In 3 Tagen bist du tot
Aus Badmovies.de
Österreich 2006, 97 min
Regie: Andreas Prochaska
Darsteller: Julia Rosa Stöckl (Mona), Sabrina Reiter (Nina),
Laurence Rupp (Martin), Nadja Vogel (Alex), Michael Steinocher
(Clemens), Julian Sharp (Patrick), Andreas Kiendl (Kogler), Karl
Fischer (Berger), Michou Friesz (Elisabeth), Amelie Jarolim
(Kerstin), Susi Stach (Erika Haas), Michael Rastl (Manfred
Haas)
Wenn es um aktuelle Horrorfilme geht, dann denkt man in den
letzten Jahren vor allem an Hollywoodfilme wie „Scream", „I know
what you did last summer" oder „Final Destination". Dabei hat sich
bei mir persönlich manchmal das Problem aufgetan, dass ich mich nie
wirklich zu 100% mit den Figuren identifizieren konnte, sei es
durch das unterschiedliche Schulsystem oder andere Dinge, die hier
in Europa ganz einfach anders ablaufen, als drüben in Amerika. So
gesehen war es allerhöchste Zeit, dass auch mal ein guter
österreichischer Horrorfilm in die Kinos kommt. Ob „In 3 Tagen bist
du tot" diesem Anspruch gerecht werden kann, das könnt ihr in
diesem Kinobit nachlesen (große fette Spoilerwarnung voraus).
Nina und ihre Freunde haben soeben die Matura (Matura =
Reifeprüfung) erfolgreich hinter sich gebracht, und sind
verständlicherweise auf dem Weg nach Hause in Feierlaune. Diese
wird ihnen durch zwei Dinge verdorben: Erstens überfahren sie
versehentlich ein Reh (die Art und Weise, wie sie mit dem schwer
verletzten Tier umgehen sagt uns so einiges über die Gruppe. Die
Reaktionen variieren zwischen Holt den Tierarzt!" über „Du versetzt
ihm den Gnadenstoß, denn du warst am Steuer!" bis zu dem Punkt, an
dem das letzte Gruppenmitglied ohne ein Wort zu verlieren einen
Baseballschläger holt und das Tier erlöst). Und zweitens erhalte
sie alle noch am gleichen Tag eine SMS, deren Text kurz und bündig
das Ableben der Empfänger ankündigt: „In 3 Tagen bist du tot".
Anfangs tun sie diese Nachricht noch als Scherz ab, was sich aber
schnell ändert, als einer ihrer Freunde spurlos von der
Abschlussparty verschwindet. Noch am selben Abend kommen die
restlichen Cliquenmitglieder dahinter, dass sie alle diese SMS
erhalten haben. Langsam kommt ihnen der Verdacht, dass die
Nachricht doch ernst gemeint gewesen sein könnte (Zwischendurch
sieht man immer wieder ihren schon gefesselt in irgendeinem
Versteck liegenden Kumpel). Die örtliche Polizei kann ihnen nicht
helfen, da eine Person schon 24 Stunden abgängig sein muss und man
sicher nicht ausrücken werde, nur weil jemand mal „für zwei Stunden
abgetaucht" sei. Es hilft alles nichts, man kann den Verschwundenen
nicht finden und macht sich immer mehr Sorgen, als Nina plötzlich
die Leiche ihres Freundes in einem Teich entdeckt. Von da an geht
alles Schlag auf Schlag. Nach dem „Zehn kleine Negerlein"-Prinzip
findet ein Cliquenmitglied nach dem anderen sein gewaltsames Ende.
Wer aber ist dafür verantwortlich? Ist es der Schulfreak Patrick,
der – hoffnungslos in Nina verliebt – schon in der Vergangenheit
veritable Stalkerqualitäten gezeigt hat? Oder liegt der Grund für
die Geschehnisse in der Gegenwart in einer Katastrophe begründet,
die vor mehr als 10 Jahren stattgefunden hat?
Ja, das hat Spaß gemacht! Um einen Teil meines Fazits vorweg zu
nehmen: „In 3 Tagen bist du tot" braucht sich vor den
amerikanischen Genrevertretern wahrlich nicht zu verstecken. Aber
der Reihe nach:
Die Macher von „In 3 Tagen bist du tot" bedienen sich nach
Herzenslust bei ihren amerikanischen Vorbildern, ohne darauf zu
vergessen, dem Film eine persönliche Note zu verleihen. So
erscheint mir die in Österreich allgegenwärtige dörfliche
Behäbigkeit sehr viel authentischer als eine auf „Hier ist alles
supertoll" getrimmte amerikanische Vorstadt.
Die Schauspieler sind ebenfalls nicht zu verachten. Sie schaffen
es, die von ihnen gespielten Figuren keine Sekunde lang gekünstelt
wirken zu lassen (was zu einem großen Teil wohl auch am
österreichischen Dialekt liegt – an dieser Stelle eine Entwarnung
für alle Nichtösterreicher: Macht euch keine Sorgen, es werden
keine allzu exotischen Dialektausdrücke verwendet). Die
Schauspieler sind zwar unbekannt, aber sie sind auch allesamt
talentiert.
Das gilt im Prinzip auch für den Regisseur, den Kameramann und die
anderen Crewmitglieder. Handwerklich ist alles durch die Bank gut
gemacht worden. Die vorhandenen Spezialeffekte wirken überzeugend
und ziemlich intensiv (auf den exzessiven Einsatz von Splatter- und
Goreeffekten wird hier verzichtet, aber wenn einmal etwas gezeigt
wird, dann wird's heftig. Vor allem die „Aquariumszene" ist mir
doch recht ordentlich in die Glieder gefahren, aber die spoilere
ich hier nicht. Umso verwunderter war ich über die „ab 16"
Freigabe). Der Soundtrack ist zwar nichts besonderes, aber er
unterstützt das Geschehen auf dem Bildschirm angemessen.
Der Film hält absichtlich nicht immer ein gleichmäßig hohes Tempo.
Von Zeit zu Zeit kommen wird ein wenig die Handbremse angezogen,
nur um ein paar Sekunden später das Gaspedal wieder voll durch zu
treten. Das gelingt dem Film auch ganz gut. Humor wird selten bis
gar nicht eingesetzt, eine ebenso dichte wie düstere Atmosphäre
wird die über weite Strecken aufrechterhalten. Auf diverse Jump
Scares wird natürlich nicht verzichtet, und ich muss schon sagen,
dass ein paar davon auch bei einem alten Hasen wie mir gesessen
haben. Was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat, ist die – schon
weiter oben erwähnte – Authentizität von „In drei Tagen bist du
tot". Ich kann mich mit österreichischen MaturantInnen einfach mehr
identifizieren als mit Collegekids aus den USA.
Das einzige Detail, welches mich ein wenig gestört hat war, dass
man sich beim Aufbau der Grundzüge der Story phasenweise mit dem
Abkupfern von „I know what you did last summer" begnügt hat. So
läuft der Film unter dem Motto „Besser gut geklaut, als schlecht
selbst gemacht", aber das macht er wirklich gut und so hatte ich
einen Heidenspaß im Kino. Und schlussendlich ist das bei diesem
Genre doch das Einzige worauf es ankommt.
© 2008 G
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