David und Goliath
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DAVID E GOLIA
(internationaler Titel: David and Goliath, deutscher Titel: David und Goliath)
Italien 1960, 93 min, FSK 12
Regie: Ferdinando Baldi, Richard Pottier, Orson Welles (uncredited)
Darsteller: Ivica Pajer (David), Orson Welles (Saul), Hilton Edwards (Samuel), Massimo Serato (Abner), Eleonora Rossi Drago (Merab), Giulia Rubini (Michal), Pierre Cressoy (Jonathan), Furio Meniconi (Asrod), Kronos (Goliath), Dante Maggio (Cret)
Im Nahen Osten herrscht das übliche Chaos - das war 1000 vor Christus nicht anders als heute... Saul, König von Israel, hat von den Philistern in der Schlacht übel eine aufs Haupt geschlagen bekommen. Ein für die Israelis unvorteilhafter Friedensvertrag beschränkt nicht nur deren Berechtigung zur Herstellung und zum Tragen von Waffen, sondern hat auch die Auslieferung der Bundeslade an die Philister zur Folge. Was für deren König Asrod aber eine insgesamt eher unbefriedigende Kriegsbeute darstellt, da er sich für die hebräischen Gesetzestafeln nicht wirklich was kaufen kann, ist für Sauls Untertanen ein verheerender moralischer Schlag ins Kontor. Das geht soweit, dass Jehova persönlich, in Form seines Propheten Samuel, Saul den göttlichen Segen entzieht und einen neuen König auskuckt. Die Wahl fällt auf David, den jüngsten Sohn einer abgelegen lebenden Bauernfamilie, der persönlich gerade eine Lebenskrise durchmacht, weil seine Jugendliebe Ekla vom Blitz erschlagen wurde.
Nichtsdestotrotz nimmt David die angedachte Rolle an und marschiert, unter der Auflage, zunächst niemandem von seiner göttlichen Mission zu verraten, nach Jerusalem, wo er durch allgemeines Guttun wie das Befreien von Sklaven und das Beleidigen des Königs schnell auffällt. Entgegen des Rats seines Hofstaats frisst Saul an David einen Narren und ernennt ihn zu seinem persönlichen Harfenspieler und Berater - sehr zum Ärger seines Ersten Ministers Abner, der erstens ein Verhältnis mit Sauls Tochter Merab pflegt und zweitens gemeinschaftlich mit ihr herumintrigiert, um in absehbarer Zeit sich selbst auf dem Königsthron zu installieren.
Die Innenpolitik muss aber warten, denn Asrod ist mittlerweile zu dem Ergebnis gekommen, dass er auf den Friedensvertrag pfeift und Israel, wenigstens aber Saul, plattmachen will. Den Sieg sichern sollen ihm nicht nur moderne Streitwagen, sondern auch ein unbesiegbarer Superkrieger, der Riese Goliath, der sich für die Aussicht, sich aus den schönsten Frauen der Philistern ein paar Gspusis aussuchen zu dürfen, gern in den Dienst der bösen Sache pressen lässt. Goliath tötet auf Asrods Geheiß einen von Saul ausgesandten Emissär, der Verhandlungsbedingungen ausloten sollte. Während der David respektierende Saul-Sohn Jonathan versucht, die moralisch angeschlagene Armee der Israeliten zu motivieren, schickt Saul David als letzte Hoffnung, größeres Blutvergießen zu vermeiden, zu den Philistern...
Der Film:
Wenn man auf dem Grabbeltisch (naja, zehn Euro für zwei DVDs mit vier Filmen ist nun auch nicht gerade geschenkt, aber umgerechnet ist es eben Ramschkategorie) eine "Orson Welles"-Collection ersteht, kann man nicht davon ausgehen, "Citzen Kane", "Der dritte Mann" und die "Magnificent Ambersons" auf dem Silberling zu finden, sondern Werke vorzufinden, die der zeitlebens von den Studios unverstandene Genius unter den Filmemachern schlechthin der lieben Kohle wegen gemacht hat, um damit seine eigenen, ambitionierten und dann entweder unvollendet gebliebenen oder nie veröffentlichten Projekte voranzutreiben (Ausnahme in dieser Sammlung ist Welles' "Othello"-Verfilmung von 1952). Und wie wir alle wissen oder zumindest wissen sollten, war Welles nie sonderlich wählerisch, eine Rolle anzunehmen, wenn der Produzent ein paar Dollar Gage rüberwachsen ließ (der Meister war sich weder für einen Auftritt bei Bert I. Gordon zu schade, noch dafür, für Manowar ein paar Texte theatralisch vorzulesen oder im "Transformers"-Trickfilm einen Roboter zu sprechen).
1960 führte ihn der Weg, im Bestreben, etwas Zaster für seine jahrelang vor sich hin siechende "Don Quixote"-Verfilmung aufzutreiben, nach Italien, wo er in die Fänge einiger Filmemacher geriet, die gerade ein Bibelepos auf die Beine stellen wollten; ein Sujet, für das die Peplum-faszinierten Stiefelbewohner ja mehr oder weniger prädestiniert sind. Die Geschichte von David und Goliath galt es zu verfilmen, und da Welles aus verständlichen Gründen für keine der Titelrollen in Betracht kam (okay, Goliath hätte er rein massetechnisch sicherlich verkörpern können, hüstel), fiel ihm die Rolle des beim Herrn in Ungnade gefallenen ersten Israelitenkönig Saul zu. Immerhin billigten die Produzenten, die den Regiejob eh schon unter dem französischen Abenteuerspezialisten Richard Pottier ("The Lebanese Mission", "The Case Against X") und dem einheimischen künftigen Trash-Favoriten Ferdinando Baldi ("Das Geheimnis der vier Kronjuwelen", "Warbus") aufgeteilt hatten, Welles zu, sich bei seinen eigenen Szenen selbst inszenieren zu dürfen (kurioserweise ohne diesen Umstand potentiell publicityträchtig auszuschlachten. Aber vielleicht dachten die Produzenten auch daran, dass angesichts der kolossalen kommerziellen Flops, die Welles' Regiewerke gemeinhin darstellten, dass eine solche Bewerbung eher kontraproduktiv wäre).
Satte vier Autoren bedurfte es, um die eigentlich hinlänglich bekannte Geschichte leinwandtauglich zu adaptieren: Gino Mangini ("Maciste vs. the Cyclops"), Ambrogio Molteni ("Laura - eine Frau geht durch die Hölle", "Goldface, der fantastische Supermann"), Umberto Scarpelli (Der Untergang von Metropolis) und Produzent Emimmo Salvi ("Der Untergang von Metropolis", "FBI ruft Istanbul") höchstselbst. Angesichts der Vita der Herren Autoren darf man gepflegt davon ausgehen, dass ein religiöser Erbauungsfilm nicht unbedingt allerhöchste Priorität war.
Wenig überraschend rechnen Autoren und Regisseure den Stoff relativ unbefangen auf das Niveau eines durchschnittlichen Sandalenabenteuerfilms herunter - dass der ganze Schmu auf Gottes direktem Willen (und seinem direkten Draht zu Samuel, dem Propheten) beruht, wird spätestens zur Halbzeitmarke vergessen (was auch bedeutet, dass "Peppone" Gino Cervi, der in der Originalfassung Gott himself spricht, nicht wirklich viel zu tun hat) - ab dann befassen wir uns ausschließlich mit höfischen Intrigen, deren Sinn, Zweck und diverse Komplizenschaften nie gänzlich klar werden (einerseits will Abner offensichtlich Saul beerben, arbeitet dann aber auch mit dem König zusammen, als der David vage als Bedrohung für seine Machtposition ansieht, nur, um dann seinerseits wieder vom Kini hintergangen zu werden) und den sort-of-diplomatischen und kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Philistern und deren Champion Goliath - wobei die eigentliche Konfrontation der Titelfiguren dann in zwei-drei Minuten abgehandelt wird und lediglich den Auftakt für eine größere Schlachtensequenz, die auch jedem beliebigen anderen Historienfilm entsprungen sein könnte, bildet.
Mit der biblischen Vorlage wird dabei recht locker umgegangen. Die Auftaktphase (in der Saul von Samuel unterrichtet wird, dass er nicht mehr der Auserwählte ist, und konsequenterweise David von seiner neuen Berufung erfährt) ist, mit Ausnahme des dafür aber hochgradig unterhaltsamen Blitz-Tods Eklas, recht dicht an den alttestamentarischen Texten, danach fabulieren die Autoren allerdings sehr "frei" weiter. Zwar werden immer wieder mal ein paar Motive aus der Bibel aufgegriffen (Davids Begabung als Harfenspieler und seine dadurch folgende Aufnahme an Sauls Hof - auch wenn der Film lustigerweise keine Sekunde lang etabliert, dass David Harfe spielen kann, ehe Saul davon redet; die im Film zumindest angedeutete gute Beziehung von David und Sauls Sohn Jonathan), aber ansonsten erfinden die Schreiberlinge die nötigen dramaturgischen "Höhepunkte" wie das Intrigenspiel an Sauls Hof oder die Situation im Philisterland weitgehend aus der hohlen Hand. Gut, ich betrachte den Film ja auch nicht als historische Dokumentation, dennoch erlaubt sich das Script den ein oder anderen Lapsus, den man schon auf den ersten Blick erkennt - nicht nur, dass Saul nach Filmlogik schon in Jerusalem residiert (erst David erhob die Stadt zur Hauptstadt des vereinten israelischen Königreichs), am Ende betreibt der Streifen sogar noch eine hundertprozentige Reinwaschung Sauls, der - von Davids militärischem Erfolg überwältigt - das von ihm orchestrierte Attentat auf David vereitelt und pathoserfüllt geloben darf, in Zukunft weise und gottesfürchtig zu regieren (man könnte, wenn man jetzt moderne Bibelinterpretation betreibt, einen Versuch der Rehabilitierung Sauls vermuten - schließlich war Saul, wenn man die Bibeltexte hernimmt, kein *schlechter* König, war durchaus beliebt, hielt sich im Gegensatz zu seinem Nachfolger David keinen ganzen Harem an Konkubinen, duldete keine andere Götter und fiel beim Herrn "nur" in Ungnade, weil er dem fiesen, blutrünstigen alttestamentarischen Wüterich von Großem Boss nicht skrupelloser Killer genug war).
Auf der anderen Seite müht sich "David und Goliath" auch bei den schurkischen Philistern darum, die Attitüde eines Kriegs aus religiösen Gründen tunlichst zu vermeiden, man legt dem Philisterkönig sogar in den Mund, dass er an *überhaupt keine* Götter glaube (was ihn nicht daran hintert, aus einer Opferzeremonie eine ziemliche Rock'n'roll-Show zu machen), sondern nur "an das Gold" (ha, Kapitalismuskritik in einem 60er-Bibelfilm aus Bella Italia. Wer hätt's gedacht?); wie üblich macht das Script unfreiwillig keinen großen Hehl daraus, dass die faktische Schurkenseite nach der aussieht, auf der man wesentlich mehr Spaß haben kann (während die Israeliten entbehrungsreich auf unfruchtbarer Scholle knechten und selbst der im Luxus schwelgende Hof sich größtenteils der blasierten Langeweile hingibt, spendiert der Philisterkönig seinem zukünftigen Top-Kämpfer Goliath schon mal einen Acht-Frauen-Lapdance. Da müsst' ich jetzt auch nicht groß überlegen...).
Von der Dramaturgie her hat der Film das Problem, dass er fraglos auf einen Höhepunkt, nämlich die finale Schlacht zwischen Israeliten und Philistern, hin inszeniert ist und bis dahin nicht wirklich großartig etwas passiert - die Regisseure versuchen das mit der ein oder anderen reinen "Shownummer" (wie der schon erwähnten Opferzeremonie, in deren Verlauf auch Goliath nach einer Kraftprobe seine Mädels auschecken darf) zu kaschieren, aber es wird auch viel dummes Zeug gelabert, Ränke geschmiedet, die nirgendwo hin führen (wie z.B. eben Abners und Merabs Intrigantenstadel) und nicht wirklich ein Konflikt zwischen David und Saul herausgearbeitet. Möglich, dass hier einiges dem Verständnis förderliches geschnitten wurde (die Originalfassung des Films soll knapp zwei Stunden laufen, was im Umkehrschluss bedeuten würde, dass der internationalen Fassung gut 20 Minuten Material fehlen).
Nichts zu meckern gibt's in Punkto Ausstattung - wie üblich bei historischen Unterfangen lassen sich die italienischen Produzenten nicht lumpen. "David und Goliath" ist prächtig ausgestattet (wobei ich den Claim, dass an Originalschauplätzen in Jerusalem gedreht wurde, nicht wirklich glauben will, zumal die Produzenten von "Jerusalem, Palästina" reden), für die großen Massenszenen hat man Heerscharen von Statisten aufgeboten (speziell für die große Schlacht am Ende), die Kostüme sind überzeugend, die Bauten machen zwar einen sehr "neuen" Eindruck, aber das ist bibelhistorisch (wenn man eben davon absieht, dass Saul nie in Jerusalem Hof hielt) einigermaßen fundiert, da es "zeitgeschichtlich" eben auch Neubauten wären. Die Kameraführung von Carlo Fiore ("Goldface") und dem zukünftigen Diplom-Trashologen Bitto Albertini (diverse "Three Supermen"- und "Black Emmanuelle"-Filme, außerdem Resteverwerter für "Star Crash II" aka Escape from Galaxy 3) ist zweckmäßig, manchmal überraschend konsequent in der Ausnutzung des Cinemascope-Formats und in den finalen Actionszenen (die übrigens erstaunlich ruppig ausfallen, da wird so mancher Kämpe mittschiffs von Lanzen durchbohrt) regelrecht dynamisch. Welles' Beteiligung als Co-Regisseur ist durchaus bemerkbar - während die Szenen, in denen Welles nicht vor der Kamera steht (und demzufolge auch nicht Regie führt) zwar für italienische peplum-Verhältnisse ordentlich inszeniert sind, lässt sich in seinen Szenen schon ein gewisser inszenatorischer Verve bemerken; Welles wählt ungewöhnliches Szenen-set-up, lässt die Charaktere gerne aus dem Schatten heraus auftreten, versteckt sie am Bildrand, nutzt - wie schon angedeutet - das Breitwandformat aus und lässt auch seiner Vorliebe für niedrige Kamerawinkel und tracking shots freien Lauf.
Als Ersatz für echte Spannung (schließlich weiß jedes Kind, wie die Geschichte ausgeht, obwohl man Italienern prinzipiell natürlich zutrauen muss, sich von derlei Nebensächlichkeiten nicht aufhalten zu lassen) dienen ein paar unfreiwillig erheiternde Elemente wie Eklas Blitz-Abgang, Goliaths entzückt-entrückter Gesichtsausdruck ob der ihm zugewendeten weiblichen Aufmerksamkeit, einem Händler, der auf dem Markt von Jerusalem unbedingt Riesenschlangen verkaufen will (?), oder Welles' sichtlich verbesserungsfähige körperliche Verfassung zum Drehzeitpunkt (entweder krank oder extrem besoffen). Die Trickfotografie, um Goliath drei Meter groß erscheinen zu lassen, ist überraschend gelungen (hauptsächlich natürlich "simple" perspektivische Shots, aber das sieht besser aus, als man es den Italienern gemeinhin zutraut). Eher unter "Ohrenfolter" ist der pathetische und praktisch jede Szene zukleisternde Score von Carlo Innocenzi ("Die Mühle der versteinerten Frauen") zu verbuchen (es wäre andererseits aber sicher machbar gewesen, die Vorhänge, mit denen die Ausstatter ihre "Oase", in der die Philister-Opferzeremonie stattfindet, abgrenzen, etwas weniger offensichtlich zu machen).
Schauspielerisch ist der Kroate Ivica Pajer (der nach ein paar Sandalenfilmen und einem unkreditierten Auftritt in "Steiner - Das eiserne Kreuz") seine Karriere in der Heimat ausklingen ließ, eine ziemlich ausdruckslose Trantüte von Weißbrot, was aber irgendwo auch wieder passend für den Charakter ist, der ja auch biblisch nicht gerade als Muskelmann geschildert wird. Dennoch - man stelle sich einen jungen Terence Hill in der Rolle vor und schon wäre der Film um 250 % besser...
Den halbtoten Propheten Samuel mimt im zarten Alter von 57 (und auf ungefähr 157 geschminkt) der britische Theatermime und -Regisseur Hilton Edwards (den Welles schon in "Othello" beschäftigte und seinen italienischen Liregebern wohl empfahl) recht überzeugend.
Massimo Serato, der sich gelegentlich auch John Barracuda (!) nannte, und neben Bibelfilmen wie "Pontius Pilatus" das Übliche an Sandalenfilmen, Italowestern und Eurospy-Trashern absolvierte (und 1979 auch den schön schundigen "Kampf um die 5. Galaxis" veredelte), versucht's als Abner mit einer Schurkendarstellung, die eher in einen der zitierten Billighobel passen würde (und dass er mit William Shatners "Enterprise"-Synchronstimme spricht, hilft mir nicht wirklich dabei, ihn ernstzunehmen).
Eleonoara Rossi Drago sollte zu einer Konkurrentin für die Loren aufgebaut werden, schaffte aber nie den großen Durchbruch und musste sich mit doch nicht ganz so prickelnden Rollen in Streifen wie "Nur tote Zeugen schweigen", "Liebe mit Zwanzig" oder "Die rote Hand" zufriedengeben. Als böse Merab hat sie nicht wirklich viel zu tun als gelegentlich dekorativ in der Gegend rumzustehen, was ihr passabel gelingt, gleiches gilt für ihre "gute" Filmschwester Giulia Rubini ("Geheimnis der Schlangeninsel", "Die letzten Zwei vom Rio Bravo").
Furio Meniconi, der einen praktikablen Philisterkönig abgibt, sah man später noch in "Der Untergang von Metropolis", haufenweise Italowestern unterschiedlichster Güte und in Argentos "Profundo Rosso".
Den Goliath spielt "Kronos", der in den 50ern Jahren als "Riese" im Zirkus und Varieté auftrat, auch im "Untergang von Metropolis" einen kleinen Part hatte und vermutlich unter der selben Riesenwachstumskrankheit litt, wie sie auch André the Giant oder Paul "The Big Show" Wight zu erdulden hatten bzw. haben.
Orson Welles selbst müht sich redlich, seinen (leider vollkommen "underwrittenen") Part als von seinem Gott verlassenen König Saul mit aller Gravitas des Großen Mimen zu spielen, allerdings ist seine physische Verfassung eher erschreckend - Welles war gerade mal 45, als er diese Rolle spielte, wirkt aber wie mindestens 60... es ist zwar bekannt, dass er einem guten Glas Scotch oder dreien nicht abgeneigt war, aber hier präsentiert sich Welles optisch wie ein Güte-Alki - an seinem Spiel gibt es aber nichts auszusetzen, außer, dass es vielleicht *zu* wuchtig, zu monumental für den doch vergleichsweise anspruchslosen Restfilm ist.
Bildqualität: Schröder Media legt den Film in leider non-anamorphen 2.35:1-Widescreen vor. Der Print selbst ist für die Preisklasse "4 Filme für 10 Euro-Sammlung" ausgesprochen hübsch, bringt die kräftigen Farben gut zur Geltung und ist relativ frei von Verschmutzungen oder Defekten, allerdings machen sich einige jump cuts bemerkbar.
Tonqualität: Deutscher oder italienischer O-Ton in Dolby 2.0. Die deutsche Fassung ist ordentlich synchronisiert und von der Klangqualität her für einen fast fünfzig Jahre alten Italo-Film praktikabel. Leicht blechern im Dialogton und im Musikton etwas breiig, aber noch erträglich.
Extras: Nüsch, aber dafür gibt's ja vier Filme zum Preis von "einem".
Fazit: In der Karriere von Orson Welles stellt ein solche Auftrags-Schauspielarbeit natürlich nur eine Fußnote dar, aber immerhin gelingt es ihm, seine Szenen - fraglos begünstigt durch die Tatsache, dass er die selbst dirigieren durfte - völlig zu dominieren; man hat das Gefühl, zwei Filme zu sehen, einen "ernsthaften" Welles-Film, in dem dieser einen Charakter, der "seinen" Lieblingsfiguren (Menschen, die eine Machtposition aufbauen und durch eigene Fehler ihren Untergang einleiten) durchaus entspricht, mit der ganzen Wucht eines "Citizen Kane", verkörpert, und einen beliebigen biblisch angehauchten Sandalenfilm, dessen Macher sich keine große Illusionen darüber machten, hier vielleicht "Kunst" schaffen zu wollen. Es ist ein Zwiespalt, den der Film bei allem betriebenen Aufwand - und der ist beträchtlich - nicht überwinden kann, aber einen leichten Eindruck, wie ein kompletter Welles-"Saul"-Film hätte aussehen können, vermittelt er. Insofern aus filmhistorischer Sicht nicht ganz uninteressant, jedoch nicht wirklich unterhaltsam oder bedeutend.
Legende: 1 DVD = Schrott, unbedingt vermeiden / 2 = unterdurchschnittlich / 3 = durchschnittlich / 4 = sehenswert / 5 = Meilenstein, sofort kaufen/reingehen
(c) 2009 Dr. Acula
PROJEKT 300-Zwischenstand: 192 down, 108 to go.












