JSA - Joint Security Area
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Südkorea 2000, 106 min, FSK 16 Regie: Chan-Wook Park
Darsteller: Kang-ho Song, Byung-hun Lee, Yeong-an Lee, Ha-kyun
Shin, Herbert Ulrich, Christoph Hofrichter
Ein blutiger Zwischenfall sorgt für Aufregung an der politisch
immer heiklen Grenze zwischen Nord- und Südkorea - zwei
nordkoreanische Grenzsoldaten sind tot, ein weiterer verletzt, der
Täter ein südkoreanischer Soldat gefaßt und geständig. Eine
Ermittlungskommission der neutralen Staaten, die die Grenze
überwachen, soll klären, warum Su-Hyuk die Nordkoreaner getötet
hat. Die koreanischstämmige Schweizer Ermittlerin Sophie Jean stößt
aber auf Hindernisse - natürlich versuchen beide Seiten, den
Vorfall für ihre jeweiligen Propagandazwecke auszuschlachten, die
Angaben und Zeugenaussagen widersprechen sich, Su-Hyuk spielt in
den Vernehmungen konsequent Stein und sagt nix. Nur mühsam setzen
sich die Puzzlesteinchen zusammen und ergeben ein überraschendes
Bild - Su-Hyuk hatte sich mit zwei der nordkoreanischen
Grenzwächter angefreundet und zu gemütlichen Beisammenseins mehr
als einmal die Grenze heimlich überschritten. Aber warum sollte
So-Hyuk seine nordkoreanischen Freunde umbringen?
Der Film: Und wieder was aus Asien, wieder was aus Korea, und noch
dazu was vom Schöpfer des in einschlägigen Kreisen nicht ganz zu
Unrecht abgefeierten (aber dennoch leicht überschätzten) "Old Boy".
Chan-Wook Park kann auch in "JSA" seiner Vorliebe für kompliziert
verschachtelte Plots freien Lauf lassen und erzählt die Story auf
non-lineare, immer wieder auf ausführliche Flashbacks
zurückgreifende Weise, was einerseits dringend notwendig ist, da
die eigentliche Geschichte zwar nicht uninteressant, aber auch
nicht abendfüllend ist, andererseits den Plot unnötig aufbläht -
die Rahmenhandlung um die Ermittlerin Sophie Jean trägt zur Story
nichts entscheidendes bei, sie wird nur gebraucht, um die
Geschichte zu verkomplizieren, alldieweil so einige Vorkommnisse
aus unterschiedlichen Blickwinkeln und unter unterschiedlichen
Prämissen gezeigt werden können, sorgt aber insgesamt einfach nur
dafür, dass der Film mindestens zwanzig Minuten zu lange
wirkt.
Die Story selbst ist sicherlich herzensgut gemeint, durchaus von
aktueller politischer Relevanz und speziell für südkoreanische
Verhältnisse auch ein wenig gewagt, da Chan-Wook Park es
tatsächlich wagt, Nordkoreaner als, gasp, Menschen darzustellen,
die auch positive Eigenschaften haben und durchaus liebenswert sein
können. Das ist auch eigentlich die Grundaussage der Geschichte -
auch, wenn man sich aufgrund der "Systemzugehörigkeit" feindselig
gegenübersteht, muss das nicht heißen, dass man seine
Menschlichkeit an der Kasernenhoftür abgibt, insbesondere, wenn man
auch noch dem selben (geteilten) Volk angehört (deswegen liess Park
den Film auch bei der Berlinale Premiere feiern, weil er der
Ansicht war, die Deutschen müssten aufgrund ihrer Historie
besonderes Verständnis für die Situation haben). Wie gesagt, das
ist sicherlich eine richtige und wichtige Aussage, aber nicht
unbedingt die aller-filmischte. Über weite Strecken ist "JSA", so
leid's mir tut, arg geschwätzig, d.h. wir werden als Zuschauer mit
Dialogen nur so zugeworfen, ohne dass sich grundlegend neue
Erkenntnisse aufdrängen. Den Punkt, den Park zu machen
beabsichtigt, macht er halt schon relativ frühzeitig, danach
erschöpft sich das Interesse des Zuschauers nur noch auf die
"Auflösung", die aber weit wird und mit zusätzlichen, eher
nichtssagenden Dialogen, ein paar halbseidenen kritischen Anwürfen
gegen die "neutralen Staaten" und einem völlig überflüssigen
Subplot um Sophie Jean und ihre familiäre Vergangenheit eher
mühselig hinausgezögert wird.
Von dem immensen Drive, den "Old Boy", trotz seiner - vom
Schreiber dieser Zeilen ja auch bereits dargelegten - Schwächen,
zweifellos aufweist, ist bei "JSA" wenig zu bemerken. Der Film
plätschert vor sich hin und erinnert nicht nur wegen des
Kunstgriffs, die Geschichte durch Flashbacks innerhalb einer
"Ermittlung" aufzudröseln, ein wenig an eine asiatische Ausgabe von
"J.A.G." (eine Serie, die ich aus unerfindlichen Gründen ganz gerne
sehe). Action gibt's relativ selten (zumal die action-intensivsten
Momente streng genommen immer wieder das gleiche Geschehnis, immer
wieder in anderer Flashback-Form, abbilden), wenn, dann routiniert
inszeniert (inklusive einiger recht knackiger Kopfschüsse), Park
interessiert sich in "JSA" weniger für die oberflächliche
Gewaltdarstellung als für die dramatischen Momente (Park selbst
bezeichnet den Film auch als "kommerzieller" als seine anderen
Projekte. Er hatte insofern recht, als "JSA" schnell zum
erfolgreichsten koreanischen Film aller Zeiten avancierte).
Natürlich kann ein asiatischer Regisseur gar nicht anders, als
seinem Werk einen nicht zu verachtenden visuellen Style zu
verpassen. Park geht im Vergleich zum eher dreckig-erdfarbenen "Old
Boy" bei "JSA" den Weg eines düster-kalten Nachtlooks, bemüht
durchaus wieder (bzw. bereits) einige Kamera-Gimmicks, ohne die
positive Experimentierfreudigkeit von "Old Boy" zu erreichen - es
sieht alles sehr schön, sehr glatt aus, schafft aber wenig
memorabel-einprägsame Szenen. Der Look von "JSA" wirkt irgendwie
austauschbar.
Schauspielerisch kann vor allem Kang-ho Song ("Shiri", "Sympathy
for Mr. Vengeance") als nordkoreanische Unteroffizier überzeugen,
Byung-hun Lee als Su-Hyuk ist mir etwas zu, hm, wie soll man sagen,
hölzern, Ha-kyun Shin ("Save the Green Planet") kann sich kaum
auszeichnen und Yeung-Ae Lee erscheint mir als vermeintlich
schweizerische Ermittlungsbeamtin fehlbesetzt. Und auch zwei
deutsche Schauspieler haben sich in dieses Werk verirrt: Herbert
Ulrich ("Gute Zeiten schlechte Zeiten", "Verbotene Liebe") mimt den
schwedischen Sidekick der Ermittlerin und Christoph Hofrichter
(diverse "Tatorts", "Der Hammermörder") agiert als Schweizer
General.
Bildqualität: Relativ früh findet sich dieses Sunfilm-Release in
den einschlägigen Grabbelkisten wieder. Insofern nicht ganz
verwunderlich, als die Scheibe den Standard späterer
Veröffentlichungen dieses Publishers nicht ganz erreicht. Zwar wird
(im Gegensatz zur mit "1.85:1" annoncierten Cover-Angabe) ein
anamorpher 2.35:1-Transfer geliefert, der jedoch nicht zu
überzeugen vermag. Er wirkt insgesamt etwas matschig, verwaschen
und unscharf, was besonders angesichts des kalten "neo-noir"-Looks
des Films stört. Auch die Kompression könnte deutlich besser
ausfallen, wobei gröbere Nachzieher zwar vermieden werden,
aufzoomen aber nicht wirklich Freude bringt.
Ergänzung: das Bildformat ist in der Tat etwas strange - mein
16:9-Power-DVD-Modus liefert den Film auf 1.85:1 mit schwarzen
Balken (womit 2.35:1 wieder, rein optisch, hinhaut, dafür aber
alles etwas gequetscht aussieht). Hm. Mysteriös.
Tonqualität: Wie üblich spart man bei Sunfilm nicht an der Menge
der Tonspuren - neben der koreanischen O-Ton-Spur in Dolby Surround
2.0 gibt's die deutsche Synchro in Dolby Digital 2.0, 5.1 und dts.
Leider sind die deutschen Tonspuren sehr leise ausgefallen - der
Mix von Soundeffekten und Musik kann nicht überzeugen, das ist
eindeutig zu drucklos (zumindest, was die Dolby-Spuren angeht, mein
aktueller Player unterstützt kein dts). Die koreanische Spur hat
mehr Power zu bieten, ohne zu einem wirklichen Belastungstest für
die Anlage zu werden (da auch nur in 2.0). Deutsche Untertitel
werden mitgeliefert.
Extras: Etwas komisch, was man an Bonusmaterial auf die Scheibe
gepackt hat. Das Interview mit Regisseur Park ist zwar interessant,
aber offensichtlich nicht vollständig (da Äußerungen Parks aus
vermeintlich ebenjenem Interview angesprochen werden, die wir aber
nicht sehen bzw. hören durften), unter "Musikclip" findet man eine
Art Musikvideo, bei dem ein im Film angespielter koreanischer
Schlager mit Filmausschnitten unterlegt wird, das annoncierte "Rage
against the Machine"-Musikvideo ist in Wirklichkeit nichts anderes
als ein mit dem entsprechenden Track der Crossover-Metaller
unterlegtes Behind-the-Scenes-Segment. Dazu gibt's den
Originaltrailer sowie eine Sunfilm-Trailershow.
Fazit: "JSA" ist summa summarum kein wirklich beeindruckender
Film. Optisch macht der Streifen durchaus was her, aber seine
Geschichte ist, trotz aller wohlgemeinter politischer und
humanistischer Message, deren Gültigkeit außer Frage steht, einfach
weder tragfähig genug für einen wirklich abendfüllenden Spielfilm
noch wirklich ergiebig für die verwinkelten Erzählstrukturen, die
Regisseur Park liebt. So versinkt der Film trotz guter Ansätze
insgesamt in Geschwätzig- und Mittelmäßigkeit. Nicht falsch
verstehen: man muss sich nicht grämen, wenn man zwei Stunden seines
Lebens diesem Film widmet, aber man muss sich auch darüber im
klaren sein, dass man sich diese Zeit auch wesentlich angeregter
hätte vertreiben können - den zentralen Plot etwas stärker
ausgearbeitet, dafür auf unnötigen Tinnef wie die Rahmenhandlung
verzichtet und insgesamt das Prozedere etwas gestrafft, hätte "JSA"
ein zupackendes Action-Drama werden können, aber in seiner
vorliegenden Form ist der Streifen einfach zu langatmig, zu
gedehnt. Die DVD von Sunfilm kann in Punkto Bild und
Zusatzausstattung nicht voll überzeugen, beim Preisverfall in die
Grabbeltisch-Regionen allerdings kann man nicht meckern.
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