Invasion aus dem Innern der Erde (DVD)
Aus Badmovies.de
(The Infra Superman/The Super Inframan/Jung-Gwok chiu-yan)
Hongkong 1975, 85 min, FSK 12
Regie: Hua Shan
Darsteller: Danny Lee (Ray/Infra Superman), Terry Liu (Dragon
Mum/Dämona), Hap Wong (Professor Liu), Lin-Wen Wei (Chu Ming), Yuan
Man-Tzu, Shu-Yi Tsen, Ching-Lung Huang, Bruce Le
Gewaltige Naturkatastrophen erschüttern alle Ecken der Erde -
hervorgerufen werden sie, wie Professor Liu in Hongkong
herausfindet, durch urzeitliche Monster (im Handtaschenformat -
Godzilla würde für einen solchen Gegner keine Schuppe krümmen),
angeführt von einer gewissen Dämona (im Original: Princess Dragon
Mum), die sich für nichts geringeres als die designierte
Herrscherin dieses unseres Planeten hält und der dumm kuckenden
Menschheit das dringliche Ultimatum unterbreitet, sich doch bitte
baldmöglichst ihrer Fuchtel zu ergeben und als treue Sklaven zu
dienen. Das kann natürlich nicht sein und so kann der Professor den
üblichen Bedenken- und Verantwortungsträgern die Genehmigung für
sein langgehegtes Kuschelprojekt, den "Infra Superman", aus dem
Kreuz leiern. In einer "langen und schmerzhaften" Operation baut
der Prof seinem Lieblingsgehülfen Ray, schon im Normalzustand
annehmbarer Kung-fu-Kämpfer, diverse bionische Zusatzteile ein und
verpasst ihm eine unzerstörbare Rüstung. Solchermaßen aufgepeppt
mischt Ray die überschaubare Monsterbrigade Dämonas ordentlich auf,
bis es der Unterweltfürstin zu blöd wird - nachdem ihre treudoofen
Versuche, des Profs Hauptquartier zu vernichten, Ray-sei-dank
größere Ofenschüsse waren als Plan 9 aus dem Weltall, gelingt es
ihr wenigstens, die Konstruktionspläne zu klauen und die Entführung
des Professors anzuordnen. Ihren Vasallen fällt jedoch nur das
Tochterherz des weisen Mannes in die Klauen, aber das ist ja besser
als nix, da kann man doch 'ne kleine Erpressung
veranstalten...
Der Film:
badmovies.de-Veteranen erinnern sich vielleicht an das
frühsteinzeitliche Review dieses Films, das ihm selbstredend in
keiner Weise gerecht wird (schließlich waren das noch Zeiten, als
meine Reviews noch kurz und sch(m)erzlos waren...) - immerhin
schloss ich damals mit der dringlichen Bitte an die einschlägigen
DVD-Publisher, sich dieser Perle anzunehmen - hat ja nur ca. 5
Jahre gedauert, bis es tatsächlich soweit war (und meine zweite
Bitte, mir dann als Provision für diesen Tipp den ein oder anderen
Schekel zukommen zu lassen, verhallte selbstredend wieder ungehört
- seufz). Gut Ding will Weile haben (oder anders ausgedrückt: die
einschlägigen DVD-Publisher mussten halt warten, bis sie ein
verwertbares Master auftrieben... zum Glück war's dann am Ende
nicht Best, sonst hätten die glatt mein altes VHS-Band dafür
hergenommen).
Ich weiß nicht mehr, ob ich's in meinem alten Review erwähnt habe,
aber "Invasion aus dem Innern der Erde" war ungelogen das erste
Kaufvideo, das ich mir anschaffte (bzw. damals noch meine Eltern
für mich... das ist mindestens 20 Jahre her). Kaufentscheidung war
damals die Mini-Abbildung im Quelle- oder Neckermann-Katalog, der
man so grad noch die Worte "Eine Welt der Zukunft" und "Jules
Verne" entnehmen konnte. Dass da dazwischen kleingedruckt noch "wie
sie sich" und dahinter "nicht besser hätte ausdenken können" stand,
konnte man freilich nicht lesen. Nun, der gute Jules rotiert seit
Erfindung dieses Klappentexts vermutlich eh in Dauerschicht in
seinem Sarg, meine Wenigkeit allerdings war nach erster Sichtung
dieses hilariösen Machwerks (und hier passt dieses Wort schon)
verliebt - das war vermutlich der erste Schritt zum Trash-Fan.
"The Infra Superman" (oder "The Super Inframan"? Welches die
korrekte Übersetzung des Titels ist, scheint niemand zu wissen,
beide Schreibweisen kursieren gleichberechtigt) war der Versuch des
Hongkong-Kinos, für den einheimischen Markt auf den japanischen
Monster-SF-Film-Zug aufzuspringen - die japanischen TV-Shows
"Ultraman" und "Kamen Rider" waren in Hongkong immense
Publikumserfolge, die man nun mit eigenen Mitteln zu kopieren
gedachte. Zutreffenderweise ging man bei den ausführenden Shaw
Brothers, zweifellos das legendärste aller Hongkong-Filmstudios,
wenn auch Mitte der 70er über seinen Zenit hinaus, davon aus, eine
gewisse Expertise in Sachen Martial Arts zu haben und so war klar,
dass der Schwerpunkt des eigenen Ultraman-Klons bei hand- und
fußkantenschwingenden Aktivitäten liegen würde. Klartext - mit dem
"Infra Superman" bekommt der geneigte Fan eine kuriose Mixtur aus
kaiju-styled-Monsterfilm und Kung-fu-Klopperei geboten - what's not
to love?
Das Script ist natürlich absolute Grütze, liegt damit aber
natürlich absolut auf dem Level einschlägiger Nippon-Produktionen -
allerdings ist zu vermerken, dass anstelle der üblichen
Alien-Invasionsplotten made in Japan sich hier eher chinesische
Traditionen durchgesetzt haben - die Bösen, angeführt von dem
blonden Satansbraten "Princess Dragon Mum" (in der deutschen
Synchro, der der chinesische Sinn fürs Theatralische ein wenig
abgeht, fantasielos "Dämona"), sind deutlich "chinesischer", also
leicht übernatürlich angehaucht als die technisierten
Japano-Fieslinge (allerdings verfügt "Dragon Mum" auch über eine
ausgefeilte Technik). Die Guten sind selbstverständlich edelmütig
bis zur Selbstaufopferung (mit Ausnahme des fiesen Verräters Chu
Ming), andererseits hochmilitärisch organisiert (vgl. des
Professors "Laborkittel" mit angenähten Rangabzeichen) - hier
stellt man bereits fest: auch, wenn sich der Film an ein
jugendliches Publikum richtet, ist er todernst konzipiert und
gespielt. Freiwilliger Humor geht der Story völlig ab, es gibt
keinen comic relief, die Schauspieler sind mit großer
Ernsthaftigkeit am Werk und mühen sich, der Geschichte großes Drama
zu entlocken. Klare Sache, für Trash-Gourmets macht das die Sache
noch viel amüsanter - die Monster sind mit lächerlich extrem
wohlwollend umschrieben, die Spezialeffekte spotten jeder
Beschreibung; dennoch riecht der Film nach verhältnismäßig hohem
Budget, denn die Ausstattung ist bemerkenswert gut, detailliert und
liebevoll - das Set der "Zentrale" des Professors mit seinem
drehbaren Kommandostand lässt die Enterprise-Brücke alt aussehen
und auch "Dämonas" unterirdisches Hauptquartier ist ein Fest für
den Set Decorator und den Bühnenbildner, die sich da wirklich
austoben durften (manchmal gingen ihnen auch, zum Ergötzen des
Publikums, alle vorhandenen Gäule durch; wenn Dämonas Schergen
einen modernen Kajütkreuzer, den sie von Rechts und Logik wegen
nicht wirklich haben dürften, mit ihren charakteristischen
Teufelshörner verziert haben, kann sich der Zuschauer ein heftiges
Grinsen nicht verkneifen). Man könnte sich zu der These versteigen,
allein die Sets hätten einen besseren Film verdient, aber das hieße
einmal mehr den immensen Unterhaltungswert des Streifens zu
verleugnen. Wenn der Professor und sein Held sich mit stoischem
Ernst über "verbesserte Fäuste" (Original: "thunderball fists") und
"Messerstrahlen, die sogar Stein schneiden" unterhalten, Dämona
einen fiesen Plan nach dem anderen ausheckt, mit dem man nicht mal
Dreijährige im Sandkasten beeindrucken könnte (vor allem, wo sie
doch nach der Opening Montage zu urteilen, Mittel und Wege hätte,
effektiver gegen den Prof vorzugehen als seine Station mit einem
Paket handelsüblichem Dynamit in den Orkus zu pusten), der
willensschwache Chu Ming einer Gehirnwäsche unterzogen wird, oder
sich das Spinnenmonster der Bösen auf 30-Meter-Größe aufpumpt und
der Inframan, nicht dumm, sich einfach und völlig unerklärterweise
ebenfalls auf kaiju-Größe wachsen lässt, da bleibt kein Auge
trocken...
Die Kung-fu-Kämpfe sind prinzipiell recht anständig choreographiert
und inszeniert, wobei das Manko, dass die Darsteller der Monster
aufgrund der nicht sonderlich bewegungsfreundlichen Suits in ihren
Aktionen auf halbseidene Armwedeleien und laue Kicks beschränkt
sind, den Fights schon die Dynamik etwas raubt (und im Showdown,
wenn die halbwegs kompetenten Monster vom ISM längst entsorgt sind,
und nur noch die "Robot-Zwillinge", die scheinbar aus Flummi-Gummi
bestehen, übrig sind, ergibt sich der Film kampflos der
Lächerlichkeit) - nun gut, wir müssen auch akzeptieren, dass es bei
den Monstern auch nicht für Masken gereicht hat, deren Gesichtszüge
sich bewegen können (besonders auffällig ist das bei "Stahlklaue",
dessen enorme Redseligkeit nicht darüber hinwegtäuscht, dass sein
Mund sich kostümbedingt nicht bewegen oder gar schließen kann).
Richtig peinlich wird's dann, wenn die "Trickkünstler" der Shaw
Brothers sich an Strahlen-FX o.ä. versuchen - da wird fröhlich mit
dem Filzstift auf dem Filmmaterial gemalt oder gleich Kollege
Zeichentrick bemüht. Das steht qualitativ schon noch ein paar Ligen
über "Turkish Star Wars", ist für 1975 aber trotzdem etwas, eh,
rückständig...
Zu erwähnen wäre noch die durchaus fetzige Filmmusik (und das
superschmissige "Infra Superman"-Theme, jedesmal ausgepackt, wenn
Held Ray sich in den ISM verwandelt - was übrigens stets mit der
gleichen, vor neutralem Hintergrund gefilmten
"Transformationssequenz" erledigt wird).
Mit dieser Veröffentlichung liegt "The Infra Superman" hierzulande
erstmals in ungekürzter Form vor, weshalb es sich anbietet, an
dieser Stelle kurz auf die bislang fehlenden Stellen einzugehen. An
"großen" Szenen war eigentlich nur eine ausgewalzte Charakter-Szene
zwischen dem Professor und seiner Tochter geschnitten, die zum Film
nicht wirklich etwas beiträgt, aber zumindest erklärt, wieso die
Monster etwas später nicht den Professor, sondern eben das
Tochterherz kidnappen (in der alten DF sah das so aus, als wären
die Monster einfach nur blöde und ins falsche Zimmer eingebrochen).
Ansonsten fehlt hie und da mal ein Satz, einige Kampfszenen und die
Katastrophenfilmsequenz zu Beginn sind etwas länger (die liegt
tricktechnisch durchaus auf dem Level der zeitgleichen späten
Showa-Godzilla-Filme) und, was vielleicht am auffälligsten ist, in
der alten DF wurde nie klar, dass des ISMs Equipment
voice-controlled ist (d.h. Ray muss jedes Gimmick, das er anwendet,
verbal kommandieren, so ähnlich wie Inspektor Gadget).
Bekanntlich (oder auch nicht) stellt "The Infra Superman" eine der
zwei "Jugendsünden" der späteren großen Nummer im
Hongkong-Action-Kino, Danny Lee ("The Killer") dar (die andere ist
"Der Koloss von Konga", ebenfalls auf DVD mittlerweile in
Deutschland erschienen). Danny wird hier nicht vor größere
darstellerische Aufgaben gestellt, und braucht eigentlich nur 'nen
guten Eindruck zu hinterlassen, was ihm aufgrund durchaus
erkennbarer likeability gut gelingt. In den Kampfszenen schlägt er
sich wacker, muss aber auch keine Jackie-Chan- oder
Bruce-Lee-mäßigen Großtaten vollbringen. In den weiteren Rollen
verschleisst sich nicht eben Cinema Citys A-List: Terry Liu
("Dragon Mum/"Dämona") wurde 1974 in dem
Shaw-Brothers-Frauenlager-Knaller "Bamboo House of Dolls"
auffällig, wo sie auch schon Hap Wong (dem Professor) über den Weg
lief, der anschließend den ebenfalls semikultisch verehrten
Horrorheuler "The Oily Maniac" verzierte und in der Endphase seiner
Karriere in einigen Ninja-Hobeln, wie z.B. dem göttlichen "Mafia
vs. Ninja" mitspielen durfte. In einer kleinen Nebenrolle gibt's
den späteren Bruce Le zu entdecken (wenn man ihn denn findet).
Regisseur Hua Shan legte mit dem "Infra Superman" sein Debüt vor.
In seiner weiteren - überschaubaren - Vita steht an Bedeutung wohl
nur noch das Sequel "Flying Guillotine 2", das er 1978 realisierte.
Bildqualität: Olli Krekels Starlight Film hat sich endlich erbarmt,
und das vorliegende Superduper-Master, dass Celestial Films für die
stark antizipierte DVD-Veröffentlichung des Shaw-Brothers-Outputs
(hierzulande teilweise von MIB vertrieben) erstellen liess, mit der
deutschen Synchro ausgestattet. Bei der Bildqualität bleibt einem,
wenn man nur das verkrüppelte (da auf ca. 1.85:1 beschnittene) Bild
der VPS-VHS kennt, schon ordentlich die Spucke weg. Feines
anamorphes 2.35:1-Widescreen zeigt den Film in all seiner bunten
Glorie, mit perfekten Farben, eine angenehmen Schärfe und schönem
Kontrast, frei von Defekten, Verschmutzungen oder Laufstreifen.
Einzig eine ziemlich wacklige Kompression, die bei raschen
Kameraschwenks für leichtes Flimmern und - speziell am PC-Monitor -
für nervige Nachzieher sorgt, trübt den hervorragenden
Gesamteindruck (warum keine DVD-9, Olli, warum?).
Tonqualität: Was man für den Ton leider nicht so sagen kann -
leider fehlt schon einmal der chinesische O-Ton, so dass man sich
mit der alten deutschen Synchro, plus einiger fest codierten
Untertitel für die nicht synchronisierten, bislang geschnittenen
Passagen, anfreunden muss. Die deutsche Fassung ist manchmal
debiler als der O-Ton (die "Messerstrahlen" heißen eigentlich
"Laserschneider"), manchmal zurückgenommener (bei "Dämona" und den
"verbesserten Fäusten" anstelle "Dragon Mum" und "Thunderball
Fists"). Starlight legt den Ton, der zumindest in der DF nie etwas
anderes als Mono gewesen sein dürfte, als Dolby 2.0 und
5.1-Varianten vor, wobei beide Tonspuren leider speziell im
Dialogton etwas dumpf klingen. Sicher besser als VHS-Mono, aber ich
glaube, dass man da digital vielleicht noch das ein oder andere
hätte hinschieben können.
Extras: Auf den ersten Blick sieht das Zusatzmaterial-Menü
reichhaltig gefüllt aus, aber bei Krekel- Releases wissen wir, dass
wir das, ähm, eher kritisch würdigen müssen. Neben dem chinesischen
Originaltrailer von 1975 liegt der Re-Release-Trailer von Celestial
von anno 2003 vor, einen zeitgenössischen deutschen Kino- oder
Videotrailer vermisst man leider. Fünf Bildergalerien laden zum
Verweil - eine mit herkömmlichen Screenshots, eine Artwork-Galerie,
eine recht interessante, aber kurze Galerie mit
behind-the-scenes-Aufnahmen, eine schöne Galerie von
Kinoaushangfotos sowie das alte deutsche Presseheft als
Bildergalerie. Filmografien der Hauptdarsteller und des Regisseurs
sind zweifellos Standard, auf die Gimmicks wie den "alten deutschen
Vor-" und "Abspann" kann ich immer wieder gern getrost verzichten.
Im schmalen Digipak findet sich übrigens als Bonus ein kleiner
Reprint des alten deutschen Plakatmotivs.
Fazit: Ich hab lange warten müssen, aber es hat sich durchaus
gelohnt. Starlights DVD-Release dieses möglicherweise legendärsten
Trash-Kloppers aus Hongkong macht's nun endlich unnötig, auf
Flohmärkten, Börsen oder über ebay für teure Geld das alte deutsche
Tape zu suchen (ich werd mein's natürlich trotzdem behalten, also
fragt gar nicht erst). "Invasion aus dem Innern der Erde" ist einer
der schönsten, lustigsten, buntesten und lachhaftesten Comic-Filme
(angeblich gibt's tatsächlich einen zugrundeliegenden Manga. Ob ich
das glauben soll?) und für Trash-Freunde einfach ein absoluter
Pflichtkauf (zumal Starlight-Scheiben ja auch nicht so teuer sind).
Macht Spaß, sieht (mit der Kompressions-Einschränkung) gut aus und
gehört in jede Eastern-/Monster-/ Trash-Sammlung. Soll Jules Verne
doch weiter rotieren...
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