Bullet
Aus Badmovies.de
USA 1996, 92 min
Darsteller: Mickey Rourke (Butch "Bullet" Stein), John Enos III
(Lester), Adrian Brody (Ruby), Tupac Shakur (Tank), Ted Levine
(Louis), Matthew Powers (Paddy), Donnie Wahlberg (Big Balls),
Suzanne Shepherd (Cookie Stein)
Nach dem erfolgreichen Verbüßen einer längeren Haftstrafe kehrt
Gauner Butch "Bullet" Stein wieder ins heimatliche Brooklyn zurück,
aber heftigst ungeläutert. Kaum fünf Minuten auf freiem Fuß, macht
er sich schon an einem Drogenkurier dr lokalen Dealer-Größe Tank zu
schaffen und sorgt dafür, dass der Tank-Untergebene in Zukunft
keine Brille, sondern nur noch ein Monokel braucht. Tank schwört
die übliche Blutrache und beabsichtigt, Bullet mit manipuliertem
Heroin aus dem Verkehr zu ziehen, doch der Zufall, bzw. ein
Überfall einer weiteren rivalisierenden Gang, rettet Bullet noch
einmal den Hals. Aber das sind nicht die einzigen Sorgen, die
Bullet hat - da gibt's auch noch Freunde und Familie. Seinen besten
Freund Lester, selbsternannter Frauenheld, z.B., den Bullet für
latent schwul hält und die durchgeknallte Stein-Sippschaft: Vater
Sol würde es liebend gern sehen, wenn Butch endlich eine
bürgerlichen Existenz aufnehmen würde, Mamachen Cookie liebt ihren
Butchikutchie abgöttisch, was zu Lasten von Butchens Brüdern geht:
dem sensiblen Künstler Ruby, den Butch mit überschaubarem Erfolg
versucht, von der harten Straße wegzuhalten und den völlig
weggetretenen Armee-Veteranen Louis, der in seiner Freizeit
Nachbarskindern das richtige Aufschlitzen von Kehlen beibringt.
Sämtliche Subplots steuern auf ein kaum zu vermeidendes fatales
Finale zu...
Der Film: Hm, das ist ein sehr seltsamer Film, den uns Julien
Temple, der in den 80ern Cineasten und Kritiker mit dem visuell
überbordenden Musikfilm "Absolute Beginners" begeisterte und später
die charmant-spaßige Geena Davis/Jeff Goldblum-Komödie "Earth Girls
Are Easy" ("Zebo, der Dritte aus der Sternenmitte" bzw. "Mein
Liebhaber vom andern Stern") inszenierte, hier vorsetzt. "Bullet",
ko-geschrieben von Hauptdarsteller Mickey Rourke, stellt den
ultimativ gescheiterten Versuch dar, ein toughes Gangsterdrama mit
einer melodramatischen Familiengeschichte und einer Prise
beinharter Action zu verbinden - eigentlich ein Spezialgebiet, das
allenfalls Martin Scorcese und Abel Ferrara erfolgversprechend
beackern könnten. Trotz der sicherlich verfolgten "guten" Absicht
ist das Endresultat, wie zu befürchten, nichts Halbes und nichts
Ganzes.
Das liegt zum Teil in der verbesserungswürdigen Struktur der Story
begründet, die die beiden hauptamtlichen Handlungsstränge
Gangsterthriller/Familiendrama nicht wirklich parallel erzählt,
sondern eher "blockweise" arbeitet - mit der Folge, dass der Plot
um Tanks Racheplan zwischendurch mal für'ne lockere
Dreiviertelstunde vollkommen aus dem Fokus verschwindet, so dass
sich der geneigte Zuschauer fragen mag, ob der überhaupt noch mal
auftauchen wird. Ganz allgemein wirkt die Erzählweise des Films
relativ konfus, es gibt viel zu viele Charaktere, alles ist
reichlich unübersichtlich. Besonders nervig sind die teilweise
überschmalzigen Dialoge - okay, es ist irgendwie der, naja, Punkt
des Films, dass Bullet ein Tunichtgut mit Gutem Herzen (TM) ist,
aber tränenreiche Geständnisse wie "Mama... ich liebe dich" sind
eher stimmungstötend und andere Momente, in denen Bullet entweder
philosophiert oder nach Art des Amateur-Seelenklempners seine
Freunde analysiert, wirken schlicht und ergreifend deplaziert und
unglaubwürdig. Einige der Nebencharaktere sind zwar recht pfiffig
und die skurrile Familiengeschichte wäre, ohne den umgebenden
Gangsterschmu, vielleicht ein ganz nett-abseitiges Ensemblestück
geworden, aber das ist eben die Krux - der Film pendelt zu
uneinheitlich zwischen Familiendrama und Gangsterthriller hin und
her, ohne auch nur eins der beiden Themen befriedigend zu
beleuchten.
Die durchaus vorhandenen (und die FSK-18-Freigabe durchaus
rechtfertigenden) Härten wirken aufgesetzt und selbstzweckhaft -
sie passen irgendwie nicht in den Filmablauf und tragen nicht, wie
vermutlich gewünscht, zum "gritty" Realismus bei, sondern erwecken
eher den Eindruck, damit die Gorehounds bei Laune halten zu wollen.
Visuell kann der Streifen, wie bei einem versierten
Musikvideo-Regisseur wie Temple, durchaus überzeugen, ohne die
Wucht und die spektakulären Bilder, wie sie z.B. "Absolute
Beginners" auszeichneten, zu erzeugen (wobei der opening shot, über
den der Vorspann gelegt ist, phänomenal ist und durchaus noch
Remineszenzen an vergangene Großtaten des Regisseurs weckt).Ihm
gelingen einige nette Kontraste zwischen dem schmutzigen
Straßenleben und dem Glitter der Nachtclubs, aber auch hier besteht
das Grundsatzproblem, dass der Streifen trotz und auch wegen dieser
Kontraste nicht rund, nicht einheitlich wirkt.
Das Interessanteste an"Bullet" ist zweifellos die Besetzung.
Mickey Rourke hat sich eigentlich einen Parade-Charakter auf den
Leib schreiben lassen und spielt den auch recht ansehnlich (wenn
man von seinen Ausflügen ins Philosophische und seine tränenreichen
Familien-Diskursen absieht) und hat auch nicht vergessen, sich
einen recht harschen Boxkampf ins Script schreiben zu lassen.
Adrian Brody (später in Polanskis WWII-Drama "The Pianist" in der
Titelrolle und jetziges Hollywood-Darling) kommt als Bullets
sensibler Künstler-Bruder etwas zu kurz. Tupac Shakur, von allen
Rappern, die sich im Schauspielfach versuchten, sicher mit
derjenige, der sich im Filmmetier eine große Karriere hätte
aufbauen können (da er nämlich im Gegensatz zu einigen seiner
Kollegen wie Ja Rule, DMX und wie sie alle heißen, auch Talent
hatte), hätte er sich nicht kurz nach dem "Bullet"-Dreh erschießen
lassen, absolviert leider nur eine Art erweiterten Cameo, hat aber
einige passable Szenen. Schauspielerisches Highlight ist allerdings
Ted Levine ("The Mangler", "Schweigen der Lämmer") als völlig
wahnsinniger Armee-Veteran (mit der besten Dialogzeile des Films:
Mama fragt: "Soll ich dir was spezielles zu Essen kochen?" Antwort
Louis: "Neinnein, die Putskis haben ihre Katze draußen gelassen,
das wird wohl reichen!" Gröhl!) liefert eine wahre Tour-de-Force ab
(die ich allerdings um Himmels Willen nie in der englischen Fassung
hören möchte - Levine nuschel im Normalzustand schon nahezu
unverständlichen Wortbrei, aber hier hat er 80 % seiner Dialoge
ohne Zähne zu sprechen) - umwerfend, spektakulär und eigentlich
einen eigenen Film wert... Cameos von Willy DeVille und Donnie
Wahlberg bleiben vom Zuschauer nahezu unbemerkt.
Bildqualität: Mit "Bullet" stellt sich erstmals (ich weiß, ich
hinke der Zeit mal wieder hinterher) eine Veröffentlichung von
Planet Media vor. Und mit dem, was die Middle-Budget-Konkurrenz so
auf den Markt schmeißt, kann Planet durchaus mithalten. Der
Vollbildtransfer reißt keine Bäume aus, beleidigt aber durch seine
Existenz auch nicht gerade das Trägermedium. Die Farben sind okay,
ebenso die Schärfe- und Kontrastwerte, die Kompression ist recht
gut ausgefallen. Ein Transfer für den Hausgebrauch.
Tonqualität: Hier läßt Planet uns die Wahl zwischen einer deutschen
5.1- und einer deutschen 2.0-Spur. Letztere ist enorm leise
ausgefallen, so dass nicht nur aus Surround-Gesichtspunkten der
kräftigere 5.1-Track deutlich zu bevorzugen ist. Auch mit dem reizt
man seine Anlage nicht gerade aus, aber er ist zumindest
rauschfrei, gut verständlich und vernünftig abgemischt.
Extras: Lob und Tadel gibt es erst einmal für die Menügestaltung.
Lob dahingehend, dass die Gestaltung des Hauptmenüs als "Kinosaal"
recht pfiffig ist, Tadel dafür, dass auch Planet zu den Publishern
gehört, die zur "Einleitung" des Hauptmenüs den halben Film
abspulen (ich hasse das). An eigentlichen Extras gibt's außer dem
Trailer, einer Fotogalerie mit 10 Filmbildern und einer Trailershow
noch zwei Texttafeln mit knappen Informationen zu Mickey Rourke und
Tupac Shakur.
Fazit: Ich kann mir ganz gut vorstellen, dass Mickey Rourke dieses
Projekt ziemlich gut gefallen hat. Seine Titelrolle ist so ziemlich
der essentielle Mickey Rourke mit all seinen Facetten "Arschloch
vom Dienst", "Boxer" und gelegentlichem "Gefühlsmensch", und
prinzipiell wäre auch die Grundidee, auch wenn viele Entwicklungen
der Story arg vorhersehbar sind, gar nicht mal so schlecht (ich
allerdings hätte mich wegen des größeren Potentials für eine
Aufwertung der Familiengeschichte entschieden). Die
Uneinheitlichkeit des Scripts läßt allerdings nicht zu, dass sich
einer der beiden Storyangle wirklich großartig entwickelt, die
Geschichte verstrickt sich in ermüdender Episodenhaftigkeit und
versucht nur, durch die plakativen Gewaltausbrüche wieder in Fahrt
zu kommen, ansonsten bewegt sich der Streifen trotz der
gelegentlich ansprechenden visuellen Arbeit von Regisseur Temple zu
sehr im Bereich mediokrer Langeweile. Einzige Ausnahme ist der
wirklich glänzend aufgelegte Ted Levine, von dem man gern mehr
sehen würde. Die DVD von Planet kann von ihrer technischen
Umsetzung her durchaus in ähnlichen Preissegmenten operierenden
Konkurrenten wie VCL, Highlight oder e-m-s mithalten.
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