Jacque Ruffner - The Third Society

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DIE FREUDEN DES UNABHÄNGIGEN FILMEMACHENS - J.A. STEEL ÜBER "THE THIRD SOCIETY"

The Third Society


Ihr erinnert Euch vielleicht noch an mein Review zu The Third Society, diesem mehr als offensichtlich absolut independent geschossenen Low-Budget-Action-Streifen, den mir Regisseurin/Produzentin JA Steel hatte per Screener-Kopie zukommen lassen. Da's nicht alle Tage vorkommt, daß ich Screener erhalte (wenn ich mir das Leid meiner Kollegen Shumate oder Borntreger so ansehe, weiß ich nicht, ob ich deswegen neidisch oder dankbar sein soll), dachte ich, bei einem Review laß' ich es nicht bewenden...
Jacque "JA Steel" Ruffner war denn auch gerne bereit, sich durch einen schier endlosen Fragenkatalog meinerseits zu arbeiten und das nachfolgende Resultat mag manchen überraschen. Keine Selbstbeweihräucherung eines Egomaniacs, was man bei der Kombination Hauptrolle/Regie/Produktion/Drehbuch/Schnitt in Personalunion meinen möchte, sondern offene, ehrliche und selbstkritische Worte, die uns klarmachen sollten, daß es heutzutage gar nicht mehr so leicht ist, B-Filme zu machen - wir sollten unsere B-Film-Regisseure-/-autoren-/-helden pfleglich behandeln, sonst haben wir irgendwann mal nix mehr zu kucken. Auf jeden Fall, so finde ich, ein eindrucksvolles Dokument, daß uns die Schwierigkeiten des B-Filmemachens in Hollywood wunderbar erläutert... Viel Spaß!

Zunächst einmal – wenn man eine Website namens badmovies.de betreibt, ist man nicht unbedingt auf der Suche nach Oscar-Material. Die grundsätzliche Frage, die ich mir nach Betrachten eines Films stelle ist: „Fühle ich mich gut unterhalten?“ Bei "The Third Society" fühlte ich mich ganz sicher gut unterhalten. Es ist ein B-Film und hat einiges an Schwächen, aber einer, der immer unterhält. Darum bin ich froh, daß Regisseurin/Produzentin/Hauptdarstellerin J.A. Steel alias Jacquelyne Ruffner gerne bereit war, einige Fragen zu beantworten.


badmovies.de: Im begleitenden Pressematerial erwähnst Du die vielfältigen, Schwierigkeiten, die Dir begegneten, während Du versuchtest, das Script zu realisieren. Du sagst, daß Du das Script mehrfach umgeschrieben hast, um Produzenten entgegenzukommen, komplette Charaktere eliminiert und andere stark verändert hast, nur, um das Script neuerlich abgelehnt zu bekommen. Ich kann mir vorstellen, daß das eine sehr frustrierende Situation ist. Wie würdest Du Deine Gefühle während dieses „Kampfes“ beschreiben und hat Dich das persönlich getroffen?

Jacquelyn Ruffner: Hmmm… darüber muß ich etwas nachdenken. Bis jetzt hat mich das noch niemand in einem Interview gefragt. Ich wollte schon die Standard-Antwort geben, aber dann hab ich die Frage nochmals gelesen. Es ist sehr schwierig zu beschreiben, wie ich mich während dieses „Kampfes“ gefühlt habe. Wütend. Verwirrt. Wenn Du der Autor bist, ist es sehr schwierig, von dem Projekt Abstand zu gewinnen und festzustellen, daß es allen ziemlich egal ist – wichtig ist nur, daß der Film cooles Artwork hat, 85 bis 90 Minuten lang ist und ein paar „Namen“ mit Wiedererkennungswert hat.
Der größte “Kampf” war aber nicht mit irgendeinem Dritten – der kam tatsächlich, nachdem wir mit den Dreharbeiten fertig waren. Den größten Streit hatte ich mit mir selbst – als Autor dachte ich, das ganze Projekt sollte auf den Schrotthaufen – es war NICHT IM GERINGSTEN wie etwas, das ich geschrieben hatte oder JEMALS auch nur beabsichtigt hatte, was "The Third Society" sein sollte. Als Autor machte es mich krank, was tatsächlich gefilmt wurde – es war schrecklich. Wir schnitten den Stand-off am Flughafen und mein Cutter, Andy, lachte hysterisch – er sagte, es war der überflüssigste „Käse“, den er seit langem gesehen hätte. Er rief ungefähr fünf andere Cutter an und alle lachten die Sequenz aus – weil sie so „cheesy“ war... Ich atmete tief durch und kämpfte mich durch die Session, so gut ich konnte. Am nächsten Morgen rief ich meine Mutter an, buchstäblich weinend und unter Tränen, daß mein Projekt „ruiniert“ sei. Ausgelacht zu werden tat weh – aber noch schlimmer war, daß ich nichts tun konnte, um die ganzen Probleme zu beheben, die "The Third Society" „cheesy“ machten. Meine Mutter wies mich darauf hin, daß Leute unterhalten wurden – und das war letztendlich das Ziel, das ich erreichen wollte und ich hatte es erreicht. Menschen hörten mit ihrer Arbeit auf, setzten sich hin, um von meinem Filmemachen unterhalten zu werden – sie vergaßen ihre Probleme für eine Weile und für eine kurze Zeit machten sie sich keine Gedanken über IHRE Probleme, sondern waren auf meine fixiert. Ich, ICH, JACQUE, JA, fühlte mich deswegen als Autor nicht wesentlich besser, aber der Produzenten-Teil in mir war glücklich, also gingen wir auf „camp“, so viel wir nur konnten. Die „Autorin JA“ bekommt förmlich Krämpfe, wenn sie den Film ansieht, und „Produzentin JA“ schwelgt im Unterhaltungswert. Ich mußte meine Gefühle bezüglich des Films aufteilen in das, was er sein sollte und das, was er tatsächlich ist.


badmovies.de: Schlußendlich hast Du dich entschieden, den Film selbst zu realisieren. Meine Standardfrage (na ja, ich frage sie zum zweiten Mal ;-)): Wie hoch war das Budget und wo und wie lange wurde gedreht?

JR: Das Budget betrug 250.000 Dollar. Wir drehten 9 Tage lang in Los Angeles, Ventura und Queensland, Australien. Ich drehte nur einen Tag in Australien – 17 Minuten Roh-Footage insgesamt, 14 davon landeten schlussendlich im Film.


badmovies.de: Ich muß zugeben, daß ich irgendwann während des Films aufgab, der Story zu folgen und mich auf einzelne Szenen oder Sequenzen konzentrierte.

JR: Das ist ungefähr, was wir auch tun mußten. Wir konnten ungefähr – na ja – viel... nicht drehen. Leute, die ich anheuerte, machten beispielsweise ihre Jobs nicht. Bei höherem Budget kann Inkompetenz durch Geld ausgeglichen werden. Bei einem niedrigeren Budget – über was Leute in ihren Lebensläufen gelogen haben, wird ziemlich schnell deutlich – unglücklicherweise kann man sich bei einem so dicht gedrängten Drehplan nicht den Luxus erlauben, solche Fehler zu machen. Nur 30 Seiten des ursprünglichen Third Society-Drehbuchs landeten im Film – von ursprünglich 90!
Ich kann mehr Dinge aufzählen, die vermurkst wurden als Dinge, die richtig liefen. Allerdings hat mein Kern-Team großartig, hervorragend unter dem Druck funktioniert. Aber manchmal sind es die kleinen Sachen, die einen auf die Nase fallen lassen.


badmovies.de: Hattet Ihr Budget- und/oder Zeitprobleme, die es notwendig machten, erst mal die Actionszenen zu drehen und das Erklären der Story hintanzustellen?

JR: Letztendlich liegt alles im Budget begründet. Man kann immer mehr Zeit KAUFEN, wenn man das Geld hat. Ich wurde um ungefähr 100.000 Dollar des Budgets BESCHISSEN (ich drücke das höflich aus). Ich wurde von jemandem angelogen, der NIE beabsichtigte, mir Geld zu geben – obwohl wir einen schriftlichen Vertrag und überprüfte Finanzierung hatten – alles, was man haben sollte, BEVOR man eine Produktion beginnt. Aber es ist schon ziemlich hart, wenn man zur Bank geht und das Geld ist, na ja – weg. Es ist schwer, wenn man mitten auf einem Flugplatz steht, mit all den Kameras und der Beleuchtung und den Jets usw. und 75 % des Films sind fertig, seiner Crew zu sagen: „Geht nach Hause. Der und der hat uns angelogen. Wir waren gerade auf der Bank – er hat alles Geld genommen. Ihr werdet nicht bezahlt. Geht nach Hause.“ Nein. Als Produzent mußt Du mit allem zurechtkommen – den Film fertig machen, Dich um Deine Leute kümmern und die Rechnungen bezahlen. Das heißt, um Deine anderen Investoren auszahlen zu können, brauchst Du einen Film. Einen Film, der 85 Minuten lang ist.


badmovies.de: War das Ende von Anfang an so geplant oder hatte das Original-Drehbuch ein spektakuläreres Finale? (Das Ende ist nicht unbedingt mein persönlicher Lieblingsteil des Films...)

JR: Nun, wir sind schon ziemlich glücklich damit, das wir überhaupt ein Ende haben. Wir hatten nicht wirklich ein Ende, als wir mit den Dreharbeiten aufhörten. Die Totenscheine, Standfotos und Computer-Inserts kamen vier Monate nachdem Ende der Dreharbeiten – der 9. Tag war bei „Titlehouse“ mit Standfotos, Totenscheinen und Computer-Bildschirmen...
Die Standfotos ersetzen ungefähr 20 Seiten Hintergrundstory, warum Jones immer die Munition ausgeht und baut die Beziehung zwischen ihr und Dragon etwas weiter aus. Außerdem gibt es eine ganze Szene mit der kleinen Jones, der kleinen Erica und ihren Eltern, die ermordet werden – was Jones' Rache motiviert und ihr Bedürfnis, Erica zu schützen.
Das ursprüngliche Ende war ein Showdown an den Docks zwischen Jones und Dragon – es gab eine „chicken“-Szene mit der Limousine und dem Motorrad. Das Motorrad landet auf dem Dach der Limousine. Jones zerrt Dragon aus der fahrenden Limousine und sie haben einen wirklich DRECKIGEN Hand-to-Hand-Kampf. Natürlich gewinnt Jones. Und natürlich müssen sie mit bloßen Händen kämpfen, weil beiden die Munition ausgeht.
Im Original-Drehbuch gab es ein durchgängiges Thema über „ausgehende Munition“. Im Original-Drehbuch hält Dragon der kleinen Jones die Pistole an den Kopf und drückt ab – aber er hat keine Patronen mehr, weil er gerade ihre Mutter und ihren Vater getötet hat. Also wird Jones durch eine leere Pistole gerettet. Diese Sequenz – die wir nie drehten – fungiert als Setup für die „Kugelausweich“-Sequenz am Flugplatz und die Zeile „Man sagt, es ist die, die du nicht siehst, die dich tötet.“ Jones sollte ursprünglich nicht so vielen Kugeln ausweichen – nur einer, aber wir nahmen schließlich alle Takes für den „cheese-Faktor“. Wenn jemand einer Kugel ausweicht, ist es intensiv – aber so oft, wie wir es taten, ist es, na ja, „cheesy und fun“, aber die Szene verliert alle Ernsthaftigkeit.


badmovies.de: In diesem Zusammenhang – zwang Dich das niedrige Budget dazu, einige Actionszenen etwas „kleiner“ zu machen? Einige vielversprechende Szenen sind recht kurz, z.B. die kurze Szene, als Jones und Lee Big Joe festnehmen und von Dragons Leuten überfallen werden.

JR: Diese Szene sollte SOOOOO lang und so cool sein. Aber uns ging das Licht aus und wir mußten zurück aufs Boot, um dort zu drehen. Also, zieht Jones à la „Indiana Jones“ ihre Pistole und erschießt alle. Die Szene in der Bar sollte ursprünglich auch länger werden.


badmovies.de: Wo wir bei der “Big Joe”-Szene sind… sie wirkt ein wenig fehl am Platz, da der Big-Joe-Charakter nie wieder auftaucht und es nicht ganz klar wird, was Jones und Lee eigentlich von ihm wollen (übrigens, ich war wirklich amüsiert, wie diese Szene ausgeht – ich dachte gerade “Warum läuft er (Big Joe) nicht einfach weg?”, und da kickt sein eigener Gedankengang in ähnlicher Richtung ein. Netter Trick J). Sollte der Big-Joe-Charakter ursprünglich eine größere Rolle spielen?

JR: Ahhh, die Freuden des unabhängigen Filmemachens… der URSPRÜNGLICHE “Big Joe” war ein kleiner, glatzköpfiger schwarzer Typ – er bekam zwei Wochen vor Beginn der Dreharbeiten eine Lebensmittelvergiftung und mußte absagen. Er war wirklich krank – also besetzten wir einen anderen Schauspieler. 9 Stunden, bevor wir die Bar-Szene drehten, ungefähr um Mitternacht (wir drehten um 9 Uhr früh), sagte man mir, daß der zweite Schauspieler sich auch eine Lebensmittelvergiftung eingefangen hätte... aber Fred (mein Executive Producer) rief einen Kumpel an, mit dem wir beide schon gearbeitet hatten, Robert Hughes, und den Text hatte man ihm schon gefaxt. Big Joes Rolle sollte viel größer sein... aber wieder einmal, Zeitprobleme. Ich bezahlte alle meine Leute und hatte bereits für die Ausrüstung und die Locations gezahlt.
Freut mich, daß Dir das Ende dieser Szene gefällt. Wir entschieden uns wieder mal dafür, den „camp-Faktor“ hochzuspielen. Ich denke oft darüber nach, was passiert wäre, wenn wir absichtlich daran gegangen wären, einen „campy“, lustigen, komödiantischen Actionfilm zu machen...


badmovies.de: Es kommt mir so vor, als würden einige Dialoge die Möglichkeit von Sequels andeuten, rund um Jones und Erica als eine Art Elite Verbrechensbekämpfer-Team, was, denke ich, ein ganz interessantes Setup wäre. Gibt es Pläne, den Charakter „Jones“ für weitere Abenteuer wiederzubeleben?

JR: Wir haben Pläne für “Jones 2”. Ich habe wieder einige Twists und Turns eingebaut – aber es hängt alles vom Budget ab. Und ich werde das nicht machen, bis ich das ganze Geld auf Bankkonten habe, die mein Team direkt kontrolliert – zu 100 %.


badmovies.de: Wenn man Deinen persönlichen Hintergrund (wie ich ihn aus dem Pressematerial kenne) in Betracht zieht, bin ich ein wenig überrascht, daß der Film mehr Gunplay-Action als Muay Thai beinhaltet. Ich hätte ein wenig mehr Martial Arts erwartet (die Kampfszene von Jones und Chan ist einer meine Lieblingsszenen im Film) – die beiden ausgezeichnet gefilmten Trainings-Szenen (die eine im australischen Wald und die am Strand) scheinen nahe legen zu wollen, daß Jones mehr Hand-to-hand-Fighter als Revolverheld ist. Wie kam es dazu, daß die tatsächliche Story mehr Shoot-outs beinhaltet?

JR: Zeitbeschränkungen. Das URSPRÜNGLICHE URSPRÜNGLICHE URSPRÜNGLICHE "Third Society"-Script hat meiner Meinung nach wahrscheinlich eine der am besten geschriebenen Kampfszenen ALLLER ZEITEN. Die stammt noch aus der Zeit, als Jones noch der Charakter „Ramirez“ und die Freundin des Haupt-Charakters war. Nur aufgrund der Art, wie diese Kampfszene geschrieben wurde, gibt es jetzt eine Jones.
Ich habe auch ein bißchen zu viel Kontrolle hinsichtlich der Kampfchoreographie abgegeben. SAG (die Schauspielergewerkschaft) verlangt gewisse Beschränkungen hinsichtlich Choreographie – ist ja egal, ob die entsprechende Person WIRKLICH qualifiziert ist... Laß es mich so ausdrücken – jetzt habe ich Credits als Kampf- und Stunt-Koordinator bei einem SAG-Film – also muß ich mir zukünftig keine Gedanken mehr darum machen, jemand anders zu engagieren, um eine Gewerkschafts-Regel zu erfüllen.
Freut mich, daß Dir diese speziellen Szenen gefallen. Sie gehören auch zu meinen Lieblingsszenen. Nur damit Du es weißt – ab jetzt werden wir ohne Gewerkschaft drehen und ich werde die Choreographie für alle Filme, bei denen ich zukünftig Regie führe, selbst übernehmen.


badmovies.de: Kommen wir wieder zurück auf die Produktion des Films an sich. Wie kam die Besetzung zustande, was kann man über Deine Co-Stars sagen (mir gefiel speziell Shannon Clay als Erica) und wann kam es zur Deiner Entscheidung, ohne Credits die Hauptrolle zu spielen?

JR: Shannon rief mich tatsächlich einfach so aus heiterem Himmel an – sie hatte den Eintrag im Production Listing des Hollywood Reporter gesehen – ohne Agenten oder so was – und schickte mir ihren Headshot. Sie war meine erste und einzige Wahl für die Rolle. Charles Shen „Chan“ wurde von seinem Freund Thorsten Nickel, der in einem Jackie-Chan-Film war ("Thunderbolt", Anm. der Red.). Sonya Eddy und Russell Vann Brown waren JC Budzinskis Ideen. Wir setzten eine Anzeige in die Zeitungen und sie sprachen vor. JC mußte mich überzeugen. Manchmal muß man auf die Kenntnisse anderer Leute zurückgreifen – darum ist auch Dein Kern-Team so wichtig. JC nimmt sich Zeit und achtet bei Vorsprechterminen jeweils auf den zu besetzenden Charakter – und schaut nicht nur auf die Lebensläufe.
Ich spiele ohne Credits weil ich nichts von all dem gemacht habe, um ein “Star” zu werden. Ich halte mich selbst nicht für eine „Schauspielerin.“ Ich habe ein wenig geschauspielert, als ich klein war, in Schulauffährungen, Dramas, aber ich wollte immer „hinter den Kulissen“ sein. Es ist schon komisch, wenn man jetzt als „Schauspielerin“ angesprochen wird, um bei Filmen mitzumachen.


badmovies.de: Du hast nicht nur die Hauptrolle gespielt und Regie geführt, sondern auch das Drehbuch geschrieben, produziert und geschnitten. Was sind Deine grundsätzlichen Erfahrungen über Low-Budget-Filmemachen unter diesem Druck und was macht am meisten Spaß?

JR: Ich wollte nie diese ganzen „Hüte“ tragen, als ich mit dem Film anfing. Ich sollte nur Autor und Produzentin sein. Es war eine ganze Serie von schlimmen Ereignissen, die die ganzen anderen Titel verursachten (und einige inkompetente Individuen unterwegs) – mit Ausnahme des Grip-Truck-Drivers. Um den Posten hab ich mich gerissen.
Druck. Ich lebe für den Druck. Selbstauferlegter Druck ist der beste. Niedriges Budget – da muß man tatsächlich über Filmemachen Bescheid wissen – man kann nichts vortäuschen. Schlechte Regisseure können durch einen guten Kameramann übertüncht werden. Ein schlechter Kameramann kann durch guten Gaffer und Grip übertüncht werden. Aber – man braucht das Geld, um die ganzen Fehler zu korrigieren – niedriges Budget erlaubt Dir diese Möglichkeit nicht. ALLE deine Leute müssen ihre Jobs von Anfang an wissen. Und schlechte Regisseure – tja, wenn sie genug Material filmen – deren Hintern werden von den Cuttern gerettet. Ich mußte cutten, weil ich nicht das Budget hatte, um ausreichend Material zu filmen. Wir mußten storyboarden – das hieß, daß ich den ganzen Film im Kopf haben mußte. Editor JA rettete den Hintern von Regisseurin JA und Autorin JA haßt sie beide...
Am meisten Spaß macht es, mit Leuten zu reden, nachdem sie den Film gesehen haben. Für mich hat es Unterhaltungswert, wenn jeder herumkritisiert oder mir sagt, was sie alles völlig anders gemacht hätten. Zuerst ging mir das auf die Nerven, immerhin ist es MEIN Film. Dann war es mehr, hey, es ist cool, daß sie IHRE eigenen Meinungen haben. Es brachte sie zum Nachdenken und sie reden immer noch darüber. Sie reagierten – gut oder schlecht, aber Gedanken, die durch "Third Society" angeregt wurden. Wenn sie besonders auf einer bestimmten Szene herumreiten und wir bestimmte Probleme hatten, ist es lustig, über die Herausforderungen zu reden, die ich hatte, die dann dazu führten, daß die Szenen letztendlich so wurden – und dann zu fragen, wie sie es gemacht hätten. Da bekomme ich sehr interessante Antworten.


badmovies.de: Gibt es eine spezielle Aufgabe, die Du – aus heutiger Sicht – lieber nicht übernommen hättest?

JR: Verkaufen. Ich komme gerade vom MIFED-Film-Markt in Mailand zurück. Wir hatten einen Verkäufer, der nicht sehr enthusiastisch war – also mußte ich den Verkauf übernehmen. Es war mein neunter Markt in zwölf Jahren. Ich gehe eigentlich lieber nicht zu solchen Veranstaltungen, das legt sich auf meine Kreativität. Fred wird das übernehmen, aber obwohl er schon Verkaufserfahrungen hat, hat er noch nie Filme verkauft und es braucht seine Zeit, das zu lernen. Es ist das allerletzte Teilchen, bevor wir mit dem Film vollständig fertig sind und das letzte, was passieren muß, bevor wir zum nächsten weitergehen.


badmovies.de: Ich persönlich fand den Schnitt ein wenig verwirrend, speziell im ersten Drittel, das die Konfrontation zwischen Jones und Dragon aufbaut, einschließlich der ersten größeren Action-Set-Pieces. Mir kam's ein wenig so vor wie eine „Was bisher geschah“-Montage eines Zweiteilers.

JR: Ja, tja, manchmal… manchmal muß man einfach mit dem leben, was man gedreht hat – selbst wenn das nicht das war, was gedreht werden sollte. Manchmal ist das einfach alles, was Du hast... da kann man nichts machen... manchmal ist es nicht der Schnitt, es ist die Regie und... tja... was soll ich sagen... ich bin da ganz Deiner Meinung...


badmovies.de: Auf einer anderen Website gibst Du recht freimütig zu, daß Du mit einigen Szenen absolut unzufrieden bist. Darf man fragen, mit welchen? (Mir, beispielsweise, zog's die Schuhe während des Flugplatz-Shoot-Outs aus, wo sich Makai Hyun, bzw. ihr Charakter, zumindest für mich, schon beleidigend blöde verhält.)

JR: Siehe vorige Antwort auf Deine Frage – das vermeidet die Frage und beantwortet sie nicht wirklich…
Der Hubschrauber und der braune Grund und der endlose Hubschrauberflug. Das war etwas, das wir mit der Voiceover-Erzählung abdecken mußten. Wir hatten bei der Szene, die erklären sollte, was schließlich die Voiceover-Erzählung tat, komplett unsere Beleuchtung verloren. Wenn Du es Dir noch mal ansiehst – man kann tatsächlich sehen, wie die Aufnahmen immer dunkler werden, während der Jones-, McGregor- und Michael-Szene mit dem Motorrad. Wir beleuchteten die Szene mit der 12000er, aber es funktionierte einfach nicht und sah noch schlimmer aus als der braune Grund.
Die Sachen, die gedreht wurden, um „cool auszusehen“, aber nichts mit der Story zu tun haben, gehen mir auch gegen den Strich. Filme sollten so gedreht werden, daß die Handlung vorangetrieben wird und man die Charaktere besser versteht. Wir bauten z.B. die Aufnahme mit dem Stock-Wirbeln ein, weil es uns erlaubte, acht Sekunden von dem brauner Grund/Hubschrauber-Zeug zu schneiden. Eigentlich sollte die Aufnahme zu anderen Trainings-Aufnahmen, die nicht gefilmt wurden, überleiten – aber wir nahmen sie einfach trotzdem. Bei einigen Aufnahmen – keine Ahnung – verließ ich mich darauf, daß andere Leute ihren Job machen würden. Aber, ich komme darauf zurück – das ist Low Budget und manchmal hat man einfach nicht das Geld, um anderer Leute Fehler zu reparieren.


badmovies.de: Mit mehr Zeit und mehr Geld – was wäre das erste, was Du anders machen würdest?

JR: Nichts. Allerdings würde ich gern, in 15 Jahren und mit ein paar Filmen mehr auf dem Kerbholz, noch mal anfangen und "Third Society" so machen, wie ich es eigentlich vor hatte. Mit einer anderen Schauspielerin als Jones. Das ist es schon.
Ich trat an, um mich an einem sehr ambitionierten Projekt zu versuchen. Ich habe meine Grenzen geprüft. Ich weiß jetzt, wo ich zerbreche. Alle sagen, ich hätte „kleiner“ anfangen sollen, digital drehen, einen Kurzfilm machen, usw. Nix. Man weiß es nie, bis man es getan hat. Ich weiß jetzt, was möglich und unmöglich ist.
Jetzt ist es an der Zeit, nach vorn zu schauen – ich hoffe, daß ich meine filmemacherischen Fähigkeiten bei meinem nächsten Projekt verbessern kann und das, was ich gelernt habe, nutzen kann.


badmovies.de: Mir gefielen die Rocksongs des Soundtracks. Die Credits deuten an, daß ein Soundtrackalbum erhältlich ist. Wo könnte man ein Exemplar davon auftreiben?

JR: Wir sind noch in der Mastering-Phase. Wir werden noch ein paar Bonustracks von Emilys anderem Album, das sie vor ein paar Jahren gemacht hat, dazutun. Wir haben auch schon mit Vertreibern in Deutschland gesprochen – als Import wird das Album auf jeden Fall zu haben sein.


badmovies.de: Und, bitte um Vergebung, ich muß es fragen – ich hab den Titel nicht verstanden. Wofür steht „The Third Society“ eigentlich?

JR: Der ursprüngliche Titel war ein chinesischer Titel, den man in Asien nicht hätte verwenden können, weil es eine Anspielung auf die Heroin-Triaden dort gewesen wäre. Third Society - Triaden. Triaden stehen grundsätzlich über dem Gesetz. Es gibt einige subtile „Dreier“-Referenzen im Film.


badmovies.de: “The Third Society” wird von Astro hier in Deutschland veröffentlich werden. Wie kam es zu dem Deal?

JR: Ich traf einen Bekannten von Oliver im Fahrstuhl des Hotels, in dem ich während MIFED 2000 eingecheckt war. Alles mit diesem Film passierte irgendwie so – unerwartet. Zufällig Leute treffen, aber jede Gelegenheit ausnutzen, um schamlos den Film zu promoten.


badmovies.de: Mal etwas weg vom speziellen Film würde ich gern diese ziemlich rare Gelegenheit nutzen, um einer Frau in der Low-Budget-Filmszene (und Low-Budget-Actionfilmszene) eine Frage zu stellen... Es scheint einen dramatischen Mangeln an Frauen in der Welt des Low-Budget- oder B-Filmemachens zu geben, ganz besonders im Actionbereich (es gibt ein paar Horror-Regisseurinnen). Aus Deiner Sicht, was ist der Grund dafür, daß es so wenig Frauen im B-Action-Film-Bereich gibt? Ist das nur eine Produzenten-Sache?

JR: Tja, Action ist im Ausland schwer zu verkaufen. Horror ist viel leichter zu verkaufen. Das hat nicht so viel mit dem Geschlecht als mit dem Genre zu tun.
Ich kann das nicht wirklich beantworten. Ich weiß, daß es nicht viele Produzentinnen gibt.


badmovies.de: In letzter Zeit, zumindest, was meine Perspektive angeht, scheint es auch sehr wenige weibliche Action-Stars zu geben (wenn man von Hongkong-Imports absieht); was mich schon ein wenig überrascht, denn ich weiß ziemlich sicher, daß ich nicht der einzige bin, der gerne einer ass-kickin'-lady bei der Arbeit zusieht... Aber abgesehen von Cynthia Rothrock (und die nahm auch den Hongkong-Umweg) wäre ich jetzt ziemlich aufgeschmissen, wenn ich einige nicht-asiatische weibliche Actionstars aufzählen müsste, wenn man die A-Stars, die hin und wieder einen Big-Budget-Actionfilm drehen, nicht mitzählt. Siehst Du da Besserung? Oder es ist einfach nahezu unmöglich, heutzutage eine Frau als Action-Star zu besetzen?

JR: Ich sehe da nicht wirklich Besserung. Ich glaube, daß wir mehr Frauen hinter den Kulissen brauchen, in Positionen mit der Macht, etwas zu bewegen – wenn man einmal einen gut geschriebenen weiblichen Charakter hat, hat man kein Problem jemanden zu finden, der die Rolle ausfüllen kann. „Alias“ ist ein gutes Beispiel. Jennifer Garner macht da einen guten Job – aber sie kann nur so gut sein, wie der Charakter geschrieben ist. Ihr Character in „Alias“ ist gut geschrieben und gut gespielt. Ich bin sehr interessiert, sie in „Daredevil“ zu sehen, aber ich fürchte, der Charakter wird flach sein und somit ihr Spiel als „flach“ beurteilt werden.


badmovies.de: Zum Ende dieses elendiglich langen Fragebogens noch ein paar Standardfragen. Welche Filme beeinflussen Deine Arbeit? Welche Regisseure und Stars sind Deine Vorbilder?

JR: Welche Filme? Alles von Hitchcock. Alles, wo Clint Eastwood Regie führt.
Stars? Sigourney Weaver und Linda Hamilton. Ich habe nicht wirklich Regisseure als Vorbilder, ich orientiere mich an den Produzenten. Da Joel Silver und Jerry Bruckheimer. Okay, vielleicht ein Regisseur – Clint Eastwood.


badmovies.de: Und was wären Deine Lieblingsfilme und welche Filme kannst Du überhaupt nicht ausstehen, genreunabhängig?

JR: Welche Filme? Hmmmm…. "Top Gun". "Highlander". "Die Hard". Das sind meine drei Lieblingsfilme in Reihenfolge, was großes Budget angeht. Nemesis, "Project Shadowchaser" und alles von Cannon Films aus den guten alten Tagen. Heutzutage weiß keiner mehr, wie man einen guten B-Film macht...
Die schlimmsten Filme? Hmmm... "Tin Men" glaub ich hieß der eine, der einzige, bei dem ich je vorzeitig gegangen bin, hat mich zu Tode gelangweilt. Und natürlich alle Highlander-Filme nach dem ersten.


badmovies.de: Letzte Frage. Du bist derzeit in der Produktion Deines zweiten Films, "Vertex". Kannst Du uns etwas über den Film verraten und wann wird man ihn sehen können?

JR: "Vertex" haben wir erst mal auf Eis gelegt. Zu teuer und viel zu viel Vorbereitungszeit – die Kampfchoreographie dauert zu lange. Wir denken jetzt über etwas in der Action/Thriller/Horror-Richtung nach, "Night of the Hunter". Das sollte interessant sein und ein wenig (na ja, eigentlich eine ganze Menge) billiger sein als "Vertex".


badmovies.de: Gut, Du hast es überstanden – laß' mich das Interview mit einem tiefempfundenen “Viel Glück“ für Deine zukünftigen Projekte beenden – ich hoffe, daß auch Deine zukünftigen Arbeiten hier auftauchen werden und vielen Dank für Deine Zeit!

JR: Ich habe zu danken. Ich freue mich wirklich über die Fragen, es hat Spaß gemacht! Danke noch mal!