Body Shot
Aus Badmovies.de
Regie: Dimitri Logothetis
Darsteller: Robert Patrick (Mickey), Michelle Johnson
(Chelsea/Danielle), Ray Wise (Dwight Frye), Jonathan Banks (Simon
Devoreux), Kim Miyori (Christine Wyler), Peter Koch (Elmer Hatch),
Charles Napier (Leon)
Mickey verdient sich seine spärlichen Brötchen als zwar
einigermaßen anerkannter, jedoch stets haarscharf an der
Privatinsolvenz vorbeischrammender Paparazzo mit einer merkwürdigen
Obsession auf die Rocksängerin Chelsea Savage. Die soll ihm zum
Verhängnis werden - nicht nur erwirkt die öffentlichkeitsscheue
Rockröhre (hüstel) wegen seiner mülldurchwühlenden Aktivitäten eine
einstweilige Verfügung gegen ihn, nein, der wahre Ärger kommt erst
noch, als der undurchsichtige Simon Devoreux ihn anheuert, gegen
ein sattes Honorar eine Fotoserie mit einem Chelsea-Double zu
schießen. Mickey sagt nicht nein und, wie kann es anders sein,
verliebt sich in das Model Danielle, das angeblich unglücklich mit
Simon verheiratet ist. Als Mickey eine Bondage-Szene fotografieren
soll, ist ihm das etwas zuviel des Guten, zwar fügt er sich, ist
aber sauer sowohl auf Simon als auch auf Danielle. Aber auch das
ist nur Vorgeplänkel - denn als plötzlich Chelsea Savage ermordet
aufgefunden wird, exakt in der Bondage-Pose, die Mickey vorher mit
Danielle abgelichtet hat, und sich auf der Tatwaffe seine
Fingerabdrücke finden, ist er für die Cops, mit Ausnahme der
ermittelnden Beamtin Wyler, verständlicherweise Tatverdächtiger
Numero Uno. Mickey taucht ab und versucht, Beweise für seine
Unschuld zu finden - und da könnte Danielle helfen...
Der Film: Der Weg vom Gegenspieler eines Actionhelden zum leading
man ist, so eindrucksvoll die Schurkerei auch gewesen sein mag, ein
steiniger und selten erfolgreicher - diese Erfahrung mußte auch
Robert Patrick, der legendäre T-1000 aus "Terminator 2" machen -
bevor ihn Chris Carter 2000 als Nachfolger von David Duchovny für
die "Akte X" exhumierte, ereilte Patrick das übliche Schicksal
solcher schauspielerischer Äquivalente zum "one-hit-wonder". Nach
einigen Cameos, in denen er vom Terminator-Ruhm zehrte, stellte
"Bodyshot" sein erstes eigenes starring-vehicle dar und, ich weiß
nicht, ob ich ihm dafür Kredit geben soll oder sich einfach nichts
anderes anbot, immerhin spielt er hier komplett gegen sein durch
den Arnie-Hit geprägtes Image, was sich nicht nur in der radikal
geänderten Haarfarbe äußert (fällt echt schwer, den Jungen zu
erkennen). Aber zunächst mal zum Film selbst - "Bodyshot" ist ein
mit relativ bescheidenen Mitteln realisierter Thriller, der - um
mal ausnahmsweise was vorwegzunehmen - letztlich besser
funktioniert, als er von Rechts wegen her dürfe - will sagen, nach
einer wenig vielversprechenden Auftaktphase, die den Eindruck
erweckt, als hätte man es mit dem drölfzigsten
"Doppelgängerinnen"-Erotik-Thriller zu tun (ein paar recht harmlose
Softcore-Szenen, bei denen Robert Patrick eindeutig mehr Haut zeigt
als Michelle Johnson, halten den anspruchslosen Zuschauer bei
Laune), der seine Existenzberechtigung weniger aus dem "Thrill" aus
aus der vermeintlichen Erotik bezieht, entwickelt sich nach gut
dreißig Minuten ein nicht immer vollkommen logisches und
durchschaubares, aber durchaus interessantes Mördersuchspiel mit
einigen Twists und Turns, von denen man wiederum mit einigen
rechnen konnte, mit anderen nicht. Das alles erfindet sicherlich
das Thrillergenre nicht neu, aber es wird nicht unspannend in Szene
gesetzt und, ob man will oder nicht, man beginnt sich mit
fortschreitender Laufzeit auf das fröhliche whodunnit-Spielchen
einzulassen und stellt seine eigenen Theorien an. Ein wenig seiner
Möglichkeiten beraubt sich der Film allerdings durch eine
unglücklich gewählte Struktur - man bedient sich nämlich zwar des
bewährten film-noir'ishen Stilmitteils des Voiceover-Kommentars aus
der Sicht Mickeys, baut dann aber einige Szenen aus den
Ermittlungen der Polizei ein, was sich verständlicherweise nicht
wirklich rund zusammenfügt - da hätte man m.E. lieber komplett auf
den an sich sowieso überflüssigen Voiceover verzichten sollen, der
in diesem Fall wirklich nur stört.
Die Regiearbeit von Dimitri Logothetis kann gefallen - als den
sicherlich beschränkten finanziellen Mitteln gelingt es ihm,
maximale Wirkung zu erzielen, was durch einige gar nicht mal so
üblen Kamerakniffe von Nicholas von Sternberg gut unterstützt wird.
Trotz der FSK-18-Freigabe hat man's hier natürlich nicht wirklich
mit einem Festival an Blut und Freikörperkultur zu tun, ein recht
splattriger Effekt ist zu bewundern, aber insgesamt nichts, was man
nicht auch einer liberaleren FSK-16-Einstufung hätte unterwerfen
können. Etwas hanebüchen ist gelegentlich die musikalische
Untermalung - der Score von Cliff Magness liegt doch ab und zu mal
etwas neben der Spur und stört an sich angemessene Atmosphäre des
Streifens.
Schauspielerisch wird größtenteils Durchschnittskost geboten. An
Robert Patricks Darstellung muß man sich erst mal gewöhnen (so
richtig mit "Heldenrollen" will man ihn, T2 sei dank, halt einfach
nicht identifizieren; übrigens folgte ein Jahr später er ultimative
Abstieg auf der Karrierleiter, als er mit Albert Pyun "Hong Kong
97" drehte), aber nach einer Weile fällt er nicht mehr negativ auf.
Michelle Johnson ("Glimmer Man", "Dr. Giggles") macht einen recht
souveränen Eindruck in ihrer Doppelrolle und gibt sich natürlich
rein optisch keine Blöße (auch wenn sie sich ironischerweise für
einen echten "body shot" nicht hergegeben hat). Immer wieder gern
sieht man Ray Wise ("Twin Peaks"), der seine Paraderolle des
unsympathischen Widerlings gibt. Als ermittelnde Polizistin Wyler
präsentiert sich Kim Miyori ("Metro", "The Punisher" und immerhin
Yoko Ono in "John and Yoko: A Love Story"). Einen kleinen
Gastauftritt hat der B- und Trashfilmveteran Charles Napier und
einen amüsanten Bit-Part absolviert Peter Spellos ("Attack of the
60-Foot-Centerfold", "Dinosaur Island").
Bildqualität: Auch MCP gehört zu den deutschen DVD-Publishern, die
vermutlich nie in die Verlegenheit kommen werden, Branchenpreise
für die technische Perfektion ihrer Releases serienweise
abzustauben (der geplagte Vielseher erinnert sich leicht genervt an
"Feuerwalze" oder "Quatermain". Mehr als einen Vollbildtransfer hat
man auch "Bodyshot" nicht spendiert, aber der ist immerhin durchaus
ansehnlich geraten. Das Bild ist zwar ein ganz klein wenig
grieselig, aber immerhin gut brauchbar, bietet akzeptable Werte
bezüglich Kanten- und Detailschärfe und gerät erst beim
Vierfachzoom kompressionstechnisch aus dem Leim. Die Farben sind
stimmig, der Kontrast in den dunklen Szenen könnte eine Idee besser
sein, aber insgesamt gehört das zu den besseren bisher von mir
gesichteten Werken von MCP.
Tonqualität: Irgendwann allerdings sollte sich mal bis MCP
durchsprechen, dass man akustisch durchaus mehr als einen
Dolby-Stereo-Track auf eine DVD klatschen kann - Heimkinobesitzer
haben an MCP-Scheiben nicht wirklich ihre Freude. Der präsentierte
Stereo-Track ist zwar von den Soundeffekten und der Musik her ganz
anhörbar, allerdings wirken die Dialoge arg blechern und scheinen
über einen leichten Halleffekt zu verfügen, was auf die Dauer doch
etwas nervt.
Extras: Außer Spesen, sprich drei Trailern aus dem MCP-Programm,
nichts gewesen.
Fazit: "Bodyshot" ist ein insgesamt überraschend brauchbarer
Thriller der Kategorie B. Natürlich bewegt sich der Streifen nicht
auf dem Niveau des gemeinen David-Fincher-Films, aber die
Geschichte entwickelt sich recht originell und durchaus
überraschend, der Streifen vermag tatsächlich zu fesseln und ein
wenig mitzureißen (in einem bescheideneren Rahmen natürlich als die
modernen Klassiker des Genres). Da das ganze optisch durchaus
ansehnlich gestaltet wird und auch von routinierten Darstellern
dargeboten wird, kann man beim relativ geringen Preis der DVD als
anspruchsloser Thrillerfreund, der nicht unbedingt Wert auf
technisch perfekte Silberscheiben legt, eigentlich kaum was
verkehrt machen. Nicht gerade das, was ich jetzt "Geheimtipp"
nennen würde, aber es gibt erheblich unangenehmere Methoden, sich
einen verregneten Nachmittag um die Ohren zu schlagen.
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