Fantasy Film Fest 2015 Teil 5

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INFINI

Infini

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Australien 2015, Regie: Shane Abbess

Dank der Slipstreaming-Technologie, die Raumschiffe überflüssig macht (die „Astronauten“ werden in Datenpakete umgewandelt und an Ort und Stelle wieder zusammengesetzt) hat sich die Menschheit im Weltraum ausgebreitet. Aufgrund hoher Arbeitslosigkeit sind die gut dotierten, aber gefährlichen Space-Jobs gefragt – auch Whit Carmichael (Daniel MacPherson) schließt sich deswegen der „West Coast“-Zentrale für Weltraumeinsätze an. Doch gleich sein erster Tag geht übel ins Höschen – eine fehlgeschlagene Mission, auf dem entferntesten Außenstützpunkt „Infini“, einer stillgelegten Minenstation, nach dem Rechten zu sehen, endet in einer Katastrophe. Irgend*etwas* ist von dort mitgekommen und metzelt sich durch die West-Coast-Basis, bis dort der endgültige Lockdown und die Sterilisierung der Basis vollzogen wird. Die einzige Überlebenschance für Whit ist ein Notfall-Slipstream nach Infini (den einzigen grad verfügbaren Koordinaten)…

Wenig später wird in der „East Coast“-Basis ein Rettungseinsatz gestartet. Captain Johansen (Kevin Copeland) und sein Team sollen erstens Whit bergen und zweitens die aus unerfindlichen Gründen wieder angelaufene Minenoperation stoppen. Der vermeintliche Wunderkraftstoff, der dort gefunden wurde, hat nämlich die unangenehme Eigenschaft, bei Kontakt mit der Erdatmosphäre tödliche Reaktionen zu verursachen. Das Team bricht auf und findet die Crew von Infini tiefgefroren (und tot). Nur Whit, der sich in der Zentrale verschanzt hat, ist noch am Leben, weiß aber auch nicht wirklich, was passiert ist. Da Whit sich zwischenzeitlich (die Slipstream-Technologie bringt auch irgendwelche Zeitverschiebungsnebeneffekte mit) mit der Retro-Technik von Infini (die Computermonitore laufen unter ASCII…) vertraut gemacht hat, wird er zwangsrekrutiert, die automatisierte Minenoperation (und die Beladung des entsprechenden Frachters) zu stoppen. Da gibt’s aber jemanden oder vielmehr *etwas*, der/die/das entschieden etwas dagegen hat und die Rettungscrew one-by-one in seine Zombie-Marionetten verwandelt…

Science fiction aus Australien ist so’n Ding – apokalyptische Actionklopper können die, die einen Krieg gegen Emus verloren haben, fraglos (bei der Kulisse auch keine Kunst, pöh!), aber so die effektgeladene Space Opera, da hatten die Aussies immer das Problem, dass sie die notwendig großen Budgets nicht gestemmt kriegen. Auch „Infini“, der neueste Genre-Versuch von Shane Abbess („Gabriel – Die Rache ist mein“) hat sichere nicht wahnsinnig viel gekostet, und wie so oft in solchen Fällen, wurde das spärliche Budget in ein paar schicke Sets, Space-Kostüme und ein paar solide CG-Effekte gesteckt. Für ein vernünftiges Drehbuch blieben da leider mal wieder nur Krümel über und deswegen musste Abbess dann auch übernehmen. Was dabei herauskommt, ist ein Script, wie ich’s mit vierzehn vermutlich auch geschrieben hätte: ein recht generischer „fieser-Feind-auf-Raumstation“-Thriller, der mit Zombie-/Infektionselementen spielt und am Ende eine Art „Abyss“-Turn nimmt, ohne je eine eigene Identität aufzubauen. Abbess baut sein Szenario aus Genreversatzstücken zusammen, die schon beim dritten, siebten und neunundachtzigsten Durchkauen nicht mehr sonderlich schmackhaft waren (wenn ich z.B. noch EINEN Drehbuchautoren erwische, der irgendeinen parasitären Einzeller zum „perfekten Organismus“ erklärt, drehe ich ihn persönlich durch den Fleischwolf). Dank einer für einen B-SF-Horror-Film praktisch epischen Laufzeit von 110 Minuten wird das ganze Unternehmen auch nicht sonderlich spannend (die erste Hälfte des Streifens könnte man eh „Typen in Raumanzügen laufen durch Korridore – Der Film“ nennen). Die Make-up-FX sind ganz nett, aber nicht weltbewegend, und die Schlusspointe, naja, hat man halt auch schon anderswo gesehen.

Was mich aber ganz besonders anödet: mit viel Gedöns und Trara (und einer speziell darauf abgestimmten Texttafel zu Beginn) wird die Slipstreaming-Technologie (letztlich nichts anderes als Star Treks gutes altes Beamen) eingeführt und als „wegen der vielen Todesfälle und der Angst vor ‚data corruption‘ heftig umstritten“ bezeichnet. Nur hat das NICHT DIE GERINGSTE RELEVANZ FÜR DEN VERDAMMTEN PLOT (es gibt zwar am Ende eine Szene, in der die Rückkehrer einer peinlichen Befragung unterzogen werden, ob und wer sie sind, aber da niemand durchfällt, ist das auch belanglos), genauso wenig wie die unerklärte „timelapse“-Nebenwirkung (die Rettungsmission dauert für die Beteiligten einen Tag, auf der Erde vergeht nicht mal eine Minute). Das sind so Ideen, die der oben erwähnte vierzehnjährige Doc für „cool“ gehalten und in sein Script gebastelt und dann wieder rausgestrichen hätte, weil sie schlicht keine Bedeutung für die Handlung haben. Der ganze Quark würde mit herkömmlichen Raumschiffen und ohne Zeitverschiebung genauso funktionieren (nur der „Gag“, dass Whit seiner Frau zu Filmbeginn versprochen hat, zum Abendessen wieder daheim zu sein und das wegen des Zeiteffekts auch funktioniert, würde dann nicht klappen. Hättichaberauchdraufverzichtenkönn…).

Die Darsteller sind okay, aber auch nicht mehr. Daniel MacPherson, der wie jeder Australier auch schon in „Neighbours“ amtierte, müht sich. Luke Hemsworth beweist, warum seine jüngeren Brüder Chris und Liam ´n bissken bekannter sind als er, Bren Foster war zuvor in ein paar der neueren Seagal-Vehikel aktiv. Die beste Darstellung bescheinige ich Harry Pavlidis („Mr. Nice Guy“) als Sonder-Sicherheitsmann Menzies.

Was die Produzenten dringend noch erledigen sollten, bevor sie den Streifen auf großes Publikum loslassen: den Tonmix überarbeiten. Der Score plärrt in einer ohrenbetäubenden Lautstärke, die mehr als nur einmal wichtige (da mit Exposition gespickte) Dialoge übertönt und den Zuschauer daher ratloser als nötig sitzen lässt…

Fazit: Leidlich passable SF-Horror-Stangenware, die man als DVD-Premiere vielleicht durchgehen lassen würde, im Kino aber ganz bestimmt fehl am Platz ist.

Toter Hund: No dead space dog.

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SCHERZO DIABOLICO

Scherzo Diabolico

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Mexiko/USA 2015, Regie: Adrian Garcia Bogliano

Rechtsanwalt Aram hat’s nicht leicht – sein Chef Granovsky schätzt zwar die Qualität seiner Arbeit und seine Einsatzfreudigkeit, aber soweit, den turmhoch aufgebauten Überstundenberg auch zu bezahlen, geht die Freundschaft dann doch nicht (Anmerkung: Ich weiß nicht, was Aram hat. Nach meiner Erfahrung sind Überstunden für Juristen allgemein Privatvergnügen, das noch in keiner Kanzlei, in der ich tätig war, bezahlt worden wäre). Zu Hause warten eine nörgelnde Frau, der es tierisch auf die Eierstöcke geht, dass Aram zu feige ist, nach Beförderung und/oder Gehaltserhöhung zu fragen, und ein Sohnemann, der nur in seinem selbstgebastelten Superhelden-/Lucha-Libre-Kostüm rumläuft. Entspannung findet er nur bei seinen wöchentlichen Besuche bei einer Edelnutte, die nicht nur sexuelle Dienstleistungen (die er zuhause längst nicht mehr bekommt) anbietet, sondern ihn auch mit Anekdoten aus ihrer Profession unterhält, und in seiner Liebe für klassische Klaviersonaten.

Aber alles soll sich ändern – Aram stalkt nämlich ein Schulmädchen, notiert sich minutiös Route und Dauer ihres Heimwegs, lässt sich außerdem von seiner Nutte Fesseltricks beibringen und kauft einen Vorrat diabetischer Lebensmittel und isotonischer Getränke ein. Und dann schlägt Aram zu – er kidnappt das Girl, verschleppt es in eine abgelegene, leerstehende Fabrikhalle und kettet sie an einen Pfeiler. Der Kniff: das Opfer ist die Tochter von Granovsky, und erwartungsgemäß geht der Kanzleichef ob der Entführung und Arams taktischer Videos, die nichts von Lösegeldforderungen erzählen, sondern nur diverse Demütigungen des Mädchens (sie muss um ihr Leben flehen, sich nackt ausziehen usw.) zeigen. Granovskys berufliche Leistungen gehen in den Keller, und Aram, der in solch schwerer Stunde unverdrossen an der Seite seines Chefs steht und großmütig seine Aufgaben mitübernimmt, ist nach einiger Zeit am Ziel seiner Träume – Granovsky wird gefeuert, Aram sein Nachfolger mit Aussicht auf Partnerschaft in der überregionalen Kanzlei.

Umgehend lässt er das Mädchen frei und feiert seinen neuen Reichtum – Geld, Schmuck, neues Auto und neue Wohnung machen seine Frau froh, für sein neues Verhältnis, seine Sekretärin Perla, kann er auch ein schickes Appartment mieten, und seine bis dato Vertraute, die Nutte, in den Wind schieben. Sieht so aus, als hätte alles vorzüglich geklappt, doch dann hört die bis dahin ziemlich unter Schock stehende Annabel Granovsky auf einer CD, die ihr Vater (gekauft auf Arams Empfehlung) einlegt, die Mozart-Sonate „Rondo alla Turco“, mit der sie bei ihrer Entführung „unterhalten“ wurde…

Empfehlungen des FFF-Personals sind ja durchaus mal mit Vorsicht zu genießen. Während die Werbetrommel für „Shrew’s Nest“ ja völlig richtigerweise gerührt wurde, war ich bei der Ankündigung von „Scherzo Diabolico“ als „bösestem“ Film des Festivals und Lieblingsfilm der Programmdirektorin mal wieder sicherheitshalber skeptisch.

Die mexikanische schwarze Thrillerkomödie erzählt die Geschichte eines Waschlappens, der auf einen unnötig komplexen Plan verfallen ist, um sowohl seine berufliche als auch private Position zu verbessern und, haha, scheinbar alles perfekt organisiert hat. Alles verläuft so, wie Aram es sich vorgestellt hat, und letztlich auch ohne größere Gemeinheiten. Ja, er demütigt Annabel für die Videos, die er ihrem Vater mailt (natürlich trägt er dafür eine Maske und spricht kein Wort), aber er gibt sich große Mühe, ihr keinen wirklichen physischen Schaden zuzuführen (wie er z.B. eben für die Diabetikerin zuckerfreie Powerriegel als Verpflegung bringt). Aram meint offensichtlich wirklich, dass Annabel, wenn er ihr nicht aktiv körperliche Gewalt antut, aus der ganzen Entführungskiste ohne größere Probleme wieder in ihr Leben zurückfinden wird und alle glücklich und zufrieden bis an ihr Ende leben (außer halt Granovsky, der sich einen neuen Job suchen muss). Dass ausgerechnet der lächerliche kleine Zufall, dass Aram seinem Boss die CD empfohlen hat, die er Annabel während der Reise im Kofferraum per MP3-Player auf die Ohren gegeben hat, dazu führt, dass bei dem Mädchen sämtliche Sicherungen durchbrennen und sie zu einem perfiden und brutalen Rachefeldzug antritt, gegen den Arams Verbrechen der Entführung wie ein Ticket für fünf Minuten Falschparken wirkt, tja, das konnt‘ ja keiner ahn’n…

Problematisch für den Film dabei ist, dass sich die angekündigte „Bösartigkeit“ eigentlich auf den letzten Akt beschränkt. Die größte Zeit verbringt der Streifen mit Vorbereitung und Durchführung des Kidnappings, was an und für sich filmisch nicht übermäßig spektakulär ist. Es gibt da ein paar witzige Szenen (und auch einiges an nackter Haut, was mich darüber sinnieren lässt, dass in Mexiko ein paar Pfund mehr auf den Rippen augenscheinlich absolut als Schönheitsideal durchgehen), aber richtig in Gang kommt die Nummer erst mit Annabels „snap“ – dann wird’s wirklich schön böse und auch ziemlich heftig splattrig; nicht immer auf allerhöchstem technischen Niveau, was die rustikalen Sudeleien angeht, aber immerhin. Nicht ganz einfach macht’s der Film dem Zuschauer, weil so ein richtiger Anknüpfungspunkt für den Zuschauer unter den Charakteren fehlt. Aram und seine Sippe fallen als Sympathieträger aus, ebenso auch Granovsky, und bis zu ihrem „character turn“ ist Annabel eine ziemlich unbeschriebene leere Seite – und danach ist man jetzt auch nicht unbedingt dazu geneigt, sie in ihrer blinden Wut, die auch und gerade unschuldige Opfer fordert, anzufeuern.

Die schauspielerischen Leistungen sind mittelmäßig – niemand ragt sonderlich heraus und bis auf den Superhelden-Sohn Arams fällt niemand wirklich negativ auf. Eine gewisse Affinität zu klassischen Klaviersonaten und zur „Rondo alla Turco“ sollte mitgebracht werden.

Wort zum Sonntag: akzeptabler schwarzer Humor, der allerdings ein bissl lang braucht, bis er zum „good stuff“ kommt und bis dahin manche Gemüter etwas ermüden könnte – etwas Straffung oder Spannung in den ersten beiden Akten hätte da womöglich geholfen.

Toter Hund: nein, aber eine mit bloßer Mädchenhand erschlagene Ratte.

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SOME KIND OF HATE

Some Kind of Hate

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USA 2015, Regie: Adam Egypt Mortimer

Drei lange Jahre hat Lincoln (Ronen Robinstein) die täglichen Demütigungen durch den Schulbully klaglos hingenommen. Kaum schlägt er einmal zurück (zugegeben: mit einer Gabel), landet *er* auf einer Farm für straffällige, schwer erziehbare Jugendliche. Die Mind’s Eye Academy, geleitet von Jack Iverson (Michael Polish) ist allerdings ein eher seltsamer Laden irgendwo zwischen Yogacamp und Sektenhauptquartier. Lincoln freundet sich mit seinem Zimmerkameraden Isaac (Spencer Breslin) an, der ob Lincolns Gewalttat auch ordentlich beeindruckt ist – und das auch brühwarm den anderen Kids erzählt. Natürlich ist’s in der Academy auch nicht anders als anderswo: auch hier gibt es einen Bully, Willie (Maestro Harrell), der sich kurioserweise als Schwarzer einen Neonazi-Sidekick hält, und nach allen Regeln der Kunst versucht, Lincoln zu einem neuen Gewaltausbruch hin zu piesacken. Neben Isaac hält nur Kaitlin (Grace Phipps), Ex-Cheerleaderin, zu Lincoln, der nach einem besonders heftigen Angriff seintes der Bullys in einen Keller flüchtet und die verhängnisvollen Worte „ich wünschte, sie wären alle tot“ brabbelt.

Da fühlt sich jemand berufen – der Geist von Moira (Sierra McCormick), ein Mädchen, das sich vor einigen Jahren heftig gemobbt an Ort und Stelle mit Rasierklingen umgebracht hat und nun daran geht, zunächst Lincolns Quälgeister brutal zu offen. Und als Lincoln ihr zu verstehen gibt, dass er das *so* nun wieder auch nicht gemeint hat, reagiert Moira pissig und beginnt ihre Angriffe auch auf Lincolns Freunde und das Academy-Personal auszuweiten…

Adam Egypt Mortimers Debütfilm kam mit dem Versprechen, dem dahínsiechenden Slasher-Genre wieder auf die Sprunge zu helfen, ins Programm, aber wie schon bei „All the Boys Love Mandy Lane“, dem seinerzeit der Ruf eines Genre-Erneuerers vorauseilte, sich aber als ganz besonders doofe Gurke entuppte, kann „Some Kind of Hate“ in keiner Weise überzeugen.

Zwar ist es ehrenvoll, dass sich Mortimer der immer stärker in den Vordergrund tretenden Mobbing-Problematik entgegentritt, aber das tut er leider mit einem Protagonisten, dem man – ich sag’s ungern – nicht wirklich die Daumen drückt. Lincoln ist so ein elender weinerlicher Emo-Hirni, der ständig mit Leichenbittermiene rumläuft, rumnölt, dass ihn doch alle so scheiße behandeln, aber nichts dafür tut, dass er vielleicht *nicht* scheiße behandelt wird. Ich will jetzt nicht mit der victim blaming-Nummer kommen, aber irgendwas „likeables“ hätte man der Figur dann vielleicht doch mitgeben müssen. Kaitlin fährt da schon besser – ihr billigt das Script wenigstens einen character arc zu (zwar mit einer reichlich unlogischen Umleitung, als sie für zehn Minuten zu Moiras Komplizin wird, als schon längst klar ist, dass Moira jetzt nicht unbedingt in absoluter Gerechtigkeitsmission unterwegs ist, sondern ziemlich wahllos tötet).

Der wirkliche Haken an der Nummer ist allerdings, dass das Verhalten von Lincoln und Moira im Nachhinein den Bullys RECHT gibt. Moira *ist* eine durchgeknallte Irre (und war das, so wie’s der Film durchschimmern lässt, auch zu Lebzeiten), Lincoln ist eine bescheuerte Schnarchnase, der sich im Zweifelsfalle auch nur mit Gewalt zu helfen weiß und beide zusammen sind verantwortlich für so ein Dutzend Leichen, von denen mindestens die Hälfte nichts mit Bullying am Hut hatte. Das sind nicht grad meine großen moralischen Helden…

Ronan Rubinstein („Jamie Marks is Dead”; scheinbar ein Spezialist für doofe Emos) murkelt sich mit anderthalb gequälten Gesichtsausdrücken fernab jeden Charismas durch das Prozedere. Optisch ansprechend sind allerdings Grace Phipps („Fright Night“, „Dark Summer“), die höllisch sexy aussieht (und auch passabel spielt) – die nächste Kandidatin für den FFF-Babe-2015-Titel. Wer Mindy Clarke in „Return of the Living Dead 3“ mochte, könnte unter Umständen für die rasiermesserbehängte Sierra McCormick („Die fast vergessene Welt“, „Schwesterherzen – Ramonas wilde welt“) ein Faible entwickeln…

Ergo: langatmiger Slasher, dessen durchaus brutale Splatter-FX nicht darüber hinwegtäuschen können, dass die Ideenlosigkeit des Genres immer noch nicht überwunden ist. Nur sehenswert wege Phipps, McCormick und einigen anderen nett anzukuckenden Babes, die aber die Klamotten anbehalten (aber es ist natürlich ein Film, auf den sich die Festivalcrowd bei SXSW einen abhobelt…).

Toter Hund: Nein.

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EXTRAORDINARY TALES

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Spanien/Belgien/USA/Luxemburg 2015, Regie: Raul Garcia

Edgar Allan Poe (Stephen Hughes) treibt nun als Rabe sein Unwesen und wehrt sich gegen die Vergessenheit. Der Tod herself (Cornelia Funke) versucht in der Gestalt von Statuen Poe zu überreden, seine Gegenwehr gegen den Eintritt in ihr Reich aufzugeben, sei doch sein ganzes Leben vom Tod geprägt worden. Poe versucht sich anhand fünf seiner Geschichten zu verteidigen…

Poe-Anthologien sind nichts neues – ich hab grad erst mit Tales of Poe eine neue Storysammlung nach Poe-Motiven besprochen. *Animierte* Poe-Anthologien, hmm…, da müsste ich nachdenken, ob mir eine einfiele. Der Spanier Raul Garcia und sein Team haben sich dieser Herausforderung nun angenommen und präsentieren, eingebettet in eine poetische Rahmenhandlung, in der Poe und Tod auf einem Friedhof die, eh, monothematische Obsession des Autors mit dem Lebensende diskutieren, fünf Kurzfilme nach Poe-Geschichten: „Der Untergang des Hauses Usher“, „Das verräterische Herz“, „Der Fall des Herrn Valdemar“, „Die Grube und das Pendel“ und „Die Maskerade des roten Todes“ – durchaus die bekannten Klassiker also, alle schon mehr oder weniger oft verfilmt und fixer Bestandteil der Genre-Kanons.

Garcia bedient sich nun für seine Variante des Themas zweier Gimmicks – zum einen ist jede Episode in einem anderen Animationsstil gehalten, zum anderen halten sich alle Episoden extrem dicht an die Vorlage, in dem sie, wie auch im Vincent-Price-Fernsehspiel An Evening of Edgar Allan Poe unverfälschte Poe-Prosa übernehmen. Die ersten vier Geschichten werden ausschließlich von Erzählern, die (gekürzte) Versionen der entsprechenden Storys vorlesen, während sie uns in gezeichneter Form vor den Augen vorbeiflimmern, begleitet, die letzte Episode, der „rote Tod“ ist bis auf eine einzige Dialogzeile sogar komplett „stumm“. Yeah, it’s Art.

Aber die Erzähler, die man ausgewählt hat, sind nicht von schlechten Eltern. „Usher“ wird von Sir Christopher Lee gesprochen, die letzte Beteiligung des Horror-Altmeisters und ewigem Dracula an einem Film vor seinem ungeheuer bedauernswerten Ableben, und der Maestro gibt alles. Lees Stimme ist, wie man so schön sagt, „commanding“ und Poes Prosa kommt seinem Erzählstil wunderbar entgegen.

„Das verräterische Herz“ wird von Bela Lugosi eingesprochen. Und nein, ich meine keinen Nachkommen, bin nicht besoffen oder zu doof, einen Namen von der Leinwand abzuschreiben. Garcia hat eine zeitgenössische Radioversion (nehme ich zumindest an) der Geschichte hergenommen und auf seinen Kurzfilm gelegt. Das rauscht und rumpelt natürlich, da der Ton nunmal mindestens 60 Jahre alt sein muss, aber es ist durchaus eindrucksvoll, denn auch Lugosi hat einen ganz eigentümlichen, einnehmenden und unverwechselbaren Sprachstil. Und außerdem, gottverdammich, das dürfte der erste Film sein, in dem DIE beiden Draculas, Lugosi und Lee, „gemeinsam“ auftreten…

„Herr Valdemar“s Sprecher ist Julian Sands – auch er mit einer angenehmen Stimme, aber nicht von der Gravitas, wie sie Lee und Lugosi auch rein verbal ausstrahlen. Für „Grube und Pendel“ nahm Guillermo del Toro hinter dem Mikrofon Platz. Seine Stimme klingt erheblich älter als ich sie mir vorgestellt hätte und mit seinem immer noch durchschimmernden leichten spanischen Akzent passt er natürlich wie die Faust auf’s Auge zu einer Geschichte, die in der spanischen Inquisition angesiedelt ist.

Die einzige Line des „roten Todes“, geäußert von Prinz Prospero, wird von Roger Corman gesprochen – natürlich auch passend, da der „rote Tod“ zu den Höhepunkten des AIP-Corman-Poe-Zyklus gerechnet wird…

Der Animationsstil wird, wie gesagt, in jeder Episode geändert. „Usher“ kommt in einem eher abstrakten CGI-Stil daher, in dem die Charakter kantig und holzschnittartig wirken, das „Herz“ kommt in sehr reduzierter, stilisierter s/w-Optik daher (orientiert an den Werken eines spanischen Künstlers, dessen Namen ich natürlich mittlerweile längst vergessen habe und dem der Kurzfilm gewidmet ist). „Valdemar“ nutzt ein 60er-Jahre-Comic-Strip-Feeling (die Geschichte beginnt auch mit Panels und Sprechblasen), als besonderer Gag des Mesmeristen, der Valdemar in die Todes-Trance versetzt, nach Vincent Price modelliert. „Grube und Pendel“ bedient sich moderner, realistischer CGI und Charakterdesigns (stolpert aber über ein paar Logikfehler, die wohl aus der Kürzung der Geschichte gegenüber der Filmversion resultieren. Müsste mir aber nochmal die Vorlage durchlesen), während „der rote Tod“ in einem liebevollen Aquarell-Stil gestaltet wurde.

Für die Rahmenhandlung bedient man sich hübscher, stilisierter CG. Die Musik von Sergio de la Puente ist durchweg ausgezeichnet. Die Storys itself sind natürlich altbekannt, aber bis auf die notwendigen Kürzungen, um sie alle in jeweils 10 bis 12 Minuten erzählen zu können (etwas überflüssgierweise hat jede Episode ihren eigenen Vorspann. Da lesen wohl wieder einige Leute ihren Namen recht gern), eben sehr werkgetreu, die graphische Gestaltung liebevoll und die Animation ansprechend.

„Extraordinary Tales“ ist daher neben der oben erwähnten Price-Fernsehanthologie wohl das bislang das Poe-Projekt, das künstlerisch am besten Stil, Ton und Intention seines Ideenlieferanten trifft. Wie ich schon damals bei Price sagt – nur Poe selbst lesen ist originalgetreuer. Ein sehr schöner, naturgemäß ruhiger, künstlerischer Ausflung in Poes bekannteste Prosawerke – ich mag’s sehr!

Toter Hund: Keiner.

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