Bones
Aus Badmovies.de
USA 2001, 93 min, FSK 18
Regie: Ernest Dickerson
Darsteller: Snoop Dogg (Jimmy Bones), Pam Grier (Pearl), Michael T.
Weiss (Det. Lupovich), Clifton Powell (Jeremiah "J-Bird" Peet),
Ricky Harris (Eddie Mack), Bianca Lawson (Cynthia), Khalil Khan
(Patrick Peet), Merwin Mondesir (Bill Peet), Sean Amsing (Maurice),
Katherine Isabelle (Tia Peet)
Die drei Peet-Geschwister (zwei schwarze Jungs und ein weißes
Mädel... das passiert in Mischehen) und ihr Kumpel Maurice,
allesamt aus eher besserem Hause kommend und als DJ-Team
"Resurrection Brothers" am Start, verfallen auf den Gedanken, eine
heruntergekommene, seit 20 Jahren leerstehende Hütte in einer üblen
Gegend zu renovieren und zum in Eigenregie geführten In-Club zu
machen - ein Unterfangen, das von den Anwohnern, allen voran der
"psychischen" Pearl kritisch beäugt wird. Klar, die Jungspunde
können nicht wissen, dass auf dem Haus kein Segen liegt. Vor 22
Jahren wurde dort nämlich Jimmy Bones, seines Zeichens
fürsorglicher und allgemein hochgeschätzter Gangster-Pascha seiner
Hood, u.a. von seinem Rivalen Eddie Mack, dem korrupten Bullen
Lupovich und seinem eigenen rechte-Hand-Mann Jeremiah (dem Vater
der Peet-Kids) entleibt, weil er sich dem aufkommenden Crack-Handel
widersetzte. Prompt stolpern die Kids im Keller der Bude über ein
vermodertes Skelett, unschwer anhand der Accessoires als das von
Jimmy Bones zu identifizieren. Via einem dämonischen Hund begeht
Bones' begreiflicherweise rachedurstiger Geist erste Morde, um
dadurch wieder zu einer körperlichen Präsenz zu gelangen. Wieder
unter die lebenden Untoten zurückgekehrt, hat Bones natürlich
nichts besseres zu tun, als die feierliche Club- Eröffnung durch
einen Mord und einen leckeren Maden-Regen zu sabotieren und die
Bude abzufackeln. Doch damit beginnt sein Feldzug gegen seine
ehemaligen Peiniger und alle unglückseligen Elemente, die ihm im
Wege stehen, erst so richtig. Pearl, als Spiritistin, ahnt, wie man
Bones, der auch noch ihr ehemaliger Lover und Vater ihrer Tochter,
die mittlerweile in einen der Peets verknallt ist, wieder zurück
ins Jenseits befördern kann...
Der Film: Uh-oh, black themed urban horror, noch dazu mit Snoop
Dogg in der Hauptrolle, das MUSS nicht unbedingt gut gehen - wir
haben ja alle (naja, die zweieinhalb Leute, die ihn gesehen haben)
noch Albert Pyuns Bratislava-basiertes "Crow"-Rip-off "Urban
Menace" in guter schlechter oder schlechter guter Erinnerung. Aber
die Vorzeichen stehen hier schon anders - mit New Line Cinema steht
ein Studio hinter der Produktion, das von seinen Regisseuren nicht
erwartet, mit 300.000 Dollar in drei Wochen drei Filme zu drehen,
und Ernest Dickerson, langjähriger Kameramann von Spike Lee, bewies
mit souveränen Filmen wie "Surviving the Game" und "Ritter der
Dämonen" ja bereits vorher eine geschickte Hand im Umgang mit
Genre-Stoffen.
Die Plotte selbst ist so ziemlich eine der allerältesten, die man
auf dem Gebiet des Horrorfilms exhumieren kann - der Tote, der aus
dem Jenseits zurückkehrt, um sich an seinen Mördern zu rächen, ist
nun wahrhaft keine originelle Idee. "Fresh" und "hip" ist das
nicht, es sei denn, man hat seit den seligen EC-Comics aus den
50ern keinen Kontakt mehr zum Horrorgenre gehabt. Das war dann auch
den Autoren klar, weswegen sie ein paar halbseidene Bezüge zum
drogen- und kriminalitätsbedingten Verfall der afro-amerikanischen
Gesellschaft von den "goldenen" 70er zur Jetztzeit eingebaut haben
- nett gemeint, aber für den Film und seine Geschichte
schlechterdings belanglos; aber es erlaubt dann wenigstens
Dickerson, ein wenig im Zitatenschatz der blaxploitation-Geschichte
zu wildern. Leider ist die Story trotz dieser Abschweifung einfach
zu simpel gestrickt und auch der Schachzug, die Vorgeschichte um
Bones in den 70ern und seine Ermordung durch die ganz bösen Buben
in einer Reihe von Flashback-Sequenzen parallel zum Gegenwarts-Plot
um die Kids, die in das verwunschene Haus einziehen, zu erzählen,
hilft nicht wirklich weiter, da die Pointe der Background-Story
fürchterlich vorhersehbar ist. Dass die sprichwörtliche Leiche im
Keller Bones sein muss, wüssten wir auch ohne ausführliche
Rückblenden - wie heißt der Film nämlich noch gleich? Zudem
passiert auch in den Flashbacks nicht so elementar viel, dass es
der recht langwierigen Anlaufphase des Films über die Längen helfen
würde. Es ist wieder mal die klassische Krux einer
EC-Comic-inspirierten Geschichte - diese Storys haben selten die
Substanz für einen abendfüllenden Spielfilm - sie sind
prädestiniert für Anthologiefilme oder TV-Serien, weil es einfach
schlichte Geschichten sind, die auf eine einzige grimmige Pointe
hin konzipiert sind. Alles, was der Film an
"Nebenkriegsschauplätzen" auffährt, ist zwar, wie gesagt, gut
gemeint und lebt von vergleichsweise guten Charakterisierungen
einiger Nebenfiguren wie Pearl und Jeremiah, bringt aber keine
echte Substanz ein. Logik ist rein optional - nicht alles in sich
schlüssig (speziell die zentrale Frage der "Wiedererweckung" Bones'
und die Methode, mit der er letztlich besiegt wird), aber immerhin
wird das Geschehen in der zweiten Filmhälfte, nominell ab der
körperlichen Reanimierung Bones', flott vorangetrieben, wobei der
Ton der Geschichte grundsätzlich ein düster-ernster ist, weswegen
einige Versuche in Richtung auflockernder Comedy eher deplaziert
wirken.
"Bones" punket also kaum durch sein Script, um so mehr aber durch
seine fulminante Optik. Wie Dickerson selbst im Begleitmaterial
ausführt, versteht er "Bones" bzw. seine Inszenierung desselben,
als Hommage an den europäischen, speziell italienischen gothic
horror der 60er und 70er Jahre, und explizit als Würdigung Mario
Bavas, was bis hin zu teilweise direkten Zitaten geht. Wider
Erwarten, weil black urban horror und italienischer Schauerfilm
jetzt nicht unbedingt zwei Genres sind, die man auf Anhieb als
artverwandt einstufen würde, funktioniert das ziemlich gut - nicht
nur, weil sich das Script erfreulicherweise mit jive-talk
zurückhält, sondern weil die visuelle Gestaltung des Streifens
schlichtweg famos ist und in der Tat den Geist von Kameragurus wie
Bava und Dario Argento atmet, garniert mit einem guten Schuss
Expressionismus. Grandios eingefangen von Alex de la Iglesias
Stammkameramann Flavio Labiano ("Perdita Durango", "El Dia de la
Bestia") präsentiert sich "Bones" visuell geradezu überbordend -
seien es die expressionistischen schattenhaften Auftritte Bones' in
seiner noch körperlosen Form, atemberaubende Kamerafahrten durch
das unheimliche Gebäude (das auch ein Meisterwerk des Set Designs
darstellt), exquisit durchkomponierte, schlüssige Farbgebung und
Beleuchtung - es ist ein Augenschmaus, den Dickerson und Labiano
zelebrieren, ohne dabei gimmickverliebt zu werden (einzig ein paar
zeitgerafferte Aufnahmen um einen dämonischen Hund, der in einer
paranormalen Verbindung zu Bones steht und zu Beginn dessen Hund-,
äh, Handlanger ist, stören mich, aber das ist was persönliches -
ich schätze dieses Stilmittel einfach nicht). Das Finale mit seinem
bizarren Setting der "Stadt der Toten" könnte schon fast wieder
einem Fulci-Film entsprungen sein. Es ist schade, jedoch auch
irgendwo in der "guten alten" Tradition des italienischen
Horrorkinos, dass der eigentliche Inhalt des Films, sein Plot,
nicht mit der optische Ausgestaltung mithalten kann.
So plätschert "Bones", wie schon angedeutet, über die Hälfte seiner
Laufzeit zwar schön anzusehend, aber nicht gerade mitreißend dahin,
und auch die zweite, temporeichere Hälfte wird selten wirklich
zupackend, auch wenn Dickerson und sein Tricktechnikerteam mit
blutigen Ruppigkeiten und bizarren Effekten, die die 18er-Freigabe
völlig rechtfertigen, nicht sparen (die apostrophierte
"gross-out"-Ekelsequenz eines wahren Madenregens wirkt leider ein
wenig lächerlich). Dafür mangelt's dem Film, zum Ärger seines
Regisseurs, auf Studiogeheiß an nudity. Can't have it all, I guess.
Ein Problem ist das Missverhältnis von "Stars" und "Hauptfiguren".
Die namhaften Akteure bedienen nämlich durch die Bank eher
Nebenrollen, was die Screentime angeht. So liefert Snoop Dogg
durchaus eine gute Performance ab und zeigt, dass er ein
überraschend vielseitig verwendbarer rapper-turned-actor sein kann;
blaxploitation-Ikone Pam Grier macht ihren Job ebenfalls gut,
Michael T. Weiss, der TV-"Pretender", lässt unter dem
Alters-Make-up nichts anbrennen und auch Clifton Powell
("Phantoms", "Deep Rising") erweist sich als gut aufgelegt, aber
die Hauptfiguren sind halt einmal mehr die Jungdarsteller (auch
wenn die teilweise schon 37 Lenze auf dem Buckel haben) und die
sind bei allem Bemühen halt wieder einmal austauschbare
Pappkameraden, die keinen bleibenden Eindruck hinterlassen, da
nehmen sich die nett anzusehende Bianca Lawson ("Save the Last
Dance", "Dead & Breakfast"), Khalil Kain (gut beschäftigter
TV-Akteur), Merwin Mondesir und Sean Amsing ("Stargate SG-1") nicht
viel. Sträflich unterbeschäftigt bleibt Katherine Isabelle ("Ginger
Snaps"), die sich zur Halbzeitmarke praktisch völlig aus dem Film
verabschiedet.
Bildqualität: Auch wenn die DVD aus dem Hause Warner Deutschland
nun auch schon wieder ein paar Tage alt ist, kann sie qualitativ
durchaus überzeugen. Der anamorphe 2.35:1-Transfer bringt die
exzellente Fotografie des Streifens und die gute Effektarbeit schön
zur Geltung - die Farbgebung kommt sehr gut rüber, der Kontrast in
den vielen dunklen Szenen ist gefällig, die Schärfewerte sind nicht
überragend, aber solide. Keinen Grund zur Klage birgt die
Kompression.
Tonqualität: Warner stellt uns den Film auf Deutsch und Englisch,
jeweils in Dolby 5.1 EX zur Verfügung. Ich würde persönlich zur
O-Ton-Fassung raten, die, auch wenn's ein black themed film ist,
auch einen Schulenglisch-Sprecher und -Versteher nicht ratlos vor
dem Fernseher sitzen lässt (und zudem liefert Warner sowohl
deutsche als auch englische Untertitel mit). Die deutsche Fassung
scheint mir eher lieblos synchronisiert zu sein. Der englische
Track ist sehr dynamisch, kraftvoll und laut, wenn's sein muss.
Extras: Verblüffend viel Bonusmaterial klatscht Warner zur Freude
des Fans auf die Scheibe. Neben dem Audiokommentar von Dickerson,
Snoop Dogg und Autor Adam Simon gibt's zwei Dokumentationen (eine
making-of-Doku und eine interessante und erhellende Doku über die
erwähnten europäischen Einflüsse), eine ganze Latte deleted scenes,
wahlweise mit Audiokommentar zu genießen, zwei Musikvideos von
Snoop sowie den Kinotrailer. Runde Sache.
Fazit: Auch "Bones" stellt keine Revolution des Horrorkinos dar -
wieder einmal wird uns eine althergebrachte Story, zeitgemäß
aufgepeppt und mit Versatzstücken des blaxploitation-Kinos
versehen, aufs Brot geschmiert. Wäre normalerweise nicht der Rede
wert, aber die fantastische Optik des Streifens und seine
erkennbaren Wurzeln im klassischen Eurohorror-Kintopp machen
"Bones" nicht zum Reißer - dafür ist sein Script zu vorhersehbar
und die darstellerischen Leistungen zu gemsicht -, aber auf alle
Fälle zu einem Werk, das sich speziell Bava- und Argento-Freunde
mal ansehen sollten. Allein, was alle Aspekte der Kameraarbeit
angeht, ist "Bones" ein Highlight unter den oft uniformen
08/15-Horrorthrillern aus Hollywood.
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