Dracula und seine Opfer

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Originaltitel: BLOOD OF DRACULA’S CASTLE

Alternativtitel: CASTLE OF DRACULA, DRACULAS CASTLE

USA 1967, 81 min, FSK ungeprüft

Dracula und seine Opfer

Credits

Cast:

Alexander D’Arcy (Graf Charles Townsend)
Paula Raymond (Gräfin Townsend)
Gene Otis Shayne (Glen Cannon)
Jennifer Bishop (Liz Arden)
Robert Dix (Johnny)
John Carradine (George, der Butler)
Ray Young (Mango)
Vicki Volante (Ann)

Crew:

Regie: Al Adamson, Jean Hewitt
Musik: Don Hulette, Harry Lubin
Kamera: László Kovács
Schnitt: Peter Perry Jr.
Produzenten: Al Adamson, Ewing Miles Brown, Rex Charlton
Produktion: Paragon International Pictures


Vorwort

Mein Gott, was war man in jungen Jahren noch naiv! Jeden Schund mit dem Namen „Dracula“ hat man eingesackt, egal ob Film, Comic oder Hörspiel. Das ist natürlich heute anders: Heute guckt man nur noch Sergei-Eisenstein-Filme (und DVD-Fassungen grundsätzlich nur mit Originalkommentar vom Regisseur).

Es sei den, jemand zückt eine alte Videokassette wo „Dracula“ draufsteht, dann zückt man die Marie und – aber lassen wir das und gehen direkt zur Review über:



Inhalt

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Der Film beginnt unendlich idyllisch – die aufgedonnerte Ann (Vicki Volante) fährt durch die amerikanische Pampa, während im Radio der Tom-Jones-mäßige „The Next Train Out“ dudelt. Wir befinden uns in den psychedelischen 60er Jahren und bekanntlich hatte die Musik dort ihre Längen – also fährt Ann verdammt lange in ihrem Cabrio herum, bis ihr gewahr wird, sapperlot noch mal, der Sprit ist alle! Sie steigt aus, bewaffnet sich mit dem Benzinkanister und wandert in den Wald, vermutlich auf der Suche nach einem reifen Petroleumbaum. Die stehen aber in dieser Saison nicht mehr in Blüte, und die Schöne begegnet dem höhlenmenschenartigen Mango (Ray Young), der sie überwältigt und zu einem Schloss davon schleppt.


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Rendezvous im Wald: Ray Young war ein echter Glücksgriff für Al Adamson
(beim Make-Up sind kaum Kosten entstanden.)


Kredits und einen abenteuerlichen Schnitt später: Meet Glen Cannon (Gene Otis Shayne) und seine Verlobte Liz Arden (Jennifer Bishop), die in einem sonnigen Freizeitpark in Miami ein paar Fotos schießen. Wohlgemerkt: es sind die 60er Jahre und das modernen „Camwhoring“ ist noch nicht erfunden, also darf man bei diesem Photoshooting nicht allzu viel Explizites erwarten.
Glen kann sein Glück, so ein perfektes weibliches Wesen alsbaldig zu ehelichen noch immer nicht fassen. Noch mehr Glück erscheint in Form eines Telegrams, dass Glen über den Tod seines Onkels Thomas informiert – und dass er, als Alleinerbe, das Schlösschen Falcon Rock Castle vom Onkel geerbt hat. Einziger Wermutstropfen sind ein Pärchen Untermieter, aber diese, so Glen, müssen mindestens so alt wie Onkel Thomas sein (und der zählte zu seiner Sterbezeit 108 Lenze).


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Damals waren die Photoshootings noch unschuldig – nicht auszudenken,
was man mit dem Heuler und dem Modell heute angestellt hätte.


Kühner Szenenwechsel: Graf und Gräfin Townsend (Alexander D’Arcy und Paula Raymond) sind wenig erfreut über den neuen Hausherren und die Erwartung eines ungeliebten Umzugs. Außerdem ist der hauseigene Butler, George, nirgends zu sehen.
George (John Carradine) ist im Keller und zapft Ann – der Qualitätskontrolle zuliebe; laut George „Typ O positive, ein edler Tropfen“ – ein wenig Blut ab. Ann ist neben drei anderen, ziemlich gelangweilt dreinblickenden Frauen an die Wand gekettet. Von der Kanüle wandert der Lebenssaft direkt in ein Cocktailglas und wird alsbald ihren Lordschaften kredenzt.


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„Die Politiker tun’s, die Banker, die Geschäftsleute, und die Steuer sowieso,
also stell dich nicht wegen so ein paar Tröpfchen an …“


Oben macht sich der Graf weitere Sorgen: Johnny, ehemaliger Handlanger und geistiger Sohn des Hauses, soll aus dem Kittchen entlassen werden (zumindest haben der Graf bare Münze dafür springen lassen). Johnny sei ganz in Ordnung und man freut sich auch auf ein baldiges Wiedersehen, nur, immer wenn der „verdammte Vollmond“ am Himmel stehe, gebe es Probleme.


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„Gurgel-schmack-schüttel-von-linker-zur-rechten-Backe-schieb …
yumyumyum, des isch a lecker Tröpfsche! Typ O negativ,
der Kenner schmecktsch gleich heraus!“


Ein erneuter Szenenwechsel, so wie ihn die Schule des Ed Wood lehrt: Johnny, mit Hilfe eines korrupten Sicherheitsbeamten, macht sich auf den Weg in die Freiheit. Der Wächter ermahnt ihn, der Graf solle möglichst bald die versprochenen $ 5,000 auf sein Konto überweisen – ansonsten würde er singen und verpfeifen. „Für 5,000 Dollar kriegt man viel Aspirin“, meint der Bestechliche und bietet dem Flüchtling den Hinterkopf; es soll ja alles echt aussehen. Zu dumm, dass das Einschlagen von Hinterköpfen zu Johnnys Passionen zählt, und so ist der korrupte Beamte bald von allem geheilt: Geldgier, Luftsucht und Lebensdurst (und hat sich außerdem eine Menge Aspirin gespart).


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Das Käppi, der Anzug, die Nummer am Hemd … und das Gesicht:
keine Frage, alles kündet von einer absolut vertrauenswürdigen Person.


Abrupter Schnitt zurück ins Schloss: „Er ist so wild und sorgenfrei“, resümiert die Gräfin. „Ganz anders als wir in seinem Alter.“ Aber man sei ja dankbar, während der letzten 300 Jahre loyale Diener und Freunde gefunden zu haben; so wie George, den man irgendwann mal vor dem Galgen gerettet hat. Man entschließt sich, dem neuesten „Gast“ im Keller noch schnell einen Besuch abzustatten; außerdem müsse man Mango für seine Dienste entlohnen (er bekommt für seine Dienste Gefangene Nummer Vier, ein Auslaufsmodell, das eh nicht mehr allzu frisch wirkt).


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Mango schwingt das Tanzbein.


Ann füllt sich frei von Schuld und begehrt zu wissen, warum man sie hier unten festhalte. Dies sei eine Notwendigkeit, so die Gräfin, denn schließlich sei man ja ein, beziehungsweise zwei Vampire (oder, wie der Graf anführt: „Der medizinische Ausdruck ist ‚die lebenden Toten’“), die einen privaten Blutkeller benötigen. Die Gräfin erklärt Ann noch die Technikalitäten – abends auferstehen, Menschenblut picheln, zurück ins Grab bei Morgengrauen etc. – entschuldigt sich höflich dafür, dass man die Gefangene wohl lebendig nicht mehr entkommen lassen könne und zieht sich in die Särge zurück.

Johnny flüchtet immer noch durch Wiesen und Wälder, erlaubt sich ein Nickerchen an einem Bachrand und wird erst vom unmelodischen Gekläffe von diversen Bluthunden geweckt. (Um ganz ehrlich zu sein, es ist nur ein Hund, der kläfft; noch dazu recht elendig, aber für mehr hat das Budget eben wieder nicht gereicht). Trick 17 anwendend, entkommt Johnny durch den Bach und die Hundsviecher verlieren die Fährte. Zeit für eine kurze Verschnaufpause, Johnny genehmigt sich eine zufällig an einem Wasserfall sonnende Schönheit.


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“Here comes Johnny!!!”


Da deren Geplärr die Verfolger auf seine Spur führen könnte, tunkt er ihr Köpfchen unter Wasser bis endlich wieder Ruhe herrscht. Den Häschern entkommen, hat Johnny heute weiterhin seinen Glückstag: ein parkendes Auto am Wegesrand (für den Eigentümer gibt es einen Felsbrocken über die Rübe), eine Wumme ist auch an Bord, und schon ist Johnny auf den Weg in die Freiheit (und erschießt noch schnell einen Anhalter, um an dessen Vesperstullen zu kommen).


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Klar, blutverschmierter Overall, Schrottflinte und Leiche auf dem Rücksitz,
aber wer könnte bei diesem Lächeln an etwas Böses ahnen?


Als Johnny praktisch schon vor der heimischen Haustür steht, entledigt er sich des Fahrzeugs (und dessen Eigentümers), indem er beide in einen Canyon kippt.

Der Empfang den George ihm bereitet ist zunächst etwas frostig, doch nach wenigen Minuten spielt man zusammen eine Runde Billard und schmiedet Pläne um die Hausherren mit frischem Blut zu versorgen. Johnny wundert sich woher Georges Loyalität zu dem Pärchen stammt, und George erzählt, dass die Townsends ihn einst vor einem intoleranten Lynchmob erretteten, der ihn aufzäumen wollten, nur weil er den großen Gott Luna mit Opfern versorgen musste. Mit dem alten Mond hat Johnny aber seine eigenen Probleme, da er bei jedem Vollmond von Mordgelüsten übermannt wird (und da sich bisher seine Gräueltaten immer bei Tageslicht abgespielt haben, können wir erahnen, dass er bei Vollmond noch schlechter drauf ist).


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„Nun, Johnny, wie war dein Tag?“ Ach, Leute erschlagen, Frauen ertränkt,
Leute die Klippe heruntergestürzt …
… war OK.


Glen und Liz, die sich schon darauf freut, ein Bad im eigenen Burggraben zu nehmen und Bekanntschaft mit den Schlossgeistern von Heinrich VIII und Blaubart zu machen, sind auf dem Weg nach Falcon Rock Castle. Man meldet sich bei George an, aber – Latürnich! – sind die Townsends „vor Sonnenuntergang nicht zu sprechen“; George gibt den Besitzern dafür eine kleine Tour durch das Anwesen. Liz gefällt sich bereits als angehende Burgherrin, aber Glen hat noch gewisse Reservationen, ein altes Pärchen davonzujagen. Zu seiner Verwunderung – es ist inzwischen wieder Nacht – entpuppt sich das alte Pärchen als quickfidel und in den besten Jahren. Beim Smalltalk versucht der Graf Glen zum Verkauf zu überreden – aber, no cigar; er besteht vehement darauf, mit seiner Verlobten einzuziehen und dass die Townsends Land gewinnen sollen. Also, wispert die Gräfin, wird man das Ganze Johnny überlassen müssen.


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„So, jetzt wo wir uns alle so nett kennen gelernt haben,
wie wäre es mit einer kleinen Runde Partnertausch?“


Letztgenannte taucht auch bald auf und erfrischt das adlige Paar mit Anekdoten aus dem Irrenhaus, wo er der einzig Normale gewesen sei; er halte sich ja weder für Napoleon, noch sehe er kleine grüne Männchen an seinem Bettrand sitzen. Seine psychopathischen Mordgelüste, nun da gibt sich Johnny jovial; er würde seine Impulse gar nicht erst bekämpfen, also hätte darum keine Probleme damit. Da bietet man Johnny doch gerne die ewige Jugend. Das Geheimnis sei die rare Blutgruppe AB (war’s nicht vorher noch Typ-O positiv?), die beide seit 300 Jahren, als die Sippschaft noch Dracula hieß, am Leben hält. Die Zeit des Halsbeißens sei nun auch endgültig vorbei, die moderne Methode praktischer, und wer weiss, fantasiert die Gräfin, würde irgendwann synthetisches Blut erfunden werden; dann könne man wieder als rechtschaffende Bürger leben. Aber in der Zwischenzeit hat man ein anderes Problem: die neuen Burgbesitzer (die noch für einen abendlichen Martini erscheinen).


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Und Mango sagt sich in der Zwischenzeit: „Lurk MOAR!“


Nachts wird Liz von Wolfsgeheul und Frauengeschrei geweckt. Sie rüttelt ihren Verlobten wach, der den Schrei als eine kleine Streiterei zwischen Eheleuten abtut, aber Liz besteht darauf, dass man sich auf die Suche nach der Ursache macht. Gesagt, getan. Man wandelt durch das dunkle Haus und trifft auf Mango. Da ist der Schrecken natürlich groß, aber der dazugekommene George kann beruhigen: Mango sei fromm wie ein Lamm, und das Geschrei, das käme vom Hauspapagei, ein so genannter „Tookah“. Kein Grund zur Panik also. Das überzeugt Liz natürlich und George bringt sie zu ihren Zimmern zurück.


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„Hier soll was faul sein? Wir sind doch nicht in einem
billigem Horrorfilm und ich bin nicht John Carradine.“


Der Schrecken der Nacht ist am Morgen verflogen; Glen und Liz tollen ein wenig am Strand vor der Burg herum, Johnny spannt beiden nach und Mango füttert die Mädels im Keller (außer Ann, die scheinbar keinen Appetit hat). Alles ist pure Harmonie, and (almost) everybody is happy.
Vor dem Pferdestall halten Liz und Glen einen kleinen Plausch mit Johnny, der dem Paar die freudige Mitteilung macht, dass Graf und Gräfin für die beiden ein Ehrendiner vorbereiten. Zwar hatten die beiden vor, am Nachmittag Richtung Stadt zu fahren, aber laut Johnny ist das Auto, das George am Abend noch in die Garage fahren wollte, defekt. Außerdem sei heute Abend Vollmond, nur so am Rande.


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Ein harmonischer Morgen auf Schloss Dracula: Verschleppte Frauen füttern,
Pferde füttern – die Hausherren verdauen noch.


Liz erinnert sich nun an den „Tookah“ und da man das Vögelchen begutachten möchte, macht man sich auf in den Keller, wo man das Tier vermutet (Papageien sind bekanntlich Nachttiere). Im Keller hängen aber keine Papageienkäfige, sondern nur die drei Damen an der Wand. Man versucht zu helfen, kann die Ketten aber nicht knacken. Dann beschließt Glen, die Townsends aufzusuchen und ihnen Rede und Antwort abzuverlangen, aber Ann deutet – so weit es ihre Ketten erlauben – auf die beiden Särge, worin die Adligen ruhen. „Ich glaube, ich werde hysterisch“, meint Liz (aber wegen mangelnden schauspielerischen Talents soll es nicht dazu kommen). Glen blickt sofort, dass das nur Vampire sein können, und beide – zum Teufel mit den angeketteten Damen – verlassen rückwärtsgehend den Keller.


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Wer hinter ihrem Rücken wohl wartet? Werden doch nicht
George, Johnny und Mango sein …?


Bald finden sich beide in Ketten wieder; die Draculas sind inzwischen ihren Särgen entstiegen und da, wie gesagt, Vollmond ist, ist es Zeit für eine kleine Opferung für den Mondgott. Man übermittelt Ann die aufregende Nachricht, dass ihr, als Jüngste, die Ehre des Opferlamms zukommen soll. Liz und Glen sind Ehrengäste der Zeremonie.


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Gehören zu den Top-Ten der faulsten Komparsen der Filmgeschichte
(oder Al Adamson hat sie mit Valiumpillen und Haschisch bezahlt).


Während der Wartezeit, befreit Johnny Ann und macht einen auf sanften Kater. Ist natürlich nur ein Psychopathen-Spielchen, und Ann merkt schnell, woher der Wind weht – spätestens als sich Johnny an ihrem Kleid zu schaffen macht. George kommt rein und spielt den Coitus Interruptus. Wenn er die Finger nicht von dem Opfer ließe, würde er nie zum Kreis der Unsterblichen gehören – und das leuchtet dann auch Johnny ein.


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Hier hat Adamson zweimal geschlampt: das Messer schlitzt nicht das, was es soll
und die Ratten, die den Damen Terror bereiteten, waren schwarzgefärbte Mäuse.


Man hüllt sich also in schwarze Robe, zieht mit Fackeln bewaffnet an den Strand und verbrennt Ann relativ unzeremoniell auf einem Scheiterhaufen. Wie schon erwähnt: es war nicht mehr im Buget-Pot.


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Der Nachteil der Nachtblendentechnologie: man merkt immer noch dass es Tag ist,
erkennt aber trotzdem kein Stück. Der Vorteil der Nachtblendentechnologie:
sie hat keine Vorteile.


Die heilige Andacht beendet, findet man sich wieder im Schloss ein und geht zum Geschäftlichen über – Glen soll das Anwesen an die gräfliche Mischpocke überschreiben, dann könne er und Liz weiterleben; als unwillige Blutspender an der Kellerwand, aber immerhin. Davor hebt man noch schnell das Glas und prostet der Gottheit Luna zu. In diesen Moment schüttet Liz ihren Kelch Rebensaft in Johnnys Gesicht, was Glen die Möglichkeit gibt, an Johnnys Colt zu kommen. Johnny versucht noch, seinen Püsterich zurückzubekommen, bei dem Gerangel bekommt er allerdings einen Bauchschuss ab und landet im Psychopathenhimmel.


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Sterben wie ein Champion! Robert Dix sollte ja für diese Szene den Oskar
einheimsen, aber die Sekretärin hat die Papiere verschludert und der Preis ging an
einen gewissen Marlon-so-und-so.


George nutzt die Gunst des Momentes und macht sich aus dem Staub, das Ehepaar Townsend allerdings ist wie zur Salzsäulen erstarrt – anscheinend haben die beiden vergessen, dass Kugeln Vampiren nichts anhaben können. Glen fesselt die beiden, trotzt Draculas heftigem Protest („das könnt ihr nicht tun!“) mit ihren eigenen Roben und versucht dann, die letzten beiden Opfer im Keller zu befreien. Da lauert schon George und will ihn ans Leder – zuerst mit einem Schürhacken, dann mit einer herumliegenden Peitsche und als das nicht klappt, mit einem Morgenstern. Schlechte Entscheidung, denn als George die mittelalterliche Waffe schwingt, kommen die Gesetze der Physik zum Einsatz und die Kraft der Kinetik trägt George hinunter auf den Kellerboden, wo er tot liegen bleibt.


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„Was heißt das? Ich bin der König der Vampire und kann mich aus so einen
lächerlichen Fetzen NICHT befreien?
Gimme a break“


Oben jammern die Draculas, man solle sie doch gehen lassen bevor die Sonne aufgeht, aber Glen und Liz kennen kein Pardon und sehen zu wie das Paar unter den Strahlen der Sonne erst altert, dann, wie es sich gehört, zu Staub zerfällt. Den übriggebliebenen Kleidern entsteigen zwei Fledermäuse und flattern davon.


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Die Draculas sehen langsam richtig alt aus.
Der Film tut das schon seit zirka 83 Minuten.


Nun bleibt nur noch Mongo-Mango übrig, der sich schon Georges Morgenstern angeeignet hat, nun in der Tür steht und die Situation begutachtet. George und Kollege Johnny kaputt, die Chefs weggeflattert, da bleibt ihm nur eins zu tun: die Belegschaft rächen. Er jagt Glen und Liz zu den Klippen (die beiden Mädels fliehen in die andere Richtung, fort vom Set und waren nie mehr gesehen).


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„Mango haben Axt im Buckel? Und jetzt brennen Mango lichterloh?
Mango haben Schnauze voll und fliegen jetzt davon!
FLAP-FLAP-FLAP!“


Zwar entleert Glen seine Kanone in Mango, aber die Kugeln sind für einen echten Mango nur Mückenstiche. Er setzt Glen mit einem Hieb außer Gefecht und schleppt Liz zur Opferstätte, um den Gott Luna ein letztes Opfer zu bringen. Glen erreicht den Ort des Geschehens, findet eine herumliegende Axt und haut diese Mango in den Buckel. Der – scheinbar ein Träger des Michael-Myers-Gens – ist unbeeindruckt. Also überschüttet ihn Glen mit Kerosin und setzt ihn in Brand. Brennend kriecht Mango auf den Abgrund zu und lässt sich in die Tiefe fallen. Das war’s dann für Mango. Glen befreit Liz und das ist dann schon das …


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THE SWEET, SWEET HAPPY END


Analyse

Al Adamson. Wer sich mit dem Unterleib des Thrash-Cinemas rumgeschlagen hat, dem dürfte der Name bekannt sein. Nach HALF WAY TO HELL und PSYCHO A GO-GO war DRACULA UND SEINE OPFER erst das dritte Werk des Regisseurs, der normalerweise gleich nach Ed Wood Jr. genannt wird. Klar wird DRACULA UND SEINE OPFER selten im selben Atemzug wie die „Grossen Klassiker“ à la DRACULAS BLUTHOCHZEIT MIT FRANKENSTEIN, I SPIT ON YOUR CORPSE oder sogar DIE SADISTEN DES SATANS genannt. Seltsamerweise hat sich Adamsons Karriere praktisch rückwärts abgespielt; das wenige Talent des Regisseurs degenerierte zugehend und die Anfangswerke waren (technisch gesehen) professioneller als das was nach 1970 kam.

Zyniker sprechen auch vom Pasolini des amerikanischen Z-Films, und haben dabei nicht einmal unrecht: Adamson war unorthodox und auf seine Weise brillant – und fand ein brutales, bizarres Ende als er 1992 von seinem Bauunternehmer ermordet und sein Körper unter Adamsons eigenen Badezimmer vergraben wurde.

Beginnen wir mit dem eigentlichen Star des Films: Ed Wood hatte seinen versifften Bela Lugosi; Adamson hatte John Carradine, der ja schon in diversen Universal- und Südstaaten-Vampirfilmchen den Grafen gab (DRACULAS HAUS, DRACULA VS BILLY THE KID). Es ist daher nicht weiter verwunderlich, dass Carradine im Film die heimliche Hauptrolle als Sektenoberhaupt spielt.

Der handelsübliche Dracula-Film lebt oder geht durch den Dracula-Darsteller unter. Handelsüblich, denn bei einem Adamson-Streifen ist es relativ egal, dass der in Ägypten geborene D’Arcys Dracula in etwa so bedrohlich wie Graf Zahn wirkt.


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Böse Zungen behaupten auch, Graf Townsend sei kein direkter Nachkomme
Draculas sondern stamme aus dem Hause Addams. Beweise konnten bis heute nicht
vorgelegt werden – bis Heute!


Johnny, der Werwolf, scheint ein entfernter Verwandter von Eddy Munster zu sein, was heißt: er ist ein Werwolf der sich nicht verwandelt. Gut, dies mag mit Adamsons geringen Budget zu tun haben – oder vielleicht ist Johnny ja auch kein echter Wolfsmensch, sondern nur ein mordlustiger Wald- und Wiesenpsychopath.

Paula Raymond, mit 85 Auftritten in Film und TV (darunter an der Seite von Gary Grant in HEXENKESSEL), war eine Veteranin im Geschäft. DRACULA UND SEINE OPFER sollte ihre vorletzte Darbietung bleiben. Dies hatte weniger mit dem Trauma, in einem Adamson-Film aufzutreten, zu tun, als mit einer Tollpatschigkeit, die ihr in Hollywood den Ruf eines „wandelnden Unfalles“ beschied: Ms. Raymond hatte die schlechte Angewohnheit über alles Mögliche zu stolpern (Telefon- und Kamerakabel zählten zu ihren Erzfeinden), stürzte auch gerne mal die Treppe hinunter, um sich dabei dich Haxen zu brechen oder verlor, beispielsweise, bei einem Autounfall in 1962 ihr Näschen.

Zur Produktion: Adamson bewies ein gutes Händchen als er beschloss, den Film im Umfeld des 1924 erbauten Shea Castle in der kalifornischen Mojavewüste zu drehen. Weniger glücklich endete der Versuch, mit Dunkelblenden zu arbeiten – wir haben es wahrscheinlich schon erahnt: es war keine Kohle für Nachtaufnahmen da.

Wem können wir den Film schlussendlich empfehlen? Nun, zum ersten denen, die schon bei DRACULAS BLUTHOCHZEIT MIT FRANKENSTEIN ihren Spaß hatten; unverbesserliche Adamsonisten und Fans von Filmen, die „Dracula“ im Titel tragen.


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John Carradine Seal-of-Approval


THOR


© 2013 Thorsten Atzmueller



Bewertung


BOMB-SKALA
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BIER-SKALA

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