Headless Body in topless Bar
Aus Badmovies.de
Regie: James Bruce
Darsteller: Raymond J. Barry ("The Man"), Jennifer MacDonald
(Candy), David Selby (Lumpkin), Paul Williams (Carl), Rustam
Branaman (Vic), Taylor Nichols (Danny)
Dienstag um Mitternacht, nix los in Manhatten - auch nicht in der
kleinen bedeutungslosen Oben-Ohne-Bar, in der Stripperin Candy das
nicht gerade zahlreiche Publikum bei Laune hält. Da ist Carl, der
Stammgast im Rollstuhl, Lumpkin, der Firmenanwalt, der vor der
Heimreise noch ein wenig Abwechslung sucht, und die Eishockey-Fans
Vic und Danny, die nach dem Islanders-Spiel noch ein wenig Party
machen wollen. Eine eher trübe Ansammlung, doch Stimmung wird
gleich aufkommen, allerdings anders als gedacht. Der fünfte Gast
ist nämlich ein kriminelles Subjekt - der geplante simple
Raubüberfall gerät außer Kontrolle, als er eher versehentlich den
Barkeeper erschießt. Guter Rat ist für den Gangster teuer, aber
nicht unbezahlbar. Er nimmt Gäste und Stripperin als Geiseln und
schließt den Laden zu. Zunächst sieht's so aus, als wollte er sich
nur in Ruhe Gedanken machen, wie er aus der Sache ohne fatale
Konsequenzen wieder rauskommt, aber schnell entwickelt sich die
klaustrophobische Situation zu einem bizarren Psychospielchen,
indem der launische Räuber seine Geiseln mit ihren vergrabenen und
verdrängten Geheimnissen konfrontiert...
Der Film: Dass manche Filme ihre Anregungen aus Schlagzeilen der
Medien gewinnen, ist nichts weltbewegend neues. Manchmal dauert es
von Schlagzeile bis Film aber etwas länger. 1983 machte die New
York Post mit der Headline "Headless Body in Topless Bar" (dies
auch der Originaltitel des Films) auf - und schon zwölf Jahre
später realisierten Regisseur James Bruce und Autor Peter Koper den
passenden Film dazu, der die tatsächlichen Geschehnisse (seinerzeit
hatte tatsächlich ein Raubmörder ein paar Stripperinnen in einem
Oben-Ohne-Schuppen als Geisel genommen und sein Mordopfer von einer
seiner Geiseln posthum köpfen lassen, um die Rübe der
beweisträchtigen Kugel wegen mitzunehmen) als Aufhänger für eine
seltsame Mixtur aus psychologischem Kammerspiel, Thriller und
schwarzer Komödie nutzt.
Aktionsgeladen ist der Film nicht - er benützt genau ein Set und
läuft zudem in Echtzeit ab. Angesichts dieser Voraussetzungen muss
man sich nicht wundern, dass der Streifen ausgesprochen
dialoglastig ist; es wird quasi hundert Minuten durchgängig
gelabert, wer vor derartigen Wortschwällen also eher abgeschreckt
wird, sollte diesen Film meiden. Wer sich aber darauf einlässt,
wird durchaus belohnt - "Ans Messer geliefert" ist nicht
hundertprozentig geglückt und nicht alles scheint immer
psychologisch sicher fundiert, aber keinesfalls uninteressant. Klar
ist jedenfalls, dass Bruce und Koper die vordergründige
Thrillersituation wesentlich weniger interessiert als z.B. Rolfe
Kanefsky im ähnlich gelagerten Videotheken-Drama "After Midnight"
(ein Film, der sich ebenfalls auf eine Location und einen sehr
straffen Zeitablauf als Vergleich aufdrängt). Dem
Regie-/Drehbuchteam geht es hauptsächlich um die psychologischen
Implikationen. Der Räuber (übrigens einfach nur als "The Man"
bezeichnet) schickt seine Geiseln in ihre tiefsten seelischen
Abgründe und entlarvt die scheinbar "normalen" Menschen - der
vergleichsweise fröhliche Carl zerbricht innerlich an seiner
Krankheit, Lumpkin flüchtet sich in sexuelle Abartigkeiten, Vic,
der mit dem Räuber bis an die Grenze der Aufdringlichkeit
kooperiert, ist ein Totalversage (und ich könnte noch mehr
spoilern, wenn ich wollte, lege mir aber freiwillie
Selbstbeschränkung auf). Die Geiseln werden vom "Man" mit ihren
inneren Dämonen konfrontiert und dazu gezwungen, einen
Seelen-Striptease (und manchmal auch auch etwas weitergehend)
hinzulegen. Obwohl die Charaktere durch die Bank gerade durch ihre
intimen Geständnisse nicht immer sympathisch wirken, entbehrt das
nicht einer gewissen Faszination, auch weil die Dialoge teilweise
ausgezeichnet sind (es schadet sicher auch nicht, dass der "Man"
mit der deutschen Stimme von Robert de Niro spricht). Das macht den
Streifen trotz seines Verzichts auf vordergründige Action ziemlich
spannend, wenngleich die Auflösung etwas unbefriedigend
erscheint.
Es ist nicht einfach, einen Film, der nur eine Location hat,
visuell interessant zu gestalten. James Bruce ("The Girl Gets Moe"
gelingt dies durch eine sehr bewegliche Kamera, die oft wie ein
Raubtier um ihre Beute, die Schauspieler, kreist. Zwar kann er die
ein oder andere kleinere Länge des Scripts nicht völlig durch
Regietricks kaschieren, aber das Script ist gut genug, um das
Interesse des Zuschauers schnell wieder auf das Geschehen zu
richten(zumindest bei mir). Wäre auch gefährlich, wenn die Regie
durch selbstgefällige Spielereien vom Inhalt ablenken würde, denn
letztlich ist ein Film, der hauptsächlich auf Dialogarbeit basiert,
Schauspielerkino und abhängig von der Fähigkeit seiner
Schauspieler, die Psychologie ihrer Figuren zu transportieren.
Obwohl der Cast ohne die großen Namen auskommen muss, haben Bruce
und Koper zumindest routinierte Profis zur Verfügung. Der "Man"
wird von Raymond J. Barry verkörpert ("Dead Man Walking", "Training
Day"). Barry kann die vielschichte Figur des Raubmörders mit ihren
Stimmungsschwankungen recht überzeugend vermitteln (wie gesagt, die
angemessene Synchro durch den De-Niro-Sprecher hilft). Stripperin
Candy alias Jennifer MacDonald (übrigens über zwei Drittel der
Filmlaufzeit ausschließlich mit einem G-String bekleidet. Dürften
nicht unbedingt die lustigsten Dreharbeiten ihres Lebens gewesen
sein; zu sehen war sie ansonsten u.a. in "T-Force", "Project
Shadowchaser IV", und "Dead Weekend") hat eine etwas undankbare
Aufgabe, gegen ihre eigene Nacktheit anzuspielen (ich denke, Ihr
versteht, wie ich das meine), erledigt das aber ziemlich gut. Den
opportunistischen Vic gibt Rustam Branaman (gerade gesehen in
"Toughguy") ziemlich verachtenswert und damit überzeugend, seinen
Kumpel Danny, dem vom "Man" ganz übel mitgespielt wird, spielt
Taylor Nichols ("Jurassic Park III") ebenfalls angemessen. Die
besten darstellerischen Leistungen liefern allerdings David Selby
(neun Jahre "Falcon Crest") als Lumpkin und Paul Williams
(Country-Komponist und Gelegenheitsschauspieler z.B. in "Phantom of
Paradise" und allen drei "Ein ausgekochtes Schlitzohr" als Little
Enos) als vom Schicksal schwer gestrafter Carl ab.
Die DVD von Best ist, ohne dass dies zugegeben würde, leicht
gekürzt (schon allein daran festzustellen, dass die auf dem Cover
großflächig abgebildete Kopfabtrennung im Film nicht
stattfindet).
Bildqualität: Wieder einmal erfreut uns Best mit einem
4:3-Vollbildtransfer, der allerdings etwas schwächer ist als
vergleichbare Releases aus dem Screen-Power-Lizenzstamm. Das Bild
ist ein wenig verrauscht und sowohl in Detail- und Kantenschärfe
verbesserungsfähig. Der Kontrast (allerdings gibt es recht wenige
kontrastintensive Szenen) ist okay, die Kompression liegt auf dem
üblichen (niedrigen) Best-Niveau. Ein paar Bildstörungen durch
Störblitze sind ebenso zu verzeichnen wie einige Defekte auf dem
Master selbst.
Tonqualität: Auch hier das übliche Bild - der technisch eher
schwachsinnige 5.1er-Dolby-Split, der den Besitzern von
Surround-Anlagen die Galle hochkommen lässt. Im Stereo-Modus ist
das ganze allerdings genießbar. Ein minimales Hintergrundrauschen
ist kaum störend, die Dialogqualität klar, Musik und Geräusche wie
immer bei Best etwas auf der dumpfen Seite.
Extras: Die Trailershow mit guten alten Bekannten ist das einzige,
was Best an Zusatzmaterial auf die Disc gezaubert hat.
Fazit: "Ans Messer geliefert" ist ein insgesamt recht
merkwürdiger, nicht immer geglückter, aber alles andere als
uninteressantes Psychodrama mit Thriller- und schwarzhumorigen
Elementen. Nix für Leute, die adrenalinintensive Action brauchen,
aber wer ein Faible für psychologische Kammerspiele und tiefere
seelische Abgründigkeiten hat, sollte mal einen Blick drauf werfen
(und wem das ein wenig zu trocken ist, dem bleiben immer noch die
nackten Brüste von Jennifer McDonald, die, wie gesagt, über etwa 70
Minuten der Laufzeit im Bild sind). Die DVD von Best ist technisch
etwas schwächer als die meisten anderen Kooperationen mit Screen
Power.
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