Land of the Dead (GR)

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LAND OF THE DEAD


USA 2005
Regie: George A. Romero

Die lebenden Toten beherrschen die Welt, doch es gibt da noch Fiddler's Green, eine befestigte Stadt, wo die letzten lebenden Menschen eine Zuflucht gefunden und sich vor den Zombies verbarrikadiert haben. Beherrscht wird diese Stadt von Kaufman und seinen Höflingen, die „Reichen", die sich in einem Wolkenkratzer ihr kleines luxuriöses Reich geschaffen haben. Mit ihrem Reichtum und mithilfe des Militärs regieren sie über die Menschen in den Slums, der Pöbel, der dazu da ist, den Reichen zu dienen. Einer von diesen ist Riley, der einer Truppe vorsteht, die für Nachschub an Nahrungsmitteln, Medikamenten, etc. aus den umliegenden, zombieverseuchten Städten zu sorgen hat. Zu seinen Männern gehört auch Cholo, der nebenher Drecksarbeit für Kaufman erledigt. Dafür will er eine Wohnung im Wolkenkratzer, doch Kaufman verweigert ihm die Aufnahme in die höhere Gesellschaft und will ihn beseitigen lassen. Cholo lässt sich nicht so schnell reinlegen und erpresst Kaufman mit einer gefährlichen Waffe; der König sieht sein Reich bedroht und stellt Riley ein, damit der seinen früheren Untergebenen ausschaltet. Dieser macht sich zusammen mit seinem Kumpel Charlie und Slack, einer kampferprobten Prostituierten, auf, um diesen Auftrag zu erledigen. Indessen bahnt sich eine noch viel grössere Katastrophe an, denn die Zombies haben unter der Führung von „Big Daddy" eine Art Intelligenz entwickelt und machen sich daran, die Stadt einzunehmen…

Eines vorweg: Ja, der Film wird seinen Erwartungen tatsächlich mehr als gerecht und ist eine würdige Fortsetzung von Romeros Zombie-Reihe. Der legendäre Regisseur hat einmal mehr bewiesen, dass immer noch er die besten Zombiefilme der Welt macht und steckt Imitatoren wie 28 DAYS LATER oder das DAWN-Remake mühelos in die Tasche. Inhaltlich werden die bisherigen Entwicklungen weitergeführt, vor allem was der Charakter der Zombies anbelangt: War in DAY OF THE DEAD Bub der einzige Zombie, der fast so was wie einen Verstand entwickelte, sind es nun ganze Massen der Untoten. Was ihre Gefährlichkeit natürlich um ein Vielfaches steigert. Und das, obwohl Romero den Auf der anderen Seite haben wir die Menschen, die in einer Klassengesellschaft leben, wobei die herrschende Klasse (vor allem aber ihr Chef Kaufman) ein regelrecht diktatorisches Regime aufgebaut hat, welches seine Gegner skrupellos ausschaltet. Hier werden nicht nur die Zombies von den Menschen getrennt, sondern auch die (allerdings kaum weniger amoralischen) Underdogs von den Reichen und ebenso, wie sich die lebenden Toten nichts sehnlicher wünschen als in die Stadt zu gelangen, so wünschen sich die die Menschen in den Slums nichts mehr, als in der Gesellschaft aufzusteigen. Kaufman setzt aber alles daran, die Macht zu behalten und selbst als sich die Stadt schon längst auf dem Weg kopfüber in die Hölle befindet, ist er nur damit beschäftigt, seine Schäfchen ins Trockene zu bringen. Hier hören die politischen Implikationen nicht auf, sondern fangen gerade erst an, aber Romeros Geniestreich ist es, seine Botschaft nie kopflastig oder aufdringlich rüberzubringen, LAND OF THE DEAD kann ebenso als pures Actionkino genossen werden. Und wie!

Was Spannung und Nervenkitzel anbelangt, macht dem alten Regie-Hasen so leicht keiner was vor und eindrückliche Visuals findet man ebenso wie heftigen Einsatz von Pyrotechnik (und die Musik untermalt die Bilder effektiv). Das Sahnehäubchen aber sind natürlich die Goreeffekte und die haben es in sich: Da wird geschmoddert und gesplattert was das Zeug hält, sowohl an Menge als auch an Qualität und „Krassheit" lässt LAND selbst seine Vorgänger hinter sich (ist es zu fassen, dass der hier in der Schweiz im Kino ab 16 Jahren zugelassen ist, DAWN und DAY OF THE DEAD aber immer noch verboten sind?). Das Zombie-Make-up dürfte wohl das genialste und überzeugendste der Filmgeschichte sein, die lebenden Toten sehen wirklich nach dem aus, was sie sind. Die Effekte sind jedoch nie selbstzweckhaft und kommen eher so nebenbei daher, Romero lässt, wie gesagt, die Story nie aus den Augen.

Ebenso die Charaktere: Keiner der Protagonisten verhält sich übermässig dumm, sie alle handeln nachvollziehbar, der Zuschauer kann sich ohne Probleme mit ihnen identifizieren und fiebert mit ihnen mit. Das liegt natürlich auch daran, dass eine Riege von sehr guten und bekannten Schauspielern am Werke ist: Auf der Seite der Helden haben wir Simon Baker (zurzeit erfolgreich mit der Serie THE GUARDIAN), der den Riley vielleicht etwas zu sehr als Gutmenschen aber absolut sympathisch gibt. Ihm zur Seite stehen Robert Joy (Charlie), der den leicht zurückgebliebenen, durch einen Brand verunstalteten, aber begabten Schützen authentisch darstellt, ebenso wie Asia Argento (Tochter des berühmten italienischen Meisters der Regie, der damals Romero geholfen hat, DAWN OF THE DEAD zu produzieren) die ehemalige Soldatin, die zu einem Dasein als Nutte verdammt worden ist. Auf der anderen Seite haben wir in John Leguizamo einen überzeugenden Cholo, und natürlich Dennis Hopper.

Der ist als Kaufman der darstellerische Höhepunkt des Filmes, ein eiskalter Machtmensch, der wohl nicht von ungefähr an gewisse Staatsmänner erinnert, wenn er vor allem Machterhalt im Sinn hat, hingegen auf das Schicksal der Menschen scheisst und seine Kollegen mit hohlen Phrasen zu besänftigen versucht. Übrigens: Ein früherer Weggefährte von Romero hat einen bemerkenswerten Gastauftritt!


Alles in allem darf man mit Fug und Recht behaupten, dass LAND OF THE DEAD nicht nur das Kino-Highlight des Jahres, sondern auch das Highlight der aktuellen Welle des Zombie- und sogar Horrorfilms ist (allerdings: Der beste Zombiefilm überhaupt bleibt nach wie vor DAY OF THE DEAD). Er ist so brutal wie satirisch und so sozialkritisch wie actionreich. Wer nicht nur einfach einen Splatterfilm, sondern einen intelligenten Splatterfilm im Kino sehen will, für den ist LAND OF THE DEAD genau das Richtige…

(c) 2008 Gregor Schenker (manhunter)



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