließlich die Flucht zurück ins Dorf, aber dort haben sich die Dorfgesichter schon in eine religiöse Hysterie hineingesteigert. Man erinnert sich an den alten Vater Abraham (nein, nicht den mit den Schlümpfen), und wie jener vom lieben Gott die Weisung erhalten hat, seinen Sohn abzumurksen, weil Jehova gerade schlechte Laune hatte. Es ist nun klare Sache: die Kleinen müssen weg!


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Zwar will man nur den Kids ans Leder, aber Landmenschen diskriminieren nicht
(und für einen Städtler hat man immer noch eine Kugel übrig).


Zurück in der „Kindertagesstätte“ im Wald kann John seine Cleo zwar nicht mehr retten (Grendel reißt ihr bei lebendigem Leib das Herz heraus), aber dem Pubertierenden zu vermöbeln und ihm die Zähne auszuschlagen, dazu reicht es bei dem Ex-Marine noch allemal. Eigentlich will John jetzt nur noch seine Tochter Kara retten, aber es naht schon die Posse der Dörfler. Braun hält noch eine kurze Feuer- und Schwefelansprache, bläst John mit einer Schrotflinte das Gehirn aus dem Kopf und dann geht es los. Frei nach dem Motto „let’s kill us some children!“ Was unter 18 ist und einen Teddybären bei sich trägt, wird gnadenlose über den Haufen geballert, zur Not auch auf Mistforken aufgespießt oder mit Äxten und Macheten entsorgt.


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Kommentar kann man sich hier eigentlich sparen und
die Bilder für sich selbst reden lassen.


Nach getaner Arbeit machen sich die Dörfler zurück Richtung Heimat, vermutlich zu einem Gottesdienst, um Abraham und Jehova zu huldigen, die bekanntlich etwas Ähnliches mit ihrer eigenen Brut anstellten. Das Massaker hat nur Kara überlebt, die sich sogleich ein Jagdmesser schnappt und einem niedlichen Hasen auflauert. Für die nächste Generation ist scheinbar gesorgt.


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THE END



Analyse

Man muss gestehen, viele Kritiker sind nicht unbedingt Fair mit BEWARE: CHILDREN AT PLAY umgegangen. Da waren einerseits die traditionalen TROMA-Hasser, die selten eine Gelegenheit auslassen, Schmutz und Hühnerkot auf deren Produkte zu werfen. Und, logisch, dann waren da natürlich noch die Kinderfreunde. Stichwort: “Die Kinder! Denkt denn niemand an die Kinder?!“ Obwohl man beileibe nicht von einem Meisterwerk reden kann, das ist natürlich sicher, aber es gibt doch ein paar Momente, die für den Streifen sprechen, auch wenn man dann doch arg ins Rosinenpicken kommt.

Dass Kinder die Wurzel alles Bösen sind, ist weitläufig bekannt. Und ich spreche hier nicht nur von den Flugzeugbälgern, die einem die Reise vergällen und versuchen, sich die Seelen aus dem Leib zu plärren. Reisende werden das kennen, wenn man sich bei einer Reisehöhe von 10,000 Fuß wünscht, ein Baraber würde endlich aufstehen und schreien „Aloha Akbah! Ich jag‘ uns jetzt alle in die Luft!“. Auch Hollywood hat’s früh erkannt und 1960 mit DAS DORF DER VERDAMMTEN einen der ersten „Evil Kids“-Filme gedreht. Besonders in den Grindhouse-Filmchen und Billig-Horrorstreifen der 70er und 80er Jahren war das Konzept „Killer Kids“ recht beliebt, und zu nennen wären Titel wie KLEINE TEUFEL (1874), THE CHILDREN (1980) oder ANGST (aka BLOODY BIRTHDAY) (1981). 1984 hatte man mit der Stephen King Verfilmung KINDER DES ZORNS sogar einen amtlichen Hit an den Kinokassen. Wie es in dem Stall Sitte ist, wollten unsere Freunde bei TROMA nicht nachstehen und drehten den Zeiger auf die 11.

Regisseur Mik Cribben ist kein unbeschriebenes Blatt in der Traumfabrik. Der 2002er SPIDER MAN, dem Horror-Vehikel AFTER.LIFE (mit Liam Neeson) oder recht kürzlich den umjubelten Indie-Film BREATH IN. Nein, nein, natürlich nicht als Regisseur, sondern als so genannter „Boom Operator“ (heißt so viel wie: den Mikroständer durfte er halten). Was das kreative Handwerk anbelangt, do blieb BEWARE: CHILDREN AT PLAY Cribbens einzige Sitzung auf einem Regiestuhl. Ist vermutlich wie wenn einem der Hafer sticht, man sich in einer Großstadt öffentlich entblößt und dabei antisemitische Schimpftiraden brüllt: Irgendwas davon bleibt immer hängen und Irgendwer erkennt einem immer.

Cribbens Ambitionen waren jedenfalls ziemlich klar: er wollte in den Fußstapfen eines jungen Peter Jackson wandeln, zu Zeiten als dieser erste Lorbeeren und Untergrund-Respekt mit seinen BAD TASTE und BRAINDEAD sammelte. Vom Soundtrack bis zur Kameraführung ist dies recht offensichtlich, und auch auf die Video-Splatter der 80er a la EVIL DEAD wollte man sich inspirieren lassen. ‘Türlich fehlte zu jenen Filmen eine gute Meile. Hätte Cribbens eine rabenschwarze, von Morbius nur so triefende Satire gedreht, es hätte funktionieren können. Hätte man, wie einst Jackson, die Schauspieler mit so komischen Vögeln und Gestalten wie etwa in BAD TASTE besetzt, es hätte funktionieren können. Kurz: hätte, hätte, hätte. Aber das Gegenteil war der Fall: Cribben nimmt den Stoff so bierernst, dass man sich gelegentlich an den Kopf fassen muss. Sicher, der Streifen hat seine humorigen Momente, die sind aber meist nur kurz und von der unfreiwilligen Art. Die Fans sprechen da natürlich, der Film würde witziger werden, umso mehr Witzel-Wasser und Lachkraut man intus hat, aber auf nüchternem Kopfe sucht man die Lacher ziemlich vergeblich.

Auch als Verarsche der Redneck-Kultur und dem berüchtigten „Bibel Belt“, auch Amerikas Keuschheitsgürtel genannt (gelegentlich auch „Amerikas Achselhöhle“), wo auf jede Tankstelle und jede Schule mindestens fünf Kirchen kommen, will BEWARE: CHILDREN AT PLAY nicht funktionieren. Zwar hat man sich geographische Freiheiten genommen – New Jersey ist „offiziell“ kein Teil jenes Bibelgürtels – aber doch findet sich in Jersey eine Abart jener Spezies, auch als „Jersey Rednecks“ bekannt. Diese teilen fast alle Merkmale ihre Cousins aus dem Süden: pro Kopf fährt jeder einen vergammelten Pick-Up-Truck, Hände die keine offene Dose Keystone- oder Budweiser-Bier halten, scheinen seltsam vakant, man raucht Marlboro (weil nur Neger Newport rauchen), und auch die typischen Inzucht-Merkmale sind vielen (buchstäblich) ins Gesicht geschrieben. Wie im Süden gehören Latzhosen, karierte Hemden (bei warmen Wetter weiße Unterhemden, auch „Wife Beaters“ genannt) und die typischen Baseball-Käppis zur Nationaltracht, und es ist anthropologisch noch nicht erforscht, woher die Jersey Rednecks ihren Südstaatenakzent haben – es wird aber angenommen, dass dieser vom ständigen Hören von Lynyrd Skynyrd und anderen Southern Rock Bands stammt.

Aber hier hat sich Cribbens nicht sonderlich viel Mühe gegeben: die Nebendarsteller sind offensichtlich New Yorker und Stadtmenschen, die er einfach in die Pampa gepflanzt hat. Da will kein Gefühl der Authentizität aufkommen und schade ist es drum. Mit ein wenig Geschick hätte man durchaus eine moderne Variante von THE HILLS HAVE EYES oder gar TEXAS CHAINSAW MASSACRE drehen können – aber dieses Geschick war Cribbens nicht gegeben. In diesem Bezug ist der Fahrende Händler Ludwig (wie gesagt, Herb Klinger) ein kleines Highlight, an dem man hätten ansetzten können. Einer Ausgeburt von Blasphemie und Gehässigkeit, dessen Schmähreden über die Landbevölkerung vermutlich so manchen „Yockel“ bei der Sichtung des Films instinktiv zu einer imaginären Mistgabel greifen ließ. Die Hoffnung, der Film würde auf dieser böswilligen Schiene weiterfahren, stirbt aber schnell (praktisch so schnell wie die Figur Ludwig selbst).

Danach plätschert der Film für die längste Zeit vor sich hin, ab und zu mit ein paar kleineren Splatter-Szenen gewürzt, aber ohne dass man Gründe zum Jubeln finden würde. Es will scheinen, dass Cribbens den Film mit der Hoffnung drehte, die Szenen von kannibalischen Kleinkindern und das finale Gemetzel würde alles wett- und die rund 70 Minuten Langeweile vergessen machen. Offensichtlich, dass ein Großteil des armseligen Budgets in die letzte Metzel-Szene geflossen ist, aber die hätte dann ein junger Olaf Ittenbach und seine Kumpanen – es ist schlimm, dass man es sagen muss –besser hinbekommen.

Von den Schauspielern wollen wir hier nicht groß reden, da es nichts zu sagen gibt. Allesamt Laien, blutiger als ein rohes Steak und (vermutlich) allesamt Freunde, Kumpels und Gesocks aus dem TROMA-Dunstkreis.

Da Lloyd Kaufman und Konsorte keine Anfänger sind und sich beim internationalen Verleih auskennen, hat man sich gleich die Mühe und das Ein-Geld-Fuffzig gespart, und den Film erst gar nicht bei der FSK zur „Prüfung“ angemeldet. Was hätten die anonymen Bewerter, die besorgten Hausmütterchen, beseelte Pfaffen und alt-68er Pädagogen mit ihren fusseligen Pferdeschwänzen auch groß über Szenen wie jene gesagt oder gedacht?


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Nun, im besten Fall, wäre die Hälfte der alten Zensur-Hanseln tot umgefallen, im schlimmsten Fall wären die Überlebenden nach Den Haag gezogen, um vor dem internationalen Gerichtshof Klage einzureichen. Aber den Spaß, den Trailer von BEWARE: CHILDREN AT PLAY vor einer Vorführung von TROMEO & JULIA beim Filmfestival in Cannes zu zeigen, denn hat man sich nicht nehmen lassen. Nach zwei Minuten hatte sich das Kino praktisch geleert, und dass, obwohl der Trailer laut Kaufmann noch relativ harmlos war. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Also sprach der weise Fazitus: BEWARE: CHILDREN AT PLAY ist eine Mülltonnenproduktion, den ein Freund der 80er Jahre Billig-Horrorproduktion eigentlich gern haben und höhere Punktezahl geben würde. Aber man muss ehrlich bleiben. Das, was man den Streifen eigentlich geben will, das ist der Streifen schlussendlich nicht wert. Der Film hat seine Momente, aber die machen den Kohl auch nicht fett. Ansehen kann ihn sich der Fan, aber es ist fraglich, sogar unwahrscheinlich, ob einer ersten Sichtung eine zweite folgen wird. Und noch einmal sei gesagt: es ist und bleibt schade um die verschenkten Möglichkeiten. Was hätte Peter Jackson zu seiner Sturm- und Drangzeit aus dem Stoff gemacht? Vermutlich einen Splatter-Klassiker, über den man heute noch sprechen würde (dafür hätte er sich dann aber die HERR DER RINGE-Sachen und seine Hollywood-Karriere in die Haare schmieren können). Aber nein, leider scheint Regisseur Cribbens das Wort „Ironie“ nur vom Hörensagen zu kennen. Und was soll’s? Die TROMA-Freaks werden den Streifen eh schon kennen, die Gorebauern sowieso und selbst wenn man sich nur für das infame Finale interessiert, hat man auch das vermutlich irgendwo im Internetz gesehen. Im großen Ganzen bleibt es ein enttäuschender Schlag ins rotgefärbte Wasser.


THOR


Trailer

© 2016 Thorsten Atzmueller


Bewertung

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