Captain America II: Death Too Soon

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CAPTAIN AMERICA II: DEATH TOO SOON

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USA 1979, 100 min, FSK –

Regie: Ivan Nagy

Darsteller: Reb Brown (Steve Rogers/Captain America), Connie Sellecca (Dr. Wendy Day), Len Birman (Dr. Simon Mills), Christopher Lee (Miguel), Katherine Justice (Helen Moore), Christopher Cary (Prof. Ian Ilson), Lana Wood (Yolanda)

Den Sicherheitsbehörden des wohl am inkompetentesten geführten amerikanischen Regierungsgeheimlabors fällt nach immerhin drei Wochen (!) auf, dass ihr Obereierkopf Professor Ilson nicht nur durch Abwesenheit glänzt, sondern sogar aus einem Labor unter Anwendung exzessiver Gewalt entführt wurde. Wenigstens gelang es Ilson noch einen Hinweis auf den möglichen Täter zu hinterlassen – aus den fingergemalten Buchstaben „MIGU“ schließt Simon Mills messerscharf, dass der internationale Top-Terrorist Miguel für das Eggheadnapping verantwortlich ist. Denn Mills weiß, dass Miguel vor kurzem in den Vereinigten Staaten eingetroffen ist – blöd ist nur, dass Miguel seine Gesichter wechselt wie andere Leute ihre Unterhosen und niemand den leisesten Schimmer hat, wie der Böswatz denn zur Zeit aussehen könnte und wo er sich versteckt hält.

Das ist ein Fall für Captain America! Zumindest ist das eher ein Fall für Captain America als Handtaschenräuber am Venice Beach zu foppen, womit sich Steve Rogers zur Zeit selbige vertreibt. Eine vage Spur führt Rogers in das Provinzkaff Belleville, wo er sich umgehend auf der Liste akut unerwünschter Personen wiederfindet. Die komplette Stadtbevölkerung von Rancherin bis zum Veterinär wünscht, dass Rogers seinen Surferkörper stantepete aus dem Stadtkreis subtrahiert. Dies weckt des Capitanos ungesunde Neugier, zumal der Tierarzt durch erstaunliche Lücken im Fachwissen brilliert – wer den Fußknochen einer Miezekatze nicht von einem Käfer unterscheiden kann, hat vermutlich nie eine Uni von innen gesehen. Rogers drängt sich der Rancherin Helen (und ihrem Sohn Peter, der als einziger in Belleville an Steve einen mittleren Narren gefressen hat) als Love Interest auf, um vor Ort weiter recherchieren zu können.

Beschützer der Omas und Waisen!

Miguel hat’s sich indes im Knast gemütlich gemacht. Nicht als Insasse, sondern in der Maske des neuen Gefängnisdirektors Kyle und als solcher lässt er Ilson hinter schwedischen Gardinen knechten. Ilsons Kuschelprojekt war die Erforschung des Alterungsprozesses und da der schwer zu beobachten ist, ohne dass der werte Herr Forscher selbst irgendwann den Löffel der Gerechten schmeißt, hat er ein Gas erfunden, das jenenwelchen Prozeß ums Tausendfache beschleunigt, damit man was zu beobachten hat. Wer dem Gas ausgesetzt wird, altert in einer Stunde um 38 Tage. Miguel wünscht sich, bescheiden wie er ist, nicht mehr als eine Milliarde Dollar, damit er das Gas nicht über allen wesentlichen amerikanischen Großstädten freisetzt.

Währenddessen beißt Rogers bei den Belleville-Eingeborenen weiterhin auf Granit – anstatt hilfreicher Auskünfte bezieht er Prügel und landet hinter Gittern. Was nun allerdings kein gravierendes Problem für Captain America darstellt… nichtsdestoweniger wird die Sache nun langsam aber dringlich, da Miguels Geduldsfaden ein eher kürzlicher ist und er das Gas über Portland, Oregon, freisetzt. Und, ach ja, nunmehr kostet das Antidot gegen den Rapid-Ager zwei Milliarden Taler. Steve redet Helen eindringlich ins Gewissen und endlich rückt die Schnalle damit raus, dass Belleville Miguels Testgelände war und die Bevölkerung vom falschen Tierarzt alle paar Tage eine kleine Dosis des Gegengifts erhält. D.h. natürlich, dass die Produktionsstätte nicht weit weg sein kann…

Der Film:

Wir befassten uns ja vor einer Weile mit dem ersten Versuch, aus Marvels populärem Property ein zugkräftiges TV-Franchise zu basteln – blöderweise – für Marvel – zu einer Zeit, als die Comicverlage froh sein mussten, wenn sich überhaupt jemand für ihre Stoffe interessierte und gerade natürlich Fernsehsender keine Chance hatten, ein Budget zu stemmen, um Superhelden auch nur einigermaßen adäquat umzusetzen. Der erste Pilotfilm machte denn auch schon klar, wohin die Reise bei einer eventuell anschließenden Serie gehen würde – zu nichts mehr als einer Neuauflage des „Sechs-Millionen-Dollar-Manns“, nur dass der Titelheld dieses Mal (manchmal) ein Kostüm tragen würde.

Go away, or I’ll bite you.

Nun, Einschaltquoten und Kosten trugen den Gedanken einer Cap-Fernsehserie bei CBS schnell zu Grabe, aber die Requisiten wollte man doch schon noch mal nutzen und schob einen zweiten Fernsehfilm hinterher (natürlich seitens der Produzenten sicherlich in der Hoffnung, nun genügend Quote zu machen, um vielleicht doch noch eine Serie in Angriff nehmen zu können). Reb Brown und Len Birman waren wieder an Bord, Heather Menzies wurde durch das aufstrebende Starlet Connie Sellecca (später mit mehr Superhelden-Erfahrung in „The Greatest American Hero“ und internationalem TV-Ruhm durch die Edel-Soap „Hotel“ gesegnet) ersetzt, und als großen Coup konnten sich die Produzenten ans Revers heften, Dracula himself, Christopher Lee, für den Schurken-Part engagiert zu haben (wir sehen mal geflissentlich darüber hinweg, dass Lee sich gerade im Nadir seiner Karriere bewegte und seine Darstellkünste anerkannten Scheißfilmen wie „Das Ende der Welt“, „Invasion der Raumschiffe“, „Meatcleaver Massacre“oder „Jaguar lebt!“ zur Verfügung stellte.

Die Verantwortung, eine taugliche Geschichte zu erfinden, wurde dem Team Wilton Schiller und Patricia Payne zugewiesen – beides nicht gerade ausgewiesene Experten auf dem Gebiet. Schiller hatte sich als Produzent von Serien wie „Mannix“ und „Auf der Flucht“ einen Namen gemacht und in den 50ern ein paar Folgen der „Superman“-TV-Serie geschrieben. Paynes einzige Business-Erfahrungen waren Jobs als Casting Director beim Fernsehhorrorfilm „Nightfall“ und dem Unterwasser-Langweiler „Die Odyssee der Neptun“. Man darf also zumindest einigermaßen berechtigterweise anzweifeln, dass eine unerfahrene Neuschreiberine und ein Autor/Produzent, der seine Erfolge in den 50ern und 60ern gefeiert hatte, unbedingt hart die Hand am Puls des Zeitgeist hatten… Der Regisseur des erste Films, Rod Holcomb, durfte nur noch die Second-Unit-Aufnahmen besorgen, die generelle Verantwortung wurde einem Gesellen namens Ivan Nagy übertragen, einem gebürtigen Ungarn, der Anfang der 70er einige Male mit Ross Hagen („Star Slammer: The Escape“, „Dinosaur Island“) zusammengearbeitet und dann ein paar Folgen für Fernsehserien wie „Delvecchio“ und „Starsky und Hutch“ inszeniert hatte – also auch kein Großmeister seiner Zunft, der nachdem er 1993 mit dem Slasher „Skinner“ (mit Ted Raimi) wohl seinen unwiederholbaren Karrierehöhepunkt erreicht zu haben glaubte, im zarten Alter von 60 Jahren noch in der Porno-Branche sein spätes Glück fand. Good ole American family entertainment, gelle?

Things you didn’t know about Cap: He’s a cat person!

Es ist also nicht sonderlich überraschend, dass „Death Too Soon“ (der Titel ist so ziemlich das Cleverste an einem Drehbuch, in dem’s um die Beschleunigung des Altersvorgangs geht) wie schon sein Vorgänger als biederste Fernsehunterhaltung auf dem technischen und dramaturgischen Niveau der 70er daherkommt, wie eben eine Neuauflage des bewährten Konzepts vom „Sechs Millionen Dollar Mann“ und seiner bionischen Freundin, ohne einen besonders tiefschürfenden Bezug zur Comic-Vorlage zu haben (von der ja eh nur der Charaktername und andeutungsweise das Kostüm übrig geblieben sind).

Das Script atmet den Geist von Autoren, die bemüht sind, um Himmels Willen nicht das Publikum zu sehr mitdenken lassen zu müssen (alternativ: sich das Publikum im wohligen Gefühl der intellektuellen Überlegenheit gegenüber den Autoren suhlen zu lassen). Jede Figur verhält sich wie ein gehirnamputierter Ameisenbär (ich wiederhole: im superduperwichtigen Geheimlabor der Regierung fällt keiner Sau auf, dass ein wichtiger Forscher vor DREI WOCHEN direkt aus dem Labor entführt wurde?? Holy shit, they fuckin‘ deserve to die horrible deaths…), jeder Plotpunkt, der nicht eh aus schierem Zufall dem Helden in die Karten spielt, wird per Postkarte angekündigt.

Rrrassige Errrotik pur. Kein Wunder, dass Cap da was in der Hose steht.

Was auch schon den ersten TV-Film behinderte, fällt natürlich auch im zweiten auf – eine Comic-Verfilmung ohne einen adäquat comichaften Gegner hat meistens ein grundsätzliches Stilproblem. Das gilt für die 70er-„Spider Man“-TV-Serie genauso wie hier für den guten alten Cap. Ein Superheld braucht Superschurken, alles andere ist Kappes. Unsere Autoren versuchen hier den Umstand, dass sie keinen der bekannten Comic-Schurken verwenden dürfen und keinen eigenen kostümierten Irren erfinden wollen (oder dürfen), damit zu tarnen, dass sie Christopher Lee an und für sich als Schurken haben und hoffen, dass Draculas Image voll und ganz ausreicht. Während ich aber einem hypothetischen von Christopher Lee dargestellten Red Skull ungesehen sämtliche Schurken-Oscars der Welt an den Kopf werfen würde, ist ein hundsgemeiner Terrorist, auch wenn er sich ein wenig an den vielfach als Vorbild für Filmbösewichter hergenommenen Terrorpapst Carlos anlehnt, viel zu… bodenständig für eine Comic-Verfilmung, auch wenn man ihn zu einem Mann der tausend Gesichter macht – zumal das Gimmick des Alterungsgases ziemlich albern ist und den Film in ein merkwürdigen Dilemma zwischen gewollt bunt-naiver Comic-Unterhaltung und Pseudo-Realismus zwängt, aus dem er nicht ausbrechen kann.

It’s a bird! It’s a plane! Oh no, it’s just that stupid Cap again…

Das Script ergibt sich dann relativ kampflos einerseits den gewohnten TV-Konventionen einer 70er-Action-Serie (ein paar Jahre später hätte man dann ein Script für „Airwolf“ oder „Knight Rider“ draus basteln können – würde auch passen, da Captain Americas total kanonisches Supermotorrad dem Film fast wichtiger ist als Cap himself), garniert mit ein paar ganz besonderen Dussligkeiten. Meine Favoriten sind die Rettung Portlands (Mills und Cap versprühen das Gegengift-Gas über der Stadt und Mills freut sich, dass die Einwohner den Anweisungen brav folgen – und wir sehen stinknormale Leute-laufen-und-fahren-durch-die-Stadt-Stock-Footage statt, wie’s sinnvoll wäre, Aufnahmen erwartungsvoller Menschenmasse) und Miguels völlig unmotivierte „unter-anderen-Umständen-hätten-wir-Freunde-sein-können“-Ansprache an Cap – nicht, dass es zuvor auch nur den geringsten Hinweis darauf gegeben hätte, Cap und Miguel hätten sich gegenseitig respektiert (und nur dann würde ein solcher Spruch ja Sinn machen). Andererseits war das der einzige echte Lacher, den der Streifen bei mir verbuchen konnte, und ich nehm‘ ja auch gerne die unfreiwilligen…

Filmisch heißt der Küchenmeister mal wieder E.D. Schmalhans, heute in Person von Ivan Nagy. Der gibt sich keine Mühe, den Konventionen des lausigsten 70er-TV-Schmands zu entkommen. Alles ist langweilig, langweilig fotografiert, langweilig geschnitten, langweilig gespielt. Selbst vermeintliche set pieces verkommen zu müden Pflichtübungen, die nicht etwa als selling points des Films inszeniert werden, sondern als offensichtlich notwendiges Übel. Gut, Nagy hat nicht viel, womit er arbeiten kann. Steve Rogers ist super, seine Gegner nicht, wie will man da interessante Actionszenen hinbekommen? Es regiert wieder die „Sechs Millionen Dollar Mann“-erprobte Zeitlupe für alles, was auch nur ansatzweise nach „Superaction“ müffelt, Caps fröhlich wobbelnder Plastikschild als Bumerang-Frisbee gewinnt nach wie vor jeden Preis für die lächerlichste und unpraktischte „Waffe“ der Weltgeschichte (es ist eine Waffe, bei der man als „Ziel“ einfach nur einen Schritt zur Seite machen muss. Das Ding ist ja nicht *schnell*), aber den Preis für den dämlichsten „Effekt“ gewinnt fraglos die Szene, in der Cap im Showdown sein Motorrad eine Mauer „hochwirft“ und es punktgenau und schnürlgrad auf seinen Gummilatschen zu stehen kommt. Muss man schon mal gesehen haben – auch wenn’s (wie auch die rückwärtsgefilmten „Sprünge“) eher in einen der „Drei Supermänner“-Streifen aus den 60ern passen würde…

Effekttechnisch beschränkt sich „Death Too Soon“, wie schon angedeutet, primär auf seine Zeitlupeneffekte und Caps zwar oberflächlich schickes, aber doch recht mickriges Bike (aber, hey, es kann FLIEGEN. Endlich ein weiterer Neuzugang für meine „Flying Motorbike“-Kollektion neben „Mission Firegame“ und „Megaforce“). Das Captain-America-Kostüm itself sieht weiterhin in der TV-Variante ziemlich dämlich aus. Für’s Finale wird zumindest noch ein kleiner „Horroreffekt“ ausgepackt, wenn – SPOILER, aber überraschen wird das eh niemanden – Miguel von seinem eigenen Giftgas erwischt wird und (unlogischerweise, aber an dem Zeitpunkt will niemand mehr meckern, wenn wir dem Ende näher kommen) innerhalb von Sekunden zu Tode altert…

Auf der musikalischen Seite langweilen die Herrschaften Mike Post undPete Carpenter, die TV-Musik-Päpste der 70er und 80er, die eigentilch noch jeden lauen Heuler mit einem schmissigen Themezu versehen pflegten, hier aber offensichtlich nur die Kompositionen verwendeten, die sie in ihrer Schublade „Ausschuss“ fanden.

Darstellerisch steht und fällt ein Stoff wie Captain America natürlich mit seiner Titelfigur und Reb Brown… naja… ich gehöre erklärtermaßen zu der erleuchteten Minderheit, die den Sportskameraden durchaus sympathisch findet, aber ich würde ihn a) niemals einen auch nur ansatzweise erträglichen Schaupspieler nennen noch ihn b) auf eine ikonische Rolle, und selbst ein Fernseh-Cap ist ikonisch, loslassen. Brown war in den 80ern als Muckibursche, der mit Stirnband, Tarnanzug und Patronengurt diverse südostasiatische Kleinstaaten in Schutt und Asche legt, brauchbar, aber für Captain America fehlt ihm eindeutig Charisma, Ausstrahlung, Präsenz und Gravitas (ich gebe zu, Chris Evans hätte ich das auf Anhieb auch nicht zugetraut, aber der hat’s hinbekommen) – out-of-costume ist er einfach ein blondgelockter Surfer Dude, wie man ihn an jedem Strand tausendmal findet, dem man weder den Helden im Filmkontext abkaufen mag (und das ist ja schon gegenüber der Comicvorlage ein deutlich „reduzierter“ Held) und schon gar nicht im Comic-Sinne als den moralischen Kompass eines ganzen fiktiven Universums. Tja, und in-costume macht’s bei der hiesigen Inszenierung auch keinen Unterschied, ob man jetzt Brown, Robert de Niro oder einen namenlosen Stuntman in die rot-weiß-blaue Unterwäsche packt…

Connie Sellecca hat als neue Dr. Day nicht wahnsinnig viel zu tun – sie wäre theoretisch eine Verbesserung gegenüber Heather Menzies, aber das Script gibt weder ihr (die von hier aus zur kurzlebigen „Beyond Westworld“-Serie wechselte, ehe sie über „The Great American Hero“ dann zu ihrem Star-Turn in „Hotel“ kam) noch Len Birman, erneut dabei als Steve Rogers‘ Mentor/Chef Simon Mills, irgendwelche prägnanten oder gehaltvollen Szenen.

Reb Browns unwahrscheinliche love interest darf Katherine Justice mimen, eine erfahrene, aber undistinguierte TV-Aktrice, die sich seit Ende der 60er durch alle möglichen Serien werkelte, ohne irgendwo bleibenden Eindruck zu hinterlassen oder auch nur eine etwas langfristigere Rolle zu ergattern. 1983 schaffte sie für neun Episoden den Sprung ins Ensemble von „Falcon Crest“, aber danach ging’s wieder zurück zu one-offs in Kram wie „Hunter“, „T.J. Hooker“ oder „Blue Thunder“. Sieht man sie hier als Helen Moore, überrascht das kaum – es ist eine professionelle, aber völlig, hm, „sterile“ Vorstellung, die nicht danach schreit, als müsste man Justice unbedingt mit Hauptrollen zuschütten.

In Nebenrollen finden sich Veteranen und Routiniers wie Bill Lucking (Colonel Lynch im „A-Team“ und immer noch in Serien wie „Sons of Anarchy“ oder „Murder in the First“ aktiv), Stanley Kamel („Hunter“, „Melrose Place“ und natürlich Monks gestrafter Therapeut), Ken Swofford („Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All“, „Fame“, „Reich & arm“), Bond-Girl Lana Wood („Diamantenfieber“, Flucht aus gnadenloser Hölle) als Miguels Chef-Henchwoman und William Mims („Paint Your Wagon“, „Infam“). Einzig Lana Wood fällt wirklich auf, und sei’s, weil kick-ass-Schurkenbabes 1979 noch keine Selbstverständlichkeit waren.

Tja, und dann wäre da noch Christopher Lee. Wie wir schon etabliert haben, haben wir’s hier mit der Phase zu tun, die man böswillig den einzigen echten Karriereknick in der Laufbahn des großen Horrormimen nennen könnte – nach seinem Ausstieg aus der „Dracula“-Reihe dauerte es eine Weile, bis Produzenten und Regisseure realisierten, dass der Lee tatsächlich was *kann*. Bis dahin verschliss sich Lee unter Wert in Low-Budget-Eskapaden größtenteils ziemlich erbärmlicher Art, die hauptsächlich von seinem name value zu leben hofften. Da geht’s einem „Captain America II“ auch nicht anders als einem Charlie-Band-produzierten „Ende der Welt“ oder dem unsäglichen „Starship Invasions“ (mutmaßlich der schlechteste Film, in dem Lee jemals mitspielte. Ich hätte den gern wieder mal gesehen…). Und Lee, der sowieso eine stellenweise irrationale Abneigung gegen die von ihm bespielten Filme hatte, macht sich auch keine Illusionen, in welchem Kappes er mitspielt. He can’t be arsed, wie man auf gut Englisch so schön sagt (und das ist teilweise wirklich wörtlich zu verstehen: Lee brachte es nicht mal auf sich, für manche Mastershots persönlich vor die Kamera zu treten und überließ Szenen wie die Totale, in der sein Charakter aus einem Auto aussteigt und mit einem Koffer in den Wald spaziert, um dort auf den Flucht-Heli zu warten, seinem Double und stellte sich erst für die close-ups selbst vor die Linse). Ein-zweimal vergisst Meister Lee, dass er eigentlich gedenkt, den Auftritt hier mit dem geringstmöglichen Aufwand zu absolvieren und donnert mit seiner gewaltigen Stimme los, dass der mittlerweile sanft entschlafene Zuschauer aus Morpheus Armen gerissen wird, aber bei maximal zehn Minuten Screentime könnte auch ein voll motivierter Lee nicht wirklich den Film retten.

Bildqualität: Shout Factory packt beide Fernsehfilme in eine günstige Box. Der 4:3-Transfer von „Death Too Soon“ ist zweckmäßig – bei TV-Ware aus den 70ern kann man keine Wunderdinge erwarten (NTSC, Region 1).

Tonqualität: Gleiches gilt für den englischen Mono-Ton.

Extras: Nüsch.

Fazit: Erstaunlicherweise ist „Death Too Soon“ trotz der Mitwirkung eines nun wirklich amtlichen Schurkendarstellers wie Lee, der allerdings sowohl sträflich unterfordert bleibt wie auch keine sonderliche Motivation entwickelt, sich über das Material zu erheben, *noch* langweiliger als der erste Teil. Wiedergekäute „Ideen“, lustlose Inszenierung und die vollkommene Verfehlung einer Comic-Superhelden-„Attitüde“ lassen diesen Film zum wohl traurigsten Anti-Spektakel werden, der je in Marvels Namen auf die Menschheit losgelassen wurde. Da weiß man erst, was man am Pyun-„Cap“ haben sollte…

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© 2015 Dr. Acula