Cannibal! The Musical

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CANNIBAL! THE MUSICAL
Deutscher Titel: Cannibal! - The Musical
Cannibal! The Musical

alternativer Titel: Alferd Packer - The Musical

USA 1993/96 - 97 min - FSK: 16 - USA: R

Credits

Besetzung:

Alferd Packer  (Trey Parker als Juan Schwartz)
George "California" Noon  (Dian Bachar)
James Humphrey  (Matt Stone)
Shannon Wilson Bell  (Ian Hardin)
Israel Swan  (Jon Hegel)
Frank "Reddy" Miller  (Jason McHugh)
Frenchy Cabazon  (Robert Muratore)
Polly Pry  (Toddy Walters)
Preston Nutter  (Andrew Kemler)
O.D. Loutzenheiser  (Edward Henwood)

Stab:

Regie: Trey Parker
Drehbuch: Trey Parker, Matt Stone
Kamera: Chris Graves, Robert Muratore
Schnitt: Ian Hardin, Chros Offutt
Musik: Trey Parker, Rich Sanders
Production Design: David Hedge
Spezialeffekte: Tim Drnec
Produzent: Ian Hardin, Trey Parker, John Frank Rosenblum, Matt Stone
ausführender Produzent: Edward Henwood, Alexandra Kelly, Andrew Kemler, Jason McHugh
Produktion: Avenging Conscience, Cannibal Films Ltd.

Vorwort

Troma. Wieder mal ein Wort, das polarisiert (vielleicht nicht so sehr wie die Erwähnung des Namens "Oliver Krekel", aber doch immerhin...). Manche halten die Filmschmiede von Lloyd Kaufman und Michael Herz für die einzig verbliebene Lichtgestalt des unabhängigen Genre-Films, andere wiederum (und ich denke mal fast, das ist die Mehrheit) würden der spontanen Selbstentzündung sämtlichen unter dem Banner von Troma erschienenen Filmmaterials Applaus spenden. Wie so oft liegt die Wahrheit (die selbstverständlich der Doc gepachtet hat und sie demzufolge als universal truth verkaufen kann [Lizenzanfragen an die e-mail-Adresse]) dazwischen – Troma hat zweifellos einen Stapel verehrungswürdiger Kultklassiker auf dem Kerbholz, aber der Stapel mit dem Etikett "nicht mal im Suff zu ertragener Filmmüll" ist mindestens genauso hoch, wenn nicht höher (erinnert sich noch jemand an Surf Nazis must die?).

Ehrlicherweise muss man sagen, dass ein Teil des schlechten guten Rufs (oder guten schlechten, je nachdem) nicht Troma-hausgemacht ist, da Kaufman und Herz nicht nur eigene Filmprojekte realisieren und unter ihrem Firmennamen veröffentlichen, sondern auch zahlreiche Amateur-, Independent- oder aus dem europäischen Raum stammende Genrefilme in den USA veröffentlichen (für die deutsche Dependance gilt/galt ähnliches), so erfreute sich z.B. der unsägliche Kondom des Grauens in Amiland einem Video- und DVD-Release durch eben Troma.

Und so halfen die selbstlosen Wohltäter Kaufman und Herz auch dem ambitionierten Projekt der Hobbyfilmer Trey Parker und Matt Stone unter die Arme, das als Gag-Trailer während Parkers College-Zeit begann (die DVD liefert diesen ursprünglichen Trailer als Special Feature mit) und den die beiden Filmemacher 1993 dann in abendfüllende Form brachten – sie bescherten dem Streifen 1996 einen offiziellen Vertrieb, ohne zu ahnen, dass ein Jährchen später Parker und Stone durch die Kreation der, hüstel, kontroversen Trickserie South Park zu Superstars werden würden.

Cannibal! The Musical beleuchtet die (tatsächlich) wahre Geschichte von Alferd Packer, dem einzigen US-Staatsbürger, der jemals wegen Kannibalismus verurteilt wurde. Die Geschichte Alferd Packers (der heißt übrigens wirklich Alferd und nicht Alfred, ich bin also nicht zu blöd zum Schreiben, die schätzungsweise 2.483 Tippfehler dieses Reviews dienen ausschließlich der Belustigung des Publikums) wurde 1980 bereits ernsthaft verfilmt (The Legend of Alferd Packer und zählt in Colorado zum allgemeinen Kulturgut. Es ist allerdings stark davon auszugehen, dass der echte Alferd Packer keine Liebeslieder auf sein Pferd verfaßte...

In treuer Tradition der Reviews zu beabsichtigt lustigen Filmen werde ich versuchen, die Inhaltsangabe etwas knapper zu halten und nicht alle Gags auszuplaudern, was vermutlich dazu führen wird, dass abwechslungshalber mal vermutlich der Film lustiger ist als das Review (sonst handhaben wir das an dieser Stelle ja meist genau umgekehrt)...

Inhalt

Der Film startet mit einer Texttafel, die uns darüber in Kenntnis setzt, dass der sich anschließende Film bereits 1954 gedreht wurde, wegen des immensen Erfolgs des Wildwest-Musicals Oklahoma in Vergessenheit geriet und in mühseliger Kleinarbeit digital restauriert und nachcoloriert wurde. Und zu unserer Unterhaltung werden die Gewaltszenen an den Anfang des Films gestellt. Das ist doch mal Service...

Und so finden wir uns in verschneiter Prärielandschaft wieder, wo ein paar Typen panisch durch die Gegend rennen und ein weiterer, bärtiger Typ mit wahnsinnigem Gesichtsausdruck hinter ihnen herspringt, sie packt, blutig beißt, Arme ausreißt (und mit dem ausgerissenen Arm eines Typen gleich mal einen anderen k.o. Schlägt) und diverse splattrige Dinge wie Zunge-rausreißen und mampfen anstellt. Da wundert man sich dann doch wieder über die liberale FSK-16-Freigabe (weil an dieser Stelle ist der Film noch nicht wirklich als "Komödie" erkennbar) und freuen uns über die putzige Farb-Nachbearbeitung, die mit Worten kaum zu beschreiben ist (ich hoffe, die Screenshots bringen die – beabsichtige – künstliche Übertriebenheit der Farben angemessen zur Geltung).

Jason im Blutrausch?

Das blutige Gemetzel erweist sich allerdings als Re-Enactment angeblich stattgefunden habender Ereignisse durch einen enthusiastischen Staatsanwalt in einem Gerichtssaal – er ist so überzeugend, dass selbst der auf der Anklagebank sitzende Alferd Packer himself, angeklagt wegen Mord & Menschenfresserei, entsetzt die Augen rausdreht. Nur der Richter sieht die Sache gelassener und versucht, ein Kartenhaus aufzubauen. Die ultimative Forderung des Anklägers, Packer umgehend für seine schändlichen Missetaten aufzuknöpfen, wird mit Jubelstürmen seitens des zahlreich erschienenen Publikums im Saal beantwortet. Nur den armen Angeklagten, den fragt natürlich keiner, obwohl er stammelt: "Aber so ist es nicht gewesen..."

An dieser Stelle unterbrechen wir kurz für den offiziellen Vorspann (im besten 50er-Jahre-Stil gehalten), akustisch untermalt von einem orchestralen Potpurri der noch auf uns wartenden Songs (ja, das "Musical" im Titel ist kein Gag), und abgeschlossen mit der zu obligatorichen "dies-ist-eine-wahre-Geschichte"-Titelkarte.

Wir befinden uns im Jahr 1883 in Lake City, Colorado. Die junge Reporterin Polly Pry möchte mit dem Kannibalen ein Interview führen, muss sich aber zunächst der Zudringlichkeiten des Staatsanwalts erwehren, der das ein oder andere gierig-triefende Auge auf sie geworfen hat (wobei ich an dieser Stelle mal sagen darf – es ist ein Film von der Sorte, bei dem man akzeptieren muss, dass die Hauptdarstellerin von Scripts wegen wunderschön, begehrenswert, attraktiv usw. ist. Von allein würde man auf die Idee nicht kommen). In der Hoffnung auf ein trautes Date verrät der notgeile Paragraphenhengst der "Schönen", dass man Packer doch auf eine gewisse "Liane" ansprechen solle, dann würde er schon redselig werden.

Solche Klimmzüge sind auch nötig, denn Packer, der recht allein und verlassen im Knast hockt und (ein Running Gag des Films) ein Spielzeug-Holzhaus baut, ist auf Anraten seines eigenen Rechtsverdrehers nicht gewillt, Auskünfte zum laufenden Verfahren zu geben und schon gar nicht der Presse. Wie praktisch, flötet Polly, dass sie nicht von der Presse ist, sondern nur eine einfache Bürgerin, die von dem einsamen, verzweifelten Mann im Gerichtssaal soooo fasziniert sei und sich frage, wie der eigentlich nette Kerl denn all diese grausamen Dinge getan haben könne, die man ihm vorwirft. "Ich war´s nicht-", setzt Packer an, kommt aber gar nicht erst zu Wort, denn Polly behauptet wortreich, ihm lediglich moralischen Beistand leisten und als Gesprächspartnerin zur Verfügung stehen zu wollen. Okay, soll Packer Recht sein, aber sagen will er trotzdem nichts. Polly muss also die Geheimwaffe auspacken: "Lassen sie uns also über Liane reden!" Bei der Erwähnung dieses Namens bricht Packer sämtliche Kurzstrecken-Geschwindigkeitsweltrekorde und beamt sich förmlich bis an die Gitterstäbe. Auf Nachfrage muss Polly latürnich zugeben, dass sie Liane nicht wirklich kennt. Obwohl die Beschreibung doch ziemlich genau ist – wundervolles dunkles Haar (okay, nichts neues), Mandelaugen (auch das kann vorkommen), spitze Ohren (höchstens, wenn sie vom Vulkan kommt) und ein großer Schwanz (iih, wird das ´n Transenporno?). Jetzt besteht doch Erklärungsbedarf... und deswegen blenden wir per Flashback, in dem wir uns für die überwiegende Restlaufzeit auch aufhalten werden (was aber im Vergleich zu Ghosts of Mars und anderen Flashback-Orgien strukturell hier funktioniert), um satte zehn Jahre zurück nach Utah.

Die Sonne scheint, der Himmel ist blau, Alferd Packer ist glücklich auf dem Rücken seines geliebten Gauls Liane ("my girl" nennt er den Zossen auch, soviel dazu. Sodomist, elender). Diese pure Glückseligkeit muss natürlich, da wir uns in einem Musical befinden, aus voller Kehle hinausgeschmettert werden - "my heart is full like a baked potato" (Hä?). "I think I know exactly when I say this is a Shpadoinkle day!" (Ganz ruhig, Onkel Doktor kommt gleich. Wer oder was "Shpadoinkle" ist, kann ich Euch leider nicht sagen, weil praktisch alle Internet-Quellen auf Texte zu eben diesem Film verweisen). Musikalisch kommt der Song als typische 40/50er-Musical-Hymne daher und ist daher friggin´ hilarious. Alferd und Liane reiten zur örtlichen Goldmine, wo sie auf Israel Swan treffen. Swan berichtet Alferd von seinem Plan, nach Breckenridge, Colorado, zu ziehen, wo´s Gold in Hülle und Fülle geben soll. Findet Alferd recht lustig, da er auch nicht abgeneigt wäre, mal wieder nach Colorado zu reisen, wo er schon mal gearbeitet habe. Die Umzugswilligen haben auch schon einen Tourguide, Lucky Larry. Wie so ziemlich jeder Charakter in einem Film oder Buch, der sich des Beinamens "Lucky" bedient (vielleicht abgesehen von Lucky Luke) hat Lucky nicht so viel Glück wie erwartet, er wird nämlich gerade als vom Blitz erschlagene und kokelnde Leiche vorbeigetragen. "Wird er wieder gesund?", dummfragt Alferd...

Auch "Colorado sucht das Dümmste Gesicht"...

Dieser bedauerliche kleine Rückschlag soll Shannon Wilson Bell, den Initiator des Colorado-Trips, aber von nichts abhalten, der gottesfürchtige Kerl sucht weitere Mitstreiter (denn außer Swan scheint sich ihm noch keiner angeschlossen zu haben). Der Enthusiasmus der örtlichen Minenarbeiter lässt aber zu wünschen übrig. "Soll uns diese klene Geschichte von unserem Vorhaben abbringen?" - "JA!" - "Aber wir müssen doch stark sein!" - "NEIN!" Tough crowd. Der unglückselige Swan bringt den nichts Böses ahnenden Alferd als Ersatz-Scout ins Gespräch und weil unser Held zu der Sorte Mensch gehört, die einfach nicht "nein" sagen können, ist die Sache schnell bekündet und verschlossen, eh, umgekehrt. Der Grünschnabel George Noon meldet sich freiwillig und ein Clan von drei Ohrenkappen tragenden Brillenschlangen verdonnert sein Mitglied Humphrey zum Zwangsfreiwilligen ("Du wolltest doch schon immer aus Utah weg!" - "Nein, wollte ich nie!") Die fünf Mann starke Reisegruppe stimmt ein Reprise von "Shpadoinkle Day" an und wider besseres Wissen schließt sich auch noch der vorher als Skeptiker aufgefallene Miller dem Troß an, zumal Alferd in seinem jugendlichen Leichtsinn lumpige drei Wochen Reisedauer veranschlagt.

Vier Wochen später hat die Truppe noch nicht mal Utah verlassen (vielleicht hätten sie auch mehr als ein Pferd mitnehmen sollen... aber ich weiß, Gäule waren im Westen teuer und unsere Jungs sehen allesamt nicht so aus, als wären sie finanziell auf weiche Kissen gebettet). Erster zarter Unmut macht sich breit, weil Alferd nicht mal in die Provinzstadt Provo findet, wo man die Vorräte aufstocken will. Und der Passant, der zufällig vorbeikommt und gefragt wird, ist auch nicht besonders hilfreich: "Ihr seid alle VERLOREN!" "Danke", sagen unsere Freunde artig.

Wider Erwarten erreicht die Reisegruppe Provo auch ohne Navigationshilfe und fällt in den nächstbesten General Store ein, wo Swan und Bell dem miesepetrigen Miller das Prinzip der "Auszeit" verklickern. Wer sich dem Rest der Gruppe unziemlich benimmt, muss sich mindestens fünf Meter von den anderen entfernen, ihnen den Rücken zudrehen und die Klappe halten. Miller ahnt, dass er von Bekloppten umzingelt ist... Alferd hat andere Sorgen, denn seine Freundin, eh, sein Gaul, wird von fremden Leuten betatscht und dann auch noch von grobschlächtigen Trappern, die den zartbesaiteten Bergleuten auch noch blutige Felle andrehen wollen. "Die armen ermordeten Biber", stöhnt George. Frenchy, der Chef des Trappertrios, identifiziert Liane eindeutig als erstens Araberstute und zweitens "Trapperpferd". Schließlich seien Bergleute per se Idioten und in den Rockies sowieso aufgeschmissen. "Was wollt ihr tun, wenn ihr auf Indianer – oder den... Zyklopen trefft?" Bell ist unbesorgt, schließlich weiß er Jesus an seiner Seite. In Person wäre der olle Religionsstifter vermutlich nützlicher als Alferd, der von Frenchy mühelos in den Staub erschreckt wird.

"Netter Hut!" (meint Humphrey und hat Recht damit...)

Und auch in Punkto Küchendienst wäre Jesus höchstwahrscheinlich, schon allein wegen der Wasser-zu-Wein- und Speisung-der-Tausend-Geschichten, ein wertvolleres Teammitglied gewesen als Humphrey, der aus den eingekauften Vorräten eine undefinierbare grüne Pampe zaubert, die nur Swan echt lecker findet... Packer beglückt sein Pferd (ehm, er striegelt es, nicht, was Ihr schon wieder denkt), was allgemeine Gefühlsduselei auslöst, die Miller tierisch nervt – er wird zu einer Auszeit verdonnert. Das gesellige Beisammensein drängt eine Diskussion über die jeweiligen Beweggründe, an dieser Expedition teilzunehmen, auf – vor allem bezüglich George Noon, den es tierisch anödet, sexuell noch unbeleckt (hähä) zu sein. "Ich will auch einmal eintauchen", kalauert Noon. Alferd: "Was?" Bell (darf der das eigentlich wissen? Ich denke schon, ist ja Mormone, der Knabe), versichert George, er werde "es" schon noch finden. Alferd: "Was?" (Mir scheint, auch der gute Alfie hat einen gewissen Nachholbedarf, was zwischenmenschliche Beziehungen zum anderen Geschlecht angeht. Ich sach ja, zuviel mit Pferden rumhängen, da kommt nix gutes bei rum). Anyway, wenn George schon "gestanden" hat, worum es ihm geht, kann man da ja gleich eine Musical-Nummer draus machen: "That´s all I´m askin´ for!" George verleiht erneut seiner Hoffnung auf sexuelle Befriedigung Ausdruck, Bell macht klar, dass er für den Herrn an sich eine Kirche bauen möchte, Humphrey geht´s schlicht um die Kohle (das ist zumindest ehrlich), Miller – der zwar nicht mitsingt, aber wenigstens grummelig genervt-murmelnd etwas beisteuert -, möchte einen eigenen Laden eröffnen (er ist Metzger... could that be useful later on?) und uns Alferd, dem steht nach einer Ranch in den Bergen der Sinn, für die gemeinsame Zukunft mit Liane (der Kerl ist wirklich verliebt, seufz). Interessanterweise steuert Swan keine Strophe bei.

"Wir werden die Schlucht umgehen - so groß kann sie ja nicht sein". Oh, äh...

Nachdem die Sangeseinlage alle Mann in "high spirits" versetzt, bemerkt Alferd, dass er ja am liebsten den fiesen Trappern eins auswischen würde. Doch einem bösen Omen gleich schleicht eine schwarze Katze am Lager vorbei: "Ihr seid alle verloren! Miau!"

Katzenmund tut Wahrheit kund (es sei denn, es ist badmovie-Kater Pucki, der "ICH HAB HUNGER" behauptet, obwohl mindestens drei volle Schüsseln vor seiner Nase stehen) – am nächsten Morgen ist Liane verschwunden, was insofern peinlich ist, als Alferd das Tier nicht angebunden hat ("das tun wir nie!") und sämtliche Vorräte am Gaul hingen. Intellent. Da die Spuren des Zossen ostwärts führen und das die Richtung ist, in die unsere Truppe eh reisen will, gelingt es Bell und den anderen, den liebeskranken Alferd zum Weitermarsch zu überreden. "Vorsicht vor der Bärenfalle", warnt Humphrey fröhlich, aber spät – schon ist Bell reingelatscht. Autsch! George gewinnt der Sache was positives ab: "Es hätte auch dein Schädel reingeraten können!" (Uff!).

Die Gruppe erreicht den Green River. Wie kommt man rüber? Gute Frage, vor allem, wenn man nicht weiß, wie tief der Fluß ist. Alferd wirft einen Stein in den Fluß – gespanntes Warten, bis Miller sich erkundigt, was Alferd genau damit bezwecken wollte. Fällt auch Alfie keine vernünftige antwort ein. Da die Alternative zur Durchquerung zu Fuß sichtlich darin besteht, am Ufer stehen zu bleiben und zu warten, bis irgendwann mal ein Pioniertrupp vorbeikommt und eine Pontonbrücke baut, gehen die Abenteurer die Flußüberquerung an, werden aber tutti kompletti von der Strömung mitgerissen. "Wenigstens kamen wir zum ersten Mal schnell voran", gewinnt Alferd auch diesem Mißgeschick nachträglich noch gute Seiten ab. Irgendwann werden die Jungs ans Ufer gespült. Alle Jungs? Nein, Humphrey fehlt. "Ein Segen", ist der mitgefühlsvolle Tenor unter der Resttruppe, die außerdem erleichtert aufnimmt, das zwischen ihnen und dem Ziel nur noch ein Fluß, der unbedeutende Colorado, liegt. Was Humph angeht, haben unsere Freunde kein Glück, der findet sich nämlich doch noch an, dem macht nur das Strömungsschwimmen besonders viel Spaß.

Da man pitschepatschenass ist, wird beschlossen, die Nacht nackt zu verbringen und sich gegenseitig zu wärmen. Für einen gestandenen Westmann eine unangenehme Situation, aber George weiß sich zu helfen: "Ich stelle mir einfach vor, daß Miller eine attraktive Blondine wäre!" Miller sucht sich schleunigst einen anderen Schlafpartner. An der Moral der Männer nagt der Hunger und an Alferds spezielle der Liebeskummer – er vermißt sein Pferd. Der Hinweis, dass andere Pferdehändler auch schöne Töchter, eh, Gäule haben, fruchtet nicht - "ich will kein anderes Pferd", mosert Alferd trotzig und bricht in die wunderschöne Ballade "When I was on top of you" aus (und der Titel ist nicht die einzige schöne Zweideutigkeit der Lyrics... mir gefällt auch sehr: "She´d look behind her and I´d always be there". Hä-hä-hä!). Feuerzeuge rausholen!

Typisch indianische Nahkampftechniken...

Auch Polly Pry ist ergriffen, aber Alferd erläutert, dass er Liane wiedergesehen habe... also zurück in den Flashback. Die Männer stehen vor dem Colorado und Humphrey ist pikiert: "Das ist der blödeste Scheißfluß, den ich je gesehen habe!" "Er trägt nicht immer so viel Wasser", verteidigt sich Alferd angesichts der reißenden Fluten.

Wer in Erdkunde aufgepaßt hat oder schon mal vor Ort war, ahnt, wer dem Colorado River folgt, der landet irgendwann mal am Colorado National Monument. Klingt nicht besonders spektakulär, ist es aber, denn andere Leute sagen "Grand Canyon" dazu. Und wie ich aus eigener Anschauung bestätigen kann – das Ding ist groß und das Ding ist tief. Unsere Helden bedienen sich unangebrachten Optimismusses (eh? Stimmt der Genitiv?): "Wir werden die Schlucht umgehen. So großk ann sie ja nicht sein!" (Alferd Packer hat seine Colorado-Kenntnisse vermutlich aus einem Knibbelbild). Swan sieht die Angelegenheit unkritisch – er ist glücklich, er hat einen mikrobenhaften Schneehaufen gefunden und schlägt eine Schneeballschlacht vor. Fürchte, damit muss er warten, denn plötzlich stehen Indianer vor der Tür, bzw. direkt vor den kollektiven Nasen unserer Freunde. Die sind zwar Japaner, sprechen japanisch (und geben dabei, wenn man dem glauben kann, was man so liest, nette Kommentare wie "Was is´n das für´n blöder Film?" zum besten) und sind nicht mit Pfeil & Bogen, sondern mit Katanas bewaffnet, tragen aber Kriegsbemalung und sind demzufolge 1-A-Gütesiegel-Indianer mit Werksgarantie. "Ich spreche Indianisch", behauptet Humphfrey ("Wir werden sterben", resigniert Bell). Humphrey "übersetzt" seltsames Zeug ("ich bin Zimmermann und das ist mein Bruder Tom"), Miller platzt der Kragen, er (als einziger der Reisenden bewaffnet, was ich im wilden Westen für gewagt halte) zieht seine Knarre, sieht sich aber am spitzen Ende eines Katanas wieder – man wird eher unfreundlich ins nahe Indianerdorf gehasselt, wo der Stamm mit Karate-Übungen beschäftigt ist und dem unvoreingenommenen Beobachter angesichts der "Tipis" die Glotzer aus den Höhlen kullern. Erfreulicherweise spricht der Häupt-Ling (beabsichtiger Kalauer, den auch der Film reißt) englisch: "Wer seid ihr? Arschlöcher?" (Ah, der kennt die Jungs). Nachdem noch geklärt wird oder auch nicht, dass es sich bei den "Ute"-Indianern um "Indianer" handelt (Beweisführung des Häuptlings, der offenbar an Skepsis gewöhnt ist: "Wir haben Tipis!" Und was für welche! Nur echt mit der aufgehenden Sonne!) und George eine attraktive japanische Squaw beäugt, rückt der Häuptling damit raus, dass der Weg nach Breckenridge durch einen Sturm in den Bergen versperrt ist, die Reisenden aber gern solange hier im Dorf bleiben dürfte, zusammen mit den anderen Arschlöchern. Andere Arschlöcher? Das können natürlich nur Frenchy und seine Trapper sein, die sich köstlich darüber amüsieren, dass Alferd sein Pferd abhanden gekommen ist, was in eine Grundsatzdiskussion ausartet, ob Bergleute oder Trapper die besseren Menschen sind. "Mir wäre es peinlich, ein blöder Trapper zu sein", motzt Alferd. Das können Frenchy und seine Kumpane natürlich nicht so stehen lassen – der "Trapper Song" muss her (lustigerweise im besten Stil eines Robin-Hood-Musicals gehalten und mit dem "blutigsten" Text des Film – da geht´s ums Häuten, Killen, Blutsaufen und Hirnfressen. Yummy).

Klar sind das Indianer. Sieht man doch!

"Das ist krank", stellt George entgesitert fest und Frenchy ist geneigt, ihm zuzustimmen, hat doch ener seiner Kollegen in der falschen Tonart gesungen. Der Dialog ist zu funny, um ihn an dieser Stelle zu spoilern (man kann ihn in auf Englisch in der IMDB nachlesen). Das ist schon Monty-Python-Schule. Alferd entdeckt, dass Frenchy Lianes Futterbeutel besitzt. Der ist ihm mehr oder weniger zugelaufen, brummt der Trapper und mag sich von Alfie nicht Lügner schimpfen lassen, weswegen er ihm eine aufs Maul haut.

Atempause in der "Gegenwart". Der Sheriff schaut vorbei und verdreht die Augen - "Erzählt er ihnen seine Pferdetragödie?" Die muss er aber unterbrechen, denn die Urteilsverkündung steht an. Eine Oma feuert dem Angeklagten eine Tomate an die Rübe. "Sehr freundlich", bedankt sich Alferd artig. Das Urteil lautet "schuldig" wie die Sünde und ist mit der Todesstrafe verbunden. Jubel, Trubel, Bombenstimmung im Saal und auch der Richter rockt fröhlich ab. Alferd wird zurück in den Knast verbracht, bekommt aber dabei mit, wie Polly mit dem Ankläger ratscht – natürlich zieht Alferd die falschen Schlüsse, denn Polly versucht, den aufdringlichen Staatsanwalt, der ihr in die Bluse steigen will, loszuwerden. Polly ist nämlich emotional von Alferd und seiner Geschichte überwältigt und muss dem selbstverständlich durch eine Ballade Ausdruck verleihen: "I´ve almost forgotten this side of me", trällert sie (und mir gefällt zumindest die Line "perhaps I´m not the cold bitch I pretended to be". Einsicht, erster Schritt, Besserung usw.). Beim Blick in ihre Unterlagen springt ihr etwas ins Auge... hmm....

Meine Favoriten: Die Trapper-Familie!

Beim nächsten Besuch ist Alferd verständlicherweise nicht wirklich in Hochstimmung: "Haben sie schon mal auf den Tod gewartet?" "Ja", überrascht Polly. "Wann?" "Okay, ich bin noch nie gestorben!", knickt Polly ein. "Ich wußte es", triumphiert Alferd. Polly vermutet, dass Alferd auf den Staatsanwalt eifersüchtig ist. "Eifersüchtig? Ich STERBE morgen!", sieht sich der Todeskandidat genötigt, mal ein bis zwei Dinge klarzustellen, aber weitererzählen tut er trotzdem mehr oder weniger gern.

Packer übt unter der Anleitung des Häuptlings Karate, um bei Gelegenheit den Trappern eins vor den Latz ballern zu können. Die sind aber weitergezogen, verrät ihm der Chief. Nackte Panik bei Alferd! Entsetzt versucht er seine Gefährten (von denen George verzweifelt versucht, bei der von ihm ausgekuckten Squaw zu landen, was sich aufgrund der Sprachbarriere als schwierig erweist) zum Aufbruch zu überreden. Es erschließt sich denen allerdings nicht wirklich der Zusammenhang zwischen dem Aufbruch der Trapper und einem überstürzten eigenen Start ins Ungewisse. Packer hat Glück, dass Bell ihm mit einem Argument unter die Arme greift – wenn das Wetter sich gebessert hat, könnte das bis zum Frühjahr die letzte Chance sein, Breckenridge zu erreichen und sich ein paar werthaltige Claims abzustecken. "Ihr seid auch durchgeknallt", stellt der Häuptling fest, versorgt die Truppe aber mit Proviant und einer weiteren Warnung vor dem geheimnisvollen "Zyklopen" (sind wir nicht froh, dass wir keine Feuerwalze-Synchro haben? "Zimtklops" anyone?).

Dummerweise hat die Zwangspause im Indianerland den mangelhaften Orientierungssinn Packers nicht entscheidend verbessert – kaum aus dem Dorf raus, haben sich unsere Freunde schon wieder verirrt, was aus dreierlei Gründen besonders ungeschickt ist: erstens ist Bells bärenfallenlädiertes Bein nicht in allerbestem Zustand (lecker), zweitens ist Swan übertrieben cheerful und demzufolge kurz vor´m Ausklinken und drittens stiefelt man orientierungslos und hungrig durch die hintersten Winkel der Rocky Mountains. Da läuft den Gefährten auf einmal en Schaf über den Weg. George knöpft sich sofort die Hose auf. "Zum ESSEN!", brummt Packer erklärenderweis´. "Weiß ich doch", verteidigt sich George, er muss nur mal austreten... Als Waffenbesitzer wird Miller verdonnert, das Tier zu erlegen, bringt´s jedoch nicht übers Herz. Packer kann gar nicht erst zuschauen, dreht sich um und stiert – dem Zyklopen ins einzige Auge. Aus dem zweiten Auge sabbert der Zyklop ekligen Glibber, redet in heftigstem Südstaatenslang und verdächtigt die Freunde mirnix-dirnix, verachtenswerte Unionisten zu sein. "Weer sin alle Südstaatler", befleißigen sich unsere geistesgegenwärtigen Helden sofort aufgesetzter Konföderierten-Akzente, erweisen sich aber vom vom Zyklopen sofort freudig angesetzten Südstaaten-Hymne als textunsicher und sind enttarnt. Die Flucht gelingt, aber die Lage wird nicht beser.

Swan groovt den Schneemann-Groove!

"Wir sind völlig im Arsch", stellt Humphrey fest, aber Swan weiß Rat – in üblen Lebenslagen darf man seinen Mut nicht verlieren und – sollte einen Schneemann bauen. "Let´s build a snowman", schmettert Swan ("we can name him Bob or we can name him Beowulf!", "we can make him tall, we can make him – not so tall") - es lohnt sich übrigens, auf den gebauten Schneeman zu achten, für einen netten kleinen Hintergrund-Gag – und schafft es, im Halbmeter-Tiefschnee ´nen Steptanz hinzulegen. Miller ist humorresistent und zerhackt den armen Schneemann mit der Spitzhacke. Steifes Volk...

Der Magen knurrt – die Jungs müssen ihre Schuhe mampfen. Swan lässt sich seine gute Laune nicht verderben: "Nur durch positives Denken werden wir überleben!" Humphrey nimmt erstmals seine Kappe ab und offenbart einen fetten Afro. In mieser Stimmung wird weitergezogen. Swan unterbreitet einen erneuten Vorschlag zur Hebung der Gemütslage: "Let´s build a snowman"... "we can name him Shannon, Shannon Wilson Bell..." Shannon Wilson Bell, der echte, hat die Schnauze voll, schnappt sich Millers Schießprügel und jagt Swan eine Kugel durch den Kopf. "Ist er tot?" (für dumme Fragen ist selbstverständlich Packer zuständig). "Ja Mann, sein halbes Gehirn liegt im Schnee!", stellt Humphrey fest. Sowas kann vorkommen.

Von der Kunst, im richtigen Augenblick auf den Screenshot-Auslöser zu drücken... BLUT!!!

Abgesehen davon, dass Bell eine Auszeit nimmt, trägt der Rest der Truppe den Vorfall mit erstaunlicher Fassung. Am Lagerfeuer kommt die Sprache auf Typen, die in ähnlicher Situation ihre Toten aufgefuttert haben. Hmmmm... kurzes kollektive Denkpause – ist Miller nicht Metzger? Kann der Swan nicht fachgerecht tranchieren? Eben. Humphrey hat Sonderwünsche – er möchte "keinen Fettarsch". Und so gibt´s zum Abendbrot Schwan nach Art des Hauses. Humphrey mampft mit wachsender Begeisterung rohen Arm bzw. Fuß und Alferd kotzt ihm vor die Füße. "Ist ja ekelhaft, Packer", kommentiert Humphrey zwischen zwei Bissen.

Der Genuss menschlichen Fleisches löst zumindest bei Alferd gewisse geistige Kurzschlüsse aus, die sich in Form einer surrealen Traumsequenz, die David Lynch mal wieder gefallen würde, äußern – Ballett! Alferd träumt ein Tanzduell zwischen sich und Frenchy (stilecht in Strumpfhosen und man achte auf das Gemächte, das Frenchy mit sich herumträgt. Dagegen sind die Kameraden aus ZAZs Top Secret bemitleidenswert ausgestattete Kreaturen).

Auch der schönste Traum (beschallt von einem Medley aus "On Top of You" und "Trapper Song") hat mal ein Ende. Humphrey fragt nach, ob für´s Frühstück noch was von Swan übrig ist. Es wird weitergezogen, wochenlang stapfen die Gefährten durch den Tiefschnee. Bell kommt der Verdacht, dass Packer nicht so orientierungslos ist, wie er vorzugeben scheint, sondern die Gruppe nach Saguache, wo die Trapper hin wollten, lotsen will. Humphrey grübelt, wie Swan die Stepgeräusche hinbekommen hat (ist auch eine berechtigte Frage), weswegen Bell ihm leicht ausgeklinkt an die Gurgel geht. Packer weiß, jetzt muss er die Männer aufheitern, aber seine improvisierte Abraham-Lincoln-Imitation führt nur dazu, dass Bell von Humph ablässt und sich auf ihn stürzt. Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst, und unsere Helden überdenken ihre Wünsche für´s zukünftige Leben: "That´s all I´m asking for (Reprise)". Nicht Reichtum oder Sex stehen jetzt noch auf der Wunschliste, sondern der schlichte Überlebenswunsch. Humph hat´s besonders schwer erwischt: "Can´t move. Can´t feel. Can´t talk in sentences!" Miller schlägt vor, zwecks Happa-Happa einen der ihren zu opfern, z.B. Bell, der mit seinem schlimmen Bein eh schon angeschlagen ist. Bell hat da begreiflicherweise was dagegen und nominiert vielmehr Packer, der ist ja schließlich an dem ganzen Schlamassel schuld (Survivor anno 1873. Rufen Sie JETZT an). Packer entzieht sich den Gelüsten seiner Kameraden durch spontane Freiwilligmeldung zu einem Erkundungsausflug über den nächsten Bergrücken.

Wieso fällt mir jetzt die "unglaubliche Reise in einem verrückten Bus" ein? "Ich hatte nur einen Fuß"?

Als er wieder im Lager eintrifft, findet er dort die Spuren eines Gemetzels vor. Humph, George und Miller sind tot... Bell war´s, mit der Ausrede, dass die ihn hätten umbringen und essen wollen. Der Gottesmann ist mittlerweile raving mad, schlägt aber dennoch eine Komplizenschaft vor – schließlich würde man "uns beide hängen, wenn jemals jemand hiervon erfährt!" Als Packer ablehnt und Bell killwütig wird, haut unser Held dem Mormonen ein Beil ins Gesicht. Autschie. Erleichtert will Alferd schon in einen Song ausberechen, aber mit einem Psycho-Music-Cue outet sich Bell als Vorläufer der unkillbaren Slasher. Alferd streckt ihn mit einem Schuß nieder und stupst die potentielle Leiche probehalber mit einem Ast an. Psycho-Music-Cue – der ist immer noch nicht hin. Alfie rammt ihm dem Ast ins noch heile Auge, nimmt einen zweiten Anlauf, seinen Song zu starten, aber Bell ist nicht totzukriegen (Psycho-Music-Cue), stapft blind, aber wütend durch die Gegend und wird von Alferd nun auch noch (nachdem sich Dosen, Früchte [woher??] und Schneebälle als unzureichende Waffen erwiesen haben) mit einer Spitzhacke in die Brust bearbeitet. Das haut den stärksten Mormonen um, aber vor lauter Schreck hat Alferd vergessen, dass er eigentlich einen Song zum Besten geben wollte (Aufatmen im Publikum?). Das war übrigens die zweite (und letzte) große Splatterszene des Films.

Notgedrungen muss Alferd von seinen Ex-Kameraden leben, schlägt sich wochenlang durch die Wildnis und wird schließlich von einem Indianerstamm auf den rechten Weg nach Saguache gelotst, wo man seiner Story, er hätte seine Freunde unterwegs irgendwo verloren, zunächst glaubt, bis der Sheriff mißtraurisch wird und Alfie nötigt, an einer Suchexpedition teilzunehmen. "Wir treffen uns bei Sonnenaufgang. Weißt du, was wir normalerweise bei Sonnenaufgang tun?", düsterfragt der Sheriff. Der Rest ist Schweigen (und? Was tun die nun bei Sonnenaufgang? Aus´m Bett fallen? Ich will das wissen. Fuß-aufstampf!)

Wuaaah! Splädda!!!

Es kommt noch dicker – wer läuft Alferd da über den Weg? Frenchy, und zwar hoch zu Roß auf Liane! "Sie lässt dich auf ihr reiten???", fällt Alferd fast der Bart ab. Als das treulose Pferd auch auf Alfies Zuruf nicht reagiert, muss er es einsehen – Liane ist nicht weggelaufen, sie hat ihn für Frenchy verlassen! (Ich sag doch, das beste, was man mit Pferden machen kann, ist Wurst draus zu machen). Das erfordert ein umgehendes Frustbesäufnis (er hätt´s wissen müssen. Auch ´ne Stute ist letztendlich ´ne Frau) im Saloon. Auch dabei können ihn Frenchy und Co. nicht unverarscht lassen: "Die ganze Stadt hat deine Stute geritten!" Alferd kann sich nicht mehr beherrschen und verpaßt Frenchy eins auf die Kauleiste. Leider im ungünstigsten Zeitpunkt, denn gerade stolpert stockbesoffen der Sheriff ins Lokal und verkündet, dass man die angeknabberten Überreste von Alferds Kameraden gefunden habe. "Kannibale!" Alferd spielt Punching Ball für das komplette Saloon-Publikum und speziell Frenchy, bis er sich an seine erlernten Karate-Künste erinnert. Frenchys Genitalien können Alferds superben Martial-Arts-Künsten nicht standhalten. "Der ist einfach zu schnell für mich", fiept Frenchy. Alferd flüchtet, aber die verfolgende Posse ist schnell gebildet (auch wenn die selben Figuren drei- bis viermal aus dem Saloon rennen. Kultig!). Sein ehemaliges Pferd würdigt der angesäuerte Alferd allerdings keines Blickes.

Und das, resümmiert Alferd, wär´s so ziemlich mit seiner Geschichte. "Sie kamen doch bis Wyoming!", wendet Polly ein. "Ja, aber ich wünschte, sie hätten mich vorher erwischt!". Warum das dann? "Waren sie schon mal in Wyoming?" Polly jedenfalls ist von Alferds Geschichte überzeugt - "Sie werden nicht sie nicht hängen", verspricht sie. "Jetzt geht´s mir besser", freut sich Alferd, als hätte man ihm gerade erzählt, sein Lottoschein mit 6 Richtigen wäre leider im Reißwolf gelandet, "nun ist es nicht mehr so hoffnungslos"...

A Western Directed By Quentin Tarantino

Wie man´s nimmt. Am nächsten Morgen ist nämlich "Hanging Day" und von Polly Pry weit und breit nichts zu sehen. Kein Wunder, wird dem entsetzten Alferd eröffnet, die ist ja schon längst wieder in Denver bei ihrer Zeitung. Die große Song-and-Dance-Finalnummer "Hang the Bastard" erklingt und die Produktion fährt auf, was sie an Statisten, Kostümen, Kuhglockensolos und cheesy choreography nur auffahren kann (Frenchy fiept immer noch. Da hat Alferd gute Arbeit geleistet, ist ja immerhin schon neun Jahre her). Tja, sieht schlecht aus für Alferd, der darf nämlich schon seine letzten Worte murmeln, die sich auf "lächle und sei froh, denn es könnte alles schlimmer kommen" reduzieren lassen.

In sprichwörtlich aller-allerletzter Sekunde reitet Polly mit einem Hinrichtungsaufschub ein (das versammelte Publikum: "Awwwwwwwww!") Sie hat nämlich herausgefunden, dass das fragliche Tatort-Gebiet zum Tatzeitpunkt noch gar kein offizieller US-Bundesstaat war und die US-Gesetze demzufolge nicht anwendbar sind. Und das alles hat der fiese Staatsanwalt die ganze Zeit gewußt!! (Publikum: "Uhhhhhhhhhh!"). Zeit, sich unterm Galgen die ewige Liebe zu gestehen ("On Top of You (Reprise)", aber Frenchy lässt sich so leicht nicht abspeisen: "Die Leute sind gesehen, um ein bißchen Gewalt zu sehen!" Memo an zukünftige selbsternannte Retter von zum-Hängen-Anstehenden – mit Verkündung des Hinrichtungsaufschubs die Schlinge vom Hals des Delinquenten nehmen, sonst kann ein mißgünstiger Mensch nämlich das tun, was Frenchy tut – den Hebel für die Falltür umlegen und das arme Opfer zappeln lassen.... Sähe also wieder mal übel aus für unseren Helden, aber die Rettung naht erneut, in Form des japanischen Indianerhäuptlings, den Polly alarmiert hat. Der kappt nicht nur das einschnürende Seil, sondern, weil er gerade in Fahrt ist, auch Frenchys Rübe vom Rest des Kerls ("Hoppla!" Dem erwartungsvollen Publikum ist´s auch recht, es spendet Szenenapplaus). Zum Dank schenkt Alferd dem Häuptling Liane, die braucht er jetzt nicht mehr (ob´s Reiten auf Polly so viel mehr Spaß macht?). Der Chief, offensichtlich Anhänger der von mir oben erwähnten Pferdewurst-Theorie wetzt höchst erfreut das Samuraischwert. Tja, Liane, dass sowas von sowas kommt...

Mit dem Duett "Shpadoinkle Day (Reprise)" und der Textkarte, dass Pollys Bemühungen doch schon im Jahr 1901 Alfies Freilassung bewirkten, endet der Film (die zwei Schlußgags verrate ich nicht. Bätsch!).

Bewertung

Ich geb´s zu, als Stammuser Desty (der mit dem unzuverlässigsten Internet-Zugang außerhalb Süd-Aserbaidschans) zum letzten Forumstreffen diese DVD mitschleifte und mich dazu nötigte, den Streifen sofort-und-auf-der-Stelle anzusehen, war ich sehr sehr skeptisch. Erstens mag ich keine Kannibalenfilme (das dürfte sich rumgesprochen haben), zweitens finde ich South Park nicht lustig (tut mir leid, ich weiß, das ist Kult usw., aber es ist einfach nicht mein Humor) und drittens, naja, Troma, hit-or-miss-Angelegenheit und meistens, wenn man denkt, das könnt was taugen, eher miss. Die Tatsache, dass ich mir mittlerweile die DVD zugelegt habe und einen Gutteil meines Tages damit verbringe, zur Freude meines Katers "Let´s build a snowman" zu performen (wenn ich jemals bei Deutschland sucht den Superstar mitmache und das Thema der Mottoshow "Filmsongs" ist, dann ist DAS der, den ich singe...), dürfte ungeachtet der den Fun-Faktor des Films sicherlich nur unzureichend wiedergebenden obigen Inhaltsangabe, Indiz dafür sein, dass der Streifen schlicht und ergreifend rockt.

Dafür zuständig sind prinzipiell schon mal zwei Dinge – Troma hatte mit der Realisierung des Films nichts zu tun erstestens und zweitens, Cannibal! The Musical (ursprünglich Alferd Packer: The Musical betitelt, aber Troma überzeugte die Macher davon, dass kein Mensch außerhalb Colorados wüßte, wer oder was Alferd Packer ist und wieso man sich seinetwegen ein Musical ansehen sollte) bedient nicht den Poo-Poo- und Four-Letter-Word-Humor von South Park, sondern pendelt sich irgendwo zwischen Monty Python- und ZAZ-Witz ein. Und das sind nicht die allerschlechtesten Vorbilder...

Wie schon des öfteren hier ausgeführt, es ist nicht einfach (für mich und meinen speziellen Review-Stil) beabsichtigte und dabei noch funktionierende lustige Filme nach bewährter Methodik zu filettieren. Cannibal! The Musical ist überdreht, abstrus, absurd, bewußt trashig und entzieht sich damit jeglicher seriösen Rezension. Drehbuchkritik erscheint mir daher unangebracht, schließlich geht´s dem Film darum, ein ernstes Thema zu verarschen und das gelingt problemlos. Einzig an der Struktur könnte man ein wenig herumkritteln – nicht mal an der Technik, größtenteils mit Rückblenden zu arbeiten (dieser Film ist mal wieder ein Beispiel für solche, die dramaturgisch nicht anders funktionieren können als mit Rückblenden. Wie sonst würde man Pollys Einsatz für Alferd, hüstel, "glaubhaft" machen können?), sondern daran, dass der Streifen mit einer epischen Laufzeit von 97 Minuten vielleicht einen Tacken zu lang geraten ist. Zwar erweist sich keine der Szenen als elementar überflüssig, aber die ein oder andere Lagerfeuer- oder Wanderschafts-Sequenz hätte man vielleich ein wenig straffen können oder sollen (mit einer 90-Minuten-Laufzeit wäre der Film nahe an der berühmten "Perfektion"...).

Die Gags sind, überraschenderweise sogar in der bemerkenswert guten deutschen Synchronfassung zündend und fahren eine gekonnte Mischung aus Wortwitz, absurder Situationskomik und (nicht häufigen, aber gelegentlichen) Hintergrundgags auf, ohne dabei ein wahres turbo-ein-Lacher-jagt-den-nächsten-Feuerwerkstempo aufzufahren – der Film lässt durchaus auch Zeit und Raum dafür, einen Gag und die Absurdität der ganzen Plotte mal sacken zu lassen. In Punkto Gag-Quote ist das letztendlich ein ziemlich angenehmes Tempo (man muss keine Angst haben, dass man beim sich-ausschütten-vor-Lachen, und das kommt durchaus häufiger vor, die nächsten drei Jokes verpaßt, wie das bei ZAZ manchmal vorkommt). Erfreulich ist eben, dass der Streifen auf Fäkalhumor beinahe völlig verzichtet, dafür aber gelegentlich schon erwähnte Abstecher ins Monty-Python´esque nimmt.

Die Songs sind allesamt herrlich (okay, auf Pollys Ballade "I´ve almost forgotten this side of me" hätte ich verzichten können), wenngleich der Film sein Song-Pulver vielleicht etwas zu früh verschießt (im letzten Filmdrittel reicht´s nur noch zur zugegeben grandiosen Schlußnummer "Hang the Bastard" und einigen Reprises). Die von Trey Parker verfaßten und komponierten Songs sind dabei musikalisch sehr hörbar und stilistisch natürlich stark am zu persifilierenden Genre des 50er-Jahre-Musicals orientiert (wobei "On Top of You" als Feuerzeug-Sternwerfer-Ballade auch heute noch durchgehen würde und ich mir eine Nonsense-Hymne wie "Let´s build a snowman" auch von meinen Spezis, den Arrogant Worms, vorstellen könnte). Ich mag bitteschön den Soundtrack haben.

Auch filmisch-handwerklich kann man den Streifen schwerlich ernsthaft bewerten. Trey Parker beweist auf jeden Fall ein gutes Gespür für das Timing der Gags, kann aber, sicher budgetbedingt, keine großen Sprünge hinsichtlich Kameraführung und Production Values auffahren. Der Film ist relativ statisch, macht sich aber durch die skurrile Nachcolorierung und die Stilblüten, die beabsichtigt so gesetzt werden, visuell interessant. Die Ausstattung des Films ist mager, aber das gereicht ihm des öfteren zum humoristischen Vorteil (z.B. dass die meisten Charaktere im Filmverlauf zu Bartträgern werden, die Gesichtsmatten aber bar jeden Zweifels angeklebt sind). Und gegen die Imposanz der grandiosen Naturkulissen ist selbst der böswilligste Regisseur machtlos – ein Grand Canyon bleibt auch beeindruckend, wenn er in einem beabsichtigten Schwachsinnsfilm den Backdrop spielt...

Wo qualitativ nicht gespart wurde, das sind die Splattereffekte. Es gibt, wie erwähnt, zur zwei richtig große Metzelszenen, eine frecherweise gleich zu Beginn (und das ist die wesentlich heftigere), die andere läutet den Schlußakt ein. Insgesamt mögen das vielleicht drei-vier Minuten blutintensiver Goreeskapaden sein, was sicherlich nicht die Welt ist, andererseits aber für eine FSK-16-Freigabe schon erstaunlich explizit (und technisch-handwerklich ziemlich gut) geraten ist. Sollten unsere bundesdeutschen Filmprüfer doch gelegentlich ungeahnte Anwandlungen von Humor zeigen? Sicher greift der Comedy-Bonus, aber zumindeset die erste Gore- und Splatterszene, wie gesagt, die wesentlich brutalere, ist nicht auf den Lacher hin inszeniert, sondern verdammt krass (der ausgerissene Arm geht als cartoonesk durch, aber herausgebissene Kehlen und das Rausreißen der Zunge, das allein wäre in jedem anderen Film schon eine sichere SPIO/JK, wenn man mich fragt. Nicht, dass ich der Meinung bin, das gehört sich so, aber es ist ein Erfahrungswert). Eine gewisse Resistenz gegen sudelige Bluteinlagen muss daher vom Zuschauer mitgebracht werden (oder man steigt erst nach fünf Minuten ein... die zweite Splatterszene ist zwar auch nicht gerade harmlos, aber slapstickhaft inszeniert) – neben den eigentlichen Gore-Szenen sticht da vor allem der "Zyklop" heraus, dessen Globber-aus-dem-Auge-spritzen ist zweifellos die ekligste Angelegenheit des Films...

Die Schauspieler, allesamt aus dem Freundes- und Bekanntenkreis von Trey Parker rekrutiert (inklusive des Chefs seines Lieblings-Sushi-Grills, der elanvoll den Häuptling der Indianer mimt), sind allesamt klasse – d.h. "schauspielern" tun sie nicht wirklich, sondern übertreiben nach Herzenslust (unterstützt von netten kleinen Details wie dem offensichtlichen Kissen, das man Jason McHugh [Miller] als Wampe unter´s Hemd geschoben hat). Trey Parker selbst als Alferd Packer und sein South Park-Kumpel Matt Stone als Humphrey sind sicher die Höhepunkte schauspielerischen, eh, Könnens, will sagen, es macht wirklich Spaß, den beiden zuzusehen, aber auch die anderen Hauptakteure, Ian Hardin, Robert Muratore und Jon Hegel (keiner von denen hat jemals wieder seine Nase in einem Film vor die Kamera gehalten) agieren launig, lustig, gut aufgelegt. Am schwersten hat´s naturgemäß der- bzw. diejenige, die mit einer straighten Rolle auskommen muss, in diesem Falle Toddy Walters als Polly Pry. Sie hat relativ wenige funny lines und auch nicht gerade Ausstrahlung (und für ausnehmend hübsch hält Doc, der alte Chauvi, sie auch nicht) – immerhin war der Film dazu nütze, sie und Parker privat näherzubringen, sie steuerte später diverse Stimmen in South Park bei (z.B. Winona Ryder im South Park-Film).

Zur DVD aud dem Hause Troma Deutschland. Die ist kein Ruhmesblatt ihrer Zunft. Der Vollbildtransfer geht in Ordnung und kann dank der künstlichen Farbnachbearbeitung auch nicht mit dem üblichen Maßstab gemessen werden (´ne Ecke schärfer wär´s sicher gegangen, für die teilweise Grobkörnigkeit des Ausgangsmaterials kann der Publisher, One World [RIP], nix).

Ton wird in Deutsch und Englisch, jeweils Dolby 2.0, mitgeliefert. Da die deutsche Synchronfassung überraschend gut gelungen ist und der englische O-Ton sich als verrauschte Spaßbremse erweist (dafür ist er ein wenig lauter, aber auch matschiger), würde ich ausnahmsweise zur deutschen Spur raten, die ist rauschfrei und differenzierter. Leider konnte sich One World nicht beherrschen, die Songs mit fest eingebrannten deutschen Untertiteln (also auch in der englischen Tonfassung nicht wegschaltbar) zu verzieren, die noch dazu nicht wirklich gut gelungen sind (so versaut die Untertitelspur ganz lässig das "on top of you"-Wortspiel durch die Übersetzung "als ich auf dir ritt". Boink-k-k!!!).

Ein paar Extras hat man auch aufgetan, aber nicht unbedingt weltbewegend viel. Das, was da ist, ist aber recht lustig, zum einen findet sich eine vielleicht dreißigsekündige "deleted scene" mit einem Mini-Song namens "Bunch of Motherf...." (so kommentieren die Bergleute den Abmarsch der Gefährten), eine zweiminütige Mini-Behind-the-scenes-Featurette mit ein paar kurzen Interviewschnipseln mit Stone, Parker und McHugh sowie den Originaltrailer, und damit ist der ursprüngliche Gag-Trailer gemeint, der von Parker weit vor dem abendfüllenden Film geschossen wurde und teilweise völlig andere Kostüme etc. verwendet.

Fazit: Cannibal! The Musical ist der seltene Fall eines programmierten Kultfilms, der tatsächlich funktioniert – und zwar deshalb, weil er im Vergleich zu großbudgetiertem Kult wie Buckaroo Banzai einfach mit Herzblut gemacht wurde. Man merkt dem Film an, wie viel Spaß die Macher hatten und das überträgt sich – viele abartige Ideen, abstrusester Witz und die grandiosen Songeinlagen verbinden sich zu einem echten Hammerfilm, den man sowohl als Horrorfan als auch Freund abgedrehter Musicals oder auch nur Anhänger des schrägen Humors einfach gesehen haben muss. Der Film macht einfach einen kaum zu überbietenden Haufen Spaß und gehört in jede aufgeschlossene Sammlung. Die DVD von One World/Troma Deutschland ist zwar nicht der Weisheit letzter Schluß, aber auf Börsen mittlerweile recht preiswert zu haben. Let´s build a snowman, we can make him our best friend... lalala, sing, tanz, rumhüpf...

BOMB-SKALA
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