East L.A. Warriors
Aus Badmovies.de
Regie: Addison Randall
Darsteller: Tony Bravo (Aurelio), Kamar Reyes (Paolo), Lawrence
Hilton-Jacobs (Caesare), William Smith (Martelli)
In den Ghettos von Los Angeles herrschen die diversen ethnischen
Gangs. Nur alle zwei Jahre kommt es zu einem Waffenstillstand, wenn
der lokale Drogenobermotz Caesare die "Spiele" ausruft -
Martial-Arts-Duelle bis zum Tod (und da wird im Zweifelsfalle
schußwaffentechnisch nachgeholfen). Nach einem Drive-By-Attentat
auf die Geburtstagsfeier seines Bruders entschließt sich Paolo, der
Hispano-Gang "Los Lobos" beizutreten und wünscht, vom Gang- und
Kriegsveteranen Aurelio in die hohe Kampfkunst eingewiesen zu
werden. Aurelio weigert sich zunächst, weil er der Ansicht ist,
Paolo würde sich nicht dem ehrenvollen Kodex eines "Kriegers"
unterwerfen, aber als Polizeidetective Rodriguez, ein alter
Nam-Kumpel Aurelios, diesen bittet, ihm zu helfen, Caesare
unschädlich zu machen, wittert Aurelio die Chance, über den Umweg
der "Spiele" an den Oberdealer heranzukommen. Im Nu zimmert er aus
Paolo einen aufrechten Kämpfer, doch dann erfährt Paolo zufällig,
dass Aurelio dereinst seinen Vater getötet hat...
Der Film: Himmel hilf, wieder mal was von PM Entertainment. Man
kann über Joseph Merhi und Richard Pepin (oder Merry und Pippin,
wie respektlose Elemente sich ausdrücken würden) denken, was man
will, aber sie stießen mit ihren el-cheapo-gefilmten Actionfilmchen
Ende der 80er Jahre in die ein oder andere echte Marktlücke (bevor
sie mit souverän gemachten Randalefilmen in den 90ern zur festen
Größe auf dem B-Movie-Sektor wurden). Nicht nur, dass sie ein
ganzes Rudel Filme mit schwarzen Protagonisten, quasi
Ultra-Low-Budget-Blaxploitaton, wie die "L.A. Heat"-Reihe
produzierten, nein, sie erkannten auch Jahre vor den größeren
Studios (die ja erst jetzt langsam auf den Trichter kommen) das
Marktpotential der hispano-amerikanischen Bevölkerungsstruktur und
produzierten mit "East L.A. Warriors" bereits 1989 ein auf Spanisch
gedrehtes Pendant mit einigen mehr oder minder renommierten
ethnisch passenden Schauspielern wie dem mexikanischen TV-Star Tony
Bravo und dem jungen Puertoricaner Kamar Reyes. Dazu noch die eh
schon unter Vertrag stehenden Stamm-Stars Lawrence Hilton-Jacobs
und William Smith als Gaststars und schon hat man, so die Rechnung
der Produzenten, einen potentiellen Videohit, den man nicht nur der
entsprechenden ethnsichen Zielgruppe, sondern guten Gewissens auch
noch dem restlichen Publikum andrehen kann. Zumindest finanziell
scheint sich das Unterfangen durchaus gerechnet zu haben, denn auf
der kommerziellen Basis von Filmen wie diesem bauten Pepin und
Merhi schließlich ihre Company zu einem der Marktführer in Sachen
DTV-Action aus.
Nun ist es sicher irgendwo ein hehres Anliegen, kommerzielle
Unterhaltungsfilme für die hispanische Minderheit in Amerika zu
drehen, aber man könnte sich doch zumindest bemühen, es nicht
allein beim ethnischen Aspekt zu belassen, sondern auch, so rein
aus Spaß, einen zumindest ansehenswerten Film abzuliefern... das,
was sich dem entzündeten Auge des Betrachters nämlich bietet, wenn
er "East L.A. Warriors" in seinen DVD-Player stopft, ist ein selten
ödes Konglomerat aus "Colors", "Warriors" und "Karate Kid", nur
halt ohne den grimmigen Realismus von "Colors", die atemberaubende
Spannung von "Warriors" und die, hüstel, spektakulären Martial Arts
aus "Karate Kids". Im Endeffekt laufen ein paar talentfreie
Darsteller-Knallchargen in schnell aus dem Kostümfundus
hingerotzten Gang-Klamotten durch selten einfallslose Sets und
hauen sich ab und zu in kurzen (nicht blinzeln, sonst verpasst
man's) Kampfszenen auf die respektiven Glocken. Es mag ja sicher
herzensgut gemeint sein, wenn Addison Randall, der Director, der
uns auch schon die Schundklopper "Payback" und "Shotgun" bescherte,
in Ermangelung eines für Non-Stop-Action geeigneten Budgets (ergo:
keine Autostunts, keine Verfolgungsjagden) weite Teile des Films
mit (ödem) Sozialdrama totschlägt, aber es ist halt
himmelsturzlangweilig anzusehen, zumal das konfuse Script mehr als
nur einmal vergisst, in welche Richtung es sich eigentlich
entwickeln will. Beispiele? Gerne. So ist z.B. das Attentat auf die
Geburtstagsfeier, wenn man Caesares Dialog glaubt, eigentlich auf
Paolo (unseren Helden) gezielt gewesen, doch der ist zum
entsprechenden Zeitpunkt noch nicht mal Mitglied einer Gang,
geschweige denn irgendwie mit Caesare ins Gehege gekommen - warum
also wollte Caesare ihn tot sehen? Der "Waffenstillstand" für die
"Spiele" scheint Wochen oder Monate zu dauern (jedenfalls lang
genug, dass Aurelio in einer "wunderschön" aus den einschlägigen
Martial-Arts-Weiser-Meister-unterrichtet-jungen-Schüler-Kloppern
gerippten Trainings-Montage aus Paolo einen "Krieger" bauen kann)
und der eigentliche Plotpunkt selbst, nämlich die ominösen "Spiele"
(nicht mehr als ein quasi "ultimate fighting"-Turnier in einem
Boxring) werden (nach einer eher peinlichen Ansprache Paolos, die
die Gangs zum gemeinsamen Kampf gegen Caesares "Terrorherrschaft"
motivieren soll) in knapp fünf Minuten abgehandelt. Großer
Höhepunkt, ganz toll.
Die 85 Minuten strecken sich also gewaltig (ich starrte bereits
nach 20 Minuten ungläubig auf die Uhr, weil ich darauf gewettet
hätte, der Film müsste schon mindestens halb vorbei sein), weil
auch so arg viel nicht passiert. Die wenigen Actionszenen vor dem
(ebenfalls nicht umwerfenden) Showdown sind an einer Hand
abzuzählen und, soweit es sich um Zweikämpfe handelt, erschreckend
miserabel choreographiert, die Dialoge sind einschläfernd bis
brechreizerregend (und herrlich unoriginell: "Schmerz ist der beste
Lehrmeister des Kriegers", salbadert Aurelio doch während Paolos
Training, ohne dabei rot zu werden), die Charaktere unsympathisch
(aber das ist wenigstens noch eine Welt, in der Männer häßliche
Oberlippenbärte tragen und in weißen Feinripp-Unterhemden auf die
Straße gehen können), die filmische Umsetzung von Randall
extra-betulich langsam und größtenteils der schlichten
point-and-film-Schule entstammend (wenn Randall mal versehentlich
seinen "Style-Detektor" anwirft und in ein-zwei Szenen idiotische
Überblendungen, leichten Zeitraffer oder Slowmo einsetzt, wirkt's
ebenso hanebüchen wie seine aus unerfindlichen Gründen in
schwarz-weiß gehaltene Flashbacksequenz). Keine Frage, dass Randall
es schafft, gleich nach zehn Minuten eine sinnfreie Sexszene
einzubauen (bleibt aber die einzige, Frauen haben in diesem Film
nicht wirklich was zu melden). Ansonsten sollte man sich natürlich
auch von der KJ--Freigabe nicht irritieren lassen, bis auf ein paar
relativ knackige, aber auch nicht wirklich graphische Einschüsse
ist der Streifen härtetechnisch auf Vorabend-Krimi-Niveau.
Wie üblich wahlweise fußnägelaufkräuselnd gruselig oder
heiterkeitsfördernd (im Zweifel aber eher ersteres) ist die einmal
mehr schauerliche Musik von PM-Hauskomponist John Gonzalez
inklusive eines gewohnt trommelfellmarternden Titelsongs (ich muss
mir ect mal eine CD mit den fürchterlichsten PM-Filmsongs machen.
Räumt in Sekundenschnelle jede Tanzfläche).
Wie nicht anders zu erwarten, werden schauspielerisch äußerst dünne
Bretter gebohrt. Tony Bravo, der im mexikanischen TV wohl wirklich
eine große Nummer sein muss (was nicht wirklich für die Qualität
des dortigen Fernsehens spricht, aber wir kennen ja aus eigener
bitterer Anschauung mexikansiche Telenovelas wie "Die wilde Rose"),
holzt sich charismafrei durch den Film, hat aber wenigstens den
typischen "ich-kann-vor-Kraft-kaum-geradeaus-laufen"-Gang der
Steroidmonster drauf. Aus Kamar Reyes, der Paolo auch keine
tiefgründigere Note geben kann, wurde sogar noch was - für seine
Darstellkünste in der US-Daytime-Soap "One Life to Live" wurde er
schon mehrfach für einschlägige Preise nominiert. William Smith
(zahllose PM-Heuler wie "L.A. Vice", "Deadly Breed", aber auch
"Conans" Vater) schaut für einen sinnfreien Gastauftritt vorbei und
Lawrence Hilton-Jacobs ("L.A. Heat", "Angels of the City") mimt mal
zur Abwechslung den Bösen (wahrscheinlich hat er sich als
Gegenleistung ausbedungen, mal Regie führen zu dürfen)
Bildqualität: Wir lassen ja bekanntlich alle Hoffnung fahren, wenn
wir bei einer Best-DVD auf Play drücken. Wie die meisten PM-Titel
im Best-Programm stammt auch "East L.A. Warriors" aus dem Fundus
von Eagle Media (oder "Eagle Pictures". Wäre auch mal nett, wenn
die sich auf einen Namen einigen würden). Die Bildqualität des
4:3-Vollbildtransfers ist nicht so schlimm wie zunächst befürchtet,
aber natürlich auch alles andere als gut. Der Transfer plagt sich
mit einem deutlichen Grundrauschen und ist überdies recht milchig.
Detail- und Kantenschärfe sind Fremdwörter, die Kompression plagt
sich mit etlichen Nachziehern, aber der Kontrast ist erträglich und
immerhin werden wir nicht durch grobe Mastering-Fehler,
Bildstörungen, Defekte oder Verschmutzungen belästigt. Trotzdem
natürlich nur mit viel Wohlwollen ein "bestenfalls
unterdurchschnittlich".
Tonqualität: Deutscher Ton ausschließlich in Dolby 2.0 wird geboten
(nicht, dass wir unbedingt mehr bräuchten, zumal der O-Ton, wie
erwähnt, Spanisch wäre). Die Synchronisation selbst ist mal wieder
erschreckend lieblos ausgefallen und nervt durch den inflationären
Gebrauch spansicher Floskeln (entweder ich übersetze alles oder ich
lass' es bleiben), ist aber zumindest von brauchbarer
Sprachqualität. Die Musik ist (angesichts ihrer objektiven
Qualität, und die ist erschütternd) fast schon zu schön abgemischt,
Nebengeräusche finden kaum statt, ein permanentes Grundrauschen ist
ebenfalls zu verzeichnen, aber nicht störend.
Extras: Eine Trailershow auf neun andere Eagle-/Best-Titel ist
alles, was sich anfindet. Wenn man davon absieht, dass man im Hause
Best (oder Eagle) tatsächlich blöd genug war, den Hauptfilm durch
Anhängen von sage und schreibe 35 Minuten grauem Bildschirm
künstlich zu verlängern...
Fazit: Wie so viele PM-Streifen aus der Phase 1988-1990 taugt "East
L.A. Warriors" absolut gar nichts. Der möglicherweise (siehe oben)
wohlmeinend intentionierte Streifen liefert nichts außer der
Demonstration geballter Inkompetenz auf allen Ebenen, leider aber
auch in derart langweiliger Form, dass man sich nicht mal drüber
amüsieren kann (ich würde mir auf jeden Fall erheblich lieber
sofort drei beliebige "Karate Warrior"-Teile am Stück ansehen als
DIESEN Film nochmal). Wenn man schon unbedingt einen Gang-Film
sehen will, sollte man entweder, so's ernsthaft sein soll, zu
"Colors", oder, wenn Wert auf Spannung gelegt wird, zu "Die
Warriors" greifen. Ein Garagen-Sampling dieser beiden Filme mit
einer gehörigen Portion "Karate Kid" ist nämlich, quod erat
demonstrandum, völlig frei von Unterhaltungswerten...
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