Break Up
Aus Badmovies.de
Regie: Paul Marcus
Darsteller: Bridget Fonda (Jimmy Dade), Hart Bochner (Frank Dade),
Kiefer Sutherland (Detective Box), Steven Weber (Detective Ramsey),
Penelope Ann Miller (Grace), Tippi Hedren (Jimmys Mum)
Versteh einer die Frauen... Jimmy Dade gehört zu der Sorte
Ehefrauen, die zwar einen gewalttätigen Schläger namens Frank
geehelicht haben, aus der beinahe täglich er- und verteilten
Dresche (die sogar zu Taubheit geführt hat) irgendwie nie die
richtigen Konsequenzen ziehen. Nicht überraschen, dass der Schuß
irgendwann dann nach hinten losgeht. Als Jimmy nach einer weiteren
häuslichen Auseinandersetzung und Freiflug die Treppe runter im
Krankenhaus wieder aufwacht, ist sie unvermittelt Hauptverdächtige
in einem Mordfall, da das Auto ihres Göttergatten samt eines
verkokelten Leichnams am Steuer aus einem Teich gezogen wird.
Polizeidetective Box glaubt zwar an Jimmys Unschuld, Kollege
Ramsey, der Jimmy aus früheren "häuslicher
Disput"-Notrufangelegenheiten kennt, ist dagegen der Überzeugung,
Jimmy hätte Frank getiltet. Dass Jimmy aus dem Hospital stiften
geht und bei ihrer Schwester unterschlüpft, macht sie nicht
wirklich glaubwürdiger - aber ganz so einfach ist die Sache dann
doch nicht. Jimmys beträchtliches Bankvermögen wurde von
unbekannter Hand abgehoben und ihre leicht senile Mutter meint,
Frank hätte sie gerade eben erst besucht. Jimmy flüchtet in ein
Wüstenkaff, wo Franks Bratkartoffelverhältnis Grace, von dem sie
zufällig erfahren hat, residiert, die Cops Box und Ramsey sind ihr
allerdings auf den Fersen...
Der Film: Nu Image mal anders. Von der Filmschmiede, die uns
normalerweise mit verlässlichem Low-Budget-Action-Schotter Marke
"Operation Delta Force" versorgt, erreicht uns hier ein
Thrillerdrama mit fast schon spektakulär guter Besetzung. Was
zunächst wie ein verhältnismäßig simpel gestricktes Ehe-Drama
beginnt (der Film lässt dabei ziemlich lange recht geschickt die
Möglichkeit offen, ob Jimmy ihren Gatten nun umgelegt hat oder
nicht), gewinnt durch die Thrillerelemente deutlich an Substanz -
klar, das ist alles nicht gerade "Wild Things", was Plottwists und
-turns angeht, aber für eine wenig aufwendige Quickie-Produktion
verhältnismäßig intelligent konstruiert (natürlich gibt's auch hier
die üblichen Plotholes und Zufälligkeiten, wie z.B. die
Ermittlungen der Polizei, die je nachdem, ob's dem Drehbuch gerade
dienlich ist, effektiv oder vertrottelt ausfällt), aber es gelingt
dem Streifen recht gut, den Zuschauer bei Laune zu halten (wenn
sogar mein Kumpel Bernd, der eigentlich nur meine Flatrate nutzen
wollte, um seinen Urlaub zu planen, trotz Versäumnis der ersten
dreiviertel Stunde immer wieder vom PC-Monitor zum Fernseher
schielte, will das was heißen, denn der Kerl ist
Low-Budget-Angelegenheiten gegenüber sehr kritisch).
Paul Marcus inszeniert das nicht übermäßig originelle, aber
handfest-schlüssige Script konventionell mit gelegentlichen
Anflügen von Style und Atmosphäre (aber man stellt nicht ganz
unerwartet fest, dass Marcus hauptsächlich mit Fernsehware
beschäftigt ist). Die Kameraarbeit ist für Nu Image-Handwerker
überdurchschnittlich, die musikalische Untermalung effektiv.
Positiv zu vermerken ist, dass es sich um einen, hüstel,
"altmodischen" Thriller handelt - d.h. er kommt ohne
voyeuristisch-anbiedernde Softsex-Elemente (bis auf eine
angedeutete Sexszene gleich zu Beginn) oder plakativ-blutige
Gewaltexzesse aus. Ebenfalls auf der Haben-Seite zu verbuchen ist
die ein oder andere überdurchschnittliche Dialogszene.
Natürlich hat der Streifen auch seine Schwächen - gelegentlich
könnte dem Film ein kleiner Tritt in den metaphorischen Hintern
nicht schaden; manchmal dauern Szenen ein wenig zu lange, manchmal
verliert sich der Film etwas in "Nebenschauplätzen", aber diese
Längen entwicken slich nie zu echter Langeweile. Und das liegt an
den teilweise exzellenten darstellerischen Leistungen.
Ich hab's schon angemerkt, "Break Up" verfügt über einen für recht
elitären Cast. Bridget Fonda ("Weiblich, ledig, jung sucht...",
"Willkommen in Wellville", "Jackie Brown") gehört sowieso zu den
Aktricen, die sich zur Aufgabe gestellt haben, die von mir oft und
gern aufgestellte These "schauspielerisches Talent vererbt sich
nicht" zu widerlegen, und in "Break Up" zeigt sie auch, dass sie
durchaus auch in einer kleinen B-Produktion gewillt ist, mit vollem
Einsatz zu spielen. Die Rolle verlangt von ihr nicht nur gewissen
Mut zu Hässlichkeit, sondern bietet ihr auch Gelegenheit, die
Bandbreite ihres schauspielerischen Könnens zu zeigen. Fonda
überzeugt in den leiseren Tönen ebenso wie in emotionalen
Ausbrüchen und liefet summa summarum eine Leistung, von der sich
manch ein "name actor", der eines Gagenschecks wegen in enem B-Film
agiert, eine Scheibe abschneiden könnte.
Penelope Ann Miller ("Das Relikt") spielt eine etwas klischeehafte
"Gangsterbraut", schafft es aber, der Rolle durchaus ebenfalls die
ein oder andere Facette abzugewinnen. Kiefer Sutherland ("24",
"Truth or Consequences, N.M.") hat hier eine etwas undankbare Rolle
und ist nicht gar so spielfreudig wie in seinem anderen
Nu-Image-Auftritt in "Frankie the Fly", bleibt aber
souverän-sympathisch. Steven Weber ("Dracula - Tot aber
glücklich"), der schon in "Weiblich, ledig, jung sucht..." mit
Bridget Fonda zu tun hat, gibt einen hübsch widerlichen "bad cop"
ab und Hart Bochner ("Supergirl", "Urban Legends 2") gibt sich als
prügelnder Ekelbatzen von Ehemann alle Mühe, überzeugend
hassenswert zu erscheinen. In einem witzigen Kurzauftritt gibt sich
Tippi Hedren ("Die Vögel") die Ehre.
Bildqualität: Dafür, dass die DVD von Ascot nun alles andere als
neu ist (sie datiert von 1998), ist die Qualität passabel. Der
Vollibildtransfer weist eine angenehme Detail- und Kantenschärfe
auf und geht auch beim Zoomen erst bei vierfacher Vergrößerung aus
dem Leim (Kompression also durchaus okay). Negativ bemerkbar macht
sich der verbesserungsfähige Kontrast und die doch
überdurchschnittliche Anzahl an authoring-bedingten Bildstörungen
durch Störblitze. Insgesamt aber durchaus brauchbar.
Tonqualität: Bei einer DVD aus der Frühsteinzeit des Mediums (und
einem Nu-Image-Film als Inhalt) braucht man nicht auf ein
Surround-Feuerwerk zu hoffen. Ascot spendiert der Scheibe
ausschließlich einen maximal zweckdienlichen Dolby 2.0-Ton, wobei
nur eine deutsche Tonspur zur Verfügung steht. Ein leichtes
Grundrauschen ist zu vermelden, die Dialoge klingen machmal etwas
dumpf, ebenso die Musik. Könnte also besser sein, ist aber
anhörbar.
Extras: Ascot, das auf der Hülle die Laufzeit seiner
"Bonusfeatures" wieder einmal fröhlich in die "Gesamtlaufzeit"
einrechnet, schenkt uns (ausschließlich vorgelesene) Biographien
sowie Filmographie-Auszüge für Bridget Fonda und Kiefer Sutherland,
den Trailer zu "Break Up" sowie eine ausführliche
Trailershow.
Fazit: "Break Up - Nackte Angst" ist sicher kein Film, von dem man
seinen Enkeln erzählen müsste - dazu ist der Streifen letztlich zu
unspektakulär und zu konventionell gefilmt. Trotz einiger Längen
ist der Streifen aber gut ansehbar - zweifellos einer der besseren
Filme, den Nu Image abseits der gewohnten Action-Kost ins Feld
geschickt hat (so z.B. im Vergleich zu "Wild Side" und "Frankie the
Fly"). In einer Zeit, in der fast alles, was sich das Etikett
"Thriller" umhängt, entweder verzweifelt versucht, auf den
Tarantino-Zug aufzuspringen oder ersatzweise als "Erotikthriller"
zu firmieren, ist ein vergleichsweise "unmoderner" Thriller, bei
dem anstelle von Sex und Gewalt menschliches Drama im Mittelpunkt
steht und den Schauspielern die Möglichkeit gegeben wird,
Qualitätsarbeit abzuliefern, schon wieder regelrecht erfrischend.
Man muss jetzt nicht unbedingt sofort in den nächsten Laden stürmen
und die DVD holen (es sei denn, man ist Bridget-Fonda-Fan, dann
rentiert sich die Investition ob ihrer Großleistung wirklich), aber
sollte der Streifen einem mal im Fernsehen begegnen, kann das
Reinschauen grundverkehrt nicht sein... Solide Hausmannskost!
Review diskutieren
Andere Meinung? Diskutiere diesen Film im badmovies.de-Forum!
(c) 2000-2006 (and beyond) Markus Risser, alle Rechte vorbehalten, usw. usf. Review-Klauer werden mit mindestens einem Ein Schloß am Wörthersee-Marathon bestraft. Wer Tippfehler findet, darf sie behalten. Preis zuzüglich 16 % Mehrwertsteuer. Angebot nicht gültig am dritten Donnerstag im Monat und in Österreich. Fahrer während der Fahrt nicht ansprechen. You must be THIS tall to take the ride. Peter Jackson is God. Spendenkonto auf Anfrage.

