Buch-Rezensionen

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BUCH-REZENSIONEN


Richard Laymon - Fiends

UK-Import, Headline Feature, 1997

Es gibt ja leider nicht nur einen Mangel an brauchbaren Horrorfilmen, sondern auch einen Mangel an brauchbaren Horror-Romanen. Wenn man nicht bei den Marktführern King oder Koontz hängenbleiben will, muß man feststellen, daß viele Autoren das Genre nahezu komplett verlassen haben (wie Simmons oder Barker) oder von mauer (John Saul) oder stark schwankender (James Herbert) Qualität produzieren. Vor allem gibt es kaum einen Autoren, der wirklich die Sau rausläßt, sprich die Splatterfetzen fliegen läßt, aber über das bloße Blutverspritzen nicht vergißt, clevere Ideen auch "literarisch" ansprechend umzusetzen. Der Amerikaner Richard Laymon, der erstaunlicherweise seine Hauptpopularität im Vereinten Königreich feiert, ist da eine löbliche Ausnahme. Der Kerl kann nicht nur verdammt gut schreiben, sondern schreckt vor nichts zurück, um seinem Leser Schocks zu versetzen - political correctness ist Laymon völlig fremd, Kinder haben keinen Überlebensbonus und eine starke sexuelle Komponente zieht sich auch noch durch sein Werk. Ein guter Einstieg in die bizarren Welten des Richard Laymon bietet die Story-Kompilation "Fiends", die 1997 in England erschien und deren Herzstück die Titelstory, eigentlich mehr ein Kurzroman als eine Story, bildet. In "Fiends" muß die junge Marty ein wahres Martyrium (har-har, Wortspieler, verkappter) durchmachen, als Willy, der Typ, der sie vor Jahren einst vergewaltigte, wieder auftaucht und nicht etwa um Entschuldigung bitten will, sondern beabsichtigt, sich grausam zu rächen. Obwohl "Fiends" temporeich dahinrollt und auch die ein oder andere Bondage-Fantasie bedient, ist diese Geschichte nicht einmal der Höhepunkt der Storysammlung - denn in den restlichen zwölf Stories (von vier bis knapp dreißig Seiten Umfang) geht der Punk mächtig ab - eine prächtige Mixtur aus konventionellen Mysteries, witzigen Parodien, einfühlsamen leiseren Tönen (die Laymon, wenn er will, auch beherrscht), gothisch angehauchtem Horror bis hin zu brutalen in-your-face-Schockszenarien. Highlights: "The Hunt", eine aufreibende Variation des bewährten "Most-Dangerous-Game"-Themas, die stark sexuell orientierte und ziemlich extreme Vampir-Story "Special", "Slit", eine "kinky" Sex-Fantasie, die in Bondage- und SM-Kreisen sicher gut ankommen wird und die beiden humorvoll-parodistischen Kriminalgeschichten "Eats" und "Stiff Intruders". Schwachpunkte gibt's keine, lediglich die vierseitige Mini-Story "Out of the woods" ist eigentlich nicht mehr als ein strikt auf eine (vorhersehbare) Pointe konstruierter fieser Witz. Insgesamt ist "Fiends", trotz der ein oder anderen leiseren Story, wie auch Laymons Romane, nichts für Leser, die beschauliche Gruselunterhaltung suchen, denn in so mancher Story knacken Knochen, wird vergewaltigt und blutig gemordet, doch alles auf einem wirklich gehobenen schriftstellerischen Level. Richard Laymon ist der Beweis dafür, daß Splatter und schreiberische Klasse sich nicht ausschließen - und es verwundert auch nicht, daß obwohl so manche Story sich geradezu nach einer visuellen Umsetzung sehnt, Hollywood bislang vor Verfilmungen zurückschreckte, das ist verdammt harte Kost, aber verdammt wohlschmeckende für den Horror-Gourmet, der von King und Koontz (der übrigens eine launige Einführung zu dieser Sammlung beisteuert) ein wenig übersättigt ist. Absolute Empfehlung!


Viktor Koman - Der Jehova Vertrag

Heyne Verlag, "Die Unheimlichen Bücher", 1984

Es ist vermutlich kein Zufall, daß ich unmittelbar, bevor ich Megiddo reviewte, dieses Buch gelesen hatte. Nun haben das Buch und der Film garantiert zip miteinander zu tun, aber nach Lesen des Buches und Ansehen des Films war mir mal wieder klar, wieso zum Geier ich ein strikter Gegner des ganzen "organisierte Religion"-Prinzips bin. Dabei ist Der Jehova Vertrag in keinster Weise eine christlich motivierte Streitschrift, ganz im Gegenteil... L.A. 1999 - der Berufskiller Dell Ammo, der sein Büro in den Ruinen des von Terroristen mittels Atombombe gesprengten Arco Towers unterhält und aufgrund der Strahlung langsam an Krebs krepiert, geht den merkwürdigsten Auftrag seines Lebens ein. Für den geheimnisvollen Klienten Emil Zacharias willigt er, gegen Versprechung eines erklecklichen Sümmchens und Heilung von seiner Krankheit, ein, niemand anderes als Gott himself zu töten. Während er zunächst auf dem falschen Dampfer ist, Gott als physische killbare Präsenz zu verstehen und dabei die Hilfe der geheimnisvollen schönen Lady Ann rekrutiert, wird die Kirche auf sein Treiben aufmerksam. Die "Ecclesia", ein Zusammenschluß der wichtigsten Weltreligionen (Christentum/Islam/Brahmanismus/Judentum etc.), die ihre Pfründe in Gefahr sehen, stellt sich ihm in den Weg und verübt diverse Anschläge auf Leib und Leben. Dell Ammo ertappt seinen Klienten bei schwarzen Messen und erkennt schließlich, daß der einzige Weg, Gott zu töten, darin besteht, seine Existenz aus dem Bewußtsein sämtlicher Menschen zu löschen. Er startet eine immense Werbekampagne (finanziert durch Geld, das Ann am Pokertisch gewinnt) und plant, mit Hilfe einer zwölfjährigen telepathisch begabten Kindernutte und einer Hexe vom Weltraum aus die gesamte Menschheit entsprechend suggestiv zu beeinflussen. Klar, daß Gott selbst sich das nicht bieten lassen kann. Rein stilistisch ist Der Jehova Vertrag, ein seltsames Buch, das übrigens, obwohl von einem amerikanischen Autor, weltweit zuerst in Deutschland veröffentlicht wurde. Koman beginnt mit Science-fiction-Motiven, steigert sich dann in ein wahres Horror-Crescendo mit diversen Monstern (Ratten mit Menschenköpfen etc.) und endet schließlich in einer philosophisch-exestentialistischen Betrachtung über die Definition von Gott per se. Das macht das Buch stellenweise nicht einfach zu lesen und die Tatsache, daß die finale Konfrontation auf einer metaphysischen Ebene stattfindet, ist dem Spannungsbogen etwas abträglich, aber Koman packt trotzdem jede Menge Action (blutige Shoot-outs, Splattereinlagen) in die knapp 250 Seiten, daß das Buch sich doch zu einem Pageturner entwickelt. Außerdem spart Koman nicht an gelegentlich zynischem Humor und Referenzen an Millenniums-Wahn und Verschwörungstheoretiker (die den Roman ersichtlich zu einer Art Kultbuch erhoben haben). Ziemlich breiten Raum nimmt auch eine definitiv antireligiöse Grundtendenz und Skepsis gegenüber organisierten religiösen Kulten ein (Koman läßt Raum für anderweitige Interpretation, indem er diese Ausführungen weitestgehend einem eher unwichtigen Nebencharakter überläßt. So gesehen überrascht nicht, daß Dell Ammos letztendlicher "Sieg" sich als wahrer Phyrrussieg entpuppt, da seine Bemühungen (SPOILER) lediglich eine organisierte Religion durch eine andere ersetzen - ein hübscher Plottwist, der aber etwas antelegrafiert daher kommt. Nichtsdestotrotz ist Der Jehova Vertrag ein höchst lesenswertes Buch, es ist einfach anders. Es vermengt Philosophie, Theologie, Horror, Action und Science fiction auf relativ kompaktem Raum, liefert Denkanstöße und ist sowohl für den anspruchsvolleren Leser als auch diejenigen geeignet, die "cheap thrills" bevorzugen. Leider derzeit wohl nicht in Print.


Colin Forbes - Endspurt

Heyne Verlag

Heutzutage, also anno 2002, ist es irgendwie erheiternd, einen der guten alten Cold-War-Thriller zu sehen oder auch zu lesen - die Zeiten, in denen Spion vs. Spion durch die Länder rauschten und sich mit diversesten Methoden die Lebenslichter auszublasen gedachte, sind vermutlich nicht wirklich vorbei, aber die neuen Feindbilder des 21. Jahrhunderts schreien ja nach anderer Art der "intelligence" (und wie weit's mit der her ist, haben wir ja am 11.09.01 erfahren dürfen). Colin Forbes' Agententhriller "Endspurt" (Original: "Double Jeopardy") stammt aus dem Jahre 1981 und damit aus den wirklich "guten alten" Zeiten der kalten Krieger. Die Prämisse ist nicht gänzlich uninteressant, wenngleich reichlich weit hergeholt - ein britischer Geheimagent wird auf dem Bodensee brutal verhackstückt, dafür verantwortlich zeichnet die deutsche, genauer gesagt, bayerische Neonazi-Organisation Delta, die sich bei den anstehenden bayerischen Wahlen gute Chancen ausrechnet, gegen den Kommunisten Tofler, der den Freistaat aus der BRD ausgliedern will, ein gutes Ergebnis zu erzielen. Der britische Geheimdienst ist besorgt - ist doch justament am Tag nach den Wahlen ein Meeting der vier wichtigsten westlichen Regierungschefs in Wien angesetzt und aus purem Spaß anner Freud haben die Großkopferten beschlossen, von Paris aus über Deutschland per Zug nach Wien zu reisen. Tim Tweed, der zweite Mann im Secret Service, setzt seinen Top-Agenten Keith Martel darauf an, das Ableben des Agenten aufzuklären. Martel reist in die Schweiz und sieht sich von Stund an verschiedenen Anschlägen auf Leib und Leben angesetzt, kann aber mit Hilfe der Schweizer Agentin Claire Hofer herausfinden, daß Delta tatsächlich einen Anschlag auf einen der Regierungschefs vorbereitet - unterstützt vom ostdeutschen Topterroristen Manfred... Das könnte durchaus eine filmreife Agentenhatz werden, und der Plot ist in der Tat interessant, beliefert den Leser mit reichlich Fallstricken, falschen Fährten und überraschenden Twists und Turns, aber letztendlich ist das Endresultat, das Forbes uns über 320 Seiten beschert, ärgerlich. Ich will mal gar nicht über den Murks reden, daß die Naziorganisation Delta gleichzeitig Waffenlager anlegen kann, zu freien Wahlen aussichtsreich antritt und absolut ohne jegliche Tarnung, dafür noch mit Werbung (per Abzeichen an den ausführenden Killern) brutale Morde begeht - ich weiß, das man uns im Vereinten Königreich grundsätzlich alles zutraut, aber das ist schon ein wenig zu viel des Guten.... Wäre aber auch noch nicht das Hauptproblem, aber ich bestreite, daß Colin Forbes auch nur das geringste Talent zur Schriftstellerei hat. "Endspurt" hat keine vernünftige Struktur, fiedelt Rückblenden ohne Sinn und Verstand ein (und ohne "Ankündigung" - mehr als einmal findet man sich zu eigenem großen Erstaunen in einer Szene wieder und erfährt etliche Seiten später, daß diese zwei Wochen VOR dem eigentlich gerade geschilderten Ereignis stattfand), ist sprachlich manchmal eher unbeholfen (was natürlich auch an der Übersetzung liegen kann) und ist stellenweise einfach unnötigerwiese brutal. Ich bin der letzte, der was gegen zünftige Splattereinlagen hat, aber hier verkommt blood'n'gore zum Selbstzweck. Der Showdown und die Auflösung des ganzen wird von Forbes dann noch völlig undramatisch präsentiert (zwar ist das entsprechende Ereignis schon dramatisch, aber Forbes schildert es eher beiläufig in drei Absätzen). Des weiteren ist Forbes überhaupt nicht in der Lage, einen sympathischen Charakter zu beschreiben - sein Held Martel kommt über weite Strecken als arroganter Snob (das kann natürlich Absicht sein), Claire Hofer wird hauptsächlich von Martel angeblafft, die Fraktion der Fieslinge ist uncharismatisch und stellenweise erstaunlich blöde. "Endspurt" ist insgesamt ein mehr als nur enttäuschender, nämlich ein, ich sagte es schon, ärgerlicher Roman. Wenn man dem Buch überhaupt etwas positives entnehmen will, dann sind es recht detailgetreue Ortsbeschreibungen (vor allem Lindau kann man mit diesem Buch anstelle eines Stadtplans erkunden), aber für einen Thriller, der durchaus Spannungspotential hätte, ist das arg dürftig. Von mir gibt's ein heftiges "FINGER WEG!".


Lothar Streblow - Raumschiff Pollux

Boje Verlag

Mein Gott, waren wir früher mal jung. Naja, ich zumindest (bin ja auch schon steinalt, hehe). Neulich sortierte ich in einem Waschkorb alter Bücher herum, beim Versuch, noch mehr Platzwegnehmendes für den nächsten Flohmarkt auszufiltern. Dabei blieb ich bei einigen Büchern aus der guten alten Serie "Boje Weltraumabenteuer" hängen. Wer kennt die noch? Für vor 1980 Geborene... in den 70ern gab es hin und wieder noch vernünftige Jugendbücher (ein Markt, der von so ziemlich allen Verlagen inzwischen kampflos dem großen Dämon Fernsehen und Computer überlassen wurde), man erinnere sich (ggf.) an Rolf Ulrici und seine GIGANTO- und MONITOR-Bücher. Und es gab eben auch die Boje-Bücher. Boje brachte juvenile SciFi aus den USA oder England auf den Markt, veröffentlichte alte (damals durchaus für den Erwachsenenmarkt gemeinte) Walter-Ernsting-Schmöker und, womit wir endlich auf den Punkt kommen, Lothar Streblows Raumschiff-Pollux-Romane. Streblow, hauptamtlich Hörspielschreiber (womit man in der guten alten Zeit noch Geld verdienen konnte? Wunder...) und Autor von SF-Kurzgeschichten (Heyne veröffentlichte später mal mindestens zwei Taschenbücher), hatte mit der Pollux-Reihe das Anliegen, ökologisches Verständnis bei Kindern (die Bücher wurde "ab 10 Jahren" empfohlen) durch Zuhilfenahme spannender Science-Fiction-Themen zu wecken (ein Ansatz, bei dem die meisten sogenannten Pädagogen wohl heute noch im Dreieck springen) - das erste Buch, "Die Bewohner des Grünen Planeten" erschien ursprünglich 1974 und datiert damit DEUTLICH vor der Etablierung der Grünen oder überhaupt einer echten Umweltschutzbewegung und war seiner Zeit damit weit weit voraus. Drei der fünf Bücher besitze ich und in einem Anfall von sentimentaler Erinnerung las ich alle drei an einem Nachmittag (da keins der Bücher länger als 120 Seiten ist, ist das durchaus machbar). Und siehe da - auch anno 2002 haben die Bücher wenig von ihrer Aktualität eingebüßt und erweisen sich darüber hinaus trotz einer gewissen Simplizität der Sprache (wie's bei Jugendbüchern halt nun mal so ist) auch für Erwachsene immer noch als lesbar... Im einzelnen zu den von mir gehüteten Schätzchen: "Die Bewohner des Grünen Planeten", ca. 110 Seiten Das Forschungsraumschiff Pollux ist vom "Galaktischen Rat" mit dem Auftrag losgeschickt worden, für die Hunger leidende Menschheit neue Nahrungsquellen zu erschließen. Ein Dschungelplanet scheint ideale Voraussetzungen zu bieten, doch der Schein trügt. Wie ein Wissenschaftlerteam um Professor Ndanga und seinen Assistenten Salokin Nolnow herausfindet, sind die vermeintlich tierischen Bewohner des Planeten hochintelligent und damit keinesfalls als Jagdbeute zu gebrauchen, doch Koordinator Nardes (in der Rolle des Evil Capitalist) will von telepathisch begabten Wesen nichts wissen. Ndanga und sein Team werden zur Flucht in die Wildnis gezwungen, doch das ist nicht das einzige Problem. Das Auftauchen der Terraner hat das empfindliche ökologische Gleichgewicht des Planeten gestört und das führt nahtlos in eine Katastrophe - für die Terraner! "Der Computerplanet" (Band 3 der Serie), ca. 110 Seiten Auf der Suche nach einem vermißten Raumkreuzer (was sich in Band 2, "Zielplanet Rondir II", abzeichnet) stößt die Pollux auf einen seltsamen Planeten, dessen einziger Kontinent komplett von einer aus einem Einheitsmaterial hergestellten Riesenstadt bedeckt wird. Doch die Stadt scheint verlassen. Während der Untersuchung der Häuser wird das Team um Professor Ndanga plötzlich von humanoiden Wesen gefangengenommen - der Planet ist also keinesfalls entvölkert. Mit Schrecken müssen die Wissenschaftler feststellen, daß nicht nur der vermißte Raumkreuzer hier festgehalten wird, sondern der Computer, der als unerbittlicher Herrscher über die Reste der Planetenbevölkerung regiert, sich mit dem Gedanken trägt, mit Hilfe der Pollux die Erde zu erobern! "Der Wasserplanet" (Band 5 der Serie), ca. 125 Seiten Die Pollux entdeckt einen vollständig wasserbedeckten Planeten. Auf einem Atoll gelingt die Landung und rasch lernen die Wissenschaftler um Professor Ndanga die vorherrschenden Spezies kennen - es gibt offenbar drei vernunftbegabte Spezies auf dem Planeten, die unter Wasser leben. Die humanoiden Wasserbewohner bauen sogar Algen an und die könnten die Ernährungsprobleme der Erde für lange Zeit lösen. Es gelingt Ndanga, mit dem Führer der Humanoiden ein Abkommen auszuhandeln, aber da droht dem Unternehmen eine Gefahr aus der Vergangenheit. Radioaktiver Giftmüll, von den Vorfahren der Wasser-Humanoiden, die den Untergang ihrer Kontinente selbst verschuldet hatten, bedroht nicht nur den Plan, Terra mit Nahrung zu beliefern, sondern das Leben aller Wasserbewohner selbst!

Streblow gelingt es in allen drei Bänden, leider noch heute aktuelle Thematiken in unterhaltsame und gut lesbare spannende Geschichten zu verpacken. Dem Autor kommt dabei zu gute, daß er sich bewußt ist, für ein junges Publikum zu schreiben, gleichzeitig aber weiß, daß er seine Leserschaft deswegen nicht für dumm halten muß (viel zu viele Kinder- und Jugendbücher bzw. deren Autoren scheinen der Ansicht zu sein, daß ihre Leser gehirnamputiert oder zumindest extrem dämlich wären). Die Bücher sind der lebende Beweis dafür, daß es sich lohnt, auch eine jugendliche Leserschaft ernst zu nehmen, ebenfalls dafür, daß man durchaus auch eine sinnvolle, wichtige und richtige Botschaft in Unterhaltungslektüre für eben ein solch jugendliches Publikum verpacken kann, ohne peinlich zu wirken oder zu sehr mit dem erhobenen Zeigefinger zu winken. Streblow schafft es, komplizierte Zusammenhänge wie (z.B. im ersten Band) das diffizile Zusammenspiel eines ausbalancierten Ökosystems anhand griffiger und einfach nachzuvollziehender Beispiele aufzuzeigen - und das, ohne dabei eine flotte, untheraltsame Geschichte aus den Augen zu verlieren. Wenn man den Büchern überhaupt eine Schwäche anlasten kann, dann die, daß seine Hauptpersonen etwas zu edel, zu vollkommen sind - sie machen keine Fehler, durchschauen alle Probleme sofort und haben immer in Nullkommanix eine Lösung parat. Zwischenmenschliche Konflikte gibt es kaum (im ersten Buch gibt es immerhin noch den unliebsamen Koordinator Nardes, der aber ebenso wie der Militär Newman im dritten Buch relativ problemlos einknickt und auf Gutmenschen-Linie einschwenkt). Angesichts des knappen Umfangs der einzelnen Bände ist aber verständlich, daß auf ausführliche Charakterisierungen verzichtet wurde - Streblow war der temporeiche Fortgang seiner Geschichten und die Verdeutlichung seines Anliegens wichtiger - und beides kann man ihm kaum verübeln. Summa summarum sind die Abenteuer der Raumschiff-Pollux-Reihe Jugendliteratur, wie sie sein sollte und leider eigentlich fast nie ist, spannend, lehrreich, lesbar. Eine uneingeschränkte Empfehlung und wer irgendwo noch ein Exemplar ergattern kann, sollte nicht zögern, es für seine eigenen Nachkommen (und seien es potentielle - bis dahin kann man's sehr gut selber lesen) zu erwerben.


Roland Seim/Josef Spiegel - Ab 18

Telos Verlag, Paperback (ca. 15 EUR)

Zensur ist und bleibt ein heikles Thema, gerade in diesem unserem Land, in dem eine solche, wenn man dem Wortlaut unseres Grundgesetzes glaubt, ja "nicht stattfindet". Roland Seim und Josef Spiegel zeigen in der nunmehr dritten, erweiterten Auflage der schon zu einer Art Standardwerk heraufgewürdigten Streitschrift "Ab 18" deutlich auf, welch faden Beigeschmack dieses uns verfassungsrechtlich gewährtes Grundrecht bekommen hat. Das mittlerweile recht umfangreiche Werk beginnt mit einer ausführlichen Abhandlung zur Kulturgeschichte der Zensur, beginnend in der Antike bis hin zu Beispielen aus der jüngsten bundesrepublikanischen Vergangenheit und streift dabei alle Aspekte der zensurbedrohten Kultur - vom Film über das gedruckte Wort, bildende Kunst, Comics - es gibt kaum ein Medium, das nicht schon ins Blickfeld der Zensur geraten ist. Seim und Spiegel vergessen nicht darauf hinzuweisen, daß ein Großteil der hierzulande verübten Zensur eigentlich mehr vorausgaloppierende Vor- und/oder Selbstzensur und weniger Staatsräson ist, was uns mündige Bürger eigentlich umso bedenklicher stimmen müßte, da einem solch vorauseilendem Gehorsam nur schwer beizukommen ist. Neben dieser ausführlichen "Kulturgeschichte", der Fälle wie die unendliche Geschichte um den TANZ DER TEUFEL, die diversen Zensur-Probleme der Satire-Zeitschrift TITANIC oder den skandalumwitterten Song "Geschwisterliebe" unserer aller Lieblings-ÄRZTE anreißt, präsentiert das Werk umfangreiches Quellenmaterial, Literaturhinweise sowie einige interessante Beiträge und Interviews von bzw. mit Betroffenen. So kommt z.B. Jörg Buttgereit, mit seinen NEKROMANTIK-Filmen ins Visier aufmerksamer Staatsanwälte geraten, ebenso zu Wort wie "Die angefahrenen Schulkinder", die mit ihren Songs "Tötet Onkel Dittmeyer" und "I want to make love to Steffi Graf" in die Mühlen der Justiz gerieten, des weiteren die Punk-Metal-Band RUMBLE MILITIA. Abgerundet wird das Buch durch zahlreiche Abbildungen von zensierten Comics, Plattencovern etc. und einigen in vollständigem Wortlaut abgedruckten Beschlagnahme-Urteilen, Strafbefehlen etc. Für den kulturgeschichtlich interessierten Konsumenten und den Kulturschaffenden schlechthin ein eigentlich unverzichtbarer Leitfaden, mit dem ich nur ein einziges Problem habe: aufgrund der Herkunft des Ursprungstext (ursprünglich die Dissertation von Roland Seim) ist das ganze mitunter schon recht schwer lesbar, was durch teilweise unglückliches Layout (was die Platzierung der Abbildungen angeht) und die nicht wirklich glückliche Wahl von Schriftart- und Größe noch zusätzlich schwieriger gemacht wird. Nicht was zum flockigen Nebenherlesen, sondern für einen konzentrierten Lesenachmittag oder -abend, nichtsdestoweniger ein wichtiges, mutiges, offenes und sehr kritisches Buch, das jedem, der auch nur ansatzweise am Thema Zensur und ihre Folgen (und welcher Horrorfilmfan ist das nicht?) wärmstens ans Herz gelegt wird. Mich wundert eigentlich nur, daß "Ab 18" trotz der vielfältigen Darstellungen von indizierten Werken aller Art nicht selbst schon auf dem Index jugendgefährdender Schriften gelandet ist, sondern z.b. bei amazon.de problemlos erhältlich ist. Vermutlich deswegen, weil unsere Jugendämter zu sehr damit beschäftigt sind, alles an Unterhaltung für Erwachsene, was sittlich verwerflich sein könnte, zu begutachten, als sich mit einer intelligenten Auseinandersetzung mit dem Thema zu befassen.


STEPHEN KING - Danse Macabre

Heyne Verlag, Taschenbuch

Stephen King einmal anders. In diesem mittlerweile auch schon zwanzig Jahre alten Buch untersucht King, noch relativ früh in seiner Karriere, die Spuren des Horrors in amerikanischer Literatur und Film auf eine recht persönliche Art und Weise. In angenehm flotten Schreibstil beschäftigt sich King eben auch ausführlich mit Horrorfilmen, wobei er neben ausführlichen Exkursen zu den seiner Meinung nach einflußreichsten Horrorfilmen (u.a. Amityville, Stepford Wives etc.) sich auch zum B-Horror-Film äußert und einige nette Worte zu ROBOT MONSTER oder EARTH VS. FLYING SAUCERS verliert (auch wenn PLAN 9 nicht gerade nett wegkommt). Auch die Anmerkungen zu Horror im Fernsehen (durch dieses Buch kam ich überhaupt erst dazu, mir THE NIGHT STALKER zuzulegen), im Radio und natürlich in Buchform sind hochinteressant. Ein Buch zum Immer-wieder-nachschlagen, erfreulich unprätentiös geschrieben. Ein "Update" des Buches würde mich sehr interessieren.


Hahn/Jansen - Lexikon des Horror-Films

Heyne Verlag, Taschenbuch

Hahn und Jansen rezensieren "alle" im deutschsprachigen Raum aufgeführte Horrorfilme, eine Fleißarbeit, fürwahr (selbst wenn mir nur die 88er-Auflage vorliegt). Das Problem, das ich mit dem Werk habe ist, daß Hahn und Jansen selbst ein mindestens zwiespältiges Verhältnis zum Horrorfilm an sich haben, was sich darin ausdrückt, das jedweder "härtere" Horrorfilm, also alles, was auch nur ansatzweise nach Splatter oder Gore aussieht, gnadenlos runtergemacht wird. Auch der B-Film an sich ist nicht gerade das Revier der Autoren. Ausgeglichen wird das durch ausführliche Cast- und Crew-Angaben sowie die immer wieder aufschlußreichen Zitate aus zeitgenössischer Filmkritik, die das Buch zumindest als Nachschlagewerk in dieser Beziehung lohnend machen. Fragt sich nur, warum Autoren, die für das Genre des Horrorfilms an sich offenbar keinerlei Begeisterung oder auch nur Verständnis empfinden, sich bemüßigt fühlen, ein Nachschlagewerk eben hierfür zu realisieren. Daher nur eine sehr eingeschränkte Empfehlung.


Hahn/Jansen - Lexikon des Science-Fiction-Films

Heyne Verlag, großformatiges Taschenbuch

Ähnliches wie zum Horror-Film-Lexikon gilt auch für das Lexikon des Science-fiction-Films. Zwar beweisen Hahn und Jansen hier größeren Sachverstand (und ironische Schreibweise hilft gehörig weiter), aber auch hier zeigt sich eine deutliche Abneigung hinsichtlich Low-Budget-Filmen. Störend für Besitzer beider Bücher sind natürlich auch eine Vielzahl von Doppellistungen in beiden Werken (was z.B. schon deswegen inkonsequent ist, da im Horror-Film-Lexikon GODZILLA als eindeutige SF eingestuft wird, aber zahllose eindeutige Horrorfilme auch im SF-Band enthalten sind). Dennoch ist das Werk insgesamt für den Genrefreund ziemlich nützlich, nicht nur wegen der wieder ausführlichen Stab- und Besetzungsangaben. Daß der Tenor des Buches insgesamt ein freundlicherer ist als beim Horror-Band, indiziert, daß die Autoren dem SF-Genre von Haus aus erheblich zugeneigter sind.


Bertler/Lieber - Hölle Auf Erden

Bertler & Lieber Verlag, Paperback

Meines Wissens gibt es bislang vier Bände dieser durchweg empfehlenswerten Rezensions- und Lexikonreihe zum Horror- und Splatterfilm, spätestens zu Band 2 auch erweitert auf "blutreiche" Actionfilme z.B. made in Hongkong. Hier sind durchaus Genrekenner am Werk, die auch absolut unbekannte Filme nach Qualität und "Härte" bewerten und sich sogar trauen, indizierte und sogar beschlagnahmte Filme aufzunehmen. Erfreulich ist das klare und übersichtliche Layout (ein Film pro Seite), nachteilig sind gelegentlich besserwisserische Tendenzen (wen interessiert schon, bei welchem italienischen Billighorrorfilm BLACK EMMANUELLE Laura Gemser die Kostüme geschneidert hat? Bertler und Lieber fügen diesen Fakt mindestens fünfzehn Mal an...), manchmal liegen sie auch einfach falsch (so z.B. bei der Legende, MAD-MAX-Filmkomponist Brian May wäre der QUEEN-Gitarrist). Als echte Verstärkung für das Team erweist sich der mit Band 3 hinzugekommene Torsten Abel, dessen grandios ironische Reviews alleine schon den (stolzen) Preis wert sind. Die Verleger selbst können mit dessen Schreibe jedenfalls nicht wirklich mithalten. Ansonsten geben die Reviews aber verwertbare Anhaltspunkte, auch wenn die Jungs einen guten Trashfilm nicht immer erkennen, wenn er sie in die Nase beißt. Band 2 gibt neben den regulären Reviews einen Ausblick in die deutsche Amateurfilmszene, Band 3 rezensiert neben den 50 nach Meinung der Autoren wichtigsten "Klassiker" auch einen ganzen Schwung von Romanen. Sollte der Horrorfilmfan auf jeden Fall in seiner Sammlung haben.


Rudolph Grey - Nightmare in Ecstasy

deutscher Titel "ED WOOD", Heyne Verlag, Taschenbuch

Essential reading. Rudolph Grey rekapituliert Leben und Werk unseres Lieblingsregisseurs Edward D. Wood jr. auf einzigartige Weise. Grey stellt unkommentiert Aussagen von Woods Zeitgenossen, Freunden, Lebenspartnern in zeitlichen Kontext und baut daraus eine immer lesenswerte, teils widersprüchliche (was aber durchaus beabsichtigt ist) und hochgradig interessante Biographie des größten aller Badmovie-Schöpfers. Das Buch bietet viele Erkenntnisse über Wood's Leben und auch Sterben, zeigt deutlich und schonungslos den Niedergang Woods auf, verhehlt dabei aber nie die Sympathie für den Mann und Menschen Ed Wood. Abgerundet wird das Buch, das zu meinen immer wieder gelesenen Schatzis zählt, durch einen ausführlichen Anhang mit Filmographie sowohl beendeter als auch nie realisierter Werke sowie einem ebenfalls ausführlichen Teil, der sich Wood's Porno-Romanen widmet, z.T. mit Zitaten und/oder Inhaltsangaben. In Deutschland wurde das Buch als "Begleitbuch" zu Tim Burton's Film "ED WOOD" vermarktet. Für Badmovie-Fans ein unverzichtbares Kultbuch.