Caligula

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Originaltitel: CALIGOLA; Alternativtitel: CALIGULA – AUFSTIEG UND FALL EINES TYRANNEN; CALIGULA, MY SON; IO, CALIGOLA

Italien/USA 1979, 156 min (ungeschnittene Fassung), indiziert

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Credits

Cast:

Malcolm McDowell (Caligula)
Teresa Ann Savoy (Drusilla)
Guido Mannari (Macro)
John Gielgud (Nerva)
Peter O'Toole (Tiberius)
Giancarlo Badessi (Claudius)
Bruno Brive (Gemellus)
Adriana Asti (Ennia)
Leopoldo Trieste (Charicles)
Paolo Bonacelli (Chaerea)
John Steiner (Longinus)
Mirella D'Angelo (Livia)
Helen Mirren (Caesonia)

Crew:

Regie: Tinto Brass, Bob Guccione, Giancarlo Lui
Drehbuch: Gore Vidal
Musik: Bruno Nicolai, Renzo Rossellini
Schnitt: Nino Boragli
Produzenten: Bob Guccione, Franco Rossellini
Produktion: Penthouse Films International, Felix Cinematografica


Vorwort

So Leute, heute wollen wir mal kräftig im Dreck wühlen, und weil ordentliches Wühlen im Dreck Zeit braucht und dies ein sehr langer Film ist, stellen wir uns geistig auf eine sehr lange Review ein.

Es wird unter uns sicher den einen oder anderen geben, der schon in der Kindheit ganz vernarrt auf Römerfilme war. BEN HUR, QUO VADIS, DER UNTERGANG DES RÖMISCHEN REICHES; ja, ja, die feinen Sachen. Meist waren die Eltern sogar recht froh, wenn der Filius sich Sandalenfilme anguckte, galten diese doch noch als lehrreich und sich potentiell positiv auf die Geschichtsunterrichtnote auswirkend.

Außer man erwähnte CALIGULA, dann war das Geschrei der Mütter groß; CALIGULA sei für alle Zeiten Tabu (was den Film für einen jungen Verstand nicht unbedingt uninteressanter machte).


Inhalt

Rom, 37 Anno Domini: ein junger Mann und eine junge Frau geben sich auf einem idyllischen Wiesenstück der Wolllust hin. An und für sich nur natürlich, besonders in einem von „Penthouse“ produzierten Film. Weniger natürlich wird es, wenn wir erfahren wer die Beiden sind: der junge Gaius (Malcolm McDowell), von aller Welt Stiefelchen AKA Caligula, genannt und seine (Achtung, erste Kotztüte bereithalten), Schwester Drusilla (Teresa Ann Savoy). (Damals hatte man halt noch echten Familienzusammenhalt, du herzlose Kröte – Gregor.)


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„Ich hab so das Gefühl, als ob heute eine Orgie steigt
und es danach zu Folter und Mord kommt.
Vielleicht bin’s ja nur ich,
aber ich hab’s irgendwie im Urin …“


Es sind seltsame Zeiten: nicht nur dass Brüderchen und Schwesterlein in selben Bettchen (bzw. auf derselben Wiese – Gregor) flanieren, es herrscht auch noch tyrannische Kaiser Tiberius (Peter O’Toole), Caligulas Großvater, dem seine Pornosucht auf die Insel Capri getrieben hat. Zu eben jener Insel wird Caligula vom Alten zitiert. Caligula schwant Böses. Der Alte Tiberius hat schon den Grossteil seiner Sippschaft um die Ecke gebracht, so dass nur mehr er, Caligula und Tiberius jüngerer Enkelsohn Gemellus übrig geblieben sind. (Naja, Meerschweinchen fressen auch ihre Jungen – Gregor.)


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Nie das Buch nach dem Umschlag
beurteilen (außer in gewissen Ausnahmefällen).


Trotzdem hat man keine andere Wahl und macht sich auf den Weg nach Capri. Am Palast angekommen, wird Caligula von Nerva (Sir John Gilgud), Tiberius rechte Hand und scheinbar der letzte noble Römer, begrüßt. Wie der Alte denn drauf sei, will Caligula wissen; „Wie das Wetter – unbeständig“, erwidert Nerva und führt Caligula zu seinem Opa. Dieser, ein alter, von Syphilis und Suff zerfressenes Wrack wie man es sonst nur in den Erwachsenenabteilungen der Videotheken (oder unter den BM-Rezensenten – Gregor) findet, hat seinen Palast komplett auf Porno umgestellt und lässt hier die Sau raus. Es tummeln sich eine Armee von Prostituierten, Hermaphroditen und sonstige Freaks in seinem Haus. Opa Tiberius selbst befindet sich gerade in seinem Pool, wo er mit seinen „Kleinen Fischen“ (nackischen Minderjährige) frohlockt. Bei ihm sind besagter Enkel, der übernächtigt aussehende Jüngling Gemellus, und Caligulas degenerierte Onkel Claudius. (Onkel Claudius? Ich dachte, Tiberius habe alle Verwandte bis auf Caligula und Gemellus ausgerottet? JA WAS DENN NUN! – Gregor.)


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Der Pietät willen, mussten wir dieses Bild zensieren …
immerhin ist das Peter O’Toole, der da hockt!


Tiberius begrüßt Caligula herzlich, immer mit der Andeutung auf den Lippen, er könne seinen Enkel jederzeit aus dem Weg räumen. Er reicht ihm auch einen Becher mit Wein, den Caligula aber an seinen Halbbruder Gemellus weiterreicht. Da aber Alkoholkonsum erst ab 18 legal ist, nimmt Tiberius ihm den Becher ab und reicht ihn weiter an ein Sklavenmädchen – das nach dem ersten Schluck aus dem kleinen Schierling tot zu Boden sinkt. (Wenn das bloß ein Zufall gewesen wäre, würde Tiberius jetzt echt blöd dastehen – Gregor.)

Mit pflichtbewusstem Auge erspäht Tiberius einen leicht angetrunkenen Soldaten. Da muss natürlich Disziplin ins Haus, also lässt Tiberius das Glied des Soldaten mit einem Schnursenkel abbinden, und dann kräftig Rebensaft nachgießen. Danach machen sich Opa und Enkel auf zur Besichtigungstour des ehrwürdigen Palastes, um sich noch etwas mehr an perverser Pornographie zu ergötzen. Im Abschluss erleichtert man noch die Blase des besoffenen Soldaten, indem Tiberius sie ihm mit seinem Schwert durchbohrt. „Er ist jetzt glücklich“, resümiert der Imperator.


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Auch so was hat Tiberius in seiner Sammlung …
weiß ja nie, wann und zu was man’s braucht …


Nun ist Caligula doch etwas beunruhigt und zieht seinen wichtigsten Mann, Macro (Guido Mannari) zu Rate. Macro ist Chef der Prätorianergarde (während sein Bruder Micro Klofrau im Kolosseum ist – Gregor) – außerdem ist seine Frau Ennia Caligula versprochen (verstehe wer will). Macro gehört auch noch zu jener pflichtbewussten Generation und schwört – indem er seinen Arm über ein Feuer hebt – die Interessen des Caligula stets zu verteidigen.

In der Nacht wird Alarm geschlagen: Nerva habe sich entschieden, seinem Leben ein Ende zu bereiten und sitzt nun, mit aufgeschnittenen Pulsadern, in seiner Badewanne. Als Grund gibt er an, es nicht mehr ertragen zu können, dass sich Tiberius von einem weisen Mann in ein Monster (im Neudeutsch: „Geiler, alter Drecksack“) verwandelt hätte. Das bricht den letzten Rest Herz des alten Tyrannen; er lässt Nerva jedoch gewähren. Das Zugucken beim friedlichen Ausbluten ist dem Caligula dann doch zu fade, und sobald Tiberius außer Sicht ist, ersäuft er Nerva. (Zeit ist Geld und gleich läuft die neue „True Blood“-Folge – Gregor.)

Sauferei, Fresserei, Hurerei, schlicht, das gute Leben, verlangen schlussendlich doch ihren Tribut von Tiberius und man munkelt, der alte Bock sei verendet. Caligula schnappt sich schnell den kaiserlichen Siegelring, merkt aber, dass Opa Tiberius mitnichten hin ist, sondern ihn höhnisch angrinst. Da Caligula zu feige ist, seinen Opa mit einem Handspiegel zu erschlagen, muss nun Macro ran – der erstickt den Alten mit einen Stück Stoff. Und keiner hat’s gesehen. Keiner? Nein, Gemellus war auch im Zimmer und hat alles mit angesehen. Caligula beruhigt den verängstigten Knaben, versichert ihm Schutz und dass man sich jetzt „wie Brüder lieben müsse“ (auch hier möchte man einen frische Kotzbeutel reichen).


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„Alte Sau, willst du wohl krepieren?“
„Gerne … Ihr habt ja noch 130 Minuten vor euch …“


Es wird nun Beerdigung gefeiert: der Senat und die Bürger von Rom verfluchen die Seele des Tiberius und feiern Caligula als neuen Imperator. Caligula gibt sich jovial, verteilt Arschküsse nach rechts und nach links, und spricht eine Generalamnestie aus. Dies wird vom Pöbel wohlwollend angenommen, doch als der neue Kaiser seine Schwester, Drusilla, sich selbst gleichstellt, ist die Empörung groß.

Drusilla redet Caligula ein, dass nun auch Macro, als Mitwisser- und Täter, dran glauben muss. Also weist Caligula Gemellus an, auf wem er seinen Finger richten soll, und das ist Macro. Als Cäsarenmörder wird Macro verhaftet; zum neuen Prätorianerchef wird der ambitionslose Senator Chaerea (Paolo Bonacelli) ernannt, und der schmierige Longinus (John Steiner) zu Caligulas obersten Berater.

Caligula schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: er muss nun nicht mehr Macros Frau heiraten und kann sich ganz seiner Schwester zuwenden (Beutel, schnell, bringt mir den Beutel). Er stattet Ennia einen Besuch ab, die sich (es soll gut für die Haut sein) gerade von ein paar Sklaven die Beine besamen lässt (und ich drücke mich hier vornehm aus [Ich nicht: Enya befiehlt ein paar Negern, ihr an die Stelzen zu wichsen – Gregor]). Caligula testet den „Männersaft“ selbst aus, indem er sich etwas davon in die Haare schmiert (den Beutel, habe ich gesagt), und teilt Ennia die aufregende Nachricht von Macros Verhaftung mit. Mehr noch, sie, Ennia, sei hiermit nach Gallien verbannt, und schon trägt man sie davon. Wenigstens gutes Wildschwein soll’s da unten geben.


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John „As Long as I get paid, I’ll do it“ Steiner.


Um den Schein des Anstandes zu waren, entschließt sich Drusilla, ihrem Bruder eine legitime Gattin zu finden. Diese wähnt man im Tempel der Isis, wo es zugeht wie in einem belgischen Nonnenkloster: halbnackte Mädels, die nichts zu tun haben, als sich in den Thermen zu räkeln, und, da keine Männer im Kloster erlaubt sind … na, ihr wisst schon. Caligula, verkleidet als Priesterin, sucht sich ausgerechnet Caesonia (Helen Mirren) aus, der man extreme Nymphomanie nachsagt.

Nun geht es zunächst Macro an den Kragen – buchstäblich. Mit einem halbes Duzend anderer Delinquenten steht er in der Arena, bis zum Hals im Sand eingegraben. Und von hinten nähert sich eine Maschinerie, die wie eine Mischung aus Gibli-Studios DAS WANDELNDE SCHLOSS und einem gigantischen Mähdrescher aussieht. Die Zuschauer feuern die zu Exekutierenden kräftig an, indem sie ihnen bemalte Hühnereier (ich weis nicht, ob’s Hühner- oder Enteneier sind, will hier aber zumindest einmal eine Doppeldeutigkeit auslassen), an die Köpfe schmeißt. Aber alles Anfeuern nützt nichts: 10:0 für den Mähdrescher – inklusive Macros Birne. Das Volk jubelt, als ob’s Bundestagsabgeordnete erwischt hätte, und Caligula spricht den Leitsatz aller Misanthropen: „Wenn doch nur die ganze Welt einen einzigen Kopf hätte“.


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„Okay Jungs, wir haben alle viel gelacht,
aber jetzt ist es gut … holt mich hier raus!
Ist gut jetzt, Jungs? JUNGS?!“


Der Soldat Procolus und seine Verlobte, die Vestalin Livia, kommen nun Caligula in die Blickwinkel. Laut Longinus sei Proculus noch vom alten römischen Schlag: ehrlich, mutig, kurz, ein Ehrenmann. Diese Eigenschaften passen nicht in Caligulas Gemüt und er beschließt, der Hochzeit der Beiden einen Ehrenbesuch abzustatten.

Dort erteilt Caligula den Jungvermählten seinen göttlich-kaiserlichen Segen und bittet die Frischverheiraten zur Privataudienz in der Küche, wo Caligula die Braut ehrt, indem er ihr die Unschuld raubt. Caligula gibt sich fair und gerecht und so soll auch der Bräutigam nicht ohne Segnung bleiben. Im Fall von Procolus ist es nicht des Kaisers „Zepter“, sondern dessen rechter Arm, Humanerweise noch schnell mit ein bisschen Schweinefett eingerieben. Glaube, den traurigen Rest können wir uns hierzu alle denken. (Hey, genau wie bei der Hochzeit von William und Catherine – Gregor.)


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„Meine göttliche Hoheit gibt euch die Ehre, eure Vermählung zu segnen!
Also nicht so undankbar …
und seit froh, dass nicht Weihnachten ist!“


Als Caligula seinen Gaul Incitatus zum Konsul macht, kippen langsam die Sympathie der anderen (menschlichen) Mitsenatoren. Incitatus ist ein hübsches Tier, das auch gelegentlich mit Caligula das Bett teilen darf. Eines flauschigen Abends, als Caligula sich dem Konsul Incitatus von hinten nähert (Beutel!), bricht er zusammen und erbricht Blut (Gott sei Dank, die Zoodomie bleibt unvollzogen). Ein schweres Fieber bringt Caligula an den Rand des Todes, doch dank der aufopfernden Pflege seiner Schwester – in anderen Worten, sie hüpft zu ihm ins Bett – ist er schnell genesen, und verurteilt zur Feier des Tages gleich ein paar Senatoren zum Tode.


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Wir wollen hier nichts rein interpretieren …
den Fehler haben die Leute beim MR. HANDS-Video auch gemacht.
War alles nur platonisch …


Caligula, Drusilla und Caesonia vergnügen sich nun bei einer „Menage a trois“, wie der Franzose sagt. Helen Mirren sollte später zugeben, dass man sich ein wenig zu tief in die Szene reingesteigert hätte. Was immer das auch heißen mag – wer sich auch mächtig reinsteigert sind Messalina und Agrippina, die das Treiben versteckt beobachten. Nun kommt wieder eine harte Szene aus der Pornoschmiede des Bob Guccione. Ich sage nur soviel: die Szene beantwortet die Frage, ob der weibliche Ejakulationsorgasmus nun real oder ein Mythos ist. (Die, hüstel, Schauspielerin Anneka Di Lorenzo sollten später noch Produzent Guccione verklagen – er hätte mit CALIGULA ihre Karrieren als ernstzunehmende Schauspielerinnen ruiniert. I say. Den Prozess hat sie gewonnen und wurde mit dem stattlichen Sümmchen von $4 und 6 Cent, ausgezahlt – US-Amerikanisch, versteht sich).

Caesonia ist schwanger und wirft Caligulas Erstgeborenen (des Realismus willen standen für die Szene sieben Hochschwangere Frauen auf Abruf bereit). Ist wohl nur ein Mädchen, aber zumindest war die Geburt öffentlich und jeder hat’s gesehen. Also gibt Caligula Caesonia offiziell das Ja-Wort, doch bevor man das ganze mit einer anständigen Orgie feiern kann, bricht Drusilla zusammen. Auch sie hat das Fieber, aber nicht das Glück ihres psychopathischen Bruders und stirbt an der Krankheit. Caligula ist außer sich vor Trauer, beschwört die Götter und tut auch sonst alles, was in seiner Macht liegt, um das tote Mädchen zu reanimieren – in anderen Worten, er begrabscht die Tote und spielt sich noch ein wenig an ihr rum. (Hat noch jeder frische Beutel?)


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Der traute Kreis der Familie:
der debile Onkel, die inzestuöse Schwester, der psychopathische Kaiser …
und der Sohnemann ist gerade während einer Bondage-Session geboren worden.


Zur Trauerbewältigung mischt sich Caligula, als Tippelbruder verkleidet, unter den dreckigen römischen Pöbel. Auch hier herrscht Dekadenz-Deluxe; da aber das Volk trauern soll, läuft Caligula Amok und drischt auf eine Truppe Straßenschauspieler ein. So geht’s nicht im Rechtstaat und ein paar Soldaten, ohne den Kaiser zu erkennen, schmeißen Caligula in ein Verlies. Beziehungsweise in das, was man damals als Irrenhaus bezeichnet hat. Dort schließt er schnell Freundschaft mit einem überdimensionalen Barbaren, dessen Hauptpläsier es ist, Münzen auf weibliche Genitalien zu werfen („auf die Elf“, wie der Darts Fachmann sagt). Caligula gibt sich mittels Siegelring als Imperator zu erkennen und kehrt zurück in den Palast, wo er sich zu einem lebenden Gott ausruft.

Wieder murren die Senatoren: gut, Caesar, Augustus und Jesus waren ja auch Götter, aber zumindest sind die schon tot. Caligula juckt das wenig, er hat zu viel mit der Planung eines Feldzuges nach Britannien zu tun. Aber Feldzüge kosten Geld. Also lässt Caligula ein riesiges Schiff bauen, dieses zum Bordell herrichten und lässt dort die Frauen und Töchter der Senatoren für ihn anschaffen. Es folgen wieder ein paar Bob Guccionesche Pornomomente, und den Anwesenden (abgesehen von Caligula und seiner Kundschaft), ist langsam anzumerken, dass man die Faxen dicke hat.


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Leute, heute geht’s auf Rekordjagd –
ein Kasten Bier spricht, dass sie’s schafft. Wer hält?


Aber für den Feldzug reicht die erhurte Kohle nicht, denn die Kampagne endet am Strand der römischen Küste. Caligula hat Britannien komplett vergessen und erinnert sich an den Groll, den er gegen den Meeresgott Neptun hat. Man will dem nassen Sauhund eine ordentliche Lektion erteilen und so lässt Caligula seine Soldaten nackt ins Meer rennen, wo sie Neptun beklauen, und reiche Beute machen sollen. In anderen Worten: Muscheln und Korallen, die Caligula im Triumphzug zurück nach Rom schleppt. Man feiert den großen Sieg mit einer kleinen Orgie.


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Schon zur Zeit der alten Römer war
groovige Musik ein Hit – nur, musste man sich halt mit
etwas weniger zufrieden geben …


Der Kaiser hat es noch immer auf Proculus abgesehen und beschließt, diesmal Butter bei die Fische zu machen: so lässt er den jungen Soldaten verhaften, an einer Kette aufhängen und von seinen Scharfrichtern langsam zu Tode schneiden. Gewiss, schnell geht es nicht, aber doch zu schnell für Caligulas Geschmack: „Ihr Idioten, er sollte langsam sterben“, schreit der erboste Tyrann. Aber da ist nix mehr zu machen; Procolus kaputt! Es bleibt nichts mehr, außer den Toten von den Henkern entmannen zu lassen und Longinus anzuweisen, das „Penis Delicti“ an Livia (als „Zeichen ihrer großen Liebe“) zu senden. Während der irre kichernde Caligula sich trollt, piss… also, urinieren, noch ein paar seiner Schicksen auf Proculus Leiche; Longinus zeigt Herz: statt den amputierten Freudenspender an die Witwe (und jetzt, rechtlich gesehen, Erbin und Eigentümerin) zu schicken, schmeißt er das Teil den Hunden zum Fraß vor.

Zum letzten Mal treffen sich die Verschwörer in einem dunklen Eck: es ist endgültig Schluss mit Lustig. Es wäre nun Zeit, Caligula endgültig zum Gott zu machen, ihn auf den Olymp zu schießen, und Chaerea soll der Mann sein, der den Regizid ausführt.


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„Hast du noch letzte Worte, du Schurke?“
„Ja … ächz … Gott sei … ächz … DANK!“


Am nächsten Tag kommt Caligula mit seiner Familie von einer Theateraufführung; sein Weg wird von Chaerea blockiert, der ihn nach dem Passwort fragt. „Hals“, antwortet Caligula (der Wahrheit entsprechend), und bekommt auch schnell den ersten Schwertschlag auf denselbigen. Es eilen Soldaten herbei, um dem Scheusal mit ihren Speeren den Garaus zu machen. Chaerea kümmert sich noch schnell um den Rest der Sippschaft, ersticht Caesonia und haut Caligulas Balg gegen eine Marmorsäule. Onkel Claudius, der sich hinter einem Vorhang versteckt hat, wird entdeckt und zum neuen Kaiser ausgerufen. Den Rest der Caligula-Sippschaft werden die Palasttreppen runter geschmissen, wo sie liegen bleiben, denn das war schon das Ende unseres Filmes.


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„… und weil sie schon gestorben sind, liegen sie da noch heute!“


Analyse

Produktion

Vier Jahre sollte es dauern bis CALIGULA im Kasten war. Nun könnte man abfällig sagen: „Na ja, Italiener halt“, muss aber doch bedenken: was Film angeht, gehörten die Südländer zur schnelleren Truppe.

Zwist und Zank waren es, die die Veröffentlichung von CALIGULA so hinauszögerte: am Set herrschte der blanke Hass. Drehbuchautor Gore Vidal wollte seinen Namen nicht unter einen Pornofilm setzten und verklagte jeden, den er auch nur vom Namen her kannte. (Der gute Gore ist ja erst letzten Monat gestorben. Wir sollten uns seiner für diesen Film erinnern und Scheisse wie BEN HUR oder DER SIZILIANER einfach vergessen – Gregor). Produzent Bob Guccione verachtete Regisseur Tinto Brass, weil dieser lieber „fette, hässliche Weiber“ (O-Ton Guccione) anstelle der „13 Penthouse Pets“ abfilmte, die Guccione eingeplant hatte. Brass hingegen hielt Guccione für einen einfachen Schmutzfinken, der mit Kino gar nichts am Hut hatte – außerdem wollte er lieber minimalistisch filmen, statt die teuren Sets zu benutzen. Und Co-Produzent Franco Rosselini war ein Dieb, der sich an der Budgetkasse bediente. Die Schauspieler, nun, die waren die lachenden Dritten (abgesehen von jenen, denen der Film die Karriere ruiniert hat – Gregor), kassierten ihre Gagen und setzen alles auf die Spesenliste, auch wenn es nur ein Gelatto gekauft war.

Als Brass nach 18 Monaten erklärte, der Film sei nun komplett, wollte wiederum Guccione das fertige Produkt nicht haben und feuerte den Regisseur. Brass ging prompt vor Gericht. Des Nachts schlich sich Guccione mit einem Trupp Schauspieler und seinen „Penthouse Pets“ auf das Set, und filmte dort die ganz harten Sexszenen. Es gab wohl schon Pornographie in den Szenen die Brass gefilmt hat, die aber waren Guccione zu stilisiert; er wollte etwas modernes, etwas mit mehr „Pep“. Heute würde man sagen: routinierten 80er Jahre „Straight to Video“-Porno. Dann schiffte man das Filmmaterial nach England zum Entwickeln.

In London, weigerten sich die Gewerkschaften, ihre Leute an einem pornographischen Film arbeiten zu lassen, und die Behörden drohten, das Rohmaterial konfiszieren zu lassen. Also schmuggelte Guccione den Film nach Frankreich. Zwei Jahre später kam CALIGULA dann doch in die Kinos – die Kritiker zerrissen ihn in der Luft („Ein Stück Scheiße“, schrieb Kritiker Roger Ebert einst, und verlangte sein Geld zurück), und die Schauspieler beschimpften Guccione als Schwein und Verbrecher. Kurz, keiner wollte etwas mit CALIGULA zu tun haben. Außer den Kinobesuchern – die kamen in Legionen und machten den Film zu einen amtlichen Kassenschlager.


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Und zu guter Letzt lachte:
Bob „tätowiert mir ein $$$ auf die Stirn“ Guccione!

Schauspieler

Peter O’Toole und John Gielgud wolten später von nichts gewusst haben, und gaben vor, keine Ahnung gehabt zu haben, dass um sie herum ein Pornofilm gedreht wurde. Das mag im Fall von O’Toole stimmen: als Vorzeige-Ire war er die meiste Zeit stockbesoffen. Gielgud sagte man jedoch, er hätte sich bei Pausen und Feierabenden wie die Sau im Kartoffelacker aufgeführt, immer auf der Jagd nach wohlbestückten Komparsen.

Malcolm McDowell hingegen schweigt, wenn man ihn auf das Thema CALIGULA anspricht. Meist schmeißst er noch den Interviewer einen giftigen Blick zu und verlässt wortlos das Studio (Na komm, als ob das die größte Gurke wäre, in der er aufgetreten ist – Gregor). Aber ein Schauspieler, der sich Wichse (pardon my French) in die Haare schmiert und dann fröhlich in einen Zierbrunnen strullert, kann mir nicht erzählen, er hätte von nix gewusst. (Wahrscheinlich macht McDowell das einfach so und war sauer, dass das in den Film genommen wurde – Gregor.)

Die weibliche Belegschaft (also schon die Schauspielerinnen, nicht die Nutten) geht mit der Vergangenheitsbewältigung lässiger um: Helen Mirren nimmt Fragen zu CALIGULA mit britischer Gelassenheit zur Kenntnis und Teresa Ann Savoy, nun, da war ja nicht soviel Karriere, die man kaputtmachen hätte können. Ursprünglich war die Rolle der Drusilla der Maria Schneider zugedacht; die drehte auch ein paar Szenen, verließ aber fluchtartig das Set, als ihr bewusst wurde, wo und bei wem sie unterschrieben hatte. Außerdem galt sie ja schon seit dem LETZTEN TANGO IN PARIS als Aushängezeichen für Analsex, also warum die Karriere noch weiter ruinieren?


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Leid tun kann einem Paolo Bonacelli, der den Chaerea spielt. Nicht dass sich Bonacelli seit CALIGULA mit Rollen über Wasser halten könnte; im Gegenteil, der Mann ist bis heute gut im Geschäft. Trotzdem ist er einer der wenigen Menschen, die gleich in zwei der berüchtigtsten Filme der Welt spielten „durfte“: 1977 spielte Bonacelli eine Hauptrolle in Pier Paolo Pasolinis SALO – DIE 120 TAGE VON SODOM (wir mögen uns erinnern, er war der, der auf den Teppich geschissen hat [und danach hat er in SALO – DIE 12 TAGE VON SODOM mitgespielt – Gregor]).

Von allen genannten Namen wird wohl der am häufigsten bei BadMovies vorkommende der von John Steiner sein: SINDBAD, HERR DER SIEBEN MEERE; CUT AND RUN; TENEBRE – wo ist Steiners Charakterkopf nicht schon aufgetaucht? Seltsamerweise ist seine Rolle als schmieriger Longinus eine seiner wenigen Rollen, in denen er nicht den eiskalten Psychopathen spielt.


Die Fassungen

An der mythischen 210-Minuten-Version scheiden sich die Geister der Caligulaisten: die einen sagen, sie hätte nie existiert und die 60 (vermeintlich) fehlenden Minuten seien nur ein „Making-Off“ gewesen. Andere deuten auf eine ganze Reihe von Szenen, die auf Bild, aber nicht auf Film existieren. Um nur ein paar zu nennen: Proculus wird zur Kopfabschnippelmaschine in die Arena geworfen und kann nur mit knapper Not entkommen. Caligula, wie er einen Stier opfern soll und statt dessen den Kopf eines Senatoren einschlägt; eine Szene, in der Caligula wie ein kleines Kind in seiner Schatzkammer spielt und eine, in der er die Köpfe von Marmorstatuen entfernen, und mit Pferdeköpfen austauschen lässt.


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Es wäre natürlich unsinnig, teure Szenen zu inszenieren, ohne das Material zu verwenden. So liegt die Frage über die fehlenden Szenen, wie fast bei allem, irgendwo in der Mitte – aber wird, wie die Fragen zu zwei vermeintlich verschollenen Szenen von CANNIBAL HOLOCAUST, wahrscheinlich nie ganz gelöst werden. Wer sich dennoch für das Thema interessiert, der sollte sich mal die Fanseite Caligulathemovie ansehen, die bei weitem ausführlicher ist als diese kleine Review. (Grüsst mir den Administrator: der Kerl hat ‚nen amtlichen Schlag! Zehn Jahre und fast 500 Seiten …!)

Fest steht nur (obwohl die Liste der Veröffentlichungen, Bootlegs, Wieder-Veröffentlichungen, etc, länger ist als mein Arm): In Deutschland dürfte die VHS-Kassette, mit 146 Minuten eine der längsten sein, und die TV-Version brachte es auf knappe 130 Minuten – ohne Hardcore Einlagen, selbstmurmelnd.


Fortsetzungen

Wir können uns natürlich denken, dass CALIGULA – als einer der erfolgreichsten Independentproduktionen aller Zeiten – nicht ohne Fortsetzungen, Nachkommen und Nachahmer bleiben konnte.

Einer der ersten, kaum drei Jahre nach CALIGULAS offiziellen Erscheinen, war CALIGULA 2 – THE UNTOLD STORY. Schlock-Meister Joe D’Amato hatte persönlich die Finger im Spiel, also wird weder am Gore-Faktor noch am Porno gespart. Im Gegenteil: mit der infamen „Pferdeszene“ konnte D’Amato sogar noch eins drauf setzen. Trotzdem fehlt dem Streifen der Pfiff; die „Star-Cast“ des Originals. Eine Laura Gemser ist ja schön und gut, aber ein David Brandon (macht nichts, wenn ihr ihn nicht kennt) als neuer Caligula, das war so als würde Till Schweiger die Rolle des Jokers im neuen BATMAN übernehmen. Im selben Jahr sollte auch Bruno Mattei mit seinem CALIGULA UND MESSALINA-Spin-Off probieren.

CALIGULA III – IMPERATOR DES SCHRECKENS war ein amtlicher Stinkstiefel, kaum wert dass man ihn beim Namen nennt; man findet ihn noch gelegentlich auf den Grabbeltischen der Republik, wo die verlangten Euro 1,99 noch zuviel sind. CALIGULA 4: DIE HUREN DES CALIGULA ging 1986 Sang und Klanglos an der Welt vorbei und auch das ist gut so. Einzig Joe D’Amato produzierte 1996, drei Jahre vor seinem Absterben, noch mal einen CALIGULA-Streifen, der aber eine reine Pornogeschichte war, mit der wir uns bei BadMovies nicht die Hände beflecken wollen. (Stimmt’s DOC? Stimmt’s GREGOR? … Hallo, warum höre ich jetzt nur noch Schweigen im Wald?)

Zu guter Letzt sei hier allen, die sich für die Zeit und Sippschaft der Claudianer interessieren, die BBC-Serie ICH, CLAUDIUS (nach der Novelle von Robert Graves) empfohlen: nicht nur, dass die Schauspieler durch die Bank brillant spielen, das definitive Highlight ist John Hurt, der hier den Caligula spielt. Man hätte ihn förmlich mit Oskars zuscheißen sollen!


Trailer


THOR

© 2012 Thorsten Atzmueller


Bewertung


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