Charles Band - Kings of B-Movies II

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THE KINGS OF B-MOVIES - TEIL 2: CHARLES BAND

Endlich die langerwartete Fortsetzung der Interview-Reihe mit Größen des aktuellen B-Films. Das Interview mit Charles Band führte ich im August telefonisch (meine Telefonrechnung dankt es mir) und sollte eigentlich im immer noch für 2006 geplanten Buchprojekt verwurstet werden, da sich die Arbeit hieran aber verzögert (kein Witz - manhunter aus dem Jahre 2009) und ich schließlich nicht will, dass alle Informationen vollkommen veralten, kommt Ihr schon jetzt in den Genuss der weisen Worte des Full-Moon-Papsts. Viel Spaß!


badmovies.de: Charles, vielen Dank dafür, dass Du Dir die Zeit nimmst, um einige Fragen zu beantworten. Vielleicht beginnen wir mit einer biographischen Frage. Dein Vater war selbst Filmemacher (der Horror-Klassiker "I Bury The Living" geht auf sein Konto) - ich schätze, dadurch bist Du selbst quasi automatisch in die Filmszene hineingewachsen. Wolltest Du schon immer in die Fußstapfen Deines Vaters treten? Wie bist Du selbst zum Filmemacher geworden?

Charles: Es stimmt, ich bin praktisch auf Filmsets aufgewachsen. Meine Familie zog nach Europa, als ich neun Jahre alt war. Mein Vater drehte viele Filme in Italien, Spanien und Jugoslawien. Er liebte das Filmgeschäft. Aber ich durfte nicht nur zusehen - er liess mich mitarbeiten, gab mir Anfänger- und Aushilfsjobs auf den Sets. Ich hatte in der Hinsicht sehr viel Glück.
Aber eigentlich wollte ich damals selbst nicht ins Filmgeschäft. Ich habe meinen Vater, der vor einigen Jahren gestorben ist, und seine Einstellung sehr bewundert. Er war ein perfekter Produzent und sehr geduldig im Umfgang mit den Künstlern. Ich habe das bewundert und diese Kunst geliebt, aber ich wollte das nicht selbst machen. Ich wusste, dass ich in den Unterhaltungsbereich wollte, etwas Kreatives machen, aber nicht gerade Filme.
Ich war vielmehr ein begeisterter SF- und Fantasy-Comic-Fan und -Sammler. Als wir in die Staaten zurückkehrten, haben sich diese zwei Lieben irgendwie miteinander verbunden - das Training, das ich durch meinen Vater als junger Filmemacher erhalten hatte, und meine Comic-Leidenschaft. Ich konnte etwas Geld auftreiben, knüpfte einige Kontakte und machte meine ersten kleinen Horrorfilme. Und wenn man mal damit angefangen hat, kann man nicht mehr aufhören - es ist wie eine Sucht.
Man kann also sagen, es war eine Kombination daraus, im Filmbusiness aufzuwachsen und die Liebe für das phantastische Genre. Mein Vater hat Western und große epische Filme gemacht, sehr viel verschiedene Themen beackert, aber ich habe schon immer SF und Fantasy geliebt.

"Ich wusste, dass ich etwas kreatives machen wollte, aber nicht gerade Filme!" Charles Band


badmovies.de: Wann hast Du Dich dazu entschieden, alles selbst zu machen, also Deine eigene Produktionsfirma zu gründen?

Charles: Es passiert den meisten umtriebigen Filmemachern - man lernt, dass es, je weniger man sein Geschäft, seine Vertriebswege kontrolliert, immer schwieriger wird, Geld zu verdienen und zu überleben. Unglücklicherweise war der Vertrieb kleinerer Filme damals, Ende der 70er Jahre, ein ziemlich hartes Brot - man hat selten Geld gesehen. Normalerweise lief es so: du arbeitest hart, gibst dein "Baby" an einen charmanten Produzenten, der gibt dir einen kleinen Vorschuss, erzählt dir das Blaue vom Himmel, was du noch an Kohle dafür bekommen wirst, aber davon siehst du keinen Cent. Das passiert dir drei- oder viermal, dann hast du's begriffen und machst deine eigene Firma.
So um 1979/80 wurde es wirklich praktisch unmöglich, kleine Filme auf die althergebrachte Methode zu vertreiben, also entschied ich mich, es selbst zu machen. Es sah nicht so kompliziert aus. Du hast dein Büro, die Käufer kommen und kaufen deine Filme, also warum machst du's nicht gleich selbst?
Ich begann 1980 mit Empire International, eigentlich um die Auslandsverkäufe meiner Filme zu regeln. Ich hatte einen fertigen Film und zwei Poster für noch nicht gedrehte Filme und fuhr zu meiner ersten Filmmesse. Es lief alles sehr gut - die Kunden mochten es, dass ich tatsächlich selbst der Filmemacher und nicht irgendein windiger Mittelsmann war.


badmovies.de: Full Moon war, speziell in den 90ern, dafür berühmt, den Fans eine Rundumbedienung zu liefern, es gab Soundtrackalben auf dem eigenen Label, Comics, Spielzeug, alles an Merchandise, was man sich vorstellen konnte...

Charles (unterbricht bereits an dieser Stelle): Im Endeffekt läuft alles auf die Finanzierung hinaus. Das war bei Empire so, bei Full Moon, und bei meiner neuen Firma Wizard. Ich versuche, die Fehler zu vermeiden die ich in der Vergangenheit gemacht habe.
Wenn man keine richtige wirtschaftliche Ausbildung hat, lernt man nur durch die Erfahrung. Man braucht die richtigen Partner, Partner, die an das glauben, woran du glaubst, die deine Vision teilen.
Was mit Empire und Full Moon passierte - ich hatte die falschen Partner. Man traf auf einmal Entscheidungen, um bestimmten Investoren zu gefallen... ehe du dich versiehst, vertreibst du Filme anderer Leute und musst bei deinen eigenen Produktionen an allen Ecken und Enden sparen.
Bei Full Moon haben wir Filme auf Digital Video gedreht - es ist billiger, aber es hat halt seine Nachteile. Am Ende zog jeder in eine andere Richtung, man verliert die Kontrolle.
Ich will eigentlich immer nur Filme machen - und dann sitze ich plötzlich hinter dem Schreibtisch und produziere andere Regisseure. Manchmal klappt das, aber manchmal ist es eine reine Katastrophe.
Bei Wizard habe ich nun neue Partner und ich muss mich nicht darauf beschränken, mir Ideen auszudenken, sondern kann wirklich Filme produzieren und Regie führen. Ich habe bereits fünf Filme abgedreht. Sie erinnern sehr an die frühen Empire- und Full-Moon-Filme.
Ich hoffe, dass Wizard eine ganze Weile erhalten bleibt - man sagt ja, aller guten Dinge sind Drei....
Ich mag den gesamten Prozess des Filmemachens. Es macht viel Spaß, sich Ideen auszudenken, aber es ist wirklich aufregend, dabei zuzusehen, wie sie "zum Leben erwachen". Regie führen ist wirklich großartig, es ist toll, mit guten Schauspielern am Set zu arbeiten. Aber ich mag auch das Marketing. Ich arbeite daran, dass Wizard ein gutes Image erhält, mit der Website, mit meinem Blog.
Mein neuer Film, "Doll Graveyard", erinnert ein wenig an "Puppet Master". Ich denke, er hat die gleichen Qualitäten. Wunderbare Schauspieler, tolle Puppen - er ist auf 35 mm gedreht und sollte um Halloween (2005, Anm. d. Verf.) in den USA erscheinen. Ich bin wirklich stolz auf den Film und es macht mir sehr viel Spaß, jetzt das Marketing dafür zu machen; es macht Spaß, das Artwork zu entwerfen. Und wenn der Film dann erst einmal erschienen ist, und das Feedback kommt... das ist toll. Der ganze Prozess ist toll.

"'Doll Graveyard' ist ein gutes Musterbeispiel für einen Low-Budget-Film"


badmovies.de: Man könnte behaupten, dass Full Moon eigentlich die Angewohnheit aufbrachte, Bonusmaterial auf die Videokassetten und Laserdiscs zu packen, die "Video Zone"- Segmente. Heute erscheint praktisch kein Heimvideo-Release ohne Making-of, Interviews etc. Würdest Du Dir diese Erfindung als Deine anrechnen?

Charles:*lacht* Ich sollte...
Man muss sich ja erinnern, das war lange bevor DVDs aufkamen. Ich fand die idee toll, behind-the-scenes-Aufnahmen, Outtakes für die Fans zusammenzustellen, die Fans direkt anzusprechen. Mit Paramount, die damals die Full Moon-Filme vertrieben, gab das immer Probleme wegen der VHS-Videos...
Sie sagten, "deine Filme sind 90 Minuten lang, das ist ja okay, aber jetzt müssen wir noch mal Geld ausgeben, für 30 Minuten zusätzliches Bandmaterial für die 'Video Zone', das sich vielleicht eh kein Mensch ansieht". Aber ich sagte, dass die Fans es lieben, einen Blick hinter die Kulissen eines Films zu werfen. Ich würde nicht soweit gehen, dass ich das "erfunden" habe, aber ich war zumindest der einzige unabhängige Produzent, der ein kleines Potpurri aus behind-the-scenes-Mateiral in ein Programm steckte.


badmovies.de: Besonders in Zeiten, in denen B-Filme unter vergleichsweise extrem geringen Budgets leiden - wie wichtig ist die Story im Vergleich zum Bedürfnis, viele aufwendige Spezialeffekte einzubauen?

Charles: Das ist eigentlich egal, ob du einen Low-Budget-Film oder eine 150-Mio-Dollar-Blockbuster-Extravaganz vor dir hast. Wenn du keinen Bezug zu den Charakteren hast, wenn keine Story da ist, dann funktioniert der Film nicht. Du hast dann vielleicht supertolle Effekte, aber keinen Film. Wir können uns keine großen Effekte leisten, also müssen wir ganz besonders darauf achten, dass die Story über die Charaktere funktioniert. "Doll Graveyard" ist ein sehr kleiner Film. Wir haben 10 Tage gedreht, aber ich denke, wir haben einen guten Job abgeliefert. Man sorgt sich um die Figuren, wir haben attraktive Charaktere, gute Performances, tolle Puppen.
Der Film ist seltsam, lustig, unheimlich - ich denke, es ist ein gutes Musterbeispiel für einen Low-Budget-Film. Ich hatte einen sehr guten Kameramann. Ich habe Filme gesehen, die das hundertfache Budget hatten, die aber nicht so viel Spaß machen, weil man keinen Bezug zur Story findet. Man brauch unbedingt eine zwingende Story.

"Stuart Gordon wusste, wie man mit Schauspielern umgehen musste, und er hatte Ahnung vom Storytelling."


badmovies.de: Du hast mit vielen verschiedenen Regisseuren wie Albert Pyun, David Schmoeller, Fred Olen Ray, Stuart Gordon usw. zusammengearbeitet. Mit wem hast Du am liebsten zusammengearbeitet und warum?

Charles: *lacht* Am allerliebsten mit mir. Ich bin als Regisseur sehr einfach zu handhaben, aber der Produzent "ich" sitzt ihm immer im Nacken.
Wenn ich einen herausnehmen würde... es wäre unfair, sie sind fast alle gute Freunde geworden, z.B. Ted Nicoleau.
Die Regisseure, die die beste Arbeit abliefern, sind, grob gesagt, die mit der meisten Erfahrung. Stuart Gordon machte mit Re-Animator damals zwar seinen ersten Film, aber er hatte riesige Erfahrung vom Theater; er wusste, wie man mit Schauspielern umgehen musste, und er hatte Ahnung vom Storytelling.
Sicher will man jungen Regisseuren eine Chance geben, aber in den letzten Jahren habe ich festgestellt, dass die jungen Leute viel Ahnung von Technik haben und mit viel Selbstvertrauen an die Sache herangehen, aber sie wissen nicht, wie sie mit Schauspielern umgehen müssen, sie wissen nicht, wie sie mit der Kamera eine Geschichte erzählen - dann wird der Film nicht gerade gut. Wir haben bei Full Moon in den letzten Jahren einige schlechte Filme gemacht.
Ich habe in den letzten acht Monaten fünf Filme abgedreht - das hat viel Spaß gemacht, aber wir mussten ans Limit gehen, jeden Dollar dreimal umdrehen, bevor wir ihn ausgeben. Wenn wir mehr Geld hätten, wäre es sicher einfacher...


badmovies.de: Speziell mit Deiner früheren Firma Empire hast Du nicht nur Genre-Filme, sondern auch einige Mainstream-tauglichere Filme, wie die Komödie "Buy & Cell" mit Robert Carradine und Roddy Piper, produziert. Full Moon dagegen blieb strikt im Genre. War das eine wirtschaftliche oder eine persönliche Entscheidung?

Charles: Zurückblickend war es vor allem, was Empire angeht, keine gute Entscheidung.
Es war das Ergebnis davon, dass sich andere Leute in die Entscheidungen einmischten, die wollten, dass wir Mainstream-Filme drehten und bestimmte namhafte Schauspieler verwendeten. Es war ein großer Fehler. Aber damals hatten ich nicht die Erfahrung - du willst entgegenkommend sein. Es ist schließlich nicht leicht, mit den Leuten zu streiten, die das Geld haben, aber ich würde es nicht noch mal tun.
Bei Full Moon war es Paramount oder andere Investoren, die irgendwelchen Kram haben wollten, den wir dann vertreiben mussten. Es war schrecklich.
Ich liebe das phantastische Genre. Es klingt ganz logisch, dass man bei dem bleiben sollte, was funktioniert, aber manchmal macht man die falschen Dinge aus den falschen Gründen.
Bei Wizard habe ich jetzt das Gefühl, dass alle am gleichen Strang ziehen.

"Den meisten Spaß am Dreh hatte ich mit Tim Thomerson" (hier in "Trancers 4")


badmovies.de: Du hasttest Gelegenheit, mit so großartigen Schauspielern wie Tim Thomerson, Richard Lynch, Jeffrey Combs, Gary Busey, Helen Hunt oder Demi Moore zu arbeiten. An die Zusammenarbeit mit wem erinnerst Du Dich am liebsten?

Charles: Oh, da habe ich das gleiche Problem wie bei der Frage nach dem Lieblingsregisseur. Es wäre nicht fair, jemanden hervorzuheben. Den meisten Spaß am Dreh hatte ich allerdings ohne Zweifel mit Tim Thomerson, mit dem ich die "Trancers"-Reihe, "Dollman" und "Dollman vs. Demonic Toys" gedreht habe. Tim ist ja ein großartiger Stand-up-Comedian - wir haben eigentlich permanent gelacht. Es war wirklich lustig, mit ihm zu arbeiten, als wäre man in einem Comedy-Club.
Das tolle ist es, wenn man mit neuen Schauspielern, die gerade erst dabei sind, sich einen Namen zu machen, arbeiten kann. Es ist viel aufregender, neue Talente zu entdecken. Ich kann es mir eh nicht leisten, große Stars zu engagieren, aber selbst wenn ich könnte, mir gefällt einfach die Idee - du hast die Idee für einen Film mit kleinem Budget. Dein Casting-Büro schaut sich vielleicht 1000 Leute an. Du selbst siehst die Top 10 für die Rolle und dann ist darunter der eine spektakuläre Volltreffer, der gerade in die Stadt gekommen ist und du siehst, der ist toll und du weißt, der wird mal ein großer Star werden. Das ist mir mit Demi Moore ("Parasite"), Kelly Preston ("Metalstorm") und Viggo Mortensen (Prison) passiert.
Du hast auf einmal dieses Gefühl, diese Person könnte ein Star werden. Bei "Doll Graveyard" haben wir einige Leute, die eine sehr gute Chance haben. Ich möchte wetten, dass mindestens einer der Darsteller den ganz großen Durchbruch schafft.


badmovies.de: Wir wollen es nicht wegdiskutieren - während der letzten zwei Jahrzehnte war nicht immer alles rosarot. Empire musste aufgeben, Full Moon geriet in große Probleme, gerade als es so aussah, als könnte die Firma größere Filme für den Kinoeinsatz anpacken. Wie hast Du Dich in diesen schlechten Zeiten gefühlt? Hast Du je daran gedacht, einfach aufzugeben und das Business zu verlassen?

Charles: Oh ja, diese Momente gab es. Aber immer, wenn ich übers Aufhören nachgedacht habe, wurde ich irgendwie wieder ins Geschäft zurückgezogen. Es kann sehr deprimierend sein. Wie schon gesagt, es hängt letztlich IMMER vom Geld ab, oder davon, dass man eben kein Geld hat, um weiterzumachen. Das frustriert. Dann kuckst du dir die Gründe an, überlegst, was du hättest anders machen können oder müssen, warum du es so gemacht hast, wie du's gemacht hast, und gibst dir selbst die Schuld.
Dieses Mal werde ich nicht wieder die gleichen Fehler machen. Ich bleibe auf dem richtigen Weg - für die Fans, die sich die Filme kaufen, die Actionfiguren sammeln. Dann wird es ein erfolgreiches Geschäft werden. Ich verspreche, dass ich auf Kurs bleibe. Ich kann die Leute natürlich nicht dazu zwingen, meine Filme auszuleihen oder zu kaufen, aber ich bin mir sicher, ob Wizard ein Erfolg oder ein Fehlschlag wird, wird nur von den Fans abhängen und nicht von Entscheidungen, die ich oder andere Leute treffen.
Wizard wird hoffentlich das endgültige Label werden - aller guten Dinge sind Drei.

"Du weißt, der wird mal ein großer Star werden!" Viggo Mortensen als James-Dean-Imitator in "Prison"


badmovies.de: Kannst Du uns etwas über die berüchtigte Full Moon/Paramount-Scheidung erzählen?

Charles: Es ist lustig... alle denken, das wäre eine richtig verrückte Sache gewesen. Aber es war am Ende doch wieder nur das Geld, nicht die Kreativität. Das Problem ist - es hat noch nie einen unabhängigen Produzenten gegeben, der sich sich mit einem Major-Studio verbindet und am Ende keine großen Schwierigkeiten hat. Es ist nicht "gut gegen böse" - der "Große" ist nun mal darauf aus, dem Unabhängigen das Blut auszusaugen. Das ist einfach der Lauf der Dinge - deine Verträge werden schlechter, du bekommst keine vernünftigen Abrechnungen mehr. Es wurde ein Albtraum. Ich musste aus der Paramount-Beziehung raus. Es war sehr schmerzhaft - ich musste Moonbeam, mein Label, bei dem die "Prehysteria"-Filme, Kinderfilme, erschienen, abgeben. Das war ein Teil des Handels - ich musste ihnen das Label geben, aber ich habe es wenigstens geschafft, von Paramount wegzukommen und weiter Filme zu machen.
Es war sicher auch mein Fehler, damals lief die Paramount-Beziehung noch so gut, dass beide Seiten zufrieden hätten sein könne. Wir hätten gemeinsam erfolgreich sein können, aber es endete mit einem bitteren Beigeschmack.
Aber ich war nicht der einzige Unabhängige mit solchen Problemen.


badmovies.de: Mit welchen Problemen hat ein Produzent von Low-Budget-Filmen heutzutage zu kämpfen? Ich schätze, dass es vor 10-15 Jahren wesentlich einfacher war, auf diesem Gebiet zu arbeiten.

Charles: Das ist wahr. In den späten 80ern, frühen 90ern war es wesentlich einfacher. Wir werden sehen, wie das mit Wizard funktioniert. Wir machen kommerzielle Filme - sie gefallen den Leuten, hoffentlich. Aber die Videoketten und Fernseh-Networks gehören den großen Studios. Es ist schwierig für ein unabhängiges Label, in diese Märkte einzubrechen und in die Ladenregale bei Blockbuster usw. zu kommen. Es hängt auch von den Fans ab - wenn sie die Filme wollen und uns unterstützen, können sie uns anrufen oder e-mailen. Wir sind ein kleines Indie-Label, man wird uns nicht in jedem Laden finden. Aber man kann direkt bei www.fullmoondirect.net bestellen.
Mein kühnster Traum wäre, dass jeder, der unsere Filme sehen will, auf unsere Website geht, dort bestellt und uns seine 15 Dollar schickt. Das würde mein Leben mächtig vereinfachen...

badmovies.de: Hypothetische Frage - wenn man Dir 100 Millionen Dollar geben würde, damit Du einen Film ganz nach Deinem Gusto drehen kannst - wie würde er aussehen?

Charles: Oha. Ich wüsste nicht, was ich mit 100 Millionen Dollar anfangen sollte - dafür fehlt mir das Training. Ich würde die 100 Millionen Dollar gut anlegen und von den Zinsen bis in alle Ewigkeit Filme drehen...

"'Head of the Family' ist ein recht unbekannter und seltsamer, aber ziemlich guter Film."


badmovies.de: Welches wären Deine Lieblingsfilme von denen, die Du selbst gedreht oder produziert hast?

Charles: Oh, das ist auch nicht gerade einfach, wenn man 200 Filme gemacht hat... versuchen wir mal eine Top Five... auf jeden Fall Trancers, "Subspecies", ein recht unbekannter und seltsamer, aber ziemlich guter Film namens "Head of the Family", einer von den "Puppet Masters"... hm, vielleicht der dritte - nein, doch lieber der erste. Und "Doll Graveyard".


badmovies.de: Welche anderen Regisseure würdest Du als Deine Einflüsse nennen?

Charles: Das ist aus dem Stegreif auch schwierig. Ich bin ein großer Fan von Steven Spielberg. *überlegt* Und Stanley Kubrick. Der hat wirklich unglaubliche Sachen gemacht.


badmovies.de: Abschließend, uns läuft leider ein wenig die Zeit davon... was wäre der EINE Ratschlag, den Du einem jungen, ambitionierten Filmemacher geben würdest?

Charles: Ich bin sicher schon hunderte Male über den Prozess des Filmemachens befragt worden. Deswegen habe ich Cinemaker zusammengestellt. Auf sechs DVDs wird da wirklich alles erklärt, von der Vorproduktion über die Produktion bis zur Post-Produktion und zum Marketing, und das von Profis - Roger Corman, John Carpenter, Stuart Gordon, meiner Wenigkeit. Es gibt sicher viele Bücher zum Thema, aber die behandeln immer nur Ausschnitte aus dem Puzzle. Ich wollte etwas vollständiges schaffen. Es kostet nur 49.95 $, es sind sechs DVDs. Sie sind sehr nützlich, man erfährt coole Sachen - ich hab sehr viel Zeit hineingesteckt.
Aber um eine kurze Antwort zu geben:
Man muss ins kalte Wasser springen. Du kannst zur Filmhochschule gehen und studieren, aber Erfahrungen aus erster Hand sind viel wichtiger als die Theorie. Finde einen Film, der in deiner Stadt gedreht wird (wenn in deiner Stadt keine Filme gedreht werden, dann gehe dahin, WO gedreht wird), dränge dich auf - sag, dass du umsonst arbeitest, ganz egal in welchem Bereich, als Aushilfe, egal. Lerne das System kennen, lerne Leute kennen. Ein Job verschafft dir den nächsten Job, dann den nächsten usw. In den großen Städten wie New York oder L.A. musst du einfach Klinkenputzen. Es ist egal, was es "kostet" - arbeite kostenlos, sag, dass du aus Leidenschaft arbeitest!


badmovies.de: Dann bleibt mir nur noch, mich nochmals bei Dir für Deine Zeit, Deine ausführlichen und ehrlichen Antworten zu bedanken. Es war wirklich ein Vergnügen.

Charles: Danke, es war auch ein Vergnügen, mit Dir zu plaudern. Bye!