Karla
Aus Badmovies.de
USA 2005, 99 min, FSK noch unbekannt
Regie: Joel Bender
Darsteller: Laura Prepon (Karla Homolka), Misha Collins (Paul
Bernardo), Tess Harper (Molly Czehowicz), Leonard Kelly-Young (Dan
Czehowicz), Cherilyn Haynes (Tammie Homolka), Emilie Jacobs
(Debbie), Alex Boyd (Nick), Patrick Baucheau (Dr. Arndt)
Die junge Karla lernt Paul kennen und verfällt ihm, obwohl er ein
gewalttätiger Vergewaltiger ist, der auch hinsichtlich Karlas
jüngerer Schwester Tammie eindeutige Interessen zeigt. Bei einem
"Sexspiel", das Paul videografisch festhält, kommt Tammie ums
Leben. Karla und Paul gelingt es, die Sache wie einen Unfall
aussehen zu lassen. Obwohl Paul weiterhin seinem Hobby Verwaltigung
frönt und Karla reichlich Dresche bezieht, lässt sie sich auf die
Hochzeit ein. Auch die Ehe ändert Paul nicht - im Gegenteil, er
verfällt auf die Idee, junge Frauen zu entführen, um sie in den
heimischen vier Wänden zu foltern, zu vergewaltigen und zu töten.
Karla wird zu seiner Komplizin - doch wird sie es aus freien
Stücken oder nur durch Pauls Unterdrückung? Eine Frage, die
relevant wird, als sich das Netz der Ermittlungen zuzuziehen
beginnt...
Ein weiterer Beitrag aus der beliebten True-Crime-Ecke, uns ans
Herz gelegt von Joel Bender, Genrefreunden möglicherweise durch den
90er-B-Vampirschinken "Midnight Kiss" noch düster im Gedächtnis.
Mit "Karla" gelingt Bender ein psychologisch harter, packender
Thriller ohne technische Mätzchen, schnörkellos gefilmt und sich
darüber im klaren, dass es bei dem Thema gar nicht mal explizite
Darstellungen braucht (die schlimmsten Mißhandlungen und die Morde
finden im Off oder außerhalb des sichtbaren Bildausschnitts dar)-
es wirkt auch so...
Das Script ist weitgehend (bis auf einen noch zu würdigenden
Makel) schlüssig - natürlich möchte man der geschundenen Karla
beinahe permanent ins Ohr brüllen, dass sie den sadistischen Paul
ohne Rücksicht auf Verluste in den Wind schießen (oder ihm
wenigstens einen Schürhaken ins Ohr stecken o.ä.) soll; nun ist es
aber ein bekanntes psychologisches Phänomen, dass es genügend
Frauen gibt, die, bewusst oder unbewusst, genau eine solche,
masochistisch orientierte Beziehung haben wollen (und oft genug,
wenn sie es geschafft haben, sich von einem Sadisten zu lösen, in
den Armen des nächsten landen). Ein Film wie "Karla" kann die
psychologischen Zusammenhänge freilich nicht erklären, aber
dadurch, dass der Film uns konsequent aus Karlas Sicht geschildert
wird (in Form von Rückblenden während eines Gesprächs mit dem
Psychologen des Begnadigungsausschusses), erhalten wir zumindest
einen Einblick ins Innenleben einer solchen Frau. Der Haken ist
allerdings, dass das Script, das deutlich eine gewisse Sympathie
gegenüber Karla hegt und (SPOILER VORAUS) die These vertritt, sie
sei wirklih nur ein weiteres Opfer Pauls gewesen, sowohl den
Ermittlungserkenntnissen als auch den psychologischen Profilen, die
im Prozeß und später erstellt wurden, widerspricht - nach aktuellem
Kenntnisstand, der, wie üblich in solchen Fällen, umstritten ist,
war Homolka durchaus bewusst Komplizin und Mittäterin (die echte
Karla Homolka wurde nach Verbüßung einer zwölfjährigen Haftstrafe
2005 auf freien Fuß gesetzt). Sicherlich ist es verständlich, dass
ein Film, der sich auf Karlas Sichtweise kapriziert, eher ihre
Position vertritt, aber die Möglichkeit, dass es auch anders
gewesen sein kann (und dies eben auch die allgemein vertretene
Ansicht ist), kommt arg zu kurz.
Nicht zu kurz kommen allerdings die darstellerischen Leistungen
von Laura Prepon ("That 70's Show", erblondet und damit der echten
Karla erstaunlich ähnlich) und Misha Collins als Karla und Paul.
Sowohl Karlas extremer, unangenehmer Masochismus als auch Pauls
jähzorniger, gewalttätiger Sadismus werden hervorragend und
glaubhaft dargestellt. In einer Mini-Nebenrolle (nicht blinzeln,
sonst verpasst Ihr's) ist übrigens der neue Superman Brandon Routh
zu sehen.
Fazit: einer der emotional mitreißendsten True-Crime-Thriller der
letzten Jahre, packend, überzeugend gespielt, aufwühlend.
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