King Kong
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Regie: Peter Jackson
Darsteller: Naomi Watts (Ann Darrow), Jack Black (Carl Denham),
Adrien Brody (Jack Driscoll), Thomas Kretschmann (Käpt'n
Englehorn), Andy Serkis (Kong)
Anfang der 1930er in New York. Ann Darrow, eine darbende Tänzerin
und Theaterschauspielerin, gerät an Carl Denham, einen
hintertriebenen Regisseur und Produzent, der sie für die Hauptrolle
in seinem neusten Film besetzt. Man reist mit der Venture, dem
Dampfer von Käpt'n Englehorn, nach Skull Island, eine
geheimnisvolle und sagenumwobene Insel, von der Denham dank einer
alten Karte erfahren hat. An Bord befindet sich (mehr oder weniger
freiwillig) auch Jack Driscoll, der Drehbuchautor des Films, der
romantische Bande zu Ann aufnimmt. Man findet die Insel, das
Filmteam klettert sogleich an Land und beginnt mit dem Dreh, macht
dann bald mal Bekanntschaft mit den Eingeborenen, die nicht gerade
gastfreundlich reagieren, will sagen, damit beginnen, die Besucher
zu dezimieren. Englehorn und seine Männer (die über genügend Waffen
verfügen, um einen Kleinkrieg zu starten) können die jedoch
aufhalten. Man geht zurück aufs Schiff und macht sich zur Abfahrt
bereit, doch da wird Ann von den Eingeborenen entführt. Unsere
tapferen Männer eilen zur Rettung, kommen aber zu spät: Ann wurde
bereits Kong geopfert, einem sieben Meter grossen Riesengorilla,
und von diesem in den Dschungel der Insel entführt. Dieser Urwald
erweist sich für die Retter als äusserst lebensfeindliche Umgebung:
Quasi hinter jeder Ecke warten Dinosaurier, Rieseninsekten und
anderes gefrässiges Kroppzeug darauf, die menschlichen Besucher zu
Snacks umzufunktionieren. Währenddessen gelingt es Ann, den
Riesenaffen für sich einzunehmen, Kong findet sie sogar so
sympathisch, dass er um Ihretwillen den Kampf gegen mehrere
Tyrannosaurier. Als noch grössere Gefahr erweist sich aber Carl
Denham, der zwar sein Filmprojekt zu Grabe tragen muss, aber mit
der Hilfe von Kong trotzdem auf seine Rechnung zu kommen
gedenkt…
Wunderkind Peter Jackson (der inzwischen dank Früchtediät und
Laseroperation an den Augen sein gar nerdiges Äusseres verloren
hat) war es hier vergönnt, einen Kindheitstraum zu verwirklichen
und man merkt dem Film an, dass er sich damit eine Menge Mühe
gegeben und versucht hat, dem von ihm geliebten Original gerecht zu
werden. Die Story hält sich sehr eng an die des Vorbildes (nicht
zuletzt spielt der Film ja auch in der gleichen Zeitepoche) und
dessen Fans wird so manche Szene sehr bekannt vorkommen (und auch
einige Insidergags verweisen auf den filmischen Vorfahr). Klar, man
muss ein paar Logikfehler und Unwahrscheinlichkeiten hinnehmen,
aber alles in allem wird der Plot ohne grössere Dummheiten erzählt.
Die nichtsdestotrotz ziemlich schlichte Story wird dadurch
kompensiert, dass man viel Wert auf eine ausgefeilte Umsetzung
derselben gelegt hat:
Zu Beginn lässt sich Jackson sehr viel Zeit, um die Charakter
einzuführen. Allerdings vielleicht etwas zu viel, teilweise zieht
sich das doch etwas hin. Störend auch der übertriebene Pathos: Da
wird beinahe jeder Satz derart betont und bedeutungsschwanger
dargebracht, als gelte es, die Offenbarung zu verkünden. Wenn der
Cast dann aber endlich auf der Insel eintrifft, rappelt's im
Karton. Und zwar mächtig. Schon die Insel selber wirkt von Beginn
weg unfreundlich und bedrohlich, die hässlichen und extrem
aggressiven Eingeborenen (quasi die Orks der Südsee) machen sofort
klar, dass dort schlecht Urlaub machen ist, aber da kloppen sich
auch schon die Monster gegenseitig die Birne kaputt und die
Menschen müssen eins ums andere Mal die Flucht ergreifen oder die
Waffen ziehen. Und doch, schliesslich gelingt es, Ann zu retten und
Kong zu fangen sowie ihn nach New York zu verfrachten. Dort zeigt
sich erst einmal, dass Chromstahl wohl doch nicht so stark ist wie
gedacht, bzw. weshalb man Riesenaffen besser in ihrer natürlichen
Umgebung belässt, doch zeigt Kong sich hier auch das letzte mal von
seiner romantischen Seite, als er endlich seine Ann wieder in die
Arme schliessen, äh, in die Hand nehmen kann. Doch die Freude
dauert nur kurz, das Militär eröffnet die Jagd und es schliesst
sich der atemberaubende, furiose und emotional erschütternde
Showdown auf dem Empire Stat Building an. Und der Zuschauer darf
sich endlich erholen von dem visuellen und dramatischen Overkill.
Jackson zeigt, dass er sein Handwerk versteht und bietet uns hier
eine rasante (die drei Stunden Laufzeit gehen, abgesehen vom ersten
Drittel, wie im nu vorbei) und ausgeklügelte Inszenierung, die um
grosse und wuchtige Bilder nicht verlegen ist (allerdings: Der
ästhetische oder sonstige Sinn der „verwaschenen" Zeitlupe, die
teils eingesetzt wird, erschliesst sich mir nicht so ganz) und
scheut sich auch nicht, Elemente des Horrorfilms heranzuziehen
sowie ziemlich grimmig und brutal zu werden (vor allem eben die
erste Begegnung mit den Eingeborenen oder der Kampf gegen die
Insekten sind nicht gerade familientauglich). Trotzdem, Blut gibt's
nicht viel zu sehen, aber der Bodycount ist hoch und jede Menge
cannon fodder wird rabiat durch die Mangel gedreht, kriegt den Kopf
abgebissen, wird zerstampft oder Schlimmeres. Dass der Film einen
so richtig mitreisst, ist auch den Effekt-Magiern von Jackson zu
verdanken, die KING KONG in technischer Hinsicht zum achten
Weltwunder machen. Seien es Kong selber, die urzeitlichen
Kreaturen, die sich auf der Insel tummeln oder die beeindruckenden
Schauplätze (der wild-romantische Dschungel oder das liebevoll
rekonstruierte New York von anno dazumal): Das ist nahezu perfekt
animiert, das wirkt echt, da ist kein Film, der das zu toppen
vermag (selbst Spielbergs KRIEG DER WELTEN muss sich da gleich
wieder hinten anstellen). Erfreulich auch, dass der Film zu keinem
Zeitpunkt wie ein Aufguss beispielsweise von JURASSIC PARK oder
MEIN GROSSER FREUND JOE wirkt (was der Trailer zu befürchten
durchaus Anlass gab). Nö, Jacksons KING KONG bewahrt sich einen
ganz eigenen Look und eine unverwechselbare Atmosphäre, man fühlt
sich höchstens vielleicht ab und zu mal an die Bilderwelt von HERR
DER RINGE erinnert. Etwas mag ich dem Film aber fast nicht
verzeihen: Dass er einer richtig fetten Riesenspinne entbehrt.
Hätte sich in der Insekten-Szene am Grunde der Schlucht mehr als
angeboten, taucht leider niemals auf. Aber was soll's.
Die Darsteller überzeugen allesamt. Naomi Watts (die schon in den gruseligen US-Remakes der japanischen RING-Filme begeistert hat) versteht es in ihrer zerbrechlichen Darstellung perfekt, Beschützerinstinkte zu wecken.Und doch: Zum einen ist sie zwar die typische damsel in distress, die mit aufgerissenen Augen und offenem Mund durch die Gegend stolpert und darauf angewiesen ist, ständig von starken Männern, sei es Kong oder Driscoll, gerettet zu werden. Andererseits schafft sie es, mit einer launigen Tanzeinlage die Sympathien Kongs für sich zu gewinnen und bringt durchaus den Mut auf, ihrem sieben Meter grossen Verehrer die Meinung zu sagen. Mal abgesehen davon, dass sie, Gott (also Peter Jackson) sei Dank, nicht als ständig kreischende Hysterikerin konzipiert worden ist (obwohl sie sich natürlich auch als Scream-Queen gebärden darf). Adrien Brody ist eh von Haus aus ein Sympathiebolzen sondergleichen und macht auch hier nichts falsch in seiner Rolle als Driscoll, designierter Held, der vor lauter Liebe auch dann weitermacht, als alle anderen Ann schon aufgegeben haben und sie aus den Händen des Riesenaffen rettet (und sich somit einen eindrücklichen Feind schafft). Aber das die ganze Geschichte gut ausgeht, da hat er eher wenig Anteil dran. Jack Black darf hier mit Carl Denham, dem Urheber der ganzen Misere, den Bösewicht geben. Ist die Passion fürs Filmemachen anfangs noch das Motiv für sein Handeln, erweist er sich mit fortschreitender Laufzeit immer mehr als hintertriebener, manipulativer und habgieriger Mistkerl, der schamlos lügt und betrügt, um an seine Ziele zu gelangen. Aber merke: Eindimensional wirkt er nie, Black spielt seine Rolle durchaus differenziert. Die wichtigste Rolle hat natürlich Kong inne, die GCI-Kreatur, deren Bewegung, Gestik und Mimik auf Andy „Gollum" Serkis basiert. Der Film schafft es glücklicherweise, uns den Riesenaffen (auch emotional) nahe zu bringen und wer keine Träne verdrückt, wenn der vom Leben gebeutelte und doch stolze Primat unter dem Feuer der Maschinengewehre seinen Atem aushaucht, bei dem ist Hopfen und Malz verloren.
Fazit: Inhaltlich schlichtes, dafür in Sachen Charaktere bemühtes
und in technischer Hinsicht perfektes Popcorn-Kino, das sowohl
spannend als auch berührend ist und eine Menge eindrücklicher
Bilder parat hat. Kleine Fehler wie der manchmal ziemlich klebrige
Pathos und das zuweilen zähe erste Drittel kann man ihm leicht
verzeihen. Peter Jackson hat ein weiteres Mal bewiesen, dass er zu
Grossem in der Lage ist und darf mit KING KONG hoffentlich einen
finanziellen Erfolg für sich verbuchen und viele weitere Projekte
in Angriff nehmen. Eine volle Empfehlung von meiner Seite.
(c) 2008 Gregor Schenker (manhunter)
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