Fantasy Film Fest 2015 Teil 11

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COP CAR

COP CAR

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USA 2015, Regie: Jon Watts

Die zehnjährigen Burschen Travis und Harrison entdecken beim Spielen auf der Weide einen augenscheinlich verlassenen Streifenwagen. Nach den anfänglichen Mutproben und der schließlich getroffenen Feststellung, dass der zur Bullenschleuder gehörige Bulle offenbar nicht wiederkommt, beschließen die beiden Jungs, sich den Wagen mal für eine kleine Spritztour auszuleihen. Nach Brettern über Felder, Gräser und Steine führt der Weg die Knirpse tatsächlich auf den Highway…

…indes der rechtmäßige Fahrer der Kalesche, der korrupte Dorfsheriff Kretzer, nach der Entsorgung einer eher weniger dienstlich angefallenen Leiche zurück zu seinem Parkplatz dackelt und dort ein streifenwagenförmiges Luftloch vorfindet. Was insofern peinlich ist, als sich im Kofferraum der Mühle noch ein zweiter Begräbniskandidat befindet. Nachdem sich Kretzer – nach längerem Fußmarsch – wieder erfolgreich motorisiert hat, beginnt er die Fahndung. Und unsere beiden Autodiebe haben inzwischen festgestellt, dass sie einen Passagier im Kofferraum haben und der ist zwar reichlich angeschlagen, aber noch recht lebendig und verständlicherweise nicht sonderlich gut auf den Sheriff zu sprechen…

Das Problem an Ideen ist, dass nicht jede automatisch gut ist und noch nicht mal jede *gute* Idee automatisch auch praktikabel für einen Film ist. „Cop Car“, der diesjährige FFF-Abschlussfilm, sieht auf dem Papier (und auch nach dem Trailer) nach einer wirklich putzigen Idee für einen launigen Action-Abenteuer-Streifen aus, doch sitzt man dann erst mal im Kino, stellt man rasch fest, dass der Einfall nicht für 90 Minuten trägt. Und wenn man drüber nachdenkt, wie’s der Wortvogel gemacht hat, ist einem auch schnell klar, warum das so ist. Zu ungleich sind Protagonisten und Antagonist, zu lange muss die Konfrontation zwischen den Parteien hinausgezögert werden, zwangsweise müssen mehr Figuren eingeführt werden, damit dem „Cop Car“ nicht schon zur Halbzeitmarke der dramaturgische Motor verreckt.

Zwar ist das alles von Jon Watts, den Sony offenbar gerne als Regisseur für den nächsten Stand-alone-„Spider Man“ haben möchte, und der wohl aus dem Umfeld der Satireseite „The Onion“ kommt, sehr sauber, glatt und gefällig inszeniert, doch fehlt ihm halt der rechte Zug, der rechte Hook für die Story, die über ihr grundsätzliches Gimmick hinaus nicht viel zu bieten hat und deswegen auch im Schlussakt zu einer eher gewöhnlichen Rachegeschichte verkommt, in der die eigentlichen „Helden“ zu Statisten werden.

Keine Frage, Kevin Bacon ist als Arschloch-Sheriff eine Schau, die Kinderdarsteller sind erfreulich unnervig, und Shea Whigham („Boardwalk Empire“, „The Wolf of Wall Street“, auch kein heuriger Hase also) macht einen guten Job, daran liegt’s nicht.

Vielmehr daran, dass „Cop Car“, pardon the pun, nie wirklich den Drive entwickelt, den sein Trailer verspricht. Der Streifen ist nicht wirklich schlecht, aber man wird das Gefühl nicht los, dass das ganze Konzept maximal 45 Minuten her gibt und krampfhaft auf abendfüllendes Format aufgeblasen wurde, zu Lasten von Dramaturgie und Spannung. Kein offensiver Blindgänger, da hatten wir im diesjährigen Jahrgang ganz andere Knallkörper, aber dann doch eine milde Enttäuschung.

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RABID DOGS

RABID DOGS

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Frankreich/Kanada 2015, Regie: Eric Hannezo

Es soll eigentlich ein ganz simpler Bankraub werden, doch der ausführenden Viererband entgleitet schnell die Kontrolle über die Situation. Geiseln werden genommen, der Chef der Bande und der einzige, der so halbwegs wusste, was er tut, von der Polizei erschossen. Auf einmal findet sich der junge Ganove Sabri in der Rolle des Anführers wieder, der nicht nur seine Komplizen, den nicht gerade cleveren Vincent und den halb durchgeknallten Manu im Griff behalten muss, sondern auch die renitente weibliche Geisel und den zwangsrekrutierten Fluchtwagenfahrer, dessen Tochter im Fond sediert im Fonds liegt und innerhalb von sieben Stunden zu einer überlebenswichtigen Organtransplantation geschafft werden muss…

Gespannt erwartet wurde im FFF-Jahrgang 2015 auch dieses französische Remake des dreckigen Mario-Bava-Gangsterfilms „Cani arrabiati“, den der Maestro zur vermeintlichen Belebung seiner Karriere im poliziotteschi-Genre 1974 begann, aber abbrechen musste, nachdem die Finanzierung zusammenbrach und das, was Bava bereits gedreht hatte, in rechtliche Irrungen und Wirrungen verwickelt wurde. 1997 erschien dann endlich eine restaurierte und mit teilweise neu gedrehtem Material vervollständige Fassung.

Newcomer Eric Hannezo bastelt aus Bavas räudigem Thriller einen überraschend gelackten, „undreckigen“ Film. Das macht er durchaus spannend und mischt seine Gewaltschübe mit recht glaubwürdigen Charaktermomenten, aber, auch hier habe ich den Erwägungen des Herrn Wortvogel nicht sonderlich viel hinzuzufügen, bei einem Film mit dem Titel „Tollwütige Hunde“, dessen Vorbild gerade über seine schockierenden Abgefeimtheiten zu überzeugen versuchte, geht Hannezos Versuch, aus den Gangstern dreidimensionale, menschliche Figuren zu machen, die einfach in eine Situation geschleudert wurden, die sie völlig überfordert und mit der sie nicht umgehen können, thematisch einigermaßen fehl. Hannezos Gangster sind nicht „tollwütig“, sie sind vielleicht milde verstimmt bis mittelschwer verwirrt, aber, auch wenn sie über Leichen gehen, man hat nie das Gefühl, dass sie wirklich diese bösartigen Unmenschen sind, wie sie in Bavas Film, um dessen extremste Szenen Hannezo eh einen Bogen macht, gezeichnet werden.

Das ist sicherlich alles sehr spannend inszeniert und lebt auch von guten darstellerischen Leistungen, speziell von Lambert Wilson („Catwoman“, „Babylon A.D.“) und Guillaume Gouix („Jenseits der Mauern“), und auch der Schlusstwist funktioniert prima, aber, und ich sage das ungern als jemand, der nicht unbedingt Sleaze um des Sleazes Willen braucht, gerade angesichts seines Vorbilds hätte Hannezo schon auch den Exploitation-Faktor nicht ganz vernachlässigen müssen. „Rabid Dogs“ ist ohne Frage ein spannender, stellenweise auch mitreißender Thriller, aber er ist nicht dieser ultraharte „Italo“-Sleazer für das 21. Jahrhundert, den ich zumindest ein bisschen erwartet hatte.

Fazit: Professioneller und durchaus die richtigen Knöpfe drückender Thriller, dem’s aber an der versprochenen Fiesheit mangelt, losgelöst vom Bava-Erbe als schnieker Gangster-Thrill allerdings absolut brauchbar.

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HELLIONS

Hellions

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USA 2015, Regie: Bruce McDonald

Ausgerechnet an Halloween erfährt die 17-jährige Dora von ihrer äußerst ungewollten Schwangerschaft. Wie das renitente Goth-Teenager halt so handhaben, frisst sie die Nachricht erst mal in sich hinein und beschließt, den Abend mit ein paar Gruselfilmen im TV allein zu Hause zu verbringen. Das geht so lange gut, bis ein Rudel sehr sehr obskurer Trick-or-Treater auftaucht und relativ deutlich klar macht, dass sie nicht auf Süssigkeiten aus sind, sondern auf das, was Dora in sich trägt…

Wieder mal ein Film, auf den ich durchaus gespannt war, im FFF-Programm, denn Bruce McDonalds vorhergehender Horrorfilm Pontypool war vielleicht nicht durchgängig geglückt, aber ein origineller und interessanter neuer Ansatz, an die Infizierten-/Zombie-Thematik heranzugehen. Da durfte man neugierig sein, wie McDonald seinen Halloween-Schwangerschafts-Horror gestaltet. Kurze Antwort: beschissen. Es spricht eh nicht für den Film, dass ich die Storyline tatsächlich nachschlagen musste, weil sie keinerlei bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hatte. Eingebrannt hatte sich lediglich die zunehmende Nervigkeit des Films, denn nach 20 recht konventionellen, aber zumindest auch nachvollziehbaren und einigermaßen erträglichen Minuten entscheidet sich Mr. McDonald dafür, von nun an KUNSCHT zu machen – womit „Hellions“ baden geht. Sei es das Sound Design, sei es die penetrante Rosafärbung der Szenen unter dem „Blutmond“, seien es halluzinatorische Sequenzen ohne Sinn und Verstand, alles, womit man dem Freund eines stringenten Narrativs eine ganz besondere Freude macht, schmeißt McDonald, aber augenscheinlich ohne ein echtes Konzept, dass über „lass Robert Patrick mit einer Schrotflinte durch eine psychedelische Horrorlandschaft latschen und irgendwelche Pseudodämonen totschießen“ hinausgeht. Womit ich das auch erwähnt hätte – Robert Patrick, der altehrüwrdige T-1000, der sich auch noch nie für eine Rolle zu schade war, stapft mit dem gleichen Unverständnis, mit dem ich dem ganzen Treiben gegenüberstehe, durch den Film und versucht, allein durch seine Präsenz den Genrezuschauer soweit zu besänftigen, damit der nicht die Sitzschale aus der Verankerung reißt und gen Leinwand dengelt.

Das alles soll, so schwurbeln Kritiker, die für ihre Zeilen vermutlich tatsächlich Geld bekommen, eine Metapher auf die „anxiety-riddled psyche of a young woman in trouble“ sein. Vielleicht ist es das ja auch, aber deswegen wird noch lange kein interessanter oder gar guter Film draus. Ist aber wohl wieder so ein Stück Film, das in Sundance oder beim SXSW euphorisch beklatscht wird.

Mehr lohnt es sich über „Hellions“ gar nicht zu sagen – das war ein totaler Fehlschuss ohne jegliche „redeeming values“. Wenn mir jemand meine „subjektive Realität“ zerfetzen soll, dann doch bitte Quentin Dupieux…

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© 2015 Dr. Acula