Mini-Reviews 2016 Teil 2

Aus Badmovies.de
Wechseln zu: Navigation, Suche

SANTO CONTRA LOS JINETES DEL TERROR

Mexiko 1970

Regie: Rene Cardona

mit Santo, Armando Silvestre, Julio Aldama, Mary Montiel

Santo im Wilden Westen!

Du weißt, dass du keinen gewöhnlichen Western ankuckst, wenn der Film mit der Flucht eines halben Dutzend Leprakranker (mit anständig ekligem Make-up) aus einer Leprakolonie in der mexikanischen Provinz beginnt. Dr. Ramos, der gefoppte Lepraarzt, und der Sheriff sind sich einig, dass die Burschen eigentlich harmlos sind, was die örtliche Bevölkerung allerdings nicht so ohne weiteres glaubt - und in der Tat begehen die Leprösen einige Raubzüge. Es werden lautstark Vergeltungsmaßnahmen gefordert und der Wortführer der Anti-Lepra-Fraktion, ein gewisser Terranatiente, wittert, als er tatsächlich das Versteck von José und seinen fünf lustigen Leprakranken aufstöbert, eine Chance auf unmittelbare monetäre Bereicherung. José hat keine große Alternative zu einem vermeintlichen Zweckbündnis mit Terranatiente, der nun mit seiner Gang die - nunmehr ungleich brutaleren - Raubüberfälle begeht und darauf hinarbeitet, im Falle des Falles die Schuldigen - José und seine Leute - präsentieren zu können und so auch das Herz von Carmen, der Freundin des Sheriffs zu gewinnen (so funktionierte das halt damals, shut up). Ramos und der Sheriff schalten Santo ein, der auch im 19. Jahrhundert schon als Superheld auf Mexikos staubigen Provinzpisten unterwegs war. Santo und Terrantiente werden *SOFORT* Intimfeinde (Santo ist keine fünf Sekunden im Dorf, schon fordert ihn der böse Schwarzhutträger zu einem Faustkampf auf). Der Versuch, der Gang eine Falle zu stellen, scheitert, weil Terranatiente keine Skrupel hat, auch seine eigenen Leute umzulegen, wenn die zu plaudern drohen. Während einer Fiesta schreitet die böse Bande zu ihrem Hauptfischzug - die Bank mit den frisch eingetroffenen Lohngeldern wird überfallen, dabei allerhand Kroppzeuch totgeschossen und Carmen entführt. Jetzt ist aber Schluss mit Lustig!

Rene Cardona senior inszeniert diese Genremelange, die Santo zugebenermaßen nicht sonderlich entgegenkommt - gut, es ist mal eine nette Abwechslung, wenn Santo zum Gewehr greift und dem Oberböswatz ein Ohr abschießt, aber in erster Linie ist Santo nun mal Luchadore und so richtig fügen sich der Lucha-Film und der Western in diesem Exempel nicht zusammen - Crossbodys und Headscissors als primäre Waffen gegen Pistoleros? Ich weiß ja nicht. Zudem Santo auch erst recht spät (nach über 20 Minuten) zum Prozedere stößt - und natürlich mit einem Wrestling-Match eingeführt wird. Ein Doppelpack an romantic subplots macht wenig Sinn (José hat aus seiner Vor-Lepra-Zeit noch 'ne Schnalle am Start und der Carmen/Sheriff-Subplot wird so aufgelöst, dass am Ende *Santo* Carmen heiratet. Undank ist der Welt Lohn). Still, it got a couple of fun scenes und period-piece-Santo ist sowieso etwas, was ich gerne öfter sehen würde. Es gibt allerdings doch einige deutlich bessere Santo-Streifen...

THE BLACK ROOM

USA 1935

Regie: Roy William Neill

mit Boris Karloff, Marion Marsh, Robert Allen, Thurston Hall

Und noch mehr historischer Surrogathorror...

Dieses Mal sind wir im Tirol des späten 18./frühen 19. Jahrhunderts. Baron von Bergman ist alles andere als glücklich über die Geburt von Zwillingssöhnen - eine alte Prophezeihung besagt nämlich, dass in einem solchen Fall der jüngere den älteren Bruder umbringen und damit das Ende des Geschlechts heraufbeschwören würde.

So ungefähr dreißig Jahre später (was den Effekt hat, dass Karloff mal nicht eine Rolle spielt, die ihn älter macht als er tatsächlich war, sondern als... naja, Mittdreißiger durchgehen soll, obwohl er schon auf die 50 zuging) - die Brüder haben das Dilemma halbwegs zu lösen versucht. Gregor regiert, und der jüngere Anton genießt das Leben eines Bohemian in Budapest. Gregor ist allerdings bei seinem Volk ungefähr so beliebt wie eiternder Ausschlag, was a) an seinem tyrannischen Herrschaftsstil liegt und b) an dem über dem Landstrich wabernden Gerücht, Gregor würde junge attraktive Frauen entführen lassen und dann umbringen. Ein Gerücht, das, wie sich schnell für uns herausstellen wird, vollumfänglich den Tatsachen entspricht. Gregor ahnt, dass ihn früher oder später ein amtlicher Bauernaufstand aus Amt, Würden und mutmaßlich Leben spülen wird, also holt er Anton, der seit Geburt unter einem gelähmten Arm leidet, zurück. Der jüngere Bruder ist nämlich ein allgemein anerkannter Menschenfreund und als die Revolution wenig später kommt, überrascht Gregor mit einer unproblematischen Abdankung zugunsten Antons. Selbstverfreilich hat Gregor nicht auch nur im Ansatz vor, sich ins Privatleben zurückzuziehen - er zeigt Anton den ominösen schwaren Raum und insbesonder die dortige Grube, in der er alle seine Opfer zu entsorgen pflegt. Anton gesellt sich rasch hinzu. Jetzt muss Gregor nur seine Frisur etwas richten und daran denken, seine rechte Flosse "gelähmt" zu halten und schon kann er als beliebter Regent die Früchte seiner Arbeit genießen, i.e. eine Ehe mit der feschen Tochter von Oberst Hassel, die allerdings nun wiederum lieber mit dem nicht minder feschen Husaren Lussan liiert ist. Als Hassel Gregors Geheimnis entdeckt, ist es nicht schwer, den alten Oberst zu ermorden und, hat der sich doch mehr oder minder öffentlich tierisch über das Eheansinnen des Barons beklagt, die Tat Lussan in die Schuhe zu schieben. Die Hochzeitsglocken läuten schon...

Ich bin mir ehrlich nicht ganz sicher, ob das Karloffs einzige Doppelrolle war, zumindest aber ist es als solche auf alle Fälle bemerkenswert; mit minimal anderer Mimik, Gestik und Make-up gelingt es ihm wirklich, zwei völlig unterschiedliche Charakter zu verkörpern - den sadistischen, von Grund auf bösen Gregor und den freundlichen, dabei aber schon zu naiven Anton. Auch technisch sind die Szenen, in denen beide Bergman-Brüder zusammen zu sehen sind, für Baujahr 1935 anständig gelöst. Der Film selbst, obschon mit einer interessanten Story ausgestattet, ist leider etwas langsam und reich an Gesprächen, doch arm an wirklichen Höhepunkten, und die ziemlich schwerhändige Art, mit der "The Black Room" sein Ende antelegrafiert, dürfte heutiges Publikum auch nur schwer begeistern. Handwerklich ist das schon in Ordnung - mit der Ausnahme, dass "Tirol", sobald nicht mehr auf einem Studio-Backlot vor Alpen-Wandtapete gedreht wird, sondern "on location", verdächtig nach dem Bronson Canyon aussieht, da helfen auch die dekorativ aufgestellten Wegkreuze und Marterln nicht wirklich weiter.

Als Spannungsfilm eher durchgefallen, aber Karloff zeigt, was er kann.

THE BLACK CASTLE

USA 1952

Regie: Nathan Juran

Darsteller: Richard Greene, Boris Karloff, Stephen McNally, Rita Corday, Lon Chaney jr.

Ein weiteres horribel angehauchtes Historiendrama.

Während der Regentschaft von Kaiser Karl VI. - der britische Adlige Sir Ronald erschleicht sich eine Jagdeinladung bei dem berüchtigten Provinzgrafen von Bruno, unter falschem Namen, aber mit Segen des Kaisers. Seit zwei seiner Freunde im Schwarzwald, wo Bruno regiert, verschwunden sind, vermutet Sir Ronald, dass Bruno aufgrund eines lang zurückliegenden Vorfalls in Afrika mörderischerweise Hand angelegt hat und sucht Beweise zu finden, die es ermöglichen würden, den langen Arm der Justiz zugreifen zu lassen (dadurch, dass im HRR der Kaiser keinen direkten Einfluss auf die selbständig amtierenden Kleinstaatfürsten ausüben kann, muss die Beweislage wasserdicht sein). Dass im schwarzen Schloss des Grafen einiges verdächtig müffelt, wird Ronald schnell klar. Die Frau des Grafen, die junge und hübsche Elga, macht rasch deutlich, dass sie zur Ehe gezwungen wurde, im Keller hält Bruno einen Leoparden gefangen, der bei der nächsten Jagd erlegt werden soll, und einen Burggraben mit Krokodilen gibt's auch - von des Grafen finster dreinblickenden Leibarzt Meissen (Karloff), seinem stummen Handlanger Gargon (Lon Chaney jr.), und seinen arrogant-agressiven Kumpels Steiken und von Melcher ganz zu schweigen. Graf Bruno ahnt auch, dass Ronald nicht der ist, für den er sich ausgibt und dass Elga und Ronald sich schöne Augen machen, bleibt dem Graf auch nicht verborgen. Ronald findet heraus, dass Elga einen afrikanischen Anhänger trägt, wie ihn auch seine verschwundenen Freunde besaßen. Ronald erklärt Elga, was genau Sache ist - vor Jahren hatte Bruno in Westafrika einen Stamm unter seine Fuchtel bekommen, in dem er sich als weißer Gott ausgab und dort sein Privatreich errichtete. Ronald und seine Kumpels spuckten ihm in die Suppe, und seitdem ist Bruno auf die Engländer ein wenig pissig. Ronald plant, nachdem er seinen Beweis gefunden hat, seine Abreise, doch Meissen überzeugt ihn davon, dass Elga in tödlicher Gefahr schwebt. Also kehrt Ronald um, um auch Elga zur Flucht zu verhelfen, doch das geht gründlich schief...

Die erste Regiearbeit von Nathan Juran, der auf der Habenseite einige der besten Harryhausen-Filme stehen hat, aber auch "Attack of the 50-Foot-Woman" oder "The Deadly Mantis" auf dem Kerbholz... Sein Debüt ist ein solide gearbeitetes Gothic-Drama mit Poe-Anklängen. "Horror" im technischen Sinne ist das sicher nicht, für die Schauer sorgen die düstere Atmosphäre, die verschrobenen Charaktere auf Bösmannsseite und die unheimlichen Sets. Richard Greene war in den 40ern ein swashbuckler-Held (und staubte später die Titelrolle in einer langlebigen "Robin Hood"-TV-Serie ab) und ist als romantic hero daher durchaus erprobt, Rita Corday muss eigentlich nur hübsch aussehen, Stephen McNally gibt einen patenten sadistischen Schurken ab - ohne großes Overacting, sondern kalt und zynisch. Die Horror-Ikonen Chaney und Karloff haben nicht viel zu tun. Chaney muss sich als stummer Brutalo wenigstens keine Texte merken und Karloff lebt mehr von seinem Image (nach dem Motto, ein Karloff-Charakter MUSS böse Ränke im Schilde führen, so dass sein Face-Turn durchaus überraschend kommt) als vom Script. Kein Showcase für Karloff oder Chaney, aber ein ziemlich guter Film nonetheless.

THE STRANGE DOOR

USA 1951

Regie: Joseph Pevney

Darsteller: Charles Laughton, Boris Karloff, Sally Forrest, Richard Wyler

Fronkreisch im 18. Jahrhundert, prevolution. Der junge Edelmann Denis, seines Zeichens enterbter Tunichtgut, Hallodri und Spieler, wird in eine Kneipenschlägerei verwickelt und schießt dabei scheinbar einen seiner Kontrahenten tot. Auf der Flucht vor einem wütenden Mob steigt er in eine Mietdroschke, die ihn stantepete zum Sire de Maletroit bringt, einem eher unsympathischen Gesellen, der ihn unbedingt mit seiner Nichte verheiraten will. Auf Zwangsehe hat Denis wenig Bock, zumal er davon ausgeht, dass seine Zukünftige eine ganz besonders abgerissener Besen sein muss, wenn sie sonst keinen Kerl findet, aber der Sire weist darauf hin, dass nur er Denis Schutz vor den lästigen Nachstellungen des Gesetzes bieten kann. Die Braut-to-be erweist sich bei einem heimliche nächtlichen Besuch als überraschend hübsch und genauso unwillig, den nächstbesten Fremden zu ehelichen. Das Paar ist sich einig - was hier vorgeht, ist rätselhaft, aber es ist mit ziemlicher Sicherheit nichts gutes.

So ist es, denn der Sire hat amtlich einen anner Waffel - seit 20 Jahren hält er seinen Bruder im Verlies gefangen, weil der die Frechheit besass, die Frau (Blanches Mama) zu heiraten, die der dicke Sire inniglich liebte. Edmund de Maletroit hat in der Kerkerhaft den Verstand verloren und weil es dem Sire irgendwie nicht so viel Spaß macht, einen Verrückten umzubringen, soll Blanche nun Opfer seiner Rache werden; sein bizarrer Plan ist es, die unschuldige Blanche durch die Ehe mit einem kriminellen Subjekt zu korrumpieren (der hat zu viel de Sade gelesen...). Doch der Sire hat mit zweierlei Dingen nicht gerettet - Blanche und Denis vertragen sich schnell gut genug, um gemeinsame Fluchtpläne zu schmieden, und Edmund spielt seinem Bruder den lallenden Schwachkopf nur vor - in Wahrheit ist er geistig gut beinander und hat mit Kerkermeister Voltan auch einen loyalen Verbündeten...

Düsteres Rachedrama, das ohne übernatürliche Elemente auskommt, und dabei sehr gut funktioniert. Charles Laughton als ekliger fetter Sire ist eine Schau - das ist Overacting vom Feinsten. Karloff findet sich in der prägnanten Nebenrolle des Voltan wieder und hat einige feine Szenen im Zusammenhang mit seiner Loyalität gegenüber Edmund und Blanche respektive. Von Edmund hat er die Aufgabe, die Hochzeit mit allen Mitteln (i.e. einer scharfen Klinge zwischen Denis' Rippen) zu verhindern, aber Denis betrachtet ihn als Allierten und dass Denis Blanche helfen will, kapiert auch Voltan. Zudem gibt's schicke Sets, exzellente s/w-Fotografie und ein wirklich spannendes Finale. Der's richtig gut!

THE CLIMAX

USA 1944

Regie: George Waggner

Darsteller: Boris Karloff, Susanna Forster, Turhan Bey, Gale Sondergaard

Universal war ja traditionell ein eher sparsames Studio (bis weit in die 20er hinein galt der Laden sogar als Mitglied der Poverty Row) - das für Studioverhältnisse schweineteure "Phantom der Oper" musste irgendwie amortisiert werden, und sei's, dass man in den gleichen Kulissen noch mal nen Film dreht. Ursprünglich sollte es wohl ein "offizielles" Phantom-Sequel werden, aber Claude Rains lehnte ab, und so wurde daraus ein Boris-Karloff-Vehikel, immerhin Karloffs erster Farbfilm.

Wir sind irgendwo in einem deutschsprachigen Königreich so um die Jahrhundertwende. Vor zehn Jahren ging dem örtlichen Opernhaus die geniale Primadonna Marselina verloren - seit ihrem mysteriösen Verschwinden ist ihre Signatur-Rolle, die "magische Stimme" aus dem Spielplan verbannt, wofür sich besonders der Leibarzt des Theaters, Dr. Hohner, einsetzt. Der hat auch guten Grund dazu, hat *er* doch Marselina umgebracht, weil die ihre abhebende Karriere für wichtiger hielt als Hohners Liebesschwüre. Nun, bei der aktuellen Primadonna Jarmila stellt sich die Frage nicht, die kommt in der Tonleiter gar nicht so weit rauf. Schon allerdings die Neuentdeckung Angela Klatt, die von dem jungen Impresario Franz vertreten wird. Hohner ist entsetzt - Angelas Stimme gleicht verblüffend der von Marselina, und mit deren Voice-Power fing das ganze Elend ja an! Also schreitet der bekloppte Arzt zur Tat - nach ihrem ersten und spektakulär erfolgreichen Auftritt schleppt er das junge Starlet zu einer angeblich mandatorischen Post-Auftritt-Halsuntersuchung und hypnosaftet das arme Ding in seiner Praxis nach Strich und Faden. Nie mehr, so suggeriert er ihr, wird Angela singen!

Das bewahrheitet sich auch bei der nächsten Probe, für die der Theaterdirektor die "Magische Stimme" wieder aktiviert hat. Angela bricht stimmmäßig zusammen und wird in die Obhut von Dr. Hohner gebeten. Franz vermutet, dass es helfen könnte, Angela in eine Live-Stage-vor-Publikum-Situation zu werfen und arrangiert eine Aufführung der "Magischen Stimme" auf königliches Geheiß. Dazu bekommt er unerwartete Hilfe von Hohners Haushälterin Louisa, die sich als Marselinas ehemalige Gesellschafterin nur bei Hohner verdingt, um Beweise für dessen Schuld zu finden, und die Angela zur Flucht verhilft...

Quasi Reverse-Phantom-der-Oper - anstatt einer jungen Sängerin zum Durchbruch zu verhelfen, will Karloff das genaue Gegenteil, ihre Karriere zerstören, bevor sie überhaupt richtig los geht. Interessante Variante des Themas und Karloff ist als sinistrer Doktor auch game für die Operation, auch wenn die Versuche, Dr. Hohner zu einer ähnlich tragischen Gestalt wie das Phantom zu machen, schmählich scheitern - dafür ist Hohner einfach zu sehr Arschloch als ambivalenter Charakter. Susanna Foster spielt praktisch die gleiche Rolle wie im "Phantom", anstelle Nelson Eddy gibt's Turhan Bey als Babyface-romantic-lead, der das aber ganz gut erledigt.

Das Hauptproblem von "Climax" ist die Musik - ich weiß, dass viele heutige Kritiker das Rains-Phantom wegen seiner vielen Opern-Einlagen ablehnen, aber dort hat das gepasst, die "richtige" klassische Musik von Chopin, Tschaikowsky etc., auf die die Universal-Leute eigene Librettos schrieben, das fügte sich gut ein. Anno 2016 gibt's aber sicherlich keine Form des Musiktheaters, die toter ist als die Operette, und damit haben wir's hier zu tun, und dann auch nicht, weil Universal immer zu geizig war, Musikrechte zu kaufen, keine "richtigen"; sondern was halt schnell hingefakedes. Das Koloraturgekiekse bis zum dreigestrichenen hohen C kann zartbesaiterere Seelen (wie mein Frauenzimmer) mühelos in den Wahnsinn treiben, und auch dramaturgisch halten die Bühnenszenen (grad bei einer starken, dominanten Performance von Karloff) heftig auf, während wir beim "Phantom" ja quasi eine interne Dramaturgie der Opernauszüge hatten. Hier wissen wir nicht mal, worum's in den gesungenen Stücken überhaupt geht.

Der Horror-Gehalt ist mäßig (der Bodycount beläuft sich insgesamt auf 2) und dem Film fehlt eine Standout-Szene wie der fallende Kronleuchter, aber als Karloff-Showcase ist der schon ganz okay - man muss halt wirklich mit dem Operettengekreische leben können, und das fällt selbst mir hier relativ schwer. Schön anzuschauen, was Kostüme und Ausstattung angeht, ist der Streifen allemal.

TOWER OF LONDON

USA 1939

Regie: Rowland V. Lee

Darsteller: Basil Rathbone, Boris Karloff, Barbara O'Neil, Ian Hunter, Vincent Price

Düsteres Historien-Drama, das für Filmfreaks aufgrund des erstmaligen Zusammentreffens von Basil Rathbone, Boris Karloff (die kamen wie Regisseur Lee direkt von "Son of Frankenstein") und future star Vincent Price bemerkenswert ist.

Edward IV. hat gerade Henry VI. vom Thron geschubst und den leicht verwirrten alten König mit einer Pappmaché-Krone im Tower eingesperrt. Zusammen mit seinem wichtigsten Berater, seinem Bruder Richard von Gloucester, arbeitet er nun an der Stabilisierung seiner Herrschaft, und bei Könichs macht man das entweder durch Kriegführen oder diplomatisch wertvolles Verheiraten der Verwandschaft. Edward würde gern auch Richard unter die Haube bringen, aber der wehrt ab - nicht zuletzt, weil er eigene Pläne hat und die ausgekuckte Ehe, geschickt einem potentiellen politischen Rivalen zugeschustert, schon mal ein Risiko ausschaltet. Ein größeres ist aber Richards und Edwards Halbbruder, der Duke of Clarence (Price), der streng genommen, wenn man rein nach Verwandschaftsgrad geht, einen stärkeren Anspruch auf die Krone hat als Edward und zudem auf einem beträchtlichen Vermögen sitzt. Es gelingt Richard, durch ein geschickt eingefädeltes Manöver mit dreifachem doppelten Boden Clarences Schwester, eigentlich erklärtes Mitglied im Bringt-Edward-und-Richard-am-besten-beide-um-Club, und eigentlich Angetraute des exilierten rechtmäßigen Thronfolgers, zur Ehe zu überreden, und der König schlägt ihr kraft seines Amtes die werthaltigsten Teile von Clarences Besitz als Mitgift zu. Clarence, der ahnt, dass Richard alles eingefädelt hat, fordert ihn zu einem Wettsaufen heraus, was für Clarybaby schlecht ausgeht. Wenig später beißt Edward ohne Richards Zutun ins Gras - zwischen ihm und dem Thron stehen jetzt nur noch Eddies zwei minderjährige Söhne, die er aber problemlos unter seine Fuchtel bekommt und über sein Netzwerk an Spionen eine öffentliche "Richard-for-Könich"-Kampagne orchestriert. Wird Richard soweit gehen, die beiden Kinder zu beseitigen, um den Thron zu besteigen (Spoiler: Of course he does).

Die Geschichte kennen wir ja alle aus Shakespeares Drama (und hoffentlich aus der grandiosen Adaption mit Ian McKellen als Richard) - "Tower of London" ist quasi "Game of Thrones" 1939 minus die Fickelszenen. Hier wird intrigiert, gemordet, gefoltert, bis die Schwarte kracht. Rathbone ist exzellent als kalt-kalkulierender Machtmensch, Price deutet künftige Großtaten an, aber im Gedächtnis bleiben wird hauptsächlich Boris Karloff in der nicht sonderlich großen (aber zweitgebillten) Rolle als Rathbones Henchman, Henker und Folterknecht mit dem hübschen Namen Mord (!) und dem eleganten Klumpfuß - ein Mann, dem der Beruf Berufung ist. Die Ausstattung ist bemerkenswert, der Score beachtlich, die schauspielerischen Leistungen auch in den Nebenrollen ansprechend. Es ist kein *Horrorfilm* per se, aber allein natürlich die Szenen mit Mord im Folterkeller sind natürlich schon deutlich horrible Ikonographie. 1962 stieg Vincent Price dann im Roger-Corman-Remake zum Richard auf.

Sollte man gesehen haben!

Bitte übrigens um Entschuldigung, wenn ich mich im Recap mit Verwandschaftsverhältnissen verhauen habe - it's a rather complicated movie to follow...

NIGHT KEY

USA 1937

Regie: Lloyd Corrigan

Darsteller: Boris Karloff, Warren Hull, Jean Rogers, Alan Baxter

Non-Horror-Crime-Thriller mit leeeeicht utopischem Anstrich.

Praktisch die ganze Stadt vertraut auf die elektrischen Alarmanlagen von Steve Ranger. Erfunden hat das Gerät aber eigentlich sein alter Partner Mallory, den Ranger aber um die Patentrechte beschissen hat. Jetzt ist Mallory alt, verarmt und fast blind (ich finde es bemerkenswert, dass Karloff schon 1937 "alte Männer"-Rollen gespielt hat, obwohl noch über 30 Jahre Karriere vor ihm lagen), hat aber ein neues, verbessertes Alarmsystem entwickelt. Mit Hilfe von Mallorys korruptem Anwalt gelingt es Ranger, Mallory zu einem Vertragsabschluss zu überreden, doch entgegen Mallorys Hoffnungen hat Ranger natürlich nicht im Sinn, das neue System in Produktion zu geben - es reicht ihm, dass seine Konkurrenten nicht dran kommen. Mallory ist begreiflicherweise sauer, zumal seiner schlechten Augen wegen er kaum ein neues Projekt, dass seiner Tochter Joan die Zukunft sichern könnte, beginnen kann. Aber Mallory hat eine Idee - er hat noch ein weiteres Gerät erfunden, eine Art Störsender, mit der jedes bisherige Ranger-Alarmsystem ausgeschaltet werden kann. Mit dem schnell aus einer Arrestzelle rekrutierten Kleingauner Pretty Louie beginnt Mallory eine neue Blitzkarriere als Serieneinbrecher "Night Key" - nie wird was gestohlen, was Mallory veranstaltet, sind eher "pranks", die aber nichtsdestotrotz die Polizei in Atem halten und vor allem Rangers Geschäftsmodell empfindlich stören. Ranger ahnt, woher der Hase läuft und setzt seinen Mitarbeiter Jim Travers auf Joan Mallory an. Der findet jedoch schnell heraus, dass Ranger den alten Mann übel gefoppt hat und schlägt sich auf Joans Seie. Problematischer ist, dass ein örtlicher Gangsterboss namens "The Kid" meint, ein Mann mit den Fähigkeiten Mallorys sollte nicht auf eigene Kappe, sondern vielmehr für ihn arbeiten - Mallory wird gekidnappt und von nun an wird bei den Night-Key-Einbrüchen auch ordentlich geraubt...

Passabler, aber nicht weltbewegender kleiner B-Thriller mit einer zumindest recht originellen Prämisse. Der Streifen verliert kurioserweise an Drive, sobald er in einen "ordinären" Gangsterfilm umschaltet (also sobald Mallory gezwungenermaßen für The Kid arbeitet) - Karloff als Prankster, der niemandem wirklich schaden will, sondern nur Rangers Alarmsystem diskreditieren, und daher in einem Juwelierladen alle Uhren auf einen Haufen packt oder in einem Regenschirmladen alle Schirme aufspannt, ist recht witzig und originell. Die zweite, konventionellere Thriller-Hälfte lässt dagegen nach, weil Karloff dann auch zwangsläufig eher in den Background rutscht und "The Kid", ein Babyface-Gangster mit forciertem Al-Capone-Snarl, auch alles andere als wirklich bedrohlich rüberkommt. Kann man kucken, ist aber kein essentielles Karloff-Viewing.

THE DIRTY DOZEN IV: FATAL MISSION

USA 1988

Regie: Lee H. Katzin

mit Telly Savalas, Ernest Borgnine, Hunt Block, Alex Cord, Ernie Hudson, Heather Thomas, John Matuszak

Der dritte Dozen-TV-Film und der vierte insgesamt, dieses Mal mit einer recht abgedrehten Prämisse.

Wir befinden uns im Jahr 1943 und selbst dem optimistischten Nazi-General wird langsam, aber sicher klar, dass eine nicht unerhebliche Möglichkeit besteht, dass das Reich den Krieg verlieren wird, zumindest aber die Sache sich noch ein Weilchen hinziehen wird. Major Wright bekommt über einen Überläufer, der allerdings totgeschossen wird, bevor er mehr als einen kryptischen Hinweis geben kann, Informationen über "Operation Walküre". Im Gegensatz zu dem, was du und ich in Geschichte gelernt haben, geht's hier nicht um das Stauffenberg-Attentat, sondern um eine Maßnahme der Prophylaxe. Der Führer himself hat 12 ultralinientreue Jungfunktionäre (unter 35) ausgesucht, die im Falle des Falles von Istanbul aus das Vierte Reich organisieren sollen. Die Betreffenden sollen per Zug über die Orient-Express-Route in die Türkei transportiert werden. Die neueste Ausgabe von Major Wrights bewährtem Schwerverbrecher-Brutaltrupp soll diesen Zug platt machen, doch schon in der kurzen Ausbildungsphase stellt sich heraus, dass unter den sonst so vertrauenswürdigen Kriminellen eine fiese Verrätermorchel wuchert. Da das Zeitfenster eng ist und anderweitige Methoden, den Zug zu vernichten, kaum Erfolg versprechen, zieht Wright trotzdem los und versucht, so gut wie möglich zu improvisieren...

Das Franchise zeigt im vierten Aufguss nun doch Ermüdungserscheinungen - die Struktur ist fast identisch zum dritten Teil, mit teilweise deckungsgleichen plot points, nur, dass die Action dünner gesät ist als im Vorläufer. So richtig in die Pötte kommt die Sache erst in der letzten halben Stunde, und auch dann ist die Action nicht SO voluminös wie im dritten Teil, der für einen Fernsehfilm recht ordentlich auf die Kacke haute. Im Cast befinden sich neben Savalas und Borgnine (der etwas mehr Screentime hat als im Vorgänger) ein Rudel bekannter TV-Gesichter: CHIP Erik Estrada, Airwolfs Arkangel Alex Cord, Soap-Semistar Hunt Block (Unter der Sonne Kaliforniens), Heather "ohlala" Thomas, Ex-Footballer und Teilzeitactionkämpe John Matuszak ("One Man Gang", "Krieg der Eispiraten") und Winston Zeddemore Ernie Hudson. Block und Thomas wird eine unglaubwürdige sort-of-romance angedichtet, ansonsten hat eigentlich nur Hudson so etwas wie einen definierten Charakter. It's okayish, aber "Deadly Mission" war doch deutlich besser.

JARHEAD 3: THE SIEGE

USA 2016

Regie: William Kaufman

Darsteller: Charlie Weber, Scott Adkins, Tom Ainsley, Erik Valdez

Junger Marine, der gerne so etwas wie ein Supersoldat werden möchte, wird einer Nahost-Botschaft zugeteilt, wo er bei Kollegen und Vorgesetzten aneckt, erst recht, als er glaubt einen Terroristen zu erkennen und den Dienstweg übergehend direkt beim Botschafter vorspricht, der den Hinweis nicht sonderlich ernst nimmt - gerade aufgrund seiner Arbeit sei das Verhältnis zur einheimischen Bevölkerung vergleichsweise gut. Natürlich hat unser Marine aber völlig recht - eine IS-assozierte Terrorgruppe greift die Botschaft mit erstaunlichen Ressourcen an. Das kleine Marine-Kontingent steht auf verlorenem Posten...

Ja, es ist in der Tat erstaunlich, wie schnell aus einem seriösen, psychologischen Kriegsdrama, das hauptsächlich den psychischen Stress, dem die Soldaten im Kriegsgebiet ausgesetzt sind, thematisierte, ein run-of-the-mill-DTV-Actionfranchise geworden ist, aber Universal hat damit offenbar kein großes Problem (und auch nicht damit, die eigentliche Ausführung unseren alten Freunden von UFO zu überlassen). "Jarhead 3" ist dabei aber überraschend gut gelungen - die Story ist angeblich vom Anschlag auf das US-Konsolat in Benghasi inspiriert und erinnert auch ein wenig an den Van-Damme-Klopper "Second in Command", funktioniert aber als reduziertes Belagerungsszenario recht gut, das ist halt seit Carpenters gutem alten "Assault on Precinct 13" ein beinahe unverwüstliches Format. Die Action ist reichhaltig und knackig (Kopfschuss galore, da amüsiert mich mal wieder die lockere 12er-Freigabe unserer holländischen Nachbarn), die Charakterisierungen sind nicht tiefgründig, wobei der Film versucht, im Rahmen eines DTV-Actionkrachers so gut wie möglich zu differenzieren (eine nicht ganz unwichtige Figur ist der Bruder des Chef-Terroristen, den der gerne umlegen möchte, weil er den Amis Daten für eine Drohnenattacke geliefert hat. Dieser Jamal versucht, den Standpunkt seines bösen Bruders zu erklären: "Glauben sie, er ist eines morgens aufgewacht und hat beschlossen, die Welt zu hassen?"). William Kaufman hat auch für die WWE den gut brauchbaren "Marine 4" gedreht - scheint einer zu sein, den man im DTV-Action-Bereich im Auge behalten sollte. Scott Adkins hat zwar Top-Billing, die Hauptrolle spielt aber Charlie Weber ("Buffy", "90210"). Sehr ordentlicher Action-Fix mit vergleichsweise zurückhaltendem Flaggewedeln. Jou, gefällt.

FLIGHT WORLD WAR II

USA 2015

Regie: Emile Edwin Smith

mit Faran Tahir, Robbie Kay, Aqueela Zoll, Matias Ponce

Na also, geht doch, Asylum :D Ich weiß zwar nicht, wie man 2016 auf die Idee kommt, einen "FInal Countdown"-Mockbuster zu drehen, aber ich werd mich nicht beschweren...

Auf einem Transatlantikflug gerät ein Passagierjet in ein unerklärliches Wetterphänomen - als die Luft sich wieder beruhigt hat, findet sich der Flattermann mysteriöserweise a) über Frankreich und b) mitten im Kriegsgebiet wieder. Captain Strong will's nicht so recht glauben, aber sowohl ein paar Hobby-Historiker an Bord als auch der junge britische Armeefunker Sheffield, mit dem die Maschine Kontakt aufnehmen kann, stellen fest, dass man sich im Jahr 1940, mitten im Nazi-Vormarsch, befindet. Ein paar Passagiere im besten 9/11-Spirit kommen auf die Idee, die Maschine zu übernehmen, um mit den Kriegskenntnissen bewaffnet Hitler auszuschalten und den Holocaust zu verhindern, aber da gibt's ein Problem - das Jahr 1940, in dem sich der Jet befindet, ist nicht ganz das Jahr 1940, das in den Geschichtsbüchern steht. Die Nazis pfeilen mit massenweise Me 262s durch den Himmel, die sie noch nicht haben dürfte, Dünkirchen war ein Desaster epischen Ausmaßes für die Allierten und die Briten haben noch nicht mal Radar. Dieweil die Nazis den fetten Brummer im Franzmanns-Himmel allgemein eher skeptisch beäugen und ganze Jäger-Heerscharen auf ihn hetzen, sehen die Briten auch eher das Risiko, dass die Supertechnik den Nazis in die Hände fällt und versuchen ihrerseits, Sheffields Protesten zum Trotz, den Skyliner abzuknallen. Angesichts der turbulenten Lage kommen die Historiker auf die Idee, dass ihr Erscheinen in der Vergangenheit möglicherweise die Kriegswende hin zur "normalen" Geschichte bedeuten könnte - sofern man den Briten irgendwie die Radartechnologie zukommen lassen kann...

Das ist ein wirklich überraschend cleverer Zeitreisefilm, der die üblichen Tropes ein bisschen auf den Kopf stellt. Sicher, die CGI sind nicht besonders gut, aber abgesehen davon arbeiten Asylum hier recht gut in den Beschränkungen ihres Budgets - der überwiegende Anteil des Films spielt im Flugzeug, ein paar Minuten am Boden. Der Cast kommt ohne ganz große Namen aus (Robbie Kay aus "Once Upon a Time" ist vermutlich der "größte" Star), Action gibt's weitgehend nonstop, die Nummer ist durchaus spannend und durchaus vernünftig gespielt - und, auch das muss man sagen, das ist keiner von den "wir-machen-Trash-und-wissen-es"-Kloppern Marke "Sharknado", das ist durchaus ein richtiger Film, der nicht mit mean spirited gags, Cameos oder one-linern zu punkten versucht, sondern mit seiner Story und seiner Action. Gehört zur Oberklasse der Asylum-Filmographie.

NINJA DEMON'S MASSACRE

Hongkong/Taiwan 1988

Regie: Godfrey Ho

mit Edmund Morris, Ken Ashley, Ted Brooke, James Lear

Solider Filmark-Patchwork-Quark, basierend auf einem Thai-Actionklopper, der schon sein eigenes gerüttelt Maß an delirierender Action mitbringt.

Versuche, die neue Storyline zu durchsteigen, sind wie üblich reichlich sinnlos - es geht wohl um einen Spionagering, der Militärgeheimnisse via Thailand an Kommunisten vertickt. In Hongkong ist ein gewisser Mr. Goff der Boss, der mittels seines glatzköpfigen Verbindungsmann die Infos nach Thailand schickt und von den Agenten/Interpol-Cops/whatever Robinson (Stuart Smith mit einer fiesen Frise) und Kollegen gejagt wird. Goff hat ein Ninja-Imperium zur Hand, so dass es schon ein glücklicher Umstand ist, dass Robinson, wie uns ungefähr zur Filmhalbzeit als Begleitung einer ausführlichen Kampfszene ein dezidiert gelangweilter Off-Sprecher erklärt, ein echt dicker Kumpel des weisen und gerechten Clans der Goldenen Ninjas ist, die ihm aus Loyalität mehrfach den Arsch retten. In Thailand hockt dieweil "Boss Willie" (einer der weniger eindrucksvollen Schurkennamen der Geschichte), der dortige Vorsteher des Spionagerings. Dem sitzen Jack und July im Genick, Agenten, die sich in der Tarnung als Lehrer bei seiner geschiedenen Frau Lady Christine einnisten, und Max und Robert Douglas (natürlich sind trotz der Namen in diesem Filmpart alle Darsteller waschechte Thais), die nach einer Kneipenschlägerei beste Kumpels werden und so lange Willies Männer foppen, bis Max (in Wahrheit natürlich ebenfalls ein auf den Fiesowatz angesetzter Agent) in Willies Dienste tritt, um dort undercover zu arbeiten.

Speziell im Thai-Part blickt man überhaupt nicht mehr durch (kein Wunder, weil natürlich viele Dinge, die zum Verständnis des ursprünglichen Plots nötig gewesen wären, rausgeschnitten wurden, aber nicht durch Szenen, die den *neuen* Plot jetzt irgendwie erklären könnten, ersetzt werden - das muss dann halt immer wieder an unpassendster Stelle eingefügter Dialogkram erledigen, was er nur selten kann. Aber alles ist sehr sehr flott, auch der Thai-Teil hat einen immensen Bodycount (überwiegend shoot-outs, aber es gibt auch eine recht gute martial arts-Sequenz - der dortige Hauptdarsteller war wohl auch einer der Top-Action-Stars Thailands zu der Zeit), der neue Ninja-Part ist spaßig (es gibt vier größere Ninja-Szenen), mit ordentlicher Kampfchoreographie und viel Ninja-Wahnsinn (Teleports, Rauchbomben, funkensprühende Ninja-Schwerter), und hat ein Ende, bei dem der Oberschuft einfach so davon kommt...

Von meinen Freunden von AVV in eine schicke Hartbox gepackt, mit einer alternativen 1.85:1-Version, einem Tomas Tang-Interview, einem Trailer auf den mir bislang völlig unbekannten Filmark-Heuler "Acts of Gang" (in franzmännisch) und einer Filmark-Filmographie als Bonus. Schick :)

THE GORILLA

USA 1939

Regie: Allan Dwan

mit Jimmy Ritz, Harry Ritz, Al Ritz, Bela Lugosi, Anita Louise

Ich werde alt - auch der hat mir gefallen :)

Ein Mörder namens "Gorilla" geht um - seine Opfer bekommen 24 Stunden vor der Tat eine Warnung, trotzdem ist es der Polizei nicht gelungen, den Killer dingfest zu machen und die Morde zu verhindern. Der nächste auf der Abschussliste des Gorillas ist Stevens (Lionel Atwill), ein Versicherungsunternehmer in Geldnöten, er schuldet jemandem 250.000 Dollar. Seine junge hübsche Nichte sitzt auf ausreichend Wertpapieren, doch darauf zugreifen könnte Stevens freilich nur, wenn das Mädel den Löffel reichen sollte. Nun, jedenfalls erhält Stevens die obligatorische Warnung, ruft aber nicht die Bullen, sondern die ACME Detektei von Mulligan, Harrigan und Garrety (Ritz, Ritz und Ritz, respektive), einen Haufen unfähiger Trottel. Pünktlich zur angekündigten Stunde verschwindet Stevens spurlos - aus einem verschlossenen Raum, in dem alle Beteiligten anwesend waren. Mysterio Grande! Die Sache verkompliziert sich durch das Auftauchen eines leibhaftigen Gorillas, der die Detektive, Hausmädchen Kitty und die Nichte anständig ins Bockshorn jagt. Nur der sinistre Butler Peters (Bela Lugosi) ist auffälligerweise nie vor Ort, wenn etwas mysteriöses passiert oder der Gorilla auftaucht...

Ein überraschend goutierbarer Spoof auf das old-dark-house-Mystery-Genre, in dem Lugosi in einer nicht großen, aber wirkungsvollen Rolle seine deadpan-comic-delivery zeigt und die Ritz Brothers, sicherlich eher im Fahrwasser der Stooges (ohne die physische Comedy) denn der Marxens, zu meiner Verblüffung wirklich ein paar witzige Routinen haben (überwiegend basierend auf Wortwitz und one-linern). Das ist natürlich relativ low-brow, aber - da ich eine Totalkatastrophe erwartet hatte - schon ziemlich unterhaltsam...

BELA LUGOSI MEETS A BROOKLYN GORILLA

USA 1952

Regie: William Beaudine

mit Bela Lugosi, Duke Mitchell, Sammy Petrillo, Charlita

Verdammt, das wird mich vermutlich jetzt jegliche etwaige noch verbliebene Credibility kosten, aber... hat man sich mal daran gewöhnt, dass Sammy Petrillo der nervigste Charakter/Schauspieler ist, der je eine Leinwand zierte, ist das Ding überraschend richtig lustig...

Duke Mitchell und Sammy Petrillo (als sie selbst, ergo ein Duo drittklassiger Dean Martin/Jerry Lewis-Imitatoren [Lewis verklagte Petrillo später sogar wegen Klauens seines Acts]) sind versehentlich, aber wenigstens mit Fallschirm, aus dem Flugzeug gefallen, das sie zur Truppenerheiterung nach Guam bringen sollte (so bleibt den tapferen Soldaten wenigstens das erspart) und landen auf einer Dschungelinsel (auf der Tiger, Löwen, Hyänen und Gorillas leben). Sie werden von einem Eingeborenenstamm entdeckt - der Medizinmann hat die richtige Idee und will die beiden direkt umbringen, aber die hübsche Häuptlingstochter Nona, erfreulicherweise auch westlich domestiziert, College-Absolventin und der englischen Sprache mächtig, hat unerklärlicherweise einen Narren an den Typen gefressen. D.h. speziell an Duke, was Sammy wurmt, weil für den nur die fette Saloma (von ihm konsequent Salami genannt) übrig bleibt und deren Hartnäckigkeit entspricht in etwa ihrem Körpergewicht. Dieweil Duke es eigentlich ganz gut erwischt hat, will er doch wieder zurück in die Heimat. Dabei, meint Nona, könnte der örtliche Mad Scientist Dr. Zabor, der mit seinem Handlanger Cholo ein einem Schloss (!) haust, helfen. Nona arbeitet eh für ihn als Laborassistentin. Zabor ist zunächst freundlich genug, auch wenn Sammy ihn "für den Typen hält, der mit einem Cape rumläuft und in Hälse beißt" hält) und erklärt auch seine Forschungen - er arbeitet an einer Formel, die die Evolution radikal beschleunigt. Wofür die Natur Jahrzehnte braucht, schafft er in Minuten. D.h., wenn er mal fertig ist. Sein hauptamtliches Versuchskaninchen ist Schimpansendame Ramona (der leibhaftige Cheetah aus den Weissmuller-Tarzan-Filmen), aber das kann man ändern. You see, obwohl er ungefähr 200 Jahre älter ist als sie, steht Zabor mächtig auf Nona, und dass die ihr hübsches Herz nun an Duke verloren hat, stinkt ihm gewaltig. Es ist auch nicht schwer, Duke zu überfallen, als der sich auf den Weg zum lokalen Polizisten und Funkgerätbesitzer Pepe (den Nona konvinienterweise vergass zu erwähnen) begibt, ihm was auf den Nüschel zu hauen und ihm des Doktors Serum einzuflößen - zack, instant Gorilla. I do have the suspicion that's not quite how evolution works, but whatever. Duke ist offiziell verschwunden und der plötzlich aufgetauchte Gorilla laut Zabor die experimentierte Ramona. Mittels Scharade und einer Sangeseinlage gelingt es Dukerilla, Sammy von seiner Identität zu überzeugen und auszubrechen, doch dass Zabor ihn freiwillig zurückverwandeln wird - oder ob er es überhaupt kann - ist zweifelhaft. Und zu allem Überdruss gibt es da ja noch einen *richtigen* Gorilla auf der Insel...

Sobald sich der Streifen endgültig in eine Sackgasse manöveriert hat, aus der er nicht mehr rausfindet, zieht er gnädig die "war-alles-nur-Sammys-Lampenfieber-Traum"-Karte und schließt hastig mit einem kurzen Ausschnitt aus Mitchells und Petrillos Nightclub-Act ab.

Das ist alles zwar extrem dusslig und extrem billig (ich *liebe* den fake studio jungle), aber es ist indeed good natured fun - einige der Gags sitzen immer noch (obwohl diese Art des Humors generell nicht so gut gealtert ist), sogar von Petrillo, Lugosi beweist mal wieder, dass sein comedic timing nicht von schlechten Eltern ist (Lugosis Humor-Highlight ist seine fein nuancierte Reaktion darauf, als ausgerechnet Petrillo, bis dato hirnmäßig als Einzeller aufgefallen, eine komplexe Zusammenfassung von Zabors Forschungsarbeit liefert). Der running gag mit Petrillos fetter Freundin wird zwar erfolgreich totgeprügelt, aber es gibt dafür ein paar wirklich witzige Szenen mit dem vermenschlichten Gorilla (Hollywoods go-to-Gorilla-Darsteller Steve Calvert und Ray "Crash" Corrigan geben sich mit ihren ramponierten Suits die Ehre), ein paar funktionierende slapstick-Szenen und, als unerwarteten Höhepunkt, das umgetextete "La Paloma"-Cover.

William "One-Shot" Beaudine, der seine ersten Credits 1909 (!) verdiente und bis spät in die 60er tätig war (seine letzten offiziellen Credits stammen sogar aus den 70ern, aber das waren nur Zusammenschnitte der "Green Hornet"-TV-Serie), ist dann auch Profi genug, dass der Streifen, abgesehen von dem stock-footage-Prolog, der die einheimische Tierwelt vorstellt, handwerklich einigermaßen in Ordnung geht.

Hit me and call me Eddie, but I had fun :D

THE GREEN BERETS

USA 1968

Regie: John Wayne, Ray Kellogg

mit John Wayne, David Janssen, Jim Hutton, Aldo Ray, George Takei, Jim Hutton

Berühmt-berüchtigt, John Waynes Pro-Vietnamkriegs-Propagandaschinken, vom Pentagon eifrig gefördert und von Filmfreunden gemeinhin verlacht. Gut, die "Sonne-geht-im-Osten-unter"-Szene kann man sich noch schön reden, alldieweil es geographisch nicht *völlig* unmöglich ist, aber der hanebüchene "Effekt", als Waynes Hubschrauber abstürzt, der atmet doch den Geist von Co-Regisseur Ray "Giant Gila Monster"/"Killer Shrews" Kellogg, den der Duke persönlich für den Job ausgesucht hatte (nach "The Alamo" scheute das Studio einen allein von Wayne verantworteten Film und bestand auf einen amtlich zertifizierten Regisseur. Kelloggs eigene Film sind zwar, eh, naja, Trash, aber er hatte sich einen guten Ruf als second-unit-director bei Großproduktionen erarbeitet).

Ungefähr 100 Minuten lang geht's zunächst darum, einen Außenposten in Vietcong-Gebiet aufzubauen und zu halten - die große Schlacht, als die Vietcong ihre Offensive amtlich starten, ist absolut ansehnlich und dürfte durchaus ein Versuch Waynes sein, das "Alamo"-Finale noch mal ähnlich hinzulegen (es gibt in dem Fall zwar keinen totalen "last stand" bis zum letzten Mann, aber die Übermacht der Vietcong, die den kleinen Haufen Amis nebst Zivilisten immer weiter zurückdrängen, kann die Verwandschaft nicht verleugnen). Danach gibt's einen eher unnötigen neuen Plot für den Schlussakt, in dem der Duke mit ein paar Getreuen einen nordvietnamesischen General kidnappen muss. Ist praktisch tatsächlich noch mal ein komplett neuer Film, der Akt hängt dramaturgisch in der Luft, weil der Film mit der Rückeroberung des Lagers (die auch eine schöne Metapher für die Sinnlosigkeit des Kriegs gewesen wäre, wenn das auch nur ansatzweise John Waynes Ansinnen gewesen wäre) schön rund abgeschlossen wäre. Aber da gibt's noch zu wenig Heldentod...

Die unverschämte liberale Presse bekommt ihr Fett in Form von David Janssen (wie übrigens so manches Cast- und Crewmitglied, so z.B. George Takei, der einen südvietnamesischen Captain spielt, selbst überzeugter Kriegsgegner) weg, der als liberales Weichei startet und über seinen Job als embedded reporter lernt, dass der Krieg halt dann doch sein muss.

Als Propagandafilm ist "Green Berets" überraschend effektiv - es ist nicht die Sorte Film, bei der man neben der Kinokasse Rekrutierungsstände der Marines aufstellen könnte, weil er durchaus nicht weglässt, dass Soldat sein ein Scheißjob ist und der Tod im Krieg auch kein Spaß ist, aber einer, der die öffentliche Meinung durchaus manipulieren kann, wobei er wirklich noch effektiver wäre, ließe man die "Zweitstory" weg und beließe es dabei, den Vietcong wie in der Belagerung/Schlacht um das Lager als amorphe, gesichtslose Masse von degenerierten Untermenschen zu zeichnen (nicht von ungefähr ist einer der hässlichsten Darsteller prompt ein Vietcong-Verräter in der südvietnamesischen Truppe), die man weghosteln muss, damit das brave Volk, das die Amis als benevolente Schutzmacht sieht, gerettet wird. Aber er erledigt auch in dieser Fom als Propaganda durchaus 'nen guten Job.

Der Cast gibt sich redlich Mühe (Jim Hutton, Janssen und Takei stechen raus, Aldo Ray hat seine Momente, wenn er nüchtern ist), der Score von Miklas Rosza ist fein und die elende Soldatenverherrlicherballade von den "Green Berets" gibt, allerdings nicht in der Hitversion von Barry Sadler, den Titelsong.

Ein interessantes Kuriosum, weil praktisch wirklich als Big-Budget-Pro-Kriegs-Propaganda einzigartig (7 Mio. Dollar waren damals alles andere als Kleingeld, und entgegen landläufiger Meinung war es nicht mal ein Flop, sondern einer von Waynes erfolgreichsten Filmen an der Kinokasse), das man sich unabhängig von der politischen Überzeugung allein aus filmhistorischen Gründen schon mal ansehen sollte. Die Warner-Blu hat ausgezeichnetes Bild und kommt mit einem kurzen zeitgenössischen Promo-Making-of als Extra.

JACK THE GIANT KILLER

USA 2013

Regie: Mark Atkins

mit Jamie Atkins, Robert Boyle, Jane March, Vicki Glover, Ben Cross

Asylums "Jack the Giant Slayer"-Mockbuster - spielt im WK Zwo in England (weil man auch noch "Narnia" ein bissl eins mitgeben will). Jack bekommt an seinem 18. Geburtstag die Zauberbohnen von einem Freund seines lange verschwundenen Vaters. Den entdeckt er dann im "Land der Wolken", wo für den Vermissten grad mal knapp drei Wochen vergangen sind. Den Riesen - den hat Daddy schon lange vor Filmbeginn gekillt, insofern lügt der Titel :) Dafür gibt's aber Monster und mit Serena eine böse Zauberin, die ganz gerne unsere Gestade erobern möchte, was mit ihren Monstern auch durchaus möglich erscheint. Zum Glück hat Jack in seiner Garage einen selbstgebastelten Traktor-Mech...

Hat ein paar nette Ideen und ein paar hübsche Shots (die beste Idee ist zweifellos das fliegende Schloss, das nach der Sagrada Familia in Barcelona gestaltet ist), sogar ne recht vernünftige deutsche Synchro, leidet aber an selbst für Asylum recht mäßigen, unfertig wirkenden CGI und recht schlamperten Greenscreens. Darstellerisch versucht's Ben Cross mit stoischem Ernst und Jane March ("Color of Night") mit geringstmöglichem mimischen Aufwand...

Mittelklasse-Asylum.

GODZILLA

USA 2014

Regie: Gareth Edwards

mit Aaron Taylor-Johnston, Elizabeth Olsen, Ken Watanabe, Bryan Cranston

Okay, was sagen wir dazu?

Erstens - es ist natürlich ein unendlich besserer *Film* als der Emmerich. Insofern keinerlei Abbitte nötig. Er hat ne ordentliche Energie, sense of urgency und herausragende FX-Sequenzen. Zweitens - es ist ein besserer, aber kein *guter* "Godzilla"-Film. Wie auch Emmerich hat Edwards (bei dem mich das allerdings nicht sehr überrascht, weil die Monster auch in "Monsters" nicht das wirklich wichtige am Film waren) nicht verstanden, dass "Godzilla" nicht "Jurassic Park Teil 13" ist. In einem Godzilla-Film MUSS Godzilla der Fokus sein, sich alles letztendlich um Godzilla drehen. Zwar hat Edwards erkannt, dass Godzilla immer dann am besten ist, wenn er Monstergegner zu bekämpfen hat, aber er legt den Fokus bei den Monstern zu sehr auf die MUTAs und beim Film insgesamt zu sehr auf die Menschen. Das ist natürlich die amerikanische Art, Monsterfilme zu drehen, aber es ist nunmal nicht die Essenz von Godzilla, wo Menschen im Idealfall staunend zukucken, wie sich die Monster prügeln und dann ein-zwei bedeutungsschwangere Monologzeilen murmeln. Aber klar, in Hollywood müssen Familienwerte hochgehalten werden, das Militär darf nicht schlecht wegkommen (dazu hat Shusuke Kaneko ja mal ausgeführt, dass das ein grundsätzlicher Mentalitätsunterschied ist - Japaner sind seit dem WK Zwo gewöhnt, dass ihr Militär aus Flaschen besteht, und dass die Monster mit den Streitkräften den Boden aufwischen, ist daher dort völlig normal, während die Amerikaner ihr Militär entgegen dem Augenscheinsbeweis für unschlagbar halten - insofern ist "Godzilla" schon recht progressiv, als das Militär hier zwar nicht nach allen Regeln der Kunst versagt, letztlich aber auch nichts entscheidendes zum "Sieg" beiträgt), und Kinderaugen sind immer gut für Drama.

Die einzige Figur, die einen Zuschauer interessieren könnte, ist Bryan Cranstons Charakter, und der wird nunmal schon zum Ende des ersten Akts abserviert - der Avengers-Quicksilver ist kein sonderlich guter Ersatz als Protagonist, und der Rest der menschlichen Figuren bleibt, obwohl ihnen viel Platz eingeräumt wird, holzschnittartig.

Ich gehe mit der allgemeinen Kritik auch insoweit konform, dass ich mehr von der Monster-Destruction hätte sehen wollen als von ihren Resultaten (Hawaii und Las Vegas). Dramaturgisch ist nicht ganz unverständlich, dass Edwards den GROSSEN Monsterfight im Showdown haben wollte, aber, hey, verdammich, es ist GODZILLA, da braucht man uns nicht mit Suspense zu kommen - die Monster sind das, was wir sehen wollen, und zwar viel, ausführlich und in Action. Und der Monsterfight in San Francisco ist schon ziemlich patent...

Godzilla itself ist vom Design her angemessen badass, die MUTAs sind... okay, ein bisschen fantasielos (ich fühlte mich etwas ans Cloverfield-Monster erinnert), die FX sind überzeugend. Sequel darf von mir aus schon kommen, aber es sollte stärker auf Godzilla und seinen Gegner fokussieren. Human interest does not interest in a Godzilla movie, das soll der Spielzwerg machen.

12 ROUNDS 2: RELOADED

USA 2013

Regie: Roel Reiné

mit Randy Orton, Tom Stevens, Brian Markinson, Venus Terzo

Solide Action von Roel Reine, der mit Isaac Florentine zusammen wohl zur Zeit die Spitze des DTV-Action-Bereichs bildet.

Randy Orton ist ein Sanitöter, der von einem irren Psychopathen in eine mörderische Schnitzeljagd geschickt wird - alles hat mit einem ein Jahr zurückliegenden Unfall zu tun, bei dem eine Frau ums Leben kam, und der Verursacher, der zugedrogte Sohn des Gouverneurs, durch Mauscheleien von ernsthafter Bestrafung verschont blieb. Der fiese Psycho will sich nun an allen, die irgendwie am Rande an diesem Vorgang beteiligt waren, gar grauslig rächen.

Hat außer dem Konzept der 12 Aufgaben, die der Held erfüllen muss, nichts weiter mit dem Cena-Original zu tun, ist aber wieder mal ein flottes Stück Äktschn, in dem Reine aus dem knappen Budget mehr rausholt als eigentlich drin sein dürfte und diverse interessante Sachen mit der Kamera macht. Der Schwachpunkt des Films ist sicher Orton selbst, der nun auch im Ring nicht gerade als der große Charismatiker bekannt ist, wenn er nicht sein "psychotic heel"-Gimmick ausfüllt - als Held ist er nun mal eher ein Holzschnitt, gegen den John Cena ein Oscar-Mime ist. Der mir bis dato unbekannte Brian Markinson (allerdings routinierter TV-Akteur) gibt allerdings einen recht eindrucksvollen Fiesling ab.

Insgesamt aber die Sorte WWE-Film, die ich mag - konzentriert sich auf die Action, lässt den Wrestling-Star sicherheitshalber nicht zu sehr schauspielern, und liefert ordentlich Radau. Jetzt bin ich mal gespannt auf Teil 3 mit Dean Ambrose.

SINISTER HANDS

USA 1932

Regie: Armand Schaefer

mit Jack Mulhall, Phyllis Barrington, Crauford Kent, Mischa Auer

Wieder mal ein kleines B-Murder-Mystery aus der Armenhausküche Hollywoods.

Millionär Lang hat alle Sorten von Ärger - seine Tochter will einen stadtbekannten Gangster und Killer namens Nick heiraten, sein Nachbar und Millionärskollege glaubt, er wolle dessen Tochter verführen, sein Butler ist ein Ex-Knacki, und sein trautes Eheweib verjuxt beträchtliche Geldbeträge mit einem offenkundig schwindelnden Swami - weswegen er auch droht, ihr den Geldhahn zuzudrehen, es sei denn, der Swami liefert einen überzeugenden Beweis seiner spiritistischen Fähigkeiten. Gesagt, getan - eine Séance wird organisiert und kaum hat Lang im abgedunkelten Raum seine Frage an den Mystiker gestellt, hat er auch schon ein Messer im Rücken. Richter McLeod, alter Freund des frisch Verstorbenen, ruft die Polizei in Form von Captain Devlin und seinem bumblin' sidekick "Don't call me Watson" Watkins. Natürlich favorisieren die Bullen zunächst mal die bekannten Kriminellen Nick und den Butler, aber zumindest letzterer disqualifiziert sich endgültig dadurch, das nächste Opfer des Messerkillers zu sein...

Kollege Dave Sindelar meint, dass "Sinister Hands" ein extrem reduziertes Mystery ist - Charakterisierungen reichen gerade eben soweit, um ein mögliches Motiv erkennen zu lassen, ansonsten bleiben die Figuren Chiffren. Das ist natürlich auch der knappen Laufzeit (mal wieder leicht über 60 Minuten) geschuldet, der Film hat keine Zeit zu verlieren (wobei er sich für einen Film dieses Genres aber auch wieder eine recht ausführliche Auftaktphase gönnt, die er aber braucht, um die Vielzahl von Figuren und Verdächtigen vorzustellen). Darstellerisch ist das bis auf Mischa Auer als falschem Swami nicht weiter der Rede wert, aber es rollt recht flott dahin. Die Auflösung sollte niemanden überraschen, der mehr als zwei Agatha-Christie-Krimis gesehen oder gelesen hat. Wirklich überraschend ist die im ersten Akt gezeigte Bademode - womit sich beide Geschlechter in den frühen 30ern in den Pool getraut haben, lässt jede Burkini-Diskussion im Keim ersticken...

DEATH FROM A DISTANCE

USA 1935

Regie: Frank R. Strayer

mit Russell Hopton, Lola Lane, George F. Marion, Lee Kohlmar

Ein recht cleveres whodunit von Frank Strayer, der langsam zu einem meiner bevorzugten B-Quickies-Regisseure der 30er wird.

Während eines Vortrags des bekannten Astronomen Professor Einfeld (gespielt von Charakterdarsteller und Comedy-Short-Regisseur Lee Kohlmar, einem gebürtigen Eckentaler... Frankenpower!) wird einer der Zuhörer von unbekannter Hand erschossen. Das Opfer ist ein bekannter Arzt namens Dr. Stone. Detective Mallory hat auch ein paar Verdächtige - einen Araber namens Hindru, der sich mit Stone über Geld gestritten hat, Stones chronisch suspekten Sekretär Gorman oder den Planatariumsmitarbeiter Langsdale, der unter anderem Namen mal wegen Mordversuchs im Knast saß. Alas, die Beweisführung ist schwierig und eine naseweise Reporterin sitzt Mallory im Nacken. Nachdem Kay in ihrer Zeitung eine Story plaziert, nach der Einfeld den Killer in Trance identifizieren können, meldet der Mörder sich prompt mit einer Morddrohung und gedenkt, sie während EInfelds Forschungsarbeiten im Observatorium auszuführen.

Nicht nur hat "Death from a Distance" ein originelles Setting (der Film spielt überwiegend im Planetarium/Observatorium von Griffith Park), das Mystery ist auch passabel konstruiert (auch wenn dem Zuschauer wie üblich Informationen hinsichtlich des Motivs vorenthalten werden) und das tie-in des Tathergangs in den Titel ist sogar richtig clever. Die darstellerischen Leistungen sind nicht unbedingt der Rede wert (Kohlmar spielt mir den Professor z.B. zu sehr als bumblin' idiot), aber das Set Design ist hübsch, der comic relief unter solider Kontrolle (und beschränkt sich hauptsächlich auf die Hassliebe zwischen Reporterin und Cop) und, was mich immer sehr freut, gerade in 30er-Jahre-B-Filmen, der Fall wird durch echte, dargestellte Polizeiarbeit gelöst und nicht durch irgendwelche deus-ex-machina-Einfälle. Ordentliche Arbeit, frei ab 12 :)

JUGGERNAUT

Großbritannien 1936

Regie: Henry Edwards

mit Boris Karloff, Joan Wyndham, Arthur Margetson, Mona Goya

Karloffs zweiter britischer Film nach "The Man Who Changed His Mind" (der bekanntlich ziemlich großartig ist) ist leider ein recht schwerfälliges Mord-Melodrama...

Karloff spielt den slightly mad scientist Dr. Sartorius, der in Marokko an einer Heilmethode für eine nicht näher bezeichnete Lähmungskrankheit herumforscht, sein Unternehmen aber aufgrund akuten Kohlemangels abbrechen muss und sich als Promiarzt an die Cote D'Azur zurückzieht. Dort ist Lady Clifford gerade dabei, mit ihrem Liebhaber Captain Halliday das nicht unbeträchtliche Vermögen ihres Methusalem-Ehemanns am Baccarat-Tisch durchzubringen (Anna Nicole Smith wäre begeistert). Der alte Knacker ist zwar bettlägerig und auch sonst recht malad, aber nicht doof und klemmt seinem Spatzerl den Geldhahn ab. Da kommt Lady Clifford eine Idee - der alte Lord traut seinen Ärzten nicht sonderlich weit über den Weg. Vielleicht wäre ein Wechsel des Therapeuten in Richtung Sartorius ja nicht schlecht. Und die fiese Lady unterbreitet Sartorius ein Angebot, das der schlecht ablehnen kann. Sollte der alte Herr ins Gras beißen und Lady Clifford alleinige Herrin über den Zaster werden, könnte sie sich glatt vorstellen, des Doktors weitere Forschungsarbeit zu finanzieren... Sartorius ist mittlerweile längst skrupellos genug, um einzuwilligen. Und so geht's dem Lord unter der Pflege des Doktors und seiner ahnungslosen Krankenschwester bald auch deutlich schlechter und nach einer Weile verscheidet er programmgemäß. Doof nur, dass der Lord zuvor sein Testament geändert und seine Ehefrau nach allen Regeln der Kunst enterbt und das Vermögen seinem Sohn Roger gewidmet hat. Doch noch ist Polen nicht verloren - bei einem kleinen Streit hat Lady Clifford Roger eine Spritze in den Arm gehauen, und in der war freilich das Gift, mit dem Sartorius den Lord umgebracht hat. Rogers Gesundheitszustand verschlechtert sich rasch und Krankenschwester Eve, die sich mit Roger gut versteht, lässt den Spritzeninhalt misstraurischerweise analysieren...

Trotz seiner charmant kurzen 62 Minuten Laufzeit schleppt sich "Juggernaut" schon recht schnaufend und ächzend durch seinen Plot - bis der alte Lord hinüber ist und die eigentliche Geschichte so richtig in Bewegung kommt, sind schon über 38 Minuten um, in denen sich so richtig viel nicht tut - und auch danach bleibt recht unglaubwürdig, dass es Eve gelingt, Sartorius vom erkrankten Roger fernzuhalten und immer neue Ausreden zu erfinden, warum sie die verlorene Spritze nicht wiederfindet. Ein "Mystery" ist "Juggernaut" auch nicht wirklich - wer was warum tut, ist von Anfang an klar, dem Film kommt's mehr auf das Melodrama an. Zwar ist diese US-Version des Films dem Vernehmen nach um 12 Minuten gekürzt, aber ehrlich gesagt - länger möchte ich "Juggernaut" nicht wirklich haben. Karloff ist zwar in durchaus feiner Form (trotz einiger eher untypischer Anflüge von unkontrolliertem Overacting) und auch ohne Monster-Make-up ordentlich bedrohlich, aber der Rest-Cast ist durch die Bank eher erschütternd, insbesondere Arthur Margetson als Roger und Mona Goya als Lady Clifford. Einer für die Karloff-Komplettisten, aber absolut nicht essentiell.

THE DIRTY DOZEN III: THE DEADLY MISSION

USA 1987

Regie: Lee H. Katzin

mit Telly Savalas, Ernest Borgnine, Vince Edwards, Bo Svenson, Gary Graham, Randall "Tex" Cobb

Knapp 20 Jahre nach dem Originalfilm kamen findige Produzenten auf die Idee, aus dem "Dreckigen Dutzend" ein Fernseh-Franchise zu machen. Innerhalb kurzer Zeit entstanden drei abendfüllende Fernsehfilme plus eine kurzlebige TV-Serie. Im ersten TV-Sequel war sogar noch Lee Marvin von der Partie, beim nächsten allerdings war Marvin zu seinem Glück schon tot und Telly Savalas übernahm - kurioserweise spielt er zwar einen anderen Charakter, aber offensichtlich doch die selbe Figur (er hat einen anderen Namen, nimmt aber auf die beiden früheren Missionen Bezug).

Die Story ist wie immer die gleiche - ein Rudel Schwerverbrecher wird hastig auf Spezialeinheit getrimmt, um ein Himmelfahrtskommando auszuführen. Dieses Mal soll das "Dutzend" ein Giftgaslabor im besetzten Frankreich ausknipsen und, falls möglich, die beteiligten gezwungenen Wissenschaftler evakuieren. Nach den üblichen Reibereien schweißt sich die Truppe halbwegs zu so etwas wie einer funktionierenden Einheit zusammen - nur Fontenac (Svenson), ein Vergewaltiger und Frauenmörder, fügt sich nicht so recht ein. Die Mission wird dadurch erschwert, dass die Nazis den Wissenschaftlern teilweise die Familien als kleine Motivationshilfe zugeführt haben, womit die Allierten nicht gerechnet haben, und auf die die zu Rettenden verständlicherweise nicht verzichten wollen...

Nach einer etwas schwerfälligen Auftaktphase (in der Ernest Borgnine für fünf Minuten Screentime sein second billing verdient) kommt der Streifen, sobald er in Frankreich (gespielt von Slowenien) angekommen ist, ordentlich ins Rollen, bietet einiges an soliden Shootouts (weil 80er-TV natürlich völlig unblutig) und ordentlicher Pyrotechnik. Im Cast machen sich einige B-Minus-Namen wie Gary Graham, der erwähnte Bo Svenson oder Randall "Tex" Cobb ganz manierlich.

Durchaus unterhaltsame Kriegs-Action, auf der Ascot-Blu auch in sehr sauberer Bildqualität geboten.

THE LUCIFER COMPLEX

USA 1978

Regie: Kenneth Hartford, David L. Hewitt

mit Robert Vaughn, Keenan Wynn, Aldo Ray, Merrie Lynn Ross, Bill Osco

Gerüchteweise ist das ein gestrandeter und dann auf Spielfilmlänge gestreckter TV-Pilot, aber das kaufe ich nicht. Ich glaube eher, dass David L. Hewitt, bekannter Nixkönner vor dem Hern, den Streifen angefangen hat (Hewitt bekam für seine Schotterfilme ja gerne mal halbwegs bekannte Nasen vor die Kamera), ihm dann das Geld ausging und das Material dann in die Hände des Flocker-Clans fiel (Outsider Artists, denen wir u.a. den grandiosen Trasher "Atomic City" verdanken), die dann 30 Minuten eigenen Kram drehten, um die Ruine auf 90 Minuten zu bringen.

Sieht dann so aus, dass unser unbekannter Protagonist in einer Höhle auf einer Insel sitzt und dort, wie gesagt, auf seinem Computermonitor alte Wochenschauen u.ä., beginnend beim ersten Weltkrieg, von Laserdisc (!) glotzt und dazu pseudobedeutsamen Dummsinn über Krieg, Sinnhaftigkeit desselben und den Menschen an und für sich brabbelt. Nach über 20 Minuten beginnt dann der eigentliche "Film", den sich der Protagonist ebenfalls auf seinem Monitor ansieht. In dem geht's nun darum, dass ein Agent namens Manning, nachdem er sich gerade bei einem Anschlag-oder-auch-nicht auf führende Weltpolitiker in den Augen seines Chefs (Keenan Wynn) blamiert hat, auf den "Lucifer"-Fall angesetzt - ein paar US-Jets sind spurlos verschwunden. Manning wird prompt auch abgeschossen und landet auf einer einsamen Insel, wo er über einen Nazi-Compound stolpert. Es gelingt ihm scheinbar die Flucht, aber das Krankenhaus, in dem er aufwacht, ist natürlich nur eine von den Fourth-Reich-Nazis vorgespielte Kulisse. Die Nazis klonen hier ihre neue Herrenrasse (und tauschen gewisse Leute gegen linientreue Klone aus). Mit einer jungen Frau, die ebenfalls geklont werden soll, versucht Manning, die Klonfabrik zu zerstören und trifft am Ende sogar auf den Leibhaftigen selbst. Also Hitler, newa.

Schon das Originalmaterial ist übel - weil halt schlicht nicht alles gedreht wurde, muss man die Szenenanschlüsse manchmal raten (und ob der ausgewalzte Action-Showdown tatsächlich für diesen Film entstand oder irgendwo geklaute stock footage ist, halte ich zumindest für diskutabel. Immerhin gibt's im Showdown keinen einzigen Shot von Robert Vaughn...). Die Klon-Nazis sind echte Brüller (die sehen irgendwie aus wie viertklassige Groucho-Marx-Imitatoren. Sehr herrenmenschlich), der Obersturmführer heißt allen Ernstes Gerhard Polt (! - für die Connection dürften die Autoren nix können, die suchten halt irgendeinen deutsch klingenden Namen aus dem Telefonbuch, nehm ich an), mit Keenan Wynn und Aldo Ray dilettieren zwei doch nicht unbekannte Namen vor sich hin (Vaughn hat, wie schon oben gesagt, wenigstens den Anstand, peinlich berührt zu wirken, in diesem Murks mitwirken zu müssen). Dürfte aber kaum jemand gesehen haben, weil vermutlich jeder zufällige Zuschauer während der ersten 25 Minuten, in der wir wirklich nichts sehen als die bewussten newsreels, sanft entschlafen sein dürfte. Die Moral von der Geschicht ist übrigens, dass unser Höhlenbewohner nach dem Ende der Menschheit eine "Zeitkapsel" für zukünftige Generationen/außerirdische Besucher/whatever bewacht.

Für fortgeschrittene Trashfreunde schon ein ordentlicher Debilhappen - zeigte ich den beim Basterds, würde ich vermutlich verprügelt :)

MR. WONG IN CHINATOWN

USA 1939

Regie: William Nigh

mit Boris Karloff, Marjorie Reynolds, Grant Withers, Huntley Gordon

Hübsche Chinesin sucht Mr. Wong auf, doch bevor der überhaupt mit ihr sprechen kann, wird ihr mit einem Giftpfeil das Licht ausgeblasen. Es stellt sich heraus, dass die Tote eine Prinzessin war, die für ihren Bruder, einen der diversen in China herumbalgenden Warlords, Kampflugzeuge beschaffen sollte und hierfür mit einer nicht unerheblichen Summe ausgestattet war. Der Zaster ist allerdings bis auf den letzten Cent ausgegeben und abgesehen von einer Rate von einer schlappen Viertelmillion an den Vermittler des Flugzeugdeals weiß keiner so recht, wo die Moneten geblieben sind. Das einzige Indiz ist die unvollständige Nachricht, die die Abnippelnde verfasst hat - Captain J könnte für Captain Jayme, den Kapitän des Schiffs, mit dem sie in die Staaten gekommen ist, stehen, aber auch für Captain Jackson, den Flugzeugvermittler. Captain Street verdächtigt aber in erster Linie den taubstummen chinesischen Zwerg...

Hatte ich doch noch einen Karloff-Wong vergessen. Ein Glück, dass der grad heute per Post kam :) Ein solider, wenn auch nicht herausragender Serienbeitrag (der dritte in der Reihe, und der erste, in dem Captain Street seine Love Interest/Nemesis Bobbie Logan am Hals hat. Ja, es gibt screwball comedy :D ). Der Plot rollt ordentlich voran, die red herrings haben am Ende alle was mit der Sache zu tun, und wir sehen Hollywoods Lieblingszwerg Angelo Rossito in vollem Yellowface-Gear. Heidewitzka.

THE MYSTERY OF MR. WONG

USA 1939

Regie: William Nigh

mit Boris Karloff, Grant Withers, Dorothy Tree, Craig Reynolds

Der Antiquitätensammler Edwards bekommt aus obskuren Quellen in China das "Auge der Mondtochter", eine extrem wertvolles Juwel. Noch bevor er das Ding in Händen hält, wird ihm auch eine Todesdrohung zugespielt. Deswegen lädt er zu einer abendlichen Soiree auch Mr. Wong ein und berichtet ihm von seinen Befürchtungen und, dass er für den Fall seines gewaltsamen Ablebens einen Brief geschrieben hat, in dem er den aus seiner Sicht Hauptverdächtigen benennt. Im Partyverlauf wird Scharade gespielt und Edwards tut seinem Eheweib den Gefallen, für einen Sketch den Liebhaber zu spielen, der vom eifersüchtigen Ehemann erschossen wird. Die Darbietung ist außerordentlich überzeugend, da echt. Wong, der Kriminologe Dr. Janny (ein Bekannter des Opfers) und Polizeicaptain Street können sich vor Verdächtigen und Motiven kaum retten - doch der einfachste Weg, in Edwards Brief nachzuschauen, fällt aus, weil der Brief - ebenso wie das Juwel - verschwunden ist. Neben dem offensichtlichen Motiv, das Juwel zu klauen, gibt's noch genügend andere - Hausgast Stroganoff, einen vermeintlichen Sänger, der unter falschem Namen hier residiert, Edwards Sekretär Harrison, der sich mit seinem Chef einen heftigen Streit geliefert hat und nicht zuletzt Edwards Frau selbst, die er nämlich gerade erst per neuem Testament enterbt hat. Da muss am Ende sogar Mr. Wong zu einem gepflegten Schummel greifen...

Ein weiterer Mr.-Wong-Quickie, und dann ein richtig Guter. Das Script scheint anfänglich auf einen Standard-Yellow-Peril-Plot hinauszulaufen, schlägt aber genügend Haken, um am Ende bei einer völlig anderen Auflösung anzukommen (allerdings einer, bei der der Zuschauer auf dem Schlauch steht, weil er wesentliche Informationen nicht bekommt), Karloff ist "front and center" der Geschichte und von comic relief ist weit und breit nichts zu sehen (Captain Street muss ohne weiblichen Sidekick auskommen, wodurch auch wieder die screwball-Dialoge wegfallen - hier fällt das aber nicht so stark ins Gewicht, weil die Story stark und interessant genug ist). Einer der besten Mr.-Wong-Filme (mit "Doomed to Die"). Jetzt fehlt mir nur noch der mit Keye Luke...

PASAPORTE A LA MUERTE

Mexiko 1968

Regie: Alfredo B. Crevenna

mit Blue Demon, Ana Luisa Peluffo, Eric del Castillo, Maura Monti

Der Superschurke Marcos trägt sich mit Welteroberungsplänen, die er von seinem Schurkenlair (das einem drittklassigen Eurospy-Fiesling zur Schande gereichen würde) mittels einer Maschine, die gigantische Flutwellen erzeugen kann, sowie eines kugelfesten Killerandroiden umzusetzen gedenkt. Augenscheinlich will er den Panama-Kanal vernichten, aber der großartige mexikanische Geheimdienst hat glücklicherweise seinen Top-Agenten "Zero" vor Ort - Blue Demon, der dort gerade ein paar einheimische Gegner vermöbelt (u.a. einen Typen mit dem herzigen Namen "Troglodyt"). Der Welt unauffälligster Geheimagent und sein Partner Julio machen sich auch ans Werk, kommen dem Schurken aber nicht entscheidend näher. Marcos begeht den strategischen Fehler, seinem Androiden etwas zu viel eigene Handlungsgewalt zu erlauben. Der Androide killt seinen Meister und übernimmt dessen Superwaffen, doch wo Marcos sich damit begnügt hätte, die Welt zu regieren, will der Androide, der normale Menschen für minderwertig hält, sie vernichten.

Der zweite Film aus Blue Demons Solo-Reihe "Vernichter der Spione" - nach diesem allerdings realisierten die Produzenten, dass Blue Demon als Ersatz-James-Bond nicht wirklich funktioniert und schickten ihn wieder in den Kampf gegen Monster und weniger, eh, realistische Mad Scientists. Es ist auch wirklich nicht das Genre, für das der Lucha-Film sich großartig eignet. Selbst der gutwilligste Lucha-Fan musste sich eingestehen, dass man Blue Demon & Co. womöglich als Art "Superheldentruppe" sehen konnte, aber kaum als "Geheim"-Agenten (weswegen er dann ja auch einen nicht-luchadierenden Partner braucht, der die hauptsächliche Agenten-Arbeit macht. Und das wiederum verleugnet ja den bloßen Existenzzweck eines Lucha-Films). "Pasaporte a la muerte" (nicht, dass ich in dem Film einen Pass gesehen hätte, der von irgendwelcher Plotrelevanz gewesen wäre) ist denn auch ziemlich dröge und trotz nur knapp 80 Minuten Laufzeit recht länglich - außer den drei Lucha-Ringkämpfen gibt's nur zwei kurze Actionszenen (und ein paar erstaunlich schäbige Special FX). Das Schurken-Hauptquartier (ein Versuch, ein Bond-Villain-Lair für 20 Pesos zu bauen) und der Killerandroide (Typ in silbernem Pseudo-Astronautenanzug) sind ein paar Schmunzler wert, insgesamt ist das aber, wie der direkte Vorgängerfilm, eher ermüdend (okay, es gibt allerdings den vermutlich besten "wir springen aus dem Auto mit versagenden Bremsen"-"Stunt" der Filmgeschichte...)

THE BRAIN THAT WOULDN'T DIE

USA 1958

Regie: Joseph Green

mit Jason Evers, Virginia Leith, Anthony La Penna, Adele Lamont

Yeah, that one's a keeper.

Dr. Cortner, Chirurg und professioneller mad scientist, hat revolutionäre OP-Methoden entwickelt, die seinem Vater, ebenfalls brillanter Menschenmetzger, zu sehr in Richtung "stuff humans are not supposed to mess with" abzielen. Und das, obwohl es Cortner gelingt, einen toten Patienten durch Elektrostimulation direkt in den Brägen wieder zum Leben zu erwecken. Bevor ethische Bedenken ausdiskutiert werden können, erhält Cortner einen Anruf vom "alten Landhaus". Dort sei schreckliches passiert und der Doktor müsse sofort kommen. Da seine Freundin Jan eh quengelt, mal wissen zu wollen, womit ihr Herzbube sich die Wochenenden um die Ohren schlägt, darf sie mitfahren. Leider hat Cortner vergessen, dass er keine Formel-1-Superlizenz hat und wickelt seine Schleuder um eine günstig herumstehende Leitplanke. Er selbst kommt mit ein paar Kratzern davon, Jan ist allerdings, naja, terminal. Aber wozu ist man einer der maddesten der mad scientists? Schnell ist Jans Rübe abgetrennt, denn Cortner ist sich sicher, dass er mit seinem speziellen Adreno-Serum den abben Kopp lang genug am Leben erhalten kann, bis er einen passenden Ersatzkörper gefunden hat. Sein Laborassi Kurt ist wenig überzeugt davon, zumal eins der früheren Experimente Cortners in einer Abstellkammer randaliert. Aber was Cortner sich in den Kopf gesetzt hat, wird gemacht - nur, dass es gar nicht mal so einfach ist, eine Körperspenderin zu finden, die a) den durchaus hohen Ansprüchen des Operateurs an Schönheit genügt und b) deren Verschwinden nicht weiter auffällt. Sowohl Stripperinnen als auch Ex-Kolleginnen und Schönheitswettbewerbsteilnehmerin fallen aus unterschiedlichen Gründen aus, doch da gäbe es noch eine ehemalige Schwesternschülerin, die einen verdammt heißen Körper hat, aber seit einem Unfall eine Gesichtsbaracke mit sich herumschleppt und daher das Licht der Öffentlichkeit eher scheut. Klingt nach einer win-win-Situation! Da gibt's nur noch ein Problem - Jan ist erstens von den Experimenten ihres Loverboys ü-ber-haupt nicht begeistert und hat zweitens durch die Spezialbehandlung einen telepathischen Link zum Monstrum in der Besenkammer, und auch das ist eher nicht so gut auf seinen Schöpfer zu sprechen...

Obwohl ich dem Ding zugegeben nicht mit allerhöchster Konzentration gefolgt bin, muss ich sagen, ja, der macht Laune. Superhirnrissige Prämisse, Sexismus vom 60er-Jahre-Feinsten, und für 1959 (das 62er-Baujahr oben beschreibt nur das Jahr, in dem der Film endlich in die Kinos kam) geizt das Ding nicht mit Splatter. Beware - es kursieren geschnittene Prints (als AIP das Ding in die Kinos brachte, wurden die krassen Splatterszenen geschnitten). Die Elstree-Hill-DVD, die bei amazon.de für 2 Euro weggeht, ist trotz der Coverangabe 72 Minuten mit 83 Minuten Laufzeit uncut (vermutlich, weil das Ding nicht mit "PG" aus dem britischen Film-TÜV gekommen wäre, hätte man den uncut vorgelegt :D )


SWORD OF SHERWOOD FOREST

Großbritannien 1960

Regie: Terence Fisher

mit Richard Greene, Peter Cushing, Jack Gwillim, Richard Pasco, Sarah Branch

Aufruhr im Sherwood Forest - den Merry Men um Robin Hood läuft ein schwer verwundeter Reiter ins Camp. Der Mann wurde von den Leuten des Sheriffs von Nottingham verfolgt und mit einer Armbrust gespickt. Der Kerl kratzt mit einer kryptischen Warnung vor unbestimmter Gefahr auf den Lippen ab und Robin ist so schlau wie zuvor, andererseits auch abgelenkt, stolpert ihm auch noch ein hübsches Frauenzimmer namens Marian vor die Füße. Marian verabscheut den Outlaw auf Anhieb, was natürlich nur heißen kann, dass sie vor der "Ende"-Einblendung ein innig liebendes Paar sein werden. Marian hat aber andere Sorgen - sie wird zufällig Augenzeugin, wie der Sheriff einen von Robins Leuten unter Versprechen eines Pardons verhört und, nachdem er die Lage von Robins Lager ermittelt hat, erschießen lässt. Das schlägt aus Sheriff-Sicht zwei Klappen mit einer Fliege (abgesehen davon, dass Robin sein Lager bereits abgebaut hat) - neben der Info hatte der nunmehr Verblichene Ländereien und nach dem Gesetz fallen die Länder eines getöteten Outlaws der Krone zu. Und da König Richard bekanntlich abwesend ist, bedeutet das, dass der Sheriff und seine Spießgesellen diese Länder unter sich verteilen können. Bei einer dieser Gerichtssitzungen mischt sich allerdings jemand ein - der Erzbischof von Canterbury himself, und der findet das nicht besonders lustig. Robin wird dieweil zu seiner Überraschung ob seiner Bogenschützenfertigkeiten vom Earl of Newark als gedungener Assassine angeheuert - wen er umlegen soll, erfährt er nicht, und bevor die Sache akut wird, identifiziert einer von Newarks Soldaten Robin als Outlaw und der geht sicherheitshalber stiften. Es braucht aber nicht viel Fantasie, um auszubaldowern, dass Newark mit dem Sheriff im Bunde ist und beabsichtigt, den Erzbischof auszuknipsen...

Ordentlicher Abenteuerfilm aus den Hammer Studios, gedreht größtenteils in Irland (weswegen mir einige Einstellungen des Sherwood Forest auch mächtig bekannt vorkommen). Richard Greene hatte die Robin-Hood-Rolle gerade fünf Jahre in einer erfolgreichen TV-Serie gespielt und ist daher full in character. Der Film selbst ist kein Sequel und keine Filmversion der Serie, nimmt aber natürlich etwaige Vermutungen gerne mit (aus der Serien-Belegschaft ist aber außer Greene niemand mit dabei). Im Vergleich zu Errol-Flynn-Swashbucklern ist der Hammer-Film eher bedächtig und belässt es bei drei größeren Actionszenen, variiert aber ganz nett den gesetzlich vorgeschriebenen Bogenschützenwettbewerb, in dem hier der Earl of Newark und Robin ihre Fähigkeiten messen, damit der böse Earl herausfinden kann, ob Robin gut genug für den Job ist. Wer auf die üblichen Merry-Men-Antics wartet, wird wohl enttäuscht - außer Friar Tuck (hier ein ziemlich langweiliger Geselle, obwohl er comic relief ist) und ein paar Sekunden Little John sind die Merry Men eher Hintergrund-Staffage, Maid Marian hat da schon mehr zu tun und übernimmt eine überraschend aktive Rolle (sie schwingt sogar das Schwert!). Peter Cushing, ein ziemlich überzeugender Sheriff von Nottingham, wird etwas dadurch im Stich gelassen, dass er nicht der Haupt-Baddie ist - das ist der recht farblose Richard Pasco als Earl of Newark. Dafür überzeugt Jack Gwillim (Poseidon im Original-"Kampf der Titanen") als Erzbischof von Canterbuy.

Gehört sicher nicht in die Spitzenklasse der Robin-Hood-Lore und des Swashbuckler-Genres, macht aber doch ordentlich Laune und erledigt seinen Job auch in straffen 77 Minuten.

(c) 2016 Dr. Acula