Break Away
Aus Badmovies.de
Regie: Sean Dash
Darsteller: Teri Thompson (Myra), Joe Estevez (Grey), Chris DeRosa
(Carter), Tony Noakes (Dan), Tonya Harding (Gina), Ray Dash
(Anton)
Manchmal sollte man sich seinen Arbeitsvertrag genau durchlesen -
besonders, wenn man für die Mafia arbeitet. Myra, die seit sieben
Jahren für den Gangsterboss Anton als Kurier arbeitet, hat eines
Tages die Nase davon voll, dass die zweifelhaften Geschäftspartner
ihres Chefs immer wieder versuchen, sie in Ausübung ihrer
beruflichen Pflichten umzulegen. Ergo - sie will aussteigen, und
das stieß noch selten auf Gegenliebe bei vorgesetzten Mafiapaten.
Und so lotst der vermeintlich verständige Anton die
Kündigungswillige unter einem Vorwand und mit einem Batzen Geld zu
Nicky, seinem Profikiller, damit der sie entleibe. Myra riecht den
Braten und kann mitsamt der Kohle fliehen. Ihr Freund Carter (der
sie seinerseits aber mit der Restaurantbesitzerin Gina betrügt)
soll ihr zur Seite stehen, tut er auch gern, aber hauptsächlich der
Kohle und weniger des Mädels wegen. Um aus der Schußlinie zu
kommen, hakt sich Myra bei dem nichtsahnenden Uniprof Dan unter -
schließlich gibt es bis zum Treffen mit Carter ein paar Stunden
totzuschlagen. Anton ist nicht blöde - nicht nur, dass er den
inkompetenten Nicky durch den coolen Ultra-Profi Grey ersetzt, auch
der arme Dan landet auf einmal auf der Abschussliste. Myra entdeckt
ihr Gewissen und ist bestrebt, den netten Dan zu retten. Die
Tatsache, dass Carter falsches Spiel mit ihr treibt und Greys Rolle
dadurch verkompliziert wird, dass er den ihn nervenden Nicky
umlegt, ohne zu ahnen, dass der Antons Neffe ist, führt
logischerweise zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung mit hohem
Body Count...
Der Film: Sean Dash, in seiner bisherigen Filmkarriere weniger als
Regisseur denn als Drehbuchautor eher unterklassiger B-Movie-Ware
(die Horrorkomödie "The Newlydeads" und das Sequel/Remake "Watchers
Reborn" gehen auf sein schreiberisches Konto) legt hier seine
Variante einer der nach Tarantino - vor allem bei
B-Film-Produzenten - beliebten Materie "jeder betrügt jeden" vor.
Der ersichtlich mit kleinem Geld in L.A. und Portland gedrehte
Streifen bietet im Großen und Ganzen alle Zutaten, die ein
unterhaltsamer kleiner Thriller braucht - ein Drehbuch mit einigen
Twists und Turns, wobei man sicher an keiner Stelle des Scripts das
große Aha-Erlebnis feiert und den Autor mit einem Drehbuchpreis
bedenken möchte, ein paar Verfolgungsjagden, eine Explosion, jede
Menge Shoot-outs und ein paar als clever gedachte Dialoge. Das
alles erledigt der Film auf einem akzeptablen Niveau, wenn man über
die üblichen budgetären Beschränkungen hinwegsehen kann - die
Verfolgungsjagden sind alles andere als spektakulär, die Shoot-outs
unblutig und wenig aufregend und die Dialoge nur selten so witzig
oder intelligent, wie die Beteiligten sich das vielleicht gedacht
hatten. Da Dash das Tempo aber verhältnismäßig hoch hält und
lediglich der Subplot um Carters Verhältnis Gina (der sich
allerdings doch noch relativ befriedigend mit der Hauptgeschichte
zusammenfügt) sorgt für den ein oder anderen leichten Durchhänger
(unterhält dafür aber aus anderen Gründen, auf die wir noch
gesondert eingehen werden). Ein wenig lächerlich wird's, wenn die
hauptrollenden Damen ihre Martial-Arts-Künste auspacken und
Mafiakiller, Profiganoven und Bodyguards mit ihren bescheidenen
Karate-Tritten und -Schlägen niederstrecken (und ein "Stunt", bei
dem "Myra" den per Motorrad auf sie zurasenden Killer Nicky
"überspringt", ist ein Lachschlager für sich), aber insgesamt
schafft es der Streifen, 90 Minuten lang auf dem Niveau eines
besseren Fernsehfilms zu unterhalten - zwei-drei Explosionen mehr
und man könnt's glatt für eine PM-Produktion halten. Die Production
Values sind für einen Film dieses Kalibers ordentlich, lediglich
die etwas belanglos und wenig auf das Geschehen im Film abgestimmte
Musik stört ein wenig.
In der Hauptrolle, die bestimmt nicht nach darstellerischen
Qualitäten, sondern rein optischen Gesichtspunkten gecastet wurde,
dürfen wir Teri Thompson bewundern, deren Karriere ansonsten außer
aufregenden Glanzrollen wie "Restaurant Woman #2" in "Almost Dead"
und "Murder Victim" im Fernsehfilm "Dark Avenger" verdammt
überschaubar geraten ist (sie debütierte mit einer Gastrolle in
"Baywatch"). Dafür, dass "Breakaway" ihre erste größere Rolle
darstellt, hinterlässt sie einen ganz passablen Eindruck (dies
bitte ich, wie immer bei Filmen dieser Art, im Kontext eines
B-Action-Films zu sehen). Der Freund attraktiver Frauen freut sich
darüber, dass sie zweimal die Hüllen fallen lässt und darüber
hinaus überwiegend in ultrakurzen Shorts herumläuft. Ich würde ihr
allerdings nicht unbedingt zu einer Karriere als
Martial-Arts-Artistin raten. Als ultracooler Profikiller liefert
Joe Estevez ("Dark Universe", "Das MI-8 Projekt") nicht nur eine
seiner größeren Rollen an (obwohl in vielen seiner Filme
Top-Billing geniesst, wegen seines prominenten Familiennamens,
begnügt er sich ja oft mit besseren Cameo-Auftritten), sondern auch
eine seiner besten. Tony Noakes als Dan (der in Brian Yuznas "The
Dentist" mitwirkte) bleibt ein wenig farblos, ist aber zumindest
physisch präsent genug, um im Showdown zu überzeugen. Für's
hemmungslose Chargieren ist Ray Dash als Mafiapatrone Anton
zuständig. Nun aber zum major selling point des Streifens - der
Mitwirkung von Tonya Harding als Gina. Tonya Harding hat eine
bewegte Karriere hinter sich - von der Weltklasse-Eiskunstläuferin
zur Skandalnudel wg. des ominösen Attentats auf ihre Rivalin Nancy
Kerrigan, bis hin zur Wrestlerin und Knastologin. "Break Away"
markiert ihr Filmdebüt, dem zuletzt 2003 "Prize Fighter" folgte.
Ich ging bislang ja davon aus, dass Eiskunstlauf nicht die
allerschlechteste Schule für Schauspiel sein könnte, da es ja hier
wie dort um gewisse künstlerische Ausdruckskraft geht, aber Tonya
Harding ist zweifellos die schlechteste Schauspielerin, die ich
seit langer Zeit gesehen habe - sie bewegt sich mit der
Natürlichkeit eines balletttanzenden Elefanten, unterstreicht ihre
Dialoge mit plumper Gestik und befleißigt sich eines Watschelgangs,
auf den Donald Duck stolz wäre (da fragt man sich nun wirklich,
welches schlechte Gras Carter geraucht hat, um statt dem heißen
Feger Myra auf Gina abzufahren). Spätestens bei ihrer eigenen
großen Action-Szene und Karate-Einlage liegt der Trashfan vor
Begeisterung um Atem ringend am Boden. Eine absolute
Glanzvorstellung (Ihr wisst hoffentlich, wie ich das meine).
Bildqualität: Hoppla, ist das wirklich eine Disc von Best? Ich kann
ja was erkennen! Ohne Flachs, die Bildqualität von "Break Away" ist
durchaus überzeugend. Das Bild mag insgesamt ein wenig soft wirken,
aber ich vermute, dass das am Filmmaterial selbst lag
(Titeleinblendungen sind nämlich gestochen scharf) - gegen Ende
gibt's leider einige kleine Farbschwankungen und das Bild wird
generell etwas weicher, aber insgesamt ist das durchaus anständig.
Detail- und Kantenschärfe sind zufriedenstellend, die Kompression
für die Verhältnisse des nicht gerade für seine Hi-End-Transfers
bekannten Labels sogar sehr gut. Lediglich an einer Stelle gab es
einen kleinen Freeze, der das Bild für zwei Sekunden in Klötzchen
auflöste und den Ton abschaltete - der Player rumpelte aber
erfolgreich über diese Klippe.
Tonqualität: Der deutsche Dolby-2.0-Ton ist zwar absolut
verständlich, aber insgesamt ein wenig leise ausgefallen - wirkt
fast so, als hätte man den Track etwas heruntergeregelt, was
besonders auffällt, wenn die Darsteller drehbuchgemäß "lauter"
werden, die Tonspur aber nicht mitzieht, sondern eher die
Lautstärke herunterdreht. Auch die Musik und die Soundeffekte (die
aber bereits im Original eher "realistisch", d.h. ein
Pistolenschuss klingt nicht gleich wie eine Atombombenexplosion,
ausfallen) könnten ein wenig mehr Power vertragen. Dafür ist der
Track aber rauschfrei.
Extras: Nein, sowas, mal nicht die altbekannten Trailer auf "The
Fog" oder "Dune", sondern u.a. für die Chuck-Norris-Komödie "Top
Dog" und zwei andere Titel aus dem Best-Programm.
Fazit: "Break Away" erfindet das Genre des killintensiven
Actionthrillers nicht neu, bietet aber 90 Minuten recht
kurzweiliger Unterhaltung (das Cover übertreibt mit einer
Spieldauer von 106 Minuten mal wieder maßlos). Das Tempo ist flott,
die Story ausreichend gut konstruiert, um den Zuschauer bei der
Stange zu halten und Tonya Hardings Performance, für die bestimmt
kein Eiskunstlauf-Punktrichter die 6.0 gezückt hätte, sorgt für die
nötige, wenn auch unbeabsichtige Prise Humor. Als unspektakulärer,
aber unterhaltsamer kleiner Thriller ist "Break Away" für Freunde
lockerer B-Movie-Unterhaltung durchaus zu empfehlen, zumal die
DVD-Umsetzung von Best/Screenpower in diesem Fall keinen
Kaufhinderungsgrund darstellt.
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