Caesar and Cleopatra
Aus Badmovies.de
Regie: Gabriel Pascal
Darsteller: Claude Rains (Julius Caesar), Vivian Leigh (Cleopatra),
Stewart Granger (Apollodarus), Flora Robson, Francis
L. Sullivan (Pothinus), Basil Sydney (Ruffio), Cecil Parker
(Britannus)
Julius Caesar, Chef des römischen Weltreichs, mittlerweile gealtert
und in einer leichten Sinnkrise, fällt mit ein paar Legionen in
Ägypten ein, um den alten Pyramidenbauern Mores und römische
Lebensart zu lehren. Die Ägypter sind aber mit sich selbst
beschäftigt, alldieweil die sechzehnjährige Cleopatra (unter der
Fuchtel ihrer tyrannischen Amme stehend) und ihr noch jüngerer
Bruder Ptolemäus (angeleitet von seinem Vormund Pothinos) um den
Landesthron balgen. Caesar wirft ein Auge auf die schöne, aber
reichlich naive und nicht gerade hochintelligente Cleo (die hält
Römer ursprünglich für siebenarmige Monster mit Elefantenrüsseln
und Caesar nach persönlicher Sichtung für einen "netten alten
Mann"), versucht aber zunächst, die Ägypter zu einer "ein Land-zwei
Könige"-Regelung zu bewegen, was am Widerstand der
Ptolemäus-Fraktion scheitert. Caesar verschanzt sich mit seinen
zahlenmäßig den ägyptischen Streitkräften (die von einem römischen
Überläufer angeführt werden) unterlegenen Legionen mit Cleopatra im
alexandrinischen Königspalast und widersteht tapfer (und den
Ptolemäern Rätsel aufgebend) der monatelangen Belagerung. Während
Caesar dem Charme der Königin zu verfallen scheint, lernt diese
(die übrigens schwer in - den im Film nicht vorkommenden -
strahlenden Schönmann Marcus Antonius verschossen ist) schnell, wie
man Machtpolitikerin im antiken Stil wird. Sie spekuliert darauf,
dass Caesar ihre innenpolitischen Widersacher ausschaltet, sich
anschließend nach Rom verzupft und sie sich ins gemachte Bett legen
kann. Ob ihr der sizilianische Künstler und Teppichhändler
Apollodarus bei ihren Plänen dienlich sein kann?
Der Film: Ich weiß nicht, ob die Briten nach dem Ende des Zweiten
Weltkriegs den damit einhergehenden Verlust von Empire und
Weltmachtstellung damit zu kompensieren gedachten, Hollywood im
Bereich der Monumentalfilme eins auszuwischen (okayokay, hab grad
nachgekuckt, der Film wurde noch 1944 begonnen, da tobte der Kampf
ja noch), aber "Caesar and Cleopatra" sieht irgendwie schon danach
aus, als hätten die insularen Filmemacher ein paar
Minderwertigkeitskomplexe zu bewältigen gehabt. Für ein prächtiges
Technicolor-Spektakel heuerten die Produzenten also den großen
Dramatiker und Literaturnobelpreisträger George Bernard Shaw an,
sein eigenes Bühnendrama für die Leinwand zu adaptieren, liehen
sich beim Hollywood-Filmmogul David O. Selznick "Vom Winde
verweht"-Star Vivian Leigh aus ("by special arrangement", wie sich
die höflichen Credits auszudrücken belieben), engagierten jeden
freilaufenden britischen Theatermimen, dessen man habhaft werden
konnte, hatten ein üppiges 6-Mio-Dollar-Budget (1945, wohlgemerkt)
zum Verbraten und setzten die gesamte Prestigeoperation dann
gepflegt und nach allen Regeln der Kunst in den (Studio-)
Wüstensand.
Jetzt könnten wieder kritische Bürger daherkommen, dass ich als
Joseph-Lai- und Fred-Olen-Ray-Fan nicht dazu berufen bin,
klassisches Star-Drama-Kino aus vergangenen Tagen zu zerreißen,
aber was soll ich machen, wenn ich bei einem (wie sich aus obiger
Inhaltsangabe ja auch ergibt) völlig ernst gemeinten epischen Drama
phasenweise vor Lachen am Boden liege? Das ist höhere Gewalt, da
kann ich nix für! "Caesar and Cleopatra" ist nur unwesentlich
unwitziger als der Schaffenshöhepunkt der englischen "Carry
On"-Brachialkomikertruppe, "Ist ja irre - Cäsar liebt Cleopatra",
mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass die
Ist-ja-irre-Belegschaft hart und bewußt daran arbeitete, ihren Film
lustig zu machen, während das Multimillionenepos mit Starbesetzung
bis in die kleinste Nebenrolle das gleiche Kunststück ungezwungen
und unbeabsichtigt fertigbringt.
So, und jetzt, wo's an die Begründung dieser These geht, rastet
Schreiber dieser Zeilen völlig aus und maßt sich an, einem
Literaturpreisträger wie George Bernard Shaw posthum zu
verklickern, dass sein Script nix taugt (und da mich bis dato kein
göttlicher Blitz der Rache getroffen hat, scheine ich da nicht ganz
verkehrt zu liegen). Und zwar sowohl aus grundsätzlicheren als auch
speziellen Erwägungen. Zunächst zum "Grundsätzlichen" - "Caesar and
Cleopatra" krankt heftigst an der Tatsache, dass der Film sich
beinahe über die komplette Laufzeit wie ein abgefilmtes
Theaterstück spielt. Praktisch alle Szenen sind sehr lange
Dialogszenen an jeweils einer Location, da kann man sich förmlich
die Umbaupausen auf der Theaterbühne nach jeder größeren Sequenz
vorstellen - das sieht dann so aus, dass ein paar Gesellen in einem
(zugegeben, zumeist luxuriös-schwelgerisch ausgestatteten) Set
rumstehen und/oder -sitzen und labern, als würd's um ihr Leben
gehen. Man merkt, das ist ein Drama, das 1:1 von einem Bühnenstück
übernommen wurde und bei dem keiner der Produzenten oder der
Regisseur den Mut hatte, da und dort mal ein wenig zu kürzen, etwas
Bewegung, etwas kinematische Aktion einzubauen. Dummerweise (für
Shaw und seinen Ruf) spielt sich das ganze Stück aber nicht als
hohes Drama, sondern eher als burleske Boulevardkomödie, was in den
teilweise zum Brüllen komischen Dialogen und dem schieren
Unverständnis, mit dem die renommierten Mimen ihrer Aufgabe
entgegentreten (womit wir bei den "speziellen Erwägungen" wären)
begründet liegt. Ich meine, wie anders als mit schallendem Gelächer
kann man reagieren, wenn gen Filmmitte plötzlich und unerwartet
Stewart Granger als Apollodarus auftaucht (völlig ungeklärt
übrigens, wer der Knabe eigentlich ist und wieso er plötzlich
erscheint) und sich bedeutungsschwanger mit den Worten "Ich bin
Künstler UND Sizilianer" (Betonung authentisch) vorstellt? Oder
wenn ein römischer Zenturio Cleopatras Amme respektlos (und
zutreffend) als "ägyptische Vogelscheuche" tituliert? Cleopatra in
der Anfangsszene, als sie Caesar zum ersten Mal trifft und noch
keine Ahnung hat, wer der Knabe eigentlich ist, in einem herzigen
Monolog rezitiert, wie sie sich Römer vorstellt (und die
entsprechende Reaktion Caesars ist auch drollig)? Oder, um von den
Dialogen abzukommen, ungeahnte Gipfel der Situationskomik erklommen
werden, wenn Ptolemäus und Cleopatra sich stilvoll gegenseitig die
Zungen rausstrecken oder Caesar in Ermangelung einer anderweitigen
Sitzgelegenheit zum Entsetzen des versammelten ägyptischen
Establishments auf einer heiligen Opferschale Platz nimmt? Caesar
sich, kurz vor einer entscheidenden Schlacht, auf die Brüstung
einer Wehrmauer setzt und die Beine baumeln lässt, als säße er auf
einer Hollywoodschaukel auf der Veranda? Tut mir leid, ICH kann da
nur noch herzlich lachen - mindestens 90 der 122 Minuten Laufzeit
(wobei die vorliegende Fassung noch um gut 20 Minuten gegenüber der
Originalversion gekürzt ist), spielen sich als unfreiwillige
Komödie, erst im letzten Akt wird's einigermaßen dramatisch (aber
auch nicht wirklich ernstzunehmen).
Bevor ich darauf eingehe, wie auch die Schauspieler themselves ihr
Scherflein zum grandiosen Scheitern der Operation beitragen, ein
paar Anmerkungen zur technischen und handwerklichen Seite. Dass
Gabriel Pascal kein Regisseur ist, merkt man sehr deutlich (er hat
ausser diesem Film nur 1941 die Komödie "Major Barbara" auf dem
Kerbholz und war ansonsten überwiegend als Produzent, so z.B. bei
der Oscar-prämierten Shaw-Adaption "Pygmalion" tätig) - ihm fehlt
jeglicher Blick fürs "Kinematische", das ist schlichtes Abfilmen,
was um so tödlicher für den Film ist, als er ja schon vom Script
her nicht mehr als ein Theaterdrama ist, das dringend ein wenig
Nachhilfe in Form inszenatorischer Finesse gebraucht hätte. Gerade
durch diesen uninspirierten Umgang mit dem Medium muss man als
Zuschauer ja geradewegs auf die Unzulänglichkeiten von Script (und
Umsetzung des selben) sowie Schauspielern stoßen... nur die
zugegeben prächtigen Kulissen und die üppige Ausstattung allein
(auch wenn die meisten "Exteriors" mühelos als Studioaufnahmen
erkennbar sind) lenken von diesen Problemen und Problemchen nicht
ab. Für einen "Monumentalfilm" fehlt ein wenig das "monumentale" -
es gibt zu wenig große Massenszenen (von den großen Schlachten
erfahren wir meistens nur dadurch, dass ein Zenturio o.ä. von deren
Ausgang berichtet), aber das liegt natürlich auch im Drehbuch des
Dramatikers Shaw begründet, dem's ersichtlich weniger um die
Möglichkeiten der filmischen Umsetzung ging (geschweige denn um
historische Akkuratesse), sondern um eine werkgetreue Übertragung
seines Bühnenstücks - und da Theater und Film zwei zwar verwandte,
aber dennoch völlig unterschiedliche Medien sind, kann das nicht im
Sinne von GROSSEM KINO funktionieren (Shaw musste denn auch für
sein Script auch von der zeitgenössischen Kritik ungeahnte Prügel
einstecken).
Ein nicht zu unterschätzender Fakt für die Beurteilung des Films
als "unfreiwillige Komödie" liegt sicher auch in der schon
erstaunlich konsequenten Fehlbesetzung der Hauptrollen begründet.
Claude Rains ("Der Unsichtbare", "Casablanca") steht seinem
Charakter offenbar recht ratlos gegenüber - das Script möchte aus
Caesar gerne einen "altersweisen" Politiker machen, der um ein
friedliches Zusammenleben und Ausgleich mit dem von ihm
unterworfenen Völkern bemüht ist, einige seiner früheren Maßnahmen
wie die Tötung des Gallierchefs Vercingetorix zutiefst bedauert
sowie darüber hinaus ein echtes Problem mit seinem Alter hat, aber
Rains versteht es in keiner Sekunde, die beabsichtigte Dramatik des
Charakters zu verkörpern - er spielt den Caesar viel zu sehr
"tongue-in-cheek" als verschmitzt-lustigen Gesellen, der das ganze
Treiben um ihn herum nicht sonderlich ernst nimmt (er spielt sogar
mit soviel "Augenzwinkern", dass er ab und an gewisse Lines
- tatsächlich* mit einem Augenzwinkern serviert). In Zusammenwirken
mit seinem knautschigen Gesicht könnte man das wirklich für eine
beabsichtigte komödiantische Performance halten. Chemistry mit
Vivian Leigh als Cleopatra verbindet ihn dabei null und gar keine.
Obwohl die damals 32-jährige Leigh die 16-jährige Cleo einigermaßen
plausibel-kindlich verkörpert, spielt sie die Rolle viel zu sehr
als naives Dummchen, ihre Konvertierung zum Machtmenschen bleibt
dadurch unglaubwürdig, mal ganz abgesehen davon, dass sowohl Script
als auch die Darstellung der beiden ausführenden Künstler die
sexuelle Komponente völlig negieren bzw. nicht verstehen (Caesar
findet sich zu Cleopatra, so scheint's zumindest im Film, nicht
aufgrund ihrer Schönheit - die hübsche Nase übrigens, die schon
Asterix beobachtete, ist tatsächlich hübsch :-) - hingezogen,
sondern eher, weil ihn ihre kindliche Naivität amüsiert) und sich
die ganze Chose schon deswegen ins Knie schießt, indem es Cleopatra
von den starken Armen eines Marcus Antonius (den wir, wie erwähnt,
im ganzen Film nie sehen) schwärmen lässt, den
muskulös-attraktiv-heldenhaften Apollodarus aber, von einer rein
erotisch-körperlichen Seite her gesehen, nicht mal eines Blickes
würdigt. Stichwort Apollodarus - Stewart Granger spielt seinen
Charakter, als wär's ein Bewerbungsvideo für Gladiatorenfilme und
spätestens, wenn er mit einem anmutigen Kopfsprung von der
Hafenmauer ins Meer jumpt und man als Zuschauer nur noch auf die
Einblendung der Kampfrichter-Noten wartet, ist's um jeden
seriös-dramatischen Approach des Films sowieso geschehen. Aber, wie
gesagt, das macht das ganze Treiben um so lustiger, denn die
weiteren Darsteller zelebrieren ihre Rollen ähnlich
cartoonesk-unpassend: Flora Robson ("Kampf der Titanen") als
Schreckschrauben-Amme, Francis L. Sullivan ("Great Expectations")
als schmieriger Pothinos, Basil Sydney ("Salome") als
trunkfreudiger Heerführer Ruffio, Cecil Parker ("Das Rätsel des
silbernen Dreiecks", "Carry on Jack") als Caesars britannischer
Sekretär, das sind alles völlig unglaubwürdige, aber hochgradig
erheiternde Figuren. "Klaatu" Michael Rennie mimt einen Zenturio.
Bildqualität: Für eine Grabbeltisch-Veröffentlichung ist Power
Station/Magic Videos Release mit einem ordentlichen Bild gesegnet.
Das Bildformat ist mit 4:3-Vollbild nicht ganz im Original-Ratio
(1.37:1) gehalten, aber es geht nicht viel verloren (man merkt's
eigentlich nur an einigen fehlenden Buchstaben im Abspann), dafür
aber ausgesprochen hübsch. Schöne Technicolor-Farben, wenig
Verunreinigungen/Artefakte, für den Preis der Scheibe
zufriedenstellende Kontrast- und Schärfewerte, die Kompression geht
erst bei hohen Zoomstufen etwas aus dem Leim, aber (auch weil der
Film entsprechende Szenen gar nicht hergibt) Nachzieheffekte o.ä.
stellen sich nicht en.
Tonqualität: Der O-Ton hätte mich hier schon stark interessiert
(schon allein der Dialoge und ihrer Betonung wegen), aber mit der
deutschen Fassung in Dolby 2.0 kann man durchaus leben. Ein
leichtes Grundrauschen ist zu verzeichnen, stört aber nicht
wirklich (man weiß ja auch, dass man einen fast 60 Jahre alten Film
ansieht), die Sprachqualität ist gut, und ein Soundeffekt-Gewitter
braucht man ja auch nicht zu erwarten.
Extras: Nichts.
Fazit: "Caesar and Cleopatra" ist als Filmadaption eines
klassischen Dramas rundweg als gescheitert zu beurteilen, macht
aber, wenn man vergißt, was die eigentliche Intention des Streifens
war, eine ganze Menge Spaß - es fällt sehr schwer, sich nicht
köstlich darüber zu amüsieren, dass der Film als Drama mißraten,
dafür aber als unfreiwillige Komödie über weite Strecken bestens
funktioniert. Da machen sich wirklich GROSSE Mimen in einem
ziemlich vermurksten Script eines Oscar- und Nobelpreisträgers zum
Harry (bewußt oder unbewußt, bei Claude Rains möchte ich wirklich
fast glauben, er treibt seine Schelmereien mit Absicht), das sorgt
für Frohsinn und gute Laune. Ich hab jedenfalls oft gut gelacht
und/oder ungläubig gestaunt und das bei einem Film, von dem ich
weder das eine noch das andere erwartet hätte. Wer ein paar Euro
übrig hat und sich mal etwas anders unterhalten lassen will, kann
ruhigen Gewissens zur Power-Station-Scheibe greifen, denn Bild und
Ton sind angesichts des Alters des Films aller Ehren wert...
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