Collectionneur, Le
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LE COLLECTIONNEUR (dt.: "The Collector")
Regie: Jean Beaudien
Darsteller: Maude Guérin (Maud Graham), Luc Picard (Mike), Lawrence
Arcouette (Grégoire), Charles-André Bourassa (Fréderic), Julie
Ménard (Josée), Alexis Martin (Alain), Yves Jacques (Fracteau),
Christian Bégin, Yvan Ponton
Wer der Meinung war, Serienkiller würden sich mit Vorliebe in
US-amerikanischen Großstädten rumtreiben, sieht sich getäuscht -
auch das filmisch bislang kaum erkundete Quebec muß sich mit seinem
eigenen Wahnsinnigen auseinandersetzen. Der garstige Killer
meuchelt mit Vorliebe sportlich-durchtrainerte junge Frauen und
beläßt es nicht bei bloßer Mörderei, sondern mag sich von den
Opfern 'ne Scheibe abschneiden - im Klartext amputiert er den
Opfern Arme, Beine, Brüste und was man sonst so brauchen könnte.
Die Polizei, in Form der einzelgängerischen Ermittlerin Maud
Graham, tappt im Dunkeln, so dass Maud sich zur Flucht nach vorn
entscheidet und den Killer bei einer TV-Pressekonferenz nicht nur
mit ihrer Theorie, er würde sich "eine perfekte Frau"
zusammenbasteln, sondern auch mit einer vermuteten Mutterfixation
(was bei Serienmördern ja noch meistens gestimmt hat) provoziert.
Der Killer nimmt die ausgesprochene Herausforderung dankend an und
auch wenn Maud offiziell keine ihr nahestehenden Bezugspersonen
hat, die man aufs Korn nehmen könnte, findet er Ansatzpunkte - denn
Maud ist zwar zu Kollegen und dem, was man in Ermangelung
geeigneterer Wörter "Freunde" nennt, recht rüde, hat aber doch ein
großes Herz (TM) und sorgt sich um zwei Straßenkinder - den
sechzehnjährigen Stricher Gregoire und den zwölfjährigen Ausreißer
Frederic... für den psychopathischen Mörder von Welt bieten sich da
doch Möglichkeiten...
Der Film: Zu den Fakten des Lebens, die man auch als
selbstproklamierter Filmgeek nicht unbedingt wissen muß, zählt die
Tatsache, dass die renitente und latent abspaltungswillige
kanadische Provinz Quebec nicht nur den Rest ihrer Landsleute damit
nervt, auf der französischen Sprache zu beharren, sondern sich auch
eine eigene, kleine, sowohl national als auch international kaum
beachtete, selbstredend französischsprachige Filmindustrie gönnt
(das ist umgerechnet ungefähr so, als würden die Schwaben oder
Sachsen nur für ihren eigenen Gebrauch ganze Filme drehen). Nun
lösen diese Filme nicht mal in Rest-Kanada gesteigertes Interesse
aus und für den Versuchsballon, einen richtig aufwendig
inszenierten großen Prestige-Film ins Rennen zu schicken, bediente
man sich daher einer vergleichsweise surefire-Methode für
potentielle Kassenschlager - ein Serienkillerfilm - nicht die
neueste aller Ideen (gähn), aber immerhin bewährt. Das eingebaute
Querulantentum der Quebecer ließ sich aber dennoch nicht
unterdrücken - als Vorlage wurde ein (zumindest in Quebec)
erfolgreicher und bekannter Thriller einer Quebecer Autorin
hergenommen.
Was letztendlich in Form von "The Collector" über die
Fernsehschirme des geneigten Publikums flimmert, ist durchwachsen,
was vor allem am ziemlich weitschweifenden Drehbuch liegt, das
einige Probleme beinhaltet - zum einen ist die Motivation des
Killers eine der schwächsten, die ich je gehört habe (sofern man
überhaupt davon reden will, dass es sich um eine "Motivation"
handelt - der irgendwie unpassend angetackert wirkende Prolog, der
des Killers Dachschaden erklären soll, gibt mir mehr Rätsel auf als
er löst) - zum anderen nervt auf die Dauer der ausufernde Subplot
um Mauds soziale Ader und ihre Schützlinge Gregoire und Frederic
(klar, die sollen im Sinne der Story als Ersatz-Familie dienen,
aber die Eskapaden der beide und Mauds laissez-faire-Einstellung
demgegenüber lassen mich an ihrer Qualifikation als Gesetzeshüterin
empfindlich zweifeln); zwar fügt sich dieser Subplot noch halbwegs
harmonisch in die eigentliche Handlung ein, aber viele der Szenen
mit Gregoire und Frederic führen einfach nirgendwohin und halten,
um's salopp zu formulieren, den Betrieb auf - die betreffenden
Charaktere gewinnen durch die ständigen Wiederholungen derselben
Thematiken keine zusätzliche Tiefe, die nicht schon längst
etabliert wäre. Wenn sich der Film auf seine eigentliche
Thriller-Thematik beschränkt, funktionert er ganz gut, wenngleich
Veteranen von Genre-Beiträgen wie "Das Schweigen der Lämmer" o.ä.
wenig neues geboten wird - in diesen Parts zeigt sich der Streifen
aber versiert inszeniert und drückt sich auch nicht um einige recht
drastische (für eine FSK-16-Freigabe) Gore-Szenen, wobei der Film
in "Lämmer"-Tradition nicht die Tat, sondern die Ergebnisse
derselben "würdigt". Ein ganz großer Schwachpunkt des Films ist
allerdings sein Schlußdrittel - nicht nur, daß das Finale wenig
originell gestaltet und auch verdammt unaufregend umgesetzt ist, es
wird eher mäßig vorbereitet - dem Showdown geht eine beinahe endlos
lange, ermüdende Entführungs- und "Verfolgungs"-Sequenz voraus, die
man anstelle der beinahe 20 Minuten, die sie sich Zeit nimmt,
locker und zum Wohl des Films auf drei-vier Minuten hätte
zusammenstauchen können - allein in dieser Phase verrauchte fast
mein komplettes Interesse am Ausgang der Story.
Handwerklich ist der Streifen allerdings perfekt - im Gegensatz zu
vielen anderen kanadischen Genre-Produktionen sieht "The Collector"
tatsächlich nach "großem Kino" aus, die Kameraführung ist nicht
herausragend, aber angemessen und atmosphärisch und allein die
Tatsache, daß wir US-heimgesuchten Filmkonsumenten Quebec City nun
nicht wirklich so in- und auswendig kennen wie New York oder L.A.
verleiht dem Look des Films eine gewisse Exotik. Leider ist der
perfekte Handwerker nicht immer der perfekte Spannungsregisseur und
obwohl Jean Beaudien versucht, aus der Vorlage (zu deren Schwächen
sicher auch zählt, dass schon die Hauptfigur Maud Graham sichtlich
auf eine ganze Romanserie hin ausgelegt ist... und tatsächlich
existieren mittlerweile wohl vier Maud-Graham-Romane) alles an
Suspense rauszuholen, was möglich ist, aber der letzte Funke will
einfach nie überspringen.
Vielleicht liegt es auch ein wenig an den manchmal etwas
überforderten Darstellern. Maude Guérin kann ich die taffe,
einsiedlerische Ermittlerin nicht ganz abnehmen, und ganz besonders
nicht ihren scriptbedingten und schon dort wenig glaubwürdigen Hang
zu den Straßenkids (mir drängt sich zwar eine Erklärung hierfür
auf, aber die ist nicht jugendfrei und ganz gewiß nicht im Sinn des
Erfinders). Luc Picard ist mir als Psychokiller nicht bedrohlich
genug (der Typ sieht über weite Strecken eher aus wie ein Penner
und nicht wie ein Psycho) und die beiden jugendlichen Akteure
Lawrence Arcouette (Gregoire) und Charles-André Bourassa (Frederic)
fetzen mich mit ihrer Schauspielkunst auch nicht grad pausenlos vom
Stengel (wobei ich allerdings durchaus nervigere Kid- und
Youth-Darsteller gesehen hab). Einige scheinbar recht fähige
Nebendarsteller (und potentiell interessante Subplots) um Mauds
Zuarbeiterin Josee (Julie Ménard) und ihren heimlichen Verehrer
Roger (Christian Bégin) werden verschenkt.
Die deutsche Fassung ist gegenüber der ursprünglichen kanadischen
(oder sollte man genauer "quebecer" sagen?) um knapp 15 Minuten
gekürzt, wobei es sich ausschließlich Storyelemente betroffen sind
und diese sich komplett als "deleted scenes" auf der deutschen DVD
finden. Unter dem entsprechenden Punkt mehr dazu.
Bildqualität: "The Collector" wird im anamorphen 1.78:1-Widescreen
präsentiert und zeigt sich in der Umsetzung beinahe makellos - es
sind keinerlei Störungen zu verzeichnen, das Bild ist klar und
angemessen scharf, der Kontrast jederzeit ausreichend - ein sehr
gut gelungener Transfer, der in allen Belangen überzeugen kann (bei
der Aktualität des Quellmaterials sollte man das aber auch erwarten
können).
Tonqualität: Sunfilm steuert fünf Tonspuren bei - deutsche Sprache
gibt's in Dolby-5.1 und -2.0-Mix sowie in DTS, den
französischsprachigen O-Ton in Dolby 5.1 und 2.0 mit optional
wählbaren Untertiteln. Die von mir probegehörten 5.1-Spuren können
beide vollauf überzeugen, bieten hervorragende Sprachqualität und
lassen auch dem Soundtrack sowie den Toneffekte ihren angemessenen
Raum. Schon allein aus Kuriositätsgründen bevorzugte ich
letztendlich den französischen Ton, denn die entzückende quebecer
Eigenschaft, immer wieder englische Redewendungen in ihr
Französisch einzuwerfen, bringt irgendwie Freude und
Frohsinn.
Ausstattung: Herzstück des Bonusmaterials sind die für die deutsche
Veröffentlichung geschnittenen Szenen, wobei man einerseits
ärgerlich sein will, daß man den Film für einen hiesigen Release
zusammenkürzte, andererseits aber feststellt, dass besonders die
zentralen unter den Tisch gefallenen Szenen (eine über fünfminütige
Sequenz, in der Maud einen vermeintlichen Zeugen auftreibt und
verhört und eine siebeneinhalbminütige Szenenfolge, in der Maud mit
Frederic ihre Eltern besucht, wobei die wenigstens erklärt, wie der
Killer später an gewisses Bildmaterial herankommt) das eh schon
gemächliche Tempo des Films noch weiter eingebremst hätten - die
zwei-drei kürzeren noch herausgeschnippelten Szenen tun für den
Film nichts weiter zur Sache und sind uninteressant. Desweiteren
findet sich der Trailer, der auf der Leih-DVD in ungeschnittener
Form präsentiert wird (weswegen der Rental-Release "keine
Jugendfreigabe" kassiert hat, auf der Kauf-DVD ist der Trailer
geschnitten und wie der eigentliche Film FSK 16... kurios) und der
zu den besseren Trailern gehört, die mir in letzter Zeit
untergekommen sind. Unter "Artwork" verbirgt sich eine vollständig
überflüssige Spielerei mit digitalverfremdeten Covermotiven, deren
tieferer Sinn sich mir entzieht, dazu gibt's noch knappe und nicht
überaus informative Filmographien zu Regisseur, Autorin und den
wesentlichen Darstellern. Drei Trailer auf weitere Sunfilm-Titel
runden die Extras ab.
Fazit: "The Collector" erfindet das Serienkillergenre nicht neu.
Der Streifen erkundet thematisch kein Neuland, gewinnt dem
mörderischen Treiben keine neuen Aspekte ab. Ein paar
sozialkritische Abschweifungen ins harte Los der Straßenkinder und
in Richtug Pädophilie mögen gut gemeint sein, rauben dem Film aber
sein Momentum. Im Vergleich zu durchschnittlichen neueren
US-Vertretern des Genres ist "The Collector" vergleichsweise
betulich im Tempo, dafür vergleichsweise hart in seinen (wenigen)
Effekten. Insgesamt meines Erachtens eher ein Streifen für
Genrekomplettisten als für Gelegenheitsseher, denen möchte ich dann
doch lieber zu den Klassikern wie eben "Das Schweigen der Lämmer"
raten, dort ist das ganze nicht nur packender und effektiver,
sondern auch psychologisch fundierter. Die DVD von Sunfilm ist
allerdings insgesamt recht gut gelungen und bietet von sich aus
keine Argumente gegen den Erwerb.
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