Märchenbraut, Die

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SERIAL REVIEW - WORK IN PROGRESS

DIE MÄRCHENBRAUT

(Original-Titel: Arabela)

CSSR 1979, 370 min, FSK 6

Regie: Václav Vorlícek

Darsteller: Vladimír Mensík (Karl Maier), Stella Zázvorková (Frau Maier), Vladimír Dlouhy (Peter Maier), Jirí Lábus (Rumburak), Jana Nagyová (Prinzessin Arabella), Dagmar Patrasová (Xenia), Vlastimil Brodsky (König Hyazinth), Jana Brejchová (Königin), Jirí Sovák (Vigo), Ondrej Kepka (Hansi Maier), Jirí Hrzán (Gros), Veronika Tyblová (Gretchen)

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Entgegen landläufiger Meinung (und persönlichem Wunschdenken) war ich ja doch irgendwann mal Kind - lässt sich nunmal kaum umgehen. Und auch, wenn ich relativ stolz behaupte, pure Kinderliteratur und Kinderfernsehen mehr oder minder im Eiltempo durchlaufen zu haben, um mich den richtigen Sachen für Erwachsene widmen zu können, so haben einige Dinge bleibenden Eindruck hinterlassen - die schon erwähnten "Drei ???", Rolf Ulricis SciFi für Kids wie "Giganto" und "Monitor", und natürlich - da kommt man nicht drum rum - die tschechischen Kinder-TV-Serien, die Ende der 70er/Anfang der 80er regelmäßig in der ARD liefen. Ich war komischerweise nie ein sonderlicher Freund von "Pan Tau" oder "Luzie, der Schrecken der Straße", meine Leidenschaft als Zehnjähriger gehörte loyal "Der Märchenbraut" und Prinzessin Arabella aus ebenjener Serie - aus der Werkstatt von Vaclav Vorlicek, der bereits "Drei Nüsse für Aschenbrödel", heute noch ein Feiertags-Favorit, inszeniert hatte, was mir damals aber reichlich wurscht war - war, auch da schäme ich mich nicht, es zu gestehen, mein erster großer Schwarm. Hätte man mich 1981 gefragt, wen ich heiraten möchte, meine Antwort wäre felsenfest "Arabella" gewesen. Schöne Zeiten damals...

Kaum wartet man fast dreißig Jahre, bringt ein freundlicher DVD-Publisher den Kram dann auch endlich mal zum Wiedersehen und Ins-Regal-Stellen auf den Heimvideomarkt. Keine Frage, da war der Doc dabei, hat vorbestellt und sich wie ein Schneekönig gefreut, als der Paketbote zwecks Auslieferung klingelte... Als "Ergänzung" zu P300 werde ich, vielleicht nicht täglich, aber immerhin, Folge pro Folge überprüfen, ob die "Märchenbraut" der nostalgisch-romantischen Verklärung auch 2009 noch Stand hält. Also los...

Episode 1 - Der Wolf ist tot

Gleich wird im Märchen "Rotkäppchen" eine Planstelle frei...

Lernen wir erst einmal unsere Helden kennen - die Familie Maier. Papa Karl ist Schauspieler - nicht sonderlich erfolgreich, deswegen muss er an Angeboten annehmen, was kommt, sei's Filmkomparserie, Theater, Synchronarbeit, Fernsehen, eine stressige, dafür aber einigermaßen brotlose Kunst. Mama Maier ist Hausfrau, der ältere Sohn Peter technikaffiner Schüler, der mächtig für's Examen büffelt und zu Papas Verdruß nicht mal Zeit und Lust hat, mit 'nem hübschen Mädel ins Kino zu gehen. Der jüngere Sohn Hansi ist da deutlich weiter, auch wenn seine Freundin Gretchen von ihm hauptsächlich dazu benutzt wird, unerwünschte Marmaladenbrote aufzuarbeiten und beim "Safari"-Spielen Antilope zu markieren (Gretchen wäre viel stärker interessiert am "Mann und Frau"-Spielen, besteht aber auf korrekte Einhaltung einer vorherigen Verlobung). Karl hat eine Indianerrolle in einem Western an Land gezogen und soll heute planmäßig erschossen werden. Mitten in der Prärie findet er ein Glöckchen. Kurz gebimmelt, schon erscheint ein seltsamer Mann in altmodischem Mantel und mit Zylinder und erkundigt sich nach Karls Wünschen. Es wünscht hauptsächlich der Regisseur, und zwar, dass der unangemessen eingekleidete Statist gefälligst verschwindet. Mit einer höflichen Verbeugung löst sich der Unbekannte in Luft auf... Karls Freund Gros, der beim Fernsehen arbeitet, hat gute Nachrichten - es ist ihm gelungen, Karl als Erzähler für die tägliche Märchensendung im Kinderprogramm durchzuboxen (die Feierlichkeiten in der Gaststätte werden auch nicht entscheidend dadurch gestört, dass - auf Glockengeläut - der gewünschte Cognac vom geheimnisvollen Unbekannten kredenzt wird), auch wenn das heißt, dass unser braver Papa das Drehbuch (das Märchen von Prinzessin Arabella) noch am gleichen Tag auswendig lernen muss, so z.B. auch unter'm Fahren, was den ein oder anderen Blechschaden verursacht. Nachdem er Hansi noch den versprochenen Rummelplatzbesuch aufgrund lautstarker Möbelentfernung zwecks Einrichtung des gemeinsamen "Hauses" mit Gretchen gestrichen hat, eilt Karl ins TV-Studio, wo die Live-Sendung geradezu episch in die Binsen geht - der Requisiteur, der thematisch passende Bilder vor die Kamera halten soll, und Karl arbeiten leider nicht nach dem gleichen Drehbuch. Gros ist schuld, aber öffentlich blamiert ist natürlich der neue Märchenonkel. Der national ausgestrahlten Schande folgt prompt noch regional begrenzte - beim Trotz-Rummelbesuch versagt Karl schändlich in der Disziplin des Teddybären-für-Gretchen-Schießens. Im heimischen Schlafgemach findet Karl in der Jackentasche das Glöckchen wieder, bimmelt zwecks Demonstration für das angetraute Eheweib und prompt ist er wieder da, der zylindertragende Mantelmensch. Nach der allgemeinen Schrecksekunde vergewissert Karl sich, dass Rumburak, Zauberer II. Kategorie, ihm alle Wünsche erfüllen muss, auch den, das Ballern mit Schießgewehren zu erlernen. Rumburak transportiert Karl direkt in seine Domäne, die Kalle als Experte auf diesem Gebiet sofort als das Märchenland identifiziert - die vorbeischarwenzelnden sieben Zwerge nebst Schneewittchen könnten ein Hinweis gewesen sein. Nachdem der zunächst als Übungsziel auserkorene leibhaftige Bär sicherheitshalber stiften geht, schlägt Rumburak den sprechenden Wolf als Ersatz-Target vor. Karl legt an und erzielt zum Entsetzen des Zauberers (der sich inzwischen bei Karl über die Möglichkeiten des Fernsehens erkundigt hat) einen sauberen Blattschuss. Prinzessin Arabella reitet vorbei und droht fürchterliche Konsequenzen an, sollte es Karl und Rumburak nicht gelingen, den waidwunden Wolf zu heilen. Karls persönlicher Leib-, Magen- und Dackeltierarzt allerdings verweigert jegliche Mitarbeit unter Verweis auf die Abstrusität der von Karl vorgebrachten Geschichte um sprechende Wölfe, Zwerge und ähnliche Fantasiegestalten. Bei der Rückkehr ins Märchenland haben die Zwerge den inzwischen verstorbenen Wolf bereits begraben. Am nächsten Morgen kommt Karl im eigenen Bett wieder zu sich und hält die ganze Zauberer-/Wolf-/Zwerge-Nummer für einen schrägen Traum, bis die ihm von Rumburak geschenkte und neben ihm in den Laken liegende Büchse lautstark losgeht...

Die erste Folge ist, wie wir erkennen, noch relativ schmal an Plotentwicklung - hier geht's darum, die Charaktere und das Szenario vorzustellen. Karl Meier ist der liebenswerte, leicht vertrottelte, aber treusorgende Familienvater (dem's trotz des vermeintlich harten Jobs so schlecht nicht geht - die Wohnung hat zwei Stockwerke, einen Skoda fährt er auch, der gehört also schon eher zur Elite der sozialistischen Arbeiterschaft), seine Frau die essentielle Hausfrau und Mutter. Peter denkt nur ans Lernen, Mädchen sind ihm zu langweilig, Hansi und Gretchen (die Namen sprechen schon mal Bände, gelle?) sind bis dato "nur" ganz normale, mehr oder weniger freche Kinder (die aber schon mal die Nachbarn erschrecken). Der erste Blick ins Märchenland ist kurz, wobei Rumburak (ich liebe das "Zauberer II. Kategorie", das hat so was Pratchett-Vorweggenommenes), obwohl hier noch nicht schurkig (im Gegenteil, ihm schlottern ob Arabellas Drohungen mächtig die Knie), schon Abgründigkeit andeutet. Die Prinzessin selbst sehen wir vielleicht grad mal dreißig Sekunden, und sie macht einen strengen Eindruck. Der Kniff der Serie wird bereits vorbereitet - Karls Bericht über die durcheinandergebrachten Märchen in seiner Fernsehsendung bringt bei Rumburak schon das ein oder andere mentale Rädchen in Bewegung. Interessant auf Seiten von Kostüm und Ausstattung ist zweifellos, dass die sieben Zwerge und Schneewittchen 1 a nach den Vorbildern aus dem Disney-Film geraten sind, um nicht zu sagen, es sind freche Kopien. Ansonsten hält sich die Folge ausstattungstechnisch zurück, vom Märchenland sehen wir bis jetzt nur ein Stückchen Wald, der überwiegende Teil der Episode spielt in unserer (tschechischen) Welt.

Eine klassische Einstiegs-Episode - sie verrät noch nicht zu viel vom Plot, gibt aber schon Hinweise auf Gimmicks und Charakter-Motivationen (wer zweifelt jetzt noch daran, dass Peter, dem "normale" Mädels eben zu "normal" sind, auf Arabella abfahren wird?), und insgesamt macht's neugierig genug auf die nächste Folge. Der Humor ist schräg, nicht abseitig und auch nicht zu kindisch (außer vielleicht die Zwergen-Masken), das Tempo bis hierhin noch zurückhaltend. Aber der Charme der Serie hat mich bereits wieder erwischt - ich musste mich beherrschen, nicht gleich Folge 2 hinterher zu kucken...

Episode 2 - Rumburaks Rache

Besser als die Windsors - der Märchenland-Königshof

Nachdem Herr Maier im Märchenland den Großen Bösen Wolf waidgerecht erlegt hat, muss Rumburak sich für die Missetat des Menschen verantworten. Die sorgfältig zurechtgelegte (und nicht völlig von der Hand zu weisende) Verteidigung des Zauberers II. Kategorie, dem Bimmler des Glöckchens jeden Mensch erfüllen zu müssen und außerdem die Glocke bereits sicherheitshalber konfisziert zu haben, zieht beim Märchenkönig, seiner Gemahlin und Rumburaks Vorgesetztem, dem Hofzauberer Vigo, in keinster Weise. Anstatt der quartalsmäßig anstehenden Beförderung wird Rumburak gefeuert, er muss Zaubermantel und -ring abgeben und, weil die Königin ganz besonders nachtragend ist, auch noch dazu verdonnert, den Wolf persönlich zu ersetzen, weswegen Vigo ihn in einen solchen verwandeln muss. Begreiflicherweise hat Rumburak auf diesen neuen Job keine gesteigerte Lust, tritt in den Ausstand und lässt sich von einer Hexe in einen Menschen zurückverwandeln, um fürderhin einen ausgefuchsten Racheplan zu schmieden. Vigos Vorgänger als Hofzauberer, der etwas wunderliche Magier Kicherer, residierte dereinst in einer abgelegenen Burg. Die müsste man finden, überlegt Rumburak, denn Kicherer hat bestimmt brauchbare magische Requisiten zurückgelassen. Gegen das Versprechen, im Erfolgsfalle (sprich der Übernahme des Königreichs und Ehelichung von Arabella) zur Hofzauberin ernannt zu werden, lässt sich die Hexe als Besen-Taxi einspannen. Die Burg wird schnell gefunden und auch der Rest der verbliebenen Dienerschaft Kicherers - der Satyr Stunk, der Zwerg Stink und der kopflose (bzw. seinen Kopf in den Händen herumtragende) Stank (sowie die Hofhunde Mief und Muff). Rumburak entdeckt in der Tat so manch nützlichen Gegenstand - einen Zaubermantel, zwei Zauberringe, einen Beutel Gold, Kristallkugel und ähnliches magisches Zubehör. Als erste Amtshandlung als offizieller Schurke vollbringt er das Kunststück, die Königin in eine Taube und die Hexe in ein Abbild der Queen zu verwandeln, ehe er sich mit Stunk in die Menschenwelt beamt. Nach einigen kleineren Mißverständnissen hinsichtlich angemessener Bekleidung (weder Müllmann-, Radrennfahrer- noch Taucheroutfit überzeugen die skeptischen Menschen) und dank des Kicherer-Goldes problemloser Einmietung in einem Luxushotel setzt Rumburak seinen Plan um - die Macht des Fernsehens soll ihm zur Herrschaft über das Märchenreich verschaffen. Er besichtigt das Fernsehstudio und verschafft sich Prospekte über die dort eingesetzte Technik, um mit Hilfe des Zauberrings in seiner Burg ein eigenes TV-Studio einzurichten. Ausbaden muss es wieder der arme Herr Maier, der heute das Märchen von Rotkäppchen sicherheitshalber nicht frei vortragen, sondern vorlesen soll. Rumburak verwandelt sich in ein Maier-Double, schaltet sich ins Fernsehprogramm und gibt eine schockierende Rotkäppchen-Neufassung zum Besten, in der Rotkäppchen selbst die Großmutter und den Jäger frisst. Maier ist erneut blamiert, aber für das Märchenland hat das noch schlimmere Folgen - die Märchenlandbewohner sind nämlich daran gebunden, so zu leben, wie die Kinder die Märchen kennen - und dank Rumburaks Neufassung ist nun für Millionen von Kindern die Kannibalen-Variante die Gültige (wie Herr Maier selbst anhand Hansis Beispiel erkennen muss). Rumburak hat gut lachen - noch ein paar ruinierte Märchen und der König wird für die Wiederherstellung der Ordnung sicherlich das halbe Königreich und die Hand Arabellas bieten...

Auffällig unauffällig - Rumburak und Stunk

Jetzt kommt Schwung in die Sache - mit Folge 2 kommt der Plot der Show in Fahrt, nicht zuletzt, weil wir uns in dieser Episode hauptsächlich im Märchenland aufhalten und dort viele zukünftig noch wichtige Charaktere und Fakten etablieren - das Königspaar, Hofzauberer Vigo, Rumburaks Rolle in der Hof-Hierarchie, die Prinzessinnen Arabella und Xenia (und die Konflikte zwischen den Schwestern [Xenia ist eine blasierte Bilderbuch-Aristokratin] und zwischen Arabella und ihrer Mutter [der ein Dorn im Auge ist, dass Arabella sich auch für die Belange der einfachen Leute interessiert]); wir bekommen Rumburaks offiziellen "heel turn" (der gar nicht mal SO unnachvollziehbar ist), seine kuriose Dienerschaft Stink, Stank und Stunk wird ebenso eingeführt wie seine willige Helferin, die Hexe. En passant erfahren wir, dass es ein getrenntes Märchenland für Erwachsene gibt (wenn ich mich nicht irre, sollte das auch noch eine Rolle spielen), und die grundsätzliche Regel, wie das Märchenland funktioniert, wird aufgestellt - eben, dass nicht "wir" vom Märchenland abhängig sind, sondern umgekehrt das Märchenland sich danach zu richten hat, wie die Geschichten in unserer Welt erzählt werden. Streng genommen ist das alles immer noch Exposition, aber sie erfolgt mit leichter Hand und deutlich hochgefahrenem skurrilen Humor (ich will nicht unken, aber einen ganzkörperbehaarten Satyr im Bikini - wie wir ihn hier aufgrund der leichten Fehlinterpretation der aktuellen Mode seitens Rumburaks sehen dürfen - kann man vermutlich heutzutage im Kinderprogramm nicht mehr bringen). Dass die Hauptfiguren aus der Menschenwelt in dieser Folge kaum stattfinden (Hansi, Frau Maier und Peter haben gerade mal so viele Dialogzeilen, damit wir sie nicht ganz vergessen, einzig Herr Maier spielt eine etwas größere Rolle), ist kein Problem, weil das Verhältnis in der ersten Folge ja genau umgekehrt war - jetzt kennen wir alle wesentlichen Figuren, haben den groben Plot skizziert und können in die Feinheiten einsteigen (und vielleicht dann endlich mal Arabella ausführlicher würdigen, denn die ist in dieser Folge auch wieder nur maximal drei Minuten zu sehen... aber soooooo süß). Als Rotkäppchen begrüßen wir übrigens die (inzwischen leider verstorbene) junge Dana Vavrova (spätere Muse von Joseph Vilsmaier). Auf der technischen Seite sind für's Kinderprogramm passable Tricks (die Hexenbesen-Flugsequenz ist aller Ehren wert, die diversen Verwandlungen werden durch schlichte, aber effektive Überblendungen bewerkstelligt, Stunks Satyr-Outfit ist gut genug) zu vermelden. Auf alle Fälle - die Folge hat richtig Spaß gemacht (auch weil Jirl Labus den Rumburak als nicht unsympathischen Schurken anlegt), Episode 3 darf kommen...

An dieser Stelle darf ich vielleicht bereits erwähnen, dass man keine hohen qualitativen Anforderungen an die DVD-Umsetzung stellen sollte. Universum hatte hier die WDR-TV-Master zur Verfügung und die sind schon ordentlich abgenudelt, mit Laufstreifen versehen und nicht frei von Verschmutzungen. Aber besser werden wir's nicht mehr bekommen, schätze ich.

Episode 3 - Liebe auf den ersten Blick

Im Märchenland herrscht nach wie vor Aufregung ob der Märchenverhunzung durch Maier bzw. Rumburak. Rotkäppchen weigert sich z.B. strikt, wie durch die neue Vorgabe erwünscht, den Jäger und die Großmutter zu fressen (schon allein, weil sie aus rein anatomisch-verdauungstechnischen Gründen bezweifelt, 280 Pfund runterwürgen zu können). Die Königin (bzw. die Hexe, durch die Rumburak die Queen ersetzt hat) hat für derlei Lappalien eher wenig verständnis und auch der König weiß keinen anderen Rat. Arabella schlägt vor, dass Vigo ins Menschenreich reist und Herrn Maier dort auseinandersetzt, welch fatale Konsequenzen die verunstalteten Märchen haben und die Sache richtigstellt. Obwohl die Königin heftig opponiert, setzt der König, der die Idee für eine der besseren hält, die man ihn in letzter Zeit unterbreitet hat, sich durch. Arabella und Xenia drängen sich als Reisebegleiter auf. Im Menschenreich hat Peter indes seinen Bekannten, den Psychiater Georg, auf Vater Maier angesetzt, der Geschichten von Zauberern, Wölfen und ähnlichen Tinnef für Symptome eines fortgeschrittenen Dachschadens hält, ein paar Psychopharmaka verschreibt und ansonsten den Rat gibt, bei neuerlichen Wahnvorstellungen zur Beruhigung vor sich hin zu zählen. Vigo und die Prinzessinen landen indes im schon bekannten Luxushotel (Vigo ging davon aus, dass eine Baumkrone Landeplatz ist, aber der hat die letzten paar Jahrhunderte urbane Erneuerung auch nicht ganz mitbekommen). Xenia stürzt sich sofort auf alle erreichbaren Modezeitschriften und wäre stark dafür, den Hotelgästen, in deren Zimmer sie gerumpelt sind, die Klamotten zu klauen. Vigo weiß es besser und hext per Zauberring Duplikate her (und stopft so Arabella erstmals in ihre oberschicke weiße Bluse mit der gelben Gürtelschärpe, ein Outfit, von dem ich mir, hätte es das 1981 gegeben, sofort und jederzeit einen lebensgroßen Starschnitt in die Bude gehängt hätte; Xenia sieht in ihrer Luftwaffen-Uniform aber auch recht adrett aus, hat aber 'nen ziemlich breiten Hintern - oder liegt das am 16:9-Fernseher? Hähä). Ein unerwartetes Zusammentreffen mit dem Zimmermädchen später verwandelt Vigo sich und seine Baggage in ganz reizende Hundileins (was einem Hotelgast, der sich zuvor schon über lautes Hundegebell beklagt hatte, zur Bemerkung veranlasst, bei seinem nächsten Abstieg in diesem Hotel nur seinen Schäferhund einzuquartieren und sich selbst ein anderes Quartier zu suchen).

Zwei Engel für Charlie. Naja, wenigstens einer...
Die Könige hielten früher auch schon mal mehr aus...

Xenia ist von der modernen Welt und ihren Errungenschaften (lärmende Automobile, verschmutztes Wasser, herumliegender Müll, kurze Röcke) hin und weg, Arabella interessiert sich mehr für eine Gruppe junger Leute, die im Park Folklieder auf der Gitarre klampfen und ringt Vigo die Erlaubnis ab, sich auf eigene Faust rumtreiben zu dürfen (naja, sie verspricht, im Park zu bleiben), dieweil Vigo und Xenia Herrn Maier suchen sollen. Und wer sitzt da auf einer Parkbank und büffelt verzweifelt Examensstoff? Peter Maier. Und der hält Arabella, als die ihn in blumiger Märchenland-Hofsprache anquatscht und um die ein oder andere Auskunft bittet, vorsichtshalber für eine entsprungene Irre (und antwortet auf die Frage, welch zauberhaftes Instrument die jungen Leute gerade gespielt hätten, uncharmant "Dampfwalze"). Nichtsdestotrotz werden die beiden von Amors Pfeil jeweils direkt zwischen die Augen getroffen - nachdem Peter von einem Kind, das begeistert die neue Rotkäppchen-Fassung nachspielt, eins auf den Dez geschlagen bekommt (Weichei Peter vermutet eine Gehirnerschütterung. Naja, wo viel Hohlraum, da leicht erschüttern, gell?), drängt sich Arabella auf, den an sich selbst zweifelnden Peter (der, wir erinnern uns, Mädchen bislang pauschal für doof hielt) zum Examen zu begleiten. 'Nen Glücksbringer hat er auch dringend nötig, denn satte 20 Prüflinge sind schon sauber durchgefallen. Während Vigo und Xenia dem Mißverständnis anhängen, Herr Maier würde IN einem Fernseher hausen und erst mal in Richtung Fernsehsender gelotst werden müssen, schwitzt Peter unter der Thematik "Korrektur der Phasenverschiebung". Uns Peterchen ist völlig aufgeschmissen, aber zum Glück hat sich Arabella, der Vigo sicherheitshalber den Zauberring geliehen hat, in eine Fliege verwandelt, spickt in die Antworten und flüstert dem verblüfften Peter, der die Hilfe aber unbürokratisch annimmt, selbige ins Ohr. Vor der Schule ist Peter mit Arabella ein echter Hinkucker - "ein historischer Augenblick", Peter mit Freundin, meinen seine MItspieler und halten dieses denkwürdige Ereignis fotografisch fest. Arabella lässt sich noch zum Mensa-Essen einladen (sie ist todesmutig), kämpft kurz mit den Spaghetti, ehe ihr auffällt, dass sie dringend zurück in den Park muss, um Vigo und Xenia wiederzutreffen und hext sich weg. "Auf sowas muss man aufpassen", grinst ein Mitschüler hämisch. Vigo und Xenia (die mittlerweile mehrere Plastiktüten mit diversem aufgesammelten Abfall mit sich rumträgt) haben Maier im Studio nicht angetroffen, aber seine Privatadresse ermittelt. Großes Hallo bei Maiers, erst recht, als Arabella und Peter sich wiedererkennen. Vigo zaubert, da Frau Maier zu ihrem Bedauern nicht auf eine größere Gesellschaft eingerichtet ist, leckeres Essen auf den Tisch (Herr Maier hat an der Stelle schon ohne Erfolg bis 213 gezählt) und verrät, warum er hier ist (aber nicht direkt, WO er her ist). Leider kann die Thematik nicht ausdiskutiert werden, weil Maier dringend in den Sender gerufen wird, um ein weiteres Märchen vorzulesen, aber er verspricht zumindest, dafür Sorge zu tragen, dass dieses Mal alles zu vollster königlicher Zufriedenheit ablaufen wird. Gretchen und Hansi müssen Klavier spielen (die strenge Lehrerin droht den Rohrstock an, aber Frau Maier korrigiert sanft: "Wir haben keinen Rohrstock im Haus." Improvisieren, gute Frau, improvisieren!). Arabella (die ganze königliche Blase ist herzlich eingeladen, Maiers Fernsehauftritt bei ihm zuhause zu verfolgen) und Peter kommen sich weiterhin näher, aber rechtzeitig zum Märchen kehren sie ins Wohnzimmer zurück (Gretchen blickt durch: "Siehst du nicht, dass er auf sie steht?"). "Dornröschen" steht auf dem Programm und zunächst läuft alles ganz hervorragend - bis Rumburak sich wieder einschaltet und dem Märchen einen neuen Twist gibt - er macht den Prinzen zum Dieb, der sämtliche Schätze Dornröschens und ihrer Familie einstreicht, damit in sein Reich zurückkehrt und "nie wieder arbeiten" muss. Während die böse Königin ihr Grinsen nur mühselig verbergen kann, fällt der König glatt in Ohnmacht. Beim Fernsehen hat man allerdings mitbekommen, dass ein fremder, stärkerer Sender das eigene Programm überlagert - nur woher der Maier-Doppelgänger kommt, kann sich freilich niemand erklären. Da Herr Maier bei seiner Rückkehr nach Hause die technischen Probleme erklärungstechnisch außen vor lässt und nur über seine plötzliche Verdoppelung rabuliert, ist seine Glaubwürdigkeit bei Vigo stark eingeschränkt. Um zu verhindern, dass ähnliche Katastrophen sich wiederholen, verwandelt er Maier in einen Hund, genauer gesagt, einen Dackel und damit einen Spielkameraden für den Maierschen Familienwaldi, ehe sich die Fairytale-Royals in Tauben verwandeln und fortflattern...

Wie der heute etwas umfangreicheren Inhaltsangabe zu entnehmen ist, ist die Zeit der Exposition vorbei, jetzt gibt's Plot pur. Culture Clash mit Vigo und Xenia (die, obwohl bislang, wie in der letzten Episode etabliert, eine absolut standesbewußte Aristokratin ist, jetzt zum Mode- und Modernisierungsfreak mutiert), die aufkeimende Romanze von Peter und Arabella und das von Rumburak (der in dieser Folge übrigens keine Sekunde lang zu sehen ist, es sei denn, man rechnet den "was-bisher-geschah"-Teaser) veranstaltete weitere Chaos und seine Konsequenzen in der Märchenwelt, das alles wird in dieser knappen halben Stunde ausgebreitet und bleibt dabei, was immer ein positives Merkmal tschechischen Kinderfernsehens war, erfrischend und erfreulich unhektisch. Selbst vergleichsweise belanglose Gags wie die Verwandlung der Märchenland-Expedition in Hunde werden sorgfältig vorbereitet, wobei angesichts der Tatsache, dass heute hauptsächlich die Handlung vorangetrieben wird, die Lacherdichte vergleichsweise gering, aber die vorhandenen Gags werden dafür staubtrocken serviert (Rotkäppchens Analyse des Gewichts ihrer zukünftigen Opfer, Vigos Spruch auf Frau Maiers "das ist ja unglaublich", nachdem er das Essen hergezaubert hat ["unglaublich schon, aber auch sehr lecker"], Frau Maiers Rohrstock-Spruch, Peters "Dampfwalze" und das "historische Ereignis") - "Die Märchenbraut" mag sich naturgemäß an Kinder richten, aber auch als Erwachsener kann man unbestritten, gerade aufgrund der trockenen, "unübertriebenen" Präsentation des Absurd-Fantasievollen seinen Spaß dran haben. Effekttechnisch halten wir's in dieser Folge wieder simpel mit schlichten Überblendungseffekten für die diversen Verwandlungen, dafür ist die Episode schon allein aufgrund der reichhaltigen Storyentwicklung ausgesprochen flott und kurzweilig. Ich hab immer noch nichts zu meckern gefunden... bring on the next episode...

Episode 4 - Der Dackel Herr Maier

Stellt sich mal wieder die Frage: irre oder Arzt?
Dörnröschen Reloaded

Die Maiers müssen sich damit arrangieren, dass der Hausherr unter die Vierbeiner gegangen ist. Wenigstens die Sprachbegabung ist ihm geblieben, aber so richtig Spaß an Hundeaktivitäten wie Gassi gehen oder Sachen aufspüren hat er nicht (aber die morphologische Veranlagung, Bälle zu fangen, geht auch an ihm nicht vorüber). Peter glaubt nicht uneingeschränkt daran, dass die Märchenland-Botschafter tatsächlich dafür verantwortlich sind (Mama Maier geht zutreffend davon aus, dass er sich in Arabellaschnucki verknallt hat und ihr und den ihren keine solchen Gemeinheiten zutraut). Während man im Fernsehstudio (das in Protestbriefen wütender Eltern förmlich versinkt) durchaus dankbar dafür ist, dass Maier - wie Peter ausrichtet - unter einer vorübergehenden Geisteskrankheit landet und Hansi gegenüber Gretchen natürlich nicht die Klappe halten kann, geht Peter bei seinem Kumpel Georg mit der Geschichte von vorsagenden Fliegen, sich in Tauben verwandelnden Prinzessinnen und Vätern, die als Hunde durch die Gegend laufen, hausieren, was Georg begreiflicherweise so gut gefällt, dass er Peter gleich dabehalten möchte. Im Märchenland dieweil versucht Xenia ihren Vater von den Errungenschaften des modischen und technischen Fortschritts (wie Make-up, kurze Röcke, Autos und Umweltverschmutzung) zu überzeugen, aber Papa Hyazinth hat andere Sorgen, Prinz Willibald, der Dornröschen-Prinz, hat nämlich nicht wirklich Bock darauf, wie vom falschen Maier im TV verkündet, zum Räuber zu werden. Aber es hilft nix - das Fernsehen lügt bekanntlich nicht, und schweren Herzens willigt Willi ein, die Verbrecherlaufbahn einzuschlagen. Indes tut Vigo Arabella einen Gefallen und zaubert auf ihr aus dem Menschenland mitgebrachtes Foto von Peter ein Lächeln. Außerdem überreicht er ihr einen Zauberstab, "der selbst den härstesten Stein erweicht". Hyazinth mißfallen überdies die Verhaltensweisen, die seine Königin neuerdings an den Tag legt - natürlich ahnt er nicht, dass die Taube, die sowohl ihn als auch Arabella täglich besucht, die echte Königin ist, aber er ist verunsichert genug, um Arabella zu einem Vier-Augen-Gespräch einzuladen, weil sie die einzige ist, der er noch gänzlich vertraut. Allerdings toleriert er die sich zart anbahnende Liebesbeziehung zu Peter nicht und zerreißt das Foto. In der Menschenwelt prügelt sich Hansi mit Schulkameraden, die behaupten, sein Vater hätte den Verstand verloren. Dass er dem Direx gegenüber auskunftet, Papa Maier sei ein Hund und schwer krank, findet seltsamerweise wenig Anklang. Willibald geht seinem neuen diebischen Tagwerk nach, aber Xenia mischt sich unter Dornröschens zu beklauenden Hofstaat - mit einem unmoralischen Angebot. Und schon kann sie Papa Hyazinth über ihre anstehende Hochzeit mit Prinz Willibald unterrichten. Der König ist entsetzt - ein Räuber als Thronfolger? Grauenhafte Vorstellung, auch wenn Willi nur auf des Königs ausdrücklichen Befehl hin klaut. Bei Maiers wartet man gespannt auf die Märchenstunde im Fernsehen. Die neue Erzählerin soll die Fabel von Schneewittchen und den sieben Zwergen zum Besten geben. Rumburak ist kurz verwirrt, lässt sich aber durch den Sprecherwechsel nicht beirren und schaltet sich erneut in Maiers Gestalt ins Programm ein (sollte er nicht, um weniger Aufsehen zu erregen, lieber die Gestalt der neuen Sprecherin annehmen?) und verleiht dem Schneewittchen-Märchen einen neuen, explosiven Höhepunkt: die Zwerge sprengen das Märchenreich mit Dynamit in die Luft! Während man im Fernsehstudio verzweifelt und sich nicht mehr anders zu helfen weiß, als die Märchenstunde komplett abzusetzen und die Maiers Bauklötze staunen, wieso Papa, obwohl eigentlich gerade Hund, putzmunter im Fernsehen auftritt, fällt König Hyazinth von einer Ohnmacht in die nächste. Was tun? Zulassen, dass die Zwerge zum TNT greifen oder es ihnen gar befehlen, nur damit das Märchen "stimmt"? Der König greift zum einzigen Mittel, das ihm in dieser Situation bleibt - er lobt das halbe Königreich und die Hand Arabellas als Belohnung für denjenigen aus, der das Reich retten kann. Und das ist genau das Angebot, auf das Rumburak gewartet hat...

Ein bisschen eine hit-and-miss-Folge heute, denn der überschaubaren Plotentwicklung steht doch einiges an Füllermaterial gegenüber. Peters Ausflug zu Georg und die Schulprügelei Hansis tragen nicht arg viel zur Handlung bei und hätten ein wenig knapper gehandhabt werden können (ja, ich weiß natürlich noch, dass aus dem Subplot mit Georg noch was wird). Interessanter sind die Entwicklungen im Märchenland, wo einige wichtige Dinge vorbereitet werden (Xenias Modernisierungswahn, ihr berechnender Heiratsplan mit Willibald, und der sich andeutende Dissens zwischen dem König und der falschen Königin) und der entscheidende Punkt sogar schon gemacht wird (das klassische "halbe Königreich plus Prinzessin" für den Retter) - es entschädigt auch ein wenig darüber hinweg, dass das angedachte "Privatgespräch" zwischen König und Arabella aufgrund der aktuellen dramatischen Entwicklungen nicht stattfindet. Das Gag-Potential der Episode ist wieder eher dünn - der Witz, dass Georg Peter (begreiflicherweise) für bekloppt hält, wird bis zum Gehtnichtmehr gemolken, den besten Lacher verbucht ausgerechnet Hansi, als der auf Mamas Feststellung, Herr Maier habe jetzt vier Beine und das sei gegen den gesunden Menschenverstand, trocken nachfragt, wieviele Beine er als Hund denn sonst haben sollte (auch der Umstand, dass Herr Maier dem Hundeinstinkt folgen muss und einem Ball nachjagt, amüsiert). Insgesamt aber eine Folge, die mich nicht pausenlos vom Hocker haut - zwar unverzichtbar speziell wegen der noch wichtig werdenden Märchenland-Entwicklungen, aber ein merklicher Durchhänger nach der ausgezeichneten dritten Folge. Wir werden sehen, ob die nächste Folge wieder etwas mehr Elan in die Sache bringt.

--- TO BE CONTINUED ---

(c) 2009 Dr. Acula

PROJEKT 300-Zwischenstand: 111 down, 189 to go (wenn das Review mal fertig ist...).

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