Infernal Affairs
Aus Badmovies.de
Hongkong 2002, 97 min, FSK 16
Darsteller: Andy Lau (Lau), Tony Leung (Yan), Anthony Wong
(Inspektor Wong), Eric Tsan (Sam), Kelly Chan (Dr. Lee)
In Hongkong kämpft die Polizei ihren beinahe aussichtlosen Kampf
gegen die Triaden. Oberinspektor Wong, der Leiter des Büros zur
Bekämpfung des Triaden-Unwesens, hat in die Bande des Oberbosses
Sam einen Spitzel eingeschleust. Der Undercover-Mann Yan ist Teil
eines Langzeitplans - direkt von der Polizeischule in den
Untergrund geschickt, fährt er jetzt schon zehn Jahre lang sein
gefährliches Doppelleben und ist der Aufgabe langsam müde. Aber
auch Sam war nicht untätig und hat seinerseits seinen eigenen
Maulwurf im Polizeiapparat untergebracht, den jungen, von seinen
Kollegen als karrieregeilen Emporkömmling eingeschätzten Lau.
Beim Versuch, eine Drogenlieferung auffliegen zu lassen, bei dem
die Maulwürfe beider Seiten für Verwirrung unter ihren jeweiligen
Gegenspielern sorgen, wird ssowohl Wong als auch Sam klar, dass
ihre Organisationen unterwandert sind. Ironischer- und
nichtsahnenderweise teilt Wong ausgerechnet Lau die Aufgabe zu, die
undichte Stelle im Polizeiapparat zu enttarnen, während er
gleichzeitig für Sam den Spitzel in dessen Bande auffliegen lassen
soll...
Der Film: Und wieder stellt sich ein Film auf DVD vor, der gerade
erst beim FFF 2004 im Kino lief. "Infernal Affairs" dürfte der
erfolgreichste Film sein, den Hongkong in den letzten Jahren auf
die Welt losgelassen hat - Kassenknüller in der einstigen
Kronkolonie, mit Hongkong-Oscars nur so zugeschmissen, mittlerweile
zweimal fortgesetzt und gerade dabei, von Hollywood von Martin
Scorcese für das unvermeidliche US-Remake (mit Leo dem Cabrio und
Matt Damon in den Hauptrollen) verwurstet zu werden. Das muss ja
ein unwahrscheinlich brillantes, noch nie dagewesenes Filmchen
sein, oder?
Dabei betritt "Infernal Affairs" (guter Titel übrigens) eigentlich
kaum besonderes Neuland - letztlich ist es eigentlich "wie immer"
die gute alte HK-Plotte, die Frage, wem gegenüber bin ich loyal?
Man mächte fast meinen, dass es im Hongkong-Action-/Krimi-Kino
kein anderes Thema gibt als Loyalitätskonflikte. Der Kniff von
"Infernal Affairs" ist halt eben der, die Protagonisten auf den
quasi "verkehrten" Seiten anzusiedeln - der Cop steckt bei den
Ganoven, und der Gangster ist ein Cop (auch nicht die
alleroriginellste Idee, but there you go) und beide haben, wie
nicht anders zu erwarten, ihre Probleme mit ihrer Rolle. Yan steckt
mitten in einer Identitätskrise - er ist sich nicht mehr sicher,
auf welcher Seite er *wirklich* steht, Lau fühlt sich zwar seinem
Gangsterboss Lau loyal verbunden, wünscht sich aber andererseits
nichts mehr, als ein "guter Mensch" zu sein. Keine Story, die nun
umwerfend neu ist, aber eine, die erstaunlich gut funktioniert, was
einem, besonders in Hongkong durchaus gesondert zu erwähnen,
extrem dichten Drehbuch geschuldet ist. Die meisten Hongkong-Filme,
sind mit soviel Plot und Subplot, Charakteren und Nebencharakteren
zugekleistert, dass man, besonders als weißer Teufel, der mit Müh
und Not die Hauptfiguren unterscheiden kann, gerne mal den
Überblick verliert. "Infernal Affairs" schenkt sich Abschweifungen
(mit Ausnahme der Tatsache, dass beide Protagonisten für den
eigentlichen Filmfortgang unnötigen "Kontakt" zum weiblichen
Geschlecht haben. Ohne diese drei-vier kurzen Szenen, die den Film
aber nicht entscheidend aufhalten, wäre das ein Film vollkommen
ohne Frauen, und das geht wohl nicht mal mehr in Hongkong), sondern
verfolgt mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks sein Ziel -
und natürlich kann ein solches Set-up, und ganz besonders in der
Filmindustrie, die den Ausdruck "heroic bloodshed" geprägt hat,
nur in einer Tragödie enden.
Der Film lebt dabei, ebenfalls eher unüblich für einen
Crime-Thriller Made in Hongkong nicht von Actionsequenzen - der
einzige kleinere Shoot-out wird niemanden, der "The Killer" mehr
als einmal gesehen hat, aus den Pantinen kippen, außerdem haben
wir hier einen Film vor uns, den auch Leute, die gegen Kung-fu
allergisch sind, problemlos ansehen können -, sondern von seiner
Spannung. Seine Schlüsselszenen sind keine spekulativen Stunt-
oder Gewaltexzesse, sondern anspannende Situationen, wie z.B. der
Drogendeal, der beiden Seiten die Existenz des jeweils anderen
Maulwurfs aufdrängt. Um's kurz zu machen, jeglicher Versuch,
"Infernal Affairs" als Actionfilm zu bezeichnen, läuft leer, das
ist ein reiner Cop-Thriller, der sicherlich stilistisch und auch
inhaltlich weniger der HK-School of Filmmaking als Hollywood und
seinen Polizeidramen und -thrillern geschuldet ist (und dass
Hollywood jetzt Hongkong-Filme "remaked", die ihrerseits
Hollywood-Motive verarbeiten, kommt der Quadratur des Kreises doch
sehr nah).
Die Regiearbeit ist überzeugend - Andrew Lau und Alan Mak sind
glänzende Stilisten, die das toughe Drama in einen edlen
Hochglanz-Optik-Look packen. Während Mak eher ein Newcomer im
HK-Regiebusiness ist, ist Lau schon ein alter Hase, der aus der
Cat.-III/B-Film-Schule Hongkongs kommt und u.a. "Raped by an Angel"
und die "Young and Dangerous"-Serie inszenierte, bevor er mit
"Storm Riders" erstmals an höherbudgetierten Stoff herangelassen
wurde. Die Arbeit von zwei Regisseuren führt dankenswerterweise
nicht zu einer Zerrissenheit des Films, der Streifen hat einen sehr
einheitlichen, eleganten, slicken Look und befleißigt sich eines
vergleichsweise zurückhaltenden Tempos (wäre ich böse, könnte
ich behaupten, John Woo oder Wong Jing hätten aus dem Plot dieses
Films allenfalls zehn bis zwanzig Minuten für eins ihrer Werke
destilliret), auch das eher ungewöhnlich für das neue
Hongkong-Kino, das sich tempomäßig sonst doch gerne überschlägt
(und sich dabei auch gern mal selber ein Bein stellt).
Das erweist sich aber als Glücksfall, denn dadurch können die
Stars, und die sind durchaus die Creme-de-la-Creme des
HK-Actionkinos, beweisen, dass sie auch schauspielerisch was drauf
haben. Andy Lau, nicht nur in über 100 HK-Filmen ("Drunken Master
II/III", "God of Gamblers II") präsent, sondern auch
Canto-Pop-Superstar, kann als Lau ebenso überzeugen wie sein
Gegenüber Tony Leung ("Hero", "In the Mood for Love", "Gorgeous")
als Yan. Beide können, unterstützt durch das erstklassige Script,
ihren Rollengestalten Tiefgang und Glaubwürdigkeit verleihen. Auch
ihre jeweiligen "Vaterfiguren" sind hochkarätig besetzt - den
Polizeiinspektor Wong gibt HKs Vorzeigepsychopath Anthony Wong
("The Untold Story", "Black Mask") und beweist dabei, dass er nicht
nur durchgeknallt und überdreht, sondern auch sachlich und
zurückgenommen agieren kann, Triadenboss Sam wird von Eric Tsang
("Gen X-Cops", "The Last Blood") leutselig-entspannt verkörpert.
Kelly Chan ("Tokyo Raiders") und Sammi Chen haben dank
unterrepräsentierter Rollengestalten kaum Möglichkeiten, sich
auszuzeichnen.
Bildqualität: Das verdienstvolle Label mcOne legt mit "Infernal
Affairs" eine weitere Qualitäts-DVD-Umsetzung vor. Der Film wird
in einem feinen anamorphen 2.35:1-Widescreen präsentiert, wobei
der Print selbstverständlich frei von jeden Verunreinigungen ist,
in Punkto Detail- und Kantenschärfe voll zu überzeugen weiß und
auch gelungenen Kontrast bietet. Die Kompression könnte einen
Tacken besser sein, das ist vermutlich der Vielzahl von Tonspuren
geschuldet, die das Label gewohnheitsmäßig auf seine Scheiben zu
packen pflegt.
Tonqualität: Wie fast schon liebe Gewohnheit, packt mcOne fünf
Audiotracks auf die Scheibe, wobei die Wahl zwischen Dolby Digital
5.1 oder Headphone-Surround für den deutschen als auch den
kantonesischen O-Ton ermöglicht wird, der deutsche Ton zusätzlich
auch in dts vorliegt. Ich habe zwischen den beiden 5.1er-Spuren
hin- und hergeschaltet und bin mit beiden Tracks akustisch sehr
zufrieden. Sie sind beide völlig rauschfrei, gut verständlich (so
man kantonesisch beherrscht, äh) und sehr gut abgemischt. Die
packende Filmmusik kommt ebenfalls gut zur Geltung. Deutsche
Untertitel werden sowohl für Hörgeschädigte als auch "normal"
mitgeliefert.
Extras: Diese Sektion ist mal wieder unter Vorbehalt zu sehen, da
mir explizit eine Rental-DVD vorliegt, die sich in ihren Features
von der Kauffassung durchaus unterscheiden kann. Hauptextra der
Scheibe ist ein Audiokommentar, der erfreulicherweise, da doch
relativ wenige Menschen hier der kantonesischen Sprache mächtig
sein dürften, mit optionalen deutschen Untertiteln genossen werden
kann, dazu gibt's den deutschen und den chinesischen
Originaltrailer, Biographien und die übliche Trailershow. Für 'ne
Leih-DVD ist das schon ganz ordentlich.
Fazit: "Infernal Affairs" ist ein spannender Cop-Thriller, der
entgegen der Angewohnheit des HK-Kinos nicht von Stunts, Geballere
und/oder Martial Arts, sondern von einem geschickt konstruierten
und bis zum letzten konsequent durchgespielten Drehbuch und sehr
guten Darstellern lebt - insgesamt für Hongkong eher ungewöhnlich
und vielleicht gerade deswegen sowohl dort sehr erfolgreich als
auch für ein internationaleres Publikum zugänglicher als die
opulenten Gewaltorgien eines John Woo. Die ganz große Offenbarung,
für die man den Streifen ob des Hypes halten konnte, ist's
allerdings nun auch wieder nicht - der Film ist sehenswert, aber
auch nicht das, was ich einen genrerevolutionierenden
All-Time-Classic kennen wärde (wie's "The Killer" bleistiftsweise
war). Die mcOne-DVD besticht wie eigentlich immer mit sehr gutem
Bild und Ton und kann daher durchaus empfohlen werden. Die
Gesamtnote könnte sich bei umfangreicherer Ausstattung der
Kauf-DVD erhöhen.
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