Quantum of Solace

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QUANTUM OF SOLACE

Quantum of Solace

(dt. Ein Quantum Trost)
Grossbritannien, USA 2008, 106 min, FSK 12


Regie: Marc Forster
Drehbuch: Paul Haggis, Neal Purvis, Robert Wade
Darsteller: Daniel Craig (James Bond), Olgy Kurylenko (Camille), Mathieu Amalric (Dominic Greene), Judi Dench (M), Giancarlo Giannini (Mathis), Gemma Arterton (Strawberry Fields), Joaquín Cosio (General Medrano), Jeffrey Wright (Felix Leiter), David Harbour (Gregg Beam), Anatole Traubman (Elvis), Jesper Christensen (Mr. White) u.a.


Wir erinnern uns, am Ende von Casino Royale hat Bond Le Chiffres direkten Vorgesetzten Mr. White eingesackt. Diesen bringt er nun (nachdem er ein paar anhängliche Bösmänner abgeschüttelt hat) nach Siena, wo der Kerl verhört werden soll. Daraus wird allerdings nichts, weil Ms Assistent Mitchell ebenfalls zu der geheimnisvollen Verbrecherorganisation Quantum gehört, ein paar Agenten umbringt und Mr. White zur Flucht verhilft. Bond kann Mitchell zwar stellen, bringt diesen aber um, bevor man ihn ausfragen kann.

Über markierte Geldscheine, die man in den Finanzverkehr von Quantum hat einschleusen können, nimmt Bond die Spuren eines gewissen Slate in Haiti auf. Bond kann Slate stellen, bringt diesen aber um, bevor man ihn ausfragen kann. Als er dessen Rolle übernimmt, killt ihn fast die junge Camille. Bond entkommt mit heiler Haut und folgt ihr heimlich zum Hafen, wo das Gelände von Dominic Greene steht, eines hohen Tieres von Quantum, dessen Freundin sie ist. Will sagen, sie war es, denn der hat raus- und nicht für gut befunden, dass sie Slate umbringen wollte, und glaubt ihr nicht, dass dieser ein Verräter gewesen sei. Also händigt er sie an General Medrano aus, welcher ein bolivianischer Ex-Diktator (sowie aus noch unbekannten Gründen von Anfang an das eigentliche Ziel von Camille) ist, dem Quantum zur erneuten Machtübernahme verhelfen soll. Im Gegenzug kriegt die Organisation ein anscheinend wertloses Stück Wüste...

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Wie auch immer. Bond rettet sie aus den Händen Medranos und folgt dann Greene nach Bregenz, wo dieser mit Geschäftspartner verhandelt – während einer Aufführung von Puccinis Oper „Tosca“ (Schwätzen in der Vorstellung? Die Typen sind echt böse!). Die Versammlung löst sich schnell auf, als unser Lieblingsagent sich einmischt, so dass dieser einen Grossteil der Beteiligten für spätere Recherchen schön abfotografieren kann – bloss Mr. White bleibt geistesgegenwärtig sitzen, dafür stellt Bond einen Bösmann-Handlanger, bringt diesen aber um, bevor man ihn ausfragen kann. Okay, technisch gesehen hat Greenes Chaffeur den Typen erschossen, aber Bond hat ihn immerhin vom Dach geschmissen. Was insofern unglücklich ist, als der vom Dach Geschmissene ein verdeckt ermittelnder Geheimdienstler war.

Bond wird vom Dienst suspendiert, macht aber auf eigene Faust weiter und nimmt, da seine Konten gesperrt wurden, Kontakt mit Mathis auf, der nach den Ereignissen im letzten Film sein Leben als Villenbesitzer geniesst. Der unterstützt ihn mit Geld und Kontakten in Bolivien, wo Bond Greene und Camille wiedersieht, nachdem er eben noch Strawberry Fields (!) vom MI6 flachgelegt hat, die ihn eigentlich nach England bringen sollte. Greene ist inzwischen verdammt sauer auf den Störenfried und es wird für unsere Helden allmählich eher hässlich...


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Während ein paar Unverbesserliche immer noch heulen, weil das Bond-Franchise mit „Casino Royale“ einen radikalen Neustart hinlegte und dabei einige ach so liebgewonnene Trademarks über Bord geworfen wurden (andersrum würd man sich wahrscheinlich wieder über mangelnde Originalität beklagen), hat sich der grösste Teil des Kinopublikums mit diesem neuen 007 angefreundet. Zu Recht.
Wo der hervorragende Vorgängerfilm bei dieser Neuausrichtung aufhörte, macht „Quantum of Solace“ (auf deutsch „Ein Quantum Trost“, was sich jetzt nicht besonders toll anhört) weiter, zum einen wortwörtlich, indem die Handlung direkt an diesen anschliesst, zum anderen, indem Bond immer noch lernen muss, zum abgebrühten Profi-Agenten späterer Tage zu werden, jetzt aber angesichts des Todes seiner geliebten Vesper immer noch verdammt sauer ist und alles tut, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Auch wenn er sich dabei über sämtliche Regeln hinwegsetzt und in seiner Raserei mitunter fatale Fehler macht. (Für die erwähnte schnelle, bedeutungslose Nummer mit Strawberry reicht die Zeit dann allerdings trotzdem – Vesper kann sich geehrt fühlen.) Knautschgesicht Daniel Craig erweist sich hierbei wiederum als ideale Besetzung, wobei ich nicht ganz unzufrieden damit bin, dass das ganze Charakter-Zeugs, das in „Casino Royale“ mitunter etwas unfreiwillig komisch wirkte, sich hier auf einige kleine Häppchen zwischen den ausgiebig zelebrierten Action Set Pieces beschränkt. Wobei man sich die eine oder andere diesbezügliche Szene immer noch hätte sparen oder abkürzen können, so zum Beispiel, wenn irgendwann extra Zeit eingeschoben werden muss, um Camillas Kindheitstrauma durchzukauen.

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Apropos Kürzen: Mit gut 105 Minuten ist „Quantum of Solace“ der kürzeste Bondfilm von allen; wem „Casino Royale“ zu lang war (mir nicht), der kann sich freuen. Action und Zwischenspiele sind entsprechend rasant inszeniert, der Film geht zügig zur Sache und hat es nicht so mit langen Pausen. Die Handlung führt im Rekordtempo über die halbe Welt, von Italien über London nach Haiti, von dort nach Bregenz und dann nach Bolivien. (Was dann auch einige schöne Bilder, am spektakulärsten in der bolivianischen Wüste, zur Folge hat.)
Krawall gemacht wird nach bestem Gewissen, es gibt Zweikämpfe und Verfolgungsjagden zu Fuss, mit dem Auto, zu Wasser und in der Luft. Allerdings kann das alles in meinen Augen nicht ganz mit der Action im Vorgänger mithalten (immerhin das Finale rockt die Hütte, wortwörtlich), kommt öfters mal ein Problem mit der Übersichtlichkeit (resp. dem an ADS leidenden Cutter) hinzu.
Trotzdem bleibt der eine oder andere Moment für Humor übrig (wie auch schon in „Casino Royale“; der neue Bond ist längst nicht so ernst, wie gerne behauptet wird) und schön ist sicher auch, dass hier der Vorspann die obligatorische Sexyness zurückgewinnt. Und wenn wir schon dabei sind: Der coole, stückweise fast schon experimentelle Titelsong „Another Way to Die“ von Jack White und Alicia Keys ist eine eindeutige Verbesserung gegenüber Chris Cornells schwacher Softrock-Nummer für den letzten Film. Den Rest des angemessenen Scores hat wieder einmal David Arnold zusammengeschrieben.

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Mathieu Amalric („The Diving Bell and the Butterfly“, „Munich“) ist als Chef-Bösewicht Dominic Greene vielleicht etwas zu schmierig, um so richtig zu beeindrucken, hat aber was hübsch Psychopathenhaftes an sich (die Augen!) und ist vor allem im Gegensatz zu Le Chiffre im letzten Streifen eine richtig grosse Nummer und hat einen wunderbar grössenwahnsinnigen Plan (der die Wasservorräte dieser Erde mit einschliesst – Al Gore und Co. lassen grüssen). Eindeutig eine Verbesserung in der Hinsicht.
Die Ukrainerin Olgy Kurylenko („Hitman“, „Max Payne“) fehlt es als Bondgirl Camille etwas an der nötigen Härte, sie ist mir schon etwas zu sehr Bimbo für die Rolle. Anders (die angeblich mit zwölf Fingern geborene!) Gemma Arterton („RocknRolla“) als Strawberry Fields, die allerdings nur einen kurzen Auftritt als Bonds Betthäschen hat, bevor sie leider auch schon wieder in Öl ertränkt (Anspielung auf „Goldfinger“, ist sicher noch keinem ausser mir aufgefallen) und aus der Handlung geschmissen wird. Buh!
Judi Dench, Giancarlo Giannini und Jeffrey Wright nehmen ihre Rollen als M, bzw. Mathis und Felix Leiter wieder auf, das Schweizer Publikum darf sich über Anatole Taubman als Greenes rechte Hand Elvis freuen, der sogar ein paar Worte Schweizerdeutsch spricht.

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Noch mehr aus dem Häuschen waren die Eidgenossen ja schon im lange im Voraus, weil Marc Forster auf dem Regiestuhl platziert wurde (wobei den auch die Deutschen für sich beanspruchen); im Endeffekt kommt’s einem allerdings nicht so vor, als hätte der als Macher von Arthouse-Dramen und subtilen Komödien („Monster’s Ball“, „Stranger Than Fiction“) bekannte Filmerling dem Streifen irgendwie seinen Stempel aufgedrückt – dieser unterscheidet sich alles in allem nicht besonders von „Casino Royale“, mal abgesehen davon, dass er weitaus knapper gehalten ist.
Womit wir auch beim Fazit angelangt wären: Wer den Vorgängerfilm mochte, wird auch diesen mögen, wer ihn hasste, kann sich bei „Quantum of Solace“ allenfalls über die kürzere Laufzeit freuen.

Sieben von zehn zerschossenen Undercover-Agenten.


(c) 2008 Gregor Schenker (manhunter)


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