Fantasy Film Fest 2015 Teil 7

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YAKUZA APOCALYPSE

Yakuza Apocalypse

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Japan 2015, Regie: Takashi Miike

Kamiura (Lily Frankie) ist ein Yakuza-Boss alter Schule - gnadenlos gegenüber seinen Feinden, autoritär gegenüber seinen Untergebenen, außerordentlich beliebt beim kleinen Mann auf der Straße. Kein Wunder, denn nicht nur hält Kamiuras Clan besser Recht und Ordnung als es jeder Gesetzeshüter könnte, nein, er hat auch dafür Sorge getragen, dass die großen Supermarkt- und Fast-Food-Ketten im Viertel kein Bein auf die Erde gebracht haben und die kleinen Läden und Essensstände der einfachen Bevölkerung erhalten geblieben sind. Auch der junge Kageyama (Hayato Ichihara) sieht zu Kamiura auf und wünscht sich nicht sehnlicher, einmal so zu sein wie sein Boss. Kamiura schätzt den Nachwuchs-Yakuza auch sehr, wohingegen der Rest des Clans Kageyama für eine Pfeife hält, schon allein, weil er sich wegen seiner empfindlichen Haut kein Tattoo stechen lassen kann.

Aber natürlich ist nicht alles Eitel Freude Sonnenschein - Kamiura z.B. hat Geheimnisse, von denen nur seine allerengsten Vertrauten wissen, so z.B. das Privatgefängnis, das er im Keller seiner Lieblingsbar unterhält und in dem seine Feinde zwangsweise Strick- und Philiosphieunterricht erhalten. Nicht alle aus seiner Führungsgruppe sind mit Kamiuras Stil einverstanden - sie haben Kontakt mit einer anderen Organisation aufgenommen, die zwei mysteriöse Killer, eine Art Pilgervater und einen strubbeligen "Rucksacktouristen" auf Kamiura ansetzen. Kageyama, gerade im Bodyguard-Dienst, kann nicht verhindern, dass Kamiura getötet wird. Doch der sterbende Boss hat noch eine Überraschung auf Lager - er beißt Kageyama in den Hals...

Als Kageyama wieder zu sich kommt, hat er einen unzähmbaren Appetit auf frisches Menschenblut. Nur langsam reimt sich der junge Gangster zusammen, dass sein Boss ein Vampir war und seine Kräfte auf ihn übertragen hat. Dass es den Boss zu rächen gilt, liegt auf der Hand, und seine neuen Vampirfähigkeiten dürften ihm dabei zupass kommen. Und er wird sie auch brauchen, denn die verräterischen Yakuza aus seinem Clan und die Killer bereiten noch ganz andere teuflische Rituale vor, die Kageyama auf Kollisionskurs u.a. mit einem Frosch-Dämon schicken...

Takashi Miike als Japans "enfant terrible" der Filmindustrie zu bezeichnen, ist mittlerweile schon ein eigenes Klischee und dabei eins, das sich auch ein wenig selbst überholt hat. Miikes Zeiten als unkontrollierter Garagenfilmer, der schon mal zehn Filme im Jahr zusammenschusterte, sind vorbei, heutzutage darf er auch für die großen Studios ran und üppig budgetierte Fantasyabenteuer, gern auch mal für jugendliches Publikum, und historische Samurai-Actiondramen inszenieren. Aber irgendwie scheint das allein den guten Mann nicht glücklich zu machen und so erlaubt er sich mit "Yakuza Apocalypse" einmal wieder "back to the roots" zu gehen.

In knapp zwei Stunden hetzt Miike durch eine Art "best-of"-Programm seines Ouevres - unbefangen und frei von jeglichen Zwängen logischen Storytellings und/oder Worldbuildings mixt Miike Horror, Martial-Arts-Action, Gangsterfilm, Fantasy und Komödie, erlaubt sich diese wüste Melange auch noch selbst zu parodieren. Alles, was Miike sich in den letzten Jahren an inszenatorischer und dramaturgischer Disziplin angeeignet zu haben schien, wird freudestrahlend über Bord geworfen. Wie in seinen Anfangstagen als rüpeliger No-Budget-Randalefilmer baut Miike jeden Einfall, so gut oder schlecht er auch sein mag, in sein Werk ein und scheint dabei mit breitem Grinsen ein "und wenn's euch nicht passt, könnt ihr ja wieder gehen"-Schild vor sich her zu tragen.

Der Unterschied zum "alten" Miike ist natürlich, dass "Yakuza Apocalypse", auch wenn es sicher nicht das teuerste Projekt war, an dem der Maestro in den letzten Jahren gearbeitet hat, top-notch aussieht. Die Splattereffekte sind amtlich (wenn auch nicht übermäßig zahlreich), für die knochenharten Martial-Arts-Gefechte versicherte man sich der Künste der Choreographen der Indonesia-Kracher THE RAID und THE RAID 2, und die Schauspieler agieren mit der Gravitas altgriechischer Tragöden. Das macht dann auch eine ganze Weile lang ordentlich Spaß, aber irgendwann, so nach 60-70 Minuten, beginnt ein Ermüdungseffekt einzusetzen. Man beginnt zu ahnen, dass die ganze Nummer letztendlich nirgendwo speziell hinführen wird, dass die Zutaten kein schmackhaftes Mahl ergeben werden, an das man sich noch in Jahren erinnern wird, sondern eher einen Art Fast-Food-Brei ergeben, dass Miike sich trotz der ganzen Randale auch mal ziemliche Auszeiten nimmt. Miike hat nicht wirklich vor, seine hier aufgebaute Welt zu erklären, es ist oft genug nur Schrägheit um der Schrägheit willen (wie z.B. beim einerseits frechen, andererseits eben auch, äh, *frechen* grünen Froschmonster, dessen nächster Verwandter Tabaluga sein dürfte).

Dass Miike wie so oft die Yakuza und ihren angeblichen Ehrenkodex verherrlicht, mache ich ihm nicht zum Vorwurf, das ist im japanischen Film gelebte Tradition (der einzige, der das hinterfragen darf, ist wohl Takeshi Kitano, und das auch nur, weil seine Filme in Japan selbst ja meist unter dem Radar durchfliegen) und eine Frau in führender Yakuza-Position darzustellen, ist vermutlich schon regelrecht progressiv. Einen Anerkenntnispunkt gibt's für den Killer-Pop-Punk-Track im Abspann.

Summa summarum: Man fragt sich schon, was Miike mit "Yakuza Apocalypse" erreichen wollte - und WEN er erreichen wollte. Wollte er sein gezielt sein "neues" Mainstream-Publikum erschrecken? Ist es eine Art "Geschenk" an seine Fans aus alten Garagentagen? Am Ende ließ mich der Film relativ leer zurück - der ganze Fun, der sich zunächst aufgebaut hatte, war offensichtlich sehr sehr flüchtig und irgendwo war ich am Ende froh, als es vorbei war. Nicht, weil das ganze wirklich schlecht wäre, aber weil Miike hier einfach nur konzeptfrei ein Sammelsurium an wirren Ideen an die Wand klatscht, wie ich es seit seinem "Izo" nicht mehr gesehen habe (wobei "Izo" natürlich einen ganzen Tacken schlimmer war...). Es ist unterhaltsam, es ist sauber gemacht und hat irre Einzelszenen, aber ich ziehe dann doch "Like A Dragon" vor, der auch wahnwitzig war, aber mehr *Film* als dieser hier.

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DEMONIC

Demonic

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USA/Großbritannien 2015, Regie: Will Canon

Vor Jahren schlachtete Mary Livingston in ihrem Haus drei Menschen ab. Seitdem soll es in dem Gemäuer spuken... Eines Nachts wird Detective Mark Lewis (Frank Grillo) zum Livingston-Haus gerufen. Was er dort findet, sind drei frische Leichen und ein völlig verstörter Überlebender, John (Dustin Milligan). Aus dem Knaben ist nicht viel rauszubekommen, außer, dass es noch zwei weitere Personen geben muss, die vermisst werden, den Dokumentarfilmer Bryan (Scott Mechlowicz) und Johns schwangere Freundin Michelle (Cody Horn). Lewis zieht seine Freundin, die Polizeipsychologin Elizabeth Klein (Maria Bello) hinzu. Während die Polizeitechniker versuchen, aus den gefundenen Videos schlau zu werden, zieht Elizabeth John Informationen aus der Nase...

Er gehörte zu einer Gruppe Geisterjäger, die für ihren neuen Dokumentarfilm die rätselhaften Ereignisse im Livingston-Haus untersuchen wollten. John wurde hinzugezogen, weil er regelmäßige Träume hat, in denen ihn seine Mutter (Ashton Leigh) aus dem Spukhaus zu sich ruft. Die Amateur-Ghostbuster beabsichtigen, die Ereignisse der Mordnacht zu rekonstruieren, und weil dazu eine Seance gehörte, wird auch diese vollzogen - erfahrungsgemäß in einer solchen Örtlichkeit keine besonders gute Idee, denn der Dämon, der seinerzeit über Mary Livingston kam, wartet nur auf einen neuen Wirt...

Schön, wenn man die Inhaltsangabe mal etwas knapper fassen kann, denn dieser neue Horrrorschinken aus der Werkstatt von James Wan, versucht gar nicht erst, dem Spukhaus-Genre, das auch Wan selbst mit "Conjuring" beackerte, irgendwelche neuen Facetten abzugewinnen. Rätselhafte Morde in der Vergangenheit, Geisterjäger in der Gegenwart, Ereignisse wiederholen sich, blahblahblah. Eigentlich könnte ich an der Stelle aufhören, denn jeder potentielle Zuschauer dürfte an dieser Stelle bereits entschieden haben, ob "Demonic" was für ihn ist oder nicht. Regisseur Canon ("Brotherhood") versucht die altbekannten Elemente über eine ungewöhnliche(re) Erzählstruktur aufzubrechen, in dem wir den Streifen als "Flashback"-Movie beschert bekommen. Innerhalb des Verhörs durch Elizabeth erinnert sich John bruchstückhaft an die Ereignisse der Nacht, parallel dazu arbeiten die Techniker an den Aufnahmen, die die Geisterjäger gemacht haben, und füllen mit Found-Footage-Einlagen Lücken oder decken Widersprüche in Johns Erklärungen auf. Wie üblich ist nicht alles so, wie es scheint und nicht jeder der, der er vorgibt zu sein, man kennt das ja.

Immerhin - der letzte Twist kommt in der Tat recht überraschend und auch bis dahin ist das alles trotz eines nicht gerade üppigen 3-Mio-Dollar-Budgets sehr professionell gearbeitet. Canon setzt zum Glück nicht *nur* auf vom Plärr-Score antelegrafierte Schockeffekte (obwohls von denen natürlich ein gerüttelt Maß gibt), sondern ist sich auch für ein paar drastischere Make-up-FX nicht zu schade.

Wiewohl der ganze Film in einem flüssigen Tempo voranrollt, die Found-Footage-Segmente vernünftig integriert sind und die Spannungskurve ordentlich angezogen wird, kommt man nicht umhin zu erkennen, dass einem die Charaktere ziemlich wurscht sind - es sind Baukastenfiguren, eigenschafts- und identitätslos, fällt es schwer mit ihnen mitzufiebern. Die Routiniers Maria Bello ("The Cooler", "A History of Violence", "Payback") und Frank Grillo ("The Grey", "Captain America: Winter Soldier") machen aus ihren begrenzten Möglichkeiten noch das beste, während der durchaus nicht unsympathische Jung-Restcast - Cody Horn ("Magic Mike"), Dustin Milligan ("Shark Night 3D"), Megan Park ("Diary of the Dead"), Scott Mechlowicz ("Eurotrip", "Cat Run") überwiegend an den unterfütterten Charakteren verzweifelt (btw. den Asiaten, Aaron Yoo, mal wieder zum Technik-Whiz zu machen, ist doch auch irgendwie rassistisch, oder?).

Fazit: Kuckbarer, aber nicht sonderlich origineller Vertreter des neuen Mainstream-Grusels, technisch auf dem Stand der Zeit, solide inszeniert und mit ausnahmsweise mal ganz patentem Einsatz der Found-Footage-Segmente, der noch ein-zwei Rewrites hätte vertragen können, um aus den Figuren "Charaktere" zu machen. Wer Stoff wie "Conjuring" mag, wird sich hier sicherlich nicht langweilen, aber es gibt deutlich bessere neue Spukhausfilme...

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(c) 2015 Dr. Acula