Cold Around the Heart
Aus Badmovies.de
USA 1997, 93 min
Regie: John Ridley
Darsteller: David Caruso (Ned), Kelly Lynch (Jude), Stacey Dash
(Beg), John Spencer (Mike), Chris Noth (T), Richard Kind (Nabbish),
Pruitt Taylor Vince (Cokebottles)
Ned und Jude sind ein Pärchen wie dereinst Bonnie und Clyde. Naja.
Sowas ähnliches. Wobei Bonnie beim Sex mit Clyde sicher nicht
darüber philosophierte, ob Gott und die "Bezaubernde Jeannie" sich
streiten würden... jedenfalls sind Ned und Jude auch Ganoven und
weil Ganoven nun mal solche Dinge tun, klauen sie einem
Provinzjuwelier die wertvollsten Klunker. Das aber macht noch nicht
genug Spaß und so killt Jude im Rahmen dieses Raubüberfalls drei
Leute und schmeißt auf der Flucht dann auch noch den armen Ned aus
dem Fluchtauto. Liebe muß was herrliches sein - da ist unsereins
doch für sein Singledasein mal wieder dankbar. Während Jude also
solo, dafür aber mit Juwelen, das Weite sucht, landet Ned im
Krankenhaus und unter polizeilicher Bewachung, der er sich aber
schnell entzieht - Rache ist bekanntlich Blutwurscht, und so
schwört Ned sich beim Grab seiner noch lebenden Großmutter, die
treulose Tomate Jude aufzutreiben und unter die Erde zu befördern.
Auf seiner Flucht gabelt er die Ausreißerin Beg auf, die fortan
nicht von seiner Seite weicht - was natürlich Probleme bedeutet,
und zwar schon, als Ned seinen alten Kumpel Mike aufsucht und der
dem Junggemüse unbürokratisch an die Wäsche will...
Als Ned schließlich Jude gegenübersteht, ist's mit dem Allemachen
auf einmal gar nicht mehr so eilig, denn nur Jude weiß schließlich,
wo die Juwelen sind...
Der Film: First things first. Der deutsche DVD-Titel "Oliver
Stone's Menschenjagd" ist nicht nur grammatikalisch falsch (das
mußt DU sagen - der Setzer), sondern natürlich schwachsinniger
Schwachfug - mehr als daß Oliver Stone Regisseur John Ridley, der
für Stone das Script zum einzig ansehbaren J.-Lo.-Film "U-Turn"
verfaßte, als executive producer unter die Arme griff, hatte der
Schöpfer von "JFK", "Platoon" und "Natural Born Killers" mit dem
Streifen nicht zu tun, aber deutsche Videoanbieter waren sich ja
seltenst für den offensichtlichsten Marketingschachzug zu schade -
im Original heißt der Streifen "Cold around the heart", was ein gar
nicht mal so unpassender Titel ist.
Denn, und das habt Ihr sicherlich schon der obigen Zusammenfassung
entnommen, wir haben's mal wieder mit einem Vertreter der
Post-Tarantino-New-Wave-Gangsterfilme zu tun, der uns die übliche
Mischung aus Road Movie und Thriller mit den zu erwartenden
hip-zynischen Dialogen um die Ohren schlägt und dessen Drehbuch mit
den drei einfachen Worten "jeder verarscht jeden" erschöpfend
umschrieben ist. Im Gegensatz zu dem gerade erst besprochenen
Baldwin-Vehikel "Die Falle" funktioniert "Menschenjagd" aber dann
doch relativ gut, auch wenn das Script nach all den "True Romance"
dieser Welt keinen Blumentopf für Originalität mehr gewinnt - mit
den auch dort schon angesprochenen Meilensteinen des Genres kann
der Film in keiner Teildisziplin mithalten, aber ein raffiniert
konstruiertes und schlüssiges Script verleiht dem Film dennoch
einen nicht zu vernachlässigenden Unterhaltungswert. Die ein oder
andere Wendung kommt doch überraschend, das gelegentliche
Aufblitzen von Humor lockert die Sache auf und ein paar
ernsthaftere Themen wie sexueller Mißbrauch oder sich konsequent
daraus entwickelnde Unterdrückung von Frauen, die dem als einzige
Waffe ihren Sex gegenüberstellen können, werden zumindest
angerissen und verleihen dem Streifen ein wenig Tiefgang.
Das alles kann aber nicht gänzlich darüber hinwegtäuschen, daß
manche Dialoge etwas gekünstelt wirken und der Film insgesamt ein
wenig arm an Action und Thrill ist - es wird nie richtig
langweilig, aber ein paar aktionsgeladenere Szenen hätten insgesamt
sicher nicht geschadet - Ridleys Regiestil ist zudem ein wenig
bieder - kann man insofern auch positiv sehen, als er sich nicht
krampfhaft an den Stil seines Mentors Stone (oder den von Tarantino
himself) anbiedert, aber visuell bietet der Streifen
vergleichsweise wenig Reize mit Ausnahme derer von Kelly
Lynch...
Womit wir beim Thema Schauspieler wären. Kelly Lynch ist einem
großen Publikum spätestens seit ihrer lederintensiven
Schurkinnenrolle aus "Drei Engel für Charlie" ein Begriff und macht
auch hier als fiese femme fatale in allen Gesichtspunkten eine gute
Figur (lechz) - womit gesagt sein soll, daß Kelly nicht nur
verteufelt gut aussieht, sondern auch schauspielerisch durchaus zu
überzeugen weiß. David Caruso hingegen... naja, ich werde wohl
niemals mehr sein spezieller Freund werden. Nicht nur, daß Caruso
hier mit einer Frisur gestraft ist, die allenfalls wahlweise a) bei
Boris Becker oder b) einer Vogelscheuche durchgehen würde,
insgesamt mag ich ihm den Charakter des charismatischen Machos, bei
dem die Frauen schier dahinschmelzen (etwas übertrieben, ich weiß,
aber man wird ja mal dramatisieren dürfen), nicht abnehmen. In
einem anderen Tarantino-Rip-off, "Body Count" (dem mit Linda
Fiorentino und Ving Rhames) gefiel er mir deutlich besser.
Stacey Dash macht ihre Sache als Beg, die unverhofft in die
Gangsterfehde reingezogen wird, recht gut und in kurzen, aber
prägnanten Auftritten geben sich Mark Boone jr. (vorzüglich in
"Trees Lounge") und "Chaos City"-Chaot (eh) Richard Kind (in der
Sitcom spielt er den Bürotrottel Paul Lassiter) die Ehre.
Bildqualität: Der Print, den Laser Paradise aufgetrieben hat, ist
nicht von schlechten Eltern - zwar konnte sich das Label wohl
einmal mehr nicht dazu durchringen, ganz das ursprüngliche
2.35:1-Widescreen-Format auf die Scheibe zu bannen (mir war so, als
würde ab und an an den Seiten etwas fehlen), dafür beeindrucken
Bildschärfe und Farben in absoluter Klarheit und ohne jegliche
Störung (trotzdem wäre es kundenfreundlich von Laser Paradise, wenn
man dort mal die Entscheidung treffen könnte, die Bildformate
explizit auf die Box zu schreiben). Summa summarum aber doch eine
sehr ansehnliche Präsentation.
Tonqualität: Den gerade beim Bild ausgeteilten prinzipiellen Rüffel
muß ich in dieser Sparte noch mal ausdrücklich wiederholen - etwas
mehr als "Ton: Dolby Digital" könnte LP schon auf seine Hüllen
picheln, denn hinter der Bezeichnung kann von Mono-Sound bis einem
5.1-Feuerwerk sprichwörtlich alles stecken. Letztendlich verbirgt
sich bei "Menschenjagd" tatsächlich ein sehr akzeptabler 5.1-Mix -
auch wenn der Streifen nicht gerade ein reiner Toneffekte-Showcase
ist, überzeugt die Abmischung allemal - klare Trennung von
Dialogspuren, Soundtrack, Effekten, insgesamt ein angenehm
räumliches Gefühl, daß die Tonspur (übrigens die einzige)
erzeugt.
Ausstattung: Nicht weltbewegend, aber immerhin etwas - es gibt
Produktionsnotizen sowie Biographien für Stone, Caruso und Lynch,
die kurioserweise nicht nur auf Texttafeln präsentiert werden,
sondern parallel vorgelesen werden. Irgendwie nett, auch wenn die
Informationen teilweise redundant sind... Untertitel oder
englischen Originalton gibt's leider nicht, auch für einen Trailer
hat's nicht gereicht (noch nicht mal für 'ne Trailershow!).
Fazit: Sicher kann "Menschenjagd" nicht in der selben Liga
mitkicken, in der "True Romance", "Kalifornia", "Bube Dame König
grAs" oder "Natural Born Killers" spielen - hier ist alles ein
wenig bescheidener, ein wenig kleiner, ein wenig schwächer. Das
macht den Streifen für Freunde des Genres aber beileibe nicht
uninteressant, merkt man doch erst, wenn man einen Film aus der 2.
Liga des Genres recht kurz nach einem Vertreter wie "Die Falle",
der vergleichsweise bestenfalls in der Oberliga dümpelt,
betrachtet. "Menschenjagd" ist insgesamt solide unterhaltsam, mit
Ausnahme von David Caruso überzeugend gespielt und zumindest
routiniert inszeniert. Ein gutklassiger Bild- und Tontransfer
verschafft der DVD Bonuspunkte, so daß ich letztendlich den
Genrefans (zu denen ich mich durchaus zähle) durchaus empfehlen
möchte - keine Weltsensation, aber ein ansehnlicher kleiner
Thriller (und mit Kelly Lynch, falls ich das nicht schon irgendwo
anmerkte...).
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