Halloween II (2009)

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Originaltitel: HALLOWEEN II
Alternativtitel: ROB ZOMBIES HALLOWEEN II, H2: HALLOWEEN II

USA 2009, 119 min (Director’s Cut), FSK 18 (Keine Jugendfreigabe)

Halloween II

Credits

Cast:

Malcolm McDowell (Doktor Loomis)
Tyler Mane (Michael Myers)
Scout Taylor-Compton (Laurie Strode)
Brad Dourif (Sheriff Lee Brackett)
Danielle Harris (Annie Brackett)
Brea Grant (Mya Rockwell)
Angela Trimbur (Harley David)
Diana Ayala Goldner (Jane Salvador)
Chase Vanek (Junger Michael Myers)
Nancy McDonald (Mary Birdsong)
Dayton Callie (Coroner Hooks)
Richard Brake (Gary Scott)
Howard Hesseman (Onkel Meat)
Margot Kidder (Barbara Collier)
Weird Al Yankovic (Weird Al Yankovic)
Jessy Dayton (Captain Clegg)
Sheri Moon Zombie (Deborah Myers)

Crew:

Regie: Rob Zombie
Musik: Tyler Bates
Special Make-Up Effects: Wayne Thoth
Schnitt: Glenn Garland
Produzenten: Malek Akkad, Andy Gould und Rob Zombie
Produktion: Dimension Films


Vorwort

HALLOWEEN – das lässt einen doch an einiges denken. Zum Beispiel an eine Power Metal Band, die aus Angst vor den anstehenden „Grüsse an Wien“-Witzeleien, ihren Namen falsch schreiben. Andere wiederum denken an St. Samhains Tag, an maskierte Kinder, Äpfel und Rasierklingen. Oder der alterehrwürdigen Tradition, Kriegsgefangene in Weidenkörben zu verbrennen, um aus ihren Todesschreien die anstehenden Lottozahlen, den Verlauf des DAX-Index und die Resultate der Bundesliga herauszulesen (ein Tradition, die im Übrigen in den letzten paar Jahren sträflich vernachlässigt wurde).

Der geneigten Leser dieser Zeilen wird wahrscheinlich eher an Zweierlei denken: John Carpenters Klassiker, ohne den es Serien wie FREITAG DER 13, A NIGHTMARE ON ELMSTREET und eine Zillion ähnlicher Streifen (wahrscheinlich) nie gegeben hätte – und eine Franchise, die seit 20 Jahre kontinuierlich den Bach runtergeht. Gewiss, zu 98.0573 Prozent sind Sequels Fäkalien und bei Remakes ist die Zahl sogar noch ein bisschen höher, aber sehen wir uns zuerst die traurige Bilanz an:

  • 1978 HALLOWEEN – Die Nacht des Grauens, inspiriert von Alfred Hitchcocks PSYCHO, war der Urvater des Slasherfilme schlechthin.
  • 1981 HALLOWEEN II – Das Grauen kehrt zurück war passabel und Jamie Lee Curtis wie immer einer Bereicherung (wenn man den androgynen Typ mag).
  • 1982 HALLOWEEN III hatte mit dem Original nichts, ja, rein gar nichts zu tun.
  • 1988 HALLOWEEN IV – Michael Myers kehrt zurück war mies, 1989 war HALLOWEEN V – Die Rache des Michael Myers noch schlechter und 1995 HALLOWEEN VI – Der Fluch des Michael Myers filmischer Abschaum. [Halloween IV ist toll, du Drecksack – Gregor.]
  • 1998 HALLOWEEN H20 sah die Rückkehr von Jamie Lee Curtis, wurde aber trotzdem eine Farce, die an Schlechtigkeit nur von einem getoppt wurde: HALLOWEEN: Ressurection, Anno Domini 2002.

2007 lag das Schicksal der Serie in den klobigen Händen eines Mannes, der alles richten sollte: Rob Zombie, ein „Fans Fan“, der sich in dem Metier auskannte und mit HAUS DER 1,000 LEICHEN und THE DEVIL’S REJECT überzeugen konnte [Typisch. Halloween IV verschmähen, aber die Kackfilme gutfinden – Gregor]. Die Produktion hatte den Segen von John Carpenter persönlich und die Erwartungen waren hoch – zu hoch, den Zombies „Psycho-Studie“ war eine halbseidene Angelegenheit. Dem Fan schwante wenig Gutes, als 2009 der zweite Teil auf der Kinoleinwand flimmerte.

Also los, Rob, erzähl uns was vom Pferd …


Inhalt

… denn mit einem Pferd beginnt unsere Story: einen weißen Gaul, um genau zu sein, der sich wie ein roter, ähm, weißer Faden durch die gesamte Geschichte ziehen soll. Rückblende: Mutter Deborah Myers (leider wieder Sheri Moon Zombie) besucht ihren mordlustigen Filius Michael (Chase Vanek) in der Klapse. Der spielt mit einem Plastikpferd und erzählt seiner Erzeugerin von einem Traum, in dem ihn seine Mutter als „wunderschöner weißer Geist“ aus der Lach- und Schreiakademie rausholen würde.


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Eine schrecklich nette Familie …


15 Jahre später, also kurz nach Ende des ersten Teils: Sheriff Brackett (Brad Dourif) und seine Hilfspolizisten sind immer noch damit beschäftigt, die Überbleibsel von Michaels Blutbad einzusammeln. Michaels Schwester und designiertes Opfer Laurie (Scout Taylor-Compton) wird schwer verletzt zum Krankenhaus verfrachtet und notdürftig zusammengeflickt.
Der (vermeintlich) tote Massenmörder wird zeitgleich von den perversen Krankenfahrern Hooks und Gary (Richard Brake, dessen fiese Visage mancher noch aus BATMAN BEGINS und HANNIBAL RISING kennen wird) fortgeschleppt. Während der Fahrt flachsen sie über die Vorzüge der Nekrophilie und übersehen dabei eine auf der Strasse grasende Kuh. Mit Karacho rammen sie das Milchvieh. Kuh, Hooks und Vehikel sind sofort hin, aber Gary hat ein wenig Glück und bleibt Blut spuckend in den Überresten eingeklemmt. Ein wenig, wohlgemerkt, denn – hat es schon jemand geahnt? – Michael ist inzwischen schon wieder Wohlauf, entklettert dem Wrack und entleibt Gary mit einer Glasscherbe. Dann tauchen die geistergleiche Mama und ein ebenso blasses Ross auf und selig zieht die schrecklich nette Familie von dannen.


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Von Michael Myers geköpft, von Hannibal in HANNIBAL RISING gefressen und
von Christian Bale in BATMAN BEGINS (beinahe) erschossen.
Eine Visage, die es wert ist, gemeuchelt zu werden.


Laurie, schwer lädiert, die gebrochene Haxe im Gips, erwacht zum ‚symbolträchtigem’ Gedudel des „Moody Blues“-Hits „Nights in White Satin“. Auf der Suche nach ihrer Freundin Annie (Danielle Harris) wandert sie durch ein menschenleeres Krankenhaus. Mit Hilfe einer jovialen Krankenschwester findet sie diese auch gleich; Annie hat Michaels Angriff zwar überlebt, kann nächsten Halloween allerdings als „Chuckie, die Mörderpuppe“ gehen, ohne viel für Make-up blechen zu müssen. Da taucht Michael auch schon auf, therapiert die Krankenschwester mit einer Küchenmesserakupunktur vom Leben zum Tode und jagt Laurie durch das Spital.

Über die Bioabfallabteilung, wo Kadaver und Körperteile gestapelt werden (bekanntlich steht es ja mit dem US-amerikanischen Gesundheitssystem nicht zum Besten) kann Laurie entkommen und sucht Hilfe beim Teddybär-artigem Nachtwächter Buddy. Ein jeder Slasherfan, der sein Pulver wert ist, weiß natürlich dass Nachtwächter und Teddybär-artige Menschen namens Buddy dem Tod geweiht sind. In Fall Buddy kommt dieser durch einen hinterrücks erfolgten Axthieb. Dann macht Michael sich daran, die Wachmannskabine auseinander zu nehmen, dass es dem Unterbewusstseinguru Siegmund Freud eine Freude gewesen wäre. Ja, und dann …


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Sage noch einer, dass Rob Zombie keine halben Sachen macht …


… beginnt HALLOWEEN II: Laurie erwacht schreiend; alles war nur ein Traum. [Rob Zombie muss sterben – Gregor.] Zwei Jahre sind seit dem Gemetzel vergangen und Laurie ist zu einem Zwitterwesen aus dreadlockigem Emo-Gör und käsegesichtiger Teenie-Rockerbraut mutiert; vegan, Psychopillen schluckend, bei Sheriff Brackett und der gezeichneten Annie wohnend.

Die Hütte ist ein einziger Saustall und mit Charles-Manson-Konterfeis zugepflastert; die Wände mit umgedrehten Kruzifixen und „Fuck You“ Graffiti verziert – just, wie aus dem feuchte Traum eines infantilen Headbangers. Wir ahnen es bereit: HALLOWEEN spielt in Rob Zombies privaten Paralleluniversum, das ausschließlich von Metalheads, Freaks und Asozialen (im amerikanischen Volksmund „Trailer Trash“) bevölkert wird. Wo die Ordnungshüter wie Penner wirken (man beachte Brad Dourifs fiesen Pferdeschwanz und schmierigen Backenbart) und die Durchgeknallten Kiddies die Welt regieren.

Es folgt ein kurzer Besuch bei Lauries Psychotherapeutin Barbara Collier (Margot Kidder); sie Szene ist kurz, wirkt aber recht lange weil a) sinnlos und b) nervig. Taylor-Compton stellt ihr nichtexistentes Schauspielertalent zur Schau, sprich: sie zetert, jammert, plärrt und schneidet Grimassen, dass, zumindest dem männlichen Publikum, bald die Schuhe schwitzen. Nach der Triade erkundigt sich Laurie nach dem Rorschachmotiv an der Wand. Dies könne man interpretieren, so Dr. Collier und Laurie sieht … trommelwirbel … weiße Gäule. (Wie gesagt: ist interpretierbar. Persönlich sah ich ein paar weißer, cremigen Frauenbrüsten, die Nippel wollüstig erigiert und … die Redaktion behält es sich hier vor, im Sinne des Jugendschutzes, die geistigen Ejakulationen des Autoren um zirka 50 Zeilen zu kürzen).


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„Doch, doch – das sind ein paar weiße Titten auf schwarzen Hintergrund …
oder siehst DU was anderes?!“


Schnitt zu Dr. Loomis (Malcolm McDowell), der sich zum Klang von Mozarts Evergreen „Eine Kleine Nachtmusik“ auf die Pressekonferenz zu seinem neuen Bestsellers „The Devil Walks Among Us“ vorbereitet. Er sei jetzt „der neue Loomis“, tönt Loomis und stellt dies auch gleich unter Beweis: Loomis 2.0 ist ein Gottesgeschenk an alle Proktologen, ein Mensch für den das Wort „Arschloch“ praktisch erfunden wurde.


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„Himmelarschundzwirn! Das ist das falsche Bild!
Das ist der alte McDowell – ich bin der neue McDowell“,
mosert der werte Doktor.
@ 1971 Stanley Kubrick


Zurück zu Laurie, die zur Arbeit im Hippieladen „Uncle Meat’s Java House“ kommt – wenn man das Rumhängen mit ihren Freundinnen Mya (Brea Grant), Harley (Angela Trimbur) und dem Ladeninhaber Uncle Meat Arbeit nennen darf. Der Onkel ist scheinbar Weltrekordhalter im Bestätigen aller Hippiestereotypen, Mya ein Emo-Mädel aus dem Textbuch und Harley mimt den männermordenden Freigeist (oder das, was man in Haddonfield als „Dorfmatratze“ bezeichnet). Man (oder besser frau) bereiten sich geistig auf die anstehende Halloweenfete vor.

Zurück zu Loomis, der inzwischen voll in Fahrt gekommen ist und versucht, sein Buch an den Mann, beziehungsweise, an die Presse zu huren. Er erzählt ihnen was vom Oedipuskomplex, dass er Michael Myers letzte Vaterfigur gewesen sei und so Schweinereien, rastet aber aus, als ihn ein Reporter (zu Recht) bezichtigt, vom Tod der 15 Opfer profitiert zu haben.

Zur selben Zeit wankt Michael Myers durch die Pampa und legt sich mit einer Hillbilly-Familie an (ob Vater, Sohn und Tochter oder nur verschwägert ist nicht klar, in diesen Teilen der Welt aber sowieso „arbiträr“, um es salopp auszudrücken). Ganz klar, das Trio muss ins Gras beißen (und der Köter endet als „Flohsack nature“ auf Michaels Speisekarte). Danach träumt er einen seltsamen Traum; wirres, symbolschwangeres Zeug mit Maskentragenden Zwergen an einem Bankett, dass scheinbar aus Tim Burtons Fieberträumen stammt.


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Der Muscheleintopf ist Tim Burton offensichtlich schlecht bekommen …
und das, was sich des Nachts in einem Eimer angesammelt hat, hat Rob Zombie recycelt.


Laurie träumt ebenfalls – ein Albtraum, in dem sie sich Michaels ursprüngliche Clownsmaske überstreift und Annie die Kehle aufschlitzt. Es folgt mehr Jammerei beim Psychiater …

Michael macht sich auf den Weg zur ehemaligen Wirkungsstätte seiner Mutter: ein Striplokal namens „Rabbits in Red“, das vom schmierigen Big Lou geführt wird und Profit aus Deborah Myers morbiden Vergangenheit macht. Drinnen hat Big Lou schlechte Laune und schickt sein Faktotum Howard, er solle gefälligst den Müll raus bringen. Howard tut wie ihm geheißen, aber sein Mütchen ist im Keller. Wie gut für Howard, dass vor der Tür ein Tippelbruder steht, an dem man sich abreagieren kann. Schlecht für Howard: der Tippelbruder ist natürlich niemand andere als Michael Myers, der anscheinend gar nicht happy damit ist, dass mit dem guten Namen seiner Mama Schindluder getrieben wird. Der bedankt sich für Howards Freundlichkeit und stampft dessen Birne in den Boden.


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„Vater und Mutter sollst du Ehren“, spricht der Volksmund,
„auch wenn die Frau Mama für Rotgeld und ne halbe Salami strippt“.


Nicht besser ergeht es Big Lou und seiner Gespielin, die Michael – in einer der effektivsten Szenen des Films – allesamt über die Tapeten des fragwürdigen Etablissements verteilt. Mit seinem Werk zufrieden, macht sich Michael auf den Weg und findet erneut etwas, das seinen Unmut erweckt: ein riesiges Poster, dass Dr. Loomis’ Werk anpreist.

Loomis immer noch damit beschäftigt, Bücher zu signieren, macht aber schlechte Erfahrungen mit einem vermeintlichen Fan, dessen Tochter von Michael ermordet wurde und der sich über das Buch pikiert (und Loomis mit einer Knarre ans Leder will).

Laurie jammert inzwischen weiter: beim Stiefpapa, bei ihrer Stiefschwester, bei ihren Freundinnen, etc (und ich muss gestehen, dass ich bei dem Rotz- und Wassersturzfall den Faden verloren habe und derweil irgendein zynisches SMS verfasst habe).


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„Teenie on the verge of a hormonal breakdown“.
Klar ist HALLOWEEN Horror, aber das sind pubertierende, flennende Mädels ja auch.


Loomis tritt in einer Talkshow auf und streitet sich mit Weird Al Yankovic. Warum und wieso? Fragt doch den Regisseur. [Zombie hätte auch einen Film ohne Weird Al drehen können. Willst du das? WILLST DU DAS? – Gregor.]


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„Früher ein gefeierter Thespier, Kubrick et al, und heute muss man mit Weird Al in einem
Rob-Zombie-Stänkerkäse auftreten. Any regrets, Mr. McDowell?“


In Haddonfield feiert die Jugend; Laurie, Mya und Harley haben sich in Schale geworfen, und legen, als Frank N. Furter (Harley, wer sonst), Magenta (Laurie) und Columbia (Mya) ein flottes Tanzbein auf die Bühne. Eine Psychobilly-Gruppe spielt drei, vier Songs und der Frontmann reißt ein paar lahme Witzchen (Gregor, diesmal komme ich dir zuvor: Willkommen im Club [Irgendwie krieg ich dich schon noch – Gregor]). Die Zuschauer sind inzwischen fast schon überzeugt, im falschem Film, beziehungsweise Konzertvideo zu sein.


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Wir befinden uns NICHT im falschen Film … ursprünglich sollten James Bond, die Avengers und Roger Rabbit einen Gastauftritt haben;
dank physischer Gewalt konnte Regisseur Zombie jedoch daran gehindert werden.


Harley krallt sich einen Furry im Wolfskostüm und liefert eine magere Sexszene auf den Hintersitz eines Pickup-Trucks. Wieder tritt das kleine Einmaleins des Slasherfilms in Kraft: fummelnde Teenies in Autohintersitzen kommen IMMER dran und so sind Harley und der Furry (oder heißt es „das Furry“?) schnell Geschichte.

Dann kommt Annie, die (trotz Chucky-Visage) die Festivitäten nicht besucht und sich ein Bad einlässt, an die Reihe: aus Schaumbad mach Blutbad. Als Mya dann auch noch Blut lassen muss, brennen bei Laurie endgültig die Sicherungen durch. Sie verfolgt Michael, wird aber (wem wundert’s) von ihm überwältigt und in dessen Unterschlupf, einem ausgedienten Pferdestall, verschleppt.

Nun erscheinen Sheriff Brackett, seine Polizeihunde und Dr. Loomis wie aus dem Nichts. Loomis hat bei seinem letzten Fernsehauftritt einen Moralischen bekommen und versucht nun Michael ins Gewissen zu reden. Das funktioniert aber bei den wenigsten Psychopathen (die bekanntlich das Gewissen nur vom Hörensagen kennen). Es kommt zum blutigen Showdown und zur kuriosesten Szene, die der Film (beziehungsweise, der Director’s Cut) zu bieten hat: Michael Myers hält einen Monolog! Na ja, vielleicht nicht unbedingt einen Monolog, aber doch ein einziges Wort. „Stirb“, schreit der Irre und rammt Dr. Loomis ein Jagdmesser zwischen die Rippen – und wird prompt von der wartenden Polizei abgeknallt.


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Für Michael hat sich’s ausgerübezahlt,
und auch für den Zuschauer hat das Leiden (fast) ein Ende.


Laurie erhebt sich, schnappt sich Michaels Messer und nähert sich Dr. Loomis, um diesen (augenscheinlich) den Garaus zu machen. Aber bevor sie das Messer überhaupt heben kann, haben die Sheriffs die Faxen endgültig Dicke. Trotz Brecketts heftigen Protest, bescheren sie Laurie auch einen Bleiregen. In effekt- und pathosreicher (Vorsicht: Sarkasmus) Zeitlupeneinstellung kippt das weinerliche Balg nach hinten.

Da liegen sie nun in der Gegend rum: Michael tot, Loomis tot, Laurie tot … halt, Laurie ist mitnichten hinüber. Zu dem Klängen von „Love Hurts“ (gecovert von Nan Vernons, Tochter der Trash-Ikone John Vernon, die schon „Mr. Sandman“ im HALLOWEEN-Remake eingesäuselt hat) hockt sie in der nächsten Szene in einer Gummizelle (natürlich weiß), grinst debil vor sich hin – und schon wieder traben sie herbei, die weiße Schindmäre und Rob Zombies Stute …


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THE END



Analyse

… und plötzlich scheint dem Slasher-Veteranen das Ende von HIGH TENSION (2003) gar nicht mehr so dümmlich, wie es in Wirklichkeit war. [Ich stimme dir zu und das bereitet mir Sorgen – Gregor.]

Zombie, oh Zombie, was hast du hier bloß angerichtet? Irgendwas muss er da falsch verstanden haben, der Zombie, als man ihn bat der ausgelutschten HALLOWEEN-Franchise frisches Blut einzupumpen. Wir können nur spekulieren, aber vermutlich hat er etwas gehört im Sinn von: „Mach se kaputt, die Serie! Mach falsch was man falsch machen kann (und vergiss nicht, deinem unendlich untalentierten Weib eine größere Rolle einzuräumen).“

Es liegt wohl weniger an Zombies technischen Können, denn mit HAUS DER 1000 LEICHEN hat er ja bewissen, dass er es kann [nein, hat er nicht – Gregor], und mit THE DEVIL’S REJECTS wurde eine amtlicher Bastard aus TEXAS CHAINSAW MASSACRE und EASY RIDER abgeliefert. Nein, das Problem scheint psychologischer Natur: Robert Wolfgang Zombie ist ein eingefleischter Headbanger, also spielt der Film in einem von Headbangern bevölkerten Universum. Schlechte Kindheit in einem Jahrmarkt (in den USA spricht man abfällig von „Carnys“) gehabt und die Mutter, Quellen zulaute, hat die Hüllen für Rotgeld fallen gelassen – also ist Michael Myers ein Trailertrashkind und die Mama ne Stripperin. Rob Zombie misst knapp zwei Meter, ein langhaariges Metal-Vieh mit Karl Marx Sauerkohl – dreimal dürft ihr raten, wie Michael Myers hier aussieht. Etc, etc, etc.


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„Gewisse Affinitäten sind natürlich unbeabsichtigt und rein zufällig,
dafür lege ich Rob Zombies Hände ins Feuer.


Die Professoren an den Filmschulen dieser Welt werden nicht müde, ihren Studenten einzubläuen: Filmproduktionen sind keine Psychotherapie und ein Filmset keine Couch, aber scheinbar hat Zombie diese Klasse geschwänzt.

Das frühe 21ste Jahrhundert war generell keine gute Zeit für die Filmserienmörder: der neue Jason Vorheers ist ein inzuchtgeschädigter Hinterwäldler und Freddy Krueger ein Zwerg, der an die Vogelscheuche aus DER ZAUBERER VON OZ erinnert. Aber schlümmer geht ümmer: Michael Myers 2.0 ähnelt einem Clochard mit Rübezahlbart, der wie Falschgeld durch die Gegend latscht, grunzt, ab und zu einen Unsympathen absticht ... und dann weiterlatscht.

Wie schon im ersten Teil wird Michael Myers von Filmhünen Tyler Mane verkörpert. Mane wird der eine oder andere noch aus X-MEN, wo er Wolverines Kontrahent Sabretooth spielte, kennen. Für X-MEN ORIGIN: WOLVERINE musste Mane passen; zu begrenzt waren seine schauspielerischen Fähigkeiten. Würde eigentlich für einen Michael Myers in Ordnung gehen, aber ohne die ikonische William-‚The Shat’-Shatner-Maske bleibt unterm Strich halt nur ein Zweimeterpenner mit Rauschebart.

Scout Taylor-Compton mimt zum zweiten Mal die Laurie Strode und hat mit Jamie Lee Curtis nur eines gemeinsam: besagte Androgynität. Der Rest der „Performance“ besteht aus Geschrei, pubertärem Gequengele und Genöle, dass man der Kleinen schon nach wenigen Minuten am liebsten eine Socke in den Rachen stopfen möchte. Man fühlt sich sofort an SAT1/RTL-Talkshows, die den Alltag von Berufsarbeitslosen versüßen, erinnert: lästiges, überlautes Gezeter, Unflat und Nörgelei bis der Tinnitus klingelt.

Was sollen wir Kultakteur Malcolm McDowell wünschen? Dass er in einer Flut aus Goldenen Razzies ersäuft? Zu milde. Dass ihn eine Truppe Droogs windelweich prügeln? Nicht Strafe genug. Dass er das CALIGULA-Review fünfhundertmal auf einer Kreidetafel abschreiben muss? Nun, wir wollen es nicht übertreiben. Es ist natürlich keine Entschuldigung, aber das Skript gibt McDowell nicht viel mit dem er arbeiten könnte. So rattert er halt den typischen McDowell’schen Unsympathikus runter; in anderen Worten: er spielt sich selbst (und bleibt trotzdem der Champion, wenn es darum geht, dreckige alte Sumkas mit riesigen Plastikpenii zu erschlagen).

Margot Kidder (SUPERMANs Hauptkonkubine Lois Lane) hat zwei kleine Auftritte als Lauries Psychotante; die Auftritte fügen der Geschichte aber nicht viel bei; vielleicht hat sie die Kohle ja gebraucht. Noch sinnfreier ist der Gastauftritt von ‚Weird’ Al Yankovic, hauptberuflicher Verarscher von Hitparadenliedgut und hierzulande wahrscheinlich am ehesten durch seine „Nirvana“-Parody „Smells like Nirvana“ bekannt. Hat ihm Film natürlich auch nichts zu suchen, ist aber Zombies Busenfreund und wollte wohl auch mal in einem HALLOWEEN Film mitspielen.

Und dann wäre da noch Danielle Harris, die im zartem Kindesalter schon zweimal die Michael-Myers-Nichte Jamie (nämlich in HALLOWEEN 4 und 5) spielte, was fast schon einen Bonuspunkt wert wäre. Fast.

Die gute Nachricht: wegen eines hormonbedingten Wachstumsschubs stand Daeg Faerch nicht zur Verfügung. Die unsägliche Grimassenschneiderei des Bengels die, meines werten Erachtens nach, zu 30 Prozent daran schuld war, dass das erste HALLOWEEN-Remake ein Rohrkrepierer wurde, bleibt uns also erspart.
Die schlechte Nachricht: Ersatz Chase Vanek ist ein ebenso miserabler Schauspieler.

Reden wir vom Soundtrack. „TAH-da, TAH-da, THA-Dadada“. „Halloween-Theme by John Carpenter“, belehren uns die Credits. Aber, nix isses mit „TAH-da, TAH-da, THA-Dadada“ (zumindest nicht bis zum Ende der Credits, aber da dürften die Zuschauer schon fluchtartig den Kinosaal verlassen haben). Wie schon im ersten Teil hat Zombie den Soundtrack wahrscheinlich direkt aus seinem MP3-Spieler gezogen, heißt: Mucke von MC5, Lynyrd Skynyrd, Motörhead, Diamond Head, Bad Brains, schlicht das, was man von einem Rock-&-Heavy-Metal-Fan erwarten würde.

Das mag wohl alles noch angehen, aber Psychobilly, das setzt der Farce die Krone auf. [Was denn? Wenigstens ein BISSCHEN gute Musik hier – Gregor.] Jeder der schon mal das Pech hatte, sich auf ein Psychobilly-Konzert zu verirren, wird es kennen: alternder Bassist krabbelt auf ein riesiges Kontrabass, zupft willkürlich an den Saiten, schneidet Grimassen und wenn er von seinem Instrument runter fällt, ist das Konzert zu Ende. [Mit anderen Worten: Grosse Kunst – Gregor.] Man kann mit Fug und Recht sagen: Sounddreck! Was Zombie dazu bewegt haben mag, diese unselige Combo, die es nicht wert ist hier genannt zu werden, zum Set zu holen – auch hier wissen wir nicht Genaues, müssen aber mutmaßen dass es damit zu tun hatte, dass er das nächste Album jener Band produziert.

Wir wollen dem Regisseur nichts Schlechtes wünschen (zum Beispiel, dass ihn ein enttäuschter HALLOWEEN-Fan aufsucht und Michael Myers finalen Monolog „rezitiert“). Nun ja, vielleicht ein wenig Schlechtes, zum Beispiel dass eine Crabcore-, Visual Kai- oder Deutsh-Rap-Combo die Lieder aus „White Zombies“ musikalisches Meisterwerk „La Sexorcisto: Devil Music, Vol.1“ verhunzt. Na Rob, wie würde dir das schmecken?

Endgültiges Fazit: zu alldem Schlechten das man über die HALLOWEEN sagen kann, Zombie hat es geschafft, der Franchise eine neue Facette beizufügen: Peinlichkeit.

Die (mutmaßlich) schlechteste Nachricht ganz zum Schluss: die Produktion zu HALLOWEEN III (es wird auch gemunkelt: HALLOWEEN 3-D) scheint in trockenen Tüchern zu liegen und obwohl Rob Zombie nicht mit an Bord, lässt die Vita des designierten Regisseurs Patrick Lussier Böses ahnen. Ich sage nur: DRACULA 2000, DRACULA II – ASCENSION und DRACULA III – LEGACY.


THOR

© 2012 Thorsten Atzmueller



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