Florence Foster Jenkins

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FLORENCE FOSTER JENKINS

Originaltitel: Florence Foster Jenkins

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Großbritannien/Frankreich 2016, 111 min, FSK o.A.
Regie: Stephen Frears
Darsteller: Meryl Streep (Florence Foster Jenkins), Hugh Grant (St. Clair Bayfield), Simon Helberg (Cosmé McMoon), Rebecca Ferguson (Kathleen), Nina Arianda (Agnes Stark), Stanley Townsend (Phineas Stark), Allan Corduner (John Totten), Christian McKay (Earl Wilson)

Inhalt: New York 1944. Millionenerbin Florence Foster Jenkins (nicht zu verwechseln mit Florence Griffith-Joyner oder Florence Nightingale) könnte ihr Leben im Luxus genießen, aber ihr schwebt anderes vor – sie will trotz jahrelanger Syphilis-Erkrankung Opernsängerin werden und glaubt fest, das Zeug dazu zu haben. Ihr Mann St. Clair Bayfield unterstützt sie in ihrem Vorhaben und fungiert als Manager. Madame Florence, früher als Wunderkind am Piano gefeiert, musste das Klavierspielen wegen einer Verletzung aufgeben und widmet sich voll und ganz dem Singen. Es gibt nur ein Problem: Sie hat nur einen geringen Stimmumfang, sie hat Probleme mit Intonation und Rhythmus und sucht sich überdies die schwersten Stücke für ihre Darbietungen aus. Bayfield schirmt sie von all der schlechten Kritik ab. lässt sie nur vor handverlesenem Publikum auftreten, besticht regelmäßig Journalisten und erteilt dem neu eingestellten Pianisten Cosmé McMoon das strikte Verbot, an ihren Fähigkeiten Zweifel zu äußern, um sie bloß nicht mit der bitteren Realität zu konfrontieren. Das klappt ganz gut bis Bayfield mal ein paar Tage außer Haus ist (er unterhält eine Affäre mit einer viel jüngeren Frau), denn Madame Florence wurde ohne sein Wissen bereits im Radio gespielt und will in der Carnegie Hall ein Konzert geben vor einer ganzen Menge von angetrunkenen Kriegsveteranen. Wird das Publikum Madame Florence' schräge Darbietung ernst nehmen oder wird es vor Lachen wiehernd am Boden liegen?

Der Film: Manche erinnern sich vielleicht noch an mein Uralt-Review zu Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen das FFJ auf Platz 5 meiner All-Time Topliste gehievt hat (und bei der ich immer noch nicht sicher bin, ob sie nicht doch die maximale Bier-Wertung bekommen soll, das ist damals letztendlich nur daran gescheitert, dass es mit heutigen Hörgewohnheiten schwer ist, sich in die 30er zurückzuversetzen, auch wenn Bushido mal gesagt hat „ich mach' Gang Bang und schick' euch in die 30er...“) und ich sage es ein für alle mal, wer an dem Thema Kult/Trash/„so bad it's good“ auch nur das fitzelkleinste Interesse hat, der kommt an dieser Dame nicht vorbei (und die Frau war bereits zu Lebzeiten schon als schräger Insider-Tipp bekannt). Klar kam natürlich wieder die Aussage „schlechteste Sängerin aller Zeiten“, aber das war sie genauso wie Ed Wood der schlechteste Regisseur aller Zeiten war. Klar konnte sie keinen ihrer Töne halten, ihre Pausensetzung ist abenteuerlich, ihr Rhythmusgefühl eine Katastrophe (besonders lustig ist es wenn ihr Pianist chancenlos ist, sein Tempo an sie anzupassen) und ja, die schwerste Stelle aus der Königin der Nacht (kommt im Film vor, wird aber nicht komplett ausgespielt) klingt nach nichts anderem als wie wenn man gerade ein Hühnchen köpfen würde ABER ich habe mich schon durch so viel Mega-Trash gekämpft, da kann mich eine FFJ natürlich nicht mehr schocken (probiert es mal mit Jürgen Milski, ein paar singenden österreichischen Politikern oder Fiko 51 wenn ihr mal RICHTIGE Überkacke hören wollt).

Es gibt im Prinzip nur zwei Möglichkeiten, entweder man liebt diese Frau oder man hat von ihr noch nie irgendwas gehört. Ich für meinen Teil bin natürlich absoluter Fan von der Dame, die mit Ed Wood so viel gemeinsam hat, dass man fast meinen könnte, die beiden wären irgendwie kosmologisch verbunden gewesen oder so (wäre ja ein riesen Zufall, hätte sich Ed Wood – der bekanntlich im WK2 gekämpft hat – sich unter den Veteranen in der Carnegie Hall befunden hätte, leider ist das nirgendwo belegt). Was haben wir also? Wie's der Doc mal ausgedrückt hat, beide brachten alles mit – außer Talent, wobei stimmt nicht ganz, es ist auch einen Haufen Anti-Talent mit dabei. FFJ war reich, sie hatte die Connections, gründete ihren eigenen Musikverein Verdi-Club (quasi ein früher Vorläufer der Glo Up Dinero Gang) sie liebte nichts mehr als Musik und glaubte sich als großer Star in die Geschichtsbücher einschreiben zu können, und siehe da das hat sie getan. Sie war absolute Enthusiastin und vollkommen von sich überzeugt und wenn sie ihr Ziel, dem Publikum Freude zu bringen definitiv nicht auf die Weise erreicht hat, wie sie es sich gewünscht hat, so konnte sie doch spielend einfach und mit einer Selbstverständlichkeit die ihresgleichen sucht ihr Publikum begeistern. Ihr Enthusiasmus und ihr ungebrochener Kampfgeist übertragen sich natürlich sofort auf den Zuhörer und da muss man als Trashologe einfach mitgehen. Man sehe auch das unsterbliche Zitat „die Leute können sagen ich kann nicht singen, aber sie können nicht sagen, ich hätte nicht gesungen“ – dieser Satz steht im real life auf ihrem Grabstein.

Der Film selbst betrachtet natürlich hauptsächlich ihren Lebensabend, von dem Moment an, wo sie ihren neuen Pianisten engagiert – der auch prompt von allen verfügbaren Schlägen getroffen wird – bis zu ihrem großen Konzert, wo sie erkennen muss, dass die Welt doch nicht so heil ist, wie sie es gern hätte. Wie der Ed-Wood-Film von Burton wird aber mit ihr respektvoll und behutsam umgegangen und sie wird eben gerade nicht als lächerliche Figur dargestellt. Gerade in der Konzert-Szene, wo das Publikum am Anfang sich vor Lachen wälzt aber dann am Ende trotzdem FFJ feiert, muss auch der Trashologe seine eigene Position bestimmen. Und gerade das ist es, was den Film so stark macht. Ist man derjenige, der sich einfach über sie lustig macht um sich selbst aufzuwerten oder feiert man sie, auch wenn man sie notfalls (wahrlich um die Realität wissend) in ihrem Glauben lassen muss, die Größte zu sein? Meine Position dürfte nach all den Jahren inzwischen klar geworden sein. Ich hasse es, über so was einfach nur zu lachen und lästern, nein das muss man genießen. Ich bin bekanntlich militanter Verfechter der Theorie, dass die größten Trashperlen sowieso nicht verarschbar sind sondern in ihrer Grandiosität einfach für sich stehen (müssen). Ich bin fest überzeugt, dass sich Macher genau dieser Problematik bewusst waren und gerade das macht es so gut.

Und noch eine andere Sache wird klar, und die zeigt der Film auch deutlich, wenn man zu viel über sie lacht, dann wird sie irgendwann aufhören und das will man ja nicht. Aber ich will auch nicht, dass sie weitermacht, nur damit ich was zu lachen habe (zumindest nicht in erster Linie), sondern man gönnt ihr den letzten großen Auftritt. Man wünscht ihr, groß rauszukommen und ihr Publikum zu finden, folglich lacht man immer MIT ihr und niemals GEGEN sie. Da steckt natürlich sehr viel von GOODBYE LENIN drin aber was soll's. Es hat mit ihr ohnehin nicht das schönste Ende genommen, einen Monat nach ihrem großen Konzert starb sie, angeblich aus Gram über die negativen Kritiken. Wie auch Ed Wood, den es noch schlimmer erwischte (er hatte nach seinem letzten Horror-Film NIGHT OF THE GHOULS noch 'ne lange Zeit zu leben und wurde schwerer Alkoholiker). Da wünscht man sich ein Happy End aber das gibt’s im richtigen Leben nicht. Und gerade deshalb ist so wichtig, die Figuren respektvoll zu behandeln. Der Film ist zwar 'ne Komödie, aber – noch eine große Stärke – die spaßigen Momente werden immer aus der Figur FFJ heraus entwickelt (ihr Gesang und die Reaktion ihres engsten Kreises), andere Gags gibt’s nicht. Natürlich dramatisiert der Film manchmal über (so hat sich Bayfield nie von seiner Affäre getrennt), aber es passt in FFJs Figur hinein. Und es gibt viele dramatische Momente, ohne dass diese überbestimmend werden.

Klar kann man natürlich immer sagen, man hätte sich noch dieses oder jenes gewünscht aber da bin ich immer vorsichtig, denn uns Kritikern kann man's ja nie rechtmachen. Was ein bisschen fehlt ist FFJs Aussage, sie könne jetzt ein höheres F singen (gegenüber einem Autofahrer, mit dem sie in einen Unfall geraten ist), aber irgendwas ist ja immer. Vom technischen Standpunkt lässt sich auch nicht stark meckern. Die Kulissen sind allesamt glaubhaft, auch wenn die Imdb ein paar Anachronismen vermeldet, aber die kommen in jedem Historienfilm irgendwo vor, Man will gar nicht glauben, dass der Film nur schlappe 19 Millionen Dollar gekostet haben soll.

Das führt zu den Schauspielern und da kann ich nur sagen Meryl Streep spielt absolut brillant. Sie verkörpert FFJ nicht, sie IST sie, man vergisst stellenweise, dass man einen Film sieht. Dazu kommt dass Streep alles selbst eingesungen hat (!) und dafür gibt’s ein ganz großes Kompliment von mir (ironischerweise ist sie in realiter 'ne gute Sängerin). Ich dachte immer, FFJ ist nicht kopierbar aber was Streep abliefert, ist phänomenal und stellenweise von den Original-Aufnahmen kaum zu unterscheiden. Wenn die Frau nicht schon so viele davon gewonnen hätte würde ich sagen, gebt der Frau den Oscar, aber sofort. Hugh Grant überzeugt ebenfalls als ihr Mann. Ich bin normalerweise nicht unbedingt der allergrößte Grant-Fan, aber er ist ein hervorragender Schauspieler, passt exzellent in die Rolle und kann den Film tragen, wenn Streep nicht im Bild ist. Er hatte die Schauspielerei quasi schon an den Nagel gehängt und hat sich dafür aber noch mal breitschlagen lassen. Simon Helberg, bekannt aus der BIG BANG THEORY leistet hervorragende Arbeit als Pianist und sorgt für viele komische Momente. Manche Nebendarsteller fand ich bei der ersten Ansicht nicht sooo toll (z.B. die Blonde), aber damit kann man leben. Stephen Frears' Regie (THE GRIFTERS, THE QUEEN) lässt sich sehen und der Film hält seine lockere, manchmal sogar leicht traumhafte Atmosphäre und ist erstaunlich kurzweilig.

Fazit: Normalerweise würde ich sagen, um den Film adäquat würdigen zu können, muss man schon etwas mehr Interesse an der Materie aufbringen aber wir sind hier auf Badmovies.de und damit entfällt diese Ausrede schon mal grundsätzlich. Jeder, der sich nur irgendwie für das Thema Trash erwärmen kann, MUSS diesen Film sehen (auch wenn das bedeutet, dass ihr einen Film ohne Altersbegrenzung glotzen müsst, die Amis haben dem Ding tatsächlich unfassbarerweise PG-13 verpasst). Wie ED WOOD wurde mit der Figur behutsam und respektvoll umgegangen und mit einem hervorragenden Cast inszeniert. Ich hoffe bloß, der Film wird nicht zu sehr floppen, deshalb geht alle schön ins Kino und kauft die BluRays, damit es sich für die Macher auch rentiert. Der Film mag vielleicht im Detail kleinere Schwächen haben, das mag ich erst abschließend beurteilen, wenn ich ihn öfters gesehen habe, nicht unbedingt direkt aus dem Kino. Wertungstechnisch liegt das wohl zwischen vier und fünf Scheiben, mit BM-Bonus gibt’s natürlich die volle Punktzahl, will sagen: Schnell reingehen, lange läuft der bestimmt nicht mehr!

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(c) 2016 Diamond Bentley

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