Kill Bill Vol. 2

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KILL BILL VOL. 2


USA 2003, ca. 140 min
Regie: Quentin Tarantino
Darsteller: Uma Thurman (Die Braut), David Carradine (Bill), Daryl Hannah (Elle Driver), Michael Madsen (Budd), Gordon Liu (Pei Mei), Chris Nelson (Tommy), Bo Svenson (Reverend), Michael Parks (Esteban), Sid Haig (Barkeeper), Samuel L. Jackson (Rufus)

MINOR SPOILER

Die Braut ist weiter auf ihrem Rachefeldzug gegen Bill und sein Team der Attentäter. Nachdem wir zu Beginn des Films näheres über das Massaker an der Hochzeitsgesellschaft erfahren, genauer gesagt, dessen Vorgeschichte, steht die Aufgabe an, Budd zu töten. Der allerdings ist in den letzten vier Jahren vom Profikiller zum pathethischen versoffenen Loser abgestiegen. Dennoch gelingt es ihm, dank einer Vorwarnung von Bill, der Braut eine tödliche Falle zu stellen. Während die Braut und wir uns noch überlegen, wie zum Geier sie dieser entkommen will, blenden wir einige Jahre zurück und beobachten ihre Ausbildung beim grausamen (und nebenbei tausendjährigen...) Kung-fu-Meister Pei Mei. Zurück in der Gegenwart versucht Budd mit Elle über den Verkauf eines gewissen Hattori-Hanzo-Schwerts ins Geschäft zu kommen, doch auch dies ist nur ein weiterer Zwischenschritt auf dem Weg zur finalen Konfrontation der Braut mit Bill - und wie wir seit dem Cliffhanger aus Vol. 1 wissen, hat Bill noch eine Geheimwaffe im Köcher - die Tochter der Braut...

Selten war das Warten auf einen Film länger und nervenzerfetzender - das Jahr Pause zwischen den Herr der Ringe-Teilen nahm mich irgendwie nicht halb so mit wie die sechs oder sieben Monate zwischen den Kill Bill-Teilen. Kein Wunder also, dass ich im ersten erreichbaren double feature hockte und nach der erneut genialen Achterbahnfahrt der Gewalt des ersten Teiles für Volume 2 mit hundertzehnprozentiger Aufmerksamkeit im Kinosessel angeschraubt war. Das Dumme ist nur - ich war zweieinhalb Stunden später doch gelinde enttäuscht.

Ja, Blasphemie, steinigt mich, aber es muss gesagt werden: Kill Bill Vol. 2 ist vermutlich der bislang schwächste Film der Tarantino-Karriere, und das ist um so bitterer, als er integral zu seinem bisher besten Film gehört. Das liegt nicht mal daran (wäre ja auch noch schöner, wnen wir der Proll-Fraktion DEN Gefallen zun würden), weil er wegen der FSK-16-Freigabe mit erheblich weniger plakativer und blutiger Gewalt auskommt als Vol. 1 (im Vergleich zum beinahe durchgängigen Gemetzel des ersten Parts muss Numero Due mit einer harten Szene auskommen), es liegt auch nicht am Drehbuch, dass die Story eigentlich recht konsequent weiterentwickelt, auch nicht an der Struktur des Films - an die nichtlineaere Erzählweise haben wir uns mittlerweile ja alle gewöhnt und Tarantino reiht die einzelnen Chapter (es sind wieder fünf) wiederum optimal aneinander - nein, es liegt einfach daran, dass Kill Bill Vol. 2 nie die Intensität, nie das Tempo, nie den Witz und nur selten die großartige Bildsprache des Vorgängers erreicht (gut, schränken wir ein: fast nie). Tarantino scheint sich - vielleicht etwas zu verkrampft - die Kritiken zu Herzen zu nehmen, die lästerten, dass Vol. 1 praktisch ohne seine Trademark-Dialoge auskam und übertreibt es für meinen Begriff jetzt im zweiten Teil mit Mono- und Dialogen, die aber, und das ist ein weiteres grosses "leider", mit seinen Dialogperlen aus Pulp Fiction und selbst Jackie Brown nicht mithalten können, den Film an entscheidenden Stellen beinahe zum Stillstand bringen (vor allem in der Episode um Budd und ganz speziell im Finale mit Bill). Ein dreiminütiger Monolog über Superhelden und ihre Geheimidentitäten wäre in einem der genannten früheren Filme von QT sicher ausgesprochen hip gewesen, hier wirkt er deplaziert, aufgesetzt und vor allem wenig geistreich (ich bin sicher, dass ich die Pointe dieser kleinen Geschichte auch schon mal woanders gehört habe).

Das heißt nicht, dass Kill Bill Vol. 2 schlecht wäre, ganz im Gegenteil, mit Sicherheit steht auch der zweite Teil noch Lichtjahre über dem Müll, den Hollywood sonst auf uns los läßt und es gibt auch eine ganze Reihe von Highlights - die grandiose Ausbildung der Braut bei Pei Mei, die jedem old-school-Martial-Arts-Film alle Ehre machen würde und in der Gordon Liu, der im ersten Teil hinter der Crazy-88-Maske nicht übermäßig auffallen konnte, brilliert, ist ein weiteres Zeichen dafür, dass Tarantino den Kung-fu-Film *verstanden* hat, und der Zweikampf zwischen Braut und ihrer Intimfeindin Elle Driver lässt den Auftaktkampf aus Vol. 1 zwischen Uma und "Copperhead" Viveca A. Fox wie eine zurückhaltende Kindergeburtstagsparty der Kindergarten-Krabbelgruppe wirken, aber diesen Highlights steht für QT-Ambitionen unverhältnismäßig viel Leerlauf gegenüber.

Die schauspielerischen Leistungen sind über jeden Zweifel erhaben - Uma Thurman perfektioniert ihre Braut-Rolle, David Carradine, der nun endlich (auch ausführlich) im Bild zu bewundern ist, ist absolut überzeugend, Michael Madsen hab ich selten besser gesehen und Daryl Hannah ist umwerfend. Eine Reihe von Gaststars wird ebenfalls wieder aufgeboten, wobei QT natürlich neben einem Superstar-Cameo von Samuel L. Jackson (sehr hübsch) auch wieder einige alte Exploitation-Stars wie Bo Svenson und (dafür liebe ich QT) Sid Haig ("Haus der 1000 Leichen") ausgegraben hat.

Fazit: Kill Bill Vol. 2 ist streckenweise ganz großes Kino, aber öfter als dem Film gut tun würde, eben "nur" großes Kino. Ich hatte mir vom Abschluss der Bill-Saga durchaus mehr Action (muss ja nicht immer gleich in Gemetzel ausarten), mehr Witz und vor allem mehr Tempo erhofft - gut, meine Erwartungen waren höher als der Fernsehturm am Alex und vermutlich unerfüllbar, dennoch bleibt das leicht schale Gefühl, dass Kill Bill nicht mit dem erhofften großen Orkan endet, sondern nur mit einer steifen Brise. Schade.

Kill Bill Vol. 2: 7 Bier

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