Dead on Sight
Aus Badmovies.de
Regie: Ruben Preuss
Darsteller: Jennifer Beals (Rebecca), Daniel Baldwin (Caleb Odell),
Kurtwood Smith (Thomson), William H. Macy (Meeker)
Die junge Studentin Rebecca wird von Visionen geplagt, in denen sie
den brutalen Mord an einer jungen Frau vorhersieht. Die Polizei
schenkt ihren paranormalen Ausführungen begreiflicherweise wenig
bis keinen Glauben, aber ihre Aussage ruft den
Universitäts-Professor Caleb Odell auf den Plan. Der läßt sich ihre
Träume schildern und erkennt, dass diese haarklein, inklusive nie
an die Öffentlichkeit weitergegeber Details, die Methodik des
"Uhrwerkmörders" zeigen, der vor fünf Jahren eine blutige Spur
durch die Stadt zog und dabei u.a. des Professors geliebtes und
attraktives junges Eheweib entleibte. Während die Polizei der
Überzeugung ist, den Täter auf frischer Tat erschossen zu haben,
hängt Odell der Ansicht nach, der wahre Mörder, ein
Restaurantbesitzer namens Meeker, habe lediglich einem seiner
vertrauensseligen Angestellten die Mordserie angehängt. Nun wittert
Odell eine Chance, mit Rebeccas Hilfe den Killer doch noch zu
überführen. Tatsächlich gelingt es Rebecca und Odell mittels einer
Hypnosesitzung und anschließender Phantombildzeichnung, das
zukünftige Opfer zu identifizieren, Odells Rettungsaktion kommt
allerdings zu spät... Dieweil Odell angesichts seiner Präsenz am
Tatort in den Verdächtigenkreis aufsteigt und Meeker, der sich über
die Obsession des Profs völlig im klaren ist, versucht, Rebecca von
seiner Unschuld zu überzeugen, steigen, genährt durch die
Information des Sheriffs, dass der Mord an Odells Frau auf das
Konto eines Nachahmungstäters gegangen sei, die Zweifel bei
Rebecca, schließlich kommt Odell auf einmal auch in ihren Visionen
vor und da ist sie das Opfer...
Der Film: Nein, nicht noch ein Serienkiller-Thriller. Man möchte
meinen, die Thematik sei langsam ausgelutscht (und, wenn wir
ehrlich sind, die Thematik IST ausgelutscht... welches war der
letzte Film, der in diesem speziellen Subgenre wirklich originell
war?). "Dead on Sight" gewinnt dem Stoff dann, fast schon
erwartungsgemäß, wenn wir uns auch damit angefreundet haben, es
allenfalls mit einem Film auf B-Niveau zu tun zu haben, was Cast
und Crew angeht, keinerlei neue Ideen ab - selbst der Kunstgriff
der "hellsichtigen" Heroin fiel schon vor über zwanzig Jahren dem
Horror-Vielschreiberling Dean R. Koontz ein. Abe eins muss man dem
Film dann schon fast wieder lassen - er ist in seiner
Mittelmäßigkeit selten konsequent. Das Drehbuch funktioniert nach
den altbekannten Gesetzen des Genres, präsentiert eine Auswahl von
immerhin vier möglichen Verdächtigen und müht sich redlich um
ach-so-überraschende Plottwists, die von jedem Zuschauer, der mehr
als zwei Filme von dieser Sorte gesehen hat, auf Meilen gegen den
Wind erkannt werden. Irgendwo im Script verstecken sich zwar ein
paar gute Ansätze (die ich leider nicht nennen kann, ohne zu sehr
zu spoilern, wobei der Gedanke, ein schizophrener Serienkiller
würde sich quasi selbst verfolgen, schon nicht ganz ohne Reize
ist), die aber zugunsten einer arg konventionellen Story mit
antelegraphierten Plotpoints verschenkt werden. Der ganze Film
plätschert ohne große Höhepunkte vor sich hin und gewinnt erst im -
dafür aber sich treudoof-brav den üblichen Horror-Klischeese
unterwerfend - recht munteren Showdown (der aber auch nur deswegen
so aufgeweckt wirkt, weil der Rest des Streifens bodenlos
langweilig ist) an Fahrt.
Folgerichtigerweise ist das ganze Trauerspiel in etwa so spannend
wie eine Vorabendkrimiserie - und auch in etwa so "hart". Im
Klartext: wir haben es mal wieder mit einer dieser so tollen
FSK-18-Veröffentlichungen zu tun, bei der das rote
Jugendschutz-Papperl einzig und allein marktstrategischen
Erwägungen zu verdanken ist (nämlich dem Anlocken der wenig
diskriminierenden Splattercrowd, die alles ausleiht oder kauft, was
irgendwie "verboten" aussieht). "Dead on Sight" ist ungefähr so
blutig wie eine durchschnittliche Folge "Derrick" - von den drei
Todesfällen der Story findet einer off-screen statt (da gibt's
nicht mal das "Ergebnis" zu sehen), die anderne beiden bewegen sich
eben vom Härtegrad auf biederem TV-Krimi-Niveau. Wäre da nicht eine
völlig aufgesetzte und sinnlose Sexszene gleich zu Beginn, bei
der's auch nackte Brüste zu sehen gibt, würde ich den Streifen eher
ab 6 freigeben (allerdings: Daniel Baldwin und seine Brusthaare
hätte ich nicht unbedingt in einer späteren Sexszene sehen müssen,
da geht die 18 dann vielleicht schon wieder in Ordnung. Ab 80 wäre
aber noch besser). Von Spannungsaufbau kann keine Rede sein -
Regisseur Ruben Preuss, der sich zwar an der ein oder anderen
stilisierten Flashback- und Visions-Sequenz versucht und zumindest
einmal eine passable Überleitung zwischen Vision und Realität
hinkriegt, gelingt es nie, der platten Story wengistens visuell
irgendwelche Dramatik oder Suspense zu verleihen (note: nicht jede
Szene, in der ein maskierter Killer ein Messer schwingt, ist
automatisch hochgradig spannend oder scary).Gelegentlich vermag die
Kameraführung zu überzeugen, aber genauso oft bleibt sie bieder und
konventionell. Einige Male stört eine etwas, hm,
gewöhnungsbedürftige Schnitttechnik. Einzig erwähnenswert ist der
Soundtrack von "Friday the 13th"-Komponist Henry Manfredini, der
einige schöne atmosphärische Themes beisteuert, die einen besseren,
vor allem spannenderen Film verdient hätten.
Stichwort "verdient hätten", damit wären wir dann auch schon bei
der Besetzung. Für Jennifer Beals stellte "Dead on Sight" einen
weiteren Versuch dar, mit dem Schauspieler-Leben nach "Flashdance"
fertigzuwerden. Beals ist nicht wirklich untalentiert, wie
memorable Auftritte u.a. in "Teufel in Blau" durchaus bewiesen,
aber in "Dead on Sight" ist sie - und das tut mir irgendwo in der
Seele weh - einfach furchtbar. Nicht nur, dass sie mir als junge
Studentin einen Tacken zu alt ist (ich weiß, das ist nicht
charmant, aber dafür wahr), so chargiert sie in einigen Szenen aufs
übelste und geht dem geneigten Zuschauer, zumindest mir, spätestens
nach einer Stunde gepflegt auf den Senkel. Immerhin bzw. leider: in
ihrer Sexszene mit Daniel Baldwin behält sie den BH an (entweder
ein letztes Aufwallen an Willenskraft oder schlichte
Spielverderberei, you decide). Daniel Baldwin - hm, was soll ich zu
dem Gesellen sagen. Ich werde nie mehr sein Fan werden (genau
genommen werde ich vermutlich nie Fan irgendeines Baldwins werden,
aber Daniel prügelt sich mit Stephen um den zweifelhaften Platz an
der Sonne in der "schlimmster aller Baldwins"-Hitparade, zumal es
mir vorkommt, als würde der zum "Star" von C-Movies wie "The Fall"
oder "Fallout" verkommene Akteur hier auch noch versuchen, wie
Michael Madsen zu wirken (ob das an sich ein erstrebenswertes Ziel
ist, wollen wir mal dahingestellt lassen, aber auf jeden Fall: bei
Mr. Baldwin funktioniert das nicht). Baldwin ist einer der
Schauspieler, die einfach in jeder Rolle deplaziert wirken. Wenn
wir aber doch ein paar positive Worte verlieren wollen, dann über
zwei der Nebendarsteller. Kurtwood Smith ("Robocop", "That 70's
Show"), der Mann mit der unvergleichlich hohen Stirn, müht sich
redlich, als Baldwins bester Freund Verdacht auf sich zu lenken und
der immer noch sträflich unterschätzte William H. Macy ("Psycho",
"Jurassic Park III", "Fargo") spielt in jeder seiner spärlichen
Szenen seine Partner an die bewußte Wand (und das erkennbar noch
nicht mal mit vollem darstellerischen Einsatz).
Bildqualität: Starmedia zeigt uns den Film im
1.78:1-Widescreen-Format (16:9-optimiert), wobei der Transfer nicht
völlig überzeugen kann. Während die Farben relativ gut und kräftig
sind und der Kontrast in den zahlreichen Nachtszenen auch in
Ordnung geht, wirkt das Bild insgesamt leicht unscharf (und zwar
dieses ganz besonders nervige "unscharf", das man zunächst für eine
optische Täuschung halten möchte, bis man nach fünfmaligem
Brilleputzen und Fernsehschirm-Abwischen feststellen muß, dass es
eben wirklich knapp unscharf ist), besonders in Punkto
Kantenschärfe und neigt manchmal zum Flimmern. Die Kompression
scheint dagegen anständig durchgeführt worden zu sein (was man
angesichts der vollkommenen Abwesenheit von Extras oder weiteren
Tonspuren aber auch erwarten kann).
Tonqualität: Deutscher Dolby-Digital-Ton im 5.1-Mix wird geboten,
wobei es sich, da der Film in Ultra Stereo gedreht wurde, um einen
Upmix handeln muß. Dieser ist leider, besonders was die Dialoge
angeht, ein wenig dumpf ausgefallen, etwas mehr Höhen hätten nicht
geschadet. Gelegentlich (nicht durchgängig) meldet sich ein
leichtes Grundrauschen zu Wort (aber nicht wirklich störend), der
Score von Manfredini kommt gut zur Geltung.
Extras: Außer einer Tafel mit Programmhinweisen aus dem
Starmedia-Katalog (nicht mal Trailer) bleibt das DVD-Format
ungenutzt.
Fazit: "Dead on Sight" ist das, was ich mal despektierlich einen
Psychothriller auf Hausfrauenkanalniveau nennen möchte - ein Film
für Mary-Higgins-Clark-Leser, die bei einer durchschnittlichen
"Mord ist ihr Hobby"-Folge schwer infarktgefährdet sind. Wäre nicht
das klischeehafte Horror-Finale (das natürlich auch einen
nach-dem-erschossen-werden-wieder-aufstehenden-Killer beinhaltet,
wir wollen ja schließlich nicht am Ende irgendein Klischee
auslassen) und die geschilderte vollkommen überflüssige Nacktszene,
würde ich den Streifen bedenkenlos für das
Sat.1-Sonntag-nachmittag-14.30-Programm empfehlen - und wer sich zu
solcher Tageszeit im TV einen "Psycho-Mystery-Thriller" ansehen
würde und davon ernsthaft spannende Unterhaltung erwartet, tja, der
kann sich meinetwegen auch diese DVD zulegen - allen ernsthaften
Thrillerfreunden allerdings sei angeraten, doch zum
hundertzwanzigsten Mal "Das Schweigen der Lämmer" anzusehen. Ach
ja, und irgendwann werde ich zum Amokläufer bezüglich irreführender
FSK-18-Freigaben. Deutsche Publisher, seid gewarnt!
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